Textfeld: Werden alle Menschen gerettet? - Überlegungen zur Lehre der Allversöhnung


 


Textfeld: Andreas SymankTextfeld: Werden
alle
Menschen
gerettet?
Überlegungen
zur Lehre
der Allversöhnung


Textfeld: FUNDAMENTUM
Dieses Buch erscheint in der Reihe FUNDAMENTUM, die der Immanuel-Verlag, Verlag der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel, veröffentlicht. Herausgeber dieser Reihe ist Prof. Dr. Samuel R. Külling, Rektor der STH Basel.
Dritte Auflage 1997
Alle Rechte vorbehalten
O Copyright 1982 Verlag DAS HAUS DER BIBEL, CH-1028 Pr6verenges © Copyright dieser Ausgabe Immanuel-Verlag
ISBN 3-952-1157-0-3 Immanuel-Verlag, Mühlestiegrain 50, CH-4125 Riehen/Schweiz
(früher erschienen im Verlag DAS HAUS DER BIBEL, Preverenges/Schweiz, ISBN 2-8260-5006-0)


Titelgrafik: DIETER SETZ, Design-Kommunikation, D-71292 Friolzheim
Satz und Druck: Druckhaus Gummersbach Wagener GbmH, D-51645 Gummersbach Printed in Germany
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Textfeld: INHALT

Vorbemerkungen

1. Exegetisches
a)	Römer 5, 18-19: Alle werden gerechtfertigt
b)	Römer 11, 32: Gott erbarmt sich aller
c)	1. Korinther 15, 22-28: Alle werden lebendig gemacht
d)	Philipper 2, 10-11: Alle beugen sich vor Jesus
e)	Kolosser 1, 19-20: Alles wird mit Gott versöhnt
f)	1. Timotheus 2, 4: Gott will alle retten
g)	Weitere Stellen
h)	Sonderstellung des paulinischen Schrifttums?

Dogmatisches
•	Beachtung des Zusammenhangs bei »alle«
Gottes Liebe Gottes Allmacht
•	Sünde: gottgewollt und segensreich?
•	»ewig«
Gericht, Strafe
•	Verlorenheit Leben - Tod Und die Menschen ohne Evangelium?
•	Freude im Himmel?
Gottes Ehre

III. Persönliches
a)	Meine Abkehr von der Allversöhnungslehre
b)	... gefördert durch fragwürdiges Verhalten bei Allversöhnungsvertretern
c)	... behindert durch ungutes Vorgehen bei Allversöhnungsgegnern
d)	Abschliessende Bemerkungen
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Textfeld: Vorbemerkungen
Allversöhnung: das ist die Auffassung, dass im Vollzug der Heilsgeschichte alle Menschen, ja alle Wesen errettet werden; das ganze von Gott erschaffene All wird am Ende mit ihm versöhnt sein.
Der vorliegenden Abhandlung zu diesem Thema liegt ein Briefwechsel zugrunde, bei dem es um den Einbruch der Allversöhnungslehre ins Leben einer Gemeinde und die daraus erwachsenen Schwierigkeiten ging. (Ich wurde angefragt, weil ich mich selber lange in Allversöhnungskreisen bewegt hatte.) Es handelt sich also um eine Gelegenheitsschrift, nicht um eine wissenschaftliche Arbeit mit dem Versuch, eine umfassende Entgegnung dieser Lehre aufzusetzen; schliesslich gibt es bereits eine ganze Reihe von Schriften verschiedenen Umfangs hierüber. Vielmehr möchte ich einige Uberlegungen zusammenstellen, die mir in dem mühsamen und langwierigen Prozess der Abkehr von dieser Lehre gekommen sind, mit der ich gewisser-massen gross geworden bin und jahrelang als Christ gelebt habe - Uberlegungen, die mir bei eben dieser Loslösung geholfen haben.
Dabei beginne ich mit den massgebenden Bibelstellen, die von seiten der Allversöhnungsanhänger als Belege für ihre Auffassung angeführt werden (»Exegetisches«), komme dann zu eher allgemeinen Gedanken, die diese Lehre betreffen (»Dogmatisches«), und schliesse mit einigen persönlichen Bemerkungen.
Betont sei, dass es nirgends um erschöpfende Auslegung von Schriftstellen oder Ausführung von Gedankengängen geht; eher handelt es sich um Denkanstösse, und manches, was gesagt wird, ist selbst noch unfertig und bedarf weiterer Forschung und Klärung. Wichtig scheint mir allerdings, dass man die Abhandlung nicht nur als Nachschlagewerk zu dieser oder jener Bibelstelle oder zu einem bestimmten dogmatischen Gedanken benutzt. Die einzelnen Abschnitte ergänzen sich und sollten im Zusammenhang gelesen werden.
Alles richtet sich bewusst an den, der - wie ich früher selbst einmal - von dieser Lehre eingenommen ist. Es handelt sich also nicht um ei-ne »theoretische«, von persönlichen Bezügen gelöste Abhandlung über Für und Wider eines bestimmten Dogmas. Gegner der Allversöhnung vermissen vielleicht eine breitangelegte Aufzählung von Gerichtsaus 
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Textfeld: sagen; ihnen würde eine solche bereits genügen, um die Frage zu entscheiden. Mir geht es darum, dem Anhänger der Allversöhnung die Risse, Unstimmigkeiten, Menschlichkeiten, ja die unbiblischen Stellen in diesem scheinbar so festgefügten Lehrgebäude zu zeigen - nicht um zum Widerspruch herauszufordern, sondern in der Hoffnung, es möge ihm gehen wie einst mir: er werde hellhörig, misstrauisch und schliesslich bereit, dem Allversöhnungssystem den Rücken zu kehren. Daher ist auch der dritte Teil angefügt: Vielleicht sieht sich jemand selbst an einem bestimmten Punkt dieser persönlichen Erfahrungen stehen und fasst Mut, den Weg bis zum Ende zu gehen.
Ein Dreifaches sei im voraus noch vermerkt. Zum einen befasse ich mich nicht mit all den Spielarten der Allversöhnung, die in rein menschlichen, philosophischen Überlegungen wurzeln und Gottes Offenbarung in seinem Wort nicht ernst nehmen, sondern nur mit den Aliversöhnungsvertretern, die die ganze Bibel uneingeschränkt als Gottes wahres Wort ansehen und die infolgedessen von der Bibel aus argumentieren und den Versuch unternehmen, ihre Lehre biblisch zu begründen.
Zum andern: Ich habe die Allversöhnungslehre so kennengelernt, wie sie sich in verschiedenen Kreisen des deutschen, vor allem des württembergischen und des westfälischen Pietismus entwickelt hat und heute darbietet. Zu einigen dieser Gruppierungen hatte ich persönlichen Kontakt, zu anderen durch ihr Schrifttum. Auf den Nachweis der von Allversöhnungsanhängern vertretenen Gedanken in ihrer Literatur habe ich bewusst verzichtet. Ich wollte Brüder, die mir in anderen Belangen viel bedeutet haben, nicht namentlich nennen; ausserdem zieht sich dieses Gedankengut quer durch die Reihen aller Allversöhnungskreise, so dass es schwer sein dürfte, ihnen im einzelnen gerecht zu werden. Es mag vorkommen, dass diese oder jene Überlegung auf eine bestimmte Gruppe nicht zutrifft; in solchem Fall möge sie sich nicht davon betroffen fühlen.
Schliesslich muss klar gesagt werden, dass es nicht um eine Herabsetzung dieser Christen geht, geschweige denn um ihre Verdammung. Im Gegenteil, ich achte und schätze viele, die ich persönlich kennen-gelernt habe, in ihrem Christsein und in ihrem alltäglichen Leben mit Gott. Es geht nicht darum, anderen Brüdern ihre Bekehrung oder Heiligung abzusprechen, sondern es geht um die Korrektur in diesem einen Punkt der Allversöhnungslehre, von der ich der festen Überzeugung bin, dass sie auf verkehrten »Erkenntnissen« beruht.
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Textfeld: I. EXEGETISCHES
a) Römer 5, 18-19:
Alle werden gerechtfertigt

»Wie durch die Sünde des einen die Verdammung über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt. 19 Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten.«
Wenn die erste Hälfte von Vers 18 und 19 Realität ist - so wird argumentiert -, dann muss dies auch für die zweite Hälfte der beiden Verse gelten. Wenn es unbestritten ist, dass alle Menschen Sünder wurden, dann müssen ebenso unbestritten auch alle gerecht werden.
Das klingt überzeugend; und doch kann es durchaus sein, dass hier nur von der Möglichkeit und nicht schon von der Verwirklichung der Rettung aller Menschen die Rede ist. Es darf nämlich nicht übersehen werden, dass bei aller Gleichheit in der Gegenüberstellung von Adam und Christus ein grundlegender Unterschied besteht: Der Weg, ein »Mitglied« der Adams-Gesellschaft zu werden, ist prinzipiell ein an-derer als der, Glied am Leib Jesu Christi zu werden. Adamite bin ich automatisch von meiner Geburt an; seit Adams erstem Ungehorsam herrscht die Sünde und damit der Tod über alle Menschen (Röm. 5, 12.17). Christ hingegen bin ich nicht automatisch und werde es auch durch Jesu Gerechtigkeit nicht von selbst - hier laufen die Beziehung eines Menschen zu Adam und die zu Christus also nicht parallel! Zum Christwerden gehört das Annehmen der Gerechtigkeit, wie Vers 17 klarmacht; »die, die die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen« - das wirkt wie eine einschränkende Erklärung und zeigt, wer von den »allen« nun in der Praxis Jesu Gnade erfährt.

Der ganze Abschnitt (V. 12-21) will die Grösse und Überlegenheit der Gnade gegenüber der Sünde herausstellen. Das ist durchaus zu Genüge mit dem Nachweis gelungen, dass die Gnade allen Menschen
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Textfeld: gilt und alle Auswirkungen des Todes überwinden kann, Die Argumentation ist nicht erst dann vollständig, wenn die tatsächliche Annahme der Gnade durch alle Menschen, also die Allversöhnung, hin-zugefügt wird.
Wohl sieht es so aus, als erlaube Paulus hier den Schluss auf die Rettung aller, ja als lehre er sie selbst; in Wirklichkeit redet er an solchen Stellen wie Vers 18 nur »ungeschützt«. Er spricht von zwei grundsätzlichen Dingen: Adams Sünde gereichte allen zum Tod, Jesu Gerechtigkeit gereicht allen zum Leben.
Was er nicht eigens anführt, ist die oben genannte Verschiedenheit, wie nun diese Todes- bzw. Lebensherrschaft zum einzelnen Menschen kommt. Prinzipiell gilt sie allen; praktisch sieht der Weg dahin verschieden aus. Das muss der Apostel hier nicht besonders erwähnen, da er ja in den vorangehenden Kapiteln ausführlich genug von der Notwendigkeit der Entscheidung und vom Verlorengehen derer geredet hat, die Jesus ablehnen (z. B. 1, 32; 2, 1-16, besonders 7-8). Er kann guten Gewissens voraussetzen, dass seine Leser das noch im Ohr haben und Kapitel 5, 18-19 nicht in falscher Weise isolieren, absolut setzen und überdehnen.
Übrigens wird in den berühmten Versen 3, 23-24 ganz ähnlich formuliert: »Alle haben gesündigt ... und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade.« Man könnte diese Stelle vergewaltigen und die Allversöhnung aus ihr herauslesen, weil es heisst: »alle werden gerechtfertigt« - und doch kommt hier niemand auf diesen Gedanken, einfach weil es zu offensichtlich ist, dass Paulus hier nur etwas Grundsätzliches anführt: Allen steht der Weg zur Rechtfertigung aus Gnade offen. Die Einschränkung (Glaube, Gehorsam) steht ja im Kontext deutlich genug (V. 22. 26. u.ö.). Mit Kapitel 5, 12-21 greift Paulus 3, 23-24 gleichsam wie-der auf und führt diesen Doppelgedanken im einzelnen aus; jene Einschränkung bleibt somit auch hier selbstverständlich bestehen.


b) Römer 11, 32: Gott erbarmt sich aller

»Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen.«

Der erste Teil des Verses muss nicht bedeuten, Gott habe die Men-
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Textfeld: schen gleichsam in den Ungehorsam geführt, sie also dazu verleitet (das kann es nicht bedeuten). Viel eher legt sich folgender Ablauf nahe: Der Mensch lebte im Ungehorsam wie in einem Haus (in das er selbst hin-eingegangen ist), worauf Gott zuschloss. (Man vergleiche das »Dahingegebensein« von Kapitel 1, 24. 26. 28: das Sündigen des Menschen geht dem Dahingeben Gottes voraus!) Das Einschliessen ist also nicht Ursache, sondern Folge unseres Sündigens. Ebensowenig ist es Willkür Gottes (als handle er so, um uns anschliessend um so schöner seine Gnade demonstrieren zu können), sondern eine Notwendigkeit, weil er gerecht ist. Es folgt zwingend aus Gottes Gottsein (andernfalls müsste Gott sein Wesen preisgeben, müsste sich selbst verleugnen).
Entsprechend erfüllt sich auch die zweite Vershälfte nicht über unsere Köpfe hinweg, sondern fordert unsere Beteiligung. Prinzipiell steht heute tatsächlich jedem der Weg zur Gnade frei; Jesus hat sich am Kreuz aller erbarmt, alle Sünde getragen. Ob jeder das annimmt, ist ei-ne andere Sache und lässt sich unserem Vers nicht zwingend entnehmen. Er gibt lediglich ein Ziel an, ohne uns vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Ausserdem ist zu fragen, ob Paulus bei »alle« hier wirklich an »ausnahmslos alle« denkt. Beachtet man, was weiter unten (Abschnitt II a) zu »alle« ausgeführt wird, insbesondere im Zusammenhang mit Apostelgeschichte 19, 10 und Kolosser 1, 23,-dann führt von dort aus eine gedankliche Linie direkt zu Römer 11, 32. Es gilt nämlich zu berücksichtigen, was hier unmittelbar vorangeht. In den Versen 30 und 31 bezieht Paulus genau dieselben Ausdrücke (»ungehorsamlungläubig sein«, »sich erbarmen«) einmal auf Israel und einmal auf die Heiden. Daran wird deutlich, wie das »alle« von Vers 32 gemeint ist: im Sinn von »unterschiedslos alle beide«.
Paulus hat in Kapitel 9-11 die wechselvolle und miteinander verzahnte Geschichte von Juden und Heiden ausgeführt, hat dargelegt, wie einmal diese und einmal jene Gott nicht gehorchten, hat auch gezeigt, wie dennoch jede der beiden Gruppen zu ihrer Zeit Gottes Er-barmen erlangt - und fasst nun zusammen: keine von beiden kann sich über die andere erheben (denn »alle beide« haben gesündigt); und doch ist keine für immer von Gott verworfen (denn er erbarmt sich über »alle beide«).
Gewiss ist damit noch nicht ausgeschlossen, dass tatsächlich auch jeder einzelne Mensch, der zu diesen beiden Gruppen gehört, Gottes
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Textfeld: Erbarmen findet; aber offensichtlich geht der Blick des Paulus auf et-was anderes: auf die schlussendlich gleiche Stellung von Israel und den Heidenvölkern vor Gott. Zur Entscheidung der Frage, ob denn nun alle diese Menschen gerettet werden, darf die Bedingung nicht vergessen werden, die indirekt genannt wird. »Unglaube, Ungehorsam« trennte Juden und Heiden von Gott. Da aber nur der »Glaubensgehorsam« rettet, muss er bei denen zu finden sein, die Gott annimmt. Vers 30 zeigt, wieso die römischen Heidenchristen Gottes Erbarmen er-langten: »Ihr habt einst nicht geglaubt« - mit anderen Worten: Nun seid ihr gläubig geworden. Sowohl die Geschichte Israels als auch die der Heiden macht deutlich, dass nicht alle der Botschaft von Jesus Christus Glauben schenken; folglich nehmen nicht alle Menschen Gottes Gnade an, wohl aber einzelne aus »allen beiden« Gruppen. Das meint Paulus in Römer 11, 32.


c) 1. Korinther 15, 22-28:
Alle werden lebendig gemacht

»Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, alle, die Christus gehören; 24 danach kommt das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat ... 26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod ... 28 ...damit Gott alles in allem ist.«

Hier haben wir den locus classicus der AllversöhnungsIehre vor uns. Keine Stelle wird häufiger zitiert; sie gilt als unwiderlegbar. Untersucht man sie jedoch genauer, dann spricht sie keineswegs so eindeutig für die Allversöhnung, wie es deren Vertreter gern haben möchten.
Zunächst einmal fragt sich, ob hier überhaupt von »allen Menschen« die Rede ist und nicht vielmehr nur von »allen Christen«. Schon im Vor-angehenden wendet sich Paulus an die Gläubigen, und erst recht gilt das von der Fortsetzung. Nicht dass er die allgemeine Totenauferstehung leugnen würde; doch hier beschäftigen ihn offensichtlich nur die, die »in Christus entschlafen sind« (V. 18). Bereits in den Versen 12 bis 34 wird gelegentlich deutlich, dass Auferweckung mehr bedeutet als blosse Le 
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Textfeld: bendigmachung des Leibes; es geht nicht um eine Auferstehung zum Gericht, sondern um die Auferstehung zu einem Leben in ewiger Herrlichkeit. Das zeigt sich.noch klarer in den Ausführungen über den Auferstehungsleib (V. 35-57): Paulus bringt ihn mit Begriffen wie »Unverweslichkeit«, »Herrlichkeit«, »Kraft«, »himmlisch«, »geistlich«, »unsterblich« in Verbindung; das kann nur im Blick auf Christen gelten. Dass auch die Gottlosen auferstehen und was für einen Leib sie erhalten werden, davon redet er gar nicht. Am einfachsten ist es daher, das »alle« in Vers 22 ebenfalls nur von den Christen zu verstehen. In diesem Fall (und vieles spricht dafür, dieser Auslegung den Vorzug zu geben) käme die Stelle von vornherein nicht als Beleg für eine Allversöhnung in Betracht; es wäre gar nicht von »allen Menschen« die Rede.
Doch nehmen wir einmal das Gegenteil an. Selbst dann ist der Schluss auf eine Allversöhnung nicht zwingend; mehrere Bedenken sind geltend zu machen.
Erstens: Was bedeutet »lebendig machen« (V.22)? Allversöhnungsvertreter verstehen darunter nicht nur die Auferweckung des Leibes, sondern eine geistliche und leibliche Lebenserneuerung im Sinn der Errettung. Sicherlich wird das griechische Wort oft in dieser Bedeutung verwendet, aber es gibt durchaus auch andere Stellen (z.B. Röm. 4, 17; 1. Tim. 6, 13), an denen die Dimension des Heils nicht grundsätzlich miteinbezogen ist. Sicherlich spricht auch das »in Christus« zunächst für ein Lebendigwerden durch eine persönliche (Glaubens-)Beziehung zu Jesus. Doch kann »in« im Griechischen auch instrumentalen Charakter tragen (»durch Christus«). Vielleicht sollte man daher das »durch« in Vers 21 (»... so kommt durch einen Menschen die Auferstehung der Toten«) nicht als bewussten Gegensatz zu »in« (V. 22) auffassen, sondern als einen Wechsel lediglich aus stilistischen Gründen (was ohne weiteres möglich ist). In diesem Fall hätten wir folglich zwei parallele Formulierungen, und das instrumentale Verständnis von »in« würde sich geradezu anbieten.
Zweitens: Das »denn« am Anfang von Vers 22 verknüpft diesen Vers mit dem vorangehenden so, dass er ihn begründet oder zumindest er-läutert. Das bedeutet aber, dass das Lebendigmachen von Vers 22 inhaltlich nicht über das Auferwecken von Vers 21 hinausführt; andern-falls wäre es nicht Begründung, sondern Folge und Ausweitung des Gedankens von Vers 21. Auferwecken und Lebendigmachen werden hier synonym gebraucht. - Solange man in den Versen 21 und 22 nur
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Textfeld: an die Christen denkt, mögen »auferwecken« und »lebendig machen« durchaus den Nebensinn »in Herrlichkeit« tragen. Sobald man die bei-den Verse jedoch auf alle Menschen ausweitet, ist man verpflichtet, diesen Nebensinn zu streichen; denn es ist auch im Allversöhnungslager unbestritten, dass die Gottlosen (zunächst einmal) zum Gericht und nicht in Herrlichkeit auferstehen.
Drittens: Selbst wenn man die Gleichsetzung von »auferwecken« mit »lebendig machen« ablehnt und in letzterem eine geistliche Erneuerung sehen will, kommt man doch nicht umhin, ihm je nach Bezugsperson eine andere Bedeutung zu geben. Christen warten auf die Erlösung ihres Leibes (Röm. 8, 23); bei Nichtchristen müsste sowohl der äussere als auch der innere Mensch erneuert werden. Weil also »lebendig machen« auf jeden Fall keine einheitliche Bedeutung trägt, scheint es am unkompliziertesten, darunter im ganzen Abschnitt »auf-erwecken« zu verstehen (immer vorausgesetzt, man hat »alle Menschen« und nicht nur »alle Christen« im Auge).
Wichtig ist viertens der Anfang von Vers 24. In den Reihen der Allversöhnungsanhänger wird er gewöhnlich so übersetzt: »danach (wird) der Rest (lebendig gemacht)«, wobei man an die gesamte übrige Menschheit denkt, die bei Jesu Wiederkunft noch nicht an ihn glaubt. Nun ist die Wiedergabe vom griechischen »telos« (»Ende, Ziel«), mit »Rest« äusserst fraglich und nirgends sonst im Neuen Testament belegt. Entscheidet man sich gegen sie, fällt die ganze Vorstellung einer dritten Gruppe (neben Jesus und den Christen), die auch noch der Lebenserneuerung bedarf, weg. Dann drückt Vers 24 auch nicht die Erwartung aus, dass Menschen nach Jesu Kommen errettet werden. Er spricht dann lediglich vom »Ende«, das sich daran anschliesst.
Aber nehmen wir - fünftens - einmal an, »Rest« wäre hier doch eine zulässige Übersetzung. Selbst dann treten Unstimmigkeiten mit dem System der Allversöhnung auf. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder man fasst »lebendig machen« als »auferwecken« auf: dann kann Vers 24 von nichts anderem sprechen als von der allgemeinen Totenauferstehung, der »zweiten« Auferstehung, über die uns Offenbarung 20 berichtet. Diese findet jedoch vor dem Endgericht statt - folglich taucht die Frage nach einer eventuellen Allversöhnung gar nicht auf.- Oder man versteht unter »lebendig machen« »erlösen«: dann würde diese Erlösung erst nach der Unterwerfung des letzten Feindes stattfinden (s. V. 24-26). Weil für Allversöhnungsvertreter die Unterwerfung der
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