Mat 1:1 Dieses Buch berichtet die Geschichte von Jesus Christus. Er ist Davids und Abrahams Nachkomme, und das sind seine Vorfahren: Mat 1:2 Abraham - Isaak - Jakob (der Vater Judas und dessen Brüder) Mat 1:3 Juda - Perez und Serach (Tamar war ihre Mutter) - Hezron Mat 1:4 Ram - Amminadab - Nachschon Mat 1:5 Salma - Boas (Sohn der Rahab) - Obed (Sohn der Ruth) - Jesse Mat 1:6 König David - Salomo (seine Mutter war Urias Frau) Mat 1:7 Rehabeam - Abia - Asa Mat 1:8 Josaphat - Joram - Usia Mat 1:9 Jotham - Ahas - Hiskia Mat 1:10 Manasse - Amon - Josia Mat 1:11 Jojachin und seine Brüder (zur Zeit der Verbannung in Babylon) Mat 1:12 Sealthiel - Serubabel (nach der babylonischen Gefangenschaft) Mat 1:13 Abiud - Eliakim - Asor Mat 1:14 Zadok - Achim - Eliud Mat 1:15 Eleasar - Matthan - Jakob. Mat 1:16 Jakob war der Vater Josephs. Joseph war der Mann Marias. Sie war die Mutter Jesu Christi, des Sohnes Gottes. Mat 1:17 Von Abraham bis zu König David sind es also vierzehn Generationen. Auch von David bis zur Verbannung in Babylon sind es vierzehn Generationen, und von dieser Zeit bis zu Christus noch einmal vierzehn. Mat 1:18 Und so wurde der Sohn Gottes Mensch: Seine Mutter Maria war mit Joseph verlobt. Noch ehe sie verheiratet waren, erwartete Maria ein Kind, das Gottes Geist in ihr geschaffen hatte. Mat 1:19 Joseph sah keinen anderen Ausweg, als die Verlobung stillschweigend aufzulösen. Er wollte nach Gottes Geboten handeln, aber auch Maria nicht bloßstellen. Mat 1:20 Er grübelte noch darüber nach, wie er sein Problem lösen sollte, als ihm im Traum ein Engel Gottes erschien, der zu ihm sagte: "Joseph, du Sohn Davids, zögere nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen! Denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Mat 1:21 Sie wird einen Sohn bekommen, den sollst du Jesus nennen, das heißt 'Retter'. Denn er wird sein Volk von den Sünden befreien." Mat 1:22 Damit erfüllte sich, was Gott durch seinen Propheten vorhergesagt hatte: Mat 1:23 "Eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn bekommen. Den wird man Immanuel nennen. Das bedeutet: 'Gott ist mit uns!'" Mat 1:24 Als Joseph erwachte, tat er, was ihm der Engel befohlen hatte, und nahm Maria als seine Frau zu sich. Mat 1:25 Sie blieb aber Jungfrau bis zur Geburt ihres Sohnes. Joseph gab ihm den Namen Jesus. Mat 2:1 Jesus wurde in Bethlehem geboren, einer kleinen Stadt in Judäa. Herodes war damals König. In dieser Zeit kamen einige Sternforscher aus dem Orient nach Jerusalem und erkundigten sich: Mat 2:2 "Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind hierher gekommen, um ihn anzubeten." Mat 2:3 König Herodes war bestürzt, und nicht nur er, sondern alle Einwohner Jerusalems. Mat 2:4 Er rief die führenden Priester und Schriftgelehrten zusammen und fragte sie: "Wo soll dieser neue König geboren werden?" Mat 2:5 Sie antworteten ihm: "Im Buch des Propheten Micha heißt es: Mat 2:6 'Bethlehem, du bist keineswegs die unbedeutendste Stadt im Land Judäa. Denn aus dir kommt der Mann, der mein Volk Israel führen wird.'" Mat 2:7 Da rief Herodes die Sternforscher heimlich zu sich und fragte sie, wann sie zum ersten Mal den Stern gesehen hätten. Anschließend schickte er sie mit diesem Befehl nach Bethlehem: Mat 2:8 "Sucht nach dem Kind, und gebt mir Nachricht, wenn ihr es gefunden habt. Ich will dann auch hingehen und ihm Ehre erweisen." Mat 2:9 Nach diesem Gespräch gingen die Sternforscher nach Bethlehem. Und das Unglaubliche geschah: Der Stern, den sie im Osten gesehen hatten, führte sie. Er blieb über dem Haus stehen, in dem das Kind war. Mat 2:10 Da kannte ihre Freude keine Grenzen. Mat 2:11 Sie gingen in das Haus, wo sie das Kind mit seiner Mutter Maria fanden, knieten vor ihm nieder und beteten es an. Dann packten sie ihre Schätze aus und beschenkten das Kind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. Mat 2:12 Im Traum befahl ihnen Gott, nicht mehr zu Herodes zurückzugehen. Deshalb wählten sie für ihre Heimreise einen anderen Weg. Mat 2:13 In der folgenden Nacht erschien dem Joseph im Traum ein Engel Gottes, der ihn aufforderte: "Steh schnell auf und fliehe mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten! Bleibt so lange dort, bis ich euch zurückrufe, denn Herodes will das Kind umbringen." Mat 2:14 Da zog Joseph noch in der Nacht mit Maria und dem Kind nach Ägypten. Mat 2:15 Dort blieben sie bis zum Tode von Herodes. So erfüllte sich das Wort des Propheten, durch das Gott gesagt hatte: "Ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen." Mat 2:16 Herodes war außer sich vor Zorn, als er merkte, daß ihn die Sternforscher hintergangen hatten. Er ließ alle Jungen unter zwei Jahren in Bethlehem und in der Umgebung dieser Stadt umbringen. Das Alter des Kindes hatte er nach den Angaben der Sternforscher errechnet. Mat 2:17 Mit diesem grausamen Mord erfüllte sich die Vorhersage des Propheten Jeremia: Mat 2:18 "Schreie der Angst hört man in der Stadt Rama, das Klagen nimmt kein Ende. Rahel beweint ihre Kinder und ist untröstlich. Denn sie sind alle tot." Mat 2:19 Als Herodes gestorben war, erschien dem Joseph in Ägypten wieder ein Engel Gottes im Traum und sagte zu ihm: Mat 2:20 "Stehe auf, nimm das Kind und seine Mutter und kehre heim in das Land Israel! Die Leute, die das Kind töten wollten, sind gestorben." Mat 2:21 Da ging Joseph mit Maria und dem Kind nach Israel zurück. Mat 2:22 Als er aber erfuhr, daß Archelaus, der Sohn des Herodes, König von Judäa geworden war, bekam er Angst. Gott gab ihm im Traum die Anweisung, in die Provinz Galiläa zu ziehen. Mat 2:23 So kamen sie nach Nazareth und ließen sich dort nieder. Dadurch erfüllte sich das Wort der Propheten über Christus: "Man wird ihn den Nazarener nennen." Mat 3:1 In dieser Zeit fing Johannes der Täufer an, in der judäischen Wüste zu predigen. Sein Hauptthema war: Mat 3:2 "Ändert euch von Grund auf! Kehrt um zu Gott! Denn jetzt beginnt die Herrschaft Gottes." Mat 3:3 Der Prophet Jesaja hatte die Aufgabe des Johannes vorausschauend so beschrieben: "Ich höre jemand in der Wüste rufen: 'Macht den Weg frei für den Herrn! Räumt alle Hindernisse hinweg!'" Mat 3:4 Johannes trug einen aus Kamelhaar gewebten Umhang, der von einem Lederriemen zusammengehalten wurde. Er ernährte sich von Heuschrecken und Honig, den er draußen fand. Mat 3:5 Viele Menschen aus Jerusalem, aus dem Jordantal und aus allen Gegenden Judäas kamen zu Johannes. Mat 3:6 Sie bekannten ihre Sünden, und Johannes taufte sie im Jordan. Mat 3:7 Als er aber sah, daß auch viele Pharisäer und Sadduzäer kamen, um sich taufen zu lassen, wies er sie ab: "Ihr Teufelspack! Wie könnt ihr glauben, daß ihr dem kommenden Gericht Gottes entrinnen werdet? Mat 3:8 Beweist erst einmal durch Taten, daß ihr euch wirklich ändern wollt! Mat 3:9 Bildet euch nur nicht ein, daß ihr euch damit herausreden könnt: 'Abraham ist unser Vater!' Das wird euch gar nichts helfen! Gott kann selbst aus diesen Steinen hier Nachkommen Abrahams machen. Mat 3:10 Schon ist die Axt erhoben, um die Bäume an der Wurzel abzuschlagen. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Mat 3:11 Wer umkehrt zu Gott, den taufe ich mit Wasser. Nach mir wird aber einer kommen, der ist größer als ich. Ich bin nicht einmal würdig, ihn zu bedienen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Mat 3:12 Er hat schon die Schaufel in seiner Hand, mit der er die Spreu vom Weizen trennt. Die Spreu wird er mit Feuer verbrennen, das niemand löschen kann, aber den Weizen wird er in seine Scheunen bringen." Mat 3:13 Auch Jesus kam aus seiner Heimat in Galiläa an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Mat 3:14 Aber Johannes versuchte, ihn davon abzubringen: "Ich müßte eigentlich von dir getauft werden, und du kommst zu mir?" Mat 3:15 Jesus erwiderte: "Laß es so geschehen, denn wir müssen alles tun, was Gott will." Da wurde Jesus von Johannes getauft. Mat 3:16 Als Jesus wieder aus dem Wasser stieg, öffnete sich der Himmel über ihm, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabschweben und auf sich kommen. Mat 3:17 Gleichzeitig sprach eine Stimme vom Himmel: "Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Freude habe! Ihn habe ich erwählt." Mat 4:1 Danach wurde Jesus vom Geist Gottes in die Wüste geführt, wo ihn der Teufel versuchen sollte. Mat 4:2 Vierzig Tage und Nächte lang aß er nichts. Der Hunger quälte ihn. Mat 4:3 Da kam der Teufel zu ihm und forderte ihn heraus: "Wenn du Gottes Sohn bist, dann mach aus diesen Steinen Brot!" Mat 4:4 Jesus antwortete: "Nein, denn es steht in der Heiligen Schrift: 'Der Mensch lebt nicht allein von Brot, sondern von allem, was der Herr ihm zusagt!'" Mat 4:5 Da nahm ihn der Teufel mit nach Jerusalem und stellte ihn an den Rand der Tempelmauer. Mat 4:6 "Spring hinunter!" forderte er Jesus auf. "Du bist doch Gottes Sohn! Und es steht geschrieben: 'Gott wird seine Engel schicken. Sie werden dich auf Händen tragen, und du wirst dich nicht einmal an einem Stein verletzen!'" Mat 4:7 Jesus entgegnete ihm: "Es steht aber auch geschrieben: 'Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht herausfordern!'" Mat 4:8 Nun führte ihn der Teufel auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit. Mat 4:9 "Das alles gebe ich dir, wenn du vor mir niederkniest und mich anbetest", sagte er. Mat 4:10 Aber Jesus wies ihn ab: "Weg mit dir, Satan, denn es steht geschrieben: 'Bete allein Gott, deinen Herrn, an und gehorche ihm!'" Mat 4:11 Da gab der Teufel auf und verließ ihn. Und die Engel Gottes kamen und sorgten für Jesus. Mat 4:12 Als Jesus hörte, daß man Johannes verhaftet hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Mat 4:13 Er verließ Nazareth und wohnte in Kapernaum am See Genezareth, im Gebiet von Sebulon und Naphtali. Mat 4:14 Damit erfüllte sich das Wort Jesajas: Mat 4:15 "Du Land Sebulon und Naphtali, Land am See und jenseits des Jordan, du gottloses Galiläa, höre zu! Mat 4:16 Das Volk, das in der Finsternis wohnt, sieht ein großes Licht. Hell strahlt es auf über denen, die im Schatten des Todes leben und ohne Hoffnung sind." Mat 4:17 Von da an begann Jesus zu predigen: "Ändert euch von Grund auf! Kehrt um zu Gott! Denn die Herrschaft Gottes bricht jetzt an!" Mat 4:18 Am See Genezareth sah Jesus zwei Brüder: Simon, der später Petrus genannt wurde, und seinen Bruder Andreas. Sie waren Fischer und warfen gerade ihre Netze aus. Mat 4:19 Jesus rief ihnen zu: "Kommt mit mir! Ich will euch zeigen, wie ihr Menschen für Gott gewinnen könnt." Mat 4:20 Da ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Mat 4:21 Etwas später sah er am Strand zwei andere Fischer, die Brüder Jakobus und Johannes. Sie saßen mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und flickten Netze. Auch sie rief Jesus zu sich. Mat 4:22 Sofort verließen sie das Boot und ihren Vater und gingen mit Jesus. Mat 4:23 Jesus wanderte durch das Land Galiläa, predigte in den Synagogen und verkündete überall die Heilsbotschaft vom Reich Gottes. Er heilte alle Arten von Krankheiten und Leiden. Mat 4:24 Bald wurde überall von ihm gesprochen, selbst in Syrien. Man brachte viele Kranke zu ihm, die unter großen Schmerzen litten: Besessene, Belastete und körperlich Behinderte. Und er heilte sie alle. Mat 4:25 Eine gewaltige Menschenmenge folgte Jesus, wohin er auch ging. Leute aus Galiläa, aus dem Gebiet der Zehn-Städte, aus Jerusalem und dem ganzen Gebiet von Judäa liefen ihm nach. Selbst vom gegenüberliegenden Jordanufer kamen sie. Mat 5:1 Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg. Nachdem er sich gesetzt hatte, traten seine Jünger zu ihm. Mat 5:2 Da redete er zu ihnen und begann, sie zu unterweisen: Mat 5:3 "Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn Gottes Herrschaft und Herrlichkeit gehört ihnen. Mat 5:4 Glücklich sind die Traurigen, denn Gott wird sie trösten. Mat 5:5 Glücklich sind, die auf Gewalt verzichten, denn sie werden die ganze Erde besitzen. Mat 5:6 Glücklich sind, die sich nach Gottes Gerechtigkeit sehnen, denn Gott wird ihre Sehnsucht stillen. Mat 5:7 Glücklich sind die Barmherzigen, denn Gott wird auch mit ihnen barmherzig sein. Mat 5:8 Glücklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen. Mat 5:9 Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen. Mat 5:10 Glücklich sind, die deshalb verfolgt werden, weil sie Gottes Willen tun. Sie werden mit Gott in seinem Reich leben. Mat 5:11 Wenn ihr verachtet, verfolgt und zu Unrecht verleumdet werdet, weil ihr mir nachfolgt, dann könnt ihr darüber glücklich sein. Mat 5:12 Ja, freut euch, denn im Himmel werdet ihr dafür belohnt werden. Genauso haben sie die Propheten früher auch verfolgt." Mat 5:13 "Ihr seid das Salz, das die Welt vor dem Verderben bewahrt. Aber so, wie das Salz nutzlos ist, wenn es seine Kraft verliert, so seid auch ihr nutzlos, und man wird über euch hinweggehen, wenn ihr eure Aufgabe in der Welt nicht erfüllt. Mat 5:14 Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt. Eine Stadt, die hoch auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Mat 5:15 Man zündet ja auch keine Lampe an und deckt sie dann zu. Im Gegenteil: Man stellt sie so auf, daß sie allen im Haus Licht gibt. Mat 5:16 Genauso soll euer Licht vor allen Menschen leuchten. An euren Taten sollen sie euren Vater im Himmel erkennen und ihn auch ehren." Mat 5:17 "Meint nur nicht, ich bin gekommen, das Gesetz und das, was Gott durch die Propheten gesagt hat, aufzuheben. Im Gegenteil, ich werde beides voll zur Geltung bringen und erfüllen. Mat 5:18 Denn das sage ich euch: Auch der kleinste Buchstabe im Gesetz Gottes behält seine Gültigkeit, solange die Erde besteht. Mat 5:19 Wenn jemand auch nur den geringsten Befehl Gottes für ungültig erklärt oder andere dazu verleitet, der wird in Gottes Reich keine Rolle spielen. Wer aber anderen Gottes Gebote weitersagt und sich selbst danach richtet, der wird im Reich Gottes viel bedeuten." Mat 5:20 "Aber ich warne euch: Wenn ihr nicht mehr aufweisen könnt als die Pharisäer und Schriftgelehrten, kommt ihr nicht in Gottes Reich. Mat 5:21 Ihr habt gehört, daß es im Gesetz des Mose heißt: 'Du sollst nicht töten! Wer aber einen Mord begeht, muß vor ein Gericht.' Mat 5:22 Doch ich sage euch: Schon wer auf seinen Bruder zornig ist, den erwartet das Gericht. Wer zu seinem Bruder 'Du Idiot!' sagt, der wird vom Obersten Gericht abgeurteilt werden, und wer ihn verflucht, dem ist das Feuer der Hölle sicher. Mat 5:23 Wenn du während des Gottesdienstes ein Opfer bringen willst und dir fällt plötzlich ein, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, Mat 5:24 dann laß dein Opfer liegen, gehe zu deinem Bruder und versöhne dich mit ihm. Erst danach bringe Gott dein Opfer. Mat 5:25 Setze alles daran, dich noch auf dem Weg zum Gericht mit deinem Gegner zu einigen. Du könntest sonst verurteilt werden und in das Gefängnis kommen. Mat 5:26 Von dort wirst du nicht eher wieder herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig deiner Schuld bezahlt hast." Mat 5:27 "Wie ihr wißt, heißt es im Gesetz: 'Du sollst nicht die Ehe brechen!' Mat 5:28 Ich sage euch aber: Schon wer eine Frau mit begehrlichen Blicken ansieht, der hat im Herzen mit ihr die Ehe gebrochen. Mat 5:29 Wenn dich also dein rechtes Auge verführt, dann reiß es heraus und wirf es weg! Besser, du verlierst eins deiner Glieder, als daß du heil und unversehrt in die Hölle geworfen wirst. Mat 5:30 Und wenn dich deine rechte Hand verführt, Böses zu tun, so hack sie ab und wirf sie weg! Es ist besser, ein Krüppel zu sein, als mit Haut und Haaren in die Hölle geworfen zu werden." Mat 5:31 "Bisher hieß es: 'Wenn sich jemand von seiner Frau trennen will, soll er ihr eine Scheidungsurkunde geben.' Mat 5:32 Ich sage euch aber: Wenn ein Mann sich von seiner Frau trennt, obwohl sie ihn nicht mit einem anderen Mann betrogen hat, so treibt er sie zum Ehebruch. Und wer eine geschiedene Frau heiratet, der begeht auch Ehebruch." Mat 5:33 "Ihr kennt auch diese Anweisung des Gesetzes: 'Du sollst keinen Meineid schwören, sondern das halten, was du vor Gott versprochen hast.' Mat 5:34 Ich sage euch aber: Schwört überhaupt nicht! Wenn jemand sagt: 'Der Himmel ist mein Zeuge!', so mißbraucht er Gottes himmlischen Thron für seine weltlichen Geschäfte. Mat 5:35 Und wenn du dich auf Dinge dieser Welt berufst, so mißbrauchst du Gott auch damit, denn die Erde ist sein Eigentum. Berufe dich nicht auf Jerusalem, denn sie ist die Stadt Gottes. Mat 5:36 Verbürge dich auch nicht mit deinem Kopf für etwas, denn du kannst ja nicht einmal ein einziges deiner Haare weiß oder schwarz wachsen lassen. Mat 5:37 Sage einfach 'Ja' oder 'Nein'. Alle anderen Beteuerungen zeigen nur, daß du dich vom Bösen bestimmen läßt." Mat 5:38 "Es heißt auch: 'Wer einem anderen ein Auge ausschlägt, muß dafür mit seinem eigenen Auge büßen. Wer einem anderen einen Zahn ausschlägt, dem soll das gleiche geschehen.' Mat 5:39 Ich sage euch aber: Wehrt euch nicht, wenn euch Böses geschieht! Wenn man dir eine Ohrfeige gibt, dann halte die andere Wange auch noch hin! Mat 5:40 Wenn einer dir dein Hemd nehmen will, so gib ihm auch noch den Mantel! Mat 5:41 Wenn einer von dir verlangt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann gehe zwei Meilen mit ihm! Mat 5:42 Gib dem, der dich um etwas bittet, und auch dem, der etwas von dir leihen will. Mat 5:43 Es heißt bei euch: 'Liebt eure Freunde und haßt eure Feinde!' Mat 5:44 Ich sage aber: Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch hassen und verfolgen! Mat 5:45 Auf diese Weise handelt ihr nämlich als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er läßt seine Sonne für die Bösen wie für die Guten scheinen, und er läßt es regnen für Fromme und Gottlose. Mat 5:46 Wollt ihr etwa noch dafür belohnt werden, wenn ihr die liebt, die euch auch lieben? Das tun sogar die, die Gott verachten! Mat 5:47 Wenn ihr nur euren Freunden liebevoll begegnet, ist das etwas Besonderes? Das tun auch die, die von Gott nichts wissen. Mat 5:48 Ihr aber sollt so vollkommen sein wie euer Vater im Himmel." Mat 6:1 "Hütet euch davor, nur deshalb Gutes zu tun, damit die Leute euch bewundern. So könnt ihr von eurem Vater im Himmel keinen Lohn mehr erwarten. Mat 6:2 Wenn du einem Armen etwas gibst, mach kein großes Gerede davon, wie es die Heuchler tun. Sie reden davon in allen Gottesdiensten und an jeder Straßenecke. Sie wollen wegen ihrer Wohltätigkeit von allen gelobt werden. Das sage ich euch: Diese Leute haben ihren Lohn schon selbst einkassiert. Mat 6:3 Wenn du aber jemandem hilfst, dann soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut; niemand soll davon erfahren. Mat 6:4 Dein Vater, der alles sieht, wird dich dafür belohnen." Mat 6:5 "Betet nicht wie die Heuchler! Sie bleiben gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen, um zu beten. Jeder soll es sehen. Ich sage euch: Sie haben von Gott nichts zu erwarten. Mat 6:6 Wenn du beten willst, gehe in dein Zimmer, schließe die Tür hinter dir zu, und bete zu deinem Vater. Und dein Vater, der selbst deine geheimsten Gedanken kennt, wird dich erhören. Mat 6:7 Leiere deine Gebete nicht herunter wie Leute, die Gott nicht kennen. Mat 6:8 Sie meinen, Gott würde schon antworten, wenn sie nur viele Worte machen. Nein, euer Vater weiß genau, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn um etwas bittet. Mat 6:9 Ihr sollt deshalb so beten: 'Unser Vater im Himmel! Dein heiliger Name soll geehrt werden. Mat 6:10 Richte bald deine Herrschaft bei uns auf. Laß deinen Willen hier auf der Erde geschehen, wie er im Himmel geschieht. Mat 6:11 Gib uns auch heute wieder, was wir zum Leben brauchen. Mat 6:12 Vergib uns unsere Schuld, wie wir denen vergeben, die uns Unrecht getan haben. Mat 6:13 Bewahre uns davor, daß wir dir untreu werden, und befreie uns vom Bösen. Denn dir gehören Herrschaft, Macht und Ehre für alle Zeiten. Amen!' Mat 6:14 Euer Vater im Himmel wird euch vergeben, wenn ihr den Menschen vergebt, die euch Unrecht getan haben. Mat 6:15 Wenn ihr ihnen aber nicht vergeben wollt, dann wird euch Gott eure Schuld auch nicht vergeben." Mat 6:16 "Fastet nicht wie die Heuchler! Sie setzen eine wehleidige Miene auf, damit jeder merkt, was ihnen ihr Glaube wert ist. Das ist dann auch der einzige Lohn, den sie je bekommen werden. Mat 6:17 Wenn du fastest, dann pflege dein Äußeres so, Mat 6:18 daß keiner etwas von deinem Verzicht merkt außer deinem Vater im Himmel. Dein Vater, der jedes Geheimnis kennt, wird dich belohnen." Mat 6:19 "Häuft in dieser Welt keine Reichtümer an! Sie verlieren schnell ihren Wert oder werden gestohlen. Mat 6:20 Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, die nie ihren Wert verlieren und die kein Dieb mitnehmen kann. Mat 6:21 Wo nämlich eure Schätze sind, da zieht es euch hin." Mat 6:22 "Das Auge gibt dir Licht. Wenn deine Augen klar sehen, wirst du dich überall sicher bewegen können. Mat 6:23 Wenn du nun schlecht siehst, tappst du unsicher herum. Hast du aber Gott aus den Augen verloren, wie schrecklich wird dann deine Finsternis sein!" Mat 6:24 "Niemand kann gleichzeitig zwei Herren dienen. Wer dem einen richtig dienen will, wird sich um die Wünsche des andern nicht kümmern können. Genausowenig könnt ihr zur selben Zeit für Gott und das Geld leben. Mat 6:25 Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euren Lebensunterhalt, um Essen, Trinken und Kleidung. Leben bedeutet mehr als nur Essen und Trinken, und der Mensch ist mehr als seine Kleidung. Mat 6:26 Seht euch die Vögel an! Sie säen nichts, sie ernten nichts und sammeln auch keine Vorräte. Euer Vater im Himmel versorgt sie. Meint ihr nicht, daß er sich um euch noch viel mehr kümmert? Mat 6:27 Und wenn ihr euch noch so viel sorgt, könnt ihr doch euer Leben auch nicht um einen Augenblick verlängern. Mat 6:28 Weshalb macht ihr euch so viele Sorgen um eure Kleidung? Seht euch die Blumen auf den Wiesen an! Sie arbeiten nicht und kümmern sich auch nicht um ihre Kleidung. Mat 6:29 Doch selbst König Salomo in seiner ganzen Herrlichkeit war lange nicht so prächtig gekleidet wie irgendeine dieser Blumen. Mat 6:30 Wenn aber Gott sogar das Gras so schön wachsen läßt, das heute auf der Wiese grünt und morgen vielleicht schon verbrannt wird, meint ihr, daß er euch dann vergessen würde? Vertraut ihr Gott so wenig? Mat 6:31 Hört also auf, voller Sorgen zu denken: 'Werden wir genug zu essen haben? Und was werden wir trinken? Was sollen wir anziehen?' Mat 6:32 Wollt ihr denn leben wie die Menschen, die Gott nicht kennen und sich nur mit diesen Dingen beschäftigen? Euer Vater im Himmel weiß ganz genau, daß ihr das alles braucht. Mat 6:33 Gebt nur Gott und seiner Sache den ersten Platz in eurem Leben, so wird er euch auch alles geben, was ihr nötig habt. Mat 6:34 Deshalb habt keine Angst vor der Zukunft! Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine eigenen Lasten hat. Gott wird auch morgen für euch sorgen." Mat 7:1 "Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt. Mat 7:2 Denn so wie ihr jetzt andere verurteilt, werdet auch ihr verurteilt werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere legt, wird man euch selber messen. Mat 7:3 Du regst dich auf über die kleinen Schwächen deines Bruders und erkennst nicht deine eigene, viel größere Schuld. Mat 7:4 Du sagst: 'Mein Freund, komm her! Ich will dir die Augen für deine Fehler öffnen!' Dabei bist du blind für deine eigene Schuld. Mat 7:5 Du Heuchler! Kümmere dich zuerst um deine Fehler, dann versuche, deinem Bruder zu helfen. Mat 7:6 Gebt das, was euch heilig ist, nicht Menschen preis, die es nicht achten. Und was euch kostbar ist, verschleudert nicht an solche, die seinen Wert nicht erkennen. Sie werden sonst euern Glauben in den Dreck zerren und euch hinterher auch noch angreifen." Mat 7:7 "Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, dann wird euch die Tür geöffnet! Mat 7:8 Denn wer bittet, der wird bekommen. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet. Mat 7:9 Wenn ein Kind seinen Vater um ein Stück Brot bittet, wird er ihm dann einen Stein geben? Mat 7:10 Wenn es um einen Fisch bittet, wird er ihm etwa eine giftige Schlange anbieten? Mat 7:11 Wenn schon ihr hartherzigen, sündigen Menschen euern Kindern Gutes gebt, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel denen gute Gaben schenken, die ihn darum bitten! Mat 7:12 So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch. Das ist - kurz zusammengefaßt - der Inhalt der ganzen Heiligen Schrift." Mat 7:13 "Nur durch eine sehr enge Tür könnt ihr in das Reich Gottes kommen. Der Weg zur Hölle dagegen ist breit und hat ein weites Tor. Viele entscheiden sich für diesen scheinbar bequemen Weg. Mat 7:14 Aber die Tür, die zum Leben führt, ist eng, und der Weg dorthin ist schmal. Deshalb gehen ihn nur wenige." Mat 7:15 "Nehmt euch in acht vor denen, die falsche Lehren verbreiten! Sie tarnen sich als sanfte Schafe, aber in Wirklichkeit sind sie reißende Wölfe. Mat 7:16 Wie man einen Baum an seiner Frucht erkennt, so erkennt man auch sie an ihrem Tun und Treiben. Weintrauben kann man nicht von Dornbüschen und Feigen nicht von Disteln ernten. Mat 7:17 Ein guter Baum bringt gute Früchte und ein kranker Baum schlechte. Mat 7:18 Ein guter Baum wird keine schlechten Früchte tragen, genausowenig wie ein kranker Baum gute Früchte hervorbringt. Mat 7:19 Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und verbrannt. Mat 7:20 Ebenso werdet ihr auch einen Menschen an seinen Taten erkennen." Mat 7:21 "Nicht, wer mich dauernd 'Herr' nennt, wird in Gottes Reich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Mat 7:22 Am Tag des Gerichts werden zwar viele sagen: 'Aber Herr, wir haben doch deine Wahrheiten gepredigt! Wir haben doch in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mächtige Taten vollbracht!' Mat 7:23 Aber ich werde ihnen antworten: 'Ihr habt nie wirklich zu mir gehört. Was ihr getan habt, das habt ihr ohne mich getan. Geht mir aus den Augen!'" Mat 7:24 "Wer meine Worte hört und danach handelt, der ist klug. Man kann ihn mit einem Mann vergleichen, der sein Haus auf felsigen Grund baut. Mat 7:25 Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, das Hochwasser steigt und der Sturm am Haus rüttelt, wird es trotzdem nicht einstürzen, weil es auf Felsengrund gebaut ist. Mat 7:26 Wer sich meine Worte nur anhört, aber nicht danach lebt, der ist so unvernünftig wie einer, der sein Haus auf Sand baut. Mat 7:27 Denn wenn ein Wolkenbruch kommt, die Flut das Land überschwemmt und der Sturm um das Haus tobt, wird es mit großem Krachen einstürzen." Mat 7:28 Als Jesus seine Rede beendet hatte, waren die Zuhörer tief betroffen. Mat 7:29 Denn was er gesagt hatte, waren nicht leere Worte wie bei ihren Schriftgelehrten. Sie merkten, daß Gott selbst durch Jesus zu ihnen gesprochen hatte. Mat 8:1 Eine große Menschenmenge folgte Jesus, als er vom Berg herabstieg. Mat 8:2 Da kam ein Leprakranker und fiel vor Jesus nieder: "Herr, wenn du willst, kannst du mich heilen!" Mat 8:3 Jesus berührte den Mann und sagte: "Ich will's tun! Sei gesund!" Im selben Augenblick war der Mann von seiner Krankheit geheilt. Mat 8:4 Da befahl ihm Jesus: "Sprich mit niemandem über deine Heilung, sondern gehe sofort zum Priester, damit er dich untersucht. Nimm auch das Opfer mit, so wie es Mose im Gesetz verlangt, damit jeder sieht, daß Gott dich geheilt hat." Mat 8:5 Als Jesus in Kapernaum eintraf, kam ein Offizier der römischen Garnison zu ihm Mat 8:6 und sagte: "Herr, heile meinen Diener! Er liegt gelähmt im Bett und leidet entsetzlich." Mat 8:7 Jesus antwortete: "Ich will mitkommen und ihn heilen." Mat 8:8 Der Offizier erwiderte: "Herr, ich bin nicht wert, dich in meinem Haus zu empfangen. Wenn du nur ein einziges Wort sagst, wird mein Diener gesund. Mat 8:9 Auch ich habe Vorgesetzte, und ich erteile selbst Befehle an Untergebene. Wenn ich zu dem einen sage: 'Geh!', dann geht er. Wenn ich einem andern befehle: 'Komm!', dann kommt er. Und wenn ich zu meinem Diener sage: 'Tu das!', dann führt er meinen Auftrag aus." Mat 8:10 Als Jesus das hörte, wunderte er sich sehr. Und zur Volksmenge gewandt, sagte er: "Das ist sicher: Solch einen Glauben habe ich in Israel bisher nicht gefunden. Mat 8:11 Eins aber will ich euch sagen: Viele Menschen aus aller Welt werden kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmel das Freudenfest feiern. Mat 8:12 Aber die ursprünglich für das Reich Gottes bestimmt waren, werden in die tiefste Finsternis hinausgestoßen, wo niemand ihr Heulen und ohnmächtiges Jammern hören wird." Mat 8:13 Dann sagte Jesus zu dem Offizier: "Du kannst gehen! Was du geglaubt hast, ist Wirklichkeit geworden." Und zur selben Zeit wurde der Diener gesund. Mat 8:14 Als Jesus in das Haus des Petrus kam, lag dessen Schwiegermutter mit hohem Fieber im Bett. Mat 8:15 Jesus ergriff ihre Hand, da verschwand das Fieber. Sie konnte sogar aufstehen und ihre Gäste versorgen. Mat 8:16 Am selben Abend wurden viele von bösen Geistern beherrschte Menschen zu Jesus gebracht. Er brauchte nur ein Wort zu sagen, und die Besessenen wurden frei und alle Kranken geheilt. Mat 8:17 So erfüllte sich die Vorhersage des Propheten Jesaja: "Er nahm unsere Leiden auf sich und heilte unsere Krankheiten." Mat 8:18 Als Jesus merkte, daß die Menschenmenge um ihn immer größer wurde, ließ er sich von seinen Jüngern über den See an das andere Ufer rudern. Mat 8:19 Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: "Meister, ich will mit dir gehen, ganz gleich wohin!" Mat 8:20 Jesus antwortete ihm: "Die Füchse haben ihren Bau, und die Vögel haben ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Platz, an dem er ausruhen kann." Mat 8:21 Ein anderer bat Jesus: "Herr, ich will erst noch meinen Vater beerdigen, aber dann will ich für immer bei dir bleiben." Mat 8:22 Doch Jesus erwiderte: "Komm jetzt mit mir, und überlaß es denen, ihre Toten zu begraben, die ohne Gott leben!" Mat 8:23 Danach stieg er in ein Boot und fuhr mit seinen Jüngern weg. Mat 8:24 Mitten auf dem See brach plötzlich ein gewaltiger Sturm los, so daß die Wellen ins Boot schlugen. Aber Jesus schlief. Mat 8:25 Da weckten ihn die Jünger und riefen voller Angst: "Herr, hilf uns, wir gehen unter!" Mat 8:26 Jesus antwortete: "Warum habt ihr Angst? Habt doch mehr Vertrauen zu mir!" Dann stand er auf und bedrohte den Wind und die Wellen. Sofort legte sich der Sturm, und der See lag still da. Mat 8:27 Alle fragten sich voller Staunen: "Was ist das für ein Mensch? Selbst Wind und Wellen gehorchen ihm!" Mat 8:28 Als Jesus mit seinen Jüngern am anderen Seeufer das Land von Gadara erreichte, liefen ihnen zwei Männer entgegen, die von Dämonen beherrscht wurden. Sie hausten in Grabhöhlen und waren so gefährlich, daß sich niemand in ihre Nähe wagte. Mat 8:29 Sie fingen an zu schreien: "Was willst du von uns, du Sohn Gottes? Sollen wir schon jetzt gequält werden?" Mat 8:30 In einiger Entfernung weidete gerade eine Schweineherde. Mat 8:31 Die Dämonen baten ihn: "Wenn du uns schon austreibst, dann laß uns wenigstens in diese Schweineherde fahren!" Mat 8:32 Jesus befahl ihnen: "Fort mit euch!" Da ließen die Dämonen die Männer frei, bemächtigten sich der Schweine, und die ganze Herde stürzte den Abhang hinunter und ertrank im See. Mat 8:33 Entsetzt flohen die Hirten in die Stadt und erzählten, wie es bei der Befreiung der Besessenen zugegangen war. Mat 8:34 Nun liefen alle Leute aus der Stadt Jesus entgegen. Sie baten ihn dringend, ihre Gegend wieder zu verlassen. Mat 9:1 Jesus stieg in ein Boot und fuhr über den See zurück nach Kapernaum, wo er wohnte. Mat 9:2 Dort brachten sie auf einer Tragbahre einen Gelähmten zu ihm. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Kranken: "Habe keine Angst! Deine Sünden sind dir vergeben." Mat 9:3 "Dieser Gotteslästerer!" entsetzten sich einige Schriftgelehrte. Mat 9:4 Jesus durchschaute sie und fragte: "Warum habt ihr so böse Gedanken? Mat 9:5 Was ist leichter - zu sagen: 'Deine Sünden sind dir vergeben!' oder diesen Mann zu heilen? Mat 9:6 Aber ich will euch zeigen, daß der Menschensohn die Macht hat, schon jetzt Sünden zu vergeben!" Und er sagte zu dem Gelähmten: "Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh nach Hause!" Mat 9:7 Da stand der Kranke auf und ging nach Hause. Mat 9:8 Die Menschen erschraken, als sie das sahen. Sie lobten Gott, der einem Menschen so große Macht gegeben hatte. Mat 9:9 Als Jesus durch die Stadt ging, sah er den Zolleinnehmer Matthäus am Zoll sitzen. Jesus forderte ihn auf: "Komm, geh mit mir!" Sofort stand Matthäus auf und folgte ihm. Mat 9:10 Später war Jesus mit seinen Jüngern bei Matthäus zu Gast. Matthäus lud viele seiner Kollegen ein und andere Leute, die ebenso verrufen waren. Mat 9:11 "Weshalb gibt sich euer Lehrer mit solchem Gesindel ab?" empörten sich die Pharisäer. Mat 9:12 Jesus hörte das und antwortete: "Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken!" Mat 9:13 Und er fügte hinzu: "Begreift doch endlich, was Gott meint, wenn er sagt: 'Nicht auf eure Opfer oder Gaben kommt es mir an, sondern darauf, daß ihr barmherzig seid.' Meine Aufgabe ist es, Sünder in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen und nicht solche, die ihn schon kennen." Mat 9:14 Eines Tages kamen die Jünger des Johannes zu Jesus und erkundigten sich: "Warum fasten deine Jünger eigentlich nicht wie wir und die Pharisäer?" Mat 9:15 "Sollen die Hochzeitsgäste denn traurig sein, solange der Bräutigam noch bei ihnen ist?" fragte Jesus. "Die Zeit kommt früh genug, daß ich nicht mehr bei meinen Jüngern bin. Dann werden sie fasten. Mat 9:16 Niemand flickt ein altes Kleid mit neuem Stoff. Der alte Stoff würde an der Flickstelle doch wieder reißen, und das Loch würde nur noch größer. Mat 9:17 Ebenso füllt niemand jungen, gärenden Wein in alte, brüchige Schläuche. Sonst platzen sie, der Wein läuft aus, und die Schläuche sind unbrauchbar. So verlangt das neue Leben nach neuen Ordnungen." Mat 9:18 Als Jesus noch mit ihnen redete, kam ein Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu ihm, warf sich vor ihm nieder und sagte: "Meine Tochter ist gerade gestorben. Aber du kannst sie wieder lebendig machen. Komm doch und lege deine Hände auf sie!" Mat 9:19 Während Jesus mit seinen Jüngern zum Haus des Mannes ging, Mat 9:20 berührte eine Frau, die seit zwölf Jahren an schweren Blutungen litt, von hinten heimlich ein Stück seines Mantels. Mat 9:21 Denn sie dachte: "Wenn ich ihn nur berühre, werde ich bestimmt gesund." Mat 9:22 Jesus drehte sich um, sah sie an und sagte: "Sei unbesorgt! Dein Glaube hat dich geheilt." Im selben Augenblick war die Frau gesund. Mat 9:23 Jesus kam zum Haus des Synagogenvorstehers. Als er den Tumult der Leute sah und die Trauermusik hörte, sagte er: Mat 9:24 "Geht alle hinaus! Das Mädchen ist nicht tot, es schläft nur." Da lachten sie ihn aus. Mat 9:25 Als die Leute endlich hinausgetrieben waren, trat Jesus in das Zimmer des Mädchens und nahm die Hand des Kindes. Da stand das Mädchen auf und war gesund. Mat 9:26 Die Nachricht von diesem Geschehen verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der ganzen Gegend. Mat 9:27 Als Jesus weiterging, liefen ihm zwei Blinde nach und schrien: "Du Sohn Davids! Hilf uns doch!" Mat 9:28 Sie folgten ihm bis in das Haus, in dem er wohnte. Jesus fragte sie: "Glaubt ihr denn, daß ich euch helfen kann?" "Ja, Herr!" antworteten sie. Mat 9:29 Da berührte er ihre Augen und sagte: "Was ihr mir zutraut, das soll sich erfüllen." Mat 9:30 Sofort konnten sie sehen. Jesus aber befahl ihnen: "Niemand darf von eurer Heilung erfahren." Mat 9:31 Trotzdem gingen sie in die Stadt und erzählten überall von Jesus. Mat 9:32 Als die beiden gegangen waren, brachte man einen Stummen zu ihm, der von einem bösen Geist beherrscht wurde. Mat 9:33 Jesus trieb diesen Dämon aus, und sofort konnte der Mann reden. Darüber wunderten sich die Leute sehr und riefen: "So etwas haben wir noch nie erlebt!" Mat 9:34 Aber die Pharisäer redeten ihnen ein: "Er hat seine Macht vom Obersten aller Dämonen bekommen, darum kann er die Menschen von bösen Geistern befreien." Mat 9:35 Danach zog Jesus in viele Städte und Dörfer. Er sprach in den Synagogen und verkündigte überall im Land die Heilsbotschaft vom Reich Gottes. Wohin er auch kam, heilte er alle Krankheiten und Leiden. Mat 9:36 Als er die vielen Menschen sah, die ihm nachliefen, hatte er großes Mitleid mit ihnen. Sie waren hilflos und verängstigt, ohne Ziel und ohne Hoffnung. Sie waren wie Schafe ohne ihren Hirten. Mat 9:37 "Die Ernte ist so groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter", sagte Jesus zu seinen Jüngern. Mat 9:38 "Bittet darum den Herrn, daß er noch mehr Arbeiter schickt, die seine Ernte einbringen!" Mat 10:1 In dieser Zeit rief Jesus seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Vollmacht, böse Geister auszutreiben, die Kranken und Leidenden zu heilen. Mat 10:2 Das sind die Namen der zwölf Apostel: Simon, den man auch Petrus nannte, und sein Bruder Andreas; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes; Mat 10:3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der ehemalige Zolleinnehmer; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus; Mat 10:4 Simon, der ehemalige Freiheitskämpfer, und Judas Ischariot, der Jesus später verriet. Mat 10:5 Diese Zwölf sandte Jesus aus und gab ihnen folgenden Auftrag: "Geht nicht zu den Heiden oder in die Städte der Samariter, Mat 10:6 sondern geht nur zu den Menschen aus dem Volk Israel, die sich von Gott entfernt haben. Mat 10:7 Ihnen sollt ihr diese Nachricht bringen: 'Die Gottesherrschaft bricht jetzt an!' Mat 10:8 Heilt, weckt Tote auf, macht Leprakranke gesund und treibt Dämonen aus! Tut alles, ohne etwas dafür zu verlangen, denn ihr habt auch die Kraft dazu umsonst bekommen. Mat 10:9 Nehmt kein Geld mit auf die Reise, Mat 10:10 auch keine Tasche mit Kleidern, keine Schuhe und keinen Wanderstock. Denn Gott wird für euch sorgen. Mat 10:11 Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, dann sucht jemand, der euch gern aufnimmt. Dort bleibt, bis ihr weiterzieht. Mat 10:12 Wenn ihr in ein Haus eintretet, dann segnet es und sagt: 'Friede sei mit euch!' Mat 10:13 Nimmt man euch auf, so wird der Friede, den ihr bringt, in diesem Haus bleiben. Nimmt man euch nicht auf, so wird Gottes Friede nicht bei ihnen sein. Mat 10:14 Wenn ihr in einer Stadt oder in einem Haus nicht willkommen seid und man eure Botschaft nicht hören will, so geht fort und kümmert euch nicht mehr um diese Leute! Schüttelt vielmehr den Staub von euren Füßen als Zeichen dafür, daß Gott diese Stadt strafen wird. Mat 10:15 Aber das sage ich euch: Die Einwohner der Städte Sodom und Gomorrha werden am Gerichtstag besser wegkommen als die Menschen einer solchen Stadt." Mat 10:16 "Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe. Seid klug wie Schlangen, aber ohne Verschlagenheit wie Tauben. Mat 10:17 Nehmt euch in acht vor den Menschen! Sie werden euch vor Gericht bringen, und in den Synagogen wird man euch auspeitschen. Mat 10:18 Um meinetwillen werdet ihr vor Machthabern und Königen verhört werden. Dort werdet ihr meine Botschaft bezeugen, denn alle Völker müssen von mir erfahren. Mat 10:19 Wenn ihr verhört werdet, sollt ihr euch nicht darum sorgen, was ihr zu sagen habt! Denn zur rechten Zeit wird Gott euch das rechte Wort geben. Mat 10:20 Nicht ihr werdet es sein, die Rede und Antwort stehen, sondern der Geist eures Vaters im Himmel wird durch euch sprechen. Mat 10:21 Ein Bruder wird den anderen dem Henker ausliefern. Väter werden ihre eigenen Kinder anzeigen. Kinder werden gegen ihre Eltern vorgehen und deren Hinrichtung veranlassen. Mat 10:22 Alle Welt wird euch hassen, weil ihr euch zu mir bekennt. Aber wer bis zuletzt durchhält, der wird gerettet. Mat 10:23 Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, dann flieht in eine andere. Ich versichere euch: Noch ehe ihr meinen Auftrag in allen Städten Israels ausgeführt habt, wird der Menschensohn wiederkommen. Mat 10:24 Der Schüler steht nicht über seinem Lehrer, und ein Diener hat es nicht besser als sein Herr. Mat 10:25 Sie können zufrieden sein, wenn es ihnen genauso geht wie ihren Lehrern und Herren. Wenn sie aber den Herrn des Hauses schon 'Teufel' genannt haben, was werden sie erst zu seinen Angehörigen sagen?" Mat 10:26 "Darum fürchtet euch nicht vor denen, die euch bedrohen. Denn jetzt kommt bald die Zeit, in der die Wahrheit ans Licht kommt und die geheimsten Pläne bekannt werden. Mat 10:27 Was ich euch im Dunkeln sage, das ruft am hellichten Tag laut hinaus! Was ich euch ins Ohr flüstere, das sagt aller Welt weiter! Mat 10:28 Habt keine Angst vor denen, die nur den Körper, aber nicht eure Seele töten können! Fürchtet euch vor Gott, der Leib und Seele in der Hölle verderben kann. Mat 10:29 Welchen Wert hat schon ein Spatz auf dem Dach! Trotzdem fällt keiner tot zur Erde, wenn es euer Vater nicht will. Mat 10:30 Selbst die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt. Mat 10:31 Darum habt keine Angst! Ihr seid Gott mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm. Mat 10:32 Wer sich öffentlich zu mir bekennt, für den werde ich auch vor meinem Vater im Himmel eintreten. Mat 10:33 Wer aber vor den Menschen nicht zu mir steht, für den werde ich auch vor meinem Vater im Himmel nicht eintreten." Mat 10:34 "Meint nur nicht, daß ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu bringen. Nein, ich bringe Kampf! Mat 10:35 Ich werde Vater und Sohn, Mutter und Tochter, Schwiegertochter und Schwiegermutter gegeneinander aufbringen. Mat 10:36 Die schlimmsten Feinde werden in der eigenen Familie sein. Mat 10:37 Wer seinen Vater oder seine Mutter, seinen Sohn oder seine Tochter mehr liebt als mich, der ist es nicht wert, daß ich für ihn da bin. Mat 10:38 Und wer nicht bereit ist, diese Lasten auf sich zu nehmen und mir nachzufolgen, der kann nicht zu mir gehören. Mat 10:39 Wer sich an sein Leben klammert, der wird es endgültig verlieren. Wer es aber für mich einsetzt, der wird ewig leben." Mat 10:40 "Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt Gott auf, der mich gesandt hat. Mat 10:41 Wer einen von Gott gesandten Verkündiger der Heilsbotschaft aufnimmt, der wird wie dieser Gottesbote belohnt werden. Und wer einen frommen Menschen aufnimmt, weil dieser mit Gott lebt, der wird denselben Lohn empfangen. Mat 10:42 Wer einen meiner unbedeutendsten Nachfolger auch nur mit einem Schluck Wasser erfrischt, weil er zu mir gehört, der wird seinen Lohn erhalten. Darauf könnt ihr euch verlassen!" Mat 11:1 Nachdem Jesus seinen zwölf Jüngern diese Anweisungen gegeben hatte, zog er weiter, um in den Städten des Landes die Heilsbotschaft zu verkündigen. Mat 11:2 Johannes der Täufer war zu der Zeit im Gefängnis und hörte dort von den Taten Jesu Christi. Er schickte seine Jünger mit der Frage zu Jesus: Mat 11:3 "Bist du wirklich der Retter, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?" Mat 11:4 Jesus antwortete: "Geht zu Johannes zurück und erzählt ihm, was ihr miterlebt habt: Mat 11:5 Blinde sehen, Gelähmte gehen, Leprakranke werden geheilt, Taube hören, Tote werden wieder lebendig, und den Armen wird die frohe Botschaft verkündet. Mat 11:6 Sagt ihm außerdem: Glücklich ist jeder, der nicht an mir zweifelt." Mat 11:7 Als die Jünger des Johannes gegangen waren, wandte sich Jesus an die Menschenmenge, die ihn umgab, und fragte: "Was habt ihr von Johannes erwartet, als ihr zu ihm in die Wüste hinausgezogen seid? Wolltet ihr ein Schilfrohr sehen, das von jedem Windhauch hin- und herbewegt wird? Mat 11:8 Oder wolltet ihr einen Mann in vornehmer Kleidung sehen? Dazu hättet ihr in die Königspaläste gehen müssen! Mat 11:9 Oder wolltet ihr einem Propheten begegnen? Ja, Johannes ist ein Prophet und mehr als das. Mat 11:10 Johannes ist der Mann, von dem geschrieben steht: 'Ich schicke meinen Boten voraus, der dein Kommen ankündigt und die Menschen darauf vorbereitet.' Mat 11:11 Das eine versichere ich euch: Von allen Menschen, die je geboren wurden, ist keiner bedeutender als Johannes der Täufer. Trotzdem werden die Geringsten im Reich Gottes größer sein als er. Mat 11:12 Seit Johannes der Täufer da ist, richtet Gott seine Herrschaft auf, wenn auch Gewalttätige versuchen, es zu verhindern. Mat 11:13 Das ganze Gesetz und die Propheten bis hin zu Johannes haben darauf hingewiesen. Mat 11:14 Wenn ihr es begreifen könnt: Er ist Elia, von dem die Propheten sagten, daß er kommen wird, wenn Gottes Königreich beginnt. Mat 11:15 Hört auf meine Worte und handelt danach." Mat 11:16 "Wie soll ich die Menschen von heute beschreiben? Sie sind wie spielende Kinder auf der Straße, die zu ihren Freunden sagen: Mat 11:17 'Wir haben Musik gemacht, und ihr habt nicht getanzt. Danach haben wir Beerdigung gespielt, und ihr seid nicht traurig gewesen.' Mat 11:18 Johannes fastete oft und trank keinen Wein. Da habt ihr gesagt: 'Der ist ja von einem bösen Geist besessen!' Mat 11:19 Nun ist der Menschensohn gekommen, ißt und trinkt wie jeder andere, und ihr beschuldigt ihn: 'Er ißt unmäßig und trinkt wie ein Säufer; und zwielichtige Gestalten sind seine Freunde.' Doch wie recht die Weisheit Gottes hat, erweist sich in dem, was sie bewirkt." Mat 11:20 Dann drohte Jesus den Städten, in denen er die meisten Wunder getan hatte, ohne daß sie sich zu Gott bekehrt hätten: Mat 11:21 "Weh euch, ihr Einwohner von Chorazin und Bethsaida! Wenn die Wunder, die ich bei euch getan habe, in den lasterhaften Hafenstädten Tyrus oder Sidon geschehen wären, ihre Einwohner hätten längst ihre Schuld erkannt und ihr Leben geändert. Mat 11:22 Am Tage des Gerichts wird es Tyrus und Sidon besser ergehen als euch! Mat 11:23 Und du, hoch gerühmtes Kapernaum, zur Hölle wirst du fahren! Wenn die Taten, die du erlebt hast, in Sodom geschehen wären, die Stadt würde noch heute stehen. Mat 11:24 Darauf kannst du dich verlassen: Es wird Sodom am Gerichtstag besser ergehen als dir!" Mat 11:25 Und Jesus betete: "Mein Vater, Herr über Himmel und Erde, ich danke dir, daß du die Wahrheit vor denen verbirgst, die sich für klug halten; aber den Unwissenden hast du sie enthüllt. Mat 11:26 Ja, Vater, so entspricht es deinem Willen. Mat 11:27 Mein Vater hat mir alle Macht gegeben. Nur der Vater kennt den Sohn. Und kein Mensch außer dem Sohn kennt den Vater - es sei denn, der Sohn zeigt ihm den Vater." Mat 11:28 "Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Frieden geben. Mat 11:29 Nehmt meine Herrschaft an und lebt darin! Lernt von mir! Ich komme nicht mit Gewalt und Überheblichkeit. Bei mir findet ihr, was euerm Leben Sinn und Ruhe gibt. Mat 11:30 Ich meine es gut mit euch und bürde euch keine unerträgliche Last auf." Mat 12:1 Eines Tages wanderte Jesus mit seinen Jüngern am Sabbat durch die Getreidefelder. Die Jünger waren hungrig und rissen einzelne Weizenähren ab, um die Körner zu essen. Mat 12:2 Als das die Pharisäer sahen, beklagten sie sich bei Jesus: "Deine Jünger brechen Gottes Gebote! Sie ernten am Sabbat Getreide!" Mat 12:3 Jesus antwortete ihnen darauf: "Habt ihr nicht die Geschichte von König David und seinen Freunden gelesen? Als sie hungrig waren, Mat 12:4 gingen sie in das Gotteshaus und aßen vom Opferbrot, das doch nur die Priester essen durften. Mat 12:5 Habt ihr nicht außerdem im Gesetz gelesen, daß die Priester den Sabbat durch ihre Arbeit im Tempel entweihen? Trotzdem sind sie schuldlos. Mat 12:6 Ich will euch nur das eine sagen: Hier ist einer, der ist mehr als der Tempel. Mat 12:7 Wenn ihr verstanden hättet, was das bedeutet: 'Barmherzigkeit ist mir lieber als Opfer!', dann würdet ihr nicht Unschuldige verurteilen. Mat 12:8 Denn der Menschensohn hat das Recht zu entscheiden, was am Sabbat erlaubt ist und was nicht." Mat 12:9 Nach diesen Worten ging er weiter und kam in ihre Synagoge. Mat 12:10 Dort bemerkte er einen Mann mit einer verkrüppelten Hand. Die Pharisäer fragten ihn: "Erlaubt das Gesetz Gottes, am Sabbat zu heilen?" Sie suchten damit einen Vorwand, um ihn anzuzeigen. Mat 12:11 Jesus antwortete: "Wenn jemand von euch nur ein einziges Schaf besitzt, und das fällt am Sabbat in den Brunnen, wird er es nicht sofort herausholen? Mat 12:12 Aber ein Mensch ist doch viel mehr wert als ein Schaf! Also ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun." Mat 12:13 Dann forderte er den Mann auf: "Strecke deine Hand aus!" Der Mann gehorchte, und seine Hand war gesund. Mat 12:14 Nach diesem Ereignis berieten die Pharisäer, was sie tun könnten, um Jesus zu töten. Mat 12:15 Jesus wußte aber, was sie vorhatten, und ging weg. Viele folgten ihm, und er heilte alle Kranken. Mat 12:16 Er verbot ihnen jedoch, darüber zu reden. Mat 12:17 Damit erfüllte sich, was der Prophet Jesaja vorausgesagt hatte: Mat 12:18 "Dies ist mein Knecht, den ich erwählt habe. Ich liebe ihn, und an ihm habe ich meine Freude. Ich werde ihm meinen Geist geben, und er wird die Völker vor die Entscheidung stellen. Mat 12:19 Er kämpft und streitet nicht. Seine Stimme wird auf der Straße nicht zu hören sein. Mat 12:20 Das geknickte Schilfrohr wird er nicht abbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen. Er wird das Recht zum Sieg führen. Mat 12:21 Deshalb ist er die Hoffnung der ganzen Welt." Mat 12:22 Danach brachte man einen Mann zu ihm, der blind und stumm war, weil ein böser Geist ihn beherrschte. Jesus heilte ihn, und er konnte wieder reden und sehen. Mat 12:23 In großer Aufregung riefen da die Menschen: "Ist dieser Jesus vielleicht doch der verheißene Retter, der Sohn Davids?" Mat 12:24 Als die Pharisäer das hörten, sagten sie: "Er treibt die Dämonen aus, weil ihm Satan, der Oberste aller Dämonen, die Macht dazu gibt." Mat 12:25 Jesus kannte ihre Gedanken und entgegnete: "Ein Reich, das von verschiedenen Machthabern hin- und hergerissen wird, steht vor dem Untergang. Eine Stadt oder eine Familie, in der man sich gegenseitig bekämpft, hat keinen Bestand. Mat 12:26 Wenn ein Teufel den anderen austreiben würde, dann bekämpfte Satan sich ja selbst und zerstörte damit sein eigenes Reich. Mat 12:27 Wenn ihr behauptet, ich würde die Dämonen durch die Kraft des Satans austreiben, welche Kraft wenden dann eure eigenen Leute an, um böse Geister auszutreiben? Sie selbst werden eure Richter sein. Mat 12:28 Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, so erkennt doch endlich, daß Gottes Herrschaft jetzt in eurer Mitte beginnt. Mat 12:29 Denn wer könnte in das Haus eines starken Mannes eindringen und ihn berauben? Man müßte ihn erst fesseln, und dann könnte man ihm etwas wegnehmen. Mat 12:30 Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich, und wer mir nicht hilft, der schadet meiner Sache! Mat 12:31 Darum sage ich euch: Jede Sünde, ja sogar Gotteslästerung, kann vergeben werden. Wer aber den Heiligen Geist lästert, der wird keine Vergebung finden. Mat 12:32 Wer dem Sohn Gottes widerspricht, dem kann vergeben werden. Wer aber bewußt gegen den Geist Gottes redet, der wird niemals und nirgendwo Vergebung finden." Mat 12:33 "Wie der Baum, so die Frucht! Ein guter Baum trägt gute Früchte, ein schlechter Baum trägt schlechte Früchte. Mat 12:34 Ihr Teufelspack! Wie könnt ihr durch und durch verlogenen Leute überhaupt etwas Gutes reden? Wie es im Herzen eines Menschen aussieht, das erkennt man an seinen Worten. Mat 12:35 Wenn ein guter Mensch spricht, zeigt sich, was an Gutem in ihm ist. Ein Mensch mit einem bösen Herzen ist innerlich voller Gift, und alle merken es, wenn er redet. Mat 12:36 Ich sage euch das, weil ihr am Gerichtstag Rechenschaft ablegen müßt über jedes böse Wort, das ihr geredet habt. Mat 12:37 An euern Worten entscheidet sich eure Zukunft. Sie sind der Maßstab, nach dem ihr freigesprochen oder verurteilt werdet." Mat 12:38 Einige Schriftgelehrte und Pharisäer traten an Jesus heran und sagten: "Vollbringe vor unseren Augen ein Wunder, an dem wir eindeutig erkennen können, ob du wirklich von Gott kommst!" Mat 12:39 Jesus antwortete ihnen: "Nur böse, gottlose Menschen können dafür noch Beweise verlangen. Aber sie werden auch nur das gleiche Zeichen zu sehen bekommen, das am Propheten Jona geschah. Mat 12:40 Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des großen Fisches. Ebenso wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Grab sein. Mat 12:41 Die Einwohner Ninives werden euch am Gerichtstag verurteilen, denn sie änderten sich. Nach Jonas Predigt wandten sie sich von ihrem sündigen Leben ab und bekehrten sich zu Gott. Der hier vor euch steht, ist aber größer als Jona. Und ihr glaubt ihm nicht! Mat 12:42 Die Königin aus dem Süden wird einmal beim Gericht Gottes als Zeugin gegen dieses Volk auftreten und es verurteilen. Denn sie kam von weit her, um von der Weisheit des Königs Salomo zu lernen. Der hier vor euch steht, ist größer als Salomo, aber ihr weigert euch dennoch, seinen Worten zu glauben." Mat 12:43 "Wenn ein Dämon ausgetrieben wird, irrt er so lange ruhelos umher, bis er ein neues Opfer gefunden hat. Findet er keins, Mat 12:44 entschließt er sich: 'Ich will dorthin zurückkehren, woher ich gekommen bin.' Wenn er nun zurückkommt und seine frühere Wohnung sauber und geschmückt, aber leer vorfindet, Mat 12:45 dann sucht er sich sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst. Zusammen ergreifen sie Besitz von dem Menschen, der nun schlimmer dran ist als vorher. Genauso wird es auch diesem gottlosen Volk ergehen." Mat 12:46 Als Jesus noch in dem überfüllten Haus redete, Mat 12:47 kamen seine Mutter und seine Brüder und wollten ihn sprechen. Mat 12:48 Doch er fragte: "Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Brüder?" Mat 12:49 Dann zeigte er auf seine Jünger: "Seht diese Männer dort, sie sind meine Mutter und meine Brüder. Mat 12:50 Denn jeder, der meinem Vater im Himmel gehorcht, der ist mein Bruder, meine Schwester und meine Mutter." Mat 13:1 Am selben Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Seeufer. Mat 13:2 Bald hatte sich eine große Menschenmenge um ihn versammelt. Mat 13:3 Deshalb stieg er in ein Boot und redete zu ihnen in Gleichnissen. Die Leute blieben am Ufer stehen und hörten zu. "Ein Bauer säte Getreide. Mat 13:4 Dabei fielen einige Körner auf einen Feldweg. Sofort kamen die Vögel und pickten sie auf. Mat 13:5 Andere Körner fielen auf felsigen Boden, wo nur wenig Erde war. Dort ging die Saat schnell auf. Mat 13:6 Die Sonne aber brannte, und die jungen Pflanzen vertrockneten, weil die Wurzeln nicht genügend Erde hatten. Mat 13:7 Einige Samenkörner fielen zwischen die Disteln, in denen die junge Saat bald erstickte. Mat 13:8 Aber der übrige Same fiel auf guten Boden, wuchs heran und brachte das Dreißigfache, das Sechzigfache und sogar das Hundertfache der Aussaat als Ertrag. Mat 13:9 Hört auf das, was ich euch sage!" Mat 13:10 Später kamen seine Jünger und fragten ihn: "Weshalb verwendest du solche Vergleiche, wenn du zu den Leuten redest?" Mat 13:11 Jesus antwortete: "Ihr könnt die Geheimnisse des Reiches Gottes verstehen, anderen sind sie verborgen. Mat 13:12 Denn wer schon viel versteht, dem wird die volle Erkenntnis geschenkt werden. Wer aber wenig versteht, dem wird auch noch die geringe Erkenntnis verlorengehen. Mat 13:13 Deshalb rede ich in Gleichnissen. Denn obwohl sie Augen haben, erkennen sie nichts, und obwohl sie Ohren haben, verstehen sie doch nichts. Mat 13:14 Damit erfüllt sich an ihnen, was Gott durch den Propheten Jesaja sagt: 'Sie hören, aber sie verstehen es nicht. Sie sehen, aber sie erkennen es nicht. Mat 13:15 Denn ihre Herzen sind hart und gleichgültig. Sie sind schwerhörig und verschließen die Augen. Deshalb sehen und hören sie nicht. Sie wollen sich nicht ändern und umkehren, darum kann ich ihnen nicht helfen.' Mat 13:16 Aber ihr könnt glücklich sein, denn eure Augen können sehen und eure Ohren können hören. Mat 13:17 Ich sage euch: Viele Propheten und fromme Menschen hätten gern gesehen, was ihr seht, und gehört, was ihr hört, aber die Zeit war noch nicht da." Mat 13:18 "Ich will euch nun die Geschichte von dem Bauern, der seinen Samen aussäte, erklären. Mat 13:19 Bei jedem, der die Botschaft vom Reich Gottes hört, sie aber nicht ernst nimmt, kommt der Satan und reißt die Saat aus seinem Herzen. Damit ist der gemeint, bei dem der Same auf den Weg gesät wurde. Mat 13:20 Wie felsiger Boden ist ein Mensch, der die Botschaft hört und mit Freuden annimmt. Mat 13:21 Aber wenn er wegen seines Glaubens Schwierigkeiten bekommt oder Verfolgung einsetzt, dann ist es mit seiner Begeisterung schnell vorbei. Mat 13:22 Der Boden, der mit Disteln bedeckt ist, entspricht einem Menschen, der die Botschaft zwar hört und anfängt, danach zu leben. Aber die Sorgen des Alltags und die Verführung durch den Wohlstand ersticken Gottes Wort. So bleibt alles beim alten. Mat 13:23 Der gute Boden aber ist wie ein Mensch, der die Botschaft hört, versteht und dann dreißig-, sechzig- oder hundertfache Frucht bringt." Mat 13:24 Jesus erzählte ein anderes Gleichnis: "Gottes Reich ist mit einem Bauern zu vergleichen, der gutes Saatgut auf sein Feld säte. Mat 13:25 Eines Nachts, als alles schlief, kam sein Feind, säte Unkraut zwischen den Weizen und schlich sich davon. Mat 13:26 Als nun die Saat heranwuchs, ging auch das Unkraut auf. Mat 13:27 Da kamen die Arbeiter des Bauern und fragten ihn: 'Hast du das Feld nicht mit gutem Samen bestellt? Woher kommt denn das Unkraut?' Mat 13:28 'Das muß mein Feind dazwischengesät haben', antwortete der Bauer. 'Sollen wir das Unkraut ausreißen?' fragten die Arbeiter. Mat 13:29 'Nein, dabei würdet ihr ja den Weizen mit ausreißen. Mat 13:30 Laßt beides bis zur Ernte wachsen. Dann werde ich den Erntearbeitern befehlen: Sammelt zuerst das Unkraut ein und verbrennt es! Den Weizen aber bringt in meine Scheunen!'" Mat 13:31 Noch ein anderes Beispiel erzählte ihnen Jesus: "Mit dem Reich Gottes ist es wie mit einem Senfkorn, das auf ein Feld gesät wird. Mat 13:32 Es ist ein winziger Same, aber wenn er aufgeht und wächst, wird er zu einer großen Pflanze, ja zu einem Baum, in dem die Vögel nisten können. Mat 13:33 Man kann das Reich Gottes auch mit einem Sauerteig vergleichen, den eine Frau zum Brotbacken braucht. Sie nimmt eine große Menge Mehl und mischt ein wenig Sauerteig darunter, bis alles davon durchsäuert ist." Mat 13:34 Jesus benutzte immer wieder solche Beispiele, wenn er zu den Menschen sprach. In keiner seiner Predigten fehlten sie. Mat 13:35 Hier erfüllte sich das Prophetenwort: "Ich werde in Gleichnissen zu ihnen reden. Geheimnisse, die seit Weltbeginn verborgen waren, will ich ihnen enthüllen." Mat 13:36 Dann entließ Jesus die Menschenmenge und ging ins Haus. Später baten ihn seine Jünger: "Erkläre uns doch das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker." Mat 13:37 Und Jesus erklärte es ihnen: "Der Menschensohn selbst ist der Landwirt, der den guten Samen aussät. Mat 13:38 Der Acker ist die Welt, der Same das Volk des Gottesreiches, das Unkraut sind die Leute, die dem Satan gehorchen. Mat 13:39 Der Feind, der das Unkraut zwischen den Weizen sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt, und die Erntearbeiter sind die Engel. Mat 13:40 Wie das Unkraut vom Weizen getrennt und verbrannt wird, so wird es auch beim Gericht Gottes über die Welt sein: Mat 13:41 Der Menschensohn wird seine Engel senden. Sie werden aus dem Gottesreich alle Verführer und alle, die Unrecht tun, aussondern, Mat 13:42 sie in den Feuerofen werfen und verbrennen. Dort wird viel vergebliches Heulen und ohnmächtiges Jammern zu hören sein. Mat 13:43 Aber alle, die Gottes Willen tun, werden im Reich ihres Vaters leuchten wie die Sonne. Hört auf das, was ich euch sage!" Mat 13:44 "Das Reich Gottes ist wie ein verborgener Schatz, den ein Mann auf einem Feld entdeckte und wieder verbarg. In seiner Freude verkaufte er alles, was er hatte, um den Acker zu kaufen und so den Schatz zu bekommen. Mat 13:45 Wer in das Reich Gottes will, muß handeln wie ein Kaufmann, der auf der Suche nach kostbaren Perlen ist. Mat 13:46 Er entdeckt eine Perle von unschätzbarem Wert. Deshalb verkauft er alles, was er hat, um sie zu besitzen." Mat 13:47 "Man kann das Gottesreich auch mit einem Netz vergleichen, das ins Meer geworfen wird und in dem viele verschiedene Fische gefangen werden. Mat 13:48 Wenn das Netz voll ist, zieht man es an Land, setzt sich hin und sortiert die eßbaren Fische in Körbe. Die ungenießbaren aber werden weggeworfen. Mat 13:49 So wird es auch am Ende der Welt sein. Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen, Mat 13:50 um sie in das höllische Feuer zu werfen. Dort werden sie weinen und jammern, aber niemand kann ihnen helfen. Mat 13:51 Versteht ihr das alles?" "Ja", erwiderten sie, "wir verstehen es." Mat 13:52 Und Jesus fügte hinzu: "Wer das Reich Gottes verkündigt, macht es wie ein Hausherr, der Altes und Neues aus seiner Erfahrung berichtet." Mat 13:53 Nachdem Jesus diese Gleichnisse erzählt hatte, Mat 13:54 kehrte er in seine Heimatstadt zurück und sprach dort in der Synagoge. Alle staunten über ihn und fragten: "Woher hat er diese Weisheit und die Kraft, Wunder zu tun? Mat 13:55 Er ist doch der Sohn eines Zimmermanns, und wir kennen Maria, seine Mutter, und seine Brüder Jakobus, Joseph, Simon und Judas. Mat 13:56 Leben seine Schwestern nicht alle unter uns? Wie kann er etwas Besonderes sein!" Mat 13:57 Und sie ärgerten sich über ihn. Da sagte Jesus: "Ein Prophet findet nirgendwo so wenig Anerkennung wie in seiner Heimat und in seiner eigenen Familie." Mat 13:58 Weil ihm seine Landsleute nicht glaubten, tat er dort nur wenige Wunder. Mat 14:1 Als König Herodes hörte, was man über Jesus redete, Mat 14:2 sagte er zu seinen Leuten: "Das muß Johannes der Täufer sein. Er ist von den Toten auferstanden! Deshalb kann er auch solche Wunder tun." Mat 14:3 Herodes hatte Johannes nämlich verhaften und ins Gefängnis werfen lassen, weil es seine Geliebte Herodias so wollte. Sie war eigentlich die Frau seines Bruders Philippus. Mat 14:4 Johannes hatte ihm gesagt: "Du hast nicht das Recht, die Frau deines Bruders zu heiraten!" Mat 14:5 Herodes hätte Johannes am liebsten umgebracht; aber er wagte es nicht, weil er sich vor dem Volk fürchtete, das in Johannes einen Propheten sah. Mat 14:6 Als nun Herodes Geburtstag feierte, tanzte die Tochter seiner Geliebten vor den Gästen. Das gefiel dem König so gut, Mat 14:7 daß er ihr mit einem Schwur versprach: "Ich gebe dir alles, was du haben willst." Mat 14:8 Von ihrer Mutter angestiftet, bat sie den König: "Dann laß mir sofort den Kopf Johannes des Täufers auf einem Teller herbringen." Mat 14:9 Diese Bitte brachte Herodes in große Verlegenheit. Aber weil er sein Versprechen vor allen Gästen gegeben hatte, befahl er, Mat 14:10 Johannes im Gefängnis zu enthaupten. Mat 14:11 Man brachte den Kopf auf einem Teller und gab ihn dem Mädchen. Es überreichte ihn seiner Mutter. Mat 14:12 Die Jünger des Johannes holten seinen Leichnam und begruben ihn. Dann berichteten sie Jesus, was geschehen war. Mat 14:13 Als Jesus dies hörte, fuhr er mit einem Boot in eine entlegene Gegend. Er wollte allein sein. Aber die Leute merkten, wohin er gehen wollte, und folgten ihm in Scharen von überall her auf dem Landweg. Mat 14:14 Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken. Mat 14:15 Gegen Abend kamen die Jünger zu ihm und sagten: "Es ist spät geworden, und die Gegend ist einsam. Schick doch die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich dort etwas zu essen kaufen können!" Mat 14:16 Aber Jesus antwortete: "Das ist nicht nötig. Gebt ihr ihnen doch zu essen!" Mat 14:17 "Wir haben ja nur fünf Brote und zwei Fische hier!" meinten seine Jünger. Mat 14:18 "Dann bringt sie her!" sagte Jesus. Mat 14:19 Er forderte die Leute auf, sich im Gras zu lagern. Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah zum Himmel auf und dankte Gott. Dann teilte er das Brot, und die Jünger gaben es an die Menge weiter. Mat 14:20 Jeder aß sich satt. Als man anschließend die Reste einsammelte, da waren es noch zwölf volle Körbe. Mat 14:21 Etwa fünftausend Männer hatten an der Mahlzeit teilgenommen, außerdem noch viele Frauen und Kinder. Mat 14:22 Danach befahl Jesus seinen Jüngern, in das Boot zu steigen und an das andere Ufer des Sees vorauszufahren. Er blieb zurück, um die Leute zu verabschieden. Mat 14:23 Dann ging er allein auf einen Berg, um zu beten. Es wurde Nacht. Mat 14:24 Draußen auf dem See gerieten seine Jünger in Not. Ein Sturm war losgebrochen, und sie hatten große Mühe, das Boot vor dem Kentern zu bewahren. Mat 14:25 Gegen vier Uhr morgens kam Jesus auf dem Wasser zu ihnen. Mat 14:26 Als sie ihn sahen, schrien die Jünger vor Entsetzen, weil sie dachten, es sei ein Gespenst. Mat 14:27 Aber Jesus sprach sie sofort an: "Ich bin es doch! Habt keine Angst!" Mat 14:28 Da rief Petrus: "Herr, wenn du es wirklich bist, laß mich auf dem Wasser zu dir kommen." Mat 14:29 "Komm her!" antwortete Jesus. Petrus stieg aus dem Boot und ging Jesus auf dem Wasser entgegen. Mat 14:30 Als er aber die hohen Wellen sah, erschrak Petrus, und im selben Augenblick begann er zu sinken. "Herr, hilf mir!" schrie er. Mat 14:31 Jesus streckte ihm die Hand entgegen, ergriff ihn und sagte: "Hast du so wenig Glauben, Petrus? Vertraue mir doch!" Mat 14:32 Nachdem beide das Boot bestiegen hatten, legte sich der Sturm. Mat 14:33 Da fielen die anderen vor Jesus nieder und bekannten: "Du bist wirklich der Sohn Gottes!" Mat 14:34 Sie gingen in Genezareth an Land. Mat 14:35 Als die Leute Jesus erkannten, schickten sie Boten in die benachbarten Orte, und man brachte alle Kranken zu ihm. Mat 14:36 Diese wollten wenigstens einmal seine Kleider berühren; und alle, die das taten, wurden gesund. Mat 15:1 Kurz darauf kamen einige Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem zu Jesus und fragten ihn: Mat 15:2 "Weshalb befolgen deine Jünger unsere alten Traditionen nicht? Sie waschen sich nicht einmal vor dem Essen die Hände." Mat 15:3 Jesus fragte zurück: "Und weshalb brecht ihr mit euren Vorschriften die Gebote Gottes? Mat 15:4 So lautet ein Gebot Gottes: 'Ehre deinen Vater und deine Mutter! Wer seine Eltern verachtet, der soll sterben.' Mat 15:5 Ihr aber sagt: 'Wenn jemand seinen hilfsbedürftigen Eltern erklärt, daß er ihnen nicht helfen kann, weil er sein Vermögen dem Tempel vermacht hat, dann hat er nicht gegen Gottes Gebot verstoßen.' Mat 15:6 Damit setzt ihr durch eure Vorschriften das Gebot Gottes außer Kraft. Mat 15:7 Ihr scheinheiligen Heuchler! Jesaja hat ganz richtig von euch gesprochen: Mat 15:8 'Diese Leute können schön über Gott reden, aber mit dem Herzen sind sie nicht dabei. Mat 15:9 Ihr Gottesdienst ist wertlos, weil sie ihre menschlichen Gebote als Gebote Gottes ausgeben.'" Mat 15:10 Dann rief Jesus die Menschenmenge zu sich: "Hört, was ich euch sage, und begreift doch: Mat 15:11 Nicht was ein Mensch ißt, macht ihn unrein, sondern das, was er denkt und redet." Mat 15:12 Da traten die Jünger näher zu ihm und sagten: "Weißt du, daß du damit die Pharisäer verärgert hast?" Mat 15:13 Jesus antwortete: "Jede Pflanze, die nicht von meinem himmlischen Vater gepflanzt worden ist, wird ausgerissen. Mat 15:14 Laßt euch nicht einschüchtern! Sie wollen Blinde führen, sind aber selbst blind. Sie werden zusammen mit den Blinden, die sie führen wollen, in den Abgrund stürzen." Mat 15:15 Da sagte Petrus: "Das haben wir nicht verstanden." Mat 15:16 "Selbst ihr habt es immer noch nicht begriffen?" fragte Jesus. Mat 15:17 "Versteht ihr denn nicht, daß alles, was ein Mensch ißt, zuerst verdaut und dann ausgeschieden wird? Mat 15:18 Aber böse Worte kommen aus einem bösen Herzen, und sie beschmutzen den Menschen, der sie ausspricht. Mat 15:19 Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, die dann zu Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, Lüge und Verleumdung führen. Mat 15:20 Durch sie wird der Mensch vor Gott unrein, nicht dadurch, daß man zum Essen geht, ohne sich vorher die Hände zu waschen." Mat 15:21 Danach verließ Jesus diese Gegend und wanderte bis in die Gegend der Städte Tyrus und Sidon. Mat 15:22 Dort begegnete ihm eine nichtjüdische Frau, die ihn anflehte: "Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Meine Tochter wird von einem bösen Geist furchtbar gequält." Mat 15:23 Aber Jesus beachtete sie nicht. Seine Jünger drängten ihn: "Schick sie doch weg! Sie schreit sonst dauernd hinter uns her." Mat 15:24 Da sagte er zu der Frau: "Ich habe den Auftrag, nur denen zu helfen, die zum Volk Israel gehören." Mat 15:25 Sie kam aber noch näher, warf sich vor ihm nieder und bettelte: "Herr, hilf mir!" Aber Jesus antwortete wieder: Mat 15:26 "Es ist nicht richtig, wenn man den Kindern das Brot wegnimmt und es den Hunden vorwirft." Mat 15:27 "Das stimmt", entgegnete die Frau, "aber die kleinen Hunde dürfen doch die Krümel fressen, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen." Mat 15:28 Jesus antwortete ihr: "Dein Glaube ist groß. Was du erwartest, soll geschehen." Im selben Augenblick wurde ihre Tochter gesund. Mat 15:29 Jesus kehrte an den See Genezareth zurück. Er stieg auf einen Berg und setzte sich dort hin. Mat 15:30 Eine große Menschenmenge kam zu Jesus. Unter ihnen waren Lahme, Blinde, Krüppel, Stumme und viele andere Kranke. Man brachte sie zu Jesus, und er heilte sie alle. Mat 15:31 Die Menschen konnten es kaum fassen, als sie sahen, wie Stumme reden, Gelähmte gehen und Blinde sehen konnten. Und sie lobten den Gott Israels. Mat 15:32 Danach rief Jesus seine Jünger zu sich: "Diese Leute tun mir leid. Sie sind jetzt drei Tage bei mir und haben nichts zu essen. Ich will sie nicht hungrig wegschicken, sie könnten unterwegs zusammenbrechen." Mat 15:33 Aber die Jünger antworteten: "Woher sollen wir hier Brot für so viele Menschen bekommen? Weit und breit wohnt niemand." Mat 15:34 Jesus fragte: "Was habt ihr denn bei euch?" Sie antworteten: "Sieben Brote und ein paar kleine Fische!" Mat 15:35 Da forderte Jesus die Menschen auf, sich zum Essen niederzulassen. Mat 15:36 Nun nahm er die sieben Brote und die Fische. Er dankte Gott für das Essen, teilte die Brote und Fische und gab sie den Jüngern, die sie an die Leute verteilten. Mat 15:37 Jeder aß, soviel er wollte; Mat 15:38 etwa viertausend Männer waren dabei, die Frauen und Kinder nicht mitgerechnet. Anschließend sammelten die Jünger die Reste ein: Sieben Körbe voll waren noch übriggeblieben. Mat 15:39 Jetzt erst schickte Jesus die Leute nach Hause. Er selbst aber bestieg ein Boot und setzte nach Magadan über. Mat 16:1 Eines Tages kamen Pharisäer und Sadduzäer, um Jesus eine Falle zu stellen. Sie verlangten von ihm ein deutliches Zeichen als Beweis für seinen göttlichen Auftrag. Mat 16:2 Jesus sagte ihnen: "Ihr könnt das Wetter aus den Zeichen am Himmel erkennen: Abendrot zeigt gutes Wetter für den nächsten Tag an, Mat 16:3 Morgenröte bedeutet schlechtes Wetter. Aber was heute vor euren Augen geschieht, das könnt ihr nicht richtig beurteilen! Mat 16:4 Dieses böse, gottlose Volk verlangt immer neue Beweise. Doch sie werden kein anderes Zeichen zu sehen bekommen als das, was an dem Propheten Jona geschah." Mit diesen Worten ließ Jesus sie stehen und ging weg. Mat 16:5 Als sie an das andere Seeufer gekommen waren, stellten seine Jünger fest, daß sie kein Brot dabei hatten. Mat 16:6 Da warnte sie Jesus: "Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!" Mat 16:7 Die Jünger meinten: "Das sagt er, weil wir das Brot vergessen haben." Mat 16:8 Jesus wußte natürlich, was sie dachten, und sagte: "Weshalb sorgt ihr euch gleich, wenn einmal nichts zu essen da ist? Traut ihr mir so wenig zu? Mat 16:9 Werdet ihr denn nie zur Einsicht kommen? Habt ihr die fünftausend Menschen vergessen, die ich mit fünf Broten gesättigt habe? Und da waren noch Körbe voller Brot übrig geblieben! Mat 16:10 Oder erinnert euch doch an die viertausend, und wieviel damals übriggeblieben ist! Mat 16:11 Wie kommt ihr auf den Gedanken, daß ich vom Essen rede? Ich sage euch noch einmal: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!" Mat 16:12 Erst jetzt merkten sie, daß Jesus mit dem Sauerteig die falschen Lehren der Pharisäer und Sadduzäer gemeint hatte. Mat 16:13 Als Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: "Für wen halten mich die Leute eigentlich?" Mat 16:14 Sie erwiderten: "Manche halten dich für Johannes den Täufer, andere für Elia, für Jeremia oder einen anderen Propheten." Mat 16:15 "Und für wen haltet ihr mich?" fragte er sie. Mat 16:16 Darauf antwortete Petrus: "Du bist Christus, der von Gott verheißene Retter, der Sohn des lebendigen Gottes!" Mat 16:17 "Du kannst wirklich glücklich sein, Simon, Sohn des Jona!" erwiderte Jesus. "Diese Erkenntnis hat dir mein Vater im Himmel gegeben; von sich aus kommt niemand zu dieser Einsicht. Mat 16:18 Ich sage dir: Du bist Petrus, ein Fels. Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und keine Macht der Welt wird sie vernichten können. Mat 16:19 Ich will dir die Schlüssel zum Reich Gottes geben. Wem du auf der Erde seine Sünde anlastest, der soll auch im Himmel damit belastet sein. Und wen du auf der Erde von seiner Schuld freisprichst, der soll auch im Himmel davon freigesprochen sein." Mat 16:20 Darauf verbot er seinen Jüngern streng, den Leuten zu sagen, daß er der Christus sei. Mat 16:21 Während dieser Zeit begann Jesus mit seinen Jüngern über den Weg zu reden, den er noch gehen mußte: "In Jerusalem werden mich die Führer des Volkes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten foltern und töten. Aber drei Tage später werde ich auferstehen und leben." Mat 16:22 Erschrocken nahm Petrus ihn zur Seite und bestürmte ihn: "Um Himmels willen! So etwas darf dir nicht zustoßen!" Mat 16:23 Aber Jesus wandte sich um und sagte zu Petrus: "Geh weg, Satan! Du willst mir eine Falle stellen. Du denkst, wie Menschen denken, und verstehst Gottes Gedanken nicht." Mat 16:24 Danach sprach Jesus zu seinen Jüngern: "Wer mir nachfolgen will, darf nicht mehr an sich selber denken, sondern muß sein Kreuz willig auf sich nehmen und mir nachfolgen. Mat 16:25 Wer sein Leben um jeden Preis erhalten will, der wird es verlieren, aber wer sein Leben für mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen. Mat 16:26 Denn was gewinnt ein Mensch, selbst wenn ihm die ganze Welt zufällt und er dabei das ewige Leben verliert? Mit nichts auf dieser Welt kann er es wieder erwerben. Mat 16:27 Denn der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters wiederkommen und jeden nach seinen Taten richten. Mat 16:28 Und ich sage euch: Einige von euch, die ihr hier steht, werden leben, wenn sie den Menschensohn in seiner Königsherrschaft kommen sehen. Mat 17:1 Sechs Tage später ging Jesus mit Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes auf den Gipfel eines hohen Berges. Sie waren dort ganz allein. Mat 17:2 Auf einmal wurde Jesus vor ihren Augen verwandelt: Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider strahlten hell. Mat 17:3 Plötzlich erschienen Mose und der Prophet Elia. Sie redeten mit Jesus. Mat 17:4 Da rief Petrus: "Herr, hier gefällt es uns! Wenn du willst, werden wir drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia." Mat 17:5 Noch während er so redete, hüllte sie eine leuchtende Wolke ein, und aus der Wolke hörten sie eine Stimme: "Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich meine Freude habe. Ihm sollt ihr gehorchen." Mat 17:6 Bei diesen Worten fielen die Jünger erschrocken zu Boden. Mat 17:7 Aber Jesus kam zu ihnen, berührte sie und sagte: "Steht auf! Fürchtet euch nicht!" Mat 17:8 Und als sie aufsahen, war nur noch Jesus bei ihnen. Mat 17:9 Als sie vom Berg herabstiegen, befahl ihnen Jesus: "Erzählt niemandem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist." Mat 17:10 Da fragten ihn seine Jünger: "Weshalb halten unsere Schriftgelehrten daran fest, daß zuerst der Prophet Elia kommen muß?" Mat 17:11 Jesus antwortete: "Sie haben recht! Elia kommt und wird alles in Ordnung bringen. Mat 17:12 Doch ich sage euch: Er ist bereits gekommen, aber man hat ihn nicht erkannt. Sie haben mit ihm gemacht, was sie wollten. Und auch der Menschensohn wird durch sie leiden müssen." Mat 17:13 Nun war es den Jüngern klar, daß er von Johannes dem Täufer sprach. Mat 17:14 Als sie zu der Menschenmenge zurückgekehrt waren, kam ein Mann zu Jesus, fiel vor ihm nieder und sagte: Mat 17:15 "Herr, hab Erbarmen mit meinem Sohn! Er leidet unter schweren Anfällen. Oft stürzt er dabei sogar ins Feuer oder ins Wasser. Mat 17:16 Ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht, aber sie konnten ihm nicht helfen." Mat 17:17 Jesus antwortete: "Ihr eigensinnigen und ungläubigen Leute! Wie lange muß ich noch bei euch sein und euch ertragen? Bringt ihn her zu mir!" Mat 17:18 Man brachte den Jungen zu Jesus, und er bedrohte den bösen Geist. Sofort ließ er von dem Kranken ab, und der Junge war wieder gesund. Mat 17:19 Als sie später unter sich waren, fragten die Jünger Jesus: "Weshalb konnten wir den Dämon nicht austreiben?" Mat 17:20 "Weil ihr nicht wirklich glaubt", antwortete Jesus. "Wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Berg sagen: 'Rücke von hier dorthin!', und es würde geschehen. Nichts würde euch unmöglich sein! Mat 17:21 Solche Geister können nur vertrieben werden, wenn ihr betet und fastet." Mat 17:22 Eines Tages, als Jesus sich mit seinen Jüngern in Galiläa aufhielt, sagte er zu ihnen: "Der Menschensohn wird bald in der Gewalt der Menschen sein. Mat 17:23 Sie werden ihn töten. Aber drei Tage später wird er auferstehen." Da wurden seine Jünger sehr traurig. Mat 17:24 Bei ihrer Ankunft in Kapernaum kamen die Steuereinnehmer des Tempels zu Petrus und fragten: "Zahlt euer Lehrer keine Tempelsteuer?" Mat 17:25 "Natürlich tut er das", antwortete Petrus und ging in das Haus, um mit Jesus darüber zu reden. Doch Jesus fragte ihn: "Was meinst du, Petrus, von wem fordern die Könige Abgaben und Steuern, von ihrem eigenen Volk oder von den Ausländern?" Mat 17:26 "Von den Ausländern natürlich", antwortete Petrus. "Dann sind die eigenen Bürger also steuerfrei. Mat 17:27 Doch wir wollen ihnen keinen Anlaß geben, uns anzuklagen, darum geh an den See und wirf die Angel aus. Dem ersten Fisch, den du fängst, öffne das Maul. Du wirst eine Münze finden, die für deine und meine Abgabe ausreicht. Bezahle damit die Tempelsteuer!" Mat 18:1 In dieser Zeit fragten die Jünger Jesus: "Wer ist wohl der Größte im Reich Gottes?" Mat 18:2 Jesus rief ein kleines Kind, stellte es in ihre Mitte Mat 18:3 und sprach: "Das will ich euch sagen: Wenn ihr euch nicht ändert und so werdet wie die Kinder, kommt ihr nie in das Reich Gottes. Mat 18:4 Wer aber so klein und demütig sein kann wie ein Kind, der ist der Größte in Gottes Reich. Mat 18:5 Und wer solch ein Kind mir zuliebe aufnimmt, der nimmt mich auf." Mat 18:6 "Aber wenn jemand den Glauben eines dieser Menschen, der mir wie ein Kind vertraut, zerstört, käme er noch gut davon, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. Mat 18:7 Wehe der Welt, denn sie verführt zum Unglauben! Versuchungen zur Sünde können ja nicht ausbleiben. Aber wehe dem Menschen, der daran schuld ist! Mat 18:8 Deshalb: Wenn deine Hand oder dein Fuß dich zum Bösen verführen, hacke sie ab und wirf sie weg. Es ist besser, du gehst verstümmelt ins ewige Leben als mit gesunden Händen und Füßen ins ewige Feuer. Mat 18:9 Wenn dich dein Auge zur Sünde verführt, so reiß es heraus und wirf es weg. Es ist besser, mit nur einem Auge das ewige Leben zu erhalten, als mit beiden Augen in die Feuerhölle geworfen zu werden. Mat 18:10 Hütet euch davor, hochmütig auf die herabzusehen, die euch gering erscheinen. Denn ich sage euch: Ihre Engel haben immer Zugang zu meinem Vater im Himmel." Mat 18:11 "Der Menschensohn ist gekommen, um Verlorene zu retten. Mat 18:12 Was meint ihr: Wenn ein Mann hundert Schafe hat und eins läuft ihm davon; was wird er tun? Läßt er nicht die neunundneunzig zurück, um das verirrte Schaf zu suchen? Mat 18:13 Und wenn er es endlich gefunden hat, freut er sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verlaufen hatten. Mat 18:14 Ebenso will mein Vater nicht, daß auch nur einer, und sei es der Geringste, verlorengeht." Mat 18:15 "Wenn dein Bruder dir Unrecht getan hat, dann gehe zu ihm und sage ihm, was er verkehrt gemacht hat. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Mat 18:16 Will er davon nichts wissen, nimm einen oder zwei andere mit, und versucht es noch einmal gemeinsam, ihn zur Einsicht zu bringen. Mat 18:17 Wenn er auch dann nicht hören will, bringe die Sache vor die Gemeinde. Nimmt er selbst das Urteil der Gemeinde nicht an, dann behandle ihn wie einen, der gottlos und ungläubig ist. Mat 18:18 Ich sage euch dies: Wem ihr auf der Erde seine Sünde anlastet, der soll auch im Himmel damit belastet sein. Und wen ihr auf der Erde von seiner Schuld freisprecht, der soll auch im Himmel frei sein. Mat 18:19 Aber auch das sage ich euch: Wenn zwei von euch hier auf der Erde meinen Vater um etwas bitten wollen und darin übereinstimmen, dann wird er es ihnen geben. Mat 18:20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, bin ich in ihrer Mitte." Mat 18:21 Da fragte Petrus: "Herr, wie oft muß ich meinem Bruder vergeben, wenn er mir Unrecht tut? Ist siebenmal denn nicht genug?" Mat 18:22 "Nein", antwortete Jesus. "Nicht nur siebenmal. Es gibt gar keine Grenze. Du mußt bereit sein, ihm immer wieder zu vergeben." Mat 18:23 "Man kann das Reich Gottes mit einem König vergleichen, der mit seinen Verwaltern abrechnen wollte. Mat 18:24 Zu ihnen gehörte ein Mann, der ihm einen Millionenbetrag schuldete. Mat 18:25 Aber er konnte diese Schuld nicht bezahlen. Deshalb wollte der König ihn, seine Frau, seine Kinder und seinen gesamten Besitz verkaufen lassen, um wenigstens einen Teil seines Geldes zu bekommen. Mat 18:26 Doch der Mann fiel vor dem König nieder und flehte ihn an: 'Herr, hab noch etwas Geduld! Ich will ja alles bezahlen.' Mat 18:27 Da hatte der König Mitleid. Er gab ihn frei und erließ ihm seine Schulden. Mat 18:28 Kaum war der Mann frei, ging er zu einem Mitarbeiter, der ihm einen kleinen Betrag schuldete, packte ihn und schrie: 'Bezahle jetzt endlich deine Schulden!' Mat 18:29 Da fiel dieser Arbeiter vor ihm nieder und bettelte: 'Hab noch etwas Geduld! Ich will ja alles bezahlen!' Mat 18:30 Aber der Verwalter wollte nicht warten und ließ ihn ins Gefängnis bringen, bis er alles bezahlt hätte. Mat 18:31 Als nun die anderen sahen, was sich da ereignet hatte, waren sie empört und berichteten es dem König. Mat 18:32 Der König ließ den Mann, dem er die Schulden erlassen hatte, zu sich kommen und sagte: 'Was bist du doch für ein hartherziger Mensch! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich darum gebeten hast. Mat 18:33 Hättest du da nicht auch mit deinem Mitarbeiter Erbarmen haben können, so wie ich mit dir?' Mat 18:34 Zornig übergab er ihn den Folterknechten. Sie sollten ihn erst dann wieder freilassen, wenn er alle seine Schulden zurückgezahlt hätte. Mat 18:35 Das gleiche wird mit euch geschehen, wenn ihr euch weigert, eurem Bruder wirklich zu vergeben." Mat 19:1 Nachdem Jesus das gesagt hatte, verließ er Galiläa und kam in das judäische Gebiet auf der anderen Seite des Jordan. Mat 19:2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, und er heilte ihre Kranken. Mat 19:3 Einige Pharisäer kamen zu ihm, weil sie Jesus eine Falle stellen wollten. "Wie stehst du zur Ehescheidung?" fragten sie. "Darf man sich von seiner Frau aus jedem beliebigen Grund trennen?" Mat 19:4 Jesus antwortete: "Lest ihr denn die Heiligen Schriften nicht? Da heißt es doch, daß Gott am Anfang Mann und Frau schuf und sagte: Mat 19:5 'Ein Mann verläßt seine Eltern und verbindet sich so eng mit seiner Frau, daß die beiden eins sind mit Leib und Seele.' Mat 19:6 Sie werden also eins sein und nicht länger zwei voneinander getrennte Menschen. Was aber Gott zusammengefügt hat, darf der Mensch nicht trennen." Mat 19:7 "Doch weshalb", fragten sie weiter, "hat Mose dann vorgeschrieben, daß der Mann seiner Frau eine Scheidungsurkunde gibt, wenn er sich von ihr trennt?" Mat 19:8 Jesus antwortete: "Mose erlaubte es, weil er euer böses und hartes Herz kannte. Aber Gottes Absicht war das nicht, als er die Ehe stiftete. Mat 19:9 Ich sage euch, daß jeder die Ehe bricht, der sich von seiner Frau trennt und eine andere heiratet, es sei denn, seine Frau lebt selbst im Ehebruch." Mat 19:10 Da meinten seine Jünger: "Wenn es so um die Ehe steht, dann ist es am besten, gar nicht zu heiraten!" Mat 19:11 "Nicht jeder kann begreifen, was ich jetzt sage", antwortete Jesus. "Gott aber kann den Menschen hierfür das rechte Verständnis geben. Mat 19:12 Manche sind von Geburt an zeugungsunfähig; andere werden es durch menschlichen Eingriff. Und es gibt Menschen, die verzichten auf die Ehe, um Gott besser dienen zu können. Wer es versteht, der richte sich danach!" Mat 19:13 Eines Tages brachte man kleine Kinder zu Jesus, weil er sie segnen und für sie beten sollte. Aber die Jünger wollten sie wegschicken: "Laßt ihn damit in Ruhe!" Mat 19:14 Doch Jesus sagte: "Laßt die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht, denn für Menschen wie sie ist das Reich Gottes bestimmt." Mat 19:15 Er legte ihnen die Hände auf und segnete sie. Danach zog er weiter. Mat 19:16 Ein junger Mann kam mit der Frage zu Jesus: "Herr, was muß ich Gutes tun, um das ewige Leben zu bekommen?" Mat 19:17 "Was meinst du denn mit gut?" erwiderte Jesus. "Es gibt nur einen, der gut ist, und das ist Gott. Du kannst ewiges Leben bekommen, wenn du Gottes Gebote hältst." Mat 19:18 "Welche Gebote denn?" fragte der Mann, und Jesus antwortete: "Du sollst nicht töten! Du sollst nicht die Ehe brechen. Du sollst nicht stehlen! Sag nichts Unwahres über einen anderen. Mat 19:19 Achte deine Eltern, und liebe deine Mitmenschen wie dich selbst." Mat 19:20 "Daran habe ich mich immer gehalten! Was muß ich denn noch tun?" wollte der junge Mann wissen. Mat 19:21 Jesus antwortete: "Wenn du wirklich das ewige Leben haben willst, dann verkaufe, was du hast, und gib das Geld den Armen. Damit wirst du im Himmel einen Schatz erwerben, der dir nicht mehr verlorengeht. Dann komm und folge mir nach." Mat 19:22 Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg, denn er war sehr reich. Mat 19:23 Da sagte Jesus zu seinen Jüngern: "Eins ist sicher: Ein Reicher hat es sehr schwer, zu Gott zu kommen. Mat 19:24 Eher läßt sich ein dickes Seil in ein Nadelöhr einfädeln, als daß ein Reicher in das Reich Gottes kommt." Mat 19:25 Darüber erschraken die Jünger: "Wer kann dann überhaupt gerettet werden?" Mat 19:26 Jesus sah sie ernst an und sagte: "Für Menschen ist es unmöglich, aber bei Gott ist alles möglich!" Mat 19:27 Jetzt fragte Petrus: "Du weißt, wir haben alles aufgegeben und sind mit dir gegangen. Was bekommen wir dafür?" Mat 19:28 Jesus antwortete: "Das sollt ihr wissen, ihr, die ihr mit mir geht: Wenn der Menschensohn auf dem Thron der Herrlichkeit sitzen und über Gottes neue Welt herrschen wird, werdet ihr ebenfalls auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. Mat 19:29 Jeder, der sein Haus, seine Geschwister, seine Eltern, seine Frau, seine Kinder oder seinen Besitz zurückläßt, um mir zu folgen, wird dies alles hundertfach zurückerhalten und das ewige Leben empfangen. Mat 19:30 Viele, die heute eine große Rolle spielen, werden in Gottes neuer Welt nichts bedeuten. Und viele, die heute die Letzten sind, werden dann zu den Ersten gehören." Mat 20:1 "Ich möchte euch ein Gleichnis erzählen", sagte Jesus. "Ein Weinbauer ging frühmorgens Arbeiter für seinen Weinberg anwerben. Mat 20:2 Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und ließ sie in seinem Weinberg arbeiten. Mat 20:3 Ein paar Stunden später ging er noch einmal über den Marktplatz und sah dort Leute herumstehen, die arbeitslos waren. Mat 20:4 Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen angemessenen Lohn. Mat 20:5 Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er noch mehr Arbeiter ein. Mat 20:6 Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, sah er wieder ein paar Leute untätig herumstehen. Er fragte sie: 'Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?' Mat 20:7 'Uns wollte niemand haben', antworteten sie. 'Geht doch und arbeitet auch noch in meinem Weinberg!' forderte er sie auf. Mat 20:8 Am Abend beauftragte er seinen Verwalter: 'Ruf die Leute zusammen und zahle ihnen den Lohn aus! Beginne damit beim Letzten und höre beim Ersten auf!' Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten, Mat 20:9 und jeder von ihnen bekam den vollen Tageslohn. Mat 20:10 Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber sie bekamen alle nur den vereinbarten Tageslohn. Mat 20:11 Da fingen sie an zu schimpfen: 'Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, Mat 20:12 und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!' Mat 20:13 'Mein Freund', entgegnete der Weinbauer, 'dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt? Mat 20:14 Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genausoviel zahlen wie dir. Mat 20:15 Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?' Mat 20:16 Ebenso werden die Letzten einmal die Ersten sein, und die Ersten die Letzten." Mat 20:17 Auf dem Weg nach Jerusalem nahm Jesus seine Jünger beiseite Mat 20:18 und sagte ihnen: "Wir gehen jetzt nach Jerusalem. Dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert werden. Man wird ihn zum Tode verurteilen und den Römern übergeben. Mat 20:19 Die werden ihn verspotten, auspeitschen und ans Kreuz schlagen. Aber drei Tage später wird er vom Tod auferstehen." Mat 20:20 Da kam die Frau des Zebedäus mit ihren Söhnen Jakobus und Johannes zu Jesus. Sie warf sich vor ihm nieder und wollte ihn um etwas bitten. Mat 20:21 "Was willst du denn?" fragte er. Sie antwortete: "Gib meinen beiden Söhnen in deinem Königreich die Ehrenplätze direkt neben dir!" Mat 20:22 Jesus antwortete ihnen: "Ihr wißt ja gar nicht, was ihr da verlangt. Könnt ihr denn das schwere Leiden ertragen, das auf mich wartet?" "Jawohl", antworteten sie, "das können wir!" Mat 20:23 Darauf erwiderte ihnen Jesus: "Ganz gewiß werdet ihr leiden müssen, aber ich kann nicht bestimmen, wer einmal neben mir sitzen wird. Wer diese Plätze einnehmen wird, bestimmt allein mein Vater." Mat 20:24 Die anderen Jünger waren entrüstet, als sie erfuhren, was Jakobus und Johannes gefordert hatten. Mat 20:25 Jesus rief sie deshalb zusammen und sagte: "Die Könige herrschen über die Völker wie Tyrannen, und die Machthaber unterdrücken, wen sie können. Mat 20:26 Aber gerade so darf es bei euch nicht sein. Wer groß sein will, der soll den anderen dienen, Mat 20:27 und wer der Erste sein will, der soll sich allen unterordnen. Mat 20:28 Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen. Er kam, um selbst zu dienen und mit seinem Leben dafür zu bezahlen, daß viele Menschen aus der Gewalt des Bösen befreit werden." Mat 20:29 Als Jesus und seine Jünger die Stadt Jericho verließen, zog eine große Menschenmenge mit ihnen. Mat 20:30 Zwei blinde Männer saßen an der Straße. Als sie hörten, daß Jesus vorüberkam, riefen sie: "Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit uns!" Mat 20:31 Die Leute versuchten, sie zum Schweigen zu bringen, aber die Blinden schrien nur noch lauter: "Herr, erbarme dich über uns!" Mat 20:32 Da blieb Jesus stehen, rief sie zu sich und fragte: "Was wollt ihr von mir?" Mat 20:33 "Herr, wir möchten gern sehen können!" Mat 20:34 Voll mitleidender Liebe berührte Jesus ihre Augen. Sofort konnten sie sehen, und sie gingen mit ihm. Mat 21:1 Nachdem Jesus mit seinen Jüngern in die Nähe von Jerusalem gekommen war, erreichten sie Bethphage am Ölberg. Jesus schickte zwei Jünger mit dem Auftrag voraus: Mat 21:2 "Wenn ihr in das Dorf kommt, werdet ihr dort eine Eselin mit ihrem Fohlen finden. Bindet sie los und bringt sie zu mir. Mat 21:3 Sollte euch jemand fragen, was ihr vorhabt, dann sagt einfach: 'Der Herr braucht sie.' Man wird euch keine Schwierigkeiten machen." Mat 21:4 Damit erfüllte sich das Prophetenwort: Mat 21:5 "Sagt dem Volk von Jerusalem: 'Dein König kommt zu dir. Er kommt ohne Gewalt und reitet auf einem Eselsfohlen.'" Mat 21:6 Die beiden Jünger führten aus, was Jesus ihnen gesagt hatte. Mat 21:7 Sie brachten die Tiere zu ihm, legten ihre Mäntel über sie, und Jesus setzte sich darauf. Mat 21:8 Viele Menschen breiteten ihre Kleider als Teppich auf der Straße aus, andere rissen Zweige von den Bäumen und legten sie auf den Weg. Mat 21:9 Vor und hinter ihm drängten sich die Menschen und riefen: "Heil unserem König, dem Sohn Davids! Ihn hat uns Gott gesandt. Der Herr segne ihn! Gelobt sei Gott!" Mat 21:10 Als er so in Jerusalem einzog, war die ganze Stadt in großer Aufregung. "Wer ist dieser Mann?" fragten die Leute. Mat 21:11 "Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa", riefen die Menschen, die ihn begleiteten. Mat 21:12 Dann ging Jesus in den Tempel, jagte alle Händler und Käufer hinaus, stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und rief: Mat 21:13 "Gott sagt: 'Mein Haus soll ein Ort des Gebets sein', ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!" Mat 21:14 Da kamen auch schon Blinde und Krüppel, und er heilte sie im Tempel. Mat 21:15 Als die Hohenpriester und die Gesetzeslehrer seine Wundertaten sahen und als sie hörten, wie die Kinder sogar im Tempel riefen: "Heil dem Sohn Davids!", wurden sie wütend und fragten Jesus: "Hörst du denn nicht, was die Kinder da schreien?" Mat 21:16 "Ja, ich höre es", antwortete Jesus. "Habt ihr nie gelesen: 'Selbst unmündige, kleine Kinder werden dich loben!'?" Mat 21:17 Damit ließ er sie stehen, verließ die Stadt und ging nach Bethanien, um dort zu übernachten. Mat 21:18 Am nächsten Morgen, als Jesus nach Jerusalem zurückkehrte, bekam er Hunger. Mat 21:19 Da sah er am Wegrand einen Feigenbaum. Er ging hin, um sich ein paar Feigen zu pflücken. Aber er fand nichts als Blätter. Da sagte Jesus zu dem Baum: "Du sollst in Zukunft nie wieder Feigen tragen!" Im selben Augenblick verdorrte der Baum. Mat 21:20 Erstaunt fragten die Jünger: "Wie kommt es, daß der Feigenbaum so schnell vertrocknet ist?" Mat 21:21 Jesus erwiderte: "Wenn ihr wirklich glaubt und nicht zweifelt, könnt ihr nicht nur dies tun, sondern noch größere Wunder. Ihr könnt sogar zu diesem Berg sagen: 'Hebe dich von der Stelle und stürze dich ins Meer!' Es wird geschehen. Mat 21:22 Ihr werdet alles bekommen, wenn ihr im festen Glauben darum bittet." Mat 21:23 Dann ging Jesus in den Tempel und sprach zu den Menschen. Sofort bedrängten ihn die Hohenpriester und Führer des Volkes mit der Frage: "Wer hat dir das Recht gegeben, hier in dieser Weise aufzutreten? Wer gab dir die Vollmacht dazu?" Mat 21:24 "Ich will euch auch eine Frage stellen", entgegnete Jesus. "Wenn ihr die beantwortet, will ich auf eure Fragen antworten. Mat 21:25 War Johannes der Täufer ein Beauftragter Gottes oder nicht?" Sie überlegten: "Wenn wir sagen: 'Er kam von Gott', wird er uns fragen, weshalb wir ihm nicht geglaubt haben. Mat 21:26 Wenn wir aber bestreiten, daß Gott ihn gesandt hat, bekommen wir Ärger mit dem Volk, weil alle überzeugt sind, daß er ein Prophet war." Mat 21:27 Deswegen antworteten sie: "Wir wissen es nicht!" Da sagte Jesus: "Dann sage ich euch auch nicht, wer mir die Vollmacht gegeben hat." Mat 21:28 "Was sagt ihr dazu: Ein Mann hatte zwei Söhne. Er sagte zu dem ersten: 'Mein Sohn, arbeite heute in unserem Weinberg!' Mat 21:29 'Ja, Vater', antwortete er. Doch er hatte keine Lust und ging nicht hin. Mat 21:30 Auch den zweiten Sohn forderte der Vater auf, die Arbeit zu erledigen. 'Ich will aber nicht!' entgegnete dieser. Später tat es ihm leid, und er ging doch an die Arbeit. Mat 21:31 Wer von den beiden Söhnen hat nun getan, was der Vater wollte?" Sie antworteten: "Der zweite natürlich!" Da erklärte ihnen Jesus, was er meinte: "Das ist sicher: Betrüger und Dirnen werden eher in Gottes Reich kommen als ihr. Mat 21:32 Johannes der Täufer zeigte euch den Weg zu Gott und forderte euch zur Buße auf. Aber ihr wolltet nichts von ihm wissen. Die Betrüger und Dirnen aber folgten seinem Ruf. Und obwohl ihr das gesehen habt, wolltet ihr ihm nicht glauben und euer Leben nicht ändern." Mat 21:33 "Hört eine andere Geschichte: Ein Grundbesitzer legte einen Weinberg an, zäunte ihn ein, stellte eine Weinpresse auf und baute auch einen Wachtturm. Dann verpachtete er den Weinberg an Weinbauern und reiste ins Ausland. Mat 21:34 Zur Zeit der Weinlese schickte er seine Leute zu den Weinbauern mit dem Auftrag, den vereinbarten Anteil abzuholen. Mat 21:35 Die Weinbauern aber schlugen den einen nieder, töteten den andern und steinigten den dritten. Mat 21:36 Da beauftragte der Grundbesitzer andere Leute. Aber ihnen erging es nicht besser. Mat 21:37 Schließlich sandte er seinen Sohn, weil er sich sagte: Den werden sie bestimmt anerkennen! Mat 21:38 Als die Weinbauern aber den Sohn kommen sahen, sagten sie zueinander: 'Da kommt der Erbe! Den bringen wir um! Dann gehört der Weinberg uns.' Mat 21:39 Sie jagten ihn aus dem Weinberg und schlugen ihn tot. Mat 21:40 Was wird der Besitzer mit diesen Weinbauern machen, wenn er zurückkehrt?" Mat 21:41 Sie antworteten: "Er wird diese Verbrecher umbringen und den Weinberg an solche Weinbauern verpachten, die ihm seinen Anteil abliefern." Mat 21:42 "Richtig", sagte Jesus, "es steht ja schon in der Schrift: 'Der Stein, den die Bauarbeiter weggeworfen haben, weil sie ihn für unbrauchbar hielten, ist nun zum Grundstein des ganzen Hauses geworden. Was keiner für möglich gehalten hat, das tut Gott vor euren Augen.' Mat 21:43 Deshalb sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das Gott gehorcht. Mat 21:44 Wer nicht mit Gott rechnet, muß scheitern, und wer sich gegen Gott auflehnt, den wird Gott vernichten." Mat 21:45 Als die Hohenpriester und die Pharisäer merkten, daß Jesus von ihnen sprach und daß sie die Weinbauern in seiner Geschichte waren, Mat 21:46 hätten sie ihn am liebsten auf der Stelle festgenommen. Aber sie fürchteten sich vor dem Volk, das Jesus für einen Propheten hielt. Mat 22:1 Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mat 22:2 "Wenn Gott seine Königsherrschaft aufrichtet, ist das wie bei dem König, der für seinen Sohn ein großes Hochzeitsfest vorbereitete. Mat 22:3 Viele wurden zur Hochzeit eingeladen. Als die Vorbereitungen beendet waren, schickte er seine Diener, um die Gäste abzuholen. Aber keiner wollte kommen. Mat 22:4 Er ließ sie durch andere Diener nochmals bitten: 'Es ist alles fertig, die Ochsen und Mastkälber sind geschlachtet. Das Fest kann beginnen. Kommt!' Mat 22:5 Aber die geladenen Gäste interessierte das nicht. Sie ließen sich in ihrer Arbeit nicht stören. Der eine hatte auf dem Feld zu tun, der andere im Geschäft. Mat 22:6 Einige wurden sogar handgreiflich, mißhandelten und töteten die Diener des Königs. Mat 22:7 Voller Zorn sandte der König seine Truppen aus, ließ die Mörder umbringen und ihre Stadt in Brand stecken. Mat 22:8 Dann sagte er zu seinen Dienern: 'Die Hochzeitsfeier ist vorbereitet, aber die geladenen Gäste waren es nicht wert, an diesem Fest teilzunehmen. Mat 22:9 Geht jetzt auf die Straßen und ladet alle ein, die ihr trefft!' Mat 22:10 Das taten die Boten und brachten alle mit, die sie fanden: gute und böse Menschen. So füllte sich der Festsaal mit Gästen. Mat 22:11 Als der König kam, um seine Gäste zu begrüßen, bemerkte er einen Mann, der nicht festlich angezogen war. Mat 22:12 'Mein Freund, wie bist du hier ohne das Festgewand hereingekommen, das für dich bereitlag?' fragte er ihn. Mat 22:13 Darauf konnte der Mann nichts antworten. 'Fesselt ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die Finsternis!' befahl der König streng. 'Dort wird er weinen und jammern, ohne daß ihm jemand helfen kann.' Mat 22:14 Denn viele sind eingeladen, aber nur wenige sind bereit zu kommen." Mat 22:15 Nun begannen die Pharisäer zu beraten, wie sie Jesus mit seinen eigenen Worten in eine Falle locken könnten. Mat 22:16 Sie schickten ein paar von ihren Leuten und einige Anhänger des Königs Herodes zu ihm. Die fragten ihn: "Meister, wir wissen, daß es dir allein um die Wahrheit geht. Du sagst uns frei heraus, wie wir nach Gottes Willen leben sollen. Du fragst auch nicht danach, ob die Wahrheit den Leuten gefällt oder nicht. Mat 22:17 Deshalb sage uns: Ist es eigentlich Gottes Wille, daß wir dem römischen Kaiser Steuern zahlen, oder nicht?" Mat 22:18 Jesus erkannte ihre Hinterhältigkeit. "Ihr Heuchler!" rief er. "Warum wollt ihr mir eine Falle stellen? Mat 22:19 Gebt mir ein Geldstück!" Sie gaben ihm eine römische Münze. Mat 22:20 "Wessen Bild und Name ist hier eingeprägt?" fragte er. Mat 22:21 "Das Bild und der Name des Kaisers", antworteten sie. "Dann gebt dem Kaiser, was ihm zusteht, und gebt Gott, was ihm gehört!" Mat 22:22 Diese Antwort verblüffte sie. Und sie ließen Jesus in Ruhe und gingen weg. Mat 22:23 Am selben Tag kamen einige Sadduzäer zu Jesus. Das waren Leute, die behaupteten, daß es keine Auferstehung der Toten gibt. Sie fragten Jesus: Mat 22:24 "Herr, Mose hat bestimmt: Wenn ein verheirateter Mann ohne Kinder stirbt, dann soll sein Bruder die Witwe heiraten, und das erste ihrer Kinder soll der Erbe des Verstorbenen sein. Mat 22:25 Nun lebten da unter uns sieben Brüder. Der erste heiratete und starb kinderlos. Sein Bruder heiratete die Witwe. Mat 22:26 Auch der zweite Bruder starb, und der nächste Bruder nahm sie zur Frau. So ging es weiter, bis die Frau mit allen sieben verheiratet gewesen war. Mat 22:27 Schließlich starb auch sie. Mat 22:28 Wessen Frau wird sie nun nach der Auferstehung sein? Schließlich waren ja alle sieben mit ihr verheiratet." Mat 22:29 Jesus antwortete: "Ihr kennt weder das Wort Gottes noch Gottes Macht! Ihr irrt euch! Mat 22:30 Nach der Auferstehung gibt es keine Ehe mehr, sondern die Auferstandenen werden wie Engel im Himmel sein. Mat 22:31 Doch wenn ihr behauptet, daß es keine Auferstehung gibt, möchte ich euch an Gottes Wort erinnern. Dort heißt es: Mat 22:32 'Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.' Gott ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern er ist der Gott der Lebenden!" Mat 22:33 Diese Worte Jesu hinterließen einen tiefen Eindruck bei allen, die ihm zuhörten. Mat 22:34 Als die Pharisäer hörten, wie er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, Mat 22:35 dachten sie sich eine neue Frage aus. Ein Schriftgelehrter fragte ihn: Mat 22:36 "Herr, welches ist das wichtigste Gebot im Gesetz Gottes?" Mat 22:37 Jesus antwortete ihm: "'Liebe Gott, den Herrn, von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand!' Mat 22:38 Das ist das erste und wichtigste Gebot. Mat 22:39 Ebenso wichtig ist aber das zweite: 'Liebe deinen Mitmenschen, so wie du dich selber liebst!' Mat 22:40 Alle anderen Gebote und alle Forderungen der Propheten sind in diesen Geboten enthalten." Mat 22:41 Bei dieser Gelegenheit fragte Jesus die Pharisäer: Mat 22:42 "Was denkt ihr über Christus, der zu euch als Retter kommen soll. Wessen Sohn ist er?" Sie antworteten: "Er ist der Sohn Davids." Mat 22:43 "Warum aber hat ihn David, erleuchtet vom Geist Gottes, 'Herr' genannt? Denn David sagte: Mat 22:44 'Gott sprach zu meinem Herrn: Setze dich auf den Ehrenplatz an meiner rechten Seite, bis ich dir alle deine Feinde unterworfen habe!' Mat 22:45 Wenn David ihn also 'Herr' nennt, wie kann er dann Davids Sohn sein?" Mat 22:46 Darauf wußten sie keine Antwort. Und von da an wagte niemand mehr, ihm weitere Fragen zu stellen. Mat 23:1 Dann sprach Jesus zu der Volksmenge und zu seinen Jüngern: Mat 23:2 "Eure Schriftgelehrten und Pharisäer lehren euch das Gesetz des Mose. Mat 23:3 Richtet euch nach ihren Vorschriften! Folgt aber nicht ihrem Beispiel! Denn sie selber tun nicht, was sie von den anderen verlangen. Mat 23:4 Sie bürden den Menschen unerträgliche Lasten auf, denken aber selbst nicht daran, diese Lasten auch nur mit einem Finger anzurühren. Mat 23:5 Alles, was sie tun, ist nur Schau. Am Arm tragen sie breite Gebetsriemen, und die Fransen an ihren Talaren werden immer länger. Alle sollen sehen können, wie fromm sie sind. Mat 23:6 Bei euren Festen wollen sie auf Ehrenplätzen sitzen, und beim Gottesdienst haben sie ihren Platz in der vordersten Reihe. Mat 23:7 Sie haben es gern, wenn man sie auf der Straße ehrfurchtsvoll grüßt und 'Meister' nennt. Mat 23:8 Laßt ihr euch nicht so anreden! Nur Gott ist euer Meister, ihr seid untereinander alle Brüder. Mat 23:9 Niemanden auf der Erde sollt ihr 'Vater' nennen, denn nur Gott im Himmel hat Anspruch auf diesen Namen. Mat 23:10 Ihr sollt euch auch nicht Lehrer nennen lassen, weil ihr nur einen Lehrer habt: Christus. Mat 23:11 Wer allen anderen dient, wird der Größte unter euch sein. Mat 23:12 Aber alle, die sich für wichtig halten, werden gedemütigt werden. Wer sich aber selbst erniedrigt, den wird Gott erhöhen." Mat 23:13 "Wehe euch, ihr Pharisäer und Schriftgelehrten! Ihr seid Heuchler! Durch euch wird anderen der Zugang in das Reich Gottes versperrt. Ihr selbst geht nicht hinein, und die hinein wollen, hindert ihr daran. Mat 23:14 Wehe euch! Gierig reißt ihr das Vermögen der Witwen an euch, und eure langen Gebete sind nichts als Heuchelei. Dafür wird euch Gottes Urteil besonders hart treffen. Mat 23:15 Wehe euch, ihr Scheinheiligen! Ihr scheut keine Mühe, wenn es gilt, auch nur einen Menschen für eure Lehre zu gewinnen. Aber wenn ihr einen gefunden habt, dann wird er durch euch ein Kind der Hölle, das euch an Bosheit noch übertrifft. Mat 23:16 Wehe euch! Ihr seid selbst blind und wollt doch andere führen. So behauptet ihr: 'Beim Tempel Gottes schwören, das hat nichts zu bedeuten. Diesen Eid kannst du ruhig brechen. Aber wer beim Gold im Tempel schwört, der muß seinen Eid halten.' Mat 23:17 Ihr blinden Narren! Was zählt mehr: das Gold oder der Tempel, durch den das Gold erst geheiligt wird? Mat 23:18 Ihr sagt: 'Ein Eid, beim Altar geschworen, hat keine Bedeutung. Wer aber bei dem Opfer auf dem Altar schwört, der muß sein Versprechen halten.' Mat 23:19 Ihr Verblendeten! Was zählt denn mehr: die Gabe auf dem Altar oder der Altar, der die Gabe erst zum Opfer werden läßt? Mat 23:20 Wer beim Altar schwört, schwört bei allem, was darauf liegt. Mat 23:21 Wer beim Tempel schwört, der ruft Gott zum Zeugen an, der dort wohnt. Mat 23:22 Und wer beim Himmel schwört, schwört bei dem Thron Gottes und damit bei Gott selbst, der auf diesem Thron sitzt. Mat 23:23 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Scheinheiligen! Sogar von Küchenkräutern wie Minze, Dill und Kümmel gebt ihr Gott den zehnten Teil. Aber die viel wichtigeren Forderungen Gottes nach Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Glauben sind euch gleichgültig. Doch gerade darum geht es hier: Das Wesentliche tun und das Nebensächliche nicht unterlassen. Mat 23:24 Ihr aber entfernt jede kleine Mücke entrüstet aus eurem Essen, doch ganze Kamele schluckt ihr bedenkenlos hinunter. Andere wollt ihr führen und seid doch selber blind! Mat 23:25 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Äußerlich seid ihr wie die Becher, aus denen ihr trinkt: auf Hochglanz poliert! Aber euer wirkliches Leben besteht aus schmutziger Erpressung und Gier. Mat 23:26 Ihr blinden Verführer, sorgt erst einmal dafür, daß euer Leben mit Gott in Ordnung kommt! Dann wird auch alles andere in Ordnung kommen. Mat 23:27 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr seid wie die gepflegten Grabstätten: von außen sauber und geschmückt, so daß man gern hinsieht; aber innen ist alles voll stinkender Verwesung. Mat 23:28 Ihr wollt vor den Leuten als die Gerechten dastehen, aber in Wirklichkeit seid ihr voller Bosheit und Heuchelei. Mat 23:29 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Scheinheiligen! Den Propheten baut ihr Denkmäler, und die Gräber der Gerechten schmückt ihr. Mat 23:30 Dazu behauptet ihr noch: 'Wenn wir damals gelebt hätten, wir hätten die Propheten nicht umgebracht, wie es unsere Väter getan haben.' Mat 23:31 Damit gebt ihr also zu, daß ihr die Nachkommen der Prophetenmörder seid. Mat 23:32 Ja, ihr geht tatsächlich in ihren Fußspuren und steht ihnen an Bosheit nicht nach. Mat 23:33 Ihr heimtückischen Verführer! Wie wollt ihr der Hölle entrinnen? Mat 23:34 Ich werde euch Propheten, geisterfüllte Männer und Lehrer schicken. Einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen. Andere werdet ihr in den Synagogen blutig peitschen, sie von Stadt zu Stadt verfolgen. Mat 23:35 Dadurch seid ihr am Tod aller dieser Gerechten schuldig; angefangen bei Abel bis zu Zacharias, dem Sohn des Barachja, den ihr zwischen Tempel und Altar ermordet habt. Mat 23:36 Das sage ich euch: Das Strafgericht für all diese Schuld wird noch über diese Generation hereinbrechen." Mat 23:37 "Jerusalem! O Jerusalem! Du tötest die Propheten und erschlägst die Boten, die Gott zu dir schickt. Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt! Aber ihr habt es nicht gewollt! Mat 23:38 Seht, euer Haus wird zerstört werden! Mat 23:39 Denn ich sage euch: Ihr werdet mich erst dann wiedersehen, wenn ihr bereit seid, mich als den von Gott Gesandten aufzunehmen. Dann werdet ihr rufen: 'Heil dem Retter, den Gott gesandt hat!'" Mat 24:1 Als Jesus den Tempel verließ, kamen seine Jünger und wollten ihm die riesigen Ausmaße der Tempelanlage zeigen. Mat 24:2 Da sagte Jesus zu ihnen: "Ja, seht euch alles genau an! Denn ich sage euch: Alles hier wird so zerstört werden, daß kein Stein mehr auf dem anderen bleibt." Mat 24:3 "Wann wird das geschehen?" fragten ihn später seine Jünger, als er mit ihnen am Abhang des Ölbergs saß. "Welche Ereignisse werden deine Wiederkunft und das Ende der Welt ankündigen?" Mat 24:4 Jesus antwortete: "Laßt euch von keinem Menschen täuschen und verführen! Mat 24:5 Denn manche werden von sich behaupten: 'Ich bin Christus!' Und viele werden sich von solchen Betrügern irreführen lassen. Mat 24:6 Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, achtet darauf, aber erschreckt nicht! Das muß geschehen, doch es bedeutet noch nicht das Ende. Mat 24:7 Die Völker und die Machtblöcke der Erde werden gegeneinander Kriege führen. In vielen Teilen der Welt wird es Hungersnöte und Erdbeben geben. Mat 24:8 Doch das ist erst der Anfang vom Ende; so wie die ersten Wehen einer Frau, die ein Kind zur Welt bringt. Mat 24:9 Dann werdet ihr gefoltert, getötet und in der ganzen Welt gehaßt werden, weil ihr zu mir gehört. Mat 24:10 Manche werden ihren Glauben verleugnen, einander verraten und hassen. Mat 24:11 Falsche Propheten werden auftreten und viele verführen. Mat 24:12 Und weil Gottes Gebote mißachtet werden, setzt sich das Böse überall durch. Und die Liebe wird bei vielen erlöschen. Mat 24:13 Wer aber bis zum Ende durchhält, der wird gerettet. Mat 24:14 Die Heilsbotschaft vom Reich Gottes wird in der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker sie hören. Dann erst wird das Ende kommen. Mat 24:15 Wer dies liest, soll genau auf jedes Wort achten: Wenn ihr das abscheuliche Götzenbild seht, das die heilige Stätte entweiht, Mat 24:16 dann sollen alle, die sich in Judäa aufhalten, in das Gebirge fliehen. Mat 24:17 Wer sich gerade auf der Terrasse seines Hauses aufhält, der soll nicht erst im Haus sein Gepäck für die Flucht zusammensuchen. Mat 24:18 Wer auf dem Feld arbeitet, soll nicht erst nach Hause laufen, um seinen Mantel zu holen. Mat 24:19 Schlimm wird es für die Frauen werden, die ein Kind erwarten, und für Mütter mit Säuglingen. Mat 24:20 Betet deshalb, daß ihr nicht im Winter oder am Sabbat fliehen müßt! Mat 24:21 Denn es wird eine Notzeit kommen, wie sie die Welt in ihrer ganzen Geschichte noch nicht erlebt hat und wie sie auch später nicht wieder eintreten wird. Mat 24:22 Wenn diese Leidenszeit nicht verkürzt würde, könnte niemand gerettet werden! Aber den Auserwählten Gottes zuliebe wird Gott diese Zeit verkürzen. Mat 24:23 Wenn jemand zu euch sagt: 'Hier ist der Retter!' oder: 'Dort ist Christus erschienen!', glaubt ihm nicht! Mat 24:24 Denn es werden sich manche als Retter der Welt aufspielen, und falsche Propheten werden auftreten. Sie werden erstaunliche Wunder vollbringen, und wenn es möglich wäre, würden sie sogar die von Gott Auserwählten irreführen. Mat 24:25 Denkt also daran, ich habe euch gewarnt! Mat 24:26 Wenn euch jemand erzählt: 'Der Retter ist draußen in der Wüste', so geht nicht hin. Wenn er sich irgendwo verborgen halten soll, glaubt es nicht. Mat 24:27 Wenn aber der Menschensohn wiederkommt, wird er sofort für alle sichtbar sein, wie ein Blitz, der von Ost nach West am Himmel aufzuckt, Mat 24:28 oder wie ein verendetes Tier, um das sich die Geier scharen." Mat 24:29 "Unmittelbar nach dieser großen Schreckenszeit werden sich Sonne und Mond verfinstern. Die Sterne werden aus ihrer Bahn geschleudert, und die kosmischen Kräfte geraten durcheinander. Mat 24:30 Dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen. Die Menschen auf der ganzen Erde werden vor Entsetzen jammern und heulen. Sie werden sehen, wie der Menschensohn in göttlicher Macht und Herrlichkeit in den Wolken des Himmels kommt. Mat 24:31 Mit gewaltigem Posaunenschall wird er seine Engel aussenden, und sie werden seine Auserwählten aus allen Teilen der Welt sammeln." Mat 24:32 "Der Feigenbaum soll euch dafür ein Beispiel sein: Wenn seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, dann wißt ihr, daß es bald Sommer ist. Mat 24:33 Wenn sich dies alles anbahnt, sollt ihr wissen: Mein Kommen steht unmittelbar bevor. Mat 24:34 Das sage ich euch: Dieses Volk wird nicht untergehen, bevor das alles geschieht. Mat 24:35 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber gelten immer und vergehen nie. Mat 24:36 Niemand weiß, wann das Ende kommen wird. Keiner kennt den Tag oder die Stunde, auch nicht die Engel im Himmel, ja nicht einmal der Sohn Gottes. Allein der Vater kennt den Zeitpunkt. Mat 24:37 Wenn der Menschensohn kommt, wird es auf der Erde zugehen wie zur Zeit Noahs, als die große Flut hereinbrach. Mat 24:38 Auch damals lebten die Menschen so weiter, wie sie immer gelebt hatten: Essen, Trinken und Heiraten waren ihr einziger Lebensinhalt. Mat 24:39 Selbst als Noah in die Arche stieg, glaubten die Leute nicht an das Unheil, bis die Flut sie alle mit sich riß. So wird es auch beim Kommen des Menschensohnes sein. Mat 24:40 Zwei Männer werden auf dem Feld arbeiten. Der eine wird angenommen, und der andere bleibt zurück. Mat 24:41 Zwei Frauen werden mit ihrer Hausarbeit beschäftigt sein; die eine wird angenommen, die andere bleibt zurück. Mat 24:42 Deshalb seid jederzeit bereit! Denn ihr wißt nicht, wann euer Herr wiederkommen wird. Mat 24:43 Das ist doch klar: Wenn der Hausherr wüßte, wann ein Dieb bei ihm einbrechen will, würde er sich rechtzeitig vor ihm schützen. Mat 24:44 Seid also zu jeder Zeit bereit, denn der Menschensohn wird gerade dann kommen, wenn ihr es am wenigsten vermutet!" Mat 24:45 "Wie verhält sich denn ein kluger und zuverlässiger Verwalter?" fragte Jesus die Jünger. "Er hat den Auftrag bekommen, seine Mitarbeiter zu beschäftigen und sie mit allem Nötigen zu versorgen! Mat 24:46 Er darf sich glücklich nennen, wenn sein Herr ihn bei der Rückkehr gewissenhaft bei der Arbeit findet. Mat 24:47 Das sage ich euch: Einem so zuverlässigen Mann wird er die Verantwortung für seinen ganzen Besitz übertragen. Mat 24:48 Wenn aber ein Verwalter unzuverlässig ist und im stillen denkt: 'Ach was, es dauert bestimmt noch lange, bis mein Herr kommt', Mat 24:49 und er fängt an, seine Mitarbeiter zu schlagen und Trinkgelage zu veranstalten, Mat 24:50 dann wird die Rückkehr seines Herrn ihn völlig überraschen. Mat 24:51 Der wird ihn hart bestrafen, als Heuchler verurteilen und hinausstoßen, dorthin, wo es nur Weinen und ohnmächtiges Jammern gibt." Mat 25:1 "Wenn der Menschensohn seine Herrschaft antritt, wird es sein wie bei den zehn Mädchen, die bei einer Hochzeit als Brautjungfern mit ihren Lampen den Bräutigam abholen sollten. Mat 25:2 Aber nur fünf von ihnen waren so klug, Mat 25:3 sich ausreichend mit Öl für ihre Lampen zu versorgen. Mat 25:4 Die anderen waren gleichgültig und dachten überhaupt nicht daran, genügend Öl mitzunehmen. Mat 25:5 Als sich die Ankunft des Bräutigams verzögerte, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mat 25:6 Plötzlich um Mitternacht wurden sie mit dem Ruf geweckt: 'Der Bräutigam kommt! Steht auf und begrüßt ihn!' Mat 25:7 Da sprangen die Mädchen auf und brachten ihre Lampen in Ordnung. Mat 25:8 Die fünf, die nicht genügend Öl hatten, baten die anderen: 'Gebt uns etwas von euerm Öl! Unsere Lampen gehen aus.' Mat 25:9 Aber die Klugen antworteten: 'Unser Öl reicht gerade für uns selbst. Geht doch in den Laden und kauft euch welches!' Mat 25:10 In der Zwischenzeit kam der Bräutigam, und die Mädchen, die genügend Öl für ihre Lampen hatten, gingen mit ihm in den Festsaal. Dann wurde die Tür verschlossen. Mat 25:11 Später kamen auch die fünf anderen. Sie standen draußen und riefen: 'Herr, mach uns die Tür auf!' Mat 25:12 Aber er erwiderte: 'Was wollt ihr denn? Ich kenne euch nicht!' Mat 25:13 Deshalb seid wach und haltet euch bereit! Denn ihr wißt weder an welchem Tag noch zu welchem Zeitpunkt ich kommen werde." Mat 25:14 "Es wird dann so sein wie bei dem Mann, der ins Ausland reisen wollte. Er rief alle Verwalter zusammen und beauftragte sie, während seiner Abwesenheit mit seinem Vermögen zu arbeiten. Mat 25:15 Dem einen gab er fünf Goldstücke, einem anderen zwei und dem dritten eins, entsprechend den Fähigkeiten, die er bei ihnen voraussetzte. Danach reiste er ab. Mat 25:16 Der Mann mit den fünf Goldstücken war so erfolgreich bei seinen Geschäften, daß er die Summe verdoppeln konnte. Mat 25:17 Auch der die zwei Goldstücke bekommen hatte, verdiente zwei hinzu. Mat 25:18 Der dritte versteckte sein Goldstück an einem sicheren Ort, weil er nichts riskieren wollte. Mat 25:19 Nach langer Zeit kehrte der Herr von seiner Reise zurück und forderte seine Verwalter auf, mit ihm abzurechnen. Mat 25:20 Der Mann, der fünf Goldstücke erhalten hatte, brachte zehn Goldstücke. Er sagte: 'Herr, fünf Goldstücke hast du mir gegeben. Hier, ich habe fünf dazuverdient.' Mat 25:21 Da lobte ihn sein Herr: 'Du warst tüchtig und zuverlässig. In kleinen Dingen bist du treu gewesen, darum werde ich dir größere Aufgaben anvertrauen. Ich lade dich zu meinem Fest ein!' Mat 25:22 Danach kam der Mann mit den zwei Goldstücken. Er berichtete: 'Herr, ich habe den Betrag verdoppeln können.' Mat 25:23 Da lobte ihn der Herr: 'Du warst tüchtig und zuverlässig. In kleinen Dingen bist du treu gewesen, darum werde ich dir größere Aufgaben anvertrauen. Ich lade dich zu meinem Fest ein!' Mat 25:24 Schließlich kam der mit dem einen Goldstück und erklärte: 'Ich kenne dich als strengen Herrn und dachte: Was ich auch immer verdiene, du nimmst es mir doch weg. Mat 25:25 Und ich hatte Angst, das Geld bei irgendwelchen Geschäften zu verlieren. Deshalb habe ich es sicher aufbewahrt. Hier hast du es wieder zurück!' Mat 25:26 Zornig antwortete ihm darauf sein Herr: 'Was bist du doch für ein Dummkopf! Wenn du schon der Meinung bist, daß es mir nur um Gewinn geht, Mat 25:27 hättest du doch mein Vermögen bei einer Bank angelegt! Dort hätte es wenigstens Zinsen gebracht! Mat 25:28 Nehmt ihm das Geld weg, und gebt es dem, der die fünf Goldstücke hatte! Mat 25:29 Denn wer das, was er hat, gewissenhaft nutzt, dem kann man noch mehr anvertrauen, bis er mehr als genug hat. Wer aber mit Wenigem nachlässig umgeht, dem wird man auch das noch nehmen. Mat 25:30 Und jetzt werft diesen nichtsnutzigen Kerl hinaus in die Finsternis, wo nur noch Verzweiflung herrscht.'" Mat 25:31 "Wenn der Menschensohn in seiner ganzen Herrlichkeit, begleitet von allen Engeln, wiederkommt, dann wird er auf dem Thron Gottes sitzen. Mat 25:32 Alle Völker werden vor ihm erscheinen, und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen, so wie ein Hirte die Schafe von den Böcken trennt. Mat 25:33 Rechts werden die Schafe und links die Böcke stehen. Mat 25:34 Dann wird der Richter zu denen an seiner rechten Seite sagen: 'Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet. Nehmt das Reich Gottes in Besitz, das er seit Erschaffung der Welt für euch als Erbe bereithält! Mat 25:35 Denn als ich hungrig war, habt ihr mir zu essen gegeben. Als ich Durst hatte, bekam ich von euch etwas zu trinken. Ich war ein Fremder bei euch, und ihr habt mich aufgenommen. Mat 25:36 Ich war nackt, ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich war krank, und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.' Mat 25:37 Dann werden sie fragen: 'Herr, wann bist du denn hungrig gewesen und wir haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und wir gaben dir zu trinken? Mat 25:38 Wann haben wir dir Gastfreundschaft gewährt, und wann bist du nackt gewesen und wir haben dir Kleider gebracht? Mat 25:39 Wann warst du denn krank oder im Gefängnis und wir haben dich besucht?' Mat 25:40 Der Richter wird ihnen dann antworten: 'Das will ich euch sagen. Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan!' Mat 25:41 Zu denen auf seiner linken Seite aber wird er sagen: 'Geht mir aus den Augen, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer, das für den Teufel und seine Helfer bestimmt ist! Mat 25:42 Denn ich war hungrig, aber ihr habt mir nichts zu essen gegeben. Ich war durstig, aber ihr habt mir nichts zu trinken gegeben. Mat 25:43 Ich war ein Fremder unter euch, aber ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich war nackt, aber ihr wolltet mir nichts zum Anziehen geben. Ich war krank und im Gefängnis, aber ihr habt euch nicht um mich gekümmert.' Mat 25:44 Dann werden auch sie ihn fragen: 'Herr, wann haben wir dich denn hungrig oder durstig, ohne Unterkunft, nackt, krank oder im Gefängnis gesehen und dir nicht geholfen?' Mat 25:45 Darauf wird ihnen der Richter antworten: 'Die Hilfe, die ihr meinen geringsten Brüdern verweigert habt, die habt ihr mir verweigert.' Mat 25:46 Und sie werden der ewigen Strafe ausgeliefert sein. Aber die Gottes Willen getan haben, erwartet unvergängliches Leben." Mat 26:1 Als Jesus diese Rede beendet hatte, sagte er zu seinen Jüngern: Mat 26:2 "Ihr wißt, daß übermorgen das Passahfest beginnt. Dann wird der Menschensohn an die Menschen ausgeliefert und ans Kreuz genagelt werden." Mat 26:3 Zu derselben Zeit hielten die Hohenpriester und die Führer des Volkes im Palast des Hohenpriesters Kaiphas eine Sitzung ab. Mat 26:4 Sie berieten darüber, wie sie Jesus heimlich verhaften und umbringen könnten. Mat 26:5 Eins war ihnen von vornherein klar: "Es darf auf keinen Fall während des Passahfestes geschehen, damit es nicht zu Unruhen im Volk kommt." Mat 26:6 Jesus war in Bethanien Gast bei Simon, der früher einmal leprakrank gewesen war. Mat 26:7 Während der Mahlzeit kam eine Frau herein. Sie trug ein Glas mit kostbarem Öl, mit dem sie sein Haupt salbte. Mat 26:8 Die Jünger regten sich auf: Mat 26:9 "Das Öl ist ein Vermögen wert! Man hätte es verkaufen und das Geld den Armen geben sollen. Das ist doch reine Verschwendung!" Mat 26:10 Als Jesus ihren Ärger bemerkte, sagte er: "Warum kränkt ihr die Frau durch eure Vorwürfe? Sie hat etwas Gutes für mich getan. Mat 26:11 Arme werdet ihr immer bei euch haben, ich dagegen werde nicht mehr lange bei euch sein. Mat 26:12 Mit diesem Salböl hat sie meinen Leib für mein Begräbnis vorbereitet. Mat 26:13 Überall da, wo man in der Welt Gottes Heilsbotschaft verkünden wird, wird man auch von ihr sprechen und von dem, was sie an mir getan hat." Mat 26:14 Anschließend ging einer der zwölf Jünger, Judas Ischarioth, zu den Hohenpriestern Mat 26:15 und fragte: "Was gebt ihr mir, wenn ich euch Jesus verrate?" Sie gaben ihm dreißig Silbermünzen. Mat 26:16 Von da an suchte Judas eine günstige Gelegenheit, um Jesus zu verraten. Mat 26:17 Am ersten Tag der Festwoche, dem Tag der ungesäuerten Brote, kamen die Jünger zu Jesus und fragten: "Wo sollen wir das Passahmahl für uns vorbereiten?" Mat 26:18 Er antwortete: "Geht in die Stadt zu dem und dem - er nannte den Namen - und teilt ihm mit: Unser Meister sagt: 'Meine Zeit ist gekommen. Ich will mit meinen Jüngern in deinem Haus das Passahmahl feiern.'" Mat 26:19 Die Jünger führten den Auftrag aus und bereiteten alles vor. Mat 26:20 Am Abend dieses Tages saß Jesus mit den zwölf Jüngern beim Essen. Mat 26:21 Während sie aßen, sagte er: "Einer von euch wird mich verraten!" Mat 26:22 Erschrocken fragte jeder: "Meinst du etwa mich?" Mat 26:23 Jesus antwortete: "Der mit mir das Brot in die Schüssel eingetaucht hat, der ist es. Mat 26:24 Der Menschensohn muß zwar sterben, wie es vorausgesagt ist, aber seinem Verräter wird es schlimm ergehen. Es wäre besser für ihn, er wäre nie geboren worden." Mat 26:25 Judas fragte wie die anderen auch: "Meister, du meinst doch nicht etwa, daß ich es bin?" Da antwortete ihm Jesus: "Doch, du bist es!" Mat 26:26 Während der Mahlzeit nahm Jesus ein Stück Brot, sprach das Dankgebet, teilte das Brot und gab es den Jüngern mit den Worten: "Nehmt und eßt, das ist mein Leib!" Mat 26:27 Anschließend nahm er einen Becher mit Wein, dankte dafür und reichte ihn seinen Jüngern: "Trinkt alle daraus! Mat 26:28 Das ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Es wird zur Vergebung eurer Sünden vergossen. Mat 26:29 Ich sage euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis ich ihn wieder im Reich meines Vaters mit euch trinken werde." Mat 26:30 Nachdem sie das Danklied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Mat 26:31 Unterwegs sagte Jesus zu seinen Jüngern: "In dieser Nacht werdet ihr alle an mir zweifeln und mich nicht mehr begreifen. Denn es steht geschrieben: 'Ich werde der Herde den Hirten nehmen, und die Schafe werden auseinanderlaufen.' Mat 26:32 Aber nach meiner Auferstehung gehe ich nach Galiläa. Dort werde ich euch wiedersehen." Mat 26:33 Da erklärte Petrus: "Wenn auch alle anderen an dir zweifeln, ich halte zu dir!" Mat 26:34 Doch Jesus erwiderte ihm: "Ich sage dir: Ehe heute nacht der Hahn kräht, wirst du dreimal behaupten, daß du mich nicht kennst." Mat 26:35 "Selbst wenn ich sterben müßte, würde ich das nicht tun!" beteuerte Petrus. Und die anderen Jünger sagten alle das gleiche. Mat 26:36 Dann ging Jesus mit ihnen in einen Garten, der Gethsemane hieß. "Setzt euch hier hin und wartet auf mich!" forderte er die Jünger auf. "Ich will ein Stück weiter gehen und beten." Mat 26:37 Petrus, Jakobus und Johannes nahm er mit. Tiefe Mutlosigkeit und Angst überfielen Jesus, Mat 26:38 und er sagte zu ihnen: "Ich zerbreche beinahe unter der Last, die ich zu tragen habe. Bleibt bei mir und laßt mich nicht allein." Mat 26:39 Nachdem er einige Schritte weiter gegangen war, warf er sich auf die Erde und betete: "Mein Vater, wenn es möglich ist, so bewahre mich vor diesem Leiden! Aber nicht mein Wille soll geschehen, sondern dein Wille." Mat 26:40 Danach ging er zu den drei Jüngern zurück und sah, daß sie eingeschlafen waren. Er rüttelte Petrus wach und rief: "Könnt ihr denn nicht eine einzige Stunde mit mir wachen? Mat 26:41 Bleibt wach und betet, damit ihr die kommenden Tage überstehen könnt. Ich weiß, ihr wollt das Beste, aber aus eigener Kraft könnt ihr es nicht erreichen." Mat 26:42 Noch einmal ließ er sie allein, um zu beten: "Mein Vater, auch wenn mir dieses Leiden nicht erspart bleiben kann, bin ich bereit, deinen Willen zu erfüllen!" Mat 26:43 Als er zurückkam, sah er, daß seine Jünger wieder schliefen. Mat 26:44 Er kehrte um und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten. Mat 26:45 Dann kam er zu seinen Jüngern zurück und sagte: "Hört auf zu schlafen, ruht euch ein andermal aus! Jetzt wird der Menschensohn den Menschen ausgeliefert. Mat 26:46 Steht auf, laßt uns gehen! Der Verräter ist schon da." Mat 26:47 Noch während Jesus sprach, kam Judas, einer seiner Jünger, zusammen mit vielen Männern, die von den Hohenpriestern und den Führern des Volkes geschickt und mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet worden waren. Mat 26:48 Judas hatte mit ihnen vereinbart: "Der Mann, den ich küssen werde, der ist es. Ihn müßt ihr festnehmen!" Mat 26:49 Judas ging auf Jesus zu und sagte: "Sei gegrüßt, Meister!" Dann küßte er ihn. Mat 26:50 Jesus sah ihn an: "Mein Freund! Was tust du?" Sofort packten ihn die Soldaten und nahmen ihn fest. Mat 26:51 Aber einer der Jünger zog sein Schwert und schlug einem Soldaten des Hohenpriesters das Ohr ab. Mat 26:52 Doch Jesus befahl ihm: "Stecke dein Schwert weg! Wer Gewalt anwendet, wird durch Gewalt umkommen. Mat 26:53 Ist dir denn nicht klar, daß ich meinen Vater um eine ganze Armee Engel bitten könnte, um uns zu schützen? Er würde sie mir sofort schicken. Mat 26:54 Wie sollte sich aber dann das erfüllen, was in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist? Es muß alles so geschehen!" Mat 26:55 Danach wandte sich Jesus an die Soldaten: "Bin ich denn ein Schwerverbrecher, daß ihr mit Schwertern und Knüppeln gekommen seid, um mich zu verhaften? Jeden Tag habe ich öffentlich im Tempel gepredigt, und ihr habt nichts gegen mich unternommen! Mat 26:56 Aber auch dies geschieht, damit sich die Vorhersagen der Propheten erfüllen." Entsetzt verließen ihn alle Jünger und flohen. Mat 26:57 Man führte Jesus in das Haus des Hohenpriesters Kaiphas, wo sich die Schriftgelehrten und Führer des Volkes versammelt hatten. Mat 26:58 In sicherem Abstand folgte ihnen Petrus bis zum Innenhof des Palastes. Er ging hinein und setzte sich zu den Wächtern, um zu beobachten, was mit Jesus geschehen würde. Mat 26:59 Die Hohenpriester und der ganze Gerichtshof waren versammelt. Sie suchten Zeugen, die durch ihre falschen Aussagen Jesus so belasten sollten, daß man ihn zum Tode verurteilen konnte. Mat 26:60 Es fanden sich auch ein paar Leute, die dazu bereit waren. Aber ihre Aussagen waren widersprüchlich. Mat 26:61 Schließlich erklärten zwei Männer: "Dieser Mensch hat behauptet: 'Ich kann den Tempel Gottes abreißen und in drei Tagen wieder aufbauen.'" Mat 26:62 Da stand der Hohepriester auf und fragte Jesus: "Was antwortest du darauf? Hast du das gesagt oder nicht?" Mat 26:63 Doch Jesus schwieg. Darauf sagte der Hohepriester: "Ich nehme dich vor dem lebendigen Gott unter Eid: Sage uns, bist du Christus, der Sohn Gottes?" Mat 26:64 "Ja", antwortete Jesus, "und von jetzt an werdet ihr den Menschensohn an der rechten Seite Gottes sitzen und dann auf den Wolken des Himmels wiederkommen sehen." Mat 26:65 Empört zerriß der Hohepriester sein Gewand und rief: "Das ist Gotteslästerung! Wozu brauchen wir noch weitere Zeugen? Ihr habt seine Gotteslästerung ja selbst gehört! Mat 26:66 Wie lautet euer Urteil?" Sie schrien: "Er muß zum Tode verurteilt werden!" Mat 26:67 Und sie spuckten Jesus ins Gesicht, schlugen ihn mit Fäusten und verhöhnten ihn: Mat 26:68 "Na, du Messias! Du bist doch ein Prophet! Sag uns, wer hat dich geschlagen?" Mat 26:69 Petrus war immer noch im Hof. Da trat ein junges Mädchen auf ihn zu und sagte: "Du warst doch auch bei Jesus, diesem Galiläer!" Mat 26:70 Aber Petrus bestritt das laut: "Ich weiß nicht, was du willst." Mat 26:71 Als er danach in den Vorhof hinausging, bemerkte ihn ein anderes Mädchen und sagte zu den Umherstehenden: "Der da gehört auch zu diesem Jesus von Nazareth!" Mat 26:72 Doch Petrus behauptete wieder, diesmal sogar mit einem Schwur: "Ich kenne den Mann gar nicht!" Mat 26:73 Kurze Zeit später kamen einige von den Leuten, die im Hof standen, und sagten zu Petrus: "Natürlich! Du gehörst auch zu seinen Freunden! Dein Dialekt verrät dich." Mat 26:74 Da fing Petrus an zu fluchen und zu schwören: "Ich habe diesen Menschen nie gesehen!" In diesem Augenblick krähte ein Hahn, Mat 26:75 und Petrus fielen die Worte ein, die Jesus gesagt hatte: "Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen." Da ging Petrus hinaus und weinte voller Verzweiflung. Mat 27:1 Am frühen Morgen faßten die Hohenpriester und die Führer des Volkes den Beschluß, bei den römischen Behörden die Vollstreckung des Todesurteils über Jesus zu beantragen. Mat 27:2 Sie schickten ihn gefesselt zu Pilatus, dem römischen Gouverneur. Mat 27:3 Als Judas, der Verräter, sah, daß Jesus zum Tode verurteilt worden war, bereute er bitter, was er getan hatte. Er brachte den Hohenpriestern und Führern des Volkes das Geld zurück. Mat 27:4 "Ich habe eine große Schuld auf mich geladen und einen Unschuldigen verraten!" bekannte er. Mat 27:5 "Was geht uns das an?" gaben sie ihm zur Antwort. "Das ist deine Sache!" Da nahm Judas das Geld und warf es in den Tempel. Dann lief er fort und erhängte sich. Mat 27:6 Die Hohenpriester sammelten die Münzen ein, waren aber der Meinung: "Dieses Geld dürfen wir nicht in den Tempelschatz legen, weil Blut daran klebt!" Mat 27:7 Nachdem sie die Sache besprochen hatten, beschlossen sie, eine Tongrube zu kaufen und diese als Friedhof für die Fremden zu benutzen. Mat 27:8 Noch heute heißt dieser Friedhof "Blutacker". Mat 27:9 Auf diese Weise erfüllte sich das Wort des Propheten Jeremia: "Sie nahmen die dreißig Silbermünzen - soviel war er dem Volk Israel wert - Mat 27:10 und kauften das Land von den Töpfern, wie Gott es befohlen hatte." Mat 27:11 Jesus aber wurde zu dem römischen Gouverneur Pilatus gebracht. Der fragte ihn: "Bist du der König der Juden?" Jesus antwortete: "Ja!" Mat 27:12 Als nun die Hohenpriester und die Führer des Volkes alle möglichen Anklagen gegen ihn vorbrachten, schwieg Jesus. Mat 27:13 "Hörst du denn nicht, wie sehr sie dich beschuldigen?" fragte Pilatus. Mat 27:14 Aber Jesus erwiderte kein Wort. Darüber wunderte sich Pilatus sehr. Mat 27:15 Der Gouverneur hatte die Gewohnheit, jedes Jahr zum Passahfest einen Gefangenen zu begnadigen, den sich das Volk selbst auswählen durfte. Mat 27:16 In diesem Jahr saß ein berüchtigter Gewaltverbrecher im Gefängnis. Er hieß Barabbas. Mat 27:17 Als sich am Morgen die Menschenmenge vor dem Haus des Pilatus versammelt hatte, fragte er sie: "Wen soll ich diesmal begnadigen? Barabbas oder Jesus, euren Messias?" Mat 27:18 Denn Pilatus wußte genau, daß die Führer des jüdischen Volkes das Verfahren gegen Jesus nur aus Neid und Haß angezettelt hatten. Mat 27:19 Während Pilatus die Gerichtsverhandlung leitete, schickte ihm seine Frau eine Nachricht: "Unternimm nichts gegen diesen Mann. Er ist unschuldig! Ich habe seinetwegen in der letzten Nacht einen fürchterlichen Traum gehabt." Mat 27:20 Inzwischen aber hatten die Hohenpriester und die Führer des Volkes die Menge aufgewiegelt. Sie sollten von Pilatus verlangen, Barabbas zu begnadigen und nicht Jesus. Mat 27:21 Als der Gouverneur nun seine Frage wiederholte: "Wen von den beiden soll ich freilassen?", schrie die Menge: "Barabbas!" Mat 27:22 "Und was soll ich mit Jesus, eurem Messias, anfangen?" Da kam wie aus einem Munde die Antwort: "Ans Kreuz mit ihm!" Mat 27:23 "Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?" fragte Pilatus. Doch ununterbrochen schrie die Menge: "Ans Kreuz mit ihm!" Mat 27:24 Als Pilatus sah, daß er so nichts erreichte und daß der Tumult nur immer größer wurde, ließ er eine Schüssel mit Wasser bringen. Für alle sichtbar wusch er sich die Hände und sagte: "Ich bin für das Blut dieses Unschuldigen nicht verantwortlich. Die Verantwortung dafür tragt ihr!" Mat 27:25 Die Menge schrie zurück: "Ja, wir und unsere Kinder, wir tragen die Folgen!" Mat 27:26 Da gab Pilatus ihnen Barabbas frei. Jesus ließ er auspeitschen und übergab ihn den Soldaten mit dem Befehl, ihn zu kreuzigen. Mat 27:27 Die Soldaten brachten Jesus in ihre Unterkunft und riefen die ganze Mannschaft zusammen. Mat 27:28 Dann nahmen sie ihm seine Kleider weg und zogen ihm einen roten Mantel an. Mat 27:29 Aus Dornenzweigen flochten sie eine Krone und drückten sie ihm auf den Kopf. Sie gaben ihm einen Stock in die rechte Hand, knieten vor ihm nieder und riefen höhnisch: "Es lebe der König der Juden!" Mat 27:30 Alle spuckten ihn an und schlugen ihm mit dem Stock auf den Kopf. Mat 27:31 Als sie genug davon hatten, zogen sie ihm den roten Mantel wieder aus, gaben ihm seine eigenen Kleider zurück und führten ihn ab zur Kreuzigung. Mat 27:32 Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen ein Mann aus Kyrene, der Simon hieß. Ihn zwangen sie, das Kreuz zu tragen, an das Jesus gehängt werden sollte. Mat 27:33 So zogen sie aus der Stadt hinaus nach Golgatha, was "Schädelstätte" heißt. Mat 27:34 Dort gaben ihm die Soldaten Wein, der ihn betäuben sollte. Als Jesus das merkte, wollte er ihn nicht trinken. Mat 27:35 Nachdem sie ihn ans Kreuz geschlagen hatten, verlosten die Soldaten seine Kleider. Dadurch erfüllte sich, was durch den Propheten vorausgesagt wurde: "Meine Kleider haben sie unter sich geteilt und mein Gewand verlost." Mat 27:36 Sie setzten sich neben das Kreuz und bewachten Jesus. Mat 27:37 Über seinem Kopf nagelten sie ein Schild an, auf dem stand, weshalb man ihn gekreuzigt hatte: "Das ist Jesus, der König der Juden!" Mat 27:38 Zur gleichen Zeit wurden zwei Verbrecher gekreuzigt, der eine rechts, der andere links von ihm. Mat 27:39 Die Leute, die vorbeigingen, beschimpften und verspotteten Jesus: Mat 27:40 "Du also wolltest den Tempel zerstören und in drei Tagen wieder aufbauen! Dann rette dich doch jetzt selbst! Komm vom Kreuz herunter, wenn du wirklich der Sohn Gottes bist!" Mat 27:41 Auch die Priester, Gesetzeslehrer und die Führer des Volkes machten sich über ihn lustig: Mat 27:42 "Anderen hat er geholfen, aber sich selber kann er nicht helfen. Wenn er wirklich der König Israels ist, soll er doch vom Kreuz heruntersteigen. Dann wollen wir an ihn glauben! Mat 27:43 Er hat sich doch immer auf Gott verlassen; jetzt wollen wir sehen, ob Gott sich zu ihm bekennt und ihm hilft. Hat er nicht gesagt: 'Ich bin Gottes Sohn'?" Mat 27:44 Ebenso beschimpften ihn die beiden, die mit ihm gekreuzigt worden waren. Mat 27:45 Um die Mittagszeit dieses Tages wurde es plötzlich im ganzen Land dunkel. Diese Finsternis dauerte drei Stunden. Mat 27:46 Gegen drei Uhr rief Jesus laut: "Eli, Eli, lama sabachthani?" Das heißt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Mat 27:47 Einige von den Herumstehenden hatten ihn aber falsch verstanden. Sie meinten, er rufe den Propheten Elia. Mat 27:48 Einer von ihnen holte schnell einen Schwamm, tauchte ihn in Essig, steckte ihn auf einen Stab und wollte Jesus trinken lassen. Mat 27:49 Aber die anderen sagten: "Laß doch! Wir wollen sehen, ob Elia kommt und ihm hilft." Mat 27:50 Da schrie Jesus noch einmal laut auf und starb. Mat 27:51 Im selben Augenblick zerriß der Vorhang, der im Tempel das Allerheiligste abschloß, von oben bis unten. Die Erde bebte, und die Felsen zerbrachen. Mat 27:52 Gräber öffneten sich, und viele, die Gottes Willen getan hatten und schon gestorben waren, erwachten vom Tod Mat 27:53 und verließen ihre Gräber. Nach der Auferstehung Jesu gingen sie in die Stadt und erschienen dort vielen Leuten. Mat 27:54 Der Hauptmann und die Soldaten, die den gekreuzigten Jesus bewachten, erschraken sehr bei diesem Erdbeben und allem, was sich sonst ereignete. Sie sagten: "Dieser Mann ist wirklich Gottes Sohn gewesen!" Mat 27:55 Viele Frauen aus Galiläa waren mit Jesus zusammen nach Jerusalem gekommen. Sie hatten für ihn gesorgt, und jetzt beobachteten sie das Geschehen aus der Ferne. Mat 27:56 Unter ihnen waren auch Maria aus Magdala und Maria, die Mutter von Jakobus und Joseph, sowie die Mutter der beiden Zebedäussöhne Jakobus und Johannes. Mat 27:57 Am Abend kam ein reicher Mann aus Arimathia. Er hieß Joseph und war ein Freund Jesu. Mat 27:58 Er ging zu Pilatus und bat ihn um den Leichnam Jesu. Pilatus befahl, diese Bitte zu erfüllen. Mat 27:59 Joseph nahm den Toten, wickelte ihn in ein neues Leinentuch Mat 27:60 und legte ihn in das Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Dann verschloß er den Eingang des Grabes mit einem großen Stein und ging fort. Mat 27:61 Maria von Magdala und die andere Maria waren auch dabei. Sie blieben beim Grab sitzen. Mat 27:62 Am nächsten Tag, es war der Sabbat, kamen die Hohenpriester und Pharisäer zu Pilatus Mat 27:63 und sagten: "Uns ist eingefallen, daß dieser Verführer einmal behauptet hat: 'Drei Tage nach meinem Tod werde ich wieder lebendig werden!' Mat 27:64 Laß darum das Grab bis zum dritten Tag bewachen, sonst stehlen seine Jünger noch den Leichnam und erzählen jedem, daß er wieder lebendig geworden ist. Das aber wäre ein noch größerer Betrug." Mat 27:65 "Ich will euch eine Wache geben", antwortete Pilatus. "Tut, was ihr für richtig haltet, und sichert das Grab!" Mat 27:66 Da versiegelten sie den Stein und stellten Posten auf, die das Grab bewachen sollten. Mat 28:1 Als der Sabbat vorüber war, am frühen Sonntagmorgen, gingen Maria von Magdala und die andere Maria hinaus an das Grab. Mat 28:2 Plötzlich fing die Erde an zu beben, und ein Engel Gottes kam vom Himmel herab, wälzte den Stein, der das Grab verschloß, beiseite und setzte sich darauf. Mat 28:3 Er leuchtete hell wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee. Mat 28:4 Die Wachtposten stürzten vor Schrecken zu Boden und blieben wie tot liegen. Mat 28:5 Der Engel wandte sich an die Frauen: "Fürchtet euch nicht! Ich weiß, daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Mat 28:6 Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden, wie er es vorhergesagt hat. Kommt und seht euch die Stelle an, wo er gelegen hat. Mat 28:7 Dann beeilt euch, geht zu seinen Jüngern und sagt ihnen, daß Jesus von den Toten auferstanden ist. Er wird nach Galiläa gehen, um euch dort zu treffen. Diese Botschaft soll ich euch ausrichten." Mat 28:8 Erschrocken liefen die Frauen vom Grab weg. Gleichzeitig erfüllte sie unbeschreibliche Freude. Sie wollten sofort den Jüngern alles berichten, was sie erlebt hatten. Mat 28:9 Sie waren noch nicht weit gekommen, als Jesus plötzlich vor ihnen stand. "Seid gegrüßt!" sagte er. Da fielen sie vor ihm nieder und umklammerten seine Füße. Mat 28:10 Jesus beruhigte sie: "Fürchtet euch nicht! Geht, sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa kommen! Dort werden sie mich sehen." Mat 28:11 Nachdem die Frauen das Grab verlassen hatten, liefen einige von der Wachmannschaft zu den Hohenpriestern in die Stadt und berichteten, was geschehen war. Mat 28:12 Diese berieten mit den Führern des Volkes, was sie nun tun sollten. Schließlich gaben sie den Soldaten Geld und befahlen ihnen: Mat 28:13 "Erzählt überall: 'In der Nacht, als wir schliefen, sind seine Jünger gekommen und haben den Toten gestohlen.'" Mat 28:14 Auch versprachen sie ihnen: "Wenn der Gouverneur dahinterkommt, werden wir dafür sorgen, daß euch nichts passiert." Mat 28:15 Die Soldaten nahmen das Geld und hielten sich an den Befehl. So hat sich diese Lüge weiter verbreitet und bis auf den heutigen Tag gehalten. Mat 28:16 Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa zu dem Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Mat 28:17 Als sie ihn dort sahen, fielen sie vor ihm nieder und beteten ihn an. Einige aber zweifelten, ob es wirklich Jesus war. Mat 28:18 Da ging Jesus auf seine Jünger zu und sprach: "Ich habe von Gott alle Macht im Himmel und auf der Erde erhalten. Mat 28:19 Geht hinaus in die ganze Welt und ruft alle Menschen in meine Nachfolge! Tauft sie und führt sie hinein in die Gemeinschaft mit dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist! Mat 28:20 Lehrt sie, so zu leben, wie ich es euch aufgetragen habe. Ihr dürft sicher sein: Ich bin immer und überall bei euch, bis an das Ende dieser Welt!" Mar 1:1 Dies ist die Heilsbotschaft von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Mar 1:2 Alles begann so, wie es in der Heiligen Schrift vorausgesagt worden war: "Gott wird einen Boten senden, der die Welt darauf vorbereiten soll, daß Gottes Sohn kommen wird." Mar 1:3 Der Prophet Jesaja hatte vorausschauend die Aufgabe dieses Boten so beschrieben: "Ich höre jemand in der Wüste rufen: 'Macht den Weg frei für den Herrn! Räumt alle Hindernisse weg, damit er kommen kann!'" Mar 1:4 Dieser Bote war Johannes der Täufer. Er lebte in der Wüste, taufte und verkündete den Leuten, die zu ihm kamen: "Ändert euch von Grund auf, und kehrt um zu Gott, damit er euch eure Sünden vergeben kann. Laßt euch von mir taufen!" Mar 1:5 Viele Menschen aus der ganzen Provinz Judäa und aus Jerusalem kamen, um Johannes zu hören. Sie bekannten ihre Sünden, und er taufte sie im Jordan. Mar 1:6 Johannes war sehr einfach gekleidet: Er trug einen groben, aus Kamelhaar gewebten Mantel, der von einem Lederriemen zusammengehalten wurde. Seine Nahrung bestand aus Heuschrecken und Honig, den er draußen fand. Mar 1:7 Er rief den Leuten zu: "Nach mir wird ein anderer kommen, der viel mächtiger sein wird, als ich es bin. Ich bin nicht einmal würdig, ihm die Schuhe auszuziehen. Mar 1:8 Ich taufe euch mit Wasser, aber er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen." Mar 1:9 In dieser Zeit kam Jesus von Nazareth aus der Provinz Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Mar 1:10 Gleich nach der Taufe, als Jesus aus dem Wasser gestiegen war, sah er, wie sich der Himmel über ihm öffnete und der Geist Gottes wie eine Taube auf ihn herabkam. Mar 1:11 Dabei hörte er eine Stimme aus dem Himmel: "Du bist mein geliebter Sohn, der meine ganze Freude ist." Mar 1:12 Gleich darauf führte der Geist Gottes Jesus in die Wüste. Mar 1:13 Vierzig Tage war er dort den Versuchungen des Teufels ausgesetzt. Er lebte mit wilden Tieren zusammen, und die Engel Gottes dienten ihm. Mar 1:14 Nachdem Johannes der Täufer vom König Herodes verhaftet worden war, kam Jesus in die Provinz Galiläa, um dort Gottes Botschaft zu verkündigen: Mar 1:15 "Jetzt ist Gottes Stunde gekommen. Seine Königsherrschaft wird nun aufgerichtet. Ändert euch von Grund auf! Kehrt um zu Gott und nehmt seine Heilsbotschaft im Glauben an!" Mar 1:16 Am See Genezareth traf Jesus den Fischer Simon und dessen Bruder Andreas. Sie warfen gerade ihre Netze aus. Mar 1:17 Da forderte Jesus sie auf: "Kommt mit mir! Ich will euch zeigen, wie ihr Menschen für Gott gewinnen könnt." Mar 1:18 Sofort ließen die beiden Männer ihre Netze liegen und gingen mit ihm. Mar 1:19 Nicht weit davon entfernt begegnete Jesus den Söhnen des Zebedäus, Johannes und Jakobus. Sie saßen im Boot und flickten ihre Netze. Auch sie forderte er auf, mit ihm zu gehen. Mar 1:20 Da verließen sie ihren Vater mit seinen Gehilfen und gingen mit Jesus. Mar 1:21 Nun kamen sie in die Stadt Kapernaum. Am nächsten Sabbat besuchte Jesus die Synagoge und predigte dort. Mar 1:22 Die Zuhörer waren von seiner Rede tief betroffen. Es war anders als bei ihren Schriftgelehrten, denn alle spürten, daß durch Jesus Gott selbst zu ihnen sprach. Mar 1:23 In der Synagoge war ein Mann, der von einem bösen Geist beherrscht wurde. Er lief zu Jesus und schrie: Mar 1:24 "Was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du bist doch nur gekommen, um uns zu vernichten. Ich weiß genau, wer du bist: der Sohn Gottes." Mar 1:25 Aber Jesus wußte, daß nicht der Mann selbst sprach, sondern der böse Geist in ihm. Deshalb befahl er dem Dämon: "Schweig und verlaß den Mann!" Mar 1:26 Der Dämon zerrte den Mann hin und her und verließ ihn dann mit einem lauten Schrei. Mar 1:27 Darüber erschraken alle in der Synagoge und fragten sich aufgeregt: "Was ist das nur für eine Lehre? Den Befehlen dieses Jesus müssen sogar die bösen Geister gehorchen!" Mar 1:28 In Windeseile wurde in ganz Galiläa bekannt, was Jesus getan hatte. Mar 1:29 Nachdem Jesus die Synagoge verlassen hatte, ging er mit Jakobus und Johannes in Simons Haus, in dem auch Andreas wohnte. Mar 1:30 Dort erfuhr er, daß Simons Schwiegermutter mit hohem Fieber im Bett lag. Mar 1:31 Er ging zu ihr, nahm ihre Hand und richtete sie auf. Sofort war das Fieber verschwunden. Sie konnte sogar aufstehen und für ihre Gäste sorgen. Mar 1:32 Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man viele Kranke und von Dämonen beherrschte Leute herbei. Mar 1:33 Fast alle Bewohner der Stadt versammelten sich vor Simons Haus. Mar 1:34 Jesus heilte viele Menschen von ihren Krankheiten und zwang die Dämonen, ihre Opfer freizugeben. Dabei verbot er den bösen Geistern, von ihm zu reden, denn sie wußten genau, wer er war. Mar 1:35 Am nächsten Morgen stand Jesus vor Tagesanbruch auf und ging an eine einsam gelegene Stelle, um dort allein zu beten. Mar 1:36 Petrus und die anderen suchten ihn. Mar 1:37 Als sie ihn gefunden hatten, sagten sie vorwurfsvoll: "Alle Leute fragen nach dir!" Mar 1:38 Aber er antwortete: "Wir müssen auch noch in die anderen Dörfer gehen, um dort die Heilsbotschaft zu verkünden. Das ist meine Aufgabe." Mar 1:39 Und Jesus reiste durch die ganze Provinz Galiläa, predigte in den Synagogen und befreite viele aus der Gewalt dämonischer Mächte. Mar 1:40 Einmal kam ein Leprakranker zu Jesus. Er fiel vor ihm nieder und bat: "Wenn du willst, kannst du mich heilen." Mar 1:41 Jesus hatte Mitleid mit dem Mann. Deshalb legte er segnend die Hand auf ihn: "Ich will es tun! Sei gesund!" Mar 1:42 Von diesem Augenblick an war der Aussatz verschwunden und der Mann geheilt. Mar 1:43 "Sprich mit niemandem über deine Heilung", schärfte ihm Jesus ein, Mar 1:44 "sondern gehe direkt zum Priester, und laß dich von ihm untersuchen. Bring das Opfer für deine Heilung, wie es Mose vorgeschrieben hat. Jeder soll merken, daß Gott dich geheilt hat." Mar 1:45 Aber der Mann erzählte überall, wie er geheilt worden war, so daß Jesus nicht länger in der Stadt bleiben konnte. Er mußte sich in eine einsame Gegend zurückziehen. Aber auch dorthin kamen von überall die Leute zu ihm. Mar 2:1 Nach einigen Tagen kehrte Jesus nach Kapernaum zurück. Es sprach sich schnell herum, daß er wieder zu Hause war. Mar 2:2 Viele Menschen strömten zusammen, so daß nicht einmal mehr vor der Tür noch Platz war. Ihnen allen verkündete Jesus die Heilsbotschaft. Mar 2:3 Da kamen vier Männer, die einen Gelähmten trugen. Mar 2:4 Weil sie wegen der vielen Menschen nicht bis zu Jesus kommen konnten, deckten sie über ihm das Dach ab. Durch diese Öffnung ließen sie den Gelähmten auf seiner Trage hinunter. Mar 2:5 Als Jesus sah, wie fest sie darauf vertrauten, daß er ihrem Freund helfen würde, sagte er zu dem Gelähmten: "Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!" Mar 2:6 Aber einige der anwesenden Schriftgelehrten dachten: Mar 2:7 "Das ist Gotteslästerung! Was bildet der sich ein! Nur Gott allein kann Sünden vergeben." Mar 2:8 Jesus durchschaute sie und fragte: "Wie könnt ihr nur so etwas denken! Mar 2:9 Ist es leichter zu sagen: 'Dir sind deine Sünden vergeben' oder diesen Gelähmten zu heilen? Mar 2:10 Ich will euch beweisen, daß der Menschensohn die Macht hat, schon jetzt Sünden zu vergeben." Und er forderte den Gelähmten auf: Mar 2:11 "Steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause! Du bist gesund!" Mar 2:12 Der Mann stand auf, nahm seine Trage und ging hinaus. Fassungslos sahen ihm die Menschen nach und riefen begeistert: "Noch nie haben wir so etwas erlebt!" Und alle lobten Gott. Mar 2:13 Jesus ging an das Ufer des Sees Genezareth und sprach zu den vielen Menschen, die sich dort versammelt hatten. Mar 2:14 Als er weiterging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen. "Komm, folge mir nach!" rief er ihm zu. Sofort stand Levi auf und ging mit ihm. Mar 2:15 Danach gab Levi ein großes Festessen. Dazu hatte er nicht nur Jesus und seine Jünger eingeladen, sondern auch viele von seinen früheren Kollegen und andere Leute, die einen schlechten Ruf hatten. Viele von ihnen waren zu Freunden Jesu geworden. Mar 2:16 Als aber einige Schriftgelehrte, die zur Partei der Pharisäer gehörten, Jesus in dieser Gesellschaft essen sahen, fragten sie seine Jünger: "Wie kann sich euer Jesus bloß mit solchem Gesindel einlassen!" Mar 2:17 Als Jesus das hörte, antwortete er ihnen: "Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Meine Aufgabe ist es, Sünder in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, und nicht solche, die Gott bereits kennen." Mar 2:18 Die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten regelmäßig. Deshalb kamen einige von ihnen zu Jesus und fragten: "Die Jünger des Johannes und alle Pharisäer fasten. Warum fasten deine Jünger nicht?" Mar 2:19 Jesus antwortete ihnen: "Sollen die Hochzeitsgäste etwa fasten, wenn sie an der Festtafel sitzen? Sie denken nicht daran! Zumindest werden sie so lange feiern, wie der Bräutigam bei ihnen ist. Mar 2:20 Die Zeit kommt ohnehin früh genug, daß der Bräutigam ihnen genommen wird. Dann werden sie fasten. Mar 2:21 Niemand flickt ein altes Kleid mit neuem Stoff. Der alte Stoff würde an der Flickstelle doch wieder reißen, und das Loch würde nur noch größer. Mar 2:22 Ebenso füllt niemand jungen, gärenden Wein in alte, brüchige Schläuche. Sonst platzen die Schläuche, der Wein läuft aus, und die Schläuche sind unbrauchbar. So verlangt das neue Leben nach neuen Ordnungen." Mar 2:23 An einem Sabbat ging Jesus mit seinen Jüngern durch die Getreidefelder. Unterwegs rissen die Jünger Ähren ab und aßen die Körner. Mar 2:24 Da begannen einige Pharisäer zu schimpfen: "Sieh dir das an! Es ist doch nicht erlaubt, am Sabbat Getreide zu ernten." Mar 2:25 Aber Jesus antwortete ihnen: "Habt ihr denn nie gelesen, was David und seine Männer getan haben? Mar 2:26 Als sie hungrig waren, gingen sie in das Haus Gottes - Abjathar war damals Hoherpriester - und aßen die Opferbrote, die nur die Priester essen durften. Mar 2:27 Der Sabbat wurde doch für den Menschen geschaffen und nicht der Mensch für den Sabbat. Mar 2:28 Deshalb hat der Menschensohn auch das Recht zu entscheiden, was am Sabbat erlaubt ist und was nicht." Mar 3:1 Als Jesus wie gewohnt zur Synagoge ging, traf er dort einen Mann, der eine verkrüppelte Hand hatte. Mar 3:2 Seine Gegner warteten gespannt darauf, wie Jesus sich verhalten würde. Sollte er es nämlich wagen, auch am Sabbat zu heilen, so könnten sie Anklage gegen ihn erheben. Mar 3:3 Jesus rief den Mann zu sich: "Komm her zu mir!" Mar 3:4 Dann fragte er die Anwesenden: "Darf man am Sabbat Gutes tun oder nicht? Soll man an einem solchen Tag Leben retten oder es zugrunde gehen lassen?" Darauf wußten sie keine Antwort. Mar 3:5 Zornig sah Jesus einen nach dem anderen an, tief erschüttert über ihre Hartherzigkeit. Zu dem Mann aber sagte er: "Strecke deine Hand aus!" Der Mann gehorchte, und sofort war seine Hand gesund. Mar 3:6 Erregt verließen die Pharisäer die Synagoge und trafen sich mit den Freunden und Anhängern des Königs Herodes. Sie berieten miteinander, wie sie Jesus am einfachsten aus dem Weg räumen könnten. Mar 3:7 Jesus zog sich mit seinen Jüngern wieder an das Ufer des Sees Genezareth zurück. Mar 3:8 Aber eine große Menschenmenge aus ganz Galiläa lief hinter ihm her. Sogar aus Judäa, Jerusalem, Idumäa, von jenseits des Jordantals und von Tyrus und Sidon waren sie gekommen, weil sie von seinen Krankenheilungen und Wundern gehört hatten. Mar 3:9 Als immer mehr Menschen dazukamen, beauftragte er seine Jünger, ein Boot bereitzuhalten, wenn ihn die Menschen zu sehr bedrängen sollten. Mar 3:10 Jesus heilte viele Kranke. Darum drängten sich die Leute um ihn. Sie wollten wenigstens seine Kleider berühren, um dadurch gesund zu werden. Mar 3:11 Von Dämonen Beherrschte stürzten vor ihm nieder und schrien: "Du bist der Sohn Gottes!" Mar 3:12 Aber Jesus befahl ihnen zu schweigen. Mar 3:13 Danach stieg Jesus auf einen Berg. Einige seiner Freunde hatte er aufgefordert, mit ihm zu kommen; und sie waren mit ihm gegangen. Mar 3:14 Diese zwölf Männer erwählte er zu seinen Jüngern. Sie sollten ständig bei ihm bleiben und von ihm lernen. Mar 3:15 Er wollte sie mit dem Auftrag aussenden, die Heilsbotschaft zu predigen und Menschen von der Macht der Dämonen zu befreien. Mar 3:16 Diese zwölf Männer, die später Apostel genannt wurden, waren: Simon, dem Jesus den Namen Petrus gab; Mar 3:17 Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus - Jesus nannte sie "Donnersöhne" -; Mar 3:18 Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Thaddäus, Simon, der ehemalige Freiheitskämpfer, Mar 3:19 und Judas Ischarioth, der ihn später verraten hat. Mar 3:20 Als Jesus nach Hause kam, liefen gleich wieder so viele Menschen zu ihm, daß er und seine Jünger nicht einmal Zeit zum Essen hatten. Mar 3:21 Als seine Angehörigen das erfuhren, wollten sie ihn unbedingt mit nach Hause nehmen. "Er hat den Verstand verloren!" sagten sie. Mar 3:22 Einige der Schriftgelehrten aus Jerusalem behaupteten sogar: "Er hat sich dem Teufel verschrieben. Nur weil er vom Obersten aller Dämonen die Macht bekommen hat, kann er Dämonen austreiben." Mar 3:23 Jesus aber rief die Leute zu sich und fragte sie: "Warum sollte denn ein Satan den anderen vertreiben? Mar 3:24 Ein Staat wird untergehen, wenn in ihm verschiedene Herrscher um die Macht kämpfen. Mar 3:25 Eine Familie, die ständig in Zank und Streit lebt, bricht auseinander. Mar 3:26 Wenn sich also der Satan gegen sich selbst erhebt, hätte er keine Macht mehr. Das wäre sein Untergang. Mar 3:27 Niemand kann in das Haus eines starken Mannes eindringen und ihn berauben. Erst wenn der Starke gefesselt ist, kann man ihn ausplündern. Mar 3:28 Das eine will ich euch mit aller Deutlichkeit sagen: Jede Sünde und jede Gotteslästerung kann den Menschen vergeben werden. Mar 3:29 Wer aber den Heiligen Geist lästert, der wird niemals Vergebung finden; seine Sünde bleibt für immer bestehen." Mar 3:30 Das sagte er zu den Schriftgelehrten, weil sie behauptet hatten: "Er hat sich dem Teufel verschrieben." Mar 3:31 Noch während Jesus sprach, kamen seine Mutter und seine Brüder. Aber weil so viele Menschen bei ihm waren, kamen sie nicht an ihn heran. Mar 3:32 Deshalb baten sie, Jesus auszurichten: "Deine Mutter und deine Geschwister warten draußen. Sie wollen mit dir reden!" Mar 3:33 Er gab zur Antwort: "Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?" Mar 3:34 Dann sah er seine Zuhörer an und sagte: "Das sind meine Mutter und meine Geschwister: Mar 3:35 Jeder, der Gottes Willen tut, ist für mich Bruder, Schwester und Mutter!" Mar 4:1 Wieder kam eine große Menschenmenge zusammen, als Jesus am See sprach. Darum stieg er in ein Boot und redete von dort zu den Menschen am Ufer. Mar 4:2 Was er ihnen von Gott zu sagen hatte, erklärte er ihnen durch Beispiele: Mar 4:3 "Hört mir zu! Ein Bauer säte Getreide aus. Mar 4:4 Dabei fielen ein paar Samenkörner auf den Weg. Die wurden gleich von den Vögeln aufgepickt. Mar 4:5 Andere fielen auf felsigen Boden, wo die Ackerkrume nur dünn war. Dort ging die Saat zwar schnell auf; Mar 4:6 aber als die Sonne heiß brannte, vertrockneten die Pflänzchen, weil ihre Wurzeln in der dünnen Erdschicht zu wenig Nahrung fanden. Mar 4:7 Ein Teil des Samens fiel zwischen die Disteln, von denen die jungen Pflanzen bald überwuchert wurden, so daß sie schließlich erstickten. Mar 4:8 Der übrige Same aber fiel auf fruchtbaren Boden und brachte das Dreißigfache, das Sechzigfache, ja sogar das Hundertfache an Frucht ein. Mar 4:9 Hört genau auf das, was ich euch sage!" Mar 4:10 Später, als Jesus mit seinen zwölf Jüngern und den anderen Begleitern allein war, fragten sie ihn: "Warum erzählst du solche Beispiele?" Mar 4:11 Er antwortete: "Ihr versteht die Geheimnisse des Reiches Gottes. Den anderen erkläre ich sie durch Gleichnisse. Mar 4:12 Damit erfüllt sich an ihnen das Wort des Propheten Jesaja: 'Sie sehen, aber sie erkennen nicht; sie hören, aber sie verstehen es nicht. Sonst würden sie ja zu Gott umkehren und ihre Sünde würde ihnen vergeben.'" Mar 4:13 Zugleich sagte er zu seinen Jüngern: "Aber ich sehe, daß auch ihr diesen einfachen Vergleich nicht verstanden habt. Wie wollt ihr dann all die anderen begreifen? Mar 4:14 Wer Gottes Wort weitergibt, ist wie der Bauer, der Samen aussät. Mar 4:15 Mit dem festgetretenen Weg, auf den ein paar Körner fallen, sind die hartherzigen Menschen gemeint. Sie hören zwar Gottes Botschaft, aber dann kommt der Satan und nimmt ihnen alles wieder weg. Mar 4:16 Der felsige Boden ist ein Beispiel für die Leute, die das Wort Gottes schnell und mit großer Begeisterung annehmen. Mar 4:17 Aber das Wort kann nicht tief genug in ihr Leben eindringen. Sie sind hin- und hergerissen. Wenn sie wegen ihres Glaubens in Schwierigkeiten kommen oder verfolgt werden, geben sie gleich auf. Mar 4:18 Der von Disteln überwucherte Boden entspricht den Menschen, die Gottes Botschaft hören und aufnehmen. Mar 4:19 Aber nur allzu schnell ersticken die Sorgen des Alltags, die Verführung des Wohlstandes und die Gier nach all den Dingen dieses Lebens Gottes Botschaft in ihrem Herzen, so daß keine Frucht wachsen kann. Mar 4:20 Aber es gibt auch fruchtbaren Boden: Menschen, die Gottes Wort hören und in ihr Leben aufnehmen, so daß es Frucht bringt, dreißigfach, sechzigfach oder hundertfach." Mar 4:21 Dann fragte Jesus die Zuhörer: "Zündet man etwa eine Lampe an, um sie dann unter einen Eimer oder eine Bank zu stellen? Im Gegenteil! Eine brennende Lampe stellt man so auf, daß sie den ganzen Raum erhellt. Nur so erfüllt sie ihren Zweck. Mar 4:22 Alles, was jetzt noch verborgen ist, wird einmal ans Licht kommen, und was jetzt noch ein Geheimnis ist, wird jeder verstehen. Mar 4:23 Denkt genau darüber nach, was ich euch gesagt habe, Mar 4:24 und richtet euch danach! Eins steht fest: Mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden. Von euch wird man sogar noch mehr erwarten. Mar 4:25 Denn wer viel hat, der bekommt noch mehr dazu. Wer meine Botschaft versteht, der wird einmal alles begreifen. Wer sie aber nicht versteht, dem wird noch die geringe Kenntnis, die er zu besitzen meint, verlorengehen." Mar 4:26 "Mit dem Reich Gottes ist es wie mit dem Samen, den ein Bauer auf sein Feld sät", erklärte Jesus weiter. Mar 4:27 "Nach der Arbeit geht er nach Hause, schläft, steht wieder auf, und das tagaus, tagein. Im Laufe der Zeit wächst die Saat ohne sein Zutun heran. Mar 4:28 Denn die Erde läßt die Frucht aufgehen und wachsen. Zuerst kommt der Halm, dann die Ähre und endlich als Frucht die Körner. Mar 4:29 Wenn aus dem Samen das reife Getreide geworden ist, wird es gemäht, denn die Erntezeit ist da." Mar 4:30 Schließlich fragte Jesus: "Womit sollen wir das Reich Gottes noch vergleichen? Welches Bild könnte euch helfen, es zu verstehen? Mar 4:31 Ich möchte das Reich Gottes mit einem Senfkorn vergleichen. Das ist ein winziges Samenkorn. Mar 4:32 Wenn es aber in den Boden gesät wird, wächst es schnell heran und wird größer als andere Sträucher. Es bekommt starke Zweige, in denen die Vögel sogar ihre Nester bauen können." Mar 4:33 Jesus benutzte sehr oft Beispiele, damit die Menschen seine Botschaft besser verstehen konnten. Mar 4:34 In der Öffentlichkeit gebrauchte er immer solche Gleichnisse. Wenn er aber später mit seinen Jüngern allein war, erklärte er ihnen die Bedeutung dieser Bilder. Mar 4:35 Am Abend dieses Tages sagte Jesus zu seinen Jüngern: "Kommt, wir wollen ans andere Ufer übersetzen!" Mar 4:36 Sie schickten die Menschen weg und ruderten mit dem Boot, in dem Jesus saß, auf den See hinaus. Einige andere Boote folgten ihnen. Mar 4:37 Da brach ein gewaltiger Sturm los. Hohe Wellen schlugen ins Boot, es lief voll Wasser und drohte zu sinken. Mar 4:38 Jesus aber schlief hinten im Boot auf einem Kissen. Da rüttelten ihn die Jünger wach und schrien voller Angst: "Herr, wir gehen unter! Merkst du das nicht?" Mar 4:39 Sofort stand Jesus auf, bedrohte den Wind und rief in das Toben der See: "Sei still! Schweige!" Da legte sich der Sturm, und tiefe Stille breitete sich aus. Mar 4:40 "Warum hattet ihr solche Angst?" fragte Jesus seine Jünger, "habt ihr denn gar kein Vertrauen zu mir?" Mar 4:41 Voller Entsetzen flüsterten die Jünger einander zu: "Was ist das für ein Mann! Selbst Wind und Wellen gehorchen ihm!" Mar 5:1 Als sie auf der anderen Seite des Sees die Gegend um Gadara erreichten Mar 5:2 und Jesus aus dem Boot stieg, lief ihnen ein Mann entgegen. Mar 5:3 Dieser Mensch wurde von Dämonen beherrscht und lebte in Grabhöhlen. Er war so wild, daß er nicht einmal mit Ketten gebändigt werden konnte. Mar 5:4 Sooft man ihn auch fesselte und in Ketten legte, jedesmal riß er sich wieder los. Niemand wagte sich in seine Nähe. Mar 5:5 Tag und Nacht hielt er sich in den Grabhöhlen auf oder irrte in den Bergen umher. Dabei tobte er und schlug mit Steinen auf sich ein. Mar 5:6 Kaum hatte er Jesus gesehen, warf er sich vor ihm nieder, und es schrie laut aus ihm: Mar 5:7 "Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes? Ich beschwöre dich beim Allerhöchsten, quäle mich nicht!" Mar 5:8 Jesus hatte nämlich dem Dämon befohlen: "Verlaß dein Opfer, du teuflischer Geist!" Mar 5:9 Da fragte ihn Jesus: "Wie heißt du?" Der Dämon antwortete: "Mein Name ist Legion, denn nicht nur ich, sondern viele von uns beherrschen diesen Menschen." Mar 5:10 Immer wieder bat er Jesus: "Vertreibe uns nicht aus dieser Gegend!" Mar 5:11 Nicht weit entfernt an einem Abhang wurde gerade eine große Herde Schweine gehütet. Mar 5:12 "Laß uns in diese Schweine fahren", bettelten die Dämonen. Mar 5:13 Jesus erlaubte es ihnen. Jetzt ließen die bösen Geister den Mann frei und bemächtigten sich der Schweine, die den Abhang hinunter in den See stürzten. Und alle zweitausend Tiere ertranken. Mar 5:14 Verstört liefen die Hirten in die Stadt und berichteten überall, was geschehen war. Viele kamen nun am See zusammen, um sich selbst zu überzeugen. Mar 5:15 Sie sahen den Mann, den die vielen Dämonen gequält hatten. Er war gekleidet wie jeder andere und saß ganz ruhig neben Jesus. Da wurde ihnen unheimlich zumute. Mar 5:16 Die Leute aber, die alles mitangesehen hatten, erzählten, wie der Besessene geheilt wurde und was mit den Schweinen geschehen war. Mar 5:17 Daraufhin baten die Leute Jesus, er möge ihre Gegend wieder verlassen. Mar 5:18 Jesus wollte gerade in das Boot steigen, als ihn der Geheilte bat: "Ich möchte gern bei dir bleiben." Mar 5:19 Aber Jesus erlaubte es ihm nicht. Er sagte: "Geh nach Hause zu deiner Familie und berichte, welch großes Wunder Gott an dir getan hat und wie barmherzig er zu dir gewesen ist!" Mar 5:20 Da wanderte der Mann durch das Gebiet der Zehn Städte und erzählte jedem, was für ein Wunder Jesus an ihm getan hatte. Und alle staunten. Mar 5:21 Kaum war Jesus ans andere Ufer zurückgekehrt, als sich am Strand wieder eine große Menschenmenge um ihn versammelte. Mar 5:22 Da kam Jairus, ein Vorsteher der jüdischen Gemeinde, und warf sich vor Jesus nieder. Mar 5:23 Er bat ihn verzweifelt: "Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und lege ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird!" Mar 5:24 Jesus ging mit Jairus, gefolgt von einer dichten Menschenmenge. Mar 5:25 In der Menge war auch eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken Blutungen litt. Mar 5:26 Sie hatte sich schon von vielen Ärzten behandeln lassen und dabei ihr ganzes Vermögen ausgegeben. Aber niemand konnte ihr helfen. Ihr Leiden war eher schlimmer geworden. Mar 5:27 Dann hatte sie davon gehört, daß Jesus Kranke heilt. Deshalb drängte sie sich durch die Menge an Jesus heran und berührte von hinten seinen Mantel. Mar 5:28 Dabei dachte sie: "Wenn ich wenigstens seine Kleider berühren kann, werde ich bestimmt gesund." Mar 5:29 Und tatsächlich: Sie merkte sofort, daß sie von ihrem Leiden befreit war. Die Blutung hörte auf. Mar 5:30 Aber auch Jesus spürte, daß heilende Kraft von ihm ausgegangen war. Deshalb drehte er sich um und fragte: "Wer hat mich angefaßt?" Mar 5:31 Seine Jünger antworteten: "Die Leute bedrängen dich von allen Seiten, und da fragst du, wer dich angefaßt hat?" Mar 5:32 Aber Jesus sah die Frau an, die ihn berührt hatte. Mar 5:33 Die war erschrocken und zitterte am ganzen Leib, denn sie wußte ja, was an ihr geschehen war. Sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm alles. Mar 5:34 Jesus sprach zu ihr: "Meine Tochter, weil du so fest an mich geglaubt hast, bist du gesund geworden. Gehe in Frieden. Du bist geheilt." Mar 5:35 Noch während er mit der Frau redete, kamen einige Leute aus dem Haus des Jairus gelaufen und riefen: "Deine Tochter ist tot. Es hat keinen Zweck mehr, den Meister zu holen." Mar 5:36 Jesus hörte das und sagte zu Jairus: "Verzweifle nicht! Verlaß dich ganz und gar auf mich!" Mar 5:37 Er wies die Menschen zurück, die ihm folgen wollten. Nur Petrus, Jakobus und Johannes durften ihn begleiten. Mar 5:38 Als sie im Hause des Jairus ankamen, sah Jesus die vielen Menschen und hörte ihr Weinen und Jammern. Mar 5:39 "Weshalb macht ihr solchen Lärm?" fragte er sie. "Warum weint ihr? Das Kind ist nicht tot, es schläft nur." Mar 5:40 Das fanden die Leute so unsinnig, daß sie spöttisch lachten. Er schickte sie alle weg; nur die Eltern und seine drei Jünger gingen mit zum Bett des Mädchens. Mar 5:41 Dann faßte er die Tochter des Jairus bei der Hand und sagte: "Steh auf, mein Kind!" Mar 5:42 Da stand das zwölfjährige Mädchen auf und lief im Zimmer umher. Ihre Eltern waren fassungslos. Sie wußten nicht, was sie sagen sollten. Mar 5:43 Jesus verbot ihnen aber nachdrücklich, anderen davon zu erzählen. "Und nun gebt dem Kind etwas zu essen!" sagte er. Mar 6:1 Bald darauf verließ Jesus diese Gegend und kehrte mit den Jüngern in seinen Heimatort Nazareth zurück. Mar 6:2 Am Sabbat ging er in die Synagoge, um dort zu lehren. Die Leute, die ihm zuhörten, staunten über ihn und fragten sich: "Wie ist so etwas nur möglich? Woher hat er diese Weisheit? Wer gibt ihm die Macht für solche Taten? Mar 6:3 Er ist doch der Zimmermann, Marias Sohn. Wir kennen seine Brüder Jakobus, Joses, Judas und Simon. Und auch seine Schwestern wohnen bei uns. Alle sind Leute wie wir." Sie ärgerten sich über ihn. Mar 6:4 Da sagte Jesus: "Nirgendwo gilt ein Prophet weniger als in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner eigenen Familie." Mar 6:5 Weil die Menschen in Nazareth nicht an Jesus glaubten, konnte er dort nur wenigen Kranken helfen. Ihnen legte er die Hände auf, und sie wurden gesund. Mar 6:6 Er wunderte sich, daß ihn die meisten in ihrem Unglauben ablehnten. Darum ging er in andere Dörfer und sprach dort überall zu den Menschen. Mar 6:7 Jesus rief seine zwölf Jünger zu sich. Jeweils zu zweit sollten sie in seinem Auftrag durch das ganze Land ziehen. Er gab ihnen die Vollmacht, böse Geister auszutreiben. Mar 6:8 Jesus befahl ihnen, nichts als ihren Wanderstock mit auf den Weg zu nehmen. Sie sollten ganz von Gott abhängig sein, keine Reiseverpflegung, keine Tasche und kein Geld bei sich haben. Mar 6:9 Nur Sandalen durften sie tragen, aber selbst auf Kleider zum Wechseln mußten sie verzichten. Mar 6:10 "Wenn ihr in ein Haus kommt", fügte er hinzu, "dann bleibt in diesem Haus, bis ihr weiterzieht. Mar 6:11 Will man euch irgendwo nicht aufnehmen und eure Botschaft nicht hören, so geht weiter und kümmert euch nicht mehr um diese Leute. Sie müssen ihr Verhalten einmal selbst verantworten." Mar 6:12 Dann zogen die Jünger los und forderten die Menschen auf: "Ändert euch von Grund auf! Kehrt um zu Gott!" Mar 6:13 Sie befreiten Menschen, die von bösen Geistern beherrscht waren und salbten viele Kranke mit Öl. Und die Kranken wurden gesund. Mar 6:14 Überall sprach man von Jesus und dem, was er tat. Auch König Herodes hörte davon. Man sagte ihm: "Johannes der Täufer ist von den Toten auferstanden. Deshalb kann er solche Wunder tun." Mar 6:15 Andere meinten: "Er ist der Prophet Elia." Wieder andere behaupteten: "Er ist ein Prophet, wie Gott sie schon früher geschickt hat." Mar 6:16 Aber Herodes hatte Angst, weil er dachte: "Es ist Johannes, den ich enthaupten ließ. Er ist wieder lebendig geworden." Mar 6:17 Herodes hatte Johannes nämlich verhaften und im Gefängnis in Ketten legen lassen, weil es seine Frau Herodias so wollte. Sie war eigentlich die Frau seines Bruders Philippus. Mar 6:18 Johannes hatte dem König vorgeworfen: "Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zu heiraten!" Mar 6:19 Darum haßte ihn Herodias. Sie wollte Johannes umbringen lassen, aber Herodes war dagegen. Mar 6:20 Er fürchtete sich nämlich vor Johannes, weil er wußte, daß der ein frommer und heiliger Mann war. Er hatte zwar Johannes ins Gefängnis sperren lassen, aber er hörte ihm doch gern zu, auch wenn ihn dessen Worte sehr beunruhigten. Mar 6:21 Endlich aber kam die Stunde der Herodias. Herodes hatte zu seinem Geburtstag seine Hofleute, Offiziere und die führenden Persönlichkeiten von Galiläa eingeladen. Mar 6:22 Bei diesem Festessen tanzte die Tochter der Herodias. Herodes und seine Gäste waren begeistert. Der König versprach ihr deshalb: "Bitte mich, um was du willst; ich will es dir geben. Mar 6:23 Ich schwöre, dir alles zu geben, was du willst, und wenn es die Hälfte meines Königreiches wäre." Mar 6:24 Sie ging zu ihrer Mutter: "Was soll ich mir denn vom König wünschen?" "Verlange von ihm, daß er Johannes den Täufer enthaupten läßt!" antwortete die Mutter. Mar 6:25 Darauf sagte die Tochter zu Herodes: "Ich will, daß du mir sofort den Kopf von Johannes dem Täufer auf einer Schale bringen läßt!" Mar 6:26 Der König war bestürzt. Aber weil er sein Versprechen vor allen Gästen gegeben hatte und sich vor ihnen nicht bloßstellen wollte, konnte er die Bitte nicht abschlagen. Mar 6:27 So befahl er, Johannes töten zu lassen. Der Henker enthauptete Johannes Mar 6:28 und brachte auf einem Teller das Haupt des Toten. Das Mädchen gab ihn seiner Mutter. Mar 6:29 Als die Jünger des Johannes davon erfuhren, holten sie den Leichnam und begruben ihn. Mar 6:30 Nach ihrer Rückkehr erzählten die von Jesus ausgesandten Jünger alles, was sie auf ihrer Reise getan und den Menschen verkündet hatten. Mar 6:31 "Geht jetzt an einen einsamen, stillen Platz!" sagte Jesus zu ihnen. "Ihr habt Ruhe nötig!" Es waren nämlich so viele Menschen bei ihnen, daß sie nicht einmal Zeit zum Essen fanden. Mar 6:32 Deshalb fuhren sie mit dem Boot an eine einsame Stelle. Mar 6:33 Aber das hatten viele Leute beobachtet. Aus allen Dörfern liefen sie dorthin. Sie beeilten sich so sehr, daß sie noch vor Jesus und seinen Jüngern da waren. Mar 6:34 Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, schickte er sie nicht weg, weil er Mitleid mit ihnen hatte; sie waren wie eine Schafherde ohne ihren Hirten. Deshalb nahm er sich viel Zeit, ihnen Gottes Botschaft zu erklären. Mar 6:35 Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten: Mar 6:36 "Es wird bald dunkel. Schick doch die Leute weg, damit sie in die Dörfer oder auf die Höfe in der Umgebung gehen und sich etwas zu essen kaufen." Mar 6:37 Aber Jesus forderte sie auf: "Gebt ihr ihnen doch zu essen!" "Was sollen wir ihnen denn geben?" fragten die Jünger verwundert. "Außerdem würde es ein Vermögen kosten, sie alle zu verpflegen." Mar 6:38 "Wieviel Brot habt ihr denn bei euch?" erkundigte sich Jesus. "Seht einmal nach!" Kurz darauf kamen sie zurück und berichteten: "Fünf Brote und zwei Fische haben wir!" Mar 6:39 Da ordnete Jesus an, daß sich die Leute in Gruppen auf dem Gras lagern sollten. Mar 6:40 So bildeten sie Gruppen von fünfzig bis zu hundert Personen. Mar 6:41 Jetzt nahm Jesus die fünf Brote und die beiden Fische, sah auf zum Himmel und dankte Gott dafür. Er teilte das Brot, und die Jünger gaben jedem davon. Ebenso ließ er auch die Fische verteilen. Mar 6:42 Alle aßen sich satt, Mar 6:43 und dann sammelten die Jünger noch zwölf Körbe mit Resten ein. Mar 6:44 An der Mahlzeit hatten etwa fünftausend Männer teilgenommen. Mar 6:45 Gleich danach befahl Jesus seinen Jüngern, in ihr Boot zu steigen und über den See nach Bethsaida zu fahren. Er selbst blieb zurück, um die Leute zu verabschieden. Mar 6:46 Endlich war Jesus allein. Er ging auf einen Berg, um zu beten. Mar 6:47 Als es Nacht wurde, waren die Jünger noch weit draußen auf dem See. Mar 6:48 Jesus sah, daß sie kaum noch das Boot steuern konnten, weil sie gegen einen schweren Sturm anzukämpfen hatten. Gegen vier Uhr morgens kam er auf dem Wasser zu ihnen. Er wollte an ihnen vorbeigehen. Mar 6:49 Als die Jünger ihn auf dem Wasser gehen sahen, schrien sie vor Entsetzen, denn sie hielten ihn für ein Gespenst. Mar 6:50 Alle sahen ihn und waren zu Tode erschrocken. Aber er sprach sie an: "Habt keine Angst! Ich bin es doch! Fürchtet euch nicht!" Mar 6:51 Er stieg zu ihnen ins Boot, und gleich legte sich der Sturm. Die Jünger aber waren fassungslos und wußten nicht, was sie sagen sollten. Mar 6:52 Selbst nach dem Wunder mit den Broten hatten sie noch immer nicht begriffen, wer Jesus eigentlich war. Es war ihnen einfach ein Rätsel. Mar 6:53 Nach ihrer Überfahrt kamen sie in Genezareth an. Mar 6:54 Als sie das Boot verließen, erkannten die Leute Jesus sofort. Mar 6:55 Von überall holten sie die Kranken, um sie auf ihren Tragen dahin zu bringen, wo sie Jesus gerade vermuteten. Mar 6:56 Wohin er auch immer kam, in den Dörfern, Städten und draußen auf den Bauernhöfen trug man die Kranken auf die Plätze und Straßen. Die Kranken baten Jesus, wenigstens ein Stück seiner Kleidung berühren zu dürfen. Alle, die das taten, wurden gesund. Mar 7:1 Eines Tages kamen Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem zu Jesus. Mar 7:2 Dabei entdeckten sie, daß einige seiner Jünger die jüdischen Speise-Vorschriften nicht beachteten. Mar 7:3 Die Pharisäer und alle Juden essen nämlich erst dann, wenn sie sich die Hände so gewaschen haben, wie es ihren überlieferten Satzungen entspricht. Mar 7:4 Auch wenn sie vom Markt kommen, essen sie erst, nachdem sie sich nach bestimmten Vorschriften gewaschen haben. Es gibt noch viele solcher Vorschriften, die sie streng beachten, zum Beispiel bei der Reinigung von Trinkbechern, Krügen und Töpfen. Mar 7:5 Deshalb also fragten die Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus: "Warum beachten deine Leute unsere alten Vorschriften nicht und essen mit ungewaschenen Händen?" Mar 7:6 Jesus antwortete: "Wie recht hat Jesaja, wenn er von euch Heuchlern schreibt: 'Diese Leute können schön über Gott reden, aber mit dem Herzen sind sie nicht dabei. Es ist alles nur Geschwätz. Mar 7:7 Ihre Gottesdienste sind wertlos, weil sie ihre menschlichen Gesetze als Gebote Gottes ausgeben.' Mar 7:8 Aber Gottes Gebote beachtet ihr nicht, sondern ersetzt sie durch eure Vorschriften. Mar 7:9 Dabei geht ihr sehr geschickt vor. Mar 7:10 So hat euch Mose von Gott das Gebot gegeben: 'Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!' Und Gott fügte noch hinzu: 'Wer seinen Vater oder seine Mutter verachtet, der soll sterben!' Mar 7:11 Ihr aber behauptet nun: 'Wenn jemand zu seinem hilfsbedürftigen Vater oder zu seiner Mutter sagt, daß er ihnen nicht helfen kann, weil er sein Vermögen dem Tempel vermacht hat, dann hat er nicht gegen Gottes Gebot verstoßen.' Mar 7:12 In Wirklichkeit habt ihr damit aber nur erreicht, daß niemand mehr seinem Vater oder seiner Mutter helfen kann. Mar 7:13 Ihr setzt also durch eure eigenen Vorschriften das ausdrückliche Gebot Gottes außer Kraft. Aber das ist nur ein Beispiel für viele." Mar 7:14 Dann rief Jesus die Menschen wieder zu sich. "Hört alle ganz genau zu und merkt euch das, was ich euch jetzt sage: Mar 7:15 Nicht, was ein Mensch ißt, macht ihn unrein, sondern das, was er denkt und redet oder wie er handelt; das kann ihn von Gott trennen. Mar 7:16 Es lohnt sich für euch, wenn ihr darüber nachdenkt." Mar 7:17 Danach ging Jesus in ein Haus und war mit seinen Jüngern allein. Hier fragten sie ihn, was er mit dieser Rede eigentlich hatte sagen wollen. Mar 7:18 "Versteht ihr das denn auch nicht?" erwiderte Jesus. "Wißt ihr nicht, daß alles, was ein Mensch ißt, ihn nicht verunreinigen kann? Mar 7:19 Denn was ihr eßt, hat nichts mit euerm Verhältnis zu Gott zu tun; das Essen kommt in den Magen und wird dann wieder ausgeschieden." Damit wollte Jesus sagen, daß im Grunde jede Nahrung 'rein' ist. Mar 7:20 Und er fügte noch hinzu: "Was aus dem Inneren des Menschen kommt, seine Gedanken, Worte und Taten, die lassen ihn unrein werden. Mar 7:21 Denn aus dem Inneren, aus dem Herzen der Menschen, kommen all die bösen Gedanken wie: Unzucht, Diebstahl, Mord, Mar 7:22 Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Betrügerei, Begehrlichkeit, Neid, Verleumdung, Überheblichkeit und Leichtsinn. Mar 7:23 Dies kommt von innen heraus, und das ist es auch, was die Menschen von Gott trennt." Mar 7:24 Jesus zog nun mit seinen Jüngern in die Nähe der Hafenstadt Tyrus. Er wollte unerkannt bleiben, aber es sprach sich schnell herum, daß er gekommen war. Mar 7:25 Davon hatte auch eine Frau gehört, deren Tochter von einem bösen Geist beherrscht wurde. Sie kam zu Jesus, warf sich vor ihm nieder Mar 7:26 und bat ihn, ihr Kind aus der Gewalt der Dämonen zu befreien. Die Frau war keine Jüdin; sie wohnte in Phönizien. Mar 7:27 Jesus antwortete ihr: "Zuerst müssen die Kinder versorgt werden, das Volk Israel. Es ist nicht richtig, wenn man den Kindern das Brot wegnimmt und es den Hunden vorwirft." Mar 7:28 Darauf antwortete sie: "Ja, Herr, aber die kleinen Hunde bekommen doch auch die Krümel, die den Kindern vom Tisch fallen." Mar 7:29 "Du hast recht", antwortete Jesus, "ich will deiner Tochter helfen. Geh nach Hause! Der böse Geist hat dein Kind bereits verlassen." Mar 7:30 Und tatsächlich: Als die Frau nach Hause kam, lag ihre Tochter friedlich im Bett. Der Dämon hatte keine Macht mehr über sie. Mar 7:31 Von Tyrus aus ging Jesus in die Stadt Sidon und von dort wieder an den See von Galiläa in das Gebiet der Zehn Städte. Mar 7:32 Dort wurde ein Taubstummer zu ihm gebracht, damit er dem Mann die Hände auflegen und ihn heilen sollte. Mar 7:33 Jesus führte den Kranken von der Menschenmenge weg. Er legte seine Finger in die Ohren des Mannes, berührte dessen Zunge mit Speichel, Mar 7:34 sah auf zum Himmel, seufzte und sprach: "Öffne dich!" Mar 7:35 Im selben Augenblick konnte der Taubstumme hören und sprechen. Mar 7:36 Jesus verbot den Leuten, darüber zu reden. Aber je mehr er den Menschen einschärfte, nichts über diese Ereignisse zu berichten, um so schneller wurden sie bekannt. Mar 7:37 Denn für die Leute war es unfaßbar, was sie gesehen hatten. "Es ist einfach großartig, was er tut!" erzählten sie überall. "Selbst Taube können wieder hören und Stumme sprechen!" Mar 8:1 In diesen Tagen war wieder einmal eine große Menschenmenge versammelt. Schließlich hatten die Leute nichts mehr zu essen. Jesus rief seine Jünger zu sich und sagte: Mar 8:2 "Die Leute tun mir leid, sie sind schon drei Tage hier und haben nichts mehr zu essen. Mar 8:3 Ich kann sie doch nicht hungrig fortschicken. Viele würden den weiten Weg nach Hause nicht schaffen." Mar 8:4 "Aber woher sollen wir hier in dieser Einöde genügend Brot bekommen, damit sie alle satt werden?" fragten die Jünger ratlos. Mar 8:5 "Wie viele Brote habt ihr denn?" wollte Jesus wissen. Sie antworteten: "Sieben!" Mar 8:6 Jetzt forderte Jesus die Leute auf, sich hinzusetzen. Er nahm die sieben Brote, dankte Gott dafür, teilte sie, und die Jünger gaben jedem etwas. Mar 8:7 Sie hatten auch noch einige kleine Fische bei sich. Wieder dankte Jesus Gott dafür und ließ dann die Fische verteilen. Mar 8:8 Nachdem sie alle satt waren, wurden die Reste eingesammelt: sieben Körbe voll. Mar 8:9 Etwa viertausend Menschen hatten sich sattgegessen. Danach gingen sie alle in ihre Heimatorte zurück. Mar 8:10 Jesus selbst stieg mit seinen Jüngern in ein Boot und kam in die Gegend von Dalmanutha. Mar 8:11 Hier wollten einige Pharisäer mit Jesus diskutieren und ihm gleichzeitig eine Falle stellen. Sie verlangten nämlich von ihm ein eindeutiges Zeichen. Damit sollte er seinen göttlichen Auftrag beweisen. Mar 8:12 Zornig entgegnete er ihnen: "Wie viele Beweise wollt ihr denn noch haben? Eins steht fest: Leute wie ihr werden von Gott kein Zeichen zu sehen bekommen." Mar 8:13 So ließ er sie stehen, stieg wieder in das Boot und fuhr ans andere Seeufer. Mar 8:14 Seine Jünger hatten vergessen, Brot mitzunehmen, so daß für alle nur ein Brot da war. Mar 8:15 Während sie über den See fuhren, warnte Jesus seine Jünger: "Hütet euch vor dem Sauerteig des Herodes und der Pharisäer!" Mar 8:16 Sie überlegten, was er wohl damit meinte: "Das sagt er bestimmt, weil wir das Brot vergessen haben." Mar 8:17 Jesus merkte, worüber sie sprachen, und fragte traurig: "Weshalb macht ihr euch gleich Sorgen, wenn ihr einmal nicht genug zu essen habt? Werdet ihr denn nie verstehen, was ich meine? Könnt ihr gar nichts begreifen? Ist euer Herz denn noch immer so hart und unempfänglich? Mar 8:18 Ihr habt doch Augen. Warum seht ihr nicht? Und ihr habt Ohren. Warum hört ihr nicht? Mar 8:19 Habt ihr vergessen, daß ich fünftausend Menschen mit fünf Broten gesättigt habe? Wieviel Körbe habt ihr mit Resten gefüllt?" Sie antworteten: "Zwölf!" Mar 8:20 "Oder denkt an die sieben Brote, die ich an viertausend Menschen verteilt habe! Wieviel blieb damals übrig?" Sie antworteten: "Sieben Körbe voll!" Mar 8:21 "Und da habt ihr immer noch nichts begriffen?" fragte sie Jesus. Mar 8:22 In Bethsaida brachten die Leute einen Blinden zu Jesus. Sie baten ihn, den Mann zu heilen. Mar 8:23 Jesus nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn zum Dorf hinaus. Dann strich er etwas Speichel auf seine Augen, legte ihm die Hände auf und fragte: "Kannst du etwas sehen?" Mar 8:24 Der Mann blickte auf. "Ja", sagte er, "ich sehe Menschen herumlaufen. Aber ich kann sie nicht klar erkennen. Es könnten genausogut Bäume sein." Mar 8:25 Da legte Jesus ihm noch einmal die Hände auf die Augen. Jetzt sah der Mann deutlich; alles konnte er genau erkennen. Er war geheilt. Mar 8:26 Aber Jesus befahl ihm: "Geh nicht erst in das Dorf zurück, sondern gehe gleich nach Hause!" Mar 8:27 Jesus und seine Jünger kamen nun in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Auf dem Weg dorthin fragte er seine Jünger: "Für wen halten mich die Leute eigentlich? Was sagen sie von mir?" Mar 8:28 "Einige meinen, du bist Johannes der Täufer. Andere halten dich für Elia oder für einen der Propheten", antworteten die Jünger. Mar 8:29 "Und für wen haltet ihr mich?" Da rief Petrus: "Du bist Christus, der verheißene Retter!" Mar 8:30 Aber Jesus verbot ihnen, das irgendeinem Menschen weiterzusagen. Mar 8:31 An diesem Tag sprach Jesus zum ersten Mal von seinem Tod: "Der Menschensohn muß viel leiden. Die Führer des Volkes, die Hohenpriester und die Schriftgelehrten werden ihn verurteilen und töten. Aber nach drei Tagen wird er von den Toten auferstehen." Mar 8:32 So offen sprach Jesus mit seinen Jüngern. Da nahm ihn Petrus beiseite, um ihn von diesen Gedanken abzubringen. Mar 8:33 "Weg mit dir, Satan!" erwiderte Jesus, so daß alle Jünger es hören konnten. "So wie du denken alle Menschen, die Gottes Gedanken nicht begreifen." Mar 8:34 "Hört her!" rief Jesus seinen Jüngern und den Menschen zu, die bei ihm waren. "Wer mir nachfolgen will, der darf nicht mehr an sich selbst denken, sondern muß sein Kreuz willig auf sich nehmen und mir nachfolgen. Mar 8:35 Wer sein Leben um jeden Preis erhalten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen. Mar 8:36 Denn was gewinnt ein Mensch, selbst wenn ihm die ganze Welt zufällt, er aber das ewige Leben dabei verliert? Mar 8:37 Gibt es denn etwas, mit dem man sich das ewige Leben erkaufen kann? Mar 8:38 Wer sich hier vor den gottlosen Menschen schämt, sich zu mir und meiner Botschaft zu bekennen, den wird auch der Menschensohn nicht kennen, wenn er mit den heiligen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters wiederkommen wird." Mar 9:1 Dann sagte Jesus zu seinen Zuhörern: "Das sage ich euch: Einige von euch werden erleben, wie die Herrschaft Gottes in ihrer ganzen Macht sichtbar wird." Mar 9:2 Sechs Tage später ging Jesus nur mit Petrus, Jakobus und Johannes auf den Gipfel eines hohen Berges. Da wurde Jesus vor ihren Augen verwandelt. Mar 9:3 Seine Kleider strahlten so glänzend hell, wie nichts auf dieser Erde leuchten könnte. Mar 9:4 Dann erschienen Elia und Mose und redeten mit Jesus. Mar 9:5 Begeistert rief Petrus: "Meister, hier gefällt es uns! Wir wollen gleich drei Hütten bauen, für dich, für Mose und für Elia." Mar 9:6 Er wußte aber gar nicht, was er sagte, denn die drei Jünger waren völlig verwirrt. Mar 9:7 Da fiel der Schatten einer Wolke über sie, und aus der Wolke hörten sie eine Stimme: "Dies ist mein lieber Sohn! Auf ihn sollt ihr hören!" Mar 9:8 Als sich die Jünger umsahen, waren sie plötzlich mit Jesus allein. Mar 9:9 Während sie den Berg hinabstiegen, befahl ihnen Jesus: "Erzählt keinem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist!" Mar 9:10 So behielten sie es für sich. Aber als sie allein waren, sprachen sie darüber, was Jesus wohl damit meinte, "von den Toten auferstehen". Mar 9:11 Deshalb fragten sie Jesus: "Die Schriftgelehrten behaupten doch, daß zuerst Elia kommen muß." Mar 9:12 Jesus antwortete ihnen: "Sie haben recht. Zuerst kommt Elia, um alles vorzubereiten. Und doch heißt es in der Heiligen Schrift vom Menschensohn, daß er viel leiden muß und von allen verachtet wird. Mar 9:13 Das aber will ich euch sagen: Elia ist schon gekommen. Sie haben mit ihm gemacht, was sie wollten. Genau das steht schon in der Schrift." Mar 9:14 Bei ihrer Rückkehr fanden sie die anderen Jünger zusammen mit einigen Schriftgelehrten mitten in einer großen Volksmenge. Die Schriftgelehrten hatten die Jünger in ein Streitgespräch verwickelt. Mar 9:15 Als die Leute Jesus sahen, liefen sie ihm aufgeregt entgegen und begrüßten ihn. Mar 9:16 "Worüber streitet ihr euch denn?" fragte er sie. Mar 9:17 Einer aus der Menge antwortete: "Herr, ich habe meinen Sohn hergebracht, damit du ihn heilst, denn er kann nicht sprechen, weil er von einem bösen Geist beherrscht wird. Mar 9:18 Wenn dieser Geist Gewalt über ihn gewinnt, wirft er ihn zu Boden. Hilflos wälzt er sich dann auf der Erde, Schaum tritt ihm vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen und bleibt schließlich bewußtlos liegen. Ich habe schon deine Jünger angefleht, den bösen Geist auszutreiben; aber sie konnten es nicht." Mar 9:19 "Wann wollt ihr endlich anfangen zu glauben?" rief Jesus. "Wie lange muß ich noch bei euch sein, bis ihr das gelernt habt? Bringt das Kind her zu mir!" Mar 9:20 Sie brachten es. Als aber der böse Geist Jesus erkannte, schüttelte er den Jungen mit fürchterlichen Krämpfen. Der stürzte zu Boden, wälzte sich hin und her, und der Schaum stand ihm vor dem Mund. Mar 9:21 "Wie lange leidet er schon darunter?" fragte Jesus den Vater. "Von Kindheit an. Mar 9:22 Schon oft hat ihn der böse Geist in ein Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Habe doch Erbarmen mit uns! Hilf uns, wenn du kannst!" Mar 9:23 "Wenn ich kann?" meinte Jesus verwundert. "Alles ist möglich, wenn du mir vertraust." Mar 9:24 Verzweifelt bat ihn der Mann: "Ich will dir ja vertrauen. Aber hilf mir doch, daß ich es kann!" Mar 9:25 Als Jesus sah, daß die Menschenmenge immer größer wurde, bedrohte er den bösen Geist, der das taubstumme Kind quälte: "Ich befehle dir, verlaß dieses Kind und kehre nie wieder zu ihm zurück." Mar 9:26 Da stieß der Dämon einen furchtbaren Schrei aus, zerrte den Jungen hin und her und verließ ihn. Der Junge lag regungslos da, so daß die meisten sagten: "Er ist tot!" Mar 9:27 Aber Jesus nahm seine Hand und half ihm aufzustehen. Mar 9:28 Als Jesus mit seinen Jüngern ins Haus gegangen war, fragten sie ihn: "Weshalb konnten wir diesen Dämon nicht austreiben?" Mar 9:29 Jesus antwortete: "Das könnt ihr nur durch Beten und Fasten." Mar 9:30 Jesus verließ mit seinen Jüngern diese Gegend und zog durch Galiläa. Weil er seinen Jüngern noch viel zu sagen hatte, wollte er mit ihnen allein bleiben. Mar 9:31 "Der Menschensohn wird bald in der Gewalt der Menschen sein", sagte Jesus, um sie auf die kommenden Ereignisse vorzubereiten. "Sie werden ihn töten. Aber wenn sie ihn umgebracht haben, wird er nach drei Tagen wieder auferstehen." Mar 9:32 Die Jünger verstanden nichts von dem, was er sagte, aber sie wagten auch nicht, ihn zu fragen. Mar 9:33 Sie kamen nach Kapernaum. Als sie im Hause waren, fragte Jesus die Jünger: "Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?" Mar 9:34 Doch sie schwiegen verlegen; denn sie hatten sich darüber gestritten, welcher von ihnen wichtiger sei als alle anderen. Mar 9:35 Jesus setzte sich, rief die zwölf Jünger zu sich und sagte: "Wer der Erste sein will, der soll sich allen anderen unterordnen und ihnen dienen." Mar 9:36 Er rief ein kleines Kind, stellte es in die Mitte und umarmte es. Dann sagte er: Mar 9:37 "Wer ein solches Kind mir zuliebe aufnimmt, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, der nimmt damit Gott selbst auf, weil Gott mich gesandt hat." Mar 9:38 Johannes sagte zu Jesus: "Herr, wir haben einen Mann getroffen, der in deinem Namen Dämonen austrieb. Aber wir haben es ihm verboten, weil er ja gar nicht mit uns geht." Mar 9:39 "Das hättet ihr nicht tun sollen!" erwiderte Jesus. "Wer in meinem Namen große Taten vollbringt, wird nicht gleichzeitig gegen mich arbeiten. Mar 9:40 Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Mar 9:41 Erfrischt euch ein Mensch mit einem Schluck Wasser, weil ihr zu Christus gehört, so wird er seinen Lohn erhalten. Darauf könnt ihr euch verlassen!" Mar 9:42 "Wer in einem Menschen den festen Glauben, wie ihn ein Kind hat, zerstört, für den wäre es noch das beste, ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer zu werfen. Mar 9:43 Wenn deine Hand dich zum Bösen verführt, dann hack sie ab! Mar 9:44 Es ist besser, du gehst verstümmelt in das ewige Leben als mit beiden Händen in das unauslöschliche Feuer der Hölle. Mar 9:45 Verführt dich dein Fuß dazu, böse Wege zu gehen, dann hack ihn ab! Mar 9:46 Es ist besser für dich, mit kranken Füßen zum ewigen Leben zu kommen, als mit gesunden Füßen geradewegs in die Hölle zu marschieren. Mar 9:47 Wenn dich dein Auge zur Sünde verführt, dann reiß es heraus. Es ist viel besser, einäugig in Gottes Reich zu gelangen, als mit zwei gesunden Augen schließlich ins Feuer der Hölle geworfen zu werden. Mar 9:48 Dort wird die Qual nicht enden und das Feuer nicht verlöschen. Mar 9:49 Niemand kann sich der Feuerprobe Gottes entziehen. So, wie man die Tiere im Tempel mit Salz für das Opfer vorbereitet, so sollt auch ihr euch vorbereiten. Mar 9:50 Salz ist gut und notwendig, solange es wirkt. Sonst ist es nutzlos. Deshalb achtet darauf, daß man an euch die Wirkung des Salzes sieht. Haltet Frieden miteinander." Mar 10:1 Dann zog Jesus von Kapernaum nach Judäa und in die Gegend östlich des Jordan. Wie überall strömten auch hier die Menschen zusammen, und wie immer sprach er zu ihnen vom Reich Gottes. Mar 10:2 Da kamen einige Pharisäer zu ihm. Sie wollten ihm auch diesmal eine Falle stellen, als sie ihn fragten: "Wie stehst du zur Ehescheidung? Darf sich ein Mann von seiner Frau scheiden lassen?" Mar 10:3 Jesus fragte zurück: "Was hat Mose denn im Gesetz vorgeschrieben?" Mar 10:4 "Mose", antworteten sie, "hat gesagt: 'Wenn sich der Mann von seiner Frau trennt, soll er ihr eine Scheidungsurkunde geben.'" Mar 10:5 Jesus entgegnete: "Das war nur ein Zugeständnis an euer böses und hartes Herz. Mar 10:6 Aber Gott hat die Menschen von Anfang an als Mann und Frau geschaffen. Nach seinem Willen sollen sie ein Leben lang zusammengehören. Mar 10:7 Deshalb verläßt ein Mann seine Eltern und verbindet sich so eng mit seiner Frau, Mar 10:8 daß die beiden eins sind mit Leib und Seele. So sind sie nicht länger zwei voneinander getrennte Menschen. Mar 10:9 Was Gott zusammengefügt hat, darf der Mensch nicht scheiden." Mar 10:10 Im Hause wollten seine Jünger noch mehr darüber hören. Mar 10:11 Jesus sagte ihnen: "Wenn sich ein Mann von seiner Frau trennt, um eine andere zu heiraten, dann ist das Ehebruch. Mar 10:12 Auch eine Frau bricht die Ehe, wenn sie sich von ihrem Mann trennt und wieder heiratet." Mar 10:13 Einige Eltern brachten ihre Kinder zu Jesus, damit er sie segnen sollte. Die Jünger aber wollten sie wegschicken. Mar 10:14 Als Jesus das merkte, wurde er zornig: "Laßt doch die Kinder zu mir kommen! Haltet sie nicht zurück! Denn für Menschen wie sie ist das Reich Gottes bestimmt. Mar 10:15 Habt ihr denn immer noch nicht begriffen: Wer nicht wie ein kleines Kind voller Vertrauen zu Gott kommt, dem bleibt das Reich Gottes verschlossen." Mar 10:16 Dann nahm er die Kinder in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie. Mar 10:17 Als Jesus weitergehen wollte, lief ein junger Mann auf ihn zu, warf sich vor ihm auf die Knie und fragte: "Guter Meister, was muß ich alles tun, um ganz sicher das ewige Leben zu bekommen?" Mar 10:18 Jesus entgegnete: "Weshalb nennst du mich gut? Es gibt nur einen, der gut ist, und das ist Gott. Mar 10:19 Du kennst doch seine Gebote: Du sollst nicht töten! Du sollst nicht die Ehe brechen! Du sollst nicht stehlen! Sag nichts Unwahres über deinen Mitmenschen! Du sollst nicht betrügen! Achte deinen Vater und deine Mutter!" Mar 10:20 "Meister", antwortete der junge Mann, "an diese Gebote habe ich mich schon als Kind gehalten." Mar 10:21 Jesus sah ihn voller Liebe an: "Eins fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. Damit wirst du im Himmel einen Reichtum gewinnen, der niemals verlorengeht. Und dann komm und folge mir nach!" Mar 10:22 Über diese Forderung war der Mann tief betroffen. Traurig ging er weg, denn er war sehr reich. Mar 10:23 Zu seinen Jüngern sagte Jesus nun: "Wie schwer ist es doch für einen Reichen, in das Reich Gottes zu kommen!" Mar 10:24 Er sah, wie entsetzt seine Jünger über diese Worte waren. Deshalb wiederholte er ganz nachdrücklich: "Für Menschen, die viel besitzen, ist es fast unmöglich, dieses Ziel zu erreichen. Mar 10:25 Eher läßt sich ein dickes Seil in ein Nadelöhr einfädeln, als daß Menschen, die an ihrem Reichtum hängen, in Gottes Reich kommen." Mar 10:26 Darüber erschraken die Jünger noch mehr, und sie fragten sich: "Wer kann dann überhaupt gerettet werden?" Mar 10:27 Jesus sah sie ernst an: "Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott. Bei ihm gibt es kein 'Unmöglich'." Mar 10:28 Aufgeregt fragte Petrus: "Aber wie ist es nun mit uns? Wir haben doch alles aufgegeben und sind mit dir gegangen!" Mar 10:29 Jesus antwortete: "Das sollt ihr wissen: Jeder, der sein Haus, seine Geschwister, seine Eltern, seine Kinder oder seinen Besitz aufgibt, um mir zu folgen und das Evangelium weiterzusagen, Mar 10:30 der wird schon hier alles hundertfach zurückerhalten: ein Zuhause, Brüder und Schwestern, Eltern, Kinder und alles, was er zum Leben braucht. All dies wird ihm - wenn auch mitten unter Verfolgungen - hier auf dieser Erde gehören und außerdem in der zukünftigen Welt das ewige Leben. Mar 10:31 Viele, die jetzt eine große Rolle spielen, werden dann nichts bedeuten. Und andere, die heute die Letzten sind, werden dort zu den Ersten gehören." Mar 10:32 Auf dem Weg nach Jerusalem ging Jesus seinen Jüngern voran. Voller Angst und Sorge folgten sie ihm. Unterwegs, an einem ruhigen Platz, sprach Jesus mit den zwölf Jüngern noch einmal darüber, was ihn erwartete. Mar 10:33 "Wir gehen jetzt nach Jerusalem. Dort wird der Menschensohn den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert. Sie werden ihn zum Tode verurteilen und den Römern übergeben. Mar 10:34 Die werden ihn verspotten, anspucken, auspeitschen und kreuzigen. Aber nach drei Tagen wird er vom Tode auferstehen." Mar 10:35 Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, gingen zu Jesus und sagten: "Herr, wirst du uns eine Bitte erfüllen?" Mar 10:36 "Was wollt ihr?" fragte Jesus. Mar 10:37 "Wir möchten gern in deinem Königreich die Plätze rechts und links neben dir einnehmen." Mar 10:38 "Ihr wißt ja gar nicht, was ihr da verlangt!" antwortete Jesus. "Könnt ihr denn das schwere Leiden tragen, das auf mich wartet? Könnt ihr euer Leben hingeben, so wie ich es hingeben muß?" Mar 10:39 "Ja, das können wir!" antworteten sie, ohne zu zögern. "Ihr werdet tatsächlich leiden und euer Leben hingeben müssen", sagte Jesus zu ihnen. Mar 10:40 "Aber trotzdem kann ich nicht bestimmen, wer einmal die Plätze rechts und links neben mir einnehmen wird. Das hat bereits Gott entschieden." Mar 10:41 Als die anderen Jünger von dem Wunsch des Johannes und Jakobus hörten, waren sie empört. Mar 10:42 Da rief Jesus alle zusammen. "Ihr wißt", sagte er, "wie die Machthaber der Welt ihre Völker unterdrücken. Wer die Macht hat, nutzt sie rücksichtslos aus. Mar 10:43 Aber gerade so darf es bei euch nicht sein. Wer in Gottes Augen groß sein will, der soll allen anderen dienen, Mar 10:44 und wer der Erste sein will, soll sich allen anderen unterordnen. Mar 10:45 Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und mit seinem Leben viele Menschen aus der Gewalt des Bösen zu befreien." Mar 10:46 Dann kamen Jesus und seine Jünger nach Jericho. Als sie die Stadt wieder verlassen wollten, folgte ihnen eine große Menschenmenge. Am Weg saß ein Blinder und bettelte. Es war Bartimäus, der Sohn des Timäus. Mar 10:47 Als er hörte, daß es Jesus von Nazareth war, der vorbeikam, begann er laut zu rufen: "Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!" Mar 10:48 "Halt den Mund!" riefen ärgerlich die Leute. Aber er schrie nur um so lauter und immer wieder: "Du Sohn Davids, habe doch Mitleid mit mir!" Mar 10:49 Jesus blieb stehen: "Ruft ihn her zu mir." Ein paar von den Leuten liefen zu dem Blinden und sagten zu ihm: "Du hast es geschafft. Komm mit! Jesus ruft dich." Mar 10:50 Vor Aufregung ließ Bartimäus seinen Mantel liegen, sprang auf und kam zu Jesus. Mar 10:51 "Warum hast du nach mir gerufen?" fragte ihn Jesus. "Herr, ich möchte sehen können!" Mar 10:52 Darauf antwortete Jesus: "Geh! Dein Glaube hat dich geheilt." Sofort konnte der Blinde sehen, und er ging mit Jesus. Mar 11:1 Als sie in die Nähe von Jerusalem nach Bethphage und Bethanien kamen - das sind zwei Ortschaften, die am Ölberg liegen -, schickte Jesus zwei Jünger voraus: Mar 11:2 "Geht in das nächste Dorf!" trug er ihnen auf. "Gleich am Eingang werdet ihr einen jungen Esel finden. Er ist angebunden, und auf ihm ist noch nie jemand geritten. Bindet ihn los und bringt ihn her. Mar 11:3 Sollte jemand fragen, was ihr da macht, dann sagt einfach: 'Unser Herr braucht das Tier, aber er wird es bald wieder zurückschicken.'" Mar 11:4 Sie gingen hin und fanden den Esel an ein Hoftor angebunden. Sie banden ihn los; Mar 11:5 aber einige Leute, die dabeistanden, fragten: "Was macht ihr denn da? Was wollt ihr mit dem Esel?" Mar 11:6 Sie antworteten so, wie Jesus ihnen gesagt hatte. Da ließ man sie gewähren. Mar 11:7 Die Jünger brachten den jungen Esel, legten ihre Mäntel auf das Tier, und Jesus setzte sich darauf. Mar 11:8 Viele Leute breiteten ihre Kleider als Teppich vor ihm aus, andere rissen grüne Zweige von den Bäumen und legten sie auf den Weg. Mar 11:9 Vor und hinter ihm drängten sich die Menschen und riefen: "Heil unserem König! Mar 11:10 Ihn hat Gott zu uns gesandt! Jetzt kommt endlich Davids Reich! Gelobt sei Gott!" Mar 11:11 So zog Jesus in Jerusalem ein. Er ging in den Tempel und beobachtete aufmerksam das geschäftige Treiben. Am Abend kehrte er mit seinen Jüngern nach Bethanien zurück. Mar 11:12 Am nächsten Morgen, als sie Bethanien verließen, hatte Jesus Hunger. Mar 11:13 Schon von weitem sah er einen Feigenbaum mit vielen Blättern. Er ging hin, um sich ein paar Feigen zu pflücken. Aber er fand nichts als Blätter, denn zu dieser Jahreszeit gab es noch keine Feigen. Mar 11:14 Da hörten die Jünger, wie Jesus zu dem Baum sagte: "Nie wieder soll jemand von dir eine Frucht essen!" Mar 11:15 Sie kamen nach Jerusalem, und Jesus ging in den Tempel. Dort vertrieb er die Händler, die den Pilgern Opfertiere zum Kauf anboten, und ihre Kunden. Die Tische der Geldwechsler stieß er um, ebenso die Stände der Taubenhändler. Mar 11:16 Er duldete noch nicht einmal, daß jemand irgendwelche Dinge durch den Tempel trug. Mar 11:17 "Ihr wißt doch, was Gott sagt", rief Jesus der aufgebrachten Menschenmenge zu: "'Mein Haus soll für alle ein Haus des Gebets sein', ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht." Mar 11:18 Nachdem die Hohenpriester und Schriftgelehrten von diesen Ereignissen gehört hatten, stand ihr Entschluß fest, Jesus umzubringen. Sie fürchteten den ständig wachsenden Einfluß, den Jesus auf das Volk hatte. Denn seine Worte hinterließen tiefen Eindruck bei den Menschen. Mar 11:19 Am Abend verließ Jesus mit seinen Jüngern die Stadt. Mar 11:20 Am nächsten Morgen, als sie wieder an dem Feigenbaum vorbeikamen, sahen sie, daß er völlig abgestorben war. Mar 11:21 Petrus dachte daran, was Jesus gesagt hatte. "Siehst du", meinte er, "der Baum, den du verflucht hast, ist vertrocknet." Mar 11:22 Da antwortete Jesus: "Ihr müßt Gott ganz vertrauen! Mar 11:23 Denn das ist sicher: Wenn ihr glaubt und nicht im geringsten zweifelt, könnt ihr zu diesem Berg hier sagen: 'Hebe dich von der Stelle und stürze dich ins Meer!' und es wird geschehen. Mar 11:24 Es ist wirklich so: Alles, worum ihr im festen Glauben betet, wird Gott euch geben. Mar 11:25 Aber wenn ihr ihn um etwas bittet, sollt ihr vorher den Menschen vergeben, die euch Unrecht getan haben. Dann wird euch der Vater im Himmel eure Schuld auch vergeben. Mar 11:26 Wenn ihr ihnen aber nicht vergeben wollt, dann wird euch Gott eure Schuld auch nicht vergeben." Mar 11:27 Sie kamen wieder nach Jerusalem. Als Jesus im Tempel war, kamen die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und die Führer des Volkes zu Jesus und stellten ihn zur Rede: Mar 11:28 "Woher nimmst du dir das Recht, hier in dieser Weise aufzutreten? Wer gab dir die Vollmacht dazu?" Mar 11:29 Jesus erwiderte: "Ich will euch eine Gegenfrage stellen. Wenn ihr die beantwortet, will ich auf eure Frage eingehen. Mar 11:30 Von wem hatte eurer Meinung nach Johannes der Täufer die Vollmacht zu taufen? War er von Gott beauftragt oder nicht? Was meint ihr?" Mar 11:31 Sie überlegten: "Wenn wir antworten: 'Gott hat ihn gesandt', dann wird er fragen: 'Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?' Mar 11:32 Wenn wir aber bestreiten, daß Gott ihn gesandt hat, bekommen wir Ärger mit dem Volk. Denn alle sind davon überzeugt, daß Johannes ein Prophet war." Mar 11:33 So antworteten sie schließlich: "Wir wissen es nicht!" Worauf Jesus entgegnete: "Dann sage ich euch auch nicht, wer mir die Vollmacht gegeben hat." Mar 12:1 Wenn Jesus zu den Menschen redete, gebrauchte er oft Beispiele. So erzählte er: "Ein Mann legte einen Weinberg an, zäunte ihn ein, stellte eine Weinpresse auf und baute einen Wachtturm. Dann verpachtete er ihn an einige Weinbauern und reiste ins Ausland. Mar 12:2 Zur Zeit der Weinlese beauftragte er jemanden, den vereinbarten Anteil an der Ernte abzuholen. Mar 12:3 Aber die Weinbauern gaben ihm nichts, sondern schlugen ihn nieder und jagten ihn davon. Mar 12:4 Da schickte der Besitzer einen zweiten Boten. Auch den beschimpften sie und schlugen ihn blutig. Mar 12:5 Den dritten Boten des Weinbergbesitzers brachten sie um. Immer wieder versuchte der Besitzer, zu seinem Ernteanteil zu kommen. Doch alle, die in seinem Auftrag kamen, wurden schwer mißhandelt oder sogar getötet. Mar 12:6 Nun blieb nur noch einer übrig: sein einziger Sohn, den er sehr liebte. Ihn schickte er zuletzt. 'Sie werden es nicht wagen, ihm etwas anzutun', sagte er sich. Mar 12:7 Aber die Weinbauern waren sich einig: 'Jetzt kommt der Erbe! Wenn wir ihn umbringen, dann gehört der Weinberg endgültig uns.' Mar 12:8 Deshalb ergriffen sie ihn, schlugen ihn tot und warfen ihn vor den Weinberg. Mar 12:9 Was - meint ihr - wird der Besitzer des Weinbergs jetzt wohl tun? Er wird selbst kommen, die Weinbauern töten und seinen Weinberg an andere verpachten. Mar 12:10 Habt ihr nicht in den Psalmen gelesen: 'Der Stein, den die Bauarbeiter weggeworfen haben, weil sie ihn für unbrauchbar hielten, ist nun zum Grundstein des ganzen Hauses geworden. Mar 12:11 Was keiner für möglich gehalten hat, das tut Gott vor euren Augen.'" Mar 12:12 Am liebsten hätten die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Führer des Volkes Jesus gleich verhaftet. Sie hatten verstanden, daß Jesus von ihnen gesprochen hatte und daß sie die Weinbauern in seiner Geschichte waren. Aber sie wagten sich nicht an ihn heran, weil sie vor dem Volk Angst hatten. So ließen sie ihn in Ruhe und gingen weg. Mar 12:13 Danach schickten sie einige Pharisäer und Anhänger des Königs Herodes zu Jesus, weil sie hofften, ihn mit seinen eigenen Worten in eine Falle locken zu können. Mar 12:14 "Meister", sagten sie scheinheilig, "wir wissen, daß es dir allein um die Wahrheit geht. Du fragst nicht danach, was den Leuten gefällt, sondern sagst uns frei heraus, wie wir nach Gottes Willen leben sollen. Deshalb sage uns: Ist es eigentlich Gottes Wille, daß wir dem römischen Kaiser Steuern zahlen? Sollen wir bezahlen oder nicht?" Mar 12:15 Jesus durchschaute ihre Falschheit und sagte: "Warum wollt ihr mir eine Falle stellen? Zeigt mir ein Geldstück!" Mar 12:16 Sie gaben ihm eine römische Münze. Er fragte sie: "Wessen Bild und Name ist hier eingeprägt?" Sie antworteten: "Das Bild und der Name des Kaisers!" Mar 12:17 "Nun, dann gebt dem Kaiser, was ihm zusteht, und gebt Gott, was ihm gehört." Seine Zuhörer waren verblüfft: Diese Antwort hatten sie nicht erwartet. Mar 12:18 Später kamen einige Sadduzäer zu Jesus. Diese Leute behaupteten, daß es keine Auferstehung der Toten gibt. Sie fragten ihn: Mar 12:19 "Meister, Mose hat uns im Gesetz gesagt: 'Wenn ein verheirateter Mann stirbt und seine Frau ohne Kinder hinterläßt, muß sein Bruder die Witwe heiraten. Das erste ihrer Kinder soll der Erbe des Verstorbenen sein.' Mar 12:20 Nun gab es da sieben Brüder. Der erste heiratete und starb ohne Nachkommen. Mar 12:21 Da heiratete der zweite Bruder die Witwe. Auch er starb kinderlos, und der nächste Bruder nahm sie zur Frau. Mar 12:22 So ging es weiter, bis die Frau mit allen sieben verheiratet gewesen war, ohne daß sie Kinder bekommen hätte. Schließlich starb auch die Frau. Mar 12:23 Wessen Frau wird sie nun nach der Auferstehung sein? Alle sieben Brüder waren doch mit ihr verheiratet." Mar 12:24 Jesus antwortete ihnen: "Ihr irrt euch, weil ihr in eurem Denken von falschen Voraussetzungen ausgeht, denn ihr kennt weder die Heilige Schrift noch die Macht Gottes. Mar 12:25 Wenn die Toten auferstehen, werden sie nicht wie hier auf der Erde verheiratet sein, sondern wie die Engel im Himmel leben. Mar 12:26 Doch was die Auferstehung betrifft: Habt ihr nicht von Mose gelesen, wie Gott am brennenden Dornbusch zu ihm sagte: 'Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs'? Mar 12:27 Er ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern er ist der Gott der Lebenden. Ihr seid völlig im Irrtum!" Mar 12:28 Ein Schriftgelehrter war von der Antwort beeindruckt, die Jesus den Sadduzäern gegeben hatte. Deshalb fragte er ihn: "Welches von allen Geboten Gottes ist das wichtigste?" Mar 12:29 Jesus erwiderte: "Dies ist das wichtigste Gebot: 'Höre, Israel! Der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Mar 12:30 Ihn sollst du von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit deinem ganzen Verstand und mit all deiner Kraft.' Mar 12:31 Ebenso wichtig ist das andere Gebot: 'Liebe deine Mitmenschen, so wie du dich selber liebst!' Es gibt kein anderes Gebot, das lebenswichtiger ist als diese beiden." Mar 12:32 Darauf meinte der Schriftgelehrte: "Meister, du hast recht. Es gibt nur einen Gott und keinen anderen neben ihm. Mar 12:33 Ihn sollen wir lieben mit ganzem Herzen, mit unserem ganzen Verstand und mit aller Kraft. Und auch unsere Mitmenschen sollen wir so lieben wie uns selbst. Das ist mehr als alle Opfer, die wir Gott bringen könnten." Mar 12:34 Jesus erkannte, daß dieser Mann ihn verstanden hatte. Deshalb sagte er zu ihm: "Du bist nicht weit vom Reich Gottes entfernt." Danach wagte niemand mehr, Jesus weitere Fragen zu stellen. Mar 12:35 Als Jesus später im Tempel redete, stellte er die Frage: "Wie können eure Schriftgelehrten behaupten, Christus sei ein Nachkomme von König David? Mar 12:36 David selbst hat doch, geleitet vom Heiligen Geist, gesagt: 'Gott sprach zu meinem Herrn: Setze dich auf den Ehrenplatz an meiner rechten Seite, bis ich dir alle deine Feinde unterworfen habe.' Mar 12:37 Wenn David Christus nun seinen 'Herrn' nennt, wie kann Christus dann Davids 'Sohn' sein?" Alle im Tempel hörten ihm gespannt zu. Mar 12:38 Jesus redete weiter zu ihnen: "Hütet euch vor den Schriftgelehrten! Sie laufen gern in langen Talaren herum und erwarten, daß man sie auf der Straße ehrfurchtsvoll grüßt. Mar 12:39 Beim Gottesdienst in der Synagoge beanspruchen sie die Sitze in der ersten Reihe, und bei allen Festen wollen sie die Ehrenplätze einnehmen. Mar 12:40 Gierig reißen sie das Vermögen der Witwen an sich; dabei tarnen sie ihre Absichten mit langen Gebeten. Gottes Strafe wird sie besonders hart treffen." Mar 12:41 Jesus setzte sich nun in die Nähe des Opferkastens im Tempel und beobachtete die Leute, die ihre Gaben einwarfen. Viele Reiche spendeten hohe Beträge. Mar 12:42 Dann aber kam eine arme Witwe und steckte zwei kleine Münzen in den Opferkasten. Mar 12:43 "Das eine ist sicher", erklärte Jesus seinen Jüngern, die er zu sich gerufen hatte, "diese arme Witwe hat mehr gegeben als alle anderen. Mar 12:44 Die Reichen haben nur etwas von ihrem Überfluß gegeben, aber diese Frau opferte alles, was sie hatte." Mar 13:1 Als Jesus den Tempel verließ, zeigte einer seiner Jünger voller Bewunderung auf die Tempelbauten: "Meister, sieh dir diese Steine und diese gewaltigen Bauwerke an!" Mar 13:2 Jesus erwiderte: "Ja, sieh dir alles genau an! Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben. Bald wird alles nur noch ein großer Trümmerhaufen sein." Mar 13:3 Als Jesus am Abhang des Ölbergs saß und zum Tempel auf der anderen Seite des Tales hinübersah, kamen Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas zu ihm und fragten: Mar 13:4 "Wann wird das alles geschehen? An welchen Ereignissen werden wir das Ende erkennen?" Mar 13:5 Jesus antwortete: "Laßt euch von keinem Menschen täuschen und verführen! Mar 13:6 Viele werden nämlich behaupten: 'Ich bin Christus!' Und leider werden sich viele von ihnen irreführen lassen. Mar 13:7 Ihr werdet von Kriegen und Unruhen hören. Erschreckt nicht! Das muß geschehen; doch es bedeutet noch nicht das Ende. Mar 13:8 Die Völker und Machtblöcke der Erde werden Kriege gegeneinander führen. In vielen Teilen der Welt wird es Erdbeben und Hungersnöte geben. Das ist aber erst der Anfang vom Ende - so wie die ersten Wehen einer Frau, die ein Kind zur Welt bringt. Mar 13:9 Seid wachsam! Man wird euch vor die Gerichte zerren, und in den Synagogen wird man euch auspeitschen. Vor denen, die in dieser Welt die Macht haben, werdet ihr euch verantworten müssen. Dort werdet ihr meine Botschaft bezeugen. Und das alles, weil ihr zu mir gehört. Mar 13:10 Das muß so geschehen, denn alle Völker sollen die Heilsbotschaft hören, bevor das Ende kommt. Mar 13:11 Wenn sie euch verhaften und vor Gericht bringen, bleibt ruhig. Ihr braucht euch nicht darum zu sorgen, was ihr aussagen sollt! Zur rechten Zeit wird Gott euch das rechte Wort geben. Denn nicht ihr werdet es sein, die Rede und Antwort stehen, sondern der Heilige Geist wird durch euch sprechen. Mar 13:12 In dieser Zeit wird ein Bruder den anderen dem Henker ausliefern. Väter werden ihre eigenen Kinder anzeigen. Kinder werden gegen ihre Eltern vorgehen und sie sogar töten lassen. Mar 13:13 Alle Welt wird euch hassen, weil ihr euch zu mir bekennt. Aber jeder, der im festen Glauben bis ans Ende durchhält, der wird gerettet. Mar 13:14 Wer das jetzt liest, soll genau auf jedes Wort achten: Wenn ihr das abscheuliche Götzenbild im Tempel seht, das diese heilige Stätte entweiht, dann sollen alle, die sich in Judäa aufhalten, in größter Eile in das Gebirge fliehen. Mar 13:15 Wer sich gerade auf der Terrasse seines Hauses aufhält, soll nicht erst im Haus sein Gepäck für die Flucht zusammensuchen. Mar 13:16 Wer auf dem Feld arbeitet, soll nicht erst nach Hause laufen, um seinen Mantel zu holen. Mar 13:17 Schlimm wird es für die Frauen werden, die ein Kind erwarten, aber auch für Mütter mit Säuglingen. Mar 13:18 Betet deshalb, daß ihr nicht im Winter fliehen müßt. Mar 13:19 Denn es wird eine Notzeit kommen, wie sie die Welt seit der Schöpfung nicht erlebt hat und wie sie auch nie wieder eintreten wird. Mar 13:20 Kein Mensch könnte solche Leiden überstehen, hätte Gott diese Zeit nicht von vornherein verkürzt. Aber seinen Auserwählten zuliebe hat Gott diese Zeit begrenzt. Mar 13:21 Wenn dann jemand zu euch sagt: 'Hier ist der Retter!' oder: 'Dort ist Christus!', glaubt ihm nicht! Mar 13:22 Viele werden sich nämlich als Retter der Welt aufspielen, und falsche Propheten wird es in Hülle und Fülle geben. Dabei kann man diese Menschen nicht so leicht als Schwindler entlarven, denn sie werden erstaunliche Wunder vollbringen, und - wenn es möglich wäre - würden sie sogar Gottes Auserwählte täuschen. Mar 13:23 Deshalb bleibt wachsam! Ich habe euch gewarnt!" Mar 13:24 "Nach dieser großen Schreckenszeit wird sich die Sonne verfinstern und der Mond nicht mehr scheinen. Mar 13:25 Die Sterne werden aus ihrer Bahn geschleudert und die kosmischen Kräfte erschüttert. Mar 13:26 Alle sehen dann den Menschensohn, wie er in göttlicher Macht und Herrlichkeit in den Wolken des Himmels kommt. Mar 13:27 Er wird seine Engel aussenden, und sie bringen Gottes Auserwählte aus allen Teilen der Welt zu ihm. Mar 13:28 Ich will euch das am Beispiel des Feigenbaums erklären: Wenn seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, dann wißt ihr, daß es bald Sommer ist. Mar 13:29 Sobald ihr all diese Dinge kommen seht, könnt ihr sicher sein: Mein Kommen steht unmittelbar bevor. Mar 13:30 Und auch das will ich euch noch sagen: Dieses Volk wird nicht untergehen, bevor das alles eintrifft. Mar 13:31 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte sind für alle Zeiten gültig und vergehen nie." Mar 13:32 "Niemand weiß, wann das Ende kommen wird; weder die Engel im Himmel noch der Sohn Gottes. Die genaue Stunde kennt nur der Vater. Mar 13:33 Darum werdet nicht nachlässig und bleibt wach! Denn ihr wißt nicht, wann es soweit ist. Mar 13:34 Es ist genau wie bei einem Mann, der auf Reisen geht. Bevor er sein Haus verläßt, weist er jedem Angestellten eine bestimmte Arbeit zu und befiehlt dem Pförtner, wachsam zu sein. Mar 13:35 Genauso sollt auch ihr wach bleiben. Ihr wißt ja nicht, wann der Herr kommen wird, ob am Abend oder um Mitternacht, im Morgengrauen oder nach Sonnenaufgang. Mar 13:36 Deshalb sollt ihr zu jeder Stunde auf seine Ankunft vorbereitet sein und nicht etwa schlafen. Mar 13:37 Was ich euch sage, gilt auch für alle anderen Menschen: Ihr müßt immer wach und bereit sein!" Mar 14:1 Es waren nur noch zwei Tage bis zum Passahfest und der Festwoche, in der die Juden nur ungesäuertes Brot essen. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten schon lange nach einer günstigen Gelegenheit, bei der sie Jesus heimlich festnehmen und umbringen lassen konnten. Sie waren sich aber einig: Mar 14:2 "Es darf auf keinen Fall während der Festtage geschehen, damit es nicht zu Unruhen im Volk kommt!" Mar 14:3 Jesus war in Bethanien Gast bei Simon, der früher einmal leprakrank gewesen war. Während der Mahlzeit kam eine Frau. In ihren Händen hatte sie ein Glas mit kostbarem Öl. Sie zerbrach dieses Gefäß und salbte mit dem Öl das Haupt Jesu. Mar 14:4 Darüber regten sich einige Gäste auf: "Was soll diese Verschwendung?" fragten sie verärgert. Mar 14:5 "Dieses Öl ist ein Vermögen wert. Das Geld hätte man lieber den Armen geben sollen!" So machten sie der Frau Vorwürfe. Mar 14:6 Aber Jesus sagte: "Laßt sie in Ruhe! Warum kränkt ihr sie? Was sie für mich getan hat, war gut und richtig. Mar 14:7 Arme, die eure Hilfe nötig haben, wird es immer geben. Ihnen könnt ihr jederzeit helfen. Aber ich bin nicht mehr lange bei euch. Mar 14:8 Diese Frau hat getan, was sie konnte. Mit ihrem Öl hat sie meinen Leib zum Begräbnis vorbereitet. Mar 14:9 Und das ist ganz sicher: Überall in der Welt, wo man Gottes Heilsbotschaft verkünden wird, da wird man auch von dieser Frau sprechen und von dem, was sie getan hat!" Mar 14:10 Anschließend ging Judas Ischarioth, einer von den zwölf Jüngern, zu den Hohenpriestern, weil er Jesus an sie verraten wollte. Mar 14:11 Die Hohenpriester freuten sich darüber und versprachen ihm eine Belohnung. Von da an suchte Judas nach einer günstigen Gelegenheit, um Jesus zu verraten. Mar 14:12 Am ersten Tag des Festes der ungesäuerten Brote, an dem das Passahlamm geschlachtet wurde, fragten die Jünger Jesus: "Wo sollen wir für dich das Passahmahl vorbereiten?" Mar 14:13 "Geht in die Stadt", beauftragte Jesus zwei von ihnen. "Dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Diesem Mann folgt, Mar 14:14 bis er in ein Haus geht. Dem Besitzer des Hauses sollt ihr sagen: 'Unser Herr läßt fragen: Wo ist der Raum, in dem er mit seinen Jüngern das Passahmahl feiern kann?' Mar 14:15 Er wird euch einen großen Raum im Obergeschoß zeigen, der für das Festmahl hergerichtet ist. Bereitet dort alles Weitere vor." Mar 14:16 Die beiden Jünger gingen in die Stadt und fanden alles so vor, wie Jesus es ihnen gesagt hatte, so daß sie das Passahmahl herrichten konnten. Mar 14:17 Am Abend kam Jesus mit den zwölf Jüngern. Mar 14:18 Während sie miteinander aßen, sagte er zu ihnen: "Ich weiß, daß mich einer von euch, der jetzt mit mir ißt, verraten wird!" Mar 14:19 Bestürzt sahen sie einander an, und einer nach dem andern fragte Jesus: "Meinst du mich?" Mar 14:20 "Es ist einer von euch Zwölfen, der jetzt mit mir zusammen ißt. Mar 14:21 Der Menschensohn muß zwar sterben, so wie es die Propheten vorausgesagt haben; aber wehe dem, der zu seinem Verräter wird! Für ihn wäre es besser, er wäre nie geboren worden." Mar 14:22 Noch während sie aßen, nahm Jesus ein Stück Brot, sprach das Dankgebet, teilte das Brot und gab jedem seiner Jünger ein Stück davon: "Nehmt und eßt! Das ist mein Leib!" Mar 14:23 Anschließend nahm er einen Becher Wein, dankte Gott und gab den Becher seinen Jüngern. Sie tranken alle daraus. Mar 14:24 Jesus sagte: "Das ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Es wird zur Vergebung der Sünden vergossen. Mar 14:25 Ich sage euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis ich ihn wieder mit euch im Reich Gottes trinken werde." Mar 14:26 Nachdem sie das Danklied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Mar 14:27 Auf dem Weg zum Ölberg sagte Jesus zu den Jüngern: "Ihr werdet mich alle nicht mehr verstehen können und an mir zweifeln. Schon die Propheten haben gesagt: 'Ich werde der Herde den Hirten nehmen, und die Schafe werden auseinanderlaufen.' Mar 14:28 Aber nach meiner Auferstehung werde ich nach Galiläa gehen, und dort werdet ihr mich wiedersehen." Mar 14:29 Da beteuerte Petrus: "Wenn auch alle anderen an dir zweifeln sollten, ich halte zu dir!" Mar 14:30 "Petrus", erwiderte ihm Jesus, "eins will ich dir sagen: Noch ehe heute nacht der Hahn zweimal kräht, wirst du dreimal behaupten, daß du mich nicht kennst." Mar 14:31 "Ausgeschlossen!" rief Petrus. "Und wenn ich mit dir sterben müßte, würde ich das nicht tun!" Auch die anderen Jünger beteuerten dies. Mar 14:32 Jesus und seine Jünger gingen dann in einen Garten, der Gethsemane heißt. Dort bat er sie: "Bleibt hier und wartet auf mich, bis ich gebetet habe!" Mar 14:33 Petrus, Jakobus und Johannes gingen mit ihm. Grauen und Angst überfielen Jesus. Mar 14:34 "Ich zerbreche beinahe unter der Last, die ich zu tragen habe", sagte er. "Bleibt bei mir und laßt mich nicht allein." Mar 14:35 Jesus ging ein paar Schritte weiter, kniete nieder und betete: "Mein Vater, wenn es möglich ist, so bewahre mich vor diesem Leiden. Mar 14:36 Dir ist alles möglich. Aber nicht, was ich will, sondern was du willst, soll geschehen." Mar 14:37 Dann kam er zu den drei Jüngern zurück und sah, daß sie eingeschlafen waren. Traurig weckte er Petrus: "Simon!" rief er, "schläfst du? Kannst du denn nicht eine einzige Stunde mit mir wachen? Mar 14:38 Bleibt wach und betet, damit ihr die kommenden Tage überstehen könnt. Ich weiß, ihr wollt das Beste, aber aus eigener Kraft könnt ihr es nicht erreichen." Mar 14:39 Noch einmal ließ er sie allein und bat Gott mit den gleichen Worten um Hilfe. Mar 14:40 Als er zurückkam, schliefen die Jünger schon wieder. Die Augen waren ihnen zugefallen, und sie wußten vor Müdigkeit nicht, was sie Jesus sagen sollten. Mar 14:41 Als er zum dritten Mal zu ihnen zurückkehrte, rief er: "Hört auf zu schlafen! Ruht euch ein andermal aus! Jetzt wird der Menschensohn in die Hände der Menschen ausgeliefert. Mar 14:42 Steht auf, laßt uns gehen! Der Verräter ist da!" Mar 14:43 Noch während Jesus sprach, kam Judas, einer von seinen Jüngern, mit vielen Männern, die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet waren. Die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Führer des Volkes hatten sie geschickt. Mar 14:44 Judas hatte mit ihnen vereinbart: "Der Mann, den ich küssen werde, der ist es! Den müßt ihr festnehmen." Mar 14:45 Er ging auf Jesus zu und sagte: "Sei gegrüßt, Meister!" Dann küßte er ihn. Mar 14:46 Sofort packten die Soldaten Jesus und nahmen ihn fest. Mar 14:47 Aber einer von den Männern, die bei Jesus waren, wollte das verhindern. Er zog sein Schwert und schlug einem der Leute des Hohenpriesters das Ohr ab. Mar 14:48 Jesus fragte die Soldaten: "Bin ich denn ein Schwerverbrecher, daß ihr mit Schwertern und Knüppeln gekommen seid, um mich zu verhaften? Mar 14:49 Jeden Tag habe ich öffentlich im Tempel gepredigt. Warum habt ihr mich nicht dort festgenommen? Aber auch dies geschieht, damit sich die Vorhersagen der Propheten erfüllen." Mar 14:50 Entsetzt verließen ihn jetzt alle Jünger und flohen. Mar 14:51 Nur ein junger Mann, der einen leichten Umhang trug, folgte Jesus. Als die Männer versuchten, auch ihn festzunehmen, Mar 14:52 riß er sich los. Die Soldaten blieben mit dem Umhang in den Händen zurück, und der junge Mann konnte nackt entkommen. Mar 14:53 Gleich darauf brachte man Jesus zu dem Hohenpriester, der in dieser Zeit den Vorsitz hatte. Bei ihm waren alle Hohenpriester, Schriftgelehrten und Führer des Volkes versammelt. Mar 14:54 In sicherem Abstand folgte Petrus der Truppe bis in den Innenhof des Palastes. Dort setzte er sich zu den Soldaten und wärmte sich am Feuer. Mar 14:55 Währenddessen versuchten die Hohenpriester und alle Mitglieder des Gerichtshofes durch falsche Zeugenaussagen Jesus so zu belasten, daß sie ihn zum Tode verurteilen konnten. Aber sie fanden nichts. Mar 14:56 Viele Zeugen brachten falsche Anschuldigungen gegen Jesus vor, doch ihre Aussagen widersprachen sich. Mar 14:57 Schließlich erklärten einige Männer: Mar 14:58 "Wir haben gehört, wie dieser Jesus behauptete: 'Ich will den von Menschen gebauten Tempel abreißen und dafür in drei Tagen einen anderen aufbauen; den aber werden keine Menschen errichten.'" Mar 14:59 Doch auch ihre Aussagen waren voller Widersprüche, so daß die Hohenpriester damit nichts anfangen konnten. Mar 14:60 Jetzt erhob sich der Hohepriester, stellte sich mitten unter die hier Versammelten und fragte Jesus: "Was antwortest du darauf? Hast du das gesagt oder nicht?" Mar 14:61 Aber Jesus schwieg. Noch einmal fragte ihn der Hohepriester: "Bist du Christus, der Sohn Gottes?" Mar 14:62 "Ja, der bin ich", antwortete Jesus. "Ihr werdet den Menschensohn an der rechten Seite Gottes sitzen und auf den Wolken des Himmels wiederkommen sehen." Mar 14:63 Empört zerriß der Hohepriester sein Gewand und rief: "Das genügt! Wir brauchen keine weiteren Zeugen. Mar 14:64 Ihr habt ja selber seine Gotteslästerung gehört. Wie lautet euer Urteil?" Einstimmig beschlossen sie: "Er muß zum Tode verurteilt werden." Mar 14:65 Sie begannen, Jesus zu quälen: Einige spuckten ihm in sein Gesicht, verbanden ihm die Augen und schlugen mit den Fäusten auf ihn ein. "Na, du Prophet", verhöhnten sie ihn, "sag uns, wer hat dich geschlagen?" Auch die Männer, die Jesus abführten, schlugen ihn. Mar 14:66 Petrus war immer noch unten im Hof. Eine Dienerin des Hohenpriesters sah ihn am Feuer sitzen. Mar 14:67 "Du gehörst doch auch zu diesem Jesus von Nazareth!" Mar 14:68 Erschreckt behauptete Petrus: "Ich weiß nicht, wovon du redest!" Und schnell ging er hinaus in den Vorhof. Da krähte ein Hahn. Mar 14:69 Aber auch hier erkannte ihn das Mädchen und sagte laut vor allen: "Das ist auch einer von den Leuten, die bei Jesus waren!" Mar 14:70 Heftig bestritt es Petrus auch diesmal. Doch nach einer Weile sagten auch die Umstehenden: "Natürlich gehörst du zu seinen Freunden; du kommst doch auch aus Galiläa!" Mar 14:71 Petrus begann, sich zu verfluchen. "Ich kenne diesen Menschen überhaupt nicht, von dem ihr da redet! Das kann ich beschwören!" Mar 14:72 Da krähte der Hahn zum zweiten Mal. In diesem Augenblick erinnerte sich Petrus, daß Jesus gesagt hatte: "Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen." Und er fing an zu weinen. Mar 15:1 Am frühen Morgen schlossen die Hohenpriester, die Führer des Volkes, die Schriftgelehrten und der ganze Gerichtshof ihre Beratungen ab und trafen ihre Entscheidung. Jesus wurde gefesselt zu Pilatus, dem römischen Gouverneur, gebracht. Mar 15:2 Pilatus fragte ihn: "Bist du der König der Juden?" "Ja", antwortete Jesus, "ich bin es." Mar 15:3 Die Hohenpriester brachten noch andere schwere Anklagen gegen ihn vor. Mar 15:4 "Antworte doch!" forderte ihn Pilatus auf. "Willst du dich nicht verteidigen? Hörst du nicht, wie schwer sie dich beschuldigen?" Mar 15:5 Aber Jesus sagte kein Wort. Darüber wunderte sich Pilatus sehr. Mar 15:6 Nun war es üblich, daß Pilatus jedes Jahr zum Passahfest einen Gefangenen begnadigte, den das Volk selbst auswählen durfte. Mar 15:7 Bei politischen Unruhen war kürzlich jemand ermordet worden. Zusammen mit den Anführern dieses Aufstandes hatte man einen Mann, der Barabbas hieß, gefangengenommen. Mar 15:8 Vor dem Palast des Pilatus forderte jetzt eine große Menschenmenge die Freilassung eines Gefangenen. Mar 15:9 "Was meint ihr? Soll ich euch den 'König der Juden' freigeben?" fragte Pilatus. Mar 15:10 Denn er wußte genau, daß die Hohenpriester das Verfahren gegen Jesus nur aus Neid angezettelt hatten. Mar 15:11 Aber die Hohenpriester hetzten das Volk auf, die Freilassung des Barabbas zu verlangen. Mar 15:12 Pilatus fragte zurück: "Und was soll mit dem Mann geschehen, den man euern König nennt?" Mar 15:13 Da brüllten sie alle: "Ans Kreuz mit ihm!" Mar 15:14 "Warum denn? Was hat er getan?" fragte Pilatus. Doch ununterbrochen schrie die Menge: "Ans Kreuz mit ihm!" Mar 15:15 Weil Pilatus sich fürchtete, gegen diese aufgebrachte Volksmenge zu entscheiden, gab er Barabbas frei. Jesus aber ließ er auspeitschen und zur Kreuzigung abführen. Mar 15:16 Die römischen Soldaten brachten Jesus in den Hof des Palastes. Dort riefen sie die ganze Mannschaft zusammen. Mar 15:17 Sie zogen ihm einen roten Mantel an, damit er wie ein König aussehen sollte, flochten einen Kranz aus Dornenzweigen und drückten ihm den als Krone auf den Kopf. Mar 15:18 Dann nahmen sie Haltung an und grüßten Jesus voller Hohn: "Es lebe der König der Juden!" Mar 15:19 Mit einem Stock schlugen sie Jesus auf den Kopf, spuckten ihn an und knieten vor ihm nieder, um ihn zu verspotten. Mar 15:20 Als sie davon genug hatten, zogen sie ihm den roten Mantel wieder aus und gaben ihm seine eigenen Kleider zurück. Jetzt führten sie ihn zur Kreuzigung ab. Mar 15:21 Unterwegs begegnete ihnen Simon aus Kyrene, der Vater von Alexander und Rufus. Simon kam gerade von seinem Feld zurück, als ihn die Soldaten zwangen, das Kreuz zu tragen. Mar 15:22 Sie brachten Jesus nach Golgatha; das bedeutet Schädelstätte. Mar 15:23 Dort wollten die Soldaten ihm ein betäubendes Getränk geben: Wein mit Myrrhe. Aber Jesus wollte nichts davon trinken. Mar 15:24 Dann nagelten sie ihn an das Kreuz. Seine Kleider verlosten sie unter sich. Mar 15:25 Es war neun Uhr morgens, als sie ihn kreuzigten. Mar 15:26 Über ihm wurde ein Schild angebracht, auf dem man lesen konnte, weshalb er verurteilt worden war. Darauf stand: "Der König der Juden!" Mar 15:27 Mit Jesus wurden zwei Verbrecher gekreuzigt, einer rechts, der andere links von ihm. Mar 15:28 Damit erfüllte sich die Vorhersage des Propheten Jesaja: "Er wurde zu den Verbrechern gezählt." Mar 15:29 Die Leute, die am Kreuz vorübergingen, beschimpften ihn und spotteten: "So! Den Tempel wolltest du zerstören und ihn in drei Tagen wieder aufbauen? Mar 15:30 Jetzt rette dich selber und komm vom Kreuz herunter!" Mar 15:31 Auch die Hohenpriester und die Schriftgelehrten standen voller Schadenfreude unter dem Kreuz und verhöhnten Jesus: "Anderen hat er geholfen, aber sich selbst kann er nicht helfen! Mar 15:32 Dieser Messias, dieser König von Israel, soll er doch vom Kreuz heruntersteigen! Dann wollen wir an ihn glauben!" Ebenso verspotteten ihn die beiden Männer, die mit ihm gekreuzigt worden waren. Mar 15:33 Am Mittag wurde es plötzlich im ganzen Land dunkel. Diese Finsternis dauerte drei Stunden. Mar 15:34 Gegen drei Uhr rief Jesus laut: "Eli, Eli, lama sabachthani?" Das heißt: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Mar 15:35 Einige von den Leuten, die dabeistanden, meinten: "Er ruft den Propheten Elia." Mar 15:36 Einer von ihnen tauchte sofort einen Schwamm in Essig und steckte ihn auf einen Stab, um Jesus davon trinken zu lassen. "Wir wollen doch sehen, ob Elia kommt und ihn herunterholt!" sagte er. Mar 15:37 Aber Jesus schrie laut auf und starb. Mar 15:38 In demselben Augenblick zerriß im Tempel der Vorhang vor dem Allerheiligsten von oben bis unten. Mar 15:39 Erschüttert bekannte der römische Hauptmann, der neben dem Kreuz stand und mitangesehen hatte, wie Jesus starb: "Dieser Mann ist wirklich Gottes Sohn gewesen!" Mar 15:40 Einige Frauen hatten alles, was geschah, aus der Ferne beobachtet. Unter ihnen waren Maria aus Magdala und Maria, die Mutter von Jakobus dem Jüngeren und von Joses, sowie Salome. Mar 15:41 Sie waren schon in Galiläa bei Jesus gewesen und hatten für ihn gesorgt. Zusammen mit vielen anderen waren sie mit Jesus nach Jerusalem gekommen. Mar 15:42 Am Abend ging Joseph von Arimathia, ein geachtetes Mitglied des Hohen Rates, zu Pilatus. Mar 15:43 Joseph wartete auf das Kommen des Reiches Gottes. Weil am nächsten Tag Sabbat war, entschloß er sich, Pilatus schon jetzt um den Leichnam Jesu zu bitten. Mar 15:44 Pilatus wollte nicht glauben, daß Jesus schon gestorben war. Darum rief er den Hauptmann und erkundigte sich: "Lebt Jesus tatsächlich nicht mehr?" Mar 15:45 Als der Hauptmann das bestätigte, überließ er Joseph von Arimathia den Leichnam. Mar 15:46 Joseph kaufte ein großes Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes. Mar 15:47 Maria aus Magdala und Maria, die Mutter von Joses, beobachteten, wohin er Jesus legte. Mar 16:1 Nachdem der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Salome und Maria, die Mutter von Jakobus, Öle und Salben, um den Toten einzubalsamieren. Mar 16:2 Früh am Sonntagmorgen, gerade als die Sonne aufging, kamen die Frauen zum Grab. Mar 16:3 Schon unterwegs hatten sie sich besorgt gefragt: "Wie werden wir nur den schweren Stein von der Grabkammer wegrollen können?" Mar 16:4 Um so erstaunter waren sie, als sie merkten, daß der Stein nicht mehr vor dem Grab lag. Mar 16:5 Sie betraten die Grabkammer, und da sahen sie auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der ein langes weißes Gewand trug. Die Frauen erschraken sehr. Mar 16:6 Aber der Mann sagte zu ihnen: "Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden. Seht her, an dieser Stelle hat er gelegen. Mar 16:7 Und nun geht zu seinen Jüngern und zu Petrus, und sagt ihnen, daß Jesus euch nach Galiläa vorausgehen wird. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch versprochen hat." Mar 16:8 Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Angst und Entsetzen hatte sie erfaßt. Sie redeten mit niemandem darüber, so erschrocken waren sie. Mar 16:9 Jesus war am Sonntagmorgen von den Toten auferstanden und erschien zuerst der Maria aus Magdala, die er von sieben Dämonen befreit hatte. Mar 16:10 Sie lief zu den Jüngern, die um Jesus trauerten und weinten, Mar 16:11 und berichtete ihnen: "Jesus lebt! Ich habe ihn gesehen!" Aber sie glaubten ihr nicht. Mar 16:12 Danach erschien er zwei von ihnen in einer anderen Gestalt, als sie unterwegs waren. Mar 16:13 Sie kamen voller Aufregung nach Jerusalem zurück, um es den anderen zu berichten. Aber auch ihnen glaubten sie nicht. Mar 16:14 Wenig später erschien Jesus den elf Jüngern, während sie gemeinsam aßen. Er wies sie zurecht, weil sie in ihrem Unglauben und Starrsinn nicht einmal denen glauben wollten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten. Mar 16:15 Dann sagte er zu ihnen: "Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet allen Menschen die Heilsbotschaft. Mar 16:16 Denn wer glaubt und sich taufen läßt, der wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubt, der wird verurteilt werden. Mar 16:17 Die Glaubenden aber werde ich durch folgende Zeichen bestätigen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben und in neuen Sprachen reden. Mar 16:18 Gefährliche Schlangen und tödliches Gift werden ihnen nicht schaden. Den Kranken werden sie die Hände auflegen und sie heilen." Mar 16:19 Nachdem Jesus, der Herr, das gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und nahm den Platz an Gottes Seite ein. Mar 16:20 Die Jünger aber zogen hinaus und verkündeten überall die Heilsbotschaft. Der Herr war mit ihnen und bestätigte ihr Wort durch Zeichen seiner Macht. Luk 1:1 Lieber Theophilus! Schon viele Leute haben versucht, all das aufzuschreiben, was bei uns geschehen ist, Luk 1:2 so, wie es die Augenzeugen berichtet haben, die von Anfang an dabei waren. Ihnen hat Gott den Auftrag gegeben, die Heilsbotschaft weiterzusagen. Luk 1:3 Nun habe auch ich mich sehr darum bemüht, alles von Anfang an genau zu erfahren. Ich will es dir, lieber Theophilus, jetzt der Reihe nach berichten. Luk 1:4 Du wirst merken, daß alles, was man dir über Jesus erzählt hat, richtig und wahr ist. Luk 1:5 Als Herodes König von Judäa war, lebte dort der Priester Zacharias. Er gehörte zur Dienstgruppe Abia. Seine Frau Elisabeth stammte aus der Familie Aarons. Luk 1:6 Beide lebten so, wie es Gott gefällt. Sie hielten sich genau an seine Gebote und Ordnungen. Luk 1:7 Ihre Ehe war kinderlos geblieben, denn Elisabeth konnte keine Kinder bekommen, und beide waren inzwischen alt geworden. Luk 1:8 Wieder einmal hatte die Gruppe Abia Tempeldienst. Luk 1:9 Wie üblich wurde ausgelost, wer zur Ehre Gottes im Tempel den Weihrauch anzünden sollte. Das Los fiel auf Zacharias. Luk 1:10 Er betrat den Tempel, während die Volksmenge draußen betete. Luk 1:11 Plötzlich stand auf der rechten Seite des Rauchopferaltars ein Engel Gottes. Luk 1:12 Zacharias erschrak und fürchtete sich. Luk 1:13 Doch der Engel sagte zu ihm: "Fürchte dich nicht, Zacharias! Gott hat dein Gebet erhört. Deine Frau Elisabeth wird bald einen Sohn bekommen. Gib ihm den Namen Johannes! Luk 1:14 Nicht nur du wirst über dieses Kind froh und glücklich sein; auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen. Luk 1:15 Gott wird ihm eine große Aufgabe übertragen. Er wird weder Wein noch andere alkoholische Getränke zu sich nehmen. Schon vor seiner Geburt wird er mit dem Heiligen Geist erfüllt sein, Luk 1:16 und er wird viele in Israel zu Gott, ihrem Herrn, zurückbringen. Luk 1:17 Entschlossen und stark wie der Prophet Elia wird er das Kommen des Messias vorbereiten: Wie die Väter werden auch die Söhne wieder Gott dienen und die Ungehorsamen wieder Gottes Willen erfüllen. Das ganze Volk wird bereit sein, den Herrn zu empfangen." Luk 1:18 "Wie ist so etwas möglich?" fragte Zacharias erstaunt den Engel. "Ich bin ein alter Mann, und auch meine Frau ist alt!" Luk 1:19 Der Engel antwortete: "Ich bin Gabriel und stehe unmittelbar vor Gott als sein Diener. Er gab mir den Auftrag, dir diese Nachricht zu überbringen. Luk 1:20 Aber weil du mir nicht geglaubt hast, sollst du stumm sein, bis geschieht, was ich gesagt habe. Dann wirst du sehen, daß alles wahr ist." Luk 1:21 Inzwischen wartete die Menschenmenge draußen auf Zacharias. Alle wunderten sich, daß er so lange im Tempel blieb. Luk 1:22 Als er endlich herauskam, konnte er nicht mehr reden. Daran erkannten sie, daß Gott in besonderer Weise zu ihm gesprochen haben mußte. Zacharias versuchte, die Menschen mit einem Segenswunsch zu entlassen; aber er blieb stumm. Luk 1:23 Er verrichtete noch den vorgeschriebenen Dienst im Tempel und ging dann nach Hause. Luk 1:24 Nur wenig später erwartete seine Frau Elisabeth ein Kind. Sie blieb fünf Monate lang in ihrer Wohnung. Luk 1:25 "Ich bin Gott so dankbar", sagte sie, "daß ich doch noch ein Kind bekomme. Nun kann mich niemand mehr verachten, weil ich keine Kinder habe." Luk 1:26 Elisabeth war im sechsten Monat schwanger, als Gott den Engel Gabriel zu einem Mädchen nach Nazareth schickte, einer Stadt in Galiläa. Luk 1:27 Das Mädchen hieß Maria und war mit Joseph, einem Nachkommen des großen Königs David, verlobt. Luk 1:28 Der Engel kam zu ihr und sagte: "Sei gegrüßt, Maria! Gott will dich beschenken. Er hat dich unter allen Frauen auserwählt." Luk 1:29 Maria fragte sich erschrocken, was diese seltsamen Worte bedeuten könnten. Luk 1:30 "Hab keine Angst, Maria", redete der Engel weiter. "Gott liebt dich und hat etwas Besonderes mit dir vor. Luk 1:31 Du wirst ein Kind erwarten und einen Sohn zur Welt bringen. Jesus soll er heißen. Luk 1:32 Er wird mächtig sein, und man wird ihn Gottes Sohn nennen. Die Königsherrschaft Davids wird er weiterführen Luk 1:33 und die Nachkommen Jakobs für immer regieren. Seine Herrschaft wird kein Ende haben." Luk 1:34 "Wie kann das geschehen?" fragte Maria den Engel. "Ich bin doch gar nicht verheiratet." Luk 1:35 Der Engel antwortete ihr: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft Gottes wird sich an dir zeigen. Darum wird dieses Kind auch heilig sein und Sohn Gottes genannt werden. Luk 1:36 Selbst Elisabeth, deine Verwandte, von der man sagt, daß sie keine Kinder bekommen kann, ist jetzt im sechsten Monat schwanger. Sie wird in ihrem hohen Alter einen Sohn zur Welt bringen. Luk 1:37 Für Gott ist nichts unmöglich." Luk 1:38 "Ich will mich Gott ganz zur Verfügung stellen", erwiderte Maria. "Alles soll so geschehen, wie du es mir gesagt hast." Darauf verließ sie der Engel. Luk 1:39 Maria entschloß sich, so schnell wie möglich Elisabeth zu besuchen, die mit ihrem Mann Zacharias in einer kleinen Stadt in den Bergen Judäas wohnte. Luk 1:40 Sie betrat das Haus und begrüßte Elisabeth. Luk 1:41 Als Elisabeth die Stimme Marias hörte, bewegte sich das Kind in ihr, und - erfüllt vom Heiligen Geist - rief sie: Luk 1:42 "Dich hat Gott gesegnet, mehr als alle anderen Frauen, dich und dein Kind! Luk 1:43 Womit habe ich verdient, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt! Luk 1:44 Als ich deine Stimme hörte, hüpfte das Kind in mir vor Freude. Luk 1:45 Wie glücklich kannst du sein, weil du geglaubt hast! Was Gott dir angekündigt hat, wird geschehen." Luk 1:46 Da lobte Maria Gott: "Von ganzem Herzen preise ich den Herrn. Luk 1:47 Ich bin glücklich über Gott, meinen Retter. Luk 1:48 Er hat mich - eine geringe und unbedeutende Frau - zu Großem berufen. Zu allen Zeiten wird man mich glücklich preisen, Luk 1:49 denn Gott hat große Dinge an mir getan, er, der mächtig und heilig ist! Luk 1:50 Ohne Ende kümmert er sich in seiner Barmherzigkeit um alle, die ihn fürchten. Luk 1:51 Unübersehbar handelt Gott in der Welt. Die Stolzen bekommen seine Macht zu spüren. Luk 1:52 Er stürzt Herrscher von ihrem Thron, doch Unterdrückte richtet er auf. Luk 1:53 Die Hungrigen beschenkt er mit Gütern, und die Reichen schickt er mit leeren Händen weg. Luk 1:54 Seine Barmherzigkeit hat er uns zugesagt, ja, er wird seinem Volk Israel helfen. Luk 1:55 So hat er es unseren Vätern, Abraham und seinen Nachkommen, für immer verheißen." Luk 1:56 Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabeth und kehrte dann nach Hause zurück. Luk 1:57 Für Elisabeth kam die Stunde der Geburt, und sie brachte einen Sohn zur Welt. Luk 1:58 Als Nachbarn und Verwandte hörten, daß Gott so barmherzig zu ihr gewesen war, freuten sie sich mit ihr. Luk 1:59 Nach acht Tagen wurde das Kind zur Beschneidung gebracht. Dabei sollte es den gleichen Namen bekommen wie sein Vater: Zacharias. Luk 1:60 Doch Elisabeth widersprach: "Nein, er soll Johannes heißen!" Luk 1:61 "Aber keiner in deiner Verwandtschaft heißt so!" wandten die andern ein. Luk 1:62 Sie winkten dem Vater und fragten ihn: "Wie soll dein Sohn heißen?" Luk 1:63 Zacharias ließ sich eine Tafel geben und schrieb darauf: "Sein Name ist Johannes." Darüber wunderten sich alle. Luk 1:64 Von diesem Augenblick an konnte Zacharias wieder sprechen, und er lobte Gott. Luk 1:65 Überall, wo man davon hörte - und im ganzen Bergland von Judäa wurde darüber gesprochen -, erschraken die Leute. Luk 1:66 Nachdenklich fragten sie sich: "Was wird aus diesem Kind noch werden? Gott hat bestimmt etwas Besonderes mit ihm vor." Luk 1:67 Erfüllt vom Heiligen Geist, verkündete Zacharias, der Vater von Johannes, was Gott ihm gezeigt hatte: Luk 1:68 "Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Er ist zu unserem Volk gekommen und hat es befreit. Luk 1:69 Aus dem Königshause seines Dieners David hat er uns den starken Retter geschickt. Luk 1:70 So hatten es seine heiligen Propheten schon vor langer Zeit verkündet: Luk 1:71 Er wird uns von unseren Feinden erretten und aus der Hand aller Menschen, die uns hassen. Luk 1:72 Gott war mit unseren Vorfahren barmherzig. Er vergißt seinen heiligen Bund nicht, Luk 1:73 den Eid, den er unserem Vater Abraham geschworen hat und der auch für uns gilt. Luk 1:74 Er befreit uns aus der Hand unserer Feinde, damit wir ihm ohne Furcht unser Leben lang dienen, Luk 1:75 als Menschen, die ihm gehören und nach seinem Willen leben. Luk 1:76 Und dich, mein Sohn, wird man einen Propheten des Höchsten nennen. Du wirst vor dem Herrn hergehen und sein Kommen vorbereiten. Luk 1:77 Seinem Volk wirst du zeigen, daß es durch die Vergebung seiner Sünden gerettet wird. Luk 1:78 Gott vergibt uns, weil seine Barmherzigkeit so groß ist. Aus der Höhe kommt sein Licht zu uns. Luk 1:79 Dieses Licht wird allen Menschen leuchten, die in Nacht und Todesfurcht leben; es wird uns auf den Weg des Friedens führen." Luk 1:80 Johannes wuchs heran und lernte Gottes Willen immer besser verstehen. Als junger Mann zog er sich in die Einsamkeit der Wüste zurück bis zu dem Tag, an dem er öffentlich vor dem Volk Israel auftrat. Luk 2:1 In dieser Zeit befahl der Kaiser Augustus, daß alle Bewohner des römischen Reiches namentlich in Listen erfaßt werden sollten. Luk 2:2 Eine solche Volkszählung hatte es noch nie gegeben. Sie wurde durchgeführt, als Quirinius Gouverneur in Syrien war. Luk 2:3 Jeder mußte in die Stadt gehen, aus der er stammte, um sich dort eintragen zu lassen. Luk 2:4 Weil Joseph ein Nachkomme Davids war, der in Bethlehem geboren wurde, reiste er von Nazareth in Galiläa nach Bethlehem in Judäa. Luk 2:5 Joseph mußte sich dort einschreiben lassen, zusammen mit seiner jungen Frau Maria, die ein Kind erwartete. Luk 2:6 Als sie in Bethlehem waren, brachte Maria ihr erstes Kind - einen Sohn - zur Welt. Luk 2:7 Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe im Stall, weil sie in dem Gasthaus keinen Platz bekommen hatten. Luk 2:8 In dieser Nacht bewachten draußen auf dem Feld einige Hirten ihre Herden. Luk 2:9 Plötzlich trat ein Engel Gottes zu ihnen, und Gottes Licht umstrahlte sie. Die Hirten erschraken sehr, Luk 2:10 aber der Engel sagte: "Fürchtet euch nicht! Ich bringe euch die größte Freude für alle Menschen: Luk 2:11 Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr. Luk 2:12 Und daran werdet ihr ihn erkennen: Das Kind liegt, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe!" Luk 2:13 Auf einmal waren sie von unzähligen Engeln umgeben, die Gott lobten: Luk 2:14 "Gott im Himmel gehört alle Ehre; denn er hat den Frieden auf die Erde gebracht für alle, die bereit sind, seinen Frieden anzunehmen." Luk 2:15 Nachdem die Engel sie verlassen hatten, beschlossen die Hirten: "Kommt, wir gehen nach Bethlehem. Wir wollen sehen, was dort geschehen ist und wovon Gottes Engel gesprochen hat." Luk 2:16 Sie machten sich sofort auf den Weg und fanden Maria und Joseph und das Kind, das in der Futterkrippe lag. Luk 2:17 Als sie das Kind sahen, erzählten die Hirten, was ihnen der Engel gesagt hatte. Luk 2:18 Und alle, die ihren Bericht hörten, waren darüber sehr erstaunt. Luk 2:19 Maria aber merkte sich jedes Wort und dachte immer wieder darüber nach. Luk 2:20 Dann kehrten die Hirten zu ihren Herden zurück. Sie lobten und dankten Gott für das, was sie in dieser Nacht erlebt hatten. Alles war genau so, wie der Engel es ihnen gesagt hatte. Luk 2:21 Bei der Beschneidung acht Tage später gab man dem Kind den Namen Jesus. Dies war der Name, den der Engel nannte, noch ehe Maria das Kind empfangen hatte. Luk 2:22 Als die Zeit der "Reinigung" vorüber war, wie sie Mose im Gesetz nach der Geburt eines Kindes vorschreibt, brachten Joseph und Maria das Kind nach Jerusalem, um es Gott zu weihen. Luk 2:23 Im Gesetz heißt es ausdrücklich: "Jeder erste Sohn der Familie und jedes erstgeborene männliche Tier sollen dem Herrn gehören." Luk 2:24 Und sie brachten auch ihr Opfer. Das Gesetz verlangte: zwei Turteltauben oder zwei andere Tauben. Luk 2:25 In Jerusalem wohnte ein Mann, der Simeon hieß. Er lebte so, wie Gott es haben will, hielt sich genau an seine Gebote und wartete voller Sehnsucht auf den Retter Israels. Simeon war erfüllt von Gottes Heiligem Geist. Luk 2:26 Durch ihn wußte er, daß er nicht sterben würde, bevor er Christus, den Retter, gesehen hätte. Luk 2:27 Vom Heiligen Geist dazu gedrängt, war er an diesem Tag in den Tempel gegangen. Als Maria und Joseph das Kind hereinbrachten, um es Gott zu weihen, Luk 2:28 nahm Simeon es in seine Arme und lobte Gott: Luk 2:29 "Herr, jetzt kann ich in Frieden sterben. Luk 2:30 Denn ich habe den Befreier gesehen, Luk 2:31 den du der ganzen Welt gegeben hast. Luk 2:32 Er ist das Licht für alle Völker, und er wird der Ruhm für dein Volk Israel sein." Luk 2:33 Maria und Joseph wunderten sich über seine Worte. Luk 2:34 Simeon segnete sie und sagte dann zu Maria: "An diesem Kind wird sich das Leben vieler Menschen in Israel entscheiden; Luk 2:35 denn es wird entweder ihr Richter oder ihr Retter sein. Viele werden sich ihm leidenschaftlich widersetzen und dadurch zeigen, daß sie gegen Gott sind. Der Schmerz darüber wird dir wie ein Schwert durchs Herz dringen." Luk 2:36 An diesem Tag hielt sich auch die alte Prophetin Hanna im Tempel auf, eine Tochter Phanuels aus dem Stamm Asser. Sie war nur sieben Jahre verheiratet gewesen, Luk 2:37 seit langer Zeit Witwe und nun eine alte Frau von vierundachtzig Jahren. Hanna verließ den Tempel nur noch selten. Um Gott zu dienen, betete und fastete sie Tag und Nacht. Luk 2:38 Während Simeon noch mit Maria und Joseph sprach, trat sie hinzu und begann ebenfalls, Gott zu loben. Allen, die auf die Befreiung Jerusalems warteten, erzählte sie von diesem Kind. Luk 2:39 Nachdem Joseph und Maria alle Vorschriften des Gesetzes erfüllt hatten, kehrten sie nach Nazareth in Galiläa zurück. Luk 2:40 Das Kind wuchs heran, erfüllt mit göttlicher Weisheit. Alle konnten sehen, daß Gottes Segen auf ihm ruhte. Luk 2:41 Jahr für Jahr gingen Joseph und Maria zum Passahfest nach Jerusalem. Luk 2:42 Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie ihn zum ersten Mal mit. Luk 2:43 Nach den Festtagen machten sich die Eltern wieder auf den Heimweg. Doch ohne daß sie es bemerkten, blieb Jesus in Jerusalem. Am ersten Tag ihrer Rückreise vermißten sie ihn nicht, Luk 2:44 weil sie dachten: Er wird mit Verwandten oder Freunden gegangen sein. Luk 2:45 Als sie ihn aber dort nicht fanden, kehrten sie besorgt um und suchten ihn überall in Jerusalem. Luk 2:46 Endlich, nach drei Tagen, entdeckten sie Jesus im Tempel. Er saß bei den Schriftgelehrten, hörte ihnen aufmerksam zu und stellte Fragen. Luk 2:47 Alle wunderten sich über sein Wissen und seine Antworten. Luk 2:48 Die Eltern waren fassungslos, als sie ihn dort fanden. "Kind", fragte ihn Maria, "wie konntest du uns nur so etwas antun? Wir haben dich überall verzweifelt gesucht!" Luk 2:49 "Warum habt ihr mich gesucht?" erwiderte Jesus. "Ihr hättet doch wissen müssen, daß ich dort sein muß, wo es um Gottes Sache geht." Luk 2:50 Doch sie begriffen nicht, was er damit meinte. Luk 2:51 Dann kehrten sie gemeinsam nach Nazareth zurück, und Jesus war seinen Eltern gehorsam. Seine Mutter aber vergaß nichts von dem, was sie erlebt hatte. Luk 2:52 So wuchs Jesus heran. Sein Wissen und sein Verständnis nahmen zu. Die Menschen liebten ihn und erkannten: Gott hat etwas Besonderes mit ihm vor. Luk 3:1 Es war im fünfzehnten Regierungsjahr des Kaisers Tiberius. Pontius Pilatus verwaltete als Gouverneur die Provinz Judäa; Herodes herrschte als Fürst über Galiläa, sein Bruder Philippus über Ituräa und Trachonitis, und Lysanias regierte in Abilene; Luk 3:2 Hannas und später Kaiphas waren die Hohenpriester. Da erreichte Gottes Auftrag Johannes, den Sohn des Zacharias, der in der Wüste lebte. Luk 3:3 Johannes verließ die Wüste und zog durch das ganze Gebiet am Jordan. Überall forderte er die Leute auf: "Ändert euch von Grund auf! Kehrt um zu Gott, und laßt euch als Zeichen dafür taufen. Dann wird euch Gott eure Sünden vergeben!" Luk 3:4 So erfüllte sich, was im Buch des Propheten Jesaja steht: "Ich höre jemanden in der Wüste rufen: Luk 3:5 'Macht den Weg frei für den Herrn! Räumt alle Hindernisse weg, damit er kommen kann! Jedes Tal soll aufgefüllt, jeder Berg und Hügel abgetragen werden, krumme Wege sollen begradigt und holprige Wege zu guten Straßen werden! Luk 3:6 Dann werden wir alle den von Gott gesandten Retter sehen!'" Luk 3:7 Der Menschenmenge, die gekommen war, um sich taufen zu lassen, rief Johannes zu: "Ihr Teufelspack! Glaubt ihr etwa, daß ihr dem kommenden Gericht Gottes entrinnen werdet? Luk 3:8 Beweist erst einmal durch eure Taten, daß ihr wirklich zu Gott umgekehrt seid! Ihr sagt: 'Abraham ist unser Vater!' und wollt euch damit herausreden. Das wird euch gar nichts helfen! Selbst aus diesen Steinen hier kann Gott Nachkommen Abrahams machen. Luk 3:9 Es ist jetzt allerhöchste Zeit zur Umkehr; denn die Axt ist schon erhoben, um die Bäume an der Wurzel abzuschlagen. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen." Luk 3:10 Da wollten die Leute wissen: "Was sollen wir denn tun?" Luk 3:11 Johannes antwortete: "Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der keins besitzt. Und wer etwas zu essen hat, soll seine Mahlzeit mit Hungrigen teilen." Luk 3:12 Es kamen auch Zolleinnehmer, die sich taufen lassen wollten. Sie fragten: "Und wir? Wie sollen wir uns verhalten?" Luk 3:13 Johannes wies sie an: "Verlangt nur so viel Zollgebühren, wie ihr fordern dürft!" Luk 3:14 "Und was sollen wir tun?" erkundigten sich einige Soldaten. "Plündert und erpreßt niemand! Seid zufrieden mit eurem Sold", antwortete ihnen Johannes. Luk 3:15 Die Leute ahnten, daß bald etwas geschehen würde, und sie fragten sich, ob nicht Johannes der ersehnte Befreier sei. Luk 3:16 Doch Johannes erklärte öffentlich: "Ich taufe euch mit Wasser, aber nach mir wird einer kommen, der ist größer als ich. Ich bin nicht einmal würdig, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Luk 3:17 Schon hat er die Schaufel in der Hand, mit der er die Spreu vom Weizen trennt. Den Weizen wird er in seine Scheune bringen, aber die Spreu mit Feuer verbrennen, das niemand löschen kann." Luk 3:18 In vielen Reden verkündete Johannes den Menschen die Heilsbotschaft Gottes und forderte sie auf umzukehren. Luk 3:19 Mit scharfen Worten griff er auch Herodes an, den Fürsten von Galiläa. Herodes lebte mit Herodias zusammen, der Frau seines Bruders. Er schreckte vor keinem Verbrechen zurück. Luk 3:20 Schließlich ging er so weit, daß er Johannes ins Gefängnis werfen ließ. Luk 3:21 Als Johannes wieder einmal viele Menschen taufte, kam auch Jesus und ließ sich taufen. Während er betete, öffnete sich der Himmel, Luk 3:22 und der Heilige Geist kam, wie eine Taube, sichtbar auf ihn herab. Gleichzeitig sprach eine Stimme vom Himmel: "Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Freude habe." Luk 3:23 Jesus begann seine große Aufgabe, als er ungefähr dreißig Jahre alt war. Die Leute kannten ihn als den Sohn Josephs. Josephs Vater war Eli, und dessen Vorfahren waren: Luk 3:24 Mattat, Levi, Melchi, Jannai, Luk 3:25 Joseph, Mattathias, Amos, Nahum, Luk 3:26 Hesli, Naggai, Mahat, Mattathias, Simei, Josech, Luk 3:27 Joda, Johanan, Resa, Serubabel, Schealthiel, Luk 3:28 Neri, Melchi, Addi, Kosam, Elmadam, Luk 3:29 Ger, Jesus, Elieser, Jorim, Mattat, Levi, Luk 3:30 Simeon, Juda, Joseph, Jonam, Luk 3:31 Eljakim, Melea, Menna, Mattatha, Nathan, Luk 3:32 David, Isai, Obed, Boas, Salmon, Luk 3:33 Nachschon, Amminadab, Admin, Arni, Hezron, Perez, Luk 3:34 Juda, Jakob, Isaak, Abraham, Tharah, Luk 3:35 Nahor, Serug, Regu, Peleg, Eber, Luk 3:36 Schelach, Kenan, Arpachschad, Sem, Noah, Luk 3:37 Lamech, Metuschelach, Henoch, Jared, Mahalaleel, Kenan, Luk 3:38 Enosch, Seth. Seth war ein Sohn Adams, und Adam wurde von Gott geschaffen. Luk 4:1 Erfüllt vom Heiligen Geist, kam Jesus vom Jordan zurück. Und der Geist Gottes führte ihn in die Wüste, Luk 4:2 wo er sich vierzig Tage aufhielt. Dort war er den Versuchungen des Teufels ausgesetzt. Jesus aß nichts während dieser ganzen Zeit, und der Hunger quälte ihn. Luk 4:3 Da forderte ihn der Teufel auf: "Wenn du Gottes Sohn bist, dann mach doch Brot aus diesem Stein!" Luk 4:4 Aber Jesus wehrte ab: "Nein, denn es steht in der Heiligen Schrift: 'Der Mensch lebt nicht allein von Brot, sondern von allem, was der Herr ihm zusagt.'" Luk 4:5 Dann führte ihn der Teufel auf einen hohen Berg und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Welt Luk 4:6 und bot sie Jesus an: "Alle Macht über diese Welt und ihre Herrlichkeit will ich dir geben; denn mir gehört die Welt, und ich schenke sie, wem ich will. Luk 4:7 Wenn du vor mir niederkniest und mich anbetest, wird das alles dir gehören." Luk 4:8 Wieder wehrte Jesus ab: "Nein! Denn Gott verlangt in der Heiligen Schrift von uns: 'Du sollst allein Gott anbeten und nur ihm gehorchen!'" Luk 4:9 Jetzt nahm ihn der Teufel mit nach Jerusalem und stellte ihn auf die höchste Stelle der Tempelmauer. "Spring hinunter!" forderte er Jesus auf. "Du bist doch Gottes Sohn! Luk 4:10 Es steht geschrieben: 'Gott wird seinen Engeln befehlen, dich zu beschützen. Luk 4:11 Sie werden dich auf Händen tragen, und du wirst dich nicht einmal an einem Stein verletzen!'" Luk 4:12 Aber Jesus wies ihn auch diesmal zurück: "Es steht geschrieben: 'Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht herausfordern!'" Luk 4:13 Nachdem der Teufel mit seinen Versuchungen gescheitert war, verließ er Jesus für einige Zeit. Luk 4:14 Mit der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt, kehrte Jesus nach Galiläa zurück. Schon bald sprach man überall von ihm. Luk 4:15 Er predigte in den Synagogen so überzeugend, daß alle mit größter Hochachtung von ihm redeten. Luk 4:16 Eines Tages kam Jesus wieder in seine Heimatstadt Nazareth. Am Sabbat ging er wie gewohnt in die Synagoge. Luk 4:17 Als er aufstand, um aus der Heiligen Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Jesus las: Luk 4:18 "Mit mir ist der Geist des Herrn, weil er mich berufen hat. Er hat mich beauftragt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen. Den Gefangenen soll ich die Freiheit verkünden, den Blinden sagen, daß sie sehen werden, und den Unterdrückten, daß sie bald von jeder Gewalt befreit sein sollen. Luk 4:19 Jetzt erläßt Gott alle Schuld." Luk 4:20 Jesus schloß das Buch, gab es zurück und setzte sich. Alle warteten gespannt darauf, was er dazu sagen würde. Er begann: Luk 4:21 "Heute hat sich diese Voraussage des Propheten erfüllt." Luk 4:22 Während er sprach, konnte ihm die ganze Gemeinde nur zustimmen. Sie staunten alle über seine eindrückliche Rede und meinten: "Man kann es kaum glauben, daß er der Sohn des Zimmermanns ist!" Luk 4:23 Jesus redete weiter: "Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: 'Arzt, hilf dir selbst! In Kapernaum hast du große Wunder getan. Zeig auch hier, was du kannst!' Luk 4:24 Aber ihr wißt doch: Keinem Propheten glaubt man in seiner Heimatstadt. Luk 4:25 Denkt an Elia! Damals gab es genug Witwen in Israel, die Hilfe brauchten; denn es hatte dreieinhalb Jahre nicht geregnet, und alle Menschen im Land hungerten. Luk 4:26 Aber nicht zu ihnen wurde Elia geschickt, sondern zu einer heidnischen Witwe in Zarpath bei Sidon. Luk 4:27 Oder erinnert euch an den Propheten Elisa! Es gab unzählige Aussätzige in Israel, aber von ihnen wurde keiner geheilt. Naeman, der heidnische Syrer, war der einzige." Luk 4:28 Das war den Zuhörern zuviel. Wütend sprangen sie auf Luk 4:29 und schleppten Jesus bis zu dem Steilabhang des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war. Dort wollten sie ihn hinunterstoßen. Luk 4:30 Doch Jesus ging ruhig durch die aufgebrachte Volksmenge weg, ohne daß es jemand gewagt hätte, ihn auch nur anzufassen. Luk 4:31 Jesus kam nach Kapernaum in Galiläa und predigte dort am Sabbat. Luk 4:32 Die Leute waren von seiner Lehre tief beeindruckt; denn sie spürten, daß aus seinen Worten Gott selbst zu ihnen sprach. Luk 4:33 In der Synagoge war ein Mann, der von einem Dämon beherrscht wurde. Luk 4:34 Der schrie laut: "Hör auf, Jesus von Nazareth! Was willst du von uns? Du bist doch nur gekommen, um uns zu vernichten. Ich weiß genau, wer du bist: der Sohn Gottes!" Luk 4:35 Jesus unterbrach ihn: "Schweig! Verlasse diesen Menschen!" Da schleuderte der Dämon den Mann mitten unter sie auf den Boden und verließ ihn, ohne ihm weiter zu schaden. Luk 4:36 Erschrocken und bestürzt fragten sich die Leute: "Wie redet denn dieser Mann? In der Kraft Gottes befiehlt er den bösen Geistern, und sie müssen gehorchen!" Luk 4:37 Bald redete man in der ganzen Gegend über das, was Jesus getan hatte. Luk 4:38 Nachdem Jesus die Synagoge verlassen hatte, ging er in das Haus des Petrus. Dessen Schwiegermutter hatte hohes Fieber. Man bat Jesus, ihr zu helfen. Luk 4:39 Er trat an ihr Bett, beugte sich über sie und befahl dem Fieber zu weichen. Sofort war sie gesund. Sie stand auf und bediente ihre Gäste. Luk 4:40 Die Heilung wurde schnell bekannt. Wer einen Kranken in der Familie hatte, brachte ihn zu Jesus, nachdem die Sonne untergegangen war. Er legte ihnen die Hände auf und heilte sie alle. Luk 4:41 Viele wurden auch von Dämonen befreit, die schrien: "Du bist der Sohn Gottes!" Aber er bedrohte sie und befahl ihnen zu schweigen; denn sie wußten, daß er der von Gott gesandte Befreier ist. Luk 4:42 Am frühen Morgen verließ Jesus das Haus und ging in eine einsame Gegend. Aber die Leute suchten ihn überall, und als sie ihn endlich gefunden hatten, wollten sie ihn festhalten. Er sollte bei ihnen bleiben. Luk 4:43 Doch er wies sie ab: "Ich muß die frohe Botschaft vom Reich Gottes auch in alle anderen Städte bringen. Das ist mein Auftrag." Luk 4:44 Er ging weiter und predigte in allen Synagogen des Landes. Luk 5:1 Eines Tages drängte sich am See Genezareth eine große Menschenmenge um Jesus. Alle wollten Gottes Wort hören. Luk 5:2 Am Ufer lagen zwei leere Boote. Die Fischer hatten sie verlassen und arbeiteten an ihren Netzen. Luk 5:3 Da stieg Jesus in das Boot, das Petrus gehörte, und bat den Fischer, ein Stück auf den See hinauszurudern, damit ihn alle besser sehen und hören konnten. Vom Boot aus sprach Jesus dann zu den Menschen. Luk 5:4 Anschließend sagte er zu Petrus: "Fahrt jetzt weiter auf den See, und werft eure Netze aus!" Luk 5:5 "Herr", gab Petrus zu bedenken, "wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich es wagen." Luk 5:6 Sie warfen ihre Netze aus und fingen so viele Fische, daß die Netze zu zerreißen drohten. Luk 5:7 Deshalb winkten sie den Fischern im anderen Boot, ihnen zu helfen. Bald waren beide Boote bis zum Rand beladen, so daß sie beinahe sanken. Luk 5:8 Als Petrus das sah, fiel er erschrocken vor Jesus nieder und rief: "Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!" Luk 5:9 Er und alle anderen Fischer waren fassungslos über diesen Fang, Luk 5:10 auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die Petrus bei der Arbeit geholfen hatten. Aber Jesus sagte zu Petrus: "Fürchte dich nicht! Du wirst jetzt keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen." Luk 5:11 Sie brachten die Boote an Land, verließen alles und gingen mit Jesus. Luk 5:12 In einer der Städte traf Jesus einen Mann, dessen Körper von Lepra zerfressen war. Als er Jesus sah, warf er sich vor ihm nieder und flehte ihn an: "Herr, wenn du willst, kannst du mich heilen!" Luk 5:13 Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: "Ich will! Sei gesund!" Da war der Mann von seiner Krankheit geheilt. Luk 5:14 Jesus befahl ihm, nicht über seine Heilung zu reden. "Geh und laß dich vom Priester untersuchen", forderte er ihn auf, "und bring das Opfer für deine Heilung, wie es Mose im Gesetz anordnet! Sie sollen sehen, daß Gott dich geheilt hat." Luk 5:15 Aber das änderte nichts daran, daß immer mehr Menschen von den Wundern Jesu sprachen. In Scharen drängten sie sich zu ihm. Sie wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Luk 5:16 Aber Jesus entzog sich der Menge, um in der Einsamkeit zu beten. Luk 5:17 Als Jesus eines Tages Gottes Botschaft erklärte, saßen unter den Zuhörern auch Pharisäer und Schriftgelehrte. Sie waren aus ganz Galiläa, aus Judäa und aus Jerusalem gekommen. In der Kraft Gottes heilte Jesus die Kranken. Luk 5:18 Da brachten einige Männer einen Gelähmten auf einer Trage. Sie versuchten, sich durch die Menge zu drängen und den Kranken zu Jesus zu bringen. Luk 5:19 Aber das war unmöglich. Die vielen Menschen ließen sie nicht durch. Kurzentschlossen stiegen sie auf das Dach, deckten die Ziegel ab und ließen den Mann auf seiner Trage durch die Öffnung zu Jesus hinunter. Luk 5:20 Als Jesus sah, wie groß ihr Glaube an ihn war, sagte er zu dem Gelähmten: "Deine Sünden sind dir vergeben!" Luk 5:21 "Was bildet sich dieser Mensch eigentlich ein?" entrüsteten sich da die Pharisäer und Schriftgelehrten. "Das ist Gotteslästerung! Nur Gott kann Sünden vergeben!" Luk 5:22 Jesus durchschaute sie und fragte: "Was habt ihr da für Gedanken? Luk 5:23 Ist es leichter zu sagen: 'Dir sind deine Sünden vergeben', oder: 'Steh auf, du bist geheilt'? Luk 5:24 Aber ich will euch beweisen, daß der Menschensohn die Macht hat, schon jetzt Sünden zu vergeben." Und er forderte den Gelähmten auf: "Nimm deine Trage und gehe nach Hause!" Luk 5:25 Alle sahen, wie der Mann aufstand, seine Trage nahm, nach Hause ging und dabei Gott dankte. Luk 5:26 Voller Entsetzen sahen ihm die Leute nach. Doch dann riefen sie begeistert: "Wir haben heute Unglaubliches gesehen!" Und alle lobten Gott. Luk 5:27 Als Jesus weiterzog, sah er den Zolleinnehmer Levi am Zoll sitzen. Jesus forderte ihn auf: "Komm, geh mit mir!" Luk 5:28 Ohne zu zögern, verließ Levi alles und ging mit ihm. Luk 5:29 Kurz darauf gab er für Jesus in seinem Haus ein großes Fest. Viele Zolleinnehmer und seine anderen Freunde saßen mit Jesus und den Jüngern an der Festtafel. Luk 5:30 "Wie könnt ihr nur mit solchem Gesindel verkehren?" empörten sich die Pharisäer und Schriftgelehrten bei den Jüngern. Luk 5:31 Jesus antwortete ihnen: "Gesunde Menschen brauchen keinen Arzt, aber die Kranken. Luk 5:32 Meine Aufgabe ist es, Sünder in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, und nicht solche, die Gott bereits kennen." Luk 5:33 Wieder einmal wollten die Pharisäer Jesus mit ihren Fragen in die Enge treiben. "Die Jünger von Johannes dem Täufer fasten und beten viel, und unsere Freunde halten es auch so", sagten sie zu Jesus. "Aber deine Jünger essen und trinken, ohne sich um die Fastentage zu kümmern." Luk 5:34 Da antwortete Jesus: "Wollt ihr vielleicht die Hochzeitsgäste hungern lassen, solange der Bräutigam mit ihnen an der Festtafel sitzt? Luk 5:35 Die Zeit kommt früh genug, daß ich nicht mehr bei meinen Jüngern sein werde. Dann werden auch sie fasten." Luk 5:36 Noch mit einem anderen Beispiel ging er auf ihre Frage ein: "Niemand zerreißt ein neues Kleid, um damit ein altes zu flicken. Nicht nur, daß es um das neue Kleid zu schade wäre; sondern der neue Flicken paßt auch gar nicht zum alten Kleid. Luk 5:37 Ebenso füllt niemand jungen, gärenden Wein in alte, brüchige Schläuche. Sie würden platzen, und man hätte Wein und Schläuche verloren. Luk 5:38 Junger Wein gehört in neue Schläuche. Luk 5:39 Wer aber gern alten Wein trinkt, der will vom jungen Wein nichts wissen. 'Der alte Wein ist immer noch der beste', wird er sagen." Luk 6:1 An einem Sabbat ging Jesus mit seinen Jüngern durch die Getreidefelder. Die Jünger rissen einzelne Ähren ab, rieben sie zwischen den Händen und aßen die Körner. Luk 6:2 Einige Pharisäer, die das sahen, empörten sich: "Ihr übertretet Gottes Gebot! Am Sabbat ist es verboten, Getreide zu ernten!" Luk 6:3 Darauf antwortete Jesus: "Kennt ihr nicht die Geschichte von König David und seinen Freunden? Luk 6:4 Als er hungrig war, ging er in das Haus Gottes und aß mit ihnen vom Opferbrot, obwohl doch nur die Priester davon essen dürfen. Luk 6:5 Erst recht hat der Menschensohn die Macht zu entscheiden, was am Sabbat erlaubt ist und was nicht." Luk 6:6 Als Jesus an einem anderen Sabbat in der Synagoge predigte, bemerkte er einen Mann, dessen rechte Hand verkrüppelt war. Luk 6:7 Die Schriftgelehrten und Pharisäer ließen Jesus nicht aus den Augen. Wenn er den Mann am Sabbat heilen würde, hätten sie endlich einen Grund, ihn anzuzeigen. Luk 6:8 Jesus wußte, was sie dachten. Deshalb sagte er zu dem Mann mit der verkrüppelten Hand: "Steh auf und komm hierher, damit dich alle sehen können!" Der Mann kam nach vorn. Luk 6:9 Nun wandte sich Jesus an die Pharisäer und Schriftgelehrten: "Was soll man am Sabbat tun, Gutes oder Böses? Soll man das Leben eines Menschen retten, oder soll man ihn zugrunde gehen lassen?" Luk 6:10 Jesus sah einen nach dem andern an, aber alle schwiegen. Schließlich sagte er zu dem Mann: "Zeige deine Hand her!" Er streckte sie aus, und die Hand war gesund. Luk 6:11 Seine Gegner waren wütend. Und sie berieten miteinander, wie sie Jesus aus dem Weg schaffen könnten. Luk 6:12 In dieser Zeit stieg Jesus auf einen Berg, um zu beten. Er betete die ganze Nacht. Luk 6:13 Als es hell wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte zwölf von ihnen aus, die er "Apostel" nannte. Luk 6:14 Es waren Simon, dem er den Namen Petrus gab, und Simons Bruder Andreas; dann Jakobus und Johannes, Philippus, Bartholomäus, Luk 6:15 Matthäus, Thomas und Jakobus, der Sohn des Alphäus; sowie Simon, der ehemalige Freiheitskämpfer, Luk 6:16 Judas, der Sohn von Jakobus, und Judas Ischarioth, der Jesus später verraten hat. Luk 6:17 Als Jesus mit seinen Jüngern den Berg hinuntergestiegen war, kamen sie zu einem großen freien Platz. Hier hatte sich eine riesige Menschenmenge versammelt, darunter viele seiner Anhänger. Die Leute kamen sogar aus Judäa, aus Jerusalem und aus den Hafenstädten Tyrus und Sidon. Luk 6:18 Sie waren gekommen, um Jesus zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Alle, die von bösen Geistern beherrscht waren, wurden befreit. Luk 6:19 Jeder versuchte, Jesus zu berühren; denn von ihm ging eine Kraft aus, die sie alle heilte. Luk 6:20 Jesus sah seine Jünger an und sagte: "Glücklich seid ihr Armen, denn ihr werdet Gottes Reich besitzen. Luk 6:21 Glücklich seid ihr, die ihr jetzt hungern müßt, denn Gott wird euren Hunger stillen. Glücklich seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet bald vor Freude jubeln! Luk 6:22 Glücklich seid ihr, wenn euch die Menschen hassen; wenn sie von euch nichts wissen wollen und euch verachten; wenn sie euch beschimpfen und Schlechtes über euch erzählen, nur weil ihr zu mir gehört. Luk 6:23 Dann freut euch! Ja, ihr könnt jubeln, denn im Himmel werdet ihr dafür belohnt werden. So wie es euch ergeht, ist es auch schon den Propheten ergangen. Luk 6:24 Doch wehe euch, ihr Reichen! Ihr habt euer Glück schon auf Erden genossen. Luk 6:25 Wehe euch, ihr Satten! Ihr werdet Hunger leiden. Wehe euch, die ihr jetzt sorglos lacht! Ihr werdet weinen und jammern. Luk 6:26 Wehe euch, die ihr jetzt von allen umschmeichelt werdet, denn die falschen Propheten waren schon immer beliebt." Luk 6:27 "Euch allen sage ich: Liebt eure Feinde und tut denen Gutes, die euch hassen. Luk 6:28 Segnet die Menschen, die euch Böses wünschen, und betet für alle, die euch beleidigen. Luk 6:29 Schlägt dir jemand ins Gesicht, dann wehr dich nicht gegen den zweiten Schlag. Wenn dir einer den Mantel wegnimmt, dann weigere dich nicht, ihm auch noch das Hemd zu geben. Luk 6:30 Gib jedem, der dich um etwas bittet, und fordere nicht zurück, was man dir genommen hat. Luk 6:31 Seid zu den Leuten genauso, wie ihr auch von ihnen behandelt werden wollt. Luk 6:32 Oder erwartet ihr einen Lohn dafür, wenn ihr die Menschen liebt, die euch auch lieben? Das tut schließlich jeder. Luk 6:33 Ist es etwas Besonderes, denen Gutes zu tun, die auch zu euch gut sind? Das können auch Menschen, die Gott ablehnen. Luk 6:34 Was ist schon dabei, Leuten Geld zu leihen, von denen man genau weiß, daß sie es zurückzahlen? Dazu braucht man nichts von Gott zu wissen. Luk 6:35 Ihr aber sollt eure Feinde lieben und den Menschen Gutes tun. Ihr sollt ihnen helfen, ohne einen Dank oder eine Gegenleistung zu erwarten. Gott wird euch reich belohnen, weil ihr wie seine Kinder handelt. Denn auch er ist gütig zu Undankbaren und Bösen." Luk 6:36 "Seid so barmherzig wie euer Vater im Himmel! Luk 6:37 Richtet nicht über andere, dann wird Gott auch nicht über euch richten! Verurteilt keinen Menschen, dann wird Gott euch auch nicht verurteilen! Wenn ihr bereit seid, anderen zu vergeben, dann wird Gott auch euch vergeben. Luk 6:38 Gebt, was ihr habt, dann wird Gott euch so reich beschenken, daß ihr gar nicht alles aufnehmen könnt. Mit dem Maßstab, den ihr an andere legt, wird auch Gott euch messen." Luk 6:39 In seinen Predigten gebrauchte Jesus immer wieder Beispiele: "Wie kann ein Blinder einen anderen Blinden führen? Werden sie nicht beide in den Abgrund stürzen? Luk 6:40 Ein Schüler kann nur so viel wissen wie sein Lehrer. Wenn er alles von ihm gelernt hat, wird er doch nur so klug wie der Lehrer sein. Luk 6:41 Weshalb regst du dich über die kleinen Schwächen deines Bruders auf und übersiehst deine eigene Schuld? Luk 6:42 Du sagst: 'Mein Freund, komm her! Ich will dir deine Fehler zeigen!' Dabei bist du blind für deine eigene Schuld. Du Heuchler! Kümmere dich erst um deine Fehler und dann versuche, deinem Bruder zu helfen." Luk 6:43 "Ein guter Baum trägt keine schlechten Früchte und ein schlechter Baum keine guten. Luk 6:44 So kann man jeden Baum an seinen Früchten erkennen. Von Dornbüschen erntet man keine Feigen und von Gestrüpp keine Weintrauben. Luk 6:45 Also wird ein guter Mensch auch Gutes tun, eben weil er gut ist. Aber ein böser Mensch wird schlecht handeln, weil seine Absichten und Gedanken böse sind. So wie unser Wesen ist - gut oder böse -, so werden wir reden und handeln." Luk 6:46 "Warum nennt ihr mich dauernd 'Herr!', wenn ihr doch nicht tut, was ich euch sage? Luk 6:47 Wißt ihr, mit wem ich einen Menschen vergleiche, der meine Worte hört und danach handelt? Luk 6:48 Er ist wie ein Mann, der sich ein Haus bauen wollte. Zuerst hob er eine Baugrube aus, dann baute er die Fundamente seines Hauses auf festen, felsigen Grund. Als ein Unwetter kam und die Fluten gegen das Haus brandeten, konnte es keinen Schaden anrichten, denn das Haus war auf sicherem Grund gebaut. Luk 6:49 Wer sich meine Worte allerdings nur anhört und nicht danach lebt, der ist wie einer, der beim Bauen auf das Fundament verzichtet und sein Haus auf weichen Boden baut. Bei einem Unwetter unterspülen die Fluten sein Haus, und es stürzt ein. Übrig bleibt nur ein Trümmerhaufen." Luk 7:1 Nachdem Jesus zu der Menschenmenge geredet hatte, ging er nach Kapernaum. Luk 7:2 In dieser Stadt lag der Diener eines römischen Offiziers im Sterben. Luk 7:3 Weil der Offizier seinen Diener sehr schätzte, schickte er einige angesehene Juden zu Jesus, von dessen Ankunft er gehört hatte. Sie sollten ihn bitten, mitzukommen und seinen Diener zu heilen. Luk 7:4 So kamen sie zu Jesus und redeten eindringlich auf ihn ein: "Du mußt diesem Mann unbedingt helfen! Luk 7:5 Er liebt unser Volk und hat den Bau der Synagoge bezahlt." Luk 7:6 Jesus ging mit ihnen. Aber noch ehe sie das Haus erreicht hatten, schickte ihm der Offizier einige Freunde entgegen und ließ ihm sagen: "Herr, ich möchte nicht, daß du selbst in mein Haus kommst; denn ich bin es nicht wert. Luk 7:7 Deshalb bin ich auch nicht persönlich zu dir gekommen. Ich weiß, du brauchst nur ein Wort zu sagen, dann wird mein Diener gesund. Luk 7:8 Auch ich habe Vorgesetzte, denen ich gehorchen muß, und meinen Soldaten erteile ich Befehle. Wenn ich zu einem sage: 'Geh!', dann geht er. Befehle ich einem anderen: 'Komm!', dann kommt er. Und wenn ich zu meinem Diener sage: 'Tu dies!', dann führt er den Auftrag aus." Luk 7:9 Als Jesus das hörte, wunderte er sich sehr. Er sagte zu den Menschen, die ihm gefolgt waren: "Das ist sicher: Unter allen Juden in Israel bin ich keinem Menschen mit so festem Glauben begegnet." Luk 7:10 Als die Freunde des Offiziers in das Haus zurückkamen, war der Diener gesund. Luk 7:11 Nicht lange danach kam Jesus mit seinen Jüngern in die Stadt Nain. Es folgte ihm wieder eine große Menschenmenge. Luk 7:12 Als er sich dem Stadttor näherte, kam ihm ein Trauerzug entgegen. Der Verstorbene war der einzige Sohn einer Witwe. Viele Trauergäste aus der Stadt begleiteten die Frau. Luk 7:13 Als Jesus sie sah, war er von ihrem Leid tief bewegt. "Weine nicht!" tröstete er sie. Luk 7:14 Er ging zu der Bahre und legte seine Hand auf den Sarg. Die Träger blieben stehen. Jesus sagte zu dem toten Jungen: "Ich befehle dir: Steh auf!" Luk 7:15 Da setzte sich der Junge auf und begann zu sprechen. Die Mutter hatte ihr Kind durch Jesus wiederbekommen. Luk 7:16 Alle erschraken über das, was sie gesehen hatten. Dann aber begriffen sie, und sie lobten Gott und sagten: "Gott hat uns einen mächtigen Propheten geschickt. Er hilft seinem Volk!" Luk 7:17 Bald wußte jeder in Israel und in den angrenzenden Ländern, was Jesus getan hatte. Luk 7:18 Von den Wundertaten Jesu erfuhr auch Johannes der Täufer durch seine Jünger. Luk 7:19 Er schickte zwei von ihnen zu Jesus. Sie sollten ihn fragen: "Bist du der versprochene Retter, oder müssen wir noch länger auf ihn warten?" Luk 7:20 Die beiden kamen zu Jesus und sagten: "Johannes läßt dich fragen: 'Bist du der von Gott versprochene Retter, oder müssen wir noch länger auf ihn warten?'" Luk 7:21 Jesus heilte gerade viele von ihren Krankheiten und Leiden. Er befreite Menschen, die von Dämonen geplagt wurden, und den Blinden schenkte er das Augenlicht wieder. Luk 7:22 So konnte er den Jüngern des Johannes antworten: "Geht zu Johannes zurück und erzählt ihm, was ihr miterlebt habt: Blinde sehen, Gelähmte gehen, Aussätzige werden geheilt, Taube hören, Tote werden wieder lebendig, und den Armen wird die frohe Botschaft verkündet! Luk 7:23 Und sagt ihm: Glücklich ist jeder, der nicht an mir zweifelt!" Luk 7:24 Als die Jünger des Johannes gegangen waren, wandte sich Jesus an die Menschen, die sich um ihn versammelt hatten: "Was wolltet ihr sehen, als ihr zu Johannes in die Wüste hinausgezogen seid? Ein Schilfrohr, das vom Wind hin- und herbewegt wird? Luk 7:25 Oder was sonst? Einen Mann in vornehmer Kleidung? Dann hättet ihr in die Königspaläste gehen müssen. Luk 7:26 Oder wolltet ihr einem Propheten begegnen? Das will ich euch sagen: Johannes ist ein Prophet, ja mehr als das. Luk 7:27 Johannes ist der Mann, von dem Gott gesagt hat: 'Ich schicke meinen Boten voraus, der dein Kommen ankündigt und die Menschen darauf vorbereitet.' Luk 7:28 Eins ist ganz sicher: Von allen Menschen, die je geboren wurden, ist keiner bedeutender als Johannes der Täufer. Trotzdem werden die Geringsten im Reich Gottes größer sein als er. Luk 7:29 Alle, die Johannes zuhörten, selbst die von allen verachteten Zolleinnehmer, gaben Gott recht und ließen sich von Johannes taufen. Luk 7:30 Nur die Pharisäer und Schriftgelehrten lehnten hochmütig Gottes Hilfe ab. Sie ließen sich nicht von Johannes taufen. Luk 7:31 Wie soll ich die Menschen von heute beschreiben? Wem gleichen sie? Luk 7:32 Sie sind wie spielende Kinder auf der Straße, die ihren Freunden zurufen: 'Wir haben Musik gemacht, und ihr habt nicht getanzt. Danach haben wir Beerdigung gespielt, und ihr seid nicht traurig gewesen!' Luk 7:33 Johannes der Täufer fastete oft und trank keinen Wein. Da habt ihr gesagt: 'Der ist doch verrückt!' Luk 7:34 Nun ist der Menschensohn gekommen, ißt und trinkt wie jeder andere Mensch, und ihr beschimpft ihn: 'Er ist ein Fresser und Säufer. Verbrecher und anderes Gesindel sind seine Freunde!' Luk 7:35 Doch nicht an solchen Äußerlichkeiten zeigt sich Gottes Weisheit; sie beweist sich in dem, was sie bewirkt." Luk 7:36 Einmal wurde Jesus von einem Pharisäer zum Essen eingeladen. Er ging in das Haus des Pharisäers und setzte sich an den Tisch. Luk 7:37 Da kam eine Dirne herein, die in dieser Stadt lebte. Sie hatte erfahren, daß Jesus bei Simon eingeladen war. In ihrer Hand trug sie ein Glas mit wertvollem Öl. Luk 7:38 Die Frau ging zu Jesus, kniete bei ihm nieder und weinte so sehr, daß seine Füße von ihren Tränen naß wurden. Mit ihrem Haar trocknete sie die Füße, küßte sie und goß das Öl darüber. Luk 7:39 Der Pharisäer hatte das alles beobachtet und dachte: "Wenn dieser Mann wirklich ein Prophet Gottes wäre, müßte er doch wissen, was das für eine Frau ist!" Luk 7:40 "Simon, ich will dir etwas erzählen", unterbrach ihn Jesus in seinen Gedanken. "Ja, ich höre zu, Meister", antwortete Simon. Luk 7:41 "Ein reicher Mann hatte zwei Leuten Geld geliehen. Der eine Mann schuldete ihm fünftausend Mark, der andere fünfhundert. Luk 7:42 Weil sie aber zum festgesetzten Termin das Geld nicht zurückzahlen konnten, schenkte er es beiden. Welcher der beiden Männer wird ihm nun am meisten dankbar sein?" Luk 7:43 "Bestimmt der, dem er die größte Schuld erlassen hat", antwortete Simon. "Du hast recht!" bestätigte ihm Jesus. Luk 7:44 Dann blickte er die Frau an und sagte: "Sieh diese Frau, Simon! Ich kam in dein Haus, und du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben, was doch sonst selbstverständlich ist. Aber sie hat meine Füße mit ihren Tränen gewaschen und mit ihrem Haar getrocknet. Luk 7:45 Du hast mich nicht mit einem Bruderkuß begrüßt. Aber diese Frau hat immer wieder meine Füße geküßt. Luk 7:46 Du hast meine Stirn nicht mit Öl gesalbt, während sie dieses kostbare Öl sogar über meine Füße gegossen hat. Luk 7:47 Ich sage dir: Ihre große Schuld ist ihr vergeben; sonst hätte sie mir nicht so viel Liebe zeigen können. Wem wenig vergeben wird, der liebt auch wenig." Luk 7:48 Zu der Frau sagte Jesus: "Deine Sünden sind dir vergeben." Luk 7:49 Da tuschelten die anderen Gäste untereinander: "Was ist das nur für ein Mensch! Kann der denn Sünden vergeben?" Luk 7:50 Doch Jesus sagte noch einmal zu der Frau: "Dein Glaube hat dich gerettet! Geh in Frieden." Luk 8:1 Bald darauf zog Jesus durch viele Städte und Dörfer. Überall predigte er und verkündete die frohe Botschaft vom Reich Gottes. Auf dieser Reise begleiteten ihn seine zwölf Jünger Luk 8:2 und einige Frauen, die er von bösen Geistern befreit und von ihren Krankheiten geheilt hatte. Zu ihnen gehörten Maria aus Magdala - Jesus hatte sie von sieben Dämonen befreit -, Luk 8:3 Johanna, die Frau des Chusa, eines Beamten von König Herodes, Susanna und viele andere. Sie waren vermögend und sorgten für Jesus und seine Jünger. Luk 8:4 Vor einer großen Menschenmenge - aus allen Städten waren die Leute gekommen - erzählte Jesus dieses Gleichnis: Luk 8:5 "Ein Bauer säte auf seinem Feld Getreide aus. Dabei fielen einige Körner auf den Feldweg. Sie wurden zertreten und von den Vögeln aufgepickt. Luk 8:6 Andere Körner fielen auf felsigen Boden. Sie gingen auf, aber weil es nicht feucht genug war, vertrockneten sie. Luk 8:7 Einige Samenkörner fielen zwischen die Disteln, in denen die junge Saat bald erstickte. Luk 8:8 Die übrigen Körner fielen auf guten Boden. Das Getreide wuchs heran, und der Bauer brachte eine reiche Ernte ein. Hört auf das, was ich euch sage!" Luk 8:9 Später fragten ihn seine Jünger, was er mit diesem Gleichnis sagen wollte. Luk 8:10 Jesus antwortete ihnen: "Ihr könnt die Geheimnisse des Reiches Gottes verstehen. Zu allen anderen rede ich in Gleichnissen, damit sie nichts erkennen, obwohl sie sehen können, und nichts verstehen, obwohl sie es hören. Luk 8:11 Euch aber will ich das Gleichnis erklären: Das Samenkorn ist Gottes Wort. Luk 8:12 Der Feldweg ist ein Beispiel für Menschen, die Gottes Wort gehört haben. Aber dann kommt der Satan und nimmt das Wort aus ihren Herzen, damit sie nicht glauben und gerettet werden. Luk 8:13 Der felsige Boden soll auf Menschen hinweisen, die das Wort Gottes hören und bereitwillig aufnehmen. Aber alles bleibt an der Oberfläche. Eine Zeitlang sind sie begeistert, doch sobald sie wegen ihres Glaubens in Schwierigkeiten kommen, geben sie auf. Luk 8:14 Wie der Same, der zwischen die Disteln fiel, sind Menschen, die Gottes Wort hören, bei denen aber alles beim alten bleibt. Denn die Sorgen des Alltags, die Verführung durch den Wohlstand und die Jagd nach den Freuden dieses Lebens ersticken jeden Glauben. Luk 8:15 Aber es gibt auch fruchtbaren Boden. Das sind Menschen, die das Wort bereitwillig und aufrichtig annehmen. Es kann in ihnen wachsen und reiche Frucht bringen." Luk 8:16 "Niemand zündet eine Lampe an und versteckt sie dann unter einem Eimer oder stellt sie unter ein Bett. Im Gegenteil: Man stellt die Lampe so auf, daß jeder, der hereinkommt, das Licht sieht. Luk 8:17 Alles, was jetzt noch verborgen ist, kommt einmal ans Licht, und was jetzt noch ein Geheimnis ist, wird jeder verstehen. Luk 8:18 Entscheidend ist, wie ihr mir zuhört. Denn wer viel hat, der bekommt noch mehr dazu: Wer meine Botschaft versteht, der wird einmal alles verstehen. Wer sie aber nicht begreift, dem wird noch die geringe Kenntnis, die er zu besitzen meint, verlorengehen." Luk 8:19 Seine Mutter und seine Brüder versuchten einmal, Jesus zu sprechen. Aber es drängten sich so viele Menschen um ihn, daß sie nicht bis zu ihm durchkommen konnten. Luk 8:20 Sie ließen ihm ausrichten: "Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden." Luk 8:21 Jesus antwortete: "Jeder, der Gottes Wort hört und danach lebt, ist für mich Bruder und Mutter." Luk 8:22 Eines Tages stiegen Jesus und seine Jünger in ein Boot, und er forderte sie auf: "Fahrt über den See an das andere Ufer!" Sie ruderten los. Luk 8:23 Unterwegs schlief Jesus ein. Mitten auf dem See kam plötzlich ein gewaltiger Sturm auf, und die Wellen schlugen ins Boot. Luk 8:24 In höchster Not rüttelten die Jünger Jesus wach: "Herr!" schrien sie, "wir gehen unter!" Jesus stand auf und bedrohte den Wind und die Wellen. Da legte sich der Sturm, und es wurde ganz still. Luk 8:25 "Wo ist denn euer Glaube?" wollte Jesus von ihnen wissen. Entsetzt und erstaunt fragten sich die Jünger untereinander: "Wer ist dieser Mann? Sogar Wind und Wellen gehorchen ihm, wenn er es befiehlt!" Luk 8:26 Dann erreichten sie die Gegend von Gerasa auf der anderen Seite des Sees Genezareth. Luk 8:27 Als Jesus aus dem Boot stieg, lief ihm aus der Stadt ein Mann entgegen, der von Dämonen beherrscht wurde. Er zog keine Kleider an und blieb in keiner Wohnung, sondern hauste schon lange in Grabhöhlen. Luk 8:28 Kaum hatte er Jesus gesehen, fing er an zu schreien. Er warf sich vor ihm nieder und schrie laut: "Was willst du von mir, du Sohn Gottes, des Höchsten! Ich flehe dich an, quäle mich nicht!" Luk 8:29 Jesus hatte nämlich dem Dämon befohlen, den Mann endlich freizulassen. Immer wieder hatte der böse Geist den Mann überwältigt. Obwohl man ihn an Händen und Füßen fesselte und einsperrte, konnte er seine Ketten zerreißen und in die Wüste entkommen. Luk 8:30 "Wie heißt du?" fragte ihn Jesus. "Legion", war die Antwort. Denn der Mann war von vielen Dämonen besessen. Luk 8:31 Wieder und wieder bettelten sie: "Befiehl uns nicht, in die Hölle zu fahren!" Luk 8:32 In ihrer Nähe an einem Berghang weidete gerade eine Schweineherde. In diese Schweine wollten die Dämonen fahren, und Jesus erlaubte es ihnen. Luk 8:33 Nun ließen die Dämonen den Mann frei und stürzten sich auf die Schweine. Da stürzte die ganze Herde in den See und ertrank. Luk 8:34 Entsetzt flohen die Hirten in die Stadt und in die umliegenden Dörfer und berichteten, was sich ereignet hatte. Luk 8:35 Von überall her kamen die Leute gelaufen, um an Ort und Stelle zu sehen, was geschehen war. Sie sahen den Mann, den Jesus gerade von den Dämonen befreit hatte. Er war ordentlich angezogen und hörte ihm ruhig zu. Da erschraken die Leute. Luk 8:36 Und die alles mitangesehen hatten, berichteten, wie der besessene Mann von Jesus geheilt worden war. Luk 8:37 Entsetzt baten sie Jesus, er möge ihre Gegend doch wieder verlassen, denn sie fürchteten sich. Jesus stieg in das Boot, um zurückzufahren. Luk 8:38 Der geheilte Mann wollte mitgehen und bei ihm bleiben. Aber Jesus beauftragte ihn: Luk 8:39 "Geh nach Hause und berichte, wie Gott dir geholfen hat." Und der Mann ging und erzählte in der ganzen Stadt, wie Jesus ihn geheilt hatte. Luk 8:40 Ungeduldig wartete auf der anderen Seite des Sees eine große Menschenmenge auf Jesus. Luk 8:41 Als das Boot anlegte, drängte sich ein Mann nach vorn, Jairus, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Er warf sich vor Jesus nieder und bat ihn inständig, in sein Haus zu kommen; Luk 8:42 denn sein einziges Kind, ein zwölfjähriges Mädchen, lag im Sterben. Jesus ging mit ihm. Luk 8:43 Unter den Leuten war eine Frau, die seit zwölf Jahren an starken Blutungen litt. Niemand hatte ihr helfen können, obwohl sie schon von vielen Ärzten behandelt worden war und dafür ihr ganzes Geld ausgegeben hatte. Luk 8:44 Als sie bis zu Jesus gekommen war, berührte sie von hinten seinen Mantel. In diesem Augenblick hörten die Blutungen auf. Luk 8:45 "Wer hat mich angefaßt?" fragte Jesus und blieb stehen. Aber alle zuckten mit den Schultern, und Petrus meinte: "Herr, bei diesem Gedränge ist es doch kein Wunder, daß dich jemand anstößt." Luk 8:46 "Nein", erwiderte Jesus, "jemand hat mich absichtlich angefaßt. Ich habe gespürt, wie heilende Kraft von mir ausgegangen ist!" Luk 8:47 Als die Frau erkannte, daß Jesus alles bemerkt hatte, fiel sie zitternd vor ihm auf die Knie. Vor allen Leuten erzählte sie, weshalb sie ihn berührt hatte und wie sie sofort geheilt worden war. Luk 8:48 "Meine Tochter", sagte Jesus zu ihr, "dein Glaube hat dir geholfen. Gehe in Frieden!" Luk 8:49 Während er mit der Frau sprach, brachte jemand Jairus die Nachricht: "Deine Tochter ist gestorben. Der Meister braucht nicht mehr zu kommen." Luk 8:50 Jesus hörte das und sagte zu dem Vater: "Fürchte dich nicht! Glaube nur, und deine Tochter wird gerettet!" Luk 8:51 Als sie das Haus erreichten, erlaubte er nur Petrus, Jakobus, Johannes und den Eltern des Mädchens, mit hineinzugehen. Luk 8:52 Alle klagten und weinten um die Tote, aber Jesus sagte: "Hört auf zu weinen! Das Kind ist nicht tot, es schläft nur!" Luk 8:53 Sie lachten ihn aus, denn jeder wußte, daß dieses Mädchen tot war. Luk 8:54 Aber Jesus faßte es bei der Hand und rief: "Kind, steh auf!" Luk 8:55 Da wurde das Mädchen wieder lebendig, stand auf, und Jesus ließ ihm etwas zu essen bringen. Luk 8:56 Die Eltern konnten kaum fassen, was sie erlebt hatten. Doch Jesus schärfte ihnen ein, mit niemandem darüber zu reden. Luk 9:1 Jesus rief seine zwölf Jünger zusammen und gab ihnen Kraft und Vollmacht, alle Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen. Luk 9:2 Er beauftragte sie, überall das Kommen der Gottesherrschaft anzukündigen und die Kranken gesund zu machen. Luk 9:3 "Nehmt nichts mit auf die Reise", befahl er ihnen, "weder Wanderstab noch Tasche, weder Verpflegung noch Geld, nicht einmal Kleider zum Wechseln. Luk 9:4 Bleibt in dem Haus, in dem ihr Aufnahme gefunden habt, so lange, bis ihr weiterzieht. Luk 9:5 Will man euch in einer Stadt nicht haben, dann geht fort und kümmert euch nicht mehr um die Leute. Schüttelt den Staub von euren Füßen zum Zeichen dafür, daß Gott diese Stadt strafen wird." Luk 9:6 Die Jünger zogen los und wanderten von Ort zu Ort. Überall verkündeten sie die frohe Botschaft und heilten die Kranken. Luk 9:7 Herodes, der Fürst von Galiläa, bekam Angst, als er erfuhr, was Jesus tat; denn einige behaupteten: "Johannes der Täufer ist von den Toten zurückgekehrt." Luk 9:8 Andere wieder meinten, Elia sei erschienen oder einer von den alten Propheten auferstanden. Luk 9:9 "Johannes habe ich enthaupten lassen!" überlegte Herodes. "Aber wer ist dieser Mann, von dem so erstaunliche Dinge berichtet werden?" Darum wollte er Jesus unbedingt kennenlernen. Luk 9:10 Die zwölf Jünger kehrten zu Jesus zurück und berichteten, was sie getan hatten. Jesus nahm sie mit in die Stadt Bethsaida. Dort wollte er mit ihnen allein sein. Luk 9:11 Es sprach sich aber schnell herum, wo Jesus war, und die Menschen folgten ihm. Er schickte sie nicht fort, sondern sprach mit ihnen über das Reich Gottes und heilte die Kranken. Luk 9:12 Es war spät geworden. Da kamen die zwölf Jünger zu Jesus und sagten: "Es wird Zeit, daß die Leute gehen, damit sie in den umliegenden Dörfern und Höfen übernachten und sich etwas zu essen kaufen können. Hier gibt es doch nichts!" Luk 9:13 "Gebt ihr ihnen zu essen!" forderte Jesus sie auf. "Aber wir haben nur fünf Brote und zwei Fische!" entgegneten die Jünger. "Oder sollen wir etwa für all die Leute Essen besorgen?" Luk 9:14 Es hatten sich etwa fünftausend Menschen um Jesus versammelt. "Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen von je fünfzig Personen lagern!" ordnete Jesus an. Luk 9:15 Und so geschah es. Luk 9:16 Jesus nahm die fünf Brote und zwei Fische, die ihm die Jünger gegeben hatten, sah zum Himmel auf und dankte Gott. Er teilte Brot und Fische, und die Jünger gaben sie an die Menge weiter. Luk 9:17 Jeder aß sich satt, und trotzdem blieb noch viel übrig: zwölf Körbe voll. Luk 9:18 Eines Tages war Jesus allein und betete. Nur seine Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: "Für wen halten mich eigentlich die Leute?" Luk 9:19 "Für Johannes den Täufer", erwiderten die Jünger. "Andere halten dich für den Propheten Elia, oder sie meinen, einer der alten Propheten sei wieder erschienen." Luk 9:20 "Und was meint ihr?" Voller Überzeugung bekannte Petrus: "Du bist Christus, der von Gott gesandte Retter!" Luk 9:21 Jesus befahl seinen Jüngern nachdrücklich, mit niemandem darüber zu reden, Luk 9:22 und er sagte: "Der Menschensohn muß viel leiden. Die Führer des Volkes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten werden ihn ablehnen und töten. Aber drei Tage später wird Gott ihn wieder auferwecken." Luk 9:23 Danach wandte sich Jesus an alle: "Wer mir folgen will, darf nicht mehr an sich selber denken; er muß sein Kreuz willig auf sich nehmen und mir nachfolgen. Luk 9:24 Wer sein Leben um jeden Preis erhalten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen. Luk 9:25 Denn was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabei das ewige Leben verliert? Luk 9:26 Das steht fest: Wer sich schämt, sich zu mir und meinen Worten zu bekennen, für den wird auch der Menschensohn nicht eintreten, wenn er in seiner Macht und in der Herrlichkeit des Vaters und der heiligen Engel wiederkommen wird. Luk 9:27 Glaubt mir: Einige von denen, die hier stehen, werden leben und die Herrschaft Gottes mit eigenen Augen sehen." Luk 9:28 Acht Tage später stieg Jesus mit Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg, um zu beten. Luk 9:29 Als Jesus betete, veränderte sich sein Gesicht, und seine Kleider strahlten hell. Luk 9:30 Plötzlich standen zwei Männer bei ihm: Mose und Elia. Luk 9:31 Auch sie waren von hellem Licht umgeben und sprachen mit Jesus über seinen Tod, den er nach Gottes Plan in Jerusalem erleiden sollte. Luk 9:32 Petrus und die beiden andern Jünger waren eingeschlafen. Jetzt wurden sie wach und sahen Jesus in verklärter Gestalt sowie die zwei Männer, die bei ihm standen. Luk 9:33 Als die beiden gehen wollten, rief Petrus: "Herr, hier gefällt es uns. Wir wollen drei Hütten bauen: eine für dich, eine für Mose und eine für Elia!" Dabei war Petrus gar nicht bewußt, was er redete. Luk 9:34 Während er sprach, fiel der Schatten einer Wolke auf sie. Die Wolke hüllte sie ein, und sie fürchteten sich; Luk 9:35 denn sie hörten eine Stimme: "Das ist mein Sohn, den ich euch gesandt habe. Tut, was er euch sagt!" Luk 9:36 Dann war Jesus wieder allein. Die Jünger sprachen lange Zeit nicht über das, was sie erlebt hatten. Luk 9:37 Als sie am nächsten Tag vom Berg herabstiegen, kamen ihnen viele Menschen entgegen. Luk 9:38 Ein Mann war dabei, der Jesus anflehte: "Bitte, Herr, sieh dir meinen Sohn an, mein einziges Kind! Luk 9:39 Oft packt ihn ein Dämon! Dann schreit der Junge und windet sich in Krämpfen, bis der Schaum vor seinem Mund steht. Es gibt kaum eine Stunde, in der er nicht gequält wird. Luk 9:40 Ich habe deine Jünger gebeten, den bösen Geist auszutreiben, aber sie waren machtlos." Luk 9:41 "Wann fangt ihr endlich an zu glauben?" rief Jesus. "Wie lange muß ich noch bei euch sein und euren Unglauben ertragen? Bringe deinen Sohn her!" Luk 9:42 Als sie ihn zu ihm brachten, riß und zerrte der Dämon den Jungen hin und her. Jesus bedrohte den bösen Geist, heilte den Jungen und gab ihn seinem Vater wieder. Luk 9:43 Alle waren erstaunt und erschrocken über die Macht, die Gott Jesus gegeben hatte. Während die Leute noch fassungslos über diese Tat staunten, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Luk 9:44 "Vergeßt nicht, was ich euch sage: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert werden." Luk 9:45 Aber sie verstanden Jesus nicht. Sie konnten nicht begreifen, was er damit sagen wollte. Doch sie hatten nicht den Mut, ihn offen danach zu fragen. Luk 9:46 Eines Tages verhandelten die Jünger darüber, welcher von ihnen der Angesehenste und Wichtigste sei. Luk 9:47 Jesus merkte, was sie beschäftigte. Er rief ein Kind, stellte es neben sich Luk 9:48 und sagte: "Wer ein solches Kind aus Liebe zu mir aufnimmt, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, der nimmt gleichzeitig Gott auf, der mich gesandt hat. Wer am wenigsten von sich selbst hält, der ist wirklich groß." Luk 9:49 "Herr", berichtete Johannes aufgeregt, "wir haben einen gesehen, der in deinem Namen böse Geister austrieb. Weil er nicht zu uns gehört, haben wir es ihm verboten." Luk 9:50 "Laßt ihn weiter Dämonen austreiben", sagte Jesus. "Wer nicht gegen euch ist, der ist für euch." Luk 9:51 Weil die Zeit nahe war, daß er wieder zu Gott zurückkehren sollte, entschloß sich Jesus, nach Jerusalem zu reisen. Luk 9:52 Unterwegs schickte er Boten voraus, die in einem Dorf in Samarien für eine Unterkunft sorgen sollten. Luk 9:53 Aber weil Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war, wollte ihn keiner aufnehmen. Luk 9:54 Als seine Jünger Jakobus und Johannes das hörten, waren sie empört: "Herr, das brauchst du dir doch nicht gefallen zu lassen! Wenn du willst, lassen wir Feuer vom Himmel fallen wie damals Elia, damit sie alle verbrennen!" Luk 9:55 Jesus wies sie scharf zurecht: "Habt ihr denn vergessen, von welchem Geist ihr euch leiten lassen sollt? Der Menschensohn ist nicht gekommen, das Leben der Menschen zu vernichten, sondern es zu retten." Luk 9:56 Dann gingen sie in ein anderes Dorf. Luk 9:57 Unterwegs wurde Jesus von einem Mann angesprochen: "Ich will mit dir gehen, ganz gleich wohin." Luk 9:58 Jesus gab ihm zu bedenken: "Die Füchse haben ihren Bau, die Vögel ihre Nester, aber der Menschensohn hat hier keinen Platz, an dem er sich ausruhen kann." Luk 9:59 Einen anderen forderte Jesus auf: "Gehe mit mir!" Als dieser erwiderte: "Ja, Herr, aber vorher laß mich noch meinen Vater beerdigen", Luk 9:60 antwortete ihm Jesus: "Überlaß es denen, ihre Toten zu begraben, die nicht auf Gott hören und nichts vom ewigen Leben wissen wollen. Du aber sollst verkünden, daß Gott seine Herrschaft aufrichtet." Luk 9:61 Noch einer sagte zu Jesus: "Ich will mit dir gehen, Herr. Wenn ich mich von meiner Familie verabschiedet habe, komme ich mit." Luk 9:62 Ihm antwortete Jesus: "Wer anfängt zu arbeiten und sich dann durch irgend etwas ablenken läßt, kann Gottes Auftrag nicht ausführen." Luk 10:1 Danach wählte Jesus siebzig andere Jünger aus und schickte sie immer zu zweit in die Städte und Dörfer, in die er später selbst kommen wollte. Luk 10:2 Bevor sie sich auf den Weg machten, sagte er ihnen: "Die Ernte ist groß, aber es gibt zu wenig Arbeiter, die sie einbringen. Deshalb bittet Gott, den Herrn der Ernte, daß er mehr Arbeiter aussendet, die seine Ernte einbringen. Luk 10:3 Geht nun! Ich weiß, daß ich euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe schicke. Luk 10:4 Nehmt kein Geld, keine Tasche, keine zusätzlichen Schuhe mit auf die Reise und vergeudet unterwegs keine Zeit. Luk 10:5 Wenn ihr in ein Haus eintretet, dann segnet es und sagt: 'Friede sei mit diesem Haus!' Luk 10:6 Wollen die Menschen Gottes Frieden annehmen, wird der Friede, den ihr ihnen bringt, bei ihnen bleiben. Lehnt man aber eure Friedensbotschaft ab, dann wird auch Gottes Friede nicht in diesem Haus sein. Luk 10:7 Deshalb bleibt dort, wo man euch aufnimmt, und nehmt die angebotene Gastfreundschaft dankbar an. Wer arbeitet, soll auch seinen Lohn bekommen. Aber geht nicht von Haus zu Haus. Luk 10:8 Wenn ihr in eine Stadt kommt, in der euch die Leute bereitwillig aufnehmen, da eßt, was man euch anbietet. Luk 10:9 Heilt die Kranken in der Stadt und sagt allen Leuten: 'Jetzt beginnt Gottes Herrschaft bei euch.' Luk 10:10 Will man aber irgendwo nichts von euch wissen, dann verlaßt diese Stadt und sagt den Einwohnern: Luk 10:11 'Ihr habt euch selbst das Urteil gesprochen. Sogar den Staub von euern Straßen schütteln wir von unseren Füßen. Doch merkt euch das eine: Gottes Reich ist euch sehr nahe gewesen!' Luk 10:12 Es ist ganz sicher: Den Einwohnern von Sodom wird es am Gerichtstag besser ergehen als den Leuten einer solchen Stadt. Luk 10:13 Wehe euch, ihr Bürger von Chorazin und Bethsaida! Wären diese Wunder in den lasterhaften Hafenstädten Tyrus und Sidon geschehen, ihre Bewohner hätten längst ihre Schuld erkannt und ihr Leben geändert. Luk 10:14 Am Tag des Gerichts wird es Tyrus und Sidon besser ergehen als euch. Luk 10:15 Und du, hochgerühmtes Kapernaum, wirst du wirklich in den Himmel gehoben werden? Nein, zur Hölle wirst du fahren! Luk 10:16 Wer auf euch hört, der hört mich. Und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab. Aber wer mich ablehnt, der lehnt damit auch Gott ab, der mich gesandt hat." Luk 10:17 Als die siebzig Jünger zurückgekehrt waren, berichteten sie begeistert: "Herr, sogar die Dämonen mußten uns gehorchen, wenn wir deinen Namen nannten!" Luk 10:18 "Ich weiß", antwortete Jesus, "denn ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. Luk 10:19 Ich habe euch die Macht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu treten und die Gewalt des Feindes zu brechen. Nichts wird euch schaden. Luk 10:20 Trotzdem: Laßt euch nicht davon beeindrucken, daß euch die Dämonen gehorchen müssen; freut euch vielmehr darüber, daß eure Namen im Himmel eingetragen sind!" Luk 10:21 Erfüllt vom Heiligen Geist, betete Jesus nun voller Freude: "Mein Vater, Herr über Himmel und Erde! Ich danke dir, daß du die Wahrheit vor denen verbirgst, die sich für klug halten; aber den Unwissenden hast du sie enthüllt. Ja, Vater, das war deine Absicht. Luk 10:22 Mein Vater hat mir alle Macht gegeben. Niemand außer dem Vater weiß, wer der Sohn ist. Und wer der Vater ist, weiß nur der Sohn und der, dem er es zeigen will." Luk 10:23 Zu seinen Jüngern sagte Jesus dann: "Ihr könnt glücklich sein, daß ihr dies alles seht und erlebt. Luk 10:24 Denn das ist sicher: Propheten und Könige hätten viel darum gegeben, das zu erleben, was ihr seht und hört. Aber die Zeit war noch nicht da." Luk 10:25 Da stand ein Schriftgelehrter auf, um Jesus eine Falle zu stellen. "Meister", fragte er scheinheilig, "was muß ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?" Luk 10:26 Jesus erwiderte: "Was steht denn darüber im Gesetz Gottes? Was liest du dort?" Luk 10:27 Der Schriftgelehrte antwortete: "Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben mit deinem ganzen Herzen, von ganzer Seele, mit aller Kraft und deinem ganzen Verstand. Und auch deinen Mitmenschen sollst du so lieben wie dich selbst." Luk 10:28 "Richtig!" erwiderte Jesus. "Tue das, und du wirst ewig leben." Luk 10:29 Aber der Mann wollte sich damit nicht zufrieden geben und fragte weiter: "Wer gehört denn zu meinen Mitmenschen? Wie ist das gemeint?" Luk 10:30 Jesus antwortete ihm mit einer Geschichte: "Ein Mann wanderte von Jerusalem nach Jericho hinunter. Unterwegs wurde er von Räubern überfallen. Sie schlugen ihn zusammen, plünderten ihn aus und ließen ihn halbtot liegen. Dann machten sie sich davon. Luk 10:31 Zufällig kam bald darauf ein Priester vorbei. Er sah den Mann liegen und ging schnell weiter. Luk 10:32 Genauso verhielt sich ein Tempeldiener. Er sah zwar den verletzten Mann, aber er blieb nicht stehen, sondern machte einen großen Bogen um ihn. Luk 10:33 Dann kam einer der verachteten Samariter vorbei. Als er den Verletzten sah, hatte er Mitleid mit ihm. Luk 10:34 Er beugte sich zu ihm hinunter und behandelte seine Wunden. Dann hob er ihn auf sein Reittier und brachte ihn in den nächsten Gasthof, wo er den Kranken besser pflegen und versorgen konnte. Luk 10:35 Als er am nächsten Tag weiterreisen mußte, gab er dem Wirt Geld und bat ihn: 'Pflege den Mann gesund! Sollte das Geld nicht reichen, werde ich dir den Rest auf meiner Rückreise bezahlen!'" Luk 10:36 "Welcher von den dreien", fragte Jesus jetzt den Schriftgelehrten, "hat nach deiner Meinung Gottes Gebot erfüllt und an dem Überfallenen als Mitmensch gehandelt?" Luk 10:37 Der Schriftgelehrte erwiderte: "Natürlich der Mann, der ihm geholfen hat." "Dann geh und folge seinem Beispiel!" forderte Jesus ihn auf. Luk 10:38 Jesus kam mit seinen Jüngern in ein Dorf, wo sie bei einer Frau aufgenommen wurden, die Martha hieß. Luk 10:39 Maria, ihre Schwester, setzte sich zu Jesus und hörte ihm aufmerksam zu. Luk 10:40 Martha aber war unentwegt mit der Bewirtung ihrer Gäste beschäftigt. Schließlich kam sie zu Jesus und fragte: "Herr, siehst du nicht, daß meine Schwester mir gar nicht hilft? Sie überläßt mir die ganze Arbeit. Kannst du ihr nicht sagen, daß auch sie etwas tun soll?" Luk 10:41 Doch Jesus antwortete ihr: "Martha, Martha, du machst dir viel Sorgen und mühst dich um Dinge, die im Grunde nicht so wichtig sind. Luk 10:42 Wichtig ist nur eins! Das hat Maria verstanden, und davon werde ich sie nicht abbringen." Luk 11:1 Eines Tages, als Jesus gebetet hatte, baten ihn seine Jünger: "Herr, sage uns doch, wie wir richtig beten sollen. Auch Johannes hat dies seine Jünger gelehrt." Luk 11:2 Jesus antwortete ihnen: "So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel! Dein heiliger Name soll geehrt werden. Richte bald deine Herrschaft bei uns auf. Luk 11:3 Gib uns auch heute wieder, was wir zum Leben brauchen. Luk 11:4 Vergib uns unsere Schuld, wie wir all denen vergeben, die uns Unrecht getan haben. Bewahre uns davor, daß wir dir untreu werden." Luk 11:5 Dann sagte Jesus zu den Jüngern: "Stellt euch vor, einer von euch hat einen Freund. Mitten in der Nacht geht er zu ihm, klopft an die Tür und bittet ihn: 'Leihe mir doch bitte drei Brote. Luk 11:6 Ich habe unerwartet Besuch bekommen und nichts im Haus, was ich ihm anbieten könnte.' Luk 11:7 Vielleicht würde der Freund dann antworten: 'Stör mich nicht! Ich habe die Tür schon abgeschlossen und liege im Bett. Außerdem könnten die Kinder von dem Lärm wach werden. Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir etwas geben.' Luk 11:8 Das sage ich euch: Wenn er schon nicht aufstehen und dem Mann etwas geben will, weil er sein Freund ist, so wird er schließlich doch aus seinem Bett steigen und ihm alles Nötige geben, weil der andere ihm einfach keine Ruhe läßt. Luk 11:9 Darum sage ich euch: Bittet Gott, und er wird euch geben. Sucht, und ihr werdet finden. Klopft an, dann wird euch die Tür geöffnet. Luk 11:10 Denn wer bittet, der wird bekommen. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet. Luk 11:11 Welcher Vater würde seinem Sohn denn eine Schlange geben, wenn der ihn um einen Fisch bittet, Luk 11:12 oder einen Skorpion, wenn er ein Ei haben möchte? Luk 11:13 Wenn schon ihr hartherzigen, sündigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, dann wird doch der Vater im Himmel erst recht denen seinen Heiligen Geist geben, die ihn darum bitten." Luk 11:14 Einmal trieb Jesus einen Dämon aus, der einen Mann stumm gemacht hatte. Als der ihn verlassen hatte, konnte der Mann wieder sprechen. Luk 11:15 Die Leute, die das beobachteten, staunten; aber es gab auch einige, die sagten: "Er kann nur deshalb die Dämonen austreiben, weil ihm Satan, der Oberste aller Dämonen, die Macht dazu gegeben hat." Luk 11:16 Andere wieder, die Jesus aushorchen wollten, verlangten von ihm ein göttliches Wunderzeichen als Beweis dafür, daß er wirklich in Gottes Namen handelte. Luk 11:17 Jesus wußte aber genau, was sie dachten, und sagte zu ihnen: "Jeder weiß, daß ein Staat sich selbst ruiniert und schließlich untergehen wird, wenn dort mehrere Machthaber um die Alleinherrschaft kämpfen. Luk 11:18 Würde nun ein Teufel den anderen austreiben, wie könnte dann das Reich des Teufels Bestand haben? Ihr behauptet, daß ich die Dämonen mit Hilfe des Satans austreibe. Luk 11:19 Wenn das tatsächlich so wäre: Welche Kraft gebrauchen dann eure Leute, wenn sie Dämonen austreiben? Sie selbst werden euch das Urteil sprechen. Luk 11:20 Wenn ich aber die Dämonen durch Gottes Macht austreibe, so begreift doch endlich, daß Gottes Herrschaft jetzt beginnt - mitten unter euch! Luk 11:21 Solange ein starker Mann, der dazu noch gute Waffen besitzt, sein Haus verteidigt, kann ihm niemand etwas rauben; Luk 11:22 es sei denn, er wird von einem Stärkeren angegriffen, überwältigt und entwaffnet. Dann freilich wird der Stärkere den ganzen Besitz an sich reißen. Luk 11:23 Das steht fest: Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich. Und wer sich nicht ganz für mich einsetzt, der schadet meiner Sache." Luk 11:24 "Wenn ein Dämon sein Opfer verläßt, dann irrt er so lange ruhelos umher, bis er ein neues Opfer gefunden hat. Findet er keins, entschließt er sich: 'Ich will dahin zurückkehren, woher ich gekommen bin.' Luk 11:25 Wenn er zurückkommt, findet er seine frühere Wohnung sauber und ordentlich, aber leer. Luk 11:26 Dann sucht er sich noch sieben andere Dämonen, die schlimmer sind als er selbst. Sie ergreifen zusammen Besitz von dem Menschen, der nun schlimmer dran ist als vorher." Luk 11:27 Während Jesus das sagte, rief plötzlich eine Frau aus der Menschenmenge: "Wie glücklich muß die Frau sein, die dich geboren und aufgezogen hat!" Luk 11:28 Darauf sagte Jesus nur: "Wirklich glücklich sind die Menschen, die Gottes Wort hören und danach leben." Luk 11:29 Von allen Seiten drängten sich die Menschen um Jesus. Da sagte er zu ihnen: "Die Menschen von heute sind böse und gottlos. Sie verlangen nach Beweisen; aber sie werden keine erhalten, außer einem. Denkt an den Propheten Jona! Luk 11:30 So wie Jona für die Leute von Ninive ein Zeichen Gottes wurde, so wird auch der Menschensohn für euch ein Zeichen Gottes sein. Luk 11:31 Die Königin aus dem Süden wird am Gerichtstag Gottes als Zeugin gegen dieses Volk auftreten und es verurteilen. Sie kam von weit her, um von der Weisheit des Königs Salomo zu lernen. Der hier vor euch steht, ist größer als Salomo; trotzdem weigert ihr euch, seinen Worten zu glauben. Luk 11:32 Auch die Einwohner von Ninive werden euch am Gerichtstag verurteilen, denn nach Jonas Predigt bereuten sie ihre Sünden und wandten sich Gott zu. Der hier vor euch steht, ist größer als Jona." Luk 11:33 "Könnt ihr euch vorstellen, daß jemand eine Lampe anzündet, um sie dann zu verstecken oder unter einen Eimer zu stellen? Nein, er stellt sie so auf, daß sie das ganze Zimmer beleuchtet. Luk 11:34 Das Auge gibt dir Licht. Wenn deine Augen klar sehen, wirst du dich überall sicher bewegen können. Wenn du aber schlecht siehst, tappst du unsicher umher. Luk 11:35 Deshalb achte darauf, daß deine Augen nicht trübe oder sogar blind werden! Kannst du nämlich Gott nicht mehr sehen, wie schrecklich wird dann deine Finsternis sein! Luk 11:36 Wenn alles an dir licht und nichts mehr finster ist, wirst du so leuchten, als würdest du von einem hellen Licht angestrahlt." Luk 11:37 Jesus sprach noch mit seinen Zuhörern, als er von einem Pharisäer zum Mittagessen eingeladen wurde. Er ging mit und setzte sich an den Tisch. Luk 11:38 Entrüstet beobachtete der Gastgeber, daß sich Jesus vor dem Essen nicht die Hände gewaschen hatte, wie es bei den Juden vorgeschrieben war. Luk 11:39 Jesus bemerkte seinen Unwillen und wandte sich zu ihm: "Äußerlich seid ihr Pharisäer ohne Fehler, ihr glänzt wie die Becher, aus denen ihr trinkt. Aber innerlich seid ihr schmutzig und verkommen. Luk 11:40 Ihr Scheinheiligen! Ihr wißt doch ganz genau, daß Gott beides geschaffen hat - Äußeres und Inneres. Meint ihr da wirklich, daß er nur auf das Äußere achtet? Luk 11:41 Eure Schüsseln und Becher sind voll. Gebt das, was drin ist, den Armen, dann seid ihr auch vor Gott rein! Luk 11:42 Es steht schlimm mit euch, ihr Pharisäer. Sogar von den kleinsten Küchenkräutern gebt ihr Gott den zehnten Teil. Aber Gerechtigkeit und die Liebe zu Gott sind euch gleichgültig! Doch gerade darum geht es: Das Wesentliche tun und das andere nicht unterlassen! Luk 11:43 Ich warne euch, ihr Pharisäer! Im Gottesdienst sitzt ihr auf den ersten Plätzen, und es gefällt euch, wenn man euch auf der Straße ehrfürchtig grüßt. Luk 11:44 Wehe euch, ihr Pharisäer! Wer mit euch zu tun hat, der weiß nicht, daß er sich verunreinigt, so wie man unrein wird, wenn man ohne es zu wissen über Gräber geht, die vom Gras überwuchert sind!" Luk 11:45 "Meister", rief einer der Schriftgelehrten dazwischen, "damit beschimpfst du auch uns!" Luk 11:46 Jesus erwiderte: "Ja, ich warne euch! Ihr bürdet den Menschen unerträgliche Lasten auf, aber ihr selber denkt nicht daran, diese Lasten auch nur mit einem Finger anzurühren. Luk 11:47 Wehe euch! Ihr baut Denkmäler für die Propheten, die von euren Vätern umgebracht wurden. Luk 11:48 Damit wollt ihr die Propheten ehren, doch ihr bestätigt nur die Schandtaten eurer Väter; denn ihr habt die gleiche Gesinnung wie sie. Sie haben die Propheten getötet, ihr vollendet ihr Werk, indem ihr Denkmäler baut. Luk 11:49 Deshalb hat Gott in seiner Weisheit gesagt: Ich werde ihnen Propheten und Apostel schicken; doch sie werden einige von ihnen töten und die anderen verfolgen! Luk 11:50 Ihr werdet zur Rechenschaft gezogen für den Mord an allen Propheten seit die Welt besteht: Luk 11:51 von Abel angefangen, bis hin zu Zacharias, den ihr im Tempel zwischen Brandopferaltar und Heiligtum ermordet habt. Ja, noch diese Generation wird dafür die Verantwortung tragen müssen. Luk 11:52 Wehe euch, ihr Schriftgelehrten! Denn durch eure Lehren verhindert ihr, daß die Menschen den Weg zur Wahrheit finden. Ihr selbst kommt zwar ohnehin nicht in Gottes Reich; aber - was schlimmer ist - allen, die hineinwollen, versperrt ihr den Zugang." Luk 11:53 Seit der Zeit verfolgten die Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus. Sie stellten ihm hinterhältige Fragen Luk 11:54 und warteten nur darauf, daß sie ihn in eine Falle locken und so ein für allemal unschädlich machen könnten. Luk 12:1 Hunderte, ja Tausende strömten zusammen, und das Gedränge wurde bedrohlich. Doch Jesus sprach zunächst nur zu seinen Jüngern: "Hütet euch vor den Pharisäern und ihrer Scheinheiligkeit, die sich wie eine ansteckende Krankheit ausbreitet. Luk 12:2 Jetzt ist die Zeit da, in der die Wahrheit ans Licht kommen wird und alle Geheimnisse bekannt werden. Luk 12:3 Was ihr im geheimen redet, werden alle erfahren, und was ihr hinter vorgehaltener Hand flüstert, wird alle Welt zu hören bekommen. Luk 12:4 Meine Freunde! Habt keine Angst vor den Menschen, die euch zwar töten können, aber nicht mehr. Luk 12:5 Gott sollt ihr fürchten. Er kann euch töten und in die Hölle werfen. Fürchtet ihn allein! Luk 12:6 Welchen Wert hat schon ein Spatz auf dem Dach? Und doch vergißt Gott keinen einzigen von ihnen. Luk 12:7 Selbst die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt. Ihr braucht wirklich keine Angst zu haben! Ihr seid mehr wert als ein ganzer Spatzenschwarm! Luk 12:8 Das sage ich euch: Wer sich öffentlich zu mir bekennt, für den werde ich auch in Gottes Gericht vor den Engeln eintreten. Luk 12:9 Wer aber vor den Menschen nicht zu mir steht, für den werde ich dann vor den Engeln Gottes auch nicht eintreten. Luk 12:10 Wer den Sohn Gottes beschimpft oder beleidigt, dem kann vergeben werden. Wer aber den Geist Gottes lästert, der wird niemals Vergebung finden. Luk 12:11 Wenn sie euch in den Synagogen zur Rechenschaft ziehen oder vor Behörden und Gerichten verhören, dann sorgt euch nicht darum, was ihr sagen oder wie ihr euch verteidigen sollt! Luk 12:12 Denn der Heilige Geist wird euch zur rechten Zeit das rechte Wort geben." Luk 12:13 Da rief einer aus der Menge: "Herr, sage doch meinem Bruder, er soll unser Erbe gerecht mit mir teilen." Luk 12:14 Aber Jesus wies ihn zurück: "Bin ich etwa euer Richter oder Schiedsmann?" Luk 12:15 Dann wandte er sich an alle: "Hütet euch vor der Habgier! Wenn jemand auch noch soviel Geld hat, das Leben kann er sich damit nicht kaufen." Luk 12:16 An einem Beispiel erklärte er seinen Zuhörern, was er damit meinte: "Ein reicher Gutsbesitzer hatte eine besonders gute Ernte. Luk 12:17 Er überlegte: 'Wo soll ich bloß alles unterbringen? Meine Scheunen sind voll; da geht nichts mehr rein.' Luk 12:18 Er beschloß: 'Ich werde die alten Scheunen abreißen und neue bauen, so groß, daß ich das ganze Getreide, ja alles, was ich habe, darin unterbringen kann. Luk 12:19 Dann will ich mich zur Ruhe setzen. Ich habe für lange Zeit ausgesorgt. Jetzt lasse ich es mir gut gehen. Ich will gut essen und trinken und mein Leben genießen!' Luk 12:20 Aber Gott sagte zu ihm: 'Du Narr! Noch in dieser Nacht wirst du sterben. Was bleibt dir dann von deinem Reichtum?' Luk 12:21 So wird es allen gehen, die auf der Erde Reichtümer sammeln, aber mit leeren Händen vor Gott stehen." Luk 12:22 Seine Jünger ermutigte Jesus: "Macht euch keine Sorgen um euern Lebensunterhalt, um Essen, Gesundheit und Kleidung. Luk 12:23 Leben bedeutet mehr als nur Essen und Trinken, und der Mensch ist wichtiger als das, was er anzieht. Luk 12:24 Seht euch die Raben an! Sie säen nichts und ernten nichts, sie haben keine Vorratskammern und keine Scheunen; aber Gott versorgt sie doch. Meint ihr nicht, daß er sich um euch noch viel mehr kümmert? Luk 12:25 Und wenn ihr euch noch so viel sorgt, könnt ihr damit euer Leben auch nur um einen einzigen Augenblick verlängern? Luk 12:26 Wenn ihr aber euer Leben nicht einmal um eine Sekunde verlängern könnt, was sorgt ihr euch um all die anderen Dinge? Luk 12:27 Seht euch an, wie die Lilien auf den Wiesen blühen! Sie können weder spinnen noch weben. Ich sage euch, selbst König Salomo war in seiner ganzen Herrlichkeit nicht so prächtig gekleidet wie irgendeine dieser Blumen. Luk 12:28 Wenn Gott sogar das Gras so schön wachsen läßt, das heute auf der Wiese grünt und blüht, morgen aber schon verdorrt ist, meint ihr wirklich, er könnte euch vergessen? Seid doch nicht so kleingläubig! Luk 12:29 Hört also auf, ängstlich danach zu fragen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Macht euch darüber keine Sorgen! Luk 12:30 Wollt ihr denn leben wie Menschen, die Gott nicht als Vater kennen? Er weiß genau, was ihr alles braucht. Luk 12:31 Sorgt ihr euch vor allem um das Reich Gottes, dann wird euch Gott alles andere geben. Luk 12:32 Du kleine Herde, du brauchst keine Angst vor der Zukunft zu haben! Denn dir will der Vater sein Königreich schenken. Luk 12:33 Verkauft euren Besitz, und gebt das Geld den Armen! Sammelt euch so einen Vorrat, der nicht alt wird und niemals verderben kann, einen Schatz im Himmel. Diesen Schatz kann kein Dieb stehlen, und er behält immer seinen Wert. Luk 12:34 Wo eure Schätze sind, da zieht es euch auch hin." Luk 12:35 "Ihr sollt so leben wie Diener, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der von einer Hochzeit kommt. Luk 12:36 Seid wie sie dienstbereit, und laßt eure Lampen angezündet. Wenn ihr Herr zurückkommt und klopft, können sie ihm schnell öffnen. Luk 12:37 Das wird für alle, die ihn erwartet haben, eine große Freude sein. Ich bin sicher, der Herr wird sie bitten, am Tisch Platz zu nehmen, und er selbst wird sich eine Schürze umbinden und sie bedienen. Luk 12:38 Vielleicht kommt er spät am Abend, vielleicht auch erst um Mitternacht. Aber wenn er kommt, werden seine Diener allen Grund zur Freude haben, wenn sie bereit sind. Luk 12:39 Das ist doch klar: Wenn ein Hausherr wüßte, daß jemand bei ihm einbrechen will, würde er wach bleiben und sich vor dem Dieb schützen. Luk 12:40 Ihr wißt aber nicht genau, wann der Herr zurückkommt. Darum müßt ihr jederzeit auf seine Ankunft vorbereitet sein, denn der Menschensohn wird wiederkommen, wenn ihr am wenigsten damit rechnet." Luk 12:41 "Herr, gelten diese Worte nur für uns, oder meinst du alle Menschen damit?" fragte ihn Petrus. Luk 12:42 Jesus entgegnete: "Erwartet man nicht von einem klugen und zuverlässigen Verwalter, daß ihm sein Herr beruhigt die Aufsicht über alle Mitarbeiter anvertrauen kann und er sie gewissenhaft mit allem Nötigen versorgt? Luk 12:43 Wenn sein Herr zurückkommt und findet, daß er seine Arbeit gut getan hat, wird er glücklich und zufrieden sein. Luk 12:44 Eins ist sicher: Einem so zuverlässigen und bewährten Mann wird er die Verantwortung für seinen ganzen Besitz übertragen. Luk 12:45 Wenn aber ein Verwalter unzuverlässig ist und denkt: 'Ach was, es dauert bestimmt noch lange, bis mein Herr kommt', und er fängt an, seine Mitarbeiter zu schikanieren und Trinkgelage zu veranstalten, Luk 12:46 dann wird sein Herr ganz unerwartet zurückkehren. Er wird den unzuverlässigen Verwalter bestrafen und ihm den Lohn geben, den die Gottlosen verdienen. Luk 12:47 Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber bewußt nicht danach richtet, wird schwer bestraft werden. Luk 12:48 Wer dagegen falsch handelt, ohne es zu wissen, wird mit einer leichteren Strafe davonkommen. So wird von jedem, der viel bekommen hat, auch viel erwartet; denn wem viel anvertraut wurde, von dem verlangt man auch viel." Luk 12:49 "Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer anzuzünden. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Luk 12:50 Vorher muß ich aber am Kreuz noch Schweres erleiden. Ich habe Angst davor, bis alles vollbracht ist. Luk 12:51 Meint nur nicht, daß ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu bringen! Nein, ich bringe Auseinandersetzung. Luk 12:52 Von jetzt an wird man sich in einer Familie um meinetwillen gegeneinander auflehnen: Luk 12:53 der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter; die Schwiegermutter gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter." Luk 12:54 Dann redete Jesus wieder zu allen: "Wenn die Wolken von Westen kommen, sagt ihr: 'Es gibt Regen', und das stimmt auch. Luk 12:55 Wenn der Wind von Süden weht, sagt ihr: 'Es wird heiß', und ihr habt recht. Luk 12:56 Ihr Heuchler! Das Wetter könnt ihr aus bestimmten Anzeichen voraussagen, aber was in dieser Zeit vor euren Augen geschieht, das wollt ihr nicht wahrhaben. Luk 12:57 Warum weigert ihr euch zu erkennen, was die Stunde geschlagen hat? Luk 12:58 Hast du deine Schulden nicht bezahlt, und man bringt dich deswegen vor Gericht, dann setze alles daran, dich noch auf dem Weg dorthin mit deinem Gegner zu einigen. Sonst wird dich der Richter verurteilen und ins Gefängnis werfen lassen. Luk 12:59 Eins kann ich dir jetzt schon sagen: Du wirst nicht eher wieder herauskommen, bis du den letzten Pfennig deiner Schuld bezahlt hast." Luk 13:1 Zu dieser Zeit berichtete man Jesus, daß Pilatus einige Männer aus Galiläa während des Opferdienstes im Tempel hatte niedermetzeln lassen. So hatte sich ihr Blut mit dem der Opfertiere vermischt. Luk 13:2 "Ihr denkt jetzt vielleicht", sagte Jesus, "diese Galiläer seien schlimmere Sünder gewesen als andere Leute, weil sie so grausam ermordet wurden. Luk 13:3 Ihr irrt euch! Aber eins sollt ihr wissen: Wenn ihr euch nicht zu Gott hinwendet und euer schlechtes Leben ändert, dann werdet ihr genauso umkommen. Luk 13:4 Erinnert euch an die achtzehn Leute, die starben, als der Turm von Siloah einstürzte. Glaubt ihr wirklich, daß ausgerechnet sie die schlimmsten Sünder in Jerusalem waren? Luk 13:5 Nein! Aber wenn ihr euer Leben nicht ändert, wird es euch ebenso gehen." Luk 13:6 Und dann erzählte Jesus ihnen diese Geschichte: "Ein Mann pflanzte in seinen Weinberg einen Feigenbaum. Jahr für Jahr sah er nach, ob der Baum Früchte trug. Aber vergeblich! Luk 13:7 Endlich rief er seinen Gärtner: 'Schon drei Jahre habe ich gewartet, aber noch nie hing an dem Baum auch nur eine einzige Feige. Hau ihn um. Er nimmt nur Platz weg.' Luk 13:8 'Laß ihn noch ein Jahr stehen!' bat ihn der Gärtner. 'Ich will diesen Baum gut düngen und sorgfältig pflegen. Luk 13:9 Wenn er dann immer noch keine Früchte trägt, gut, dann werde ich ihn umhauen.'" Luk 13:10 Am Sabbat lehrte Jesus in einer Synagoge. Luk 13:11 An dem Gottesdienst nahm auch eine Frau teil, die seit achtzehn Jahren schwer behindert war und sich nicht mehr aufrichten konnte. Luk 13:12 Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich: "Frau, du sollst von deinem Leiden erlöst sein!" Luk 13:13 Segnend legte er seine Hände auf sie. Da richtete sie sich auf und dankte Gott von ganzem Herzen. Luk 13:14 Aber der Vorsteher der Synagoge entrüstete sich darüber, daß Jesus die Frau am Sabbat geheilt hatte. "Die Woche hat sechs Arbeitstage. An denen könnt ihr kommen und euch heilen lassen, aber nicht ausgerechnet am Sabbat", ereiferte er sich. Luk 13:15 Doch Jesus erwiderte ihm: "Ihr Heuchler! Ihr bindet doch eure Ochsen und Esel auch am Sabbat los und führt sie zur Tränke. Luk 13:16 Und mir verbietet ihr, diese Frau am Sabbat aus der Knechtschaft Satans zu befreien! Achtzehn Jahre lang war sie krank. Gehört sie nicht auch zu Gottes auserwähltem Volk?" Luk 13:17 Darauf konnten seine Feinde nichts erwidern. Aber alle anderen freuten sich über die wunderbaren Taten Jesu. Luk 13:18 Jesus fragte seine Zuhörer: "Womit kann ich das Reich Gottes vergleichen? Luk 13:19 Es ist wie ein winziges Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten aussät. Aus dem kleinen Samenkorn wird ein großer Baum, in dem die Vögel ihre Nester bauen. Luk 13:20 Ebenso kann ich das Reich Gottes mit dem Sauerteig vergleichen. Luk 13:21 Eine Frau nimmt ein wenig davon, knetet ihn unter eine große Menge Mehl, und er durchsäuert den ganzen Teig." Luk 13:22 Jesus zog predigend durch das Land, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf. Auf dem Weg nach Jerusalem Luk 13:23 sprach ihn ein Mann an: "Herr, stimmt es wirklich, daß nur wenige Menschen gerettet werden?" Jesus antwortete ihm: Luk 13:24 "Die Tür zum Himmel ist schmal! Ihr müßt schon alles dransetzen, wenn ihr durch diese Tür hineinkommen wollt. Viele versuchen es, aber nur wenigen wird es gelingen. Luk 13:25 Hat der Hausherr erst einmal die Tür verschlossen, werdet ihr draußen stehen. So viel ihr dann auch klopft und bettelt: 'Herr, mach uns doch auf!' - es ist umsonst! 'Was wollt ihr von mir, ich kenne euch nicht!' wird er euch antworten. Luk 13:26 'Aber wir haben doch zusammen gegessen und getrunken! Du hast bei uns gepredigt!' Luk 13:27 Doch der Herr wird ihnen erwidern: 'Ich habe doch schon einmal gesagt, daß ich euch nicht kenne. Menschen wie ihr haben hier nichts verloren. Geht endlich weg!' Luk 13:28 Wenn ihr dann draußen seid und seht, daß Isaak, Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, dann werdet ihr verzweifelt heulen und schreien. Luk 13:29 Aus der ganzen Welt, aus Ost und West, aus Nord und Süd werden die Menschen in Gottes Reich, zu Gottes Fest kommen. Luk 13:30 Vergeßt nicht: Viele, die hier nichts gelten, werden dort hoch geehrt, aber viele, die hier einen großen Namen haben, sind dort unbekannt." Luk 13:31 Kurze Zeit später kamen einige Pharisäer zu Jesus. "Wenn dir dein Leben lieb ist", warnten sie ihn, "dann sieh zu, daß du schnell von hier fortkommst. König Herodes will dich töten lassen!" Luk 13:32 Jesus antwortete: "Sagt diesem Gauner: 'Heute und morgen treibe ich Dämonen aus und heile Menschen. Aber am dritten Tag werde ich mein Ziel erreicht haben.' Luk 13:33 Ja, heute, morgen und übermorgen bin ich noch unterwegs. Wo anders als in Jerusalem könnte denn ein Prophet umgebracht werden? Luk 13:34 Jerusalem! O Jerusalem! Du ermordest deine Propheten und erschlägst die Boten, die Gott zu dir schickt. Wie oft schon wollte ich deine Bewohner um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt! Aber ihr habt es nicht gewollt. Luk 13:35 Und nun? Von euerm Tempel werden nur noch Trümmer bleiben. Und mich werdet ihr erst wiedersehen, wenn ihr rufen werdet: 'Gelobt sei der, der im Namen Gottes zu uns kommt!'" Luk 14:1 An einem Sabbat war Jesus bei einem angesehenen Pharisäer zu Gast. Scharf wurde er von allen Anwesenden beobachtet. Luk 14:2 Vor ihm stand ein Mann, der an Wassersucht erkrankt war. Würde Jesus es wagen, ihn in diesem Haus an einem Sabbat zu heilen? Luk 14:3 Jesus wußte, was sie dachten, und fragte die Schriftgelehrten und Pharisäer: "Erlaubt es das Gesetz, einen Mann am Sabbat zu heilen, oder nicht?" Luk 14:4 Als sie ihm keine Antwort gaben, faßte Jesus den Kranken bei der Hand, heilte ihn und ließ ihn nach Hause gehen. Luk 14:5 Dann fragte er die Gäste: "Was macht ihr, wenn euer Kind oder ein Ochse am Sabbat in den Brunnen fällt? Zieht ihr sie nicht sofort heraus? Oder wartet ihr, bis der Sabbat vorbei ist?" Luk 14:6 Darauf konnten sie nichts antworten. Luk 14:7 Als Jesus bemerkte, wie sich die Gäste nach den besten Plätzen drängten, nahm er dies als Beispiel und sagte: Luk 14:8 "Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen wirst, dann setze dich nicht gleich oben auf den besten Platz. Es könnte ja noch jemand kommen, der angesehener ist als du. Luk 14:9 Mit ihm käme dann der Gastgeber zu dir: 'Der Platz war für diesen Mann hier reserviert!' Vor allen Gästen müßtest du dich an das Ende des Tisches setzen. Luk 14:10 Wäre es nicht besser, du setzt dich gleich dorthin? Wenn dich dann der Gastgeber begrüßt, wird er vielleicht zu dir sagen: 'Mein Freund, für dich habe ich einen besseren Platz!' Du wirst damit vor allen Gästen geehrt. Luk 14:11 Jeder, der sich selbst ehrt, wird gedemütigt werden; aber wer sich selbst erniedrigt, den wird Gott ehren." Luk 14:12 Schließlich sagte Jesus zu seinem Gastgeber: "Zu einem Essen solltest du nicht deine Freunde, Brüder, Verwandten oder die reichen Nachbarn einladen. Sie werden dir danken und dich wieder einladen. Das ist alles. Luk 14:13 Bitte lieber die Armen, Behinderten, Lahmen und Blinden an deinen Tisch. Luk 14:14 Dann hast du Menschen geholfen, die sich dir nicht erkenntlich zeigen können. Gott wird dich am Tage der Auferstehung dafür belohnen." Luk 14:15 Als einer von den Gästen das hörte, rief er: "Was für ein Glück muß das sein, zu Gottes Fest eingeladen zu werden!" Luk 14:16 Jesus antwortete mit einer Geschichte: "Ein Mann bereitete ein großes Festessen vor, zu dem er viele Gäste einlud. Luk 14:17 Als alles fertig war, schickte er seinen Boten zu den Eingeladenen: 'Alles ist vorbereitet, kommt!' Luk 14:18 Aber niemand kam. Jeder hatte auf einmal Ausreden. Einer sagte: 'Ich habe ein Grundstück gekauft, das muß ich unbedingt besichtigen. Bitte entschuldige mich!' Luk 14:19 Ein anderer: 'Es geht leider nicht. Ich habe mir fünf Gespanne Ochsen angeschafft. Die muß ich jetzt ansehen!' Luk 14:20 Ein dritter entschuldigte sich: 'Ich habe gerade geheiratet. Du wirst verstehen, daß ich nicht kommen kann.' Luk 14:21 Der Bote kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Der wurde sehr zornig: 'Geh gleich auf die Straßen, auf alle Plätze der Stadt und hole die Bettler, Krüppel, Lahmen und Blinden herein!' Luk 14:22 Der Bote kam zurück und berichtete: 'Es sind viele gekommen, aber noch immer sind Plätze frei!' Luk 14:23 'Geh auf die Landstraßen', befahl der Herr, 'und bringe her, wen du finden kannst! Jeder ist eingeladen. Mein Haus soll voll werden. Luk 14:24 Aber von denen, die ich zuerst eingeladen habe, wird keiner auch nur einen einzigen Bissen bekommen.'" Luk 14:25 Wie schon oft, war Jesus von einer großen Menschenmenge umlagert. Bei dieser Gelegenheit machte er seinen Zuhörern deutlich: Luk 14:26 "Wenn einer mit mir gehen will, so muß ich für ihn wichtiger sein als alles andere in seinem Leben: wichtiger als seine Eltern, seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister, ja wichtiger als das Leben selbst. Nur so kann er mein Jünger sein. Luk 14:27 Wer nicht bereit ist, diese Lasten um meinetwillen auf sich zu nehmen und mir nachzufolgen, der gehört nicht zu mir. Luk 14:28 Will sich jemand ein Haus bauen, dann überlegt er doch auch vorher, ob er das überhaupt bezahlen kann. Luk 14:29 Kein vernünftiger Bauherr wird einfach anfangen und dabei riskieren, daß er bereits nach dem Bau des Fundaments aufhören muß. Die Leute werden ihn auslachen: Luk 14:30 'Ein Haus wollte er bauen! Aber es reichte nur bis zum Fundament!' Luk 14:31 Oder welcher König würde wohl auf die Idee kommen, einem anderen den Krieg zu erklären, ohne mit seinen Beratern zu überlegen, ob seine Armee von zehntausend Mann stark genug ist, um die feindlichen Truppen mit zwanzigtausend Mann zu schlagen? Luk 14:32 Erscheint ihm das Risiko zu groß, dann wird er, wenn die feindlichen Truppen noch weit entfernt sind, Unterhändler schicken, um über einen Frieden zu verhandeln. Luk 14:33 Überlegt es euch vorher, ob ihr wirklich bereit seid, alles für mich aufzugeben und mir nachzufolgen. Luk 14:34 Salz ist lebensnotwendig. Aber was soll man mit Salz anfangen, das seinen Geschmack verloren hat? Luk 14:35 Fades Salz ist nutzlos. Es taugt nicht einmal als Dünger. Man muß es wegwerfen. Hört mir genau zu, damit ihr versteht, was ich meine!" Luk 15:1 Viele Zollbeamte und andere verrufene Leute kamen immer wieder zu Jesus, um ihn zu hören. Luk 15:2 Empört zischten die Pharisäer und Schriftgelehrten: "Mit welchem Gesindel gibt der sich da ab! Und nicht genug, daß er mit ihnen redet: Er setzt sich sogar mit ihnen an einen Tisch!" Luk 15:3 Jesus benutzte wieder ein Gleichnis, um es ihnen zu erklären: Luk 15:4 "Wenn du hundert Schafe hast, und eins läuft weg, läßt du dann nicht die neunundneunzig allein zurück, um das verlorene zu suchen, bis du es gefunden hast? Luk 15:5 Glücklich wirst du es dann auf deinen Schultern nach Hause tragen Luk 15:6 und deinen Freunden und Nachbarn zurufen: 'Kommt her, freut euch mit mir, ich habe mein Schaf wiedergefunden!' Luk 15:7 So wird man sich auch im Himmel über einen verlorenen Sünder, der zu Gott umkehrt, mehr freuen als über neunundneunzig andere, die es nicht nötig haben, Buße zu tun." Luk 15:8 "Oder nehmt ein anderes Beispiel: Zehn Silbermünzen hatte eine Frau gespart. Als ihr eines Tages eine fehlt, zündet sie sofort eine Lampe an, stellt das ganze Haus auf den Kopf und sucht in allen Ecken. Luk 15:9 Endlich hat sie die Münze gefunden. Sie rennt aus dem Haus zu ihren Freundinnen und Nachbarinnen: 'Ich hab' mein Geld wieder! Schaut her! Freut euch mit mir!' Luk 15:10 Genau so freuen sich auch die Engel Gottes, wenn ein einziger Sünder zu Gott umkehrt." Luk 15:11 "Ein Mann hatte zwei Söhne", erzählte Jesus. Luk 15:12 "Eines Tages sagte der Jüngere zu ihm: 'Vater, ich will jetzt schon meinen Anteil am Erbe ausbezahlt haben.' Da teilte der Vater sein Vermögen unter ihnen auf. Luk 15:13 Nur wenige Tage später packte der jüngere Sohn alles zusammen, verließ seinen Vater und reiste ins Ausland. Endlich konnte er sein Leben in vollen Zügen genießen. Er leistete sich, was er wollte, Luk 15:14 bis er schließlich keinen Pfennig mehr besaß. Zu allem Unglück brach in dieser Zeit eine große Hungersnot aus. Es ging ihm sehr schlecht. Luk 15:15 In seiner Verzweiflung bettelte er so lange bei einem Bauern, bis der ihn zum Schweinehüten auf die Felder schickte. Luk 15:16 Oft quälte ihn der Hunger so, daß er froh gewesen wäre, etwas vom Schweinefutter zu bekommen. Aber selbst davon erhielt er nichts. Luk 15:17 Da kam er zur Besinnung: 'Bei meinem Vater hat jeder Arbeiter mehr als genug zu essen, und ich sterbe hier vor Hunger. Luk 15:18 Ich will zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Luk 15:19 Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert. Aber kann ich nicht als Arbeiter bei dir bleiben?' Luk 15:20 Er stand auf und ging zurück zu seinem Vater. Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn. Luk 15:21 Doch der Sohn bekannte: 'Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.' Luk 15:22 Sein Vater aber befahl den Knechten: 'Beeilt euch! Holt den schönsten Anzug, den wir im Hause haben, und gebt ihn meinem Sohn. Bringt auch einen kostbaren Ring und Schuhe für ihn! Luk 15:23 Schlachtet das Kalb, das wir gemästet haben! Wir wollen feiern! Luk 15:24 Mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt hat er zurückgefunden.' Und sie begannen ein fröhliches Fest. Luk 15:25 Inzwischen kam der ältere Sohn nach Hause. Er hatte auf dem Feld gearbeitet und hörte schon von weitem die Tanzmusik. Luk 15:26 Erstaunt fragte er einen Knecht: 'Was wird denn hier gefeiert?' Luk 15:27 'Dein Bruder ist wieder da', antwortete er ihm. 'Dein Vater hat sich darüber so gefreut, daß er das Mastkalb schlachten ließ. Jetzt feiern sie ein großes Fest.' Luk 15:28 Der ältere Bruder wurde wütend und wollte nicht ins Haus gehen. Da kam sein Vater zu ihm und bat: 'Komm und freu dich mit uns!' Luk 15:29 Doch er entgegnete ihm bitter: 'Wie ein Arbeiter habe ich mich all diese Jahre für dich geschunden. Alles habe ich getan, was du von mir verlangt hast. Aber nie hast du mir auch nur eine junge Ziege gegeben, damit ich mit meinen Freunden einmal hätte richtig feiern können. Luk 15:30 Und jetzt, wo dein Sohn zurückkommt, der dein Geld mit Huren durchgebracht und alles verpraßt hat, jetzt gibt es gleich ein Fest, und du läßt sogar das Mastkalb schlachten!' Luk 15:31 Sein Vater redete ihm zu: 'Mein Sohn, du bist immer bei mir gewesen. Was ich habe, gehört auch dir. Luk 15:32 Darum komm, wir haben allen Grund zu feiern. Denn dein Bruder war für uns tot, jetzt hat für ihn ein neues Leben begonnen. Er war verloren, jetzt hat er zurückgefunden!'" Luk 16:1 Danach erzählte Jesus seinen Jüngern folgende Geschichte: "Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Als er entdeckte, daß dieser seinen Besitz verschleuderte, Luk 16:2 stellte er ihn zur Rede: 'Was muß ich von dir hören? Bring mir deine Abrechnung! Du bist entlassen!' Luk 16:3 Der Verwalter überlegte: 'Was mache ich jetzt? Meinen Posten bin ich los. Ein Feld umgraben kann ich nicht, und zum Betteln bin ich zu stolz. Luk 16:4 Aber ich weiß, was ich tue. Ich mache mir Freunde, die mir weiterhelfen, wenn ich arbeitslos bin.' Luk 16:5 Er ließ alle Männer zu sich rufen, die bei seinem Herrn Schulden hatten. Den ersten fragte er: 'Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?' Luk 16:6 'Ich muß ihm hundert Faß Olivenöl geben', antwortete der Mann. 'Hier ist dein Schuldschein!' erklärte ihm der Verwalter. 'Trage fünfzig ein!' Luk 16:7 'Und wie hoch sind deine Schulden?' fragte er einen anderen. 'Ich schulde deinem Herrn hundert Sack Weizen.' 'Hier, nimm den Schuldschein und schreibe achtzig!' forderte er ihn auf." Luk 16:8 Jesus lobte das vorausplanende Handeln des gerissenen Verwalters. Denn die Menschen dieser Welt gehen klüger und geschickter miteinander um als die Menschen, die sich zu Gott bekennen. Luk 16:9 Jesus erklärte seinen Jüngern: "So klug wie dieser Verwalter sollt auch ihr das Geld einsetzen, das so viele zum Unrecht verführt. Helft damit solchen Menschen, die eure Hilfe brauchen. Dann werdet ihr, wenn euch das Geld nichts mehr nützen kann, von Gott einen Platz im Himmel bekommen. Luk 16:10 Doch bedenkt: Nur wer im Kleinen ehrlich ist, wird es auch im Großen sein. Wenn ihr bei kleinen Dingen unzuverlässig seid, wird man euch niemals etwas Großes anvertrauen. Luk 16:11 Geht ihr also schon mit Geld unehrlich um, wer wird euch dann die Reichtümer des Himmels geben wollen? Luk 16:12 Verwaltet ihr das Geld anderer Leute nachlässig, wie kann euch Gott dann das schenken, was euch gehören soll? Luk 16:13 Niemand kann zwei Herren gleichzeitig dienen. Entweder wird er für den einen arbeiten und für den anderen nichts tun, oder er wird den einen anerkennen und den anderen ablehnen. Deshalb müßt ihr euch entscheiden, ob ihr Gott oder dem Geld dienen wollt. Beides zugleich geht nicht." Luk 16:14 Die geldgierigen Pharisäer spotteten über diese Worte. Luk 16:15 Deshalb sagte er zu ihnen: "Ihr wollt, daß alle Menschen von eurer untadeligen Frömmigkeit überzeugt sind. Aber Gott kennt euch und weiß, daß ihr böse seid. Er verabscheut, wie ihr die Menschen beeindrucken wollt." Luk 16:16 Weiter sagte Jesus: "Bis Johannes der Täufer kam, waren das Gesetz von Mose und die Lehren der Propheten die Maßstäbe für alles Handeln. Seitdem wird die frohe Botschaft vom Reich Gottes verkündet, und alle wollen unbedingt hinein. Luk 16:17 Doch denkt daran: Eher vergehen Himmel und Erde, als daß auch nur ein einziger Buchstabe vom Gesetz Gottes ungültig wird. Luk 16:18 Wer also seine Frau wegschickt und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch; aber auch der bricht die Ehe, der eine geschiedene Frau heiratet." Luk 16:19 "Da lebte einmal ein reicher Mann", berichtete Jesus. "Er war immer vornehm gekleidet und konnte sich alle Tage jeden Luxus leisten. Luk 16:20 Vor dem Portal seines Hauses aber lag Lazarus, bettelarm und schwerkrank. Sein Körper war über und über mit Geschwüren bedeckt. Luk 16:21 Während er dort um die Abfälle aus der Küche bettelte, kamen die Hunde und beleckten seine offenen Wunden. Luk 16:22 Lazarus starb, und die Engel brachten ihn dorthin, wo all sein Leiden zu Ende war. Auch der reiche Mann starb und wurde begraben. Luk 16:23 Als er im Totenreich unter Qualen erwachte, blickte er auf und erkannte in weiter Ferne Abraham und Lazarus. Luk 16:24 'Vater Abraham', rief der Reiche laut, 'habe Mitleid mit mir! Schicke mir doch den Lazarus! Er soll seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und damit meine Zunge kühlen. Ich leide in diesen Flammen furchtbare Qualen!' Luk 16:25 Aber Abraham erwiderte: 'Erinnere dich! Du hast in deinem Leben alles gehabt, Lazarus hatte nichts. Jetzt geht es ihm gut, und du mußt leiden. Luk 16:26 Außerdem liegt zwischen uns ein tiefer Abgrund. Niemand kann von der einen Seite zur anderen kommen, selbst wenn er es wollte.' Luk 16:27 'Vater Abraham', bat jetzt der Reiche, 'dann schicke ihn doch wenigstens Luk 16:28 zu meinen fünf Brüdern. Er soll sie warnen, damit sie nach ihrem Tod nicht auch an diesen qualvollen Ort kommen.' Luk 16:29 Aber Abraham entgegnete: 'Deine Brüder sollen auf das hören, was sie bei Mose und den Propheten lesen können. Dann sind sie gewarnt.' Luk 16:30 Der Reiche widersprach: 'Nein, Vater Abraham, erst wenn einer von den Toten zu ihnen käme, würden sie ihr Leben ändern.' Luk 16:31 Doch Abraham blieb dabei: 'Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.'" Luk 17:1 "Es wird immer wieder Versuchungen geben, die euch vom Glauben abbringen wollen", warnte Jesus seine Jünger. "Aber wehe dem, der die in die Irre führt, die wie ein Kind an mich glauben! Luk 17:2 Für ihn wäre es noch das beste, man hätte ihm einen Mühlstein um den Hals gehängt und ihn ins Meer geworfen. Luk 17:3 Nehmt euch in acht! Wenn dein Bruder sündigt, dann sage ihm, was er verkehrt gemacht hat. Tut es ihm leid, dann vergib ihm! Luk 17:4 Und wenn er dir siebenmal am Tag Unrecht tut und dich immer wieder um Vergebung bittet: Vergib ihm!" Luk 17:5 Die Jünger baten Jesus eines Tages: "Herr, wie kann unser Glaube groß und fest werden?" Luk 17:6 Darauf antwortete er: "Auf einen 'großen' Glauben kommt es gar nicht an. Selbst wenn euer Glaube so winzig wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr diesem Maulbeerbaum befehlen: 'Reiß dich aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!' - es würde sofort geschehen." Luk 17:7 "Wie ist das bei euch?" fragte Jesus seine Zuhörer. "Wenn euer Knecht vom Feld oder von der Herde heimkommt, sagt ihr dann zu ihm: 'Komm, setz dich an den Tisch und iß'? Luk 17:8 Oder werdet ihr ihm nicht den Auftrag geben: 'Zieh dich um, mach mir etwas zu essen und deck den Tisch! Wenn ich gegessen habe, dann kannst du auch essen und trinken.' Luk 17:9 Kann der Knecht dafür einen besonderen Dank erwarten? Es gehört doch schließlich zu seiner Arbeit. Luk 17:10 Das gilt auch für euch. Wenn ihr in meinem Dienst alles getan habt, was ich euch aufgetragen habe, dann sollt ihr sagen: 'Wir haben nur das getan, was zu unserem Auftrag gehört!'" Luk 17:11 Sie waren unterwegs nach Jerusalem. Ihr Weg führte sie durch das Grenzgebiet zwischen Galiläa und Samarien. Luk 17:12 In einem Dorf begegneten ihnen zehn Leprakranke. In der vorgeschriebenen Entfernung blieben sie stehen Luk 17:13 und riefen: "Jesus, Meister! Hab doch Erbarmen mit uns!" Luk 17:14 Er sah sie an und forderte sie auf: "Geht zu den Priestern und zeigt ihnen, daß ihr geheilt seid!" Auf dem Wege dorthin wurden sie gesund. Luk 17:15 Einer von ihnen lief zu Jesus zurück, als er merkte, daß er geheilt war. Laut lobte er Gott. Luk 17:16 Er warf sich vor Jesus nieder und dankte ihm. Und das war ein Mann aus Samarien. Luk 17:17 Jesus fragte: "Habe ich nicht zehn Männer geheilt? Wo sind denn die anderen neun? Luk 17:18 Weshalb kommt als einziger dieser Fremde zurück, um sich bei Gott zu bedanken?" Luk 17:19 Zu dem Samariter aber sagte er: "Stehe auf! Dein Glaube hat dich gerettet." Luk 17:20 "Wann wird denn das Reich Gottes kommen?" wollten die Pharisäer von Jesus wissen. Er antwortete ihnen: "Das Reich Gottes kann man nicht sehen, wie man ein irdisches Reich sieht. Luk 17:21 Niemand wird euch sagen können: 'Hier ist es!' oder 'Dort ist es!' Das Reich Gottes ist schon jetzt da - mitten unter euch." Luk 17:22 Zu seinen Jüngern aber sagte er: "Die Zeit wird kommen, wo ihr alles dafür geben würdet, auch nur einen einzigen Tag der Herrschaft des Menschensohnes mitzuerleben. Aber dieser Wunsch wird sich nicht erfüllen. Luk 17:23 Man wird euch immer wieder einreden wollen, daß der Menschensohn wiedergekommen ist und man ihn hier oder dort gesehen hat. Glaubt das auf keinen Fall, geht auch nicht dorthin und lauft ihnen nicht nach! Luk 17:24 Denn wenn der Menschensohn wiederkommt, wird es jeder wissen. Er wird so unübersehbar sein wie ein Blitz, der den ganzen Horizont erhellt. Luk 17:25 Aber vorher muß der Menschensohn noch viel leiden und es erdulden, daß ihn die Menschen dieser Zeit von sich stoßen." Luk 17:26 "Am Tage seiner Wiederkunft werden die Menschen genau so leben wie zur Zeit Noahs. Luk 17:27 Diese dachten auch nur an Essen, Trinken und Heiraten. Das ging so lange gut, bis Noah in die Arche stieg. Dann kam die Flut, und keiner von ihnen blieb am Leben. Luk 17:28 Es wird genauso sein wie zu Lots Zeiten. Die Menschen kümmerten sich nur darum, daß sie genug zu essen und zu trinken hatten, daß sie kauften und verkauften, pflügten und bauten. Luk 17:29 So ging es bis zu dem Tag, an dem Lot die Stadt Sodom verließ. Da regnete Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen in den Flammen um. Luk 17:30 Genauso wird es sein, wenn der Menschensohn kommt. Luk 17:31 Wer dann gerade auf der Terrasse seines Hauses ist, der soll nicht mehr ins Haus laufen, um seine Sachen zu holen. Wer auf dem Feld arbeitet, soll nicht mehr in sein Haus zurückkehren. Luk 17:32 Denkt daran, was mit Lots Frau geschah! Luk 17:33 Wer sich an sein Leben klammert, wird es verlieren. Wer sein Leben aber für Gott einsetzt, wird es für immer gewinnen." Luk 17:34 "Auch das wird sich bei meiner Wiederkunft ereignen: Zwei schlafen in dieser Nacht in einem Bett, einer wird angenommen, und der andere bleibt zurück. Luk 17:35 Zwei Frauen werden gemeinsam ihre Hausarbeit erledigen. Die eine wird angenommen, und die andere bleibt zurück. Luk 17:36 Zwei Männer werden auf dem Feld arbeiten. Der eine wird angenommen, der andere bleibt zurück." Luk 17:37 "Herr, wo wird sich das ereignen?" fragten die Jünger. Da antwortete ihnen Jesus: "Das wird für alle sichtbar sein." Luk 18:1 Wie wichtig es ist, Gott so lange zu bitten, bis er antwortet, machte Jesus durch ein Gleichnis deutlich: Luk 18:2 "In einer Stadt lebte ein Richter, der weder Gott noch Menschen fürchtete. Luk 18:3 Tag für Tag bestürmte ihn eine Witwe mit ihrer Not: 'Verhilf mir doch endlich zu meinem Recht!' Luk 18:4 Immer wieder stieß sie bei ihm auf taube Ohren, aber schließlich verlor er die Geduld. 'Mir sind zwar Gott und die Menschen gleichgültig, aber diese Frau macht mich noch verrückt', sagte er sich. Luk 18:5 'Wenn sie nicht ihr Recht bekommt, wird sie am Ende noch handgreiflich.'" Luk 18:6 Und Jesus fügte hinzu: "Begreift ihr, was ich euch damit sagen will? Luk 18:7 Meint ihr, Gott wird seine Kinder übersehen und ihnen ihr Recht versagen, wenn sie ihm Tag und Nacht keine Ruhe lassen? Luk 18:8 Ich versichere euch: Er wird ihnen schnellstens helfen. Die Frage ist: Wird der Menschensohn, wenn er wiederkommt, diesen Glauben bei euch finden?" Luk 18:9 Mit einem Gleichnis wollte Jesus die Leute treffen, die sich gerecht vorkamen und hochmütig auf andere herabsahen: Luk 18:10 "Zwei Männer, ein Pharisäer und ein Zolleinnehmer, gingen in den Tempel, um zu beten. Luk 18:11 Selbstsicher stand der Pharisäer dort und betete: 'Ich danke dir, Gott, daß ich nicht so bin wie andere Leute. Ich bin kein Räuber, kein Gottloser, kein Ehebrecher und schon gar nicht wie dieser Zolleinnehmer da hinten. Luk 18:12 Ich faste zweimal in der Woche, und von allen meinen Einkünften gebe ich den zehnten Teil für Gott.' Luk 18:13 Aber der Zolleinnehmer blieb verlegen am Eingang stehen und wagte kaum aufzusehen. Schuldbewußt betete er: 'Gott! Vergib mir, ich weiß, daß ich ein Sünder bin!' Luk 18:14 Ihr könnt sicher sein, dieser Mann ging von seiner Schuld befreit nach Hause, nicht aber der Pharisäer. Denn der Stolze wird gedemütigt, und der Demütige wird erhöht werden." Luk 18:15 Eines Tages brachten einige Eltern ihre kleinen Kinder zu Jesus, damit er ihnen segnend die Hände auflegen sollte. Unwillig wollten die Jünger sie zurückweisen. Luk 18:16 Doch Jesus rief die Kinder zu sich und wies die Jünger zurecht: "Laßt die Kinder zu mir kommen! Schickt sie nicht weg! Denn für Menschen wie sie ist das Reich Gottes bestimmt. Luk 18:17 Habt ihr es denn noch immer nicht begriffen: Wer nicht wie ein kleines Kind voller Vertrauen zu Gott kommt, dem bleibt das Reich Gottes verschlossen." Luk 18:18 Jesus wurde von einem angesehenen und reichen Mann gefragt: "Guter Meister, was muß ich tun, damit ich das ewige Leben bekomme?" Luk 18:19 "Weshalb nennst du mich gut? Nur Gott ist gut, sonst keiner", stellte Jesus richtig. Luk 18:20 "Um aber deine Frage zu beantworten: Du kennst doch Gottes Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, nicht stehlen, du sollst über keinen deiner Mitmenschen etwas Unwahres sagen, und du sollst deine Eltern ehren." Luk 18:21 Der Mann versicherte: "Alle diese Gebote habe ich von klein auf gehalten." Luk 18:22 "Aber etwas fehlt dir noch", sagte Jesus. "Verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. Du gewinnst damit einen Schatz im Himmel. Dann komm und folge mir nach!" Luk 18:23 Als der Mann das hörte, ging er niedergeschlagen weg, denn er war sehr reich. Luk 18:24 Jesus sah ihm nach und sagte: "Wie schwer haben es doch die Reichen, in das Reich Gottes zu kommen! Luk 18:25 Eher könnt ihr ein dickes Seil in ein Nadelöhr einfädeln, als daß Menschen, die an ihrem Reichtum hängen, in Gottes Reich kommen." Luk 18:26 "Wenn das so schwierig ist", fragten ihn seine Zuhörer erschrocken, "kann dann überhaupt jemand gerettet werden?" Luk 18:27 Er antwortete: "Für Menschen ist es unmöglich, aber nicht für Gott." Luk 18:28 Eifrig rief Petrus: "Wir haben doch schon alles für dich aufgegeben und sind mit dir gegangen!" Luk 18:29 "Ja", bestätigte Jesus, "jeder, der bereit ist, sein Haus, seine Frau, seine Geschwister, seine Eltern oder Kinder dem Reich Gottes unterzuordnen, Luk 18:30 der wird dafür reich belohnt werden: hier schon, in dieser Welt, und erst recht in der zukünftigen Welt mit dem ewigen Leben." Luk 18:31 Jesus rief seine zwölf Jünger zu sich und sagte ihnen: "Ihr wißt, daß wir jetzt nach Jerusalem gehen. Dort wird sich alles erfüllen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben. Luk 18:32 Man wird ihn an die Römer ausliefern, ihn verspotten, mißhandeln, anspucken und Luk 18:33 schließlich auspeitschen und töten. Doch drei Tage später wird er von den Toten auferstehen." Luk 18:34 Aber die Jünger begriffen nichts. Vergeblich zerbrachen sie sich den Kopf: "Was wollte Jesus nur damit sagen?" Luk 18:35 Jesus und seine Jünger waren unterwegs nach Jericho. In der Nähe der Stadt saß ein Blinder am Straßenrand und bettelte. Luk 18:36 Er hörte den Lärm der vorbeiziehenden Menge und fragte neugierig: "Was ist da los?" Luk 18:37 Einige riefen ihm zu: "Jesus von Nazareth kommt nach Jericho!" Luk 18:38 Als er das hörte, schrie er laut: "Jesus, du Sohn Davids, hilf mir!" Luk 18:39 Die Leute fuhren ihn an: "Halt den Mund!" Er aber schrie nur noch lauter: "Sohn Davids, hilf mir doch!" Luk 18:40 Jesus blieb stehen und ließ den Mann zu sich führen. Luk 18:41 Dann fragte er ihn: "Was willst du von mir?" "Herr", flehte ihn der Blinde an, "ich möchte wieder sehen können!" Luk 18:42 "Du sollst wieder sehen!" sagte Jesus zu ihm. "Dein Vertrauen hat dich geheilt." Luk 18:43 Von diesem Augenblick an konnte der Mann wieder sehen. Er ging mit Jesus und lobte Gott. Zusammen mit ihm lobten und dankten alle, die seine Heilung miterlebt hatten. Luk 19:1 Als Jesus durch Jericho zog, liefen viele Menschen zusammen. Luk 19:2 Unter ihnen war Zachäus, der Oberaufseher über alle Zolleinnehmer. Er war sehr reich. Luk 19:3 Zachäus wollte Jesus unbedingt sehen; aber er war sehr klein, und niemand machte ihm Platz. Luk 19:4 Da rannte er ein Stück voraus und kletterte auf einen Maulbeerbaum, der am Weg stand. Von hier aus konnte er alles überblicken. Luk 19:5 Als Jesus dort vorbeikam, entdeckte er ihn. "Zachäus, komm schnell herunter!" rief Jesus. "Ich möchte heute dein Gast sein!" Luk 19:6 Im Nu war er vom Baum herunter und nahm Jesus voller Freude mit in sein Haus. Luk 19:7 Die anderen Leute empörten sich über Jesus. "Jeder weiß doch, daß Zachäus nur durch Betrug reich geworden ist! Wie kann Jesus nur dieses Haus betreten!" Luk 19:8 Zachäus wurde auf einmal sehr ernst: "Herr, ich werde die Hälfte meines Vermögens an die Armen verteilen, und wem ich am Zoll zuviel abgenommen habe, dem gebe ich es vierfach zurück." Luk 19:9 Da sagte Jesus zu ihm: "Heute ist ein großer Tag für dich und deine Familie; denn Gott hat euch heute als seine Kinder angenommen. Du warst einer von Abrahams verlorenen Söhnen. Luk 19:10 Der Menschensohn ist gekommen, Verlorene zu suchen und zu retten." Luk 19:11 Jesus fügte noch ein Gleichnis hinzu. Es war ihm nicht entgangen, daß viele in seiner Umgebung damit rechneten, bei ihrem Einzug in Jerusalem würde Gott seine Herrschaft sichtbar aufrichten. Luk 19:12 "Ein Fürst trat eine weite Reise an, um sich zum König krönen zu lassen. Luk 19:13 Bevor er abreiste, rief er zehn seiner Leute zu sich, gab jedem tausend Mark und sagte: 'Setzt dieses Geld gewinnbringend ein! Ich komme bald zurück!' Luk 19:14 Viele Bürger aber wollten ihn nicht als König haben. Deshalb schickten sie eine Abordnung hinter ihm her mit der Erklärung: 'Diesen Mann werden wir nicht als König anerkennen!' Luk 19:15 Trotzdem wurde er gekrönt und kam als König in sein Land zurück. Er befahl die Leute zu sich, denen er das Geld gegeben hatte, und wollte wissen: 'Was habt ihr damit gemacht?' Luk 19:16 Der erste berichtete: 'Herr, ich habe das Zehnfache deines Geldes als Gewinn erwirtschaftet.' Luk 19:17 'Ausgezeichnet!' rief der König. 'Das hast du gut gemacht! Du hast dich in dieser kleinen Aufgabe bewährt. Ich vertraue dir die Verwaltung von zehn Städten an.' Luk 19:18 Darauf trat der nächste Mann vor und berichtete: 'Herr, ich habe das Fünffache deines Kapitals hinzugewonnen.' Luk 19:19 'Gut!' sprach sein Herr. 'Du wirst Verwalter über fünf Städte.' Luk 19:20 Der dritte kam an die Reihe. 'Hier hast du deine tausend Mark zurück. Ich habe gut auf dein Geld aufgepaßt!' sagte er. Luk 19:21 'Ich fürchte dich als harten Geschäftsmann. Bestimmt hättest du mir meinen Gewinn doch abgenommen. Denn du nimmst, was dir nicht gehört, und du erntest, was andere gesät haben.' Luk 19:22 'Du richtest dich mit deinen eigenen Worten, du Narr!' rief der König zornig. 'Wenn du weißt, daß ich ein harter Geschäftsmann bin, daß ich nehme, was mir nicht gehört, daß ich ernte, wo ich nicht angebaut habe, Luk 19:23 warum hast du das Geld dann nicht bei der Bank eingezahlt? Dann hätte ich wenigstens Zinsen dafür bekommen!' Luk 19:24 Er forderte die Umstehenden auf: 'Nehmt ihm das Geld ab und gebt es dem Mann, der das meiste erwirtschaftet hat.' Luk 19:25 'Aber Herr', widersprachen seine Leute, 'der hat doch schon genug!' Luk 19:26 Da sagte ihnen der König: 'Es ist nun einmal so: Wer das, was er hat, gewissenhaft nutzt, dem kann man noch mehr anvertrauen. Wer aber mit Wenigem nachlässig umgeht, dem wird man auch das noch nehmen. Luk 19:27 Doch jetzt holt meine Feinde her, die sich während meiner Abwesenheit gegen mich aufgelehnt haben: Sie sollen vor meinen Augen hingerichtet werden!'" Luk 19:28 Nachdem Jesus diese Geschichte erzählt hatte, ging er nach Jerusalem. Luk 19:29 In der Nähe der Dörfer Bethphage und Bethanien, die beide am Ölberg liegen, schickte er zwei seiner Jünger voraus: Luk 19:30 "Wenn ihr in dieses Dorf kommt, werdet ihr einen jungen Esel finden, auf dem noch nie jemand geritten ist. Bindet ihn los und bringt ihn her! Luk 19:31 Sollte euch jemand fragen, was ihr da macht, sagt einfach: 'Der Herr braucht ihn.'" Luk 19:32 Die Jünger fanden den Esel, wie Jesus es ihnen beschrieben hatte. Luk 19:33 Als sie ihn losbanden, fragten die Besitzer: "Was macht ihr denn da?" Luk 19:34 Sie antworteten: "Der Herr braucht ihn." Luk 19:35 Und sie brachten den Esel zu Jesus. Einige legten dem Tier ihre Mäntel auf den Rücken, bevor sich Jesus daraufsetzte. Luk 19:36 Auf dem Weg nach Jerusalem breiteten die begeisterten Menschen ihre Kleider auf der Straße aus. Sie wollten Jesus wie einen König empfangen. Luk 19:37 Als sie auf der Höhe des Ölbergs angekommen waren und Jerusalem vor ihnen lag, jubelten und sangen die Menschen. Sie dankten Gott für die vielen herrlichen Wunder, die Jesus getan hatte. Luk 19:38 Laut sangen sie: "Heil dem König, den Gott uns sendet! Gott hat Frieden mit uns geschlossen. Lob und Ehre dem Allerhöchsten!" Luk 19:39 Empört riefen da einige Pharisäer aus der Menge: "Meister, verbiete das deinen Leuten! Das ist Gotteslästerung!" Luk 19:40 Er antwortete ihnen nur: "Wenn sie schweigen, dann werden die Steine am Weg schreien." Luk 19:41 Als Jesus Jerusalem vor sich liegen sah, weinte er über die Stadt. Luk 19:42 "Der Friede war dir so nahe, warum nur wolltest du ihn nicht haben? Und auch jetzt willst du ihn nicht", sagte Jesus traurig. Luk 19:43 "Der Tag wird kommen, an dem deine Feinde einen Wall um deine Mauern aufwerfen und dich von allen Seiten belagern. Luk 19:44 Wenn deine Mauern fallen, werden alle Bewohner getötet werden. Kein Stein wird auf dem anderen bleiben. Warum hast du die Gelegenheit nicht genutzt, die Gott dir geboten hat?" Luk 19:45 Kaum hatte Jesus den Tempel betreten, da begann er, die Händler hinauszujagen Luk 19:46 und rief: "Gott sagt: 'Mein Haus soll ein Ort des Gebetes sein', aber ihr habt daraus eine Räuberhöhle gemacht!" Luk 19:47 Jeden Tag lehrte er im Tempel, obwohl die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und führenden Männer des Volkes nach einer passenden Gelegenheit suchten, Jesus umzubringen. Luk 19:48 Noch konnten sie nichts gegen ihn unternehmen, wenn sie nicht zugleich das Volk gegen sich aufbringen wollten, denn die Menschen hörten Jesus gern zu und achteten auf jedes seiner Worte. Luk 20:1 An einem dieser Tage verkündete Jesus im Tempel die Heilsbotschaft. Da gingen die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und führenden Männer des Volkes zu ihm. Luk 20:2 "Mit welchem Recht hast du die Händler aus dem Tempel vertrieben?" wollten sie von ihm wissen. "Wer hat dir den Auftrag dazu gegeben?" Luk 20:3 "Ehe ich eure Frage beantworte, möchte ich euch etwas fragen", erwiderte Jesus. Luk 20:4 "Taufte Johannes die Menschen im Auftrag Gottes, oder wer sonst hatte ihn beauftragt?" Luk 20:5 Sie überlegten: "Wenn wir sagen, 'Gott hat ihn gesandt', so wird er uns fragen: 'Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?' Luk 20:6 Sagen wir aber: 'Johannes war kein Bote Gottes', dann steinigt uns das Volk; denn alle glauben, daß Johannes ein Prophet war." Luk 20:7 Deshalb antworteten sie schließlich: "Wir können deine Frage nicht beantworten, weil wir es nicht wissen." Luk 20:8 "Nun, dann sage ich euch auch nicht, wer mir diesen Auftrag gegeben hat", entgegnete ihnen Jesus. Luk 20:9 Seinen Zuhörern erzählte Jesus nun die folgende Geschichte: "Ein Mann legte einen Weinberg an. Er verpachtete ihn an einige Winzer und reiste für längere Zeit ins Ausland. Luk 20:10 Zur Zeit der Weinlese sandte er einen Boten, der den vereinbarten Anteil an der Ernte abholen sollte. Aber die Pächter schlugen ihn zusammen und schickten ihn mit leeren Händen zurück. Luk 20:11 Nun beauftragte der Weinbergbesitzer einen anderen Mann. Aber dem ging es genauso. Die Pächter beschimpften ihn und jagten ihn weg. Luk 20:12 Er schickte einen dritten. Auch den schlugen sie blutig und vertrieben ihn. Luk 20:13 'Was soll ich machen?' fragte sich der Besitzer. 'Ich werde meinen einzigen Sohn zum Weinberg schicken. Sie werden es nicht wagen, ihm etwas anzutun.' Luk 20:14 Als die Pächter erkannten, daß der Sohn kam, beratschlagten sie: 'Das ist der Erbe. Wenn wir den aus dem Weg räumen, gehört der Weinberg uns!' Luk 20:15 Und sie zerrten ihn vor den Weinberg und töteten ihn. Was meint ihr wohl", fragte Jesus nun seine Zuhörer, "was der Besitzer des Weinbergs mit diesen Pächtern tun wird? Luk 20:16 Er wird kommen und sie töten und den Weinberg an andere verpachten!" "Aber so etwas gibt es doch gar nicht!" meinten kopfschüttelnd die Zuhörer. Luk 20:17 Da sah Jesus sie an und fragte: "Was bedeutet denn dieser Satz: 'Der Stein, den die Bauarbeiter weggeworfen haben, weil sie ihn für unbrauchbar hielten, ist zum Grundstein des ganzen Hauses geworden'?" Luk 20:18 Und er fügte hinzu: "Wer auf diesen Stein fällt, wird sich zu Tode stürzen, und auf wen er fällt, den wird er zermalmen." Luk 20:19 Nach diesem Gleichnis hätten die Hohenpriester und Schriftgelehrten Jesus am liebsten sofort verhaftet. Sie erkannten, daß sie mit dieser Erzählung gemeint waren. Aber sie wagten es nicht, weil Jesus beim Volk sehr beliebt war. Luk 20:20 Um einen Anlaß zu finden, ließen sie ihn überwachen. Sie versuchten, ihm eine Falle zu stellen, indem sie einige Männer vorschickten, die einen Gewissenskonflikt heucheln sollten. Ließe sich Jesus zu einer unbedachten Antwort verleiten, hätten sie endlich etwas in der Hand, um ihn den römischen Behörden auszuliefern. Luk 20:21 Die Leute kamen also zu Jesus und fragten ihn: "Meister, wir wissen, daß du unbestechlich bist. Du sagst die Wahrheit, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, was die Leute hören wollen. Du lehrst, wie wir nach Gottes Willen handeln sollen. Luk 20:22 Deshalb bitten wir dich um einen Rat: Ist es eigentlich Gottes Wille, daß wir an den römischen Kaiser Steuern zahlen, oder nicht?" Luk 20:23 Jesus durchschaute sie und sagte: Luk 20:24 "Ihr wollt mich doch nur hereinlegen. Zeigt einmal eine Münze her! Welches Bild und welcher Name sind darauf zu erkennen?" Sie antworteten: "Das Bild und der Name des römischen Kaisers!" Luk 20:25 "Dann gebt dem Kaiser, worauf er einen Anspruch hat", antwortete Jesus, "und gebt Gott, was ihm gehört!" Luk 20:26 So war es ihnen nicht gelungen, Jesus vor allen Leuten in eine Falle zu locken. Sie waren von seiner Antwort so überrascht, daß sie schweigend weggingen. Luk 20:27 Einige Sadduzäer - sie glauben nicht an eine Auferstehung der Toten - Luk 20:28 kamen zu Jesus und fragten ihn: "Im Gesetz des Mose steht: Wenn ein verheirateter Mann kinderlos stirbt, dann soll sein Bruder die Witwe heiraten. Das erste ihrer Kinder soll der Erbe des Verstorbenen sein. Luk 20:29 Nun gab es da sieben Brüder. Der älteste heiratete und starb kinderlos. Luk 20:30 Darauf heiratete sein Bruder die Witwe, aber auch in dieser Ehe wurden keine Kinder geboren. Luk 20:31 So ging es weiter, bis alle sieben mit ihr verheiratet gewesen waren. Kinder aber hatten sie nicht bekommen. Luk 20:32 Schließlich starb auch die Frau. Luk 20:33 Nun unsere Frage: Zu welchem Mann wird diese Frau nach der Auferstehung gehören? Alle sieben Männer waren doch mit ihr verheiratet!" Luk 20:34 Jesus antwortete den Sadduzäern: "Die Ehe gibt es nur in dieser Welt. Luk 20:35 Wer aber das ewige Leben erlangt und einmal in Gottes Reich sein darf, für den wird es keine Ehe mehr geben. Luk 20:36 Er wird auch nicht mehr sterben wie die Menschen hier auf der Erde, sondern wie die Engel ewig leben und zu den Kindern Gottes gehören. Denn er ist vom Tod zu einem neuen Leben auferstanden. Luk 20:37 Aber die andere Frage, ob es überhaupt eine Auferstehung gibt, wird schon von Mose beantwortet. Er beschreibt, wie Gott ihm im brennenden Dornbusch erschien, und er nennt ihn den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Luk 20:38 Er ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten. Für ihn sind sie alle lebendig." Luk 20:39 Einige Schriftgelehrte stimmten ihm zu: "Das hast du gut gesagt, Meister." Luk 20:40 Jetzt wagte niemand mehr, weitere Fragen zu stellen. Luk 20:41 Dann stellte Jesus ihnen eine Frage: "Wie könnt ihr behaupten, Christus sei ein Nachkomme von König David? Luk 20:42 David selbst schreibt doch in den Psalmen: 'Gott sprach zu meinem Herrn: Setze dich auf den Ehrenplatz an meiner rechten Seite, Luk 20:43 bis ich dir alle deine Feinde unterworfen habe, bis du deinen Fuß auf ihren Nacken setzt.' Luk 20:44 David nennt Christus also 'Herr'. Meint ihr wirklich, jemand würde seinen Sohn mit 'Herr' anreden?" Luk 20:45 Vor allen Leuten, die sich um sie versammelt hatten, forderte Jesus seine Jünger auf: Luk 20:46 "Werdet nicht wie die Schriftgelehrten, die in ihren langen Talaren auf der Straße herumspazieren und es genießen, wenn die Leute sie ehrerbietig grüßen. Beim Gottesdienst in der Synagoge sitzen sie in der ersten Reihe, und es gefällt ihnen, wenn man ihnen bei allen Festen die Ehrenplätze anbietet. Luk 20:47 Gierig stürzen sie sich auf den Besitz wehrloser Witwen. Dabei verstecken sie ihre bösen Absichten hinter langen Gebeten. Gottes Strafe wird sie besonders hart treffen." Luk 21:1 Während Jesus das sagte, konnte er beobachten, wie die Reichen großzügig ihre Gaben in den Opferkasten im Tempel legten. Luk 21:2 Er sah aber auch eine arme Witwe, die zwei kleine Münzen hineinwarf. Luk 21:3 "Das ist sicher", meinte Jesus, "diese arme Witwe hat mehr geopfert als alle anderen. Luk 21:4 Die Reichen haben nur etwas von ihrem Überfluß gespendet; aber diese Frau ist arm und gab doch alles, was ihr zum Leben geblieben war." Luk 21:5 Einige sprachen begeistert von der Schönheit des Tempels, den wertvollen Steinen und Kostbarkeiten an seinen Wänden. Luk 21:6 Aber Jesus sagte: "Seht es euch an! Bald kommt die Zeit, wo all das in Trümmer fällt. Kein Stein wird auf dem anderen bleiben." Luk 21:7 Erschrocken wollten die Jünger wissen: "Herr, wann wird das geschehen? Woran erkennen wir, wann das Ende kommt?" Luk 21:8 "Bleibt wachsam!" warnte sie Jesus, "laßt euch nicht verführen, denn viele werden kommen, die von sich behaupten: 'Ich bin Christus!' Andere werden verkünden: 'Das Ende ist da!' Glaubt ihnen nicht! Luk 21:9 Wenn es zu Kriegen und Unruhen kommt, geratet nicht in Panik. Es muß so kommen; aber das ist noch nicht das Ende." Luk 21:10 Dann sagte er zu ihnen: "Die Völker und Machtblöcke der Erde werden gegeneinander Kriege führen. Luk 21:11 Erdbeben werden große Teile der Welt erschüttern, Seuchen und Hungersnöte die Menschen heimsuchen. Unerklärliche Erscheinungen am Himmel werden alle Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Luk 21:12 Bevor das alles geschieht, wird man euch verfolgen. Weil ihr euch zu mir bekennt, werden sie euch verurteilen, ins Gefängnis werfen und vor die Mächtigen dieser Welt und ihre Herrscher stellen. Luk 21:13 Bedenkt aber, daß ihr dadurch Gelegenheit habt, mich zu bezeugen und meine Botschaft in aller Öffentlichkeit bekanntzumachen. Luk 21:14 Prägt es euch ein: Grübelt nicht schon heute darüber nach, wie ihr euch vor Gericht verteidigen könnt. Luk 21:15 Ich selber werde euch zeigen, wie ihr euch weise verhalten und was ihr sagen sollt, so daß eure Gegner nichts mehr erwidern können. Luk 21:16 Selbst eure nächsten Angehörigen, eure Eltern, Brüder und Freunde werden euch verraten und verhaften lassen. Einige von euch wird man töten. Luk 21:17 Alle Welt wird euch hassen, weil ihr zu mir gehört. Luk 21:18 Aber Gott wird euch nie verlassen. Ohne seinen Willen wird euch kein Haar gekrümmt werden. Luk 21:19 Bleibt fest und haltet durch, dann gewinnt ihr das ewige Leben." Luk 21:20 "Wenn die Feinde Israels Jerusalem belagern, dauert es nicht mehr lange, bis diese Stadt zerstört wird. Luk 21:21 Dann sollen die Bewohner Judäas in das Gebirge flüchten. Wer in Jerusalem wohnt, verlasse die Stadt so schnell wie möglich, und niemand suche in ihr Schutz. Luk 21:22 Die Tage des göttlichen Gerichts sind gekommen. Jetzt erfüllen sich die Worte der Propheten. Luk 21:23 Besonders hart trifft es die werdenden Mütter und die Frauen mit Säuglingen. Leiden aber müssen alle, denn Gott straft in seinem Zorn das ganze Volk. Luk 21:24 Die Menschen werden niedergemetzelt und die Gefangenen in die ganze Welt verschleppt. Jerusalem aber wird besetzt und zerstört sein, bis Gott die Herrschaft der Heiden beendet." Luk 21:25 "Zu dieser Zeit werden Zeichen an Sonne, Mond und Sternen Unheil verkünden. Angst und schreckliche Ratlosigkeit beherrschen die Menschen, weil Sturmfluten und Katastrophen über sie hereinbrechen. Luk 21:26 Ungewißheit und Furcht treiben sie zur Verzweiflung. Sogar der Lauf der Gestirne wird in Unordnung geraten. Luk 21:27 Doch dann werden alle Völker den Menschensohn in den Wolken des Himmels mit göttlicher Macht und Herrlichkeit wiederkommen sehen. Luk 21:28 Deshalb: Wenn sich diese Dinge ereignen, dann dürft ihr hoffen. Eure Befreiung steht vor der Tür." Luk 21:29 "Ich will es euch an einem Beispiel verdeutlichen: Seht euch den Feigenbaum an oder die anderen Bäume. Luk 21:30 Wenn sie anfangen zu blühen, weiß jeder, daß es bald Sommer wird. Luk 21:31 So könnt ihr wissen, daß Gottes Reich nahe ist, wenn sich all das ereignet. Luk 21:32 Denn das steht fest: Dieses Volk wird nicht untergehen, bevor sich nicht alles erfüllt hat. Luk 21:33 Und wenn auch Himmel und Erde vergehen, meine Worte vergehen nicht." Luk 21:34 "Ihr seid in Gefahr! Paßt auf, daß euch nicht die Gier nach Luxus und Wohlstand, auch nicht die Sorgen des Alltags vom Ziel ablenken! Seid jederzeit auf diesen Tag vorbereitet, sonst wird er euch überfallen. Luk 21:35 Denn das ist sicher: Er kommt für alle plötzlich und überraschend. Luk 21:36 Bleibt wachsam und betet allezeit, damit ihr das übersteht, was euch erwartet. Dann könnt ihr ohne Furcht vor den Menschensohn treten." Luk 21:37 Täglich ging Jesus in den Tempel, um dort zu lehren. Abends verließ er die Stadt und verbrachte die Nächte am Ölberg. Luk 21:38 Wenn er am frühen Morgen wieder in den Tempel kam, warteten schon viele Menschen auf ihn, um ihn zu hören. Luk 22:1 Es waren nur noch wenige Tage bis zum Passahfest. Dieses Fest nennen die Juden auch das 'Fest der ungesäuerten Brote'. Luk 22:2 Nach wie vor suchten die Hohenpriester und Schriftgelehrten nach einer Gelegenheit, Jesus heimlich umzubringen; denn sie hatten Angst, daß es sonst zu Unruhen im Volk kommen würde. Luk 22:3 Zu der Zeit ergriff der Satan Besitz von Judas Ischarioth, einem der zwölf Jünger Jesu. Luk 22:4 Judas ging zu den Hohenpriestern und den Anführern der Tempelpolizei und beriet mit ihnen, wie sie Jesus unauffällig festnehmen könnten. Luk 22:5 Hocherfreut versprachen die Hohenpriester ihm eine Belohnung. Luk 22:6 Sie wurden sich einig, und Judas suchte nach einer Gelegenheit, Jesus ohne Aufsehen an seine Feinde zu verraten. Luk 22:7 Es kam der Tag, an dem das Passahlamm geschlachtet werden mußte. Luk 22:8 Deshalb gab Jesus seinen Jüngern Petrus und Johannes den Auftrag: "Bereitet alles vor, damit wir gemeinsam das Passahmahl essen können." Luk 22:9 "Wo sollen wir denn das Fest feiern?" fragten sie. Luk 22:10 "Wenn ihr nach Jerusalem kommt", antwortete er, "wird euch ein Mann mit einem Wasserkrug begegnen. Geht ihm nach bis zu dem Haus, das er betritt. Luk 22:11 Sagt dem Hausherrn: 'Unser Meister bittet dich, uns den Raum zu zeigen, in dem er mit seinen Jüngern das Passahlamm essen kann.' Luk 22:12 Er wird euch im Obergeschoß in einen großen Raum führen, der mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet das Essen zu." Luk 22:13 Die Jünger gingen in die Stadt. Es kam alles so, wie Jesus es gesagt hatte. Und sie bereiteten dort das Fest vor. Luk 22:14 Als die Stunde für das Passahmahl da war, nahm Jesus mit seinen Jüngern an der Festtafel Platz. Luk 22:15 "Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, mit euch das Passahmahl zu essen, bevor ich leiden muß", sagte er. Luk 22:16 "Ihr sollt wissen: Ich werde das Passahmahl erst wieder im Reich Gottes mit euch feiern. Dann hat sich erfüllt, wofür das Fest jetzt nur ein Zeichen ist." Luk 22:17 Jesus nahm den Becher mit Wein, sprach das Dankgebet und sagte: "Nehmt den Becher und trinkt alle daraus. Luk 22:18 Denn ich werde keinen Wein mehr trinken, bis das Reich Gottes gekommen ist." Luk 22:19 Dann nahm er das Brot. Er dankte Gott dafür, teilte es und gab es ihnen mit den Worten: "Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Feiert dieses Mahl immer wieder. Denkt daran, was ich für euch getan habe, sooft ihr dieses Brot eßt." Luk 22:20 Nach dem Essen nahm er den Becher mit Wein, gab ihn den Jüngern und sagte: "Dies ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Es wird für euch zur Vergebung der Sünden vergossen. Luk 22:21 Aber mit uns an diesem Tisch sitzt der Mann, der mich verraten wird. Luk 22:22 Es ist der Wille Gottes, daß der Menschensohn sterben muß. Aber wehe dem Verräter!" Luk 22:23 Bestürzt fragte einer den anderen: "Wer von uns könnte so etwas tun?" Luk 22:24 Die Jünger stritten sich darüber, wem unter ihnen der erste Platz zusteht. Luk 22:25 Da sagte ihnen Jesus: "In dieser Welt unterdrücken die Herrscher ihre Völker, und Diktatoren lassen sich als Wohltäter feiern. Luk 22:26 Aber so soll es bei euch nicht sein. Der Erste unter euch soll sich allen anderen unterordnen, und wer euch führen will, muß allen dienen. Luk 22:27 Wer ist denn der Herr? Wer sich bedienen läßt oder wer dient? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Luk 22:28 Ihr seid mir in diesen Tagen der Gefahr und der Anfechtung treu geblieben. Luk 22:29 Deshalb verspreche ich euch: Ihr werdet mit mir zusammen in meinem Reich herrschen, das mein Vater mir übergeben hat. Luk 22:30 Mit mir sollt ihr am selben Tisch essen und trinken und mit mir über die zwölf Stämme Israels Gericht halten." Luk 22:31 "Simon, Simon! Der Satan ist hinter euch her, die Spreu vom Weizen zu trennen. Luk 22:32 Aber ich habe für dich gebetet, damit du den Glauben nicht verlierst. Wenn du dann zu mir zurückkehrst, so stärke den Glauben deiner Brüder!" Luk 22:33 "Herr, wie kannst du so etwas sagen?" fuhr Petrus auf. "Ich bin jederzeit bereit, mit dir ins Gefängnis zu gehen und sogar für dich zu sterben." Luk 22:34 Doch Jesus sagte: "Petrus, ich sage dir: Noch ehe morgen früh der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, daß du mich kennst." Luk 22:35 Jesus fragte seine Jünger: "Als ich euch damals ohne Geld, Tasche und Schuhe aussandte, habt ihr da Not leiden müssen?" "Nein, niemals!" beteuerten sie. Luk 22:36 "Jetzt aber nehmt das Geld, das ihr habt, und euer Gepäck", forderte er sie auf. "Wer keine Waffe besitzt, soll seinen Mantel verkaufen und sich eine beschaffen. Luk 22:37 Denn jetzt ist die Zeit da, in der sich auch dieses Wort an mir erfüllt: 'Man wird ihn wie einen Verbrecher behandeln.' Alles, was die Propheten von mir geschrieben haben, geht nun in Erfüllung." Luk 22:38 "Herr", riefen die Jünger, "wir haben hier zwei Schwerter." Doch Jesus unterbrach sie: "Genug damit!" Luk 22:39 Begleitet von seinen Jüngern, ging Jesus nach dem Festmahl wieder hinaus zum Ölberg. Luk 22:40 Dort sagte er zu ihnen: "Betet darum, daß ihr der kommenden Versuchung widerstehen könnt!" Luk 22:41 Nicht weit von seinen Jüngern entfernt kniete Jesus nieder Luk 22:42 und betete: "Vater, wenn es möglich ist, bewahre mich vor diesem Leiden. Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen." Luk 22:43 Da erschien ein Engel vom Himmel und gab ihm neue Kraft. Luk 22:44 Jesus litt Todesängste und betete so eindringlich, daß sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte. Luk 22:45 Als er dann zu seinen Jüngern zurückkehrte, schliefen sie, erschöpft von ihren Sorgen und ihrer Trauer. Luk 22:46 "Ihr dürft jetzt nicht schlafen", rüttelte Jesus sie wach. "Steht auf und betet, damit ihr der Versuchung widersteht!" Luk 22:47 Noch während Jesus das sagte, kam ein Trupp Männer auf sie zu. Sie wurden von Judas, einem der zwölf Jünger, angeführt. Judas ging zu Jesus, um ihn mit einem Kuß zu begrüßen. Luk 22:48 Aber Jesus fragte ihn: "Judas, willst du den Menschensohn mit einem Kuß verraten?" Luk 22:49 Jetzt hatten auch die anderen Jünger begriffen, was hier vorging. Aufgeregt riefen sie: "Herr, sollen wir uns wehren?" Luk 22:50 Einer von ihnen zog auch gleich das Schwert und schlug auf einen Soldaten des Hohenpriesters ein. Er hieb ihm das rechte Ohr ab. Luk 22:51 Aber Jesus befahl: "Hört auf damit!" Er berührte das Ohr des Mannes und heilte ihn. Luk 22:52 Dann fragte Jesus die Hohenpriester, die Anführer der Tempelpolizei und die Führer des Volkes, die alle mitgekommen waren: "Bin ich denn ein Verbrecher, daß ihr euch mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet habt, um mich zu verhaften? Luk 22:53 Warum habt ihr mich nicht im Tempel festgenommen? Ich war schließlich jeden Tag dort! Aber jetzt ist eure Stunde da. Jetzt hat die Finsternis Macht." Luk 22:54 Die Soldaten verhafteten Jesus und führten ihn zum Palast des Hohenpriesters. Petrus folgte ihnen in sicherem Abstand. Luk 22:55 Im Hofe des Palastes zündeten sie ein Feuer an, um sich zu wärmen. Petrus setzte sich zu ihnen. Luk 22:56 Im Schein des Feuers bemerkte ihn ein Dienstmädchen und sah ihn prüfend an. "Der Mann war auch bei Jesus!" rief sie. Luk 22:57 Doch heftig widersprach Petrus: "Das ist unmöglich! Ich kenne den Mann überhaupt nicht!" Luk 22:58 Kurz darauf sah ihn ein anderer und meinte: "Na klar, du bist einer von seinen Leuten!" "Ausgeschlossen! Ich doch nicht!" wehrte Petrus ab. Luk 22:59 Nach etwa einer Stunde behauptete plötzlich wieder einer: "Der hier gehörte zu den Männern, die bei Jesus waren; man hört doch gleich, daß er auch aus Galiläa kommt." Luk 22:60 Aber aufgebracht stieß Petrus hervor: "Wovon redest du? Was meinst du eigentlich?" Da krähte ein Hahn. Luk 22:61 In diesem Augenblick wandte sich Jesus um und sah seinen Jünger an. Da erinnerte sich Petrus daran, daß Jesus zu ihm gesagt hatte: "Noch ehe morgen früh der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, daß du mich jemals gesehen hast." Luk 22:62 Da ging Petrus hinaus und weinte sehr. Luk 22:63 Die Soldaten, die Jesus bewachten, verhöhnten und schlugen ihn. Luk 22:64 Sie banden ihm die Augen zu und spotteten: "Na, du Prophet! Sage uns, wer hat dich gerade geschlagen?" Luk 22:65 In dieser Weise quälten sie ihn noch lange. Luk 22:66 Bei Tagesanbruch kamen die führenden Männer des Volkes, die Hohenpriester und die Schriftgelehrten zu einer außerordentlichen Gerichtsverhandlung zusammen. Luk 22:67 Sie fragten Jesus: "Bist du nun der Messias, der verheißene Befreier, oder bist du es nicht?" Er erwiderte: "Ihr glaubt doch nicht, was ich euch sage, Luk 22:68 und wenn ich euch etwas frage, dann antwortet ihr mir nicht. Luk 22:69 Schon bald wird der Menschensohn auf dem Platz an der rechten Seite Gottes sitzen." Luk 22:70 Empört schrien alle: "Willst du damit etwa sagen, daß du der Sohn Gottes bist?" Jesus antwortete: "Ihr habt recht, ich bin es!" Luk 22:71 "Wozu brauchen wir da noch Zeugen?" riefen jetzt die Ankläger einmütig. "Alle haben seine Gotteslästerung gehört!" Luk 23:1 Nun erhoben sich die Mitglieder des Gerichtshofes und ließen Jesus zu dem römischen Gouverneur Pilatus bringen. Luk 23:2 Dort beschuldigten sie ihn: "Dieser Mensch hetzt unser Volk auf. Er redet den Leuten ein, daß sie dem Kaiser keine Steuern zahlen sollen. Und er behauptet von sich, er sei der neue König, den Gott geschickt hat." Luk 23:3 "Stimmt das?" fragte Pilatus den Angeklagten. "Bist du wirklich der König der Juden?" Jesus antwortete: "Ja, ich bin es!" Luk 23:4 Pilatus erklärte den Hohenpriestern und der ganzen Volksmenge: "Dieser Mann ist doch kein Verbrecher!" Luk 23:5 Aber sie widersprachen heftig: "Überall wo er hinkommt, von Galiläa bis hierher nach Jerusalem, hetzt er die Menschen auf." Luk 23:6 "Ist der Mann denn aus Galiläa?" fragte Pilatus. Luk 23:7 Als sie es bestätigten, sah er eine Gelegenheit, den Fall loszuwerden. Er befahl, Jesus zu König Herodes zu bringen, der die Provinz Galiläa regierte und sich während des Passahfestes auch in Jerusalem aufhielt. Luk 23:8 Herodes wollte Jesus schon lange kennenlernen. Er hatte viel von ihm gehört und hoffte, Jesus würde ihm ein Wunder vorführen. Luk 23:9 Der König stellte Frage um Frage, aber Jesus gab ihm keine einzige Antwort. Luk 23:10 Um so mehr redeten die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die mitgekommen waren und ihn immer heftiger beschuldigten. Luk 23:11 Auch Herodes und seine Soldaten ließen Jesus ihre Verachtung spüren. Sie hängten ihm einen Königsmantel um und schickten ihn wieder zu Pilatus. Luk 23:12 Herodes und Pilatus waren bisher erbitterte Feinde. Aber an diesem Tag wurden sie Freunde. Luk 23:13 Vor den Hohenpriestern, den Führern des Volkes und der versammelten Menge Luk 23:14 verkündete Pilatus: "Ihr habt diesen Mann zu mir gebracht und ihn beschuldigt, daß er die Menschen aufhetzt. Ich habe ihn vor euch verhört und bin zu dem Urteil gekommen: Dieser Mann ist unschuldig! Luk 23:15 Herodes ist derselben Meinung. Deswegen hat er ihn hierher zurückgeschickt. Der Angeklagte hat nichts getan, was mit dem Tode bestraft werden müßte. Luk 23:16 Ich werde ihn auspeitschen lassen, dann soll er frei sein." Luk 23:17 Pilatus begnadigte ohnehin in jedem Jahr am Passahfest einen Gefangenen. Luk 23:18 Da brach ein Sturm der Entrüstung los. Wie mit einer Stimme schrie das Volk: "Weg mit diesem Jesus! Laß Barabbas frei!" Luk 23:19 Barabbas saß im Gefängnis, weil er sich an einem Aufstand in Jerusalem beteiligt hatte und wegen Mord angeklagt war. Luk 23:20 Noch einmal versuchte Pilatus, die Menge zu überzeugen; denn er wollte Jesus gern freilassen. Luk 23:21 Aber sie schrien nur noch lauter: "Ans Kreuz mit ihm!" Luk 23:22 Pilatus versuchte es zum dritten Mal: "Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Ich finde nichts, worauf die Todesstrafe steht! Ich werde ihn also auspeitschen lassen. Dann soll er frei sein." Luk 23:23 Aber die aufgehetzte Menge brüllte immer lauter: "Kreuzige ihn!", bis Pilatus ihrem Schreien nachgab Luk 23:24 und ihre Forderung erfüllte. Luk 23:25 Barabbas ließ er frei; den Mann, der das Volk aufgehetzt hatte und wegen Mord angeklagt war. Jesus aber verurteilte er zum Tod am Kreuz, wie sie es gefordert hatten. Luk 23:26 Auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte begegnete ihnen Simon, der gerade vom Feld kam. Er stammte aus Kyrene in Nord-Afrika. Ihn zwangen sie, mitzugehen und für Jesus das Kreuz zu tragen. Luk 23:27 Unzählige Menschen folgten Jesus auf dem Weg zur Hinrichtung. In der Menge waren viele Frauen, die laut klagten und um Jesus weinten. Luk 23:28 Ihnen rief Jesus zu: "Weint nicht über mich, ihr Frauen Jerusalems! Weint über euch und eure Kinder! Luk 23:29 Die Zeit wird kommen, in der man sagt: 'Glücklich sind die Frauen, die keine Kinder haben.' Luk 23:30 Die Menschen werden sich danach sehnen, daß die Berge über ihnen zusammenstürzen und die Hügel sie bedecken, damit ihr Leid ein Ende hat. Luk 23:31 Wenn schon der Unschuldige so viel leiden muß, was haben dann erst die Schuldigen zu erwarten?" Luk 23:32 Mit Jesus wurden zwei Verbrecher vor die Stadt geführt Luk 23:33 zu der Stelle, die man "Schädelstätte" nennt. Dort wurde Jesus ans Kreuz genagelt und rechts und links von ihm die beiden anderen. Luk 23:34 Aber Jesus betete: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!" Unter dem Kreuz verlosten die Soldaten seine Kleider. Luk 23:35 Neugierig stand die Menge dabei, denn sie wollte sich nichts entgehen lassen. Und die führenden Männer des Volkes verhöhnten Jesus: "Er hat so vielen geholfen! Wenn er wirklich der von Gott gesandte Befreier ist, dann soll er sich jetzt doch selber helfen!" Luk 23:36 Auch die Soldaten verspotteten ihn. Sie gaben ihm Essig zu trinken Luk 23:37 und riefen ihm zu: "Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich doch selbst!" Luk 23:38 Oben am Kreuz nagelten sie ein Brett an. Damit jeder es lesen konnte, stand dort in den Weltsprachen Griechisch, Hebräisch und Latein: "Dies ist der König der Juden!" Luk 23:39 Auch einer der Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt worden waren, lästerte: "Bist du nun der Messias? Dann beweise es! Hilf dir selbst und uns!" Luk 23:40 Aber der am anderen Kreuz wies ihn zurecht: "Fürchtest du Gott nicht einmal jetzt, kurz vor dem Tod? Luk 23:41 Wir hängen hier zu Recht. Wir haben den Tod verdient. Der hier aber ist unschuldig; er hat nichts Böses getan." Luk 23:42 Zu Jesus sagte er: "Herr, denke an mich, wenn du in dein Königreich kommst!" Luk 23:43 Da antwortete ihm Jesus: "Ich versichere dir: Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein." Luk 23:44 Am Mittag wurde es auf einmal im ganzen Land dunkel. Diese Finsternis dauerte drei Stunden. Luk 23:45 Plötzlich zerriß der Vorhang im Tempel, der das Allerheiligste vor den Menschen verbergen sollte, von oben bis unten. Luk 23:46 Jesus schrie noch einmal laut auf: "Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist!" Dann starb er. Luk 23:47 Erschüttert bekannte der römische Offizier, der die Hinrichtung beaufsichtigt hatte: "Dieser Mann war wirklich unschuldig!" Luk 23:48 Betroffen kehrten die Menschen, die ein Schauspiel erleben wollten, in die Stadt zurück. Luk 23:49 Die Freunde Jesu und die Frauen, die mit ihm aus Galiläa gekommen waren, hatten aus einiger Entfernung alles mitangesehen. Luk 23:50 Joseph, ein Mann aus Arimathia, einer Stadt in Judäa, Luk 23:51 ging zu Pilatus und bat ihn, den toten Jesus begraben zu dürfen. Luk 23:52 Er war Mitglied des Gerichtshofes und ein guter und gerechter Mensch, der auf das Kommen des verheißenen Befreiers wartete. Er hatte nicht zugestimmt, als der Gerichtshof beschloß, Jesus hinrichten zu lassen. Luk 23:53 Er nahm Jesus vom Kreuz, wickelte den Toten in ein großes Leinentuch und brachte ihn in ein neu angelegtes Felsengrab. Luk 23:54 Das alles geschah am späten Freitagnachmittag, unmittelbar vor Beginn des Sabbats. Luk 23:55 Mit Joseph gingen auch die Frauen, die Jesus aus Galiläa gefolgt waren. Sie sahen zu, wie man den Toten in das Grab legte. Luk 23:56 Dann kehrten sie in die Stadt zurück, um dort Öle und Salben für die Einbalsamierung vorzubereiten. Wie es das jüdische Gesetz verlangt, verbrachten sie den Sabbat in aller Stille. Luk 24:1 Ganz früh am Sonntagmorgen gingen die Frauen mit den Salben, die sie zubereitet hatten, zum Grab. Luk 24:2 Der Stein, mit dem man es verschlossen hatte, war zur Seite gerollt. Luk 24:3 Zögernd betraten sie die Grabhöhle. Sie war leer. Luk 24:4 Verwirrt überlegten sie, was sie jetzt tun sollten. Da traten zwei Männer in glänzend weißen Kleidern zu ihnen. Luk 24:5 Die Frauen erschraken und wagten nicht, die beiden anzusehen. "Warum sucht ihr den Lebenden bei den Toten?" wurden sie von den Männern gefragt. Luk 24:6 "Er ist nicht hier; er ist auferstanden! Habt ihr vergessen, was er euch in Galiläa gesagt hat: Luk 24:7 'Der Menschensohn muß den Gottlosen ausgeliefert werden. Sie werden ihn kreuzigen, aber am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen.'" Luk 24:8 Da erinnerten sich die Frauen an diese Worte Jesu. Luk 24:9 So schnell sie konnten, liefen sie in die Stadt zurück, um den elf Jüngern und den anderen Freunden Jesu zu berichten, was sie erlebt hatten. Luk 24:10 Zu den Frauen gehörten Maria aus Magdala, Johanna und Maria, die Mutter von Jakobus. Luk 24:11 Aber den Jüngern erschien das alles so unwahrscheinlich, daß sie den Frauen nicht glaubten. Luk 24:12 Nur Petrus sprang auf und lief zum Grab. Als er hineinschaute, fand er außer den Leinentüchern nichts. Nachdenklich ging er in die Stadt zurück. Luk 24:13 Am selben Tag wanderten zwei Jünger nach Emmaus, einem Dorf, das ungefähr zehn Kilometer von Jerusalem entfernt liegt. Luk 24:14 Unterwegs redeten sie über nichts anderes als über die Ereignisse der letzten Tage. Luk 24:15 Während sie miteinander sprachen, gesellte sich Jesus zu ihnen. Luk 24:16 Aber - wie mit Blindheit geschlagen - konnten sie ihn nicht erkennen. Luk 24:17 "Worüber unterhaltet ihr euch?" fragte sie Jesus. Die Jünger blieben traurig stehen, Luk 24:18 und verwundert bemerkte Kleopas, einer von den beiden: "Ich glaube, du bist der einzige in Jerusalem, der nichts von den Ereignissen der letzten Tage gehört hat." Luk 24:19 "Was ist denn geschehen?" wollte Jesus wissen. "Du hast nichts von Jesus gehört, dem Mann aus Nazareth?" antworteten die Jünger. "Er war ein Prophet, den Gott geschickt hat. Jeder im Volk konnte das an seinen Worten und Taten erkennen. Luk 24:20 Aber unsere Hohenpriester und die Männer vom Hohen Rat haben ihn an die Römer ausgeliefert. Er wurde zum Tode verurteilt und dann ans Kreuz geschlagen. Luk 24:21 Dabei hatten wir gehofft, daß er der von Gott verheißene Retter ist, der Israel befreien sollte. Das war vor drei Tagen. Luk 24:22 Heute morgen wurden wir sehr beunruhigt durch einige Frauen, die zu uns gehören. Schon vor Sonnenaufgang waren sie zum Grab gegangen; Luk 24:23 aber sein Leichnam war nicht mehr da. Ihnen seien Engel erschienen, die sollen gesagt haben: 'Jesus lebt!' Luk 24:24 Einige von uns sind gleich zum Grab gelaufen. Es war tatsächlich leer, wie die Frauen berichtet hatten. Aber Jesus haben sie nicht gesehen." Luk 24:25 Darauf sagte Jesus zu ihnen: "Wie unverständig seid ihr doch! Warum begreift und glaubt ihr nicht, was die Propheten vorhergesagt haben? Luk 24:26 Mußte Christus nicht all dies erleiden, bevor Gott ihn zum Herrn über alles einsetzt?" Luk 24:27 Dann erklärte ihnen Jesus, was in der Heiligen Schrift über ihn gesagt wird - von den Büchern Mose angefangen bis zu den Propheten. Luk 24:28 Inzwischen waren sie kurz vor Emmaus. Es sah aus, als wollte Jesus weitergehen. Luk 24:29 Deshalb drängten ihn die Jünger: "Bleibe doch über Nacht bei uns! Es wird ja schon dunkel." So ging er mit ihnen ins Haus. Luk 24:30 Als sie sich zum Essen gesetzt hatten, nahm Jesus das Brot, dankte dafür, teilte es in Stücke und gab es ihnen. Luk 24:31 Da plötzlich erkannten sie ihn. Doch er verschwand vor ihren Augen. Luk 24:32 Jetzt fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen: "Haben wir nicht im Innersten gespürt, daß es Jesus ist, als er unterwegs mit uns sprach und uns die Verheißungen der Heiligen Schrift erklärte?" Luk 24:33 Ohne Zeit zu verlieren, liefen sie sofort nach Jerusalem zurück. Dort waren die elf Jünger und andere Freunde Jesu zusammen. Luk 24:34 Von ihnen wurden sie mit den Worten begrüßt: "Der Herr ist auferstanden! Er ist tatsächlich auferstanden! Petrus hat ihn gesehen!" Luk 24:35 Nun erzählten die beiden, was auf dem Weg nach Emmaus geschehen war und daß sie ihren Herrn daran erkannt hatten, wie er das Brot austeilte. Luk 24:36 Noch während sie berichteten, stand Jesus plötzlich mitten im Kreis der Jünger. "Friede sei mit euch!" begrüßte er sie. Luk 24:37 Die Jünger erschraken furchtbar. Sie dachten, ein Geist stünde vor ihnen. Luk 24:38 "Warum habt ihr Angst?" fragte Jesus. "Wieso zweifelt ihr daran, daß ich es bin? Luk 24:39 Seht doch die Wunden an meinen Händen und Füßen! Ich bin es wirklich. Hier, faßt mich an und überzeugt euch, daß ich kein Geist bin. Geister sind doch nicht aus Fleisch und Blut." Luk 24:40 Und er zeigte ihnen seine Hände und Füße. Luk 24:41 Aber vor lauter Freude konnten sie es noch immer nicht fassen, daß Jesus vor ihnen stand. Endlich fragte er sie: "Habt ihr etwas zu essen hier?" Luk 24:42 Sie brachten ihm ein Stück gebratenen Fisch, Luk 24:43 den er vor ihren Augen aß. Luk 24:44 "Erinnert euch daran", sagte er seinen Jüngern, "daß ich euch oft gesagt habe: 'Alles, was bei Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich steht, muß sich erfüllen.'" Luk 24:45 Dann erklärte er ihnen, wie sie die Prophetenworte verstehen könnten. Luk 24:46 "Dort heißt es doch: Der Messias muß leiden und sterben, und er wird am dritten Tag von den Toten auferstehen. Luk 24:47 Alle Völker sollen hören: Es gibt Vergebung der Sünden für jeden, der zu Gott umkehrt. Das soll zuerst in Jerusalem verkündet werden. Luk 24:48 Ihr selbst habt miterlebt, daß Gottes Verheißungen in Erfüllung gegangen sind. Ihr seid meine Zeugen. Luk 24:49 Ich werde euch Gottes Heiligen Geist geben. Bleibt hier in Jerusalem, bis ihr mit der Kraft des Heiligen Geistes ausgerüstet werdet!" Luk 24:50 Jesus führte seine Jünger von Jerusalem nach Bethanien. Er segnete sie mit erhobenen Händen und nahm Abschied von ihnen. Luk 24:51 Und während Gott ihn in den Himmel zu sich nahm, fielen die Jünger vor ihm nieder und beteten ihn an. Luk 24:52 Danach kehrten sie voller Freude nach Jerusalem zurück. Luk 24:53 Immer wieder gingen sie in den Tempel, lobten und dankten Gott. Joh 1:1 Am Anfang war das ewige Wort Gottes: Christus. Joh 1:2 Immer war er bei Gott und ihm in allem gleich. Joh 1:3 Durch ihn wurde alles geschaffen. Nichts ist ohne ihn geworden. Joh 1:4 Von ihm kommt alles Leben, und sein Leben ist das Licht für alle Menschen. Joh 1:5 Er ist das Licht, das die Finsternis durchbricht, und die Finsternis konnte dieses Licht nicht auslöschen. Joh 1:6 Gott schickte einen Boten: Johannes den Täufer. Joh 1:7 Er sollte bezeugen, daß Jesus Christus das Licht ist, damit alle an ihn glauben. Joh 1:8 Johannes selbst war nicht das Licht. Er sollte die Menschen nur auf das kommende Licht vorbereiten. Joh 1:9 Christus ist dieses wahre Licht, das für alle Menschen in der Welt leuchtet. Joh 1:10 Doch obwohl er unter ihnen lebte und die Welt durch ihn geschaffen wurde, erkannten die Menschen nicht, wer er wirklich war. Joh 1:11 Er kam in seine Welt, aber die Menschen nahmen ihn nicht auf. Joh 1:12 Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu sein. Joh 1:13 Das wurden sie nicht, weil sie zu einem auserwählten Volk gehörten, auch nicht durch menschliche Zeugung und Geburt. Dieses neue Leben gab ihnen allein Gott. Joh 1:14 Gottes Sohn wurde Mensch und lebte unter uns Menschen. Wir selbst haben seine göttliche Herrlichkeit gesehen, wie sie Gott nur seinem einzigen Sohn gibt. In Christus sind Gottes Barmherzigkeit und Liebe wirklich zu uns gekommen. Joh 1:15 Unüberhörbar wies Johannes auf Christus hin. "Diesen habe ich gemeint", rief er, "wenn ich sagte: 'Es wird einer kommen, der viel bedeutender ist als ich. Denn er war schon da, bevor ich geboren wurde!'" Joh 1:16 Immer und immer wieder hat er uns aus seinem göttlichen Reichtum mit seiner Liebe beschenkt. Joh 1:17 Durch Mose gab uns Gott das Gesetz mit seinen Forderungen. Aber durch Jesus schenkte er uns seine vergebende Liebe und Treue. Joh 1:18 Kein Mensch hat jemals Gott gesehen. Doch sein einziger Sohn, der den Vater genau kennt, hat uns gezeigt, wer Gott ist. Joh 1:19 Die jüdischen Führer in Jerusalem schickten eine Abordnung zu Johannes. Sie fragten ihn: "Bist du der von Gott versprochene Retter?" Joh 1:20 Ohne einen Zweifel aufkommen zu lassen, bekannte Johannes: "Nein, ich bin nicht Christus, auf den wir alle warten." Joh 1:21 "Wer bist du dann?" fragten sie weiter. "Bist du vielleicht Elia?" Johannes verneinte auch das. "Bist du der von Mose verheißene Prophet?" "Nein!" entgegnete Johannes. Joh 1:22 "Dann sage uns doch, wer du bist. Was sollen wir denen berichten, die uns hergeschickt haben?" Joh 1:23 Da antwortete Johannes: "Der Prophet Jesaja hat es schon gesagt: 'Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Räumt die Hindernisse aus dem Weg, damit der Herr kommen kann!'" Joh 1:24 Die von den jüdischen Führern geschickten Leute - es waren Pharisäer - fragten ihn nun: Joh 1:25 "Wenn du nicht Christus, nicht Elia und auch nicht der von Mose angekündigte Prophet bist, mit welchem Recht taufst du dann?" Joh 1:26 Darauf erwiderte Johannes: "Ich taufe mit Wasser. Aber mitten unter euch lebt schon der, auf den wir warten. Ihr kennt ihn nur noch nicht. Joh 1:27 Er kommt nach mir; dann ist meine Aufgabe erfüllt. Aber ich bin nicht einmal würdig, ihm die Schuhe auszuziehen." Joh 1:28 Dieses Gespräch führten sie in Bethanien, einem Dorf auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte. Joh 1:29 Am nächsten Tag kam Jesus an den Jordan. Da rief Johannes: "Seht, das ist Gottes Opferlamm, das die Sünden aller Menschen hinwegtragen wird. Joh 1:30 Dieser Mann ist es, von dem ich gesagt habe: 'Es wird einer kommen, der schon vor mir da war. Er steht weit über mir! Joh 1:31 Auch ich kannte ihn vorher nicht. Aber damit das Volk Israel auf ihn vorbereitet wird, taufe ich hier mit Wasser.'" Joh 1:32 Und Johannes berichtete weiter: "Ich sah den Geist Gottes wie eine Taube vom Himmel herabkommen und bei ihm bleiben. Joh 1:33 Vorher habe ich ihn auch nicht gekannt", wiederholte Johannes, "aber Gott, der mir den Auftrag gab, mit Wasser zu taufen, sagte zu mir: 'Wenn du den Geist auf jemanden herabkommen und bei ihm bleiben siehst, dann weißt du, daß er es ist, der mit dem Heiligen Geist tauft'. Joh 1:34 Und weil ich das gesehen habe, kann ich euch bezeugen: Dieser Mann ist Gottes Sohn!" Joh 1:35 Johannes der Täufer und zwei seiner Jünger waren am nächsten Tag wieder an dieser Stelle, als Jesus vorüberging. Joh 1:36 Da zeigte Johannes auf ihn und sagte: "Seht, dies ist Gottes Opferlamm!" Joh 1:37 Als die beiden Jünger das hörten, folgten sie Jesus. Joh 1:38 Jesus drehte sich zu ihnen um, sah sie kommen und fragte: "Was sucht ihr?" Sie antworteten: "Herr, wo wohnst du?" Joh 1:39 "Kommt mit und seht selbst, wo ich wohne!" sagte Jesus. Es war ungefähr vier Uhr nachmittags, als sie mit Jesus gingen; und sie blieben bei ihm bis zum Abend. Joh 1:40 Einer der beiden hieß Andreas. Er war der Bruder von Simon Petrus. Joh 1:41 Wenig später traf er seinen Bruder Simon. "Wir haben Christus gefunden, den von Gott versprochenen Retter!" berichtete ihm Andreas. Joh 1:42 Dann nahm er seinen Bruder mit zu Jesus. Der sah ihn nur an und sagte: "Du bist Simon, der Sohn des Johannes. Du sollst Petrus heißen!" Das bedeutet: der Fels. Joh 1:43 Als Jesus am nächsten Tag nach Galiläa gehen wollte, traf er unterwegs Philippus. Auch ihn forderte er auf: "Folge mir!" Joh 1:44 Philippus stammte wie Andreas und Petrus aus Bethsaida. Joh 1:45 Kurze Zeit später begegnete er Nathanael und erzählte ihm: "Endlich haben wir den gefunden, von dem Mose und die Propheten sprechen. Er heißt Jesus und ist der Sohn von Joseph aus Nazareth." Joh 1:46 "Nazareth?" entgegnete Nathanael. "Was kann von da schon Gutes kommen!" "Du mußt ihn selbst kennenlernen. Komm mit!" antwortete ihm Philippus. Joh 1:47 Als Jesus den Nathanael erblickte, sagte er: "Hier kommt ein aufrichtiger Mensch, ein wahrer Israelit!" Joh 1:48 "Woher kennst du mich?" wollte Nathanael wissen. Jesus erwiderte: "Noch bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen." Joh 1:49 "Herr, du bist wirklich Gottes Sohn!" bekannte Nathanael. "Du bist der König Israels!" Joh 1:50 "Das glaubst du, weil ich dir gesagt habe, daß ich dich unter dem Feigenbaum sah", erwiderte ihm Jesus. "Aber du wirst größere Dinge zu sehen bekommen. Joh 1:51 Und das sage ich euch allen: Ihr werdet den Himmel offen und die Engel Gottes hinauf- und herabsteigen sehen zwischen Gott und dem Menschensohn!" Joh 2:1 Zwei Tage darauf wurde in dem Dorf Kana in Galiläa eine Hochzeit gefeiert. Maria, die Mutter Jesu, war dort, Joh 2:2 und auch Jesus hatte man mit seinen Jüngern eingeladen. Joh 2:3 Während des Festes stellte sich heraus, daß der Wein nicht ausreichte. Da sagte Maria zu ihrem Sohn: "Es ist kein Wein mehr da!" Joh 2:4 Doch Jesus antwortete ihr: "Was kommst du mit solchen Dingen zu mir! Die Zeit zu helfen ist für mich noch nicht gekommen!" Joh 2:5 Trotzdem sagte seine Mutter zu den Bediensteten: "Was immer er euch aufträgt, das tut!" Joh 2:6 Nun gab es im Haus sechs steinerne Wasserkrüge. Man benutzte sie für die vom jüdischen Gesetz geforderten Waschungen. Jeder von ihnen faßte achtzig bis hundertzwanzig Liter. Joh 2:7 Jesus forderte die Leute auf: "Füllt diese Krüge mit Wasser!" Und sie füllten die Gefäße bis zum Rand. Dann ordnete er an: Joh 2:8 "Jetzt bringt dem Küchenchef eine Probe davon!" Joh 2:9 Dieser probierte den Wein, der vorher Wasser gewesen war. Er wußte allerdings nicht, woher der Wein kam. Nur die Diener wußten Bescheid. Da rief er den Bräutigam zu sich und sagte vorwurfsvoll: Joh 2:10 "Jeder bietet doch zuerst den besten Wein an! Und erst später, wenn alle schon genug getrunken haben, kommt der billigere Wein auf den Tisch. Aber du hast den besten Wein bis jetzt zurückgehalten!" Joh 2:11 Dieses Wunder geschah in Kana. Dort in Galiläa zeigte Jesus zum ersten Mal seine göttliche Macht. Und seine Jünger glaubten an ihn. Joh 2:12 Danach ging er für kurze Zeit mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern nach Kapernaum. Joh 2:13 Kurz vor dem Passahfest reiste Jesus nach Jerusalem. Joh 2:14 Dort sah er im Tempel viele Händler, die Ochsen, Schafe und Tauben als Opfertiere verkauften. Auch Geldwechsler saßen hinter ihren Tischen. Joh 2:15 Voller Zorn knüpfte Jesus aus Stricken eine Peitsche und jagte die Händler mit all ihren Schafen und Ochsen aus dem Tempel. Er schleuderte das Geld der Wechsler auf den Boden und warf ihre Tische um. Joh 2:16 Den Taubenhändlern befahl er: "Schafft das alles hinaus! Das Haus meines Vaters ist doch kein Krämerladen!" Joh 2:17 Seine Jünger aber mußten an das Prophetenwort denken: "Der Eifer für dein Haus wird mir den Tod bringen!" Joh 2:18 Die Führer der Juden stellten Jesus daraufhin zur Rede: "Woher nimmst du dir das Recht, die Leute hinauszuwerfen? Wenn du dich dabei auf Gott berufst, dann mußt du uns einen eindeutigen Beweis geben!" Joh 2:19 Jesus antwortete ihnen: "Diesen Beweis sollt ihr haben. Zerstört diesen Tempel! In drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen." Joh 2:20 "Was?" riefen sie. "In sechsundvierzig Jahren ist dieser Tempel erbaut worden, und du willst das in drei Tagen schaffen?" Joh 2:21 Mit dem Tempel aber meinte Jesus seinen Leib, der geopfert werden sollte. Joh 2:22 Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger an diese Worte. Sie erkannten, daß alles wahr ist, was in der Heiligen Schrift steht, und sie glaubten, was Jesus ihnen gesagt hatte. Joh 2:23 Während des Passahfestes in Jerusalem erlebten viele Menschen die Wunder, die Jesus vollbrachte, und glaubten deshalb an ihn. Joh 2:24 Aber Jesus vertraute ihnen nicht, weil er sie genau kannte. Joh 2:25 Ihm brauchte niemand zu sagen, mit wem er es zu tun hat, denn er wußte, was im Herzen jedes Menschen vor sich geht. Joh 3:1 Einer von den Männern des jüdischen Gerichtshofes war der Pharisäer Nikodemus. Joh 3:2 Mitten in der Nacht kam er heimlich zu Jesus: "Meister", sagte er, "wir wissen, daß Gott dich als Lehrer zu uns gesandt hat. Deine Taten beweisen: Gott ist mit dir." Joh 3:3 Darauf erwiderte Jesus: "Ich sage dir eins, Nikodemus: Wer nicht neu geboren wird, kann nicht in Gottes Reich kommen." Joh 3:4 Verständnislos fragte der Pharisäer: "Was meinst du damit? Wie kann ein Erwachsener neu geboren werden? Er kann doch nicht wieder in den Mutterleib zurück und noch einmal auf die Welt kommen!" Joh 3:5 Aber Jesus wiederholte nur: "Eine andere Möglichkeit gibt es nicht: Wer nicht umkehrt und durch Gottes Geist neu geboren wird, kann nicht in Gottes Reich kommen! Joh 3:6 Ein Mensch kann immer nur menschliches, vergängliches Leben zeugen; aber der Geist Gottes gibt das neue, das ewige Leben. Joh 3:7 Wundere dich deshalb nicht, wenn ich dir gesagt habe: Ihr müßt neu geboren werden. Joh 3:8 Es ist damit wie beim Wind. Er weht, wie er will. Du spürst ihn auch, aber du kannst nicht erklären, woher er kommt und wohin er geht. So kann man auch nicht erklären, wie diese Geburt aus Gottes Geist vor sich geht, obwohl jeder ihre Auswirkung spürt." Joh 3:9 "Aber wie soll das nur vor sich gehen?" fragte Nikodemus noch einmal. Joh 3:10 Jesus erwiderte: "Du bist doch einer der anerkannten Gelehrten in Israel und müßtest das eigentlich verstehen! Joh 3:11 Glaube mir: Wir reden nur von dem, was wir genau kennen. Und was wir bezeugen, das haben wir auch gesehen. Trotzdem nehmt ihr unser Wort nicht ernst. Joh 3:12 Ihr glaubt mir ja nicht einmal, wenn ich von ganz alltäglichen Dingen rede! Wie also werdet ihr mir dann glauben, wenn ich euch erkläre, was im Himmel geschieht? Joh 3:13 Und doch kann nur der Menschensohn, der vom Himmel gekommen ist, vom Himmel sprechen. Joh 3:14 Du weißt doch, wie Mose in der Wüste eine Schlange aus Bronze an einem Pfahl aufrichtete, damit jeder, der sie ansah, am Leben blieb. Genauso muß auch der Menschensohn an einen Pfahl gehängt werden. Joh 3:15 Jeder, der dann voll Vertrauen auf ihn sieht, wird das ewige Leben haben. Joh 3:16 Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben. Joh 3:17 Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie vor dem Verderben zu retten. Joh 3:18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht verurteilt werden. Wer aber nicht an den Sohn Gottes glaubt, über den ist wegen seines Unglaubens das Urteil schon gesprochen. Joh 3:19 Die Menschen werden gerichtet, weil das Licht zwar in die Welt gekommen ist, sie aber die Finsternis mehr lieben als das Licht. Denn alles, was sie tun, ist böse. Joh 3:20 Wer Böses tut, scheut das Licht und bleibt lieber im Dunkeln, damit niemand seine Schandtaten sehen kann. Joh 3:21 Wer aber Gott gehorcht, der tritt in das Licht. Es zeigt sich dann, daß er sein Leben nach dem Willen Gottes führt." Joh 3:22 Danach kam Jesus mit seinen Jüngern in die Provinz Judäa. Dort blieb er einige Zeit, um zu taufen. Joh 3:23 Aber auch Johannes taufte bei Änon, in der Nähe von Salim, weil es dort genügend Wasser gab. Joh 3:24 Viele Menschen kamen zu Johannes - er war damals noch nicht im Gefängnis -, um sich von ihm taufen zu lassen. Joh 3:25 Eines Tages kam es zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden zum Streit über die Reinigungsvorschriften. Joh 3:26 Gemeinsam gingen sie schließlich zu Johannes und berichteten ihm: "Meister, der Mann, der damals am anderen Jordanufer zu dir kam und von dem du gesagt hast, daß er der von Gott verheißene Retter ist, der tauft jetzt selber. Alle Leute gehen zu ihm, anstatt zu uns zu kommen." Joh 3:27 "Gott gibt die Aufträge", erwiderte ihnen Johannes. "Ohne ihn kann niemand etwas ausrichten. Joh 3:28 Ich habe doch immer wieder erklärt, daß ich nicht Christus bin, der von Gott gesandte Retter. Habt ihr das vergessen? Ich sollte ihn nur ankündigen, mehr nicht. Joh 3:29 Die Braut wird dahin gehen, wo der Bräutigam ist. Der Freund des Bräutigams freut sich mit den beiden, auch wenn er nur daneben steht. So geht es mir jetzt. Meine Freude ist grenzenlos. Joh 3:30 Immer mehr Menschen sollen zu Christus kommen, und ich will immer mehr in den Hintergrund treten. Joh 3:31 Er ist vom Himmel gekommen und steht deshalb über allen. Wir aber gehören zur Erde und können nur von irdischen Dingen reden. Joh 3:32 Christus kommt vom Himmel und kann bezeugen, was er dort gesehen und gehört hat. Trotzdem glaubt ihm keiner! Joh 3:33 Wer aber an ihn glaubt, bestätigt damit, daß alles wahr ist, was Gott sagt. Joh 3:34 Christus ist von Gott zu uns gesandt. Er redet Gottes Worte, weil Gottes Geist ihn ganz und gar erfüllt. Joh 3:35 Der Vater liebt den Sohn und hat ihm alle Macht gegeben. Joh 3:36 Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber nicht an ihn glaubt, wird nie zum Leben gelangen, sondern Gottes Zorn wird ihn treffen." Joh 4:1 Jesus erfuhr, wie aufgebracht die Pharisäer darüber waren, daß er noch mehr Nachfolger gewann und taufte als Johannes, Joh 4:2 obwohl Jesus nicht einmal selber taufte; das taten nur seine Jünger. Joh 4:3 Da verließ er Judäa und kehrte nach Galiläa zurück. Joh 4:4 Auf seiner Reise kam er auch durch Samarien, Joh 4:5 unter anderem nach Sychar. Dieser Ort liegt in der Nähe des Feldes, das Jakob seinem Sohn Joseph geschenkt hatte. Joh 4:6 Dort ist der Jakobsbrunnen. Müde von der langen Reise setzte sich Jesus an den Brunnen. Es war gerade Mittagszeit. Joh 4:7 Da kam eine Samariterin aus der nahegelegenen Stadt zum Brunnen, um Wasser zu holen. Jesus bat sie: "Gib mir etwas zu trinken!" Joh 4:8 Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Lebensmittel einzukaufen. Joh 4:9 Die Frau fragte überrascht: "Du bist doch ein Jude! Wieso bittest du mich um Wasser, wo ich doch eine samaritische Frau bin?" (Normalerweise wollten die Juden nichts mit den Samaritern zu tun haben.) Joh 4:10 Jesus antwortete ihr: "Wenn du wüßtest, was Gott dir geben will und wer dich hier um Wasser bittet, würdest du mich um das Wasser bitten, das du zum Leben brauchst. Und ich würde es dir geben." Joh 4:11 "Aber Herr", meinte da die Frau, "du hast doch gar nichts, womit du Wasser schöpfen kannst, und der Brunnen ist tief! Wo willst du denn das Wasser für mich hernehmen? Joh 4:12 Kannst du etwa mehr als Jakob, unser Stammvater, der diesen Brunnen gegraben hat? Er selbst, seine Kinder und sein Vieh haben schon daraus getrunken." Joh 4:13 "Jeder, der dieses Wasser trinkt", erwiderte Jesus darauf, "wird bald wieder durstig sein. Joh 4:14 Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie wieder Durst bekommen. Dieses Wasser wird in ihm zu einer Quelle, die bis ins ewige Leben hinein fließt." Joh 4:15 "Dann gib mir dieses Wasser", sagte die Frau, "damit ich nie mehr durstig bin und nicht immer wieder herkommen und Wasser holen muß!" Joh 4:16 "Gut", entgegnete Jesus, "geh, und rufe deinen Mann. Dann kommt beide hierher!" Joh 4:17 "Ich bin nicht verheiratet", wandte die Frau ein. "Das stimmt", erwiderte Jesus, "verheiratet bist du nicht. Joh 4:18 Fünf Männer hast du gehabt, und der, mit dem du jetzt zusammenlebst, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt." Joh 4:19 Erstaunt meinte die Frau: "Ich sehe, Herr, du bist ein Prophet! Joh 4:20 Kannst du mir dann eine Frage beantworten? Unsere Vorfahren haben Gott auf diesem Berg dort angebetet. Warum also behauptet ihr Juden, man könne Gott nur in Jerusalem anbeten?" Joh 4:21 Jesus antwortete: "Glaube mir, die Zeit wird kommen, in der es unwichtig ist, ob ihr Gott auf diesem Berg oder in Jerusalem anbetet. Joh 4:22 Ihr wißt ja nicht einmal, wen ihr anbetet. Wir aber wissen, zu wem wir beten. Denn das Heil der Welt kommt von den Juden. Joh 4:23 Doch es kommt die Zeit, ja sie ist schon da, in der die Menschen Gott überall anbeten können; Joh 4:24 wichtig ist allein, daß sie von Gottes Geist und seiner Wahrheit erfüllt sind. Von diesen Menschen will Gott angebetet werden. Denn Gott ist Geist. Und wer Gott anbeten will, muß seinen Geist haben und in seiner Wahrheit leben." Joh 4:25 Die Frau entgegnete: "Ja, ich weiß, daß einmal der Messias kommen wird. Der wird uns schon alles erklären." Joh 4:26 Da sagte Jesus: "Du sprichst mit ihm. Ich bin der Messias." Joh 4:27 Seine Jünger, die gerade aus der Stadt zurückkamen, wunderten sich, daß er mit einer Frau redete. Aber keiner fragte ihn: "Was willst du von ihr? Warum sprichst du mit ihr?" Joh 4:28 Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, lief in die Stadt und berichtete aufgeregt allen Leuten: Joh 4:29 "Kommt mit! Ich habe einen Mann getroffen, der alles von mir weiß; dabei hat er mich noch nie gesehen! Ob er wohl der Messias ist?" Joh 4:30 Neugierig liefen die Leute aus der Stadt zu Jesus. Joh 4:31 Inzwischen hatten ihm seine Jünger zugeredet: "Herr, iß doch etwas!" Joh 4:32 Aber er sagte zu ihnen: "Ich habe eine Speise, die ihr nicht kennt." Joh 4:33 "Hat ihm denn jemand etwas zu essen gebracht?" fragten sich die Jünger verwundert. Joh 4:34 Aber Jesus erklärte ihnen: "Ich lebe davon, daß ich Gottes Willen erfülle und sein Werk zu Ende führe. Dazu hat er mich in diese Welt gesandt. Joh 4:35 Habt ihr nicht selbst gesagt: 'In vier Monaten beginnt die Ernte?' Macht doch eure Augen auf und seht euch um! Die Felder können abgeerntet werden Joh 4:36 und die Arbeiter schon jetzt ihren Lohn bekommen, wenn sie die Frucht zum ewigen Leben ernten. Beide sollen sich über die Ernte freuen: wer gesät hat und wer die Ernte einbringt. Joh 4:37 Hier trifft das Sprichwort zu: 'Einer sät, der andere erntet.' Joh 4:38 Ich habe euch auf ein Feld geschickt, das ihr nicht bestellt habt, damit ihr dort ernten sollt. Andere haben sich abgemüht, und ihr erntet die Früchte ihrer Arbeit." Joh 4:39 Viele von den Leuten aus Sychar glaubten allein deshalb an Jesus, weil die Frau überall erzählt hatte: "Dieser Mann weiß alles, was ich getan habe." Joh 4:40 Als sie nun zu Jesus kamen, baten sie ihn, länger bei ihnen zu bleiben, und er blieb noch zwei Tage. Joh 4:41 So konnten ihn alle hören, und schließlich glaubten noch viel mehr Menschen an ihn. Joh 4:42 Sie sagten zu der Frau: "Jetzt glauben wir nicht nur deshalb an Jesus, weil du uns von ihm erzählt hast. Wir haben ihn jetzt selbst gehört und wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt!" Joh 4:43 Zwei Tage später reiste Jesus weiter nach Galiläa, Joh 4:44 obwohl er selbst einmal gesagt hatte, daß ein Prophet in seiner Heimat nichts gilt. Joh 4:45 Diesmal aber nahmen ihn die Galiläer freundlich auf. Sie waren während des Passahfestes in Jerusalem gewesen und hatten dort alles miterlebt, was er getan hatte. Joh 4:46 Auf seiner Reise durch Galiläa kam Jesus auch wieder nach Kana, wo er Wasser in Wein verwandelt hatte. Joh 4:47 In Kapernaum lebte ein hoher königlicher Beamter, dessen Sohn sehr krank war. Als dieser Mann hörte, daß Jesus aus Judäa nach Galiläa zurückgekehrt war, ging er zu ihm und bat: "Komm schnell in mein Haus, und heile meinen todkranken Sohn!" Joh 4:48 "Wenn ihr nicht immer neue Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht", hielt Jesus ihm entgegen. Joh 4:49 Aber der Beamte flehte ihn an: "Herr, komm doch schnell, sonst stirbt mein Kind!" Joh 4:50 "Geh nach Hause", sagte Jesus, "dein Sohn ist gesund!" Der Mann glaubte ihm und ging nach Hause. Joh 4:51 Noch während er unterwegs war, liefen ihm einige seiner Leute entgegen. "Dein Kind ist gesund!" riefen sie aufgeregt. Joh 4:52 Der Vater erkundigte sich: "Seit wann geht es ihm besser?" Sie antworteten: "Gestern mittag um ein Uhr hatte er plötzlich kein Fieber mehr." Joh 4:53 Da erinnerte sich der Vater, daß Jesus genau zu dieser Stunde gesagt hatte: "Dein Sohn ist gesund!" Seitdem glaubte dieser Mann mit seiner ganzen Familie an Jesus. Joh 4:54 Dies war das zweite Wunder in Galiläa, das Jesus wirkte, nachdem er aus Judäa zurückgekehrt war. Joh 5:1 An einem der jüdischen Feiertage ging Jesus nach Jerusalem. Joh 5:2 Dort liegt in der Nähe des Schaftors der Teich Bethesda, wie er auf Hebräisch genannt wird. Er ist von fünf Säulenhallen umgeben. Joh 5:3 Viele Kranke, Blinde, Gelähmte und Gebrechliche lagen in diesen Hallen und warteten darauf, daß sich Wellen auf dem Wasser zeigten. Joh 5:4 Von Zeit zu Zeit bewegte nämlich ein Engel Gottes das Wasser. Wer dann als erster in den Teich kam, der wurde gesund; ganz gleich, welches Leiden er hatte. Joh 5:5 Einer von den Menschen, die dort lagen, war schon seit achtunddreißig Jahren krank. Joh 5:6 Als Jesus ihn sah und hörte, daß er schon so lange an seiner Krankheit litt, fragte er ihn: "Willst du gesund werden?" Joh 5:7 "Ach Herr", entgegnete der Kranke, "ich habe niemanden, der mir in den Teich hilft, wenn sich das Wasser bewegt. Versuche ich es aber allein, komme ich immer zu spät." Joh 5:8 Da forderte ihn Jesus auf: "Steh auf, rolle deine Matte zusammen und geh!" Joh 5:9 In demselben Augenblick war der Mann geheilt. Er nahm seine Matte und ging glücklich seines Weges. Das geschah an einem Sabbat. Joh 5:10 Einige der Juden, die den Geheilten sahen, hielten ihm vor: "Heute ist doch Sabbat! Da ist es nicht erlaubt, diese Matte zu tragen!" Joh 5:11 "Aber der Mann, der mich heilte, hat es mir ausdrücklich befohlen", antwortete er ihnen. Joh 5:12 "Wer hat dir so etwas befohlen?" fragten sie nun. Joh 5:13 Doch das wußte der Mann nicht, denn Jesus war unbemerkt in der Menschenmenge verschwunden. Joh 5:14 Später traf Jesus den Geheilten im Tempel und sagte zu ihm: "Du bist gesund geworden. Sündige nicht mehr, damit du nicht etwas Schlimmeres als deine Krankheit erlebst!" Joh 5:15 Da ging der Mann zu den Juden und berichtete: "Es war Jesus, der mich geheilt hat!" Joh 5:16 Von dieser Zeit an verfolgten die Juden Jesus, weil er sogar am Sabbat Kranke heilte. Joh 5:17 Aber Jesus sagte ihnen: "Immer, an jedem Tag, tut mein Vater Gutes, und ich folge nur seinem Beispiel." Joh 5:18 Nach dieser Antwort waren die Juden erst recht entschlossen, ihn umzubringen. Denn Jesus hatte nicht nur ihre Sabbatvorschriften mißachtet, sondern auch Gott seinen Vater genannt und sich dadurch mit Gott gleichgestellt. Joh 5:19 Zu dieser Anschuldigung der Juden sagte Jesus: "Das steht fest: Von sich aus kann der Sohn gar nichts tun. Er folgt in allem dem Beispiel seines Vaters. Joh 5:20 Denn weil der Vater den Sohn liebt, zeigt er ihm alles, was er selbst tut. Und er wird ihn noch viel größere Wunder tun lassen, so daß ihr staunen werdet. Joh 5:21 So wie der Vater Tote auferweckt und ihnen neues Leben gibt, so hat auch der Sohn die Macht dazu, neues Leben zu geben. Joh 5:22 Denn nicht der Vater spricht das Urteil über die Menschen, er hat das Richteramt vielmehr dem Sohn übertragen, Joh 5:23 damit alle den Sohn ehren, genauso wie den Vater. Wer aber Gottes Sohn nicht als Herrn anerkennen will, der verachtet auch die Herrschaft des Vaters, der ja den Sohn gesandt hat. Joh 5:24 Achtet deshalb genau darauf, was ich euch jetzt sage: Wer mein Wort hört und an den glaubt, der mich gesandt hat, der wird ewig leben. Ihn wird das Todesurteil Gottes nicht treffen, denn er hat die Grenze vom Tod zum Leben schon überschritten. Joh 5:25 Ich sage euch: Die Zeit wird kommen, ja sie hat schon begonnen, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Und wer diesen Ruf hört, der wird leben. Joh 5:26 Denn in Gott ist das Leben, und nach Gottes Willen hat auch der Sohn dieses Leben in sich. Joh 5:27 Er hat ihm die Macht gegeben, die ganze Menschheit zu richten, weil er der Menschensohn ist. Joh 5:28 Wundert euch nicht darüber! Der Tag wird kommen, an dem die Toten in ihren Gräbern die Stimme des Gottessohnes hören. Joh 5:29 Dann werden alle Menschen auferstehen: Die Gutes getan haben, werden ewig leben, die aber Böses getan haben, werden verurteilt. Joh 5:30 Dabei kann ich nicht eigenmächtig handeln, sondern ich entscheide so, wie Gott es mir sagt. Deswegen ist mein Urteil auch gerecht, weil es nicht meinem eigenen Willen entspricht, sondern dem Willen Gottes, der mich gesandt hat." Joh 5:31 "Ich könnte verstehen, daß ihr mir nicht glaubt, wenn ich für meine Worte keinen Zeugen hätte. Joh 5:32 Aber ich habe einen Zeugen. Und was er über mich sagt, das ist wahr. Joh 5:33 Ihr seid zu Johannes dem Täufer gegangen, um die Wahrheit über mich zu hören, und er hat sie euch gesagt. Joh 5:34 Dabei brauche ich aber gar keine Zeugenaussage von Menschen. Nur um euretwillen nenne ich Johannes als Zeugen, damit ihr an mich glaubt und errettet werdet. Joh 5:35 Johannes war ein strahlendes Licht, aber ihr wolltet euch in diesem Schein nur ein wenig sonnen. Joh 5:36 Doch ich habe noch wichtigere Zeugen als Johannes: Die Taten nämlich, die ich im Auftrag meines Vaters vollbringe. Sie sind der Beweis dafür, daß der Vater mich gesandt hat. Joh 5:37 Gott selbst, der mich gesandt hat, ist also mein Zeuge. Aber ihr habt noch niemals seine Stimme gehört, habt ihn nie gesehen. Joh 5:38 Sein Wort habt ihr weder begriffen noch befolgt; denn sonst würdet ihr den nicht ablehnen, den Gott zu euch gesandt hat. Joh 5:39 Ihr studiert die Heilige Schrift, weil ihr meint, dadurch zum ewigen Leben zu gelangen. Und tatsächlich weist sie auf mich hin. Joh 5:40 Dennoch wollt ihr nicht zu mir kommen, damit ich euch ewiges Leben geben kann. Joh 5:41 Eure Zustimmung oder Ablehnung bedeuten mir nichts, Joh 5:42 weil ich euch kenne und genau weiß, daß ihr Gottes Liebe nicht in euch habt. Joh 5:43 Mein Vater hat mich zu euch geschickt, doch ihr lehnt mich ab. Aber mit offenen Armen werdet ihr jeden aufnehmen, der behauptet, alles aus sich selbst tun zu können. Joh 5:44 Kein Wunder, daß ihr nicht glauben könnt. Denn ihr seid doch nur darauf aus, voreinander etwas zu gelten. Ob ihr aber vor Gott etwas geltet, darüber macht ihr euch keine Gedanken. Joh 5:45 Es ist gar nicht nötig, daß ich euch vor dem Vater anklage: Mose wird euer Ankläger sein. Genau der, auf den ihr eure ganze Hoffnung setzt! Joh 5:46 Aber in Wirklichkeit glaubt ihr Mose gar nicht; denn sonst würdet ihr auch mir glauben. Schließlich hat doch Mose von mir geschrieben. Joh 5:47 Wenn ihr aber nicht einmal glaubt, was er geschrieben hat, wie könnt ihr dann glauben, was ich euch sage?" Joh 6:1 Danach kam Jesus an das andere Ufer des Galiläischen Meeres, das man auch See von Tiberias nennt. Joh 6:2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie gesehen hatte, wie er Kranke heilte. Joh 6:3 Zusammen mit seinen Jüngern ging Jesus auf eine Anhöhe. Dort setzten sie sich, und Jesus unterrichtete sie. Joh 6:4 Das war in den Tagen kurz vor dem jüdischen Passahfest. Joh 6:5 Als Jesus die vielen Menschen kommen sah, fragte er Philippus: "Wo können wir für alle diese Leute Brot kaufen?" Joh 6:6 Er wollte aber nur sehen, ob Philippus ihm vertraute; denn er wußte natürlich, wie er die Menschen versorgen würde. Joh 6:7 Philippus überlegte: "Wir müßten ein Vermögen ausgeben, wenn wir für jeden auch nur ein kleines Stückchen Brot kaufen wollten." Joh 6:8 Da brachte Andreas, der Bruder von Simon Petrus, ein Kind zu ihnen: Joh 6:9 "Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische mitgebracht. Aber was ist das schon für so viele Menschen!" Joh 6:10 Jetzt forderte Jesus die Jünger auf: "Sagt den Leuten, daß sie sich hinsetzen sollen!" Und alle - es waren etwa fünftausend Mann, Frauen und Kinder gar nicht mitgerechnet - lagerten sich auf der Wiese. Joh 6:11 Dann nahm Jesus die fünf Gerstenbrote, dankte Gott dafür und ließ sie an die Menschen austeilen. Mit den beiden Fischen machte er es ebenso. Jeder bekam so viel, wie er wollte. Joh 6:12 Als alle satt waren, sagte Jesus zu seinen Jüngern: "Sammelt die Reste ein, damit nichts verdirbt!" Joh 6:13 Und die Jünger füllten noch zwölf Körbe mit den Resten. So viel war von den fünf Gerstenbroten übriggeblieben. Joh 6:14 Als die Leute begriffen, was Jesus getan hatte, riefen sie begeistert: "Das ist wirklich der Prophet, auf den wir so lange gewartet haben!" Joh 6:15 Jesus merkte, daß sie ihn jetzt unbedingt festhalten und zu ihrem König ausrufen wollten. Deshalb zog er sich in die Berge zurück; er ganz allein. Joh 6:16 Am Abend gingen seine Jünger hinunter an den See. Joh 6:17 Sie stiegen in ein Boot, um nach Kapernaum überzusetzen. Die Nacht brach herein, und Jesus war nicht bei ihnen. Joh 6:18 Ein heftiger Sturm kam auf. Joh 6:19 Die Jünger waren schon vier bis fünf Kilometer vom Ufer entfernt, als sie Jesus sahen. Er ging über das Wasser auf ihr Boot zu. Da packte die Jünger das Grauen. Joh 6:20 Beruhigend rief ihnen Jesus zu: "Fürchtet euch nicht! Ich bin es!" Joh 6:21 Sie wollten ihn noch in ihr Boot nehmen; aber da hatten sie schon das andere Ufer erreicht. Joh 6:22 Am nächsten Morgen erinnerten sich die Menschen, die auf der anderen Seite des Sees geblieben waren, daß nur ein Boot am Ufer gelegen hatte. Mit diesem Boot hätte Jesus den See überqueren müssen; aber sie hatten gesehen, daß er nicht mit den Jüngern gefahren war. Joh 6:23 Inzwischen legten mehrere Schiffe aus Tiberias nahe bei der Stelle an, wo die Menschenmenge nach dem Dankgebet Jesu das Brot gegessen hatte. Joh 6:24 Weil nun Jesus und seine Jünger nirgends zu finden waren, stiegen alle in diese Schiffe und fuhren hinüber nach Kapernaum, um ihn dort zu suchen. Joh 6:25 Als sie Jesus auf der anderen Seite des Sees gefunden hatten, fragten sie ihn: "Herr, wann bist du denn hierhergekommen?" Joh 6:26 Jesus antwortete ihnen: "Ich weiß, weshalb ihr zu mir kommt; doch nur, weil ihr von mir Brot bekommen habt und satt geworden seid; nicht weil ihr glaubt, daß Gott mich geschickt hat. Joh 6:27 Denkt doch nicht immer nur an das, was ihr zum täglichen Leben braucht! Im Gegenteil! Setzt alles dafür ein, die Nahrung zu bekommen, die euch das ewige Leben bringt. Nur der Menschensohn kann sie euch geben. Denn Gott, der Vater, hat ihn dazu bestimmt." Joh 6:28 Jetzt fragten sie ihn: "Aber was sollen wir denn tun, damit Gott mit uns zufrieden ist?" Joh 6:29 Er erwiderte: "Nur eins erwartet Gott von euch: Ihr sollt an den glauben, den er gesandt hat." Joh 6:30 "Wenn wir an dich glauben sollen", wandten sie ein, "mußt du schon durch eine Wundertat beweisen, daß du im Auftrag Gottes handelst. Joh 6:31 Zeige uns, was du kannst! Gib uns jeden Tag Brot zu essen, so wie unsere Väter damals in der Wüste Manna, das Brot vom Himmel, aßen. Es heißt doch in der Heiligen Schrift: 'Er gab ihnen Brot vom Himmel.'" Joh 6:32 Hierzu sagte ihnen Jesus: "Mose gab euch nicht das Brot, von dem ich gesprochen habe. Das wahre Brot vom Himmel gibt euch jetzt mein Vater. Joh 6:33 Und nur dieses Brot, das vom Himmel kommt, schenkt der Welt das Leben." Joh 6:34 "Herr, gib uns jeden Tag dieses Brot!" baten ihn alle. Joh 6:35 "Ich bin das Brot des Lebens", sagte Jesus zu ihnen. "Keiner, der zu mir kommt, wird jemals wieder Hunger leiden, und niemand, der an mich glaubt, wird jemals wieder Durst haben. Joh 6:36 Doch ich habe euch ja schon einmal gesagt: Ihr glaubt nicht einmal das, was ihr mit euren eigenen Augen seht. Joh 6:37 Alle Menschen, die mir der Vater gibt, werden zu mir kommen, und keinen von ihnen werde ich zurückstoßen. Joh 6:38 Denn ich bin nicht vom Himmel gekommen, um zu tun, was mir gefällt, sondern um den Willen des Vaters zu erfüllen, der mich gesandt hat. Joh 6:39 Und das ist Gottes Wille: Kein einziger von denen, die er mir anvertraut hat, soll verlorengehen. Ich werde sie alle am letzten Tag zum Leben erwecken. Joh 6:40 Denn nach dem Willen meines Vaters wird jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, für immer leben. Darum werde ich sie am letzten Tag vom Tod auferwecken." Joh 6:41 Weil Jesus behauptet hatte: "Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist", riefen die Juden empört: Joh 6:42 "Was? Das ist doch Jesus, Josephs Sohn. Wir kennen schließlich seine Eltern. Wie kann er behaupten: 'Ich bin vom Himmel gekommen!'" Joh 6:43 Ruhig antwortete Jesus auf ihre Vorwürfe: "Warum regt ihr euch auf? Joh 6:44 Keiner kann zu mir kommen, dem nicht der Vater, der mich gesandt hat, den Weg zeigt. Alle diese Menschen, die er mir gibt, will ich am letzten Tag zum Leben erwecken. Joh 6:45 Bei den Propheten heißt es: 'Alle werden Schüler Gottes sein!' Wer also auf den Vater hört und von ihm lernt, der kommt zu mir. Joh 6:46 Das bedeutet aber nicht, daß jemals ein Mensch den Vater gesehen hat. Nur einer hat ihn wirklich gesehen: der eine, der von Gott gekommen ist. Joh 6:47 Deshalb sage ich euch: Wer an mich glaubt, der hat jetzt schon das ewige Leben! Joh 6:48 Ich selbst bin das Brot, das euch dieses Leben gibt! Joh 6:49 Das Brot, das eure Väter in der Wüste gegessen haben, konnte ihnen kein ewiges Leben schenken. Obwohl sie 'Brot vom Himmel' aßen, sind sie doch alle gestorben. Joh 6:50 Aber hier ist das wahre Brot, das vom Himmel kommt. Wer davon ißt, wird nicht sterben. Joh 6:51 Ich bin dieses Brot, das von Gott gekommen ist und euch das Leben gibt. Jeder, der dieses Brot ißt, wird ewig leben. Und dieses Brot ist mein Leib, den ich hingeben werde, damit die Welt leben kann." Joh 6:52 Nach diesen Worten Jesu kam es unter den Juden zu einer heftigen Auseinandersetzung. "Will dieser Mensch uns etwa seinen Leib zu essen geben?" fragten sie. Joh 6:53 Darauf erwiderte Jesus: "Das eine steht unumstößlich fest: Wenn ihr den Leib des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut nicht trinkt, habt ihr kein ewiges Leben. Joh 6:54 Nur wer meinen Leib ißt und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und ihn werde ich am letzten Tag auferwecken. Joh 6:55 Denn mein Leib ist die lebensnotwendige Nahrung, und mein Blut der lebenspendende Trank. Joh 6:56 Wer meinen Leib ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Joh 6:57 Ich lebe durch die Kraft des lebendigen Gottes, der mich gesandt hat. Ebenso wird jeder, der meinen Leib ißt, durch mich leben. Joh 6:58 So verhält es sich mit dem Brot, das vom Himmel zu euch gekommen ist! Eure Väter haben zwar auch in der Wüste 'Brot vom Himmel' gegessen, aber sie sind trotzdem gestorben. Doch wer dieses Brot ißt, wird für immer leben." Joh 6:59 Dies alles sagte Jesus in der Synagoge von Kapernaum. Joh 6:60 Aber damit hatte er viele von denen verärgert, die ihm bisher gefolgt waren. "Das ist ja unerhört!" meinten sie. "Nein, das ist zuviel!" Joh 6:61 Jesus sah ihre Entrüstung und fragte sie deshalb: "Nehmt ihr schon daran Anstoß? Joh 6:62 Was werdet ihr erst sagen, wenn ihr seht, wie der Menschensohn dahin zurückkehrt, woher er gekommen ist? Joh 6:63 Gottes Geist allein schafft Leben. Ihr selber könnt es nicht. Die Worte aber, die ich euch gesagt habe, sind aus Gottes Geist; deshalb bringen sie euch das Leben. Joh 6:64 Aber einige von euch glauben mir trotzdem nicht." Jesus wußte nämlich von Anfang an, wer nicht an ihn glaubte, und kannte auch den, der ihn später verraten würde. Joh 6:65 "Deshalb", so erklärte er weiter, "habe ich euch gesagt: Keiner kann zu mir kommen, wenn ihn nicht der Vater zu mir führt!" Joh 6:66 Nach dieser Rede wandten sich viele von Jesus ab und gingen nicht mehr mit ihm. Joh 6:67 Da fragte Jesus auch seine zwölf Jünger: "Wollt ihr auch weggehen und mich verlassen?" Joh 6:68 "Herr, zu wem sollen wir denn gehen?" antwortete Simon Petrus. "Nur deine Worte bringen ewiges Leben. Joh 6:69 Wir glauben und haben erkannt, daß du Christus, der Sohn Gottes, bist." Joh 6:70 Da sagte Jesus: "Ich selbst habe euch zwölf ausgewählt - und doch: Einer von euch ist ein Teufel!" Joh 6:71 Damit meinte er Judas, den Sohn von Simon Ischarioth, seinen eigenen Jünger. Und er war es tatsächlich, der Jesus später an die jüdischen Führer verriet. Joh 7:1 Danach reiste Jesus weiter durch Galiläa. In Judäa konnte er sich nicht aufhalten, weil dort die führenden Juden seinen Tod beschlossen hatten. Joh 7:2 Kurz vor dem Laubhüttenfest aber Joh 7:3 forderten ihn seine Brüder auf, mit ihnen nach Judäa zu reisen: "Komm mit und zeige den Menschen dort, welche Wunder du tun kannst! Joh 7:4 Kein Mensch versteckt sich, wenn er bekannt werden will. Wenn du schon Wunder vollbringst, dann zeige sie auch vor aller Welt!" Joh 7:5 So konnten seine Brüder nur reden, weil sie nicht an ihn glaubten. Joh 7:6 Jesus antwortete ihnen: "Jetzt kann ich noch nicht dorthin gehen. Ihr könnt gehen und handeln, wann und wie ihr wollt. Joh 7:7 Denn die Welt hat ja keinen Grund, euch zu hassen. Aber mich haßt sie, weil ich nicht aufhöre zu sagen, daß ihr Tun und Treiben böse ist. Joh 7:8 Geht ihr nur zum Fest! Ich komme nicht mit. Denn die Zeit zum Handeln ist für mich noch nicht da." Joh 7:9 Das sagte er zu seinen Brüdern und blieb in Galiläa. Joh 7:10 Nachdem seine Brüder nach Jerusalem gereist waren, ging auch Jesus heimlich dorthin. Joh 7:11 Die Führer des Volkes suchten ihn während des Festes und fragten überall: "Wo ist er denn? Hat jemand mit ihm geredet?" Joh 7:12 Auch unter den Festbesuchern wurde viel über ihn gesprochen. Einige hielten ihn für einen guten Menschen, andere wieder behaupteten: "Er verführt das Volk!" Joh 7:13 Aber keiner hatte den Mut, frei und offen seine Meinung über ihn zu sagen. Alle fürchteten sich vor den Führern des jüdischen Volkes. Joh 7:14 Während des Festes ging Jesus in den Tempel und predigte dort öffentlich. Joh 7:15 Die Juden, die ihm zuhörten, waren überrascht. "Wie kann jemand so viel aus der Heiligen Schrift wissen, obwohl er sie nicht studiert hat?" fragten sie sich. Joh 7:16 Jesus beantwortete ihre Frage: "Was ich euch sage, sind nicht meine eigenen Gedanken. Es sind Gottes Worte. Joh 7:17 Wer von euch bereit ist, Gottes Willen zu tun, der wird erkennen, ob diese Worte von Gott kommen oder ob es meine eigenen Gedanken sind. Joh 7:18 Wer seine eigene Lehre verbreitet, der möchte persönlich anerkannt werden. Wer aber Anerkennung und Ehre für den sucht, der ihn gesandt hat, der ist zuverlässig, und ihm kann man vertrauen. Joh 7:19 Mose hat euch das Gesetz gegeben; aber keiner von euch lebt nach diesem Gesetz! Mit welchem Recht also wollt ihr mich töten?" Joh 7:20 Da empörte sich die Menge: "Du bist ja verrückt! Wer will dich denn umbringen?" Joh 7:21 "Ich habe doch nur am Sabbat einen Menschen geheilt", entgegnete Jesus. "Und darüber regt ihr euch auf! Joh 7:22 Mose hat angeordnet, daß eure Kinder am achten Tag beschnitten werden sollen - eine Vorschrift, nach der sich bereits eure Stammväter vor Mose gerichtet haben. Joh 7:23 Auch eure Söhne werden am achten Tag beschnitten, selbst wenn es ein Sabbat ist, damit das Gesetz des Mose nicht übertreten wird. Weshalb also seid ihr so empört darüber, daß ich einen Menschen am Sabbat geheilt habe? Joh 7:24 Seid doch nicht so oberflächlich, sondern urteilt gerecht." Joh 7:25 Da meinten einige Leute von Jerusalem: "Ist das nicht der Mann, den sie beseitigen wollen? Joh 7:26 Jetzt redet er hier in aller Öffentlichkeit, und keiner verbietet es ihm. Sollten unsere führenden Männer nun tatsächlich davon überzeugt sein, daß er der Messias ist? Joh 7:27 Aber er kann es doch gar nicht sein! Schließlich kennen wir seine Herkunft. Woher aber der Messias kommt, wird niemand wissen." Joh 7:28 Darauf rief Jesus im Tempel, so daß es alle hören konnten: "Ja, ihr kennt mich und wißt, woher ich komme. Aber der mir den Auftrag gegeben hat, den kennt ihr nicht. Er ist die Wahrheit. Joh 7:29 Ich kenne ihn, weil ich von ihm komme und er mich zu euch gesandt hat." Joh 7:30 Nach diesen Worten hätten sie ihn am liebsten festgenommen; doch keiner wagte es. Denn Gottes Zeit dafür war noch nicht da. Joh 7:31 Viele seiner Zuhörer im Tempel aber glaubten an Jesus und sagten: "Was erwartet ihr eigentlich noch von diesem Mann? Mehr Wunder, als er schon getan hat, kann doch auch der Messias nicht tun." Joh 7:32 Als die Pharisäer hörten, was die Leute über Jesus redeten, rieten sie den Hohenpriestern dringend, Jesus von der Tempelwache festnehmen zu lassen. Joh 7:33 Währenddessen sagte Jesus zu der Volksmenge: "Ich bleibe nur noch kurze Zeit bei euch. Danach kehre ich zu dem zurück, der mich gesandt hat. Joh 7:34 Ihr werdet mich überall suchen, aber nicht mehr finden. Wo ich dann sein werde, dorthin werdet ihr nie gelangen." Joh 7:35 "Wo will er denn hin?" fragten die Juden verwirrt. "Will er etwa ins Ausland gehen und den Griechen seine Lehre bringen? Joh 7:36 Was meint er, wenn er sagt: 'Ihr werdet mich suchen und nicht finden' und 'Wo ich dann sein werde, dorthin werdet ihr nicht kommen'?" Joh 7:37 Am letzten Tag, dem Höhepunkt des großen Festes, trat Jesus wieder vor die Menschenmenge und rief laut: "Wer Durst hat, der soll zu mir kommen und trinken! Joh 7:38 Wer an mich glaubt, wird erfahren, was die Heilige Schrift sagt: Wie ein Strom wird lebenschaffendes Wasser von ihm ausgehen." Joh 7:39 Damit meinte er den Heiligen Geist, den alle bekommen würden, die an Jesus glauben. (Den Geist Gottes bekamen sie erst zu Pfingsten, nachdem Jesus in Gottes Herrlichkeit zurückgekehrt war. Jetzt hatten die Menschen den Heiligen Geist noch nicht.) Joh 7:40 Nach diesen Worten waren einige davon überzeugt: "Er ist der Prophet, der vor dem Messias kommen soll." Joh 7:41 Andere wieder sagten: "Nein, er ist selbst der Messias!" Eine dritte Gruppe schließlich meinte: "Das kann gar nicht sein! Er kommt doch aus Galiläa; Joh 7:42 aber die Propheten sagen, der Messias soll von David abstammen und wie David aus Bethlehem kommen." Joh 7:43 So waren die Meinungen über Jesus sehr geteilt. Joh 7:44 Einige hätten ihn gern festgenommen; aber keiner wagte es, in dieser Situation gegen ihn vorzugehen. Joh 7:45 So kehrte die Tempelpolizei zu den Hohenpriestern und Pharisäern zurück, ohne Jesus festgenommen zu haben. "Weshalb bringt ihr ihn nicht mit?" stellten sie die Soldaten zur Rede. Joh 7:46 "Noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser Mann!" entschuldigten sie sich. Joh 7:47 Da regten sich die Pharisäer auf: "Habt ihr euch also auch von ihm beschwatzen lassen? Joh 7:48 Gibt es denn unter uns, den führenden Männern des Volkes, auch nur einen einzigen, der diesem Menschen glaubt? Joh 7:49 Nur dieses verfluchte Volk läuft ihm nach, das keine Ahnung vom Gesetz hat." Joh 7:50 Doch Nikodemus, der auch zu den Pharisäern gehörte und Jesus früher einmal heimlich aufgesucht hatte, widersprach ihnen: Joh 7:51 "Seit wann verurteilt denn unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn verhört und ihm seine Schuld nachgewiesen hat?" Joh 7:52 "Bist du etwa auch aus Galiläa?" fragten ihn die Pharisäer. "Du brauchst nur in der Heiligen Schrift nachzulesen. Dann weißt du: Kein Prophet kommt aus Galiläa!" Joh 7:53 Ohne sich geeinigt zu haben, gingen sie nach Hause. Joh 8:1 Jesus verließ die Stadt und ging zum Ölberg. Joh 8:2 Aber schon am nächsten Morgen war er wieder im Tempel. Viele Menschen drängten sich um ihn. Er setzte sich und begann, sie zu unterrichten. Joh 8:3 Da schleppten die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau heran, die beim Ehebruch ertappt worden war, stießen sie in die Mitte, damit jeder sie sehen konnte, Joh 8:4 und sagten zu Jesus: "Diese Frau wurde beim Ehebruch überrascht. Joh 8:5 Wenn wir das Gesetz des Mose befolgen wollen, müssen wir sie steinigen. Was meinst du dazu?" Joh 8:6 Das war eine Fangfrage. Sie suchten nämlich nach einem Anlaß, um Jesus anklagen zu können. Aber Jesus schien gar nicht auf ihre Frage zu achten; er bückte sich und schrieb mit seinem Finger auf die Erde. Joh 8:7 Als sie hartnäckig nach einer Erklärung verlangten, richtete er sich auf und sagte: "Nun, dann steinigt sie! Aber den ersten Stein soll der werfen, der selbst noch nie gesündigt hat!" Joh 8:8 Dann bückte er sich wieder und schrieb weiter auf die Erde. Joh 8:9 Als erstes gingen die Ankläger. Dann schlichen sich auch alle übrigen stillschweigend davon - einer nach dem andern. Schließlich war Jesus mit der Frau allein. Joh 8:10 Da stand er auf und fragte sie: "Wo sind jetzt deine Ankläger? Hat dich denn keiner verurteilt?" Joh 8:11 "Nein, Herr", antwortete sie. "Dann will ich dich auch nicht verurteilen", entgegnete ihr Jesus. "Geh, aber sündige nicht noch einmal!" Joh 8:12 Ein andermal sagte Jesus zu den Menschen, die ihm zuhörten: "Ich bin das Licht für die Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht mehr in der Dunkelheit umherirren, sondern folgt dem Licht, das ihn zum Leben führt." Joh 8:13 Da unterbrachen ihn die Pharisäer: "Du redest doch wieder nur für dich selbst, als dein eigener Zeuge. Das beweist doch gar nichts." Joh 8:14 Jesus erwiderte ihnen: "Auch wenn ich hier als mein eigener Zeuge auftrete, sage ich die Wahrheit. Denn ich weiß, woher ich komme und wohin ich gehe; aber ihr wißt das alles nicht. Joh 8:15 Ihr urteilt über mich, und dabei laßt ihr euch nur von Äußerlichkeiten leiten. Ich urteile über niemanden. Joh 8:16 Wenn ich aber über jemanden das Urteil spreche, dann ist mein Urteil gerecht. Denn ich richte nicht allein, sondern der Vater, der mich gesandt hat, spricht das Urteil. Joh 8:17 Nach euerm Gesetz ist vor Gericht eine Aussage glaubwürdig, wenn es dafür mindestens zwei Zeugen gibt. Joh 8:18 Nun, ich selbst trete für mich als Zeuge auf, und mein Vater, der mich gesandt hat, ist auch mein Zeuge." Joh 8:19 "Wo ist denn dein Vater?" fragten sie daraufhin. Jesus antwortete: "Ihr wißt ja nicht einmal, wer ich bin; deshalb kennt ihr meinen Vater erst recht nicht. Wenn ihr mich kennen würdet, wüßtet ihr auch, wer mein Vater ist." Joh 8:20 Das alles sagte Jesus an der Stelle des Tempels, an der das Geldopfer gesammelt wurde. Aber niemand nahm ihn fest. Denn die Zeit dafür war noch nicht gekommen. Joh 8:21 Später sagte Jesus noch einmal zu ihnen: "Ich gehe fort. Ihr werdet mich dann verzweifelt suchen, aber ihr werdet in euren Sünden umkommen. Denn ihr könnt nicht dahin gehen, wo ich sein werde." Joh 8:22 "Will er sich etwa das Leben nehmen?" fragten sich die Juden, "oder was heißt das: 'Ihr könnt nicht dahin gehen, wo ich sein werde'?" Joh 8:23 Dazu sagte ihnen Jesus: "Ihr kommt von unten; ich komme von oben. Ihr gehört zu dieser Welt; ich gehöre nicht zu dieser Welt. Joh 8:24 Deshalb habe ich gesagt: Ihr werdet in euren Sünden umkommen. Wenn ihr nicht glaubt, daß ich es bin, gibt es keine Rettung für euch." Joh 8:25 "Dann sage uns doch, wer du bist!" forderten sie ihn auf. "Ich weiß überhaupt nicht, weshalb ich noch darüber mit euch reden soll. Denn das habe ich euch von Anfang an gesagt", erwiderte Jesus. Joh 8:26 "Ich hätte euch viel vorzuwerfen und viel an euch zu verurteilen. Trotzdem sage ich euch nur, was er mir gesagt hat. Denn der Eine, der mich gesandt hat, ist die Wahrheit." Joh 8:27 Aber sie verstanden noch immer nicht, daß Jesus von Gott sprach. Joh 8:28 Deshalb erklärte er ihnen: "Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, werdet ihr erkennen, wer ich bin, und einsehen, daß ich euch nicht meine eigenen Gedanken vortrage, sondern weitergebe, was mir mein Vater gesagt hat. Joh 8:29 Er, der mich gesandt hat, ist bei mir und verläßt mich nicht, weil ich immer seinen Willen erfülle." Joh 8:30 Nach diesen Worten glaubten viele an Jesus. Joh 8:31 Zu diesen Juden, die nun an ihn glaubten, sagte Jesus: "Wenn ihr an meinen Worten festhaltet und das tut, was ich euch gesagt habe, dann gehört ihr wirklich zu mir. Joh 8:32 Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien!" Joh 8:33 "Aber wir sind Nachkommen Abrahams und niemals Sklaven gewesen", wandten sie ein. "Wovon sollen wir eigentlich befreit werden?" Joh 8:34 Jesus erwiderte ihnen: "Eins ist sicher: Jeder, der sündigt, ist ein Gefangener der Sünde. Joh 8:35 Ein Sklave kann sich nicht darauf verlassen, daß er immer in dem Haus bleibt, in dem er arbeitet. Dieses Recht hat nur der Sohn der Familie. Joh 8:36 Wenn euch also der Sohn Gottes befreit, dann seid ihr wirklich frei. Joh 8:37 Ich weiß natürlich auch, daß ihr Nachkommen Abrahams seid. Und trotzdem wollt ihr mich töten, weil ihr meine Worte ablehnt. Joh 8:38 Ich spreche von dem, was ich bei meinem Vater gesehen habe. Und ihr handelt danach, was ihr von euerm Vater gehört habt." Joh 8:39 "Unser Vater ist Abraham", erklärten sie. "Nein", widersprach ihnen Jesus, "wenn er es wirklich wäre, würdet ihr auch so handeln wie er. Joh 8:40 Weil ich euch die Wahrheit sage, die ich von Gott gehört habe, wollt ihr mich töten. Das hätte Abraham nie getan. Joh 8:41 Nein, ihr handelt genau wie euer Vater." "Unsere Mutter ist doch schließlich keine Dirne", wandten sie ein. "Wir haben nur einen Vater, Gott selbst!" Joh 8:42 Doch Jesus entgegnete ihnen: "Wenn es tatsächlich so wäre, dann würdet ihr mich lieben; denn ich komme ja von Gott zu euch; in seinem Auftrag und nicht aus eigenem Entschluß. Joh 8:43 Aber ich will euch sagen, weshalb ihr mich nicht versteht: Weil ihr meine Worte überhaupt nicht hören könnt! Joh 8:44 Denn ihr seid Kinder des Teufels. Und deshalb handelt ihr so, wie es euerm Vater gefällt. Der war schon von Anfang an ein Mörder und ein Feind der Wahrheit. Die Lüge gehört zu seinem Wesen; denn er ist der Lügner schlechthin, ja der Vater jeder Lüge. Joh 8:45 Mir aber glaubt ihr nicht, weil ich die Wahrheit sage. Joh 8:46 Oder kann mir einer von euch auch nur eine einzige Sünde nachweisen? Demnach müßtet ihr mir doch glauben, wenn ich euch die Wahrheit sage. Joh 8:47 Denn wer Gott zum Vater hat, der versteht, was Gott sagt. Ihr aber habt Gott nicht zum Vater, und deshalb versteht ihr auch seine Worte nicht." Joh 8:48 "Also hatten wir doch recht", schimpften die Juden. "Du bist ein gottloser, von bösen Geistern besessener Mensch!" Joh 8:49 "Nein", antwortete Jesus, "ich bin nicht besessen, sondern ich ehre meinen Vater, aber ihr verleumdet mich. Joh 8:50 Ich suche nicht meine eigene Ehre. Gott will, daß ihr mich anerkennt. Er wird auch das Urteil über euch sprechen. Joh 8:51 Aber das ist sicher: Wer mein Wort annimmt und danach lebt, wird niemals sterben." Joh 8:52 Verärgert riefen die Juden: "Deine Worte beweisen, daß du von einem bösen Dämon beherrscht wirst. Selbst Abraham und die Propheten sind gestorben. Und da willst du behaupten: 'Wer nach meinem Wort lebt, wird niemals sterben.' Joh 8:53 Bist du etwa mehr als unser Vater Abraham, der doch auch gestorben ist? Oder willst du mehr sein als die Propheten, die schließlich alle sterben mußten? Was bildest du dir eigentlich ein?" Joh 8:54 Jesus entgegnete: "Würde ich mich selbst loben, könntet ihr mir zu Recht mißtrauen. Aber mich ehrt mein Vater. Ihr behauptet zwar von ihm, er sei euer Gott. Joh 8:55 Dabei kennt ihr ihn überhaupt nicht. Ich aber kenne ihn. Wenn ich sagen würde, ich kenne ihn nicht, dann wäre ich ebensolch ein Lügner, wie ihr es seid. Doch ich kenne ihn und erfülle seinen Auftrag. Joh 8:56 Euer Vater Abraham freute sich auf den Tag, an dem ich kommen würde. Er hat mein Kommen gesehen und war froh darüber." Joh 8:57 Ungläubig fragten ihn die Juden: "Du bist noch nicht einmal fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?" Joh 8:58 "Und doch ist es so", entgegnete ihnen Jesus, "lange bevor Abraham überhaupt geboren wurde, war ich da." Joh 8:59 Zornig griffen sie da nach Steinen, um Jesus zu töten. Aber er entkam ihnen und verließ den Tempel. Joh 9:1 Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Joh 9:2 "Herr", fragten die Jünger, "wer ist schuld daran, daß dieser Mann blind ist? War es seine eigene Schuld oder die Sünde seiner Eltern?" Joh 9:3 "Weder er selbst ist schuld daran noch seine Eltern", antwortete Jesus. "Er ist blind, weil an ihm die Macht Gottes sichtbar werden soll. Joh 9:4 Ich muß die Aufgaben, die Gott mir gegeben hat, erfüllen, solange es Tag ist. Bald kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. Joh 9:5 Doch solange ich in der Welt bin, werde ich für diese Welt das Licht sein." Joh 9:6 Er spuckte auf die Erde, rührte daraus einen Brei und strich den auf die Augen des Blinden. Joh 9:7 Dann forderte er ihn auf: "Geh jetzt zum Teich Siloah, und wasche dich dort." - (Siloah heißt: Von Gott gesandt.) Der Blinde ging hin, wusch sich, und als er zurückkam, konnte er sehen. Joh 9:8 Seine Nachbarn und andere Leute, die ihn als blinden Bettler kannten, fragten erstaunt: "Ist das nicht der Mann, der immer an der Straße saß und bettelte?" Joh 9:9 Einige meinten: "Er ist es." Aber andere konnten es einfach nicht glauben und behaupteten: "Das ist unmöglich! Er sieht ihm nur sehr ähnlich." "Doch, ich bin es", bestätigte jetzt der Mann selbst. Joh 9:10 Da fragten sie ihn: "Wieso kannst du denn plötzlich sehen?" Joh 9:11 Er berichtete: "Ein Mann, er heißt Jesus, hat mir einen Brei auf die Augen gestrichen. Dann schickte er mich zum Teich Siloah. Dort sollte ich den Brei abwaschen. Das habe ich getan. Und jetzt kann ich sehen!" Joh 9:12 "Wo ist denn dieser Jesus?" fragten sie weiter. "Das weiß ich nicht", gab er ihnen zur Antwort. Joh 9:13 Sie brachten den von seiner Blindheit geheilten Mann zu den Pharisäern. Joh 9:14 Es war nämlich gerade Sabbat, als Jesus den Brei gemacht und den Blinden geheilt hatte. Joh 9:15 Die Pharisäer fragten ihn: "Wie kommt es, daß du jetzt sehen kannst?" Der Mann erzählte: "Jesus strich einen Brei auf meine Augen. Ich habe mich dann gewaschen, und nun kann ich sehen." Joh 9:16 "Von Gott kann dieser Mann nicht kommen", meinten einige der Pharisäer, "denn er arbeitet ja am Sabbat." Andere aber wandten ein: "Wie kann ein sündiger Mensch solche Taten vollbringen?" So fingen sie an, miteinander zu streiten. Joh 9:17 Dann erkundigten sich die Pharisäer noch einmal bei dem Mann, der blind gewesen war: "Durch ihn kannst du jetzt also sehen? Was glaubst denn du, wer dieser Mann ist?" "Er muß ein von Gott gesandter Prophet sein", antwortete er. Joh 9:18 Doch die Juden wollten nicht glauben, daß er überhaupt blind gewesen war. Sie ließen deshalb seine Eltern holen Joh 9:19 und verhörten sie: "Ist das euer Sohn? Stimmt es, daß er blind geboren wurde? Wie kommt es, daß er jetzt sehen kann?" Joh 9:20 Die Eltern antworteten: "Ja, das ist unser Sohn, und er wurde blind geboren. Das wissen wir genau. Joh 9:21 Aber wie es kommt, daß er sehen kann, wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht, wer ihn geheilt hat. Aber fragt ihn doch selbst! Er ist alt genug und kann euch am besten Auskunft geben." Joh 9:22 Diese ausweichende Antwort gaben die Eltern, weil sie vor den jüdischen Führern Angst hatten. Denn die hatten beschlossen, jeden aus der Gemeinschaft des jüdischen Volkes auszustoßen, der Jesus als Messias anerkannte. Joh 9:23 Nur deshalb hatten die Eltern gesagt: "Er ist alt genug. Fragt ihn selbst." Joh 9:24 Die Pharisäer verhörten den Geheilten zum zweiten Mal. Sie versuchten, ihn einzuschüchtern: "Bekenne dich zu Gott, und sage die Wahrheit! Wir wissen, daß dieser Jesus ein gottloser und sündiger Mensch ist." Joh 9:25 "Ob er gut oder böse ist, das weiß ich nicht", antwortete der Mann. "Ich weiß nur eins: Ich war blind, und jetzt kann ich sehen!" Joh 9:26 "Aber was hat er denn gemacht? Wie hat er dich geheilt?" versuchten sie erneut herauszubekommen. Joh 9:27 Verärgert erwiderte der Mann: "Das habe ich euch doch schon gesagt. Habt ihr denn nicht zugehört? Warum soll ich alles noch einmal erzählen? Wollt ihr etwa seine Jünger werden?" Joh 9:28 Da beschimpften sie ihn und schrien: "Du bist sein Jünger. Wir sind Moses Jünger. Joh 9:29 Von Mose wissen wir, daß Gott zu ihm geredet hat. Aber von diesem Menschen wissen wir noch nicht einmal, wo er herkommt." Joh 9:30 "Das ist ja merkwürdig!" entgegnete der Mann. "Er kann einen Blinden heilen, und ihr kennt ihn nicht? Joh 9:31 Jedes Kind weiß doch, daß Gott die Gebete der Sünder nicht erhört, aber wer nach seinem Willen lebt, den erhört er. Joh 9:32 Noch nie, seit die Welt besteht, hat jemand einem Blindgeborenen das Augenlicht geschenkt. Joh 9:33 Wäre dieser Mann nicht von Gott gesandt, könnte er das doch gar nicht tun." Joh 9:34 Wütend schrien sie ihn an: "Was, du Sünder willst uns belehren?" Dann warfen sie ihn hinaus. Joh 9:35 Jesus hörte, daß sie den Geheilten aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen hatten. Als er den Mann wieder traf, fragte er ihn: "Glaubst du an den Menschensohn?" Joh 9:36 "Ja, ich will gern an ihn glauben! Aber ich kenne ihn nicht", erwiderte der Geheilte. Joh 9:37 "Du hast ihn schon gesehen, und in diesem Augenblick spricht er mit dir!" gab sich Jesus zu erkennen. Joh 9:38 "Ja, Herr", rief jetzt der Mann, "ich glaube!" Und er warf sich vor Jesus nieder. Joh 9:39 "Ich bin in diese Welt gekommen, damit sich an mir die Geister scheiden", sagte Jesus. "Blinde sollen sehen können; aber allen Sehenden werde ich zeigen, wie blind sie sind." Joh 9:40 Einige Pharisäer standen dabei und fragten: "Soll das etwa heißen, daß wir blind sind?" Joh 9:41 Jesus antwortete: "Wärt ihr tatsächlich blind, dann träfe euch keine Schuld und euch könnte geholfen werden. Aber ihr sagt ja: 'Wir sehen.' Deshalb kann euch niemand eure Schuld abnehmen." Joh 10:1 "Merkt euch gut, was ich euch jetzt sage", forderte Jesus seine Zuhörer auf. "Wer nicht durch die Tür in den Schafstall geht, sondern heimlich einsteigt, der ist sicherlich ein Dieb und Räuber. Joh 10:2 Der Hirte geht durch die Tür zu seinen Schafen. Joh 10:3 Ihm öffnet der Wächter das Tor, und die Schafe erkennen ihn schon an seiner Stimme. Dann ruft der Hirte sie mit ihren Namen und führt sie auf die Weide. Joh 10:4 Wenn seine Schafe den Stall verlassen haben, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Joh 10:5 Einem Fremden würden sie niemals folgen. Ihm laufen sie davon, weil die fremde Stimme sie erschreckt." Joh 10:6 Die Leute, denen Jesus dieses Beispiel erzählte, verstanden nicht, was er damit meinte. Joh 10:7 Deshalb erklärte er ihnen: "Glaubt mir, ich selbst bin die Tür. Joh 10:8 Alle, die sich vor mir als eure Hirten ausgaben, waren Diebe und Räuber. Aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Joh 10:9 Ich allein bin die Tür. Wer durch mich zu meiner Herde kommt, der wird gerettet werden. Er kann durch diese Tür ein- und ausgehen, und er wird saftig grüne Weiden finden. Joh 10:10 Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bringe allen, die zu mir gehören, das Leben - und dies im Überfluß. Joh 10:11 Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte setzt sein Leben für die Schafe ein. Joh 10:12 Anders ist es mit einem, dem die Schafe nicht gehören und der nur wegen des Geldes als Hirte arbeitet. Er wird fliehen, wenn der Wolf kommt, und die Schafe sich selbst überlassen. Der Wolf wird die Schafe packen und die Herde auseinanderjagen. Joh 10:13 Einen solchen Mann interessieren die Schafe überhaupt nicht. Joh 10:14 Ich aber bin der gute Hirte und kenne meine Schafe, und sie kennen mich; Joh 10:15 genauso wie mich mein Vater kennt und ich den Vater kenne. Ich gebe mein Leben für die Schafe. Joh 10:16 Zu meiner Herde gehören auch Schafe, die jetzt noch in anderen Ställen sind. Auch sie muß ich herführen, und sie werden wie die übrigen meinem Ruf folgen. Dann wird es nur noch eine Herde und einen Hirten geben. Joh 10:17 Der Vater liebt mich, weil ich mein Leben hingebe, um es neu zu empfangen. Joh 10:18 Niemand kann mir das Leben nehmen, ich gebe es freiwillig hin. Ich habe die Macht und die Freiheit, es hinzugeben, aber auch, es wieder zu nehmen. Das ist der Auftrag, den mir mein Vater gegeben hat." Joh 10:19 Da fingen die Juden wieder an, sich über Jesus zu streiten. Joh 10:20 Die meisten sagten: "Er ist von einem bösen Geist besessen! Er ist wahnsinnig! Weshalb geben wir uns überhaupt noch mit ihm ab?" Joh 10:21 Andere aber meinten: "So spricht doch kein Besessener! Kann denn ein böser Geist einen Blinden heilen?" Joh 10:22 Es war Winter. In Jerusalem feierte man das Fest der Tempelweihe. Joh 10:23 Jesus hielt sich gerade im Tempel auf, in der Halle Salomos, Joh 10:24 als die Juden ihn umringten und fragten: "Wie lange läßt du uns noch im Ungewissen? Wenn du Christus bist, dann sage uns das ganz offen!" Joh 10:25 "Ich habe es euch schon gesagt, aber ihr wollt mir ja nicht glauben", antwortete Jesus. "All das, was ich im Auftrag meines Vaters getan habe, sollte als Beweis genügen. Joh 10:26 Aber ihr glaubt mir nicht, denn ihr gehört nicht zu meiner Herde. Joh 10:27 Meine Schafe erkennen meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen meinem Ruf. Joh 10:28 Ihnen gebe ich das ewige Leben, und sie werden niemals umkommen. Niemand kann sie aus meiner Hand reißen. Joh 10:29 Mein Vater hat sie mir gegeben, und er ist stärker als alle anderen Mächte. Deshalb kann sie auch keiner der Hand meines Vaters entreißen; Joh 10:30 denn ich und der Vater sind eins." Joh 10:31 Wütend griffen da die Juden wieder nach Steinen, um ihn zu töten. Joh 10:32 Jesus aber sagte: "In Gottes Auftrag habe ich viele große und wunderbare Dinge getan. Für welches von diesen Wundern wollt ihr mich töten?" Joh 10:33 "Nicht wegen einer guten Tat sollst du sterben", antworteten sie, "sondern weil du nicht aufhörst, Gott zu lästern. Du bist nur ein Mensch und behauptest trotzdem, Gott zu sein!" Joh 10:34 Jesus entgegnete: "Heißt es nicht in eurem Gesetz: 'Ich habe zu euch gesagt: Ihr seid Götter'? Joh 10:35 Gott nennt die schon Götter, an die er sein Wort richtet. Und ihr wollt doch nicht etwa die Heilige Schrift für ungültig erklären? Joh 10:36 Wie könnt ihr den, der von Gott selbst auserwählt und in die Welt gesandt wurde, als 'Gotteslästerer' beschimpfen, nur weil er sagt: 'Ich bin Gottes Sohn'? Joh 10:37 Wenn ich nicht Gottes Werke tue, braucht ihr mir nicht zu glauben. Joh 10:38 Vollbringe ich sie aber, dann glaubt doch wenigstens den Werken, wenn ihr schon mir nicht glauben wollt, damit ihr endlich erkennt und einseht, daß der Vater in mir ist und ich im Vater bin!" Joh 10:39 Da versuchten sie wieder, Jesus festzunehmen, aber er konnte ihnen entkommen. Joh 10:40 Er ging auf die andere Seite des Jordan zurück und hielt sich dort auf, wo Johannes früher getauft hatte. Joh 10:41 Viele Menschen folgten ihm. "Johannes hat zwar keine Wunder getan", meinten sie untereinander, "aber alles, was er von diesem Mann gesagt hat, ist wahr!" So kamen dort viele zum Glauben an Jesus. Joh 11:1 Lazarus, der in Bethanien wohnte, war schwer erkrankt. In diesem Dorf wohnten auch seine Schwestern Maria und Martha. Joh 11:2 (Maria war es gewesen, die mit kostbarem Salböl die Füße des Herrn übergossen und sie mit ihrem Haar getrocknet hatte.) Weil ihr Bruder Lazarus so krank war, Joh 11:3 ließen die beiden Schwestern Jesus die Nachricht zukommen: "Herr, dein Freund Lazarus ist schwer erkrankt!" Joh 11:4 Als Jesus das hörte, sagte er: "Diese Krankheit führt nicht zum Tode, sondern durch sie soll die Macht Gottes sichtbar werden, und der Sohn Gottes wird dadurch verherrlicht." Joh 11:5 Jesus hatte Martha, ihre Schwester Maria und Lazarus lieb. Joh 11:6 Aber obwohl er nun wußte, daß Lazarus schwerkrank war, wartete er noch zwei Tage. Joh 11:7 Erst danach sagte er zu seinen Jüngern: "Wir wollen wieder nach Judäa gehen." Joh 11:8 Doch seine Jünger wandten ein: "Herr, vor kurzem haben deine Feinde in Judäa versucht, dich umzubringen. Und jetzt willst du wieder dorthin?" Joh 11:9 Jesus antwortete: "Zwölf Stunden am Tag ist es hell. Wer sicher laufen will, muß diese Zeit nutzen; denn nur bei Tageslicht sieht er den Weg. Joh 11:10 Wer nachts unterwegs ist, wird sich in der Dunkelheit verirren." Joh 11:11 Nachdem er das seinen Jüngern gesagt hatte, meinte er: "Unser Freund Lazarus schläft jetzt, aber ich will hingehen und ihn aufwecken!" Joh 11:12 "Wenn er schläft, wird er bald wieder gesund sein", erwiderten die Jünger. Joh 11:13 Sie glaubten nämlich, Jesus hätte vom gewöhnlichen Schlaf gesprochen, aber er redete vom Tod des Lazarus. Joh 11:14 Deshalb sagte er ihnen jetzt: "Lazarus ist tot! Joh 11:15 Doch euretwegen bin ich froh, daß ich nicht bei ihm gewesen bin. Denn jetzt könnt ihr lernen, was Glauben heißt. Wir wollen jetzt gemeinsam zu ihm gehen!" Joh 11:16 "Ja", sagte Thomas - den man auch den Zwilling nannte - zu den anderen Jüngern, "wir wollen mit Jesus nach Judäa gehen und dort mit ihm sterben." Joh 11:17 Als sie in Bethanien ankamen, lag Lazarus schon vier Tage im Grab. Joh 11:18 Bethanien ist nur wenige Kilometer von Jerusalem entfernt. Joh 11:19 Deswegen waren viele Juden zu Maria und Martha gekommen, um die beiden Schwestern zu trösten. Joh 11:20 Als Martha hörte, daß Jesus auf dem Wege zu ihnen war, lief sie ihm entgegen. Maria aber blieb zu Hause. Joh 11:21 Traurig sagte Martha zu Jesus: "Herr, wärst du hier gewesen, würde mein Bruder noch leben. Joh 11:22 Aber auch jetzt weiß ich, daß Gott dir alles geben wird, worum du ihn bittest." Joh 11:23 "Dein Bruder wird wieder leben!" versicherte ihr Jesus. Joh 11:24 "Ja, ich weiß", sagte Martha, "am letzten Tag, am Tag der Auferstehung." Joh 11:25 Darauf erwiderte ihr Jesus: "Ich bin die Auferstehung, und ich bin das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt. Joh 11:26 Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. Glaubst du das?" Joh 11:27 "Ja, Herr", antwortete ihm Martha. "Ich glaube, daß du Christus bist, der Sohn Gottes, auf den wir so lange gewartet haben." Joh 11:28 Jetzt lief Martha zu ihrer Schwester Maria. Ohne daß die übrigen Trauergäste es merkten, flüsterte sie ihr zu: "Jesus ist da und will dich sprechen!" Joh 11:29 Maria stand sofort auf und lief ihm entgegen. Joh 11:30 Jesus hatte das Dorf noch nicht erreicht, sondern war dort geblieben, wo Martha ihn getroffen hatte. Joh 11:31 Als Maria aufsprang und ganz eilig das Haus verließ, meinten die Juden, die Maria trösten wollten: "Sie will am Grab weinen" - und folgten ihr. Joh 11:32 Aber Maria lief zu Jesus. Sie fiel vor ihm nieder und rief: "Herr, wenn du dagewesen wärst, würde mein Bruder noch leben!" Joh 11:33 Jesus sah, wie sie und die Trauergäste weinten. Da wurde er zornig, war aber zugleich tief bewegt. Joh 11:34 "Wo habt ihr ihn hingelegt?" fragte er. Sie antworteten: "Komm, Herr, wir zeigen es dir!" Joh 11:35 Alle sahen, daß Jesus weinte. Joh 11:36 "Seht", sagten die Juden, "er muß ihn sehr lieb gehabt haben!" Joh 11:37 Doch einige flüsterten einander zu: "Einen Blinden hat er sehend gemacht. Hätte er nicht verhindern können, daß Lazarus starb?" Joh 11:38 Da wurde Jesus erneut zornig. Er trat an das Grab. Es war eine Höhle, die man mit einem großen Stein verschlossen hatte. Joh 11:39 "Hebt den Stein weg!" befahl Jesus. Aber Martha, die Schwester des Verstorbenen, sagte: "Herr, der Geruch wird unerträglich sein! Er ist doch schon vier Tage tot!" Joh 11:40 "Habe ich dir nicht gesagt", entgegnete ihr Jesus, "du würdest die Macht der Herrlichkeit Gottes sehen, wenn du nur glaubtest?" Joh 11:41 Nachdem sie den Stein weggeschoben hatten, sah Jesus zum Himmel auf und betete: "Vater, ich danke dir, daß du mein Gebet erhört hast! Joh 11:42 Ich weiß, daß du mich immer erhörst, aber ich sage es wegen der vielen Menschen, die hier stehen. Sie sollen alles miterleben und glauben, daß du mich gesandt hast." Joh 11:43 Dann rief er laut: "Lazarus, komm heraus!" Joh 11:44 Und Lazarus kam heraus. Hände und Füße waren mit Grabtüchern umwickelt, und auch sein Gesicht war mit einem Tuch verhüllt. "Nehmt ihm die Tücher ab", forderte Jesus die Leute auf, "und laßt ihn gehen." Joh 11:45 Viele von den Juden, die bei Maria gewesen waren, glaubten an Jesus, nachdem sie gesehen hatten, was er tat. Joh 11:46 Aber einige liefen schnell zu den Pharisäern und berichteten ihnen alles. Joh 11:47 Unmittelbar darauf beriefen die Hohenpriester und Pharisäer eine Sitzung des Hohen Rates ein. "Was sollen wir bloß tun?", fragten sie sich, "bei all den vielen Wundern, die dieser Mann vollbringt! Joh 11:48 Wenn wir nichts gegen ihn unternehmen, wird bald das ganze Volk an ihn glauben. Dann werden die Römer eingreifen und uns auch noch die letzte Selbständigkeit nehmen." Joh 11:49 Einer von ihnen, Kaiphas, der in diesem Jahr Hoherpriester war, sagte: "Was gibt es denn hier zu überlegen! Joh 11:50 Das ist doch ganz einfach: Für uns alle ist es besser, wenn einer für das Volk stirbt, als daß ein ganzes Volk zugrunde geht." Joh 11:51 Kaiphas sprach damit nicht seine eigenen Gedanken aus. Er war in diesem Jahr Hoherpriester, und Gott selbst hatte ihm diese Worte in den Mund gelegt. Joh 11:52 Denn nach Gottes Willen sollte Jesus für das Volk sterben; aber nicht nur für das jüdische Volk allein, sondern für alle Kinder Gottes aus allen Völkern. Joh 11:53 Von dem Tage an waren die jüdischen Führer fest entschlossen, Jesus zu töten. Joh 11:54 Deshalb vermied es Jesus, sich in der Öffentlichkeit sehen zu lassen. Er zog sich vielmehr nach Ephraim zurück, eine Stadt am Rande der Wüste. Dort blieb er mit seinen Jüngern. Joh 11:55 Es war kurz vor dem jüdischen Passahfest. Aus dem ganzen Land zogen die Leute nach Jerusalem, um schon vor Beginn des Festes die traditionellen Reinigungsvorschriften zu erfüllen. Joh 11:56 Sie alle wollten Jesus gern sehen und suchten ihn. Als sie im Tempel zusammenstanden, fragte einer den andern: "Was meint ihr, wird er wohl zum Fest kommen?" Joh 11:57 Inzwischen hatten die Hohenpriester und Pharisäer nämlich den Befehl erlassen, daß jeder, der den Aufenthaltsort Jesu kannte, ihn sofort zu melden hatte; denn sie waren jetzt endgültig entschlossen, ihn festzunehmen. Joh 12:1 Sechs Tage vor Beginn des Passahfestes kam Jesus wieder nach Bethanien, wo er Lazarus von den Toten auferweckt hatte. Joh 12:2 Jesus zu Ehren hatte man dort ein Festmahl vorbereitet. Martha half beim Bedienen, während Lazarus bei den Gästen war. Joh 12:3 Da nahm Maria ein Gefäß mit kostbarem Salböl, goß es über die Füße Jesu und trocknete sie mit ihrem Haar. Der Duft des Öls erfüllte das ganze Haus. Joh 12:4 Aber einer von seinen Jüngern, Judas Ischarioth, der ihn später verraten sollte, meinte entrüstet: Joh 12:5 "Das Öl ist ein Vermögen wert. Es wäre besser gewesen, man hätte es für dreihundert Silberstücke verkauft und das Geld den Armen gegeben." Joh 12:6 In Wirklichkeit ging es ihm aber nicht um die Armen, sondern um das Geld. Er verwaltete die gemeinsame Kasse und hatte schon oft etwas für sich selbst daraus genommen. Joh 12:7 Jesus erwiderte: "Laß sie doch! Maria hat damit nur die Salbung für mein Begräbnis vorweggenommen. Joh 12:8 Arme, um die ihr euch kümmern könnt, wird es immer geben. Aber ich bin nicht mehr lange bei euch." Joh 12:9 Als sich herumgesprochen hatte, wo Jesus war, liefen viele Menschen nach Bethanien. Sie kamen nicht nur, um Jesus zu sehen, sondern auch wegen Lazarus, den Jesus von den Toten auferweckt hatte. Joh 12:10 Da beschlossen die Hohenpriester, auch Lazarus zu töten; Joh 12:11 denn seinetwegen glaubten viele Juden an Jesus. Joh 12:12 Am nächsten Tag verbreitete sich in der ganzen Stadt die Nachricht, daß Jesus auf dem Wege nach Jerusalem war. Joh 12:13 Da brachen die Menschen Palmenzweige ab, liefen Jesus entgegen und riefen ihm begeistert zu: "Gelobt sei Gott! Gelobt sei, der in Gottes Namen kommt! Heil dem König von Israel!" Joh 12:14 Jesus ritt auf einem Eselsfohlen in die Stadt. Damit erfüllte sich das Prophetenwort: Joh 12:15 "Fürchte dich nicht, du Volk Israel! Dein König kommt! Er reitet auf einem Eselsfohlen." Joh 12:16 Doch das verstanden seine Jünger damals noch nicht. Erst nachdem Jesus in Gottes Herrlichkeit zurückgekehrt war, begriffen sie, daß sich hier die Voraussage der Heiligen Schrift erfüllt hatte. Joh 12:17 Alle, die dabeigewesen waren, als Jesus seinen Freund Lazarus aus dem Grab gerufen und wieder zum Leben erweckt hatte, erzählten es weiter. Joh 12:18 Deswegen liefen Jesus auch so viele Menschen entgegen. Sie wollten den Mann sehen, der solche Wunder vollbringt. Joh 12:19 Nur die Pharisäer warfen sich gegenseitig vor: "Nun seht ihr, daß ihr so nichts erreicht! Alle Welt rennt ihm hinterher!" Joh 12:20 Unter den Festbesuchern waren auch einige Griechen. Joh 12:21 Sie kamen zu Philippus, der aus Bethsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: "Herr, wir möchten Jesus gern kennenlernen!" Joh 12:22 Philippus sprach mit Andreas darüber, dann gingen sie gemeinsam zu Jesus. Joh 12:23 Er sagte ihnen: "Die Stunde ist gekommen. Jetzt soll der Menschensohn verherrlicht werden. Joh 12:24 Hört mir genau zu: Ein Weizenkorn, das nicht in den Boden kommt und stirbt, kann keine Frucht bringen, sondern bleibt ein einzelnes Korn. In der Erde aber keimt es und bringt viel Frucht, obwohl es selbst dabei stirbt. Joh 12:25 Wer sein Leben über alles liebt, der wird es verlieren. Wer aber bereit ist, sein Leben vorbehaltlos für Gott einzusetzen, wird es für alle Ewigkeit erhalten. Joh 12:26 Wer mir dienen will, der soll mir auf diesem Weg folgen. Denn wo ich bin, soll er auch sein. Und wer mir dient, den wird mein Vater ehren." Joh 12:27 "Jetzt habe ich Angst. Soll ich deshalb beten: Vater, bewahre mich vor dem, was jetzt kommen wird? Nein, denn ich bin in die Welt gekommen, um diese Stunde zu durchleiden. Joh 12:28 Vater, dein Name soll gerühmt und geehrt werden!" Da erklang eine Stimme vom Himmel: "Das ist bisher schon geschehen und wird durch deinen Tod wieder geschehen." Joh 12:29 Die Menschen um Jesus hatten die Stimme gehört und meinten: "Es hat gedonnert!" Andere behaupteten: "Ein Engel hat mit ihm geredet." Joh 12:30 Aber Jesus sagte: "Diese Stimme hat euch gegolten, nicht mir. Joh 12:31 Jetzt kommt es zum Urteil über diese Welt; jetzt wird der Satan, der Herrscher dieser Welt, entmachtet. Joh 12:32 Wenn ich aber erhöht sein werde, will ich alle zu mir ziehen." Joh 12:33 Auf diese Weise deutete Jesus seinen Kreuzestod an. Joh 12:34 Die Menge entgegnete ihm: "Aus dem Gesetz wissen wir doch, daß Christus für immer bei uns bleiben wird. Wie kannst du dann sagen: 'Der Menschensohn muß erhöht werden'? Wer ist eigentlich dieser Menschensohn?" Joh 12:35 Hierzu sagte Jesus: "Das Licht ist nur noch kurze Zeit bei euch. Nutzt diese Zeit, damit ihr das Ziel erreicht, bevor euch die Dunkelheit überfällt. Wer im Dunkeln geht, kann weder seinen Weg noch das Ziel erkennen. Joh 12:36 Vertraut euch dem Licht an, solange ihr es habt, dann werdet ihr im Licht leben." Nach diesen Worten verließ Jesus die Menge. Niemand konnte ihn finden. Joh 12:37 Trotz aller Wunder, die er getan hatte, glaubten die meisten Menschen nicht an ihn. Joh 12:38 So erfüllte sich, was der Prophet Jesaja vorhergesagt hatte: "Herr, wer glaubt denn unserer Botschaft? Wer erkennt, daß es Gott ist, der die mächtigen Taten vollbringt?" Joh 12:39 Jesaja hat auch den Grund genannt, weshalb sie nicht glauben konnten; denn: Joh 12:40 "Gott hat ihre Augen geblendet und ihre Herzen verschlossen, so daß sie weder sehen noch verstehen, noch zu mir umkehren können, damit ich sie heile." Joh 12:41 Jesaja konnte so reden, weil Gott ihm die Herrlichkeit des kommenden Christus gezeigt hatte. Joh 12:42 Und doch gab es unter den führenden Männern viele, die an Jesus glaubten. Aber aus Angst vor den Pharisäern, die allen Nachfolgern Jesu mit dem Ausschluß aus der Gemeinschaft des jüdischen Volkes drohten, bekannten sie sich nicht öffentlich zu ihm. Joh 12:43 Ihnen bedeutete die Zustimmung der Menschen mehr als das Ansehen bei Gott. Joh 12:44 Laut verkündete Jesus: "Wer an mich glaubt, der glaubt in Wahrheit an den, der mich gesandt hat. Joh 12:45 Und wenn ihr mich seht, dann seht ihr den, der mich gesandt hat! Joh 12:46 Ich bin als das Licht in die Welt gekommen, damit keiner, der an mich glaubt, länger in der Dunkelheit leben muß. Joh 12:47 Wenn jemand auf mein Wort hört und nicht danach handelt, so werde ich ihn nicht verurteilen. Denn ich bin nicht als Richter für die Welt gekommen, sondern als ihr Retter. Joh 12:48 Wer mich ablehnt und nicht nach meinen Worten lebt, der hat schon seinen Richter gefunden. Das Wort, das ich verkündet habe, wird ihn am Tag des Gerichts verurteilen. Joh 12:49 Denn ich habe euch nicht meine Gedanken weitergegeben; sondern der Vater, der mich gesandt hat, sagte mir, was ich reden und verkündigen soll. Joh 12:50 Und das ist gewiß: Sein Wort führt euch zum ewigen Leben. Deshalb gebe ich euch alles so weiter, wie ich es vom Vater weiß." Joh 13:1 Am Vorabend des Passahfestes wußte Jesus, daß nun die Zeit gekommen war, diese Welt zu verlassen und zum Vater zurückzugehen. Er hatte die Menschen geliebt, die sich in dieser Welt zu ihm bekannten, und er hörte nicht auf, sie zu lieben. Joh 13:2 An diesem Abend, als Jesus mit seinen Jüngern beim Essen war, hatte der Teufel Judas Ischarioth schon zum Verrat an Jesus verführt. Joh 13:3 Jesus aber wußte, daß ihm der Vater unbegrenzte Macht gegeben hatte, daß er von Gott gekommen war und zu ihm zurückkehren würde. Joh 13:4 Da stand er vom Tisch auf, legte seinen Umhang ab und band sich ein Tuch um. Joh 13:5 Er goß Wasser in eine Schüssel und begann, seinen Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Tuch abzutrocknen. Joh 13:6 Als er zu Simon Petrus kam, wehrte dieser ab: "Herr, wie kommst du dazu, mir die Füße zu waschen!" Joh 13:7 Jesus antwortete ihm: "Du verstehst jetzt noch nicht, was ich tue. Aber später wirst du es verstehen." Joh 13:8 Doch Petrus blieb dabei: "Niemals sollst du mir die Füße waschen!", worauf ihm Jesus erwiderte: "Wenn ich dir nicht die Füße wasche, gehörst du nicht zu mir." Joh 13:9 Da sagte Petrus: "Herr, dann wasch mir auch die Hände und das Gesicht, nicht nur die Füße!" Joh 13:10 Jesus antwortete: "Wer gebadet hat, der ist ganz rein. Ihm braucht man nur noch den Straßenstaub von den Füßen zu waschen. Ihr seid alle rein - außer einem." Joh 13:11 Jesus wußte nämlich, wer ihn verraten würde. Deshalb sagte er: "Ihr seid nicht alle rein." Joh 13:12 Nachdem Jesus ihnen die Füße gewaschen hatte, zog er seinen Umhang wieder an, setzte sich und fragte seine Jünger: "Versteht ihr, was ich eben getan habe? Joh 13:13 Ihr nennt mich Meister und Herr. Das ist auch richtig so, denn ich bin es. Joh 13:14 Wie ich, euer Meister und Herr, euch jetzt die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch gegenseitig die Füße waschen. Joh 13:15 Ich habe euch damit ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt. Handelt ebenso! Joh 13:16 Denkt immer daran: Ein Untergebener steht niemals höher als sein Vorgesetzter, und ein Botschafter untersteht dem, der ihn gesandt hat. Joh 13:17 Wenn ihr das eingesehen habt, dann handelt danach, und Gott wird euch segnen. Joh 13:18 Jetzt spreche ich nicht von euch allen; denn ich weiß, wen ich als Jünger zu mir gerufen habe. Aber was die Heilige Schrift vorausgesagt hat, wird sich erfüllen: 'Einer, der mit mir zusammen das Brot ißt, tritt mich mit Füßen.' Joh 13:19 Ich sage euch das schon jetzt, damit ihr auch dann, wenn sich das Schreckliche ereignet, ganz sicher wißt: Ich bin der, den Gott gesandt hat. Joh 13:20 Vergeßt außerdem nicht: Wer einen Menschen aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, nimmt den Vater auf, der mich gesandt hat." Joh 13:21 Traurig wiederholte Jesus, nachdem er das gesagt hatte: "Ja, es ist wahr: Einer von euch wird mich verraten!" Joh 13:22 Die Jünger sahen sich bestürzt an und bemühten sich erschrocken, herauszufinden, wen er meinte. Joh 13:23 Neben ihm am Tisch saß der Jünger, den Jesus liebte. Joh 13:24 Dem gab Petrus einen Wink: "Frage du ihn, wen er meint!" Joh 13:25 Da beugte er sich zu Jesus hinüber und fragte leise: "Herr, wer von uns ist es?" Joh 13:26 Jesus antwortete ihm: "Es ist der, dem ich das Brot geben werde, das ich jetzt in die Schüssel eintauche." Und nachdem er das Brot eingetaucht hatte, gab er es Judas, dem Sohn des Simon Ischarioth. Joh 13:27 Von diesem Augenblick an hatte Satan den Judas ganz in seiner Gewalt. "Beeile dich, Judas! Erledige bald, was du tun willst!" forderte Jesus ihn nun auf. Joh 13:28 Keiner von den anderen am Tisch verstand, was Jesus mit diesen Worten meinte. Joh 13:29 Manche dachten, daß Jesus den Judas, der ja das Geld verwaltete, hinausgeschickt hätte, um das Nötige für das Fest einzukaufen oder den Armen etwas zu geben. Joh 13:30 Judas nahm das Brot und ging eilig hinaus in die Nacht. Joh 13:31 Nachdem Judas sie verlassen hatte, sagte Jesus: "Jetzt wird Gott zeigen, wer der Menschensohn wirklich ist, und dadurch wird auch die Herrlichkeit Gottes sichtbar. Joh 13:32 Wenn der Menschensohn erst Gott verherrlicht haben wird, dann wird auch Gott den Menschensohn verherrlichen, und das geschieht bald. Joh 13:33 Denn bei euch, meine lieben Kinder, werde ich nur noch kurze Zeit sein. Ihr werdet mich suchen. Doch was ich den Juden gesagt habe, muß ich jetzt auch euch sagen: Wohin ich gehen werde, dahin könnt ihr mir nicht folgen. Heute gebe ich euch ein neues Gebot: Joh 13:34 Ihr sollt einander lieben, so wie ich euch geliebt habe. Joh 13:35 An eurer Liebe füreinander wird die Welt erkennen, daß ihr meine Jünger seid." Joh 13:36 Da fragte ihn Petrus: "Herr, wo willst du hin?" "Diesmal kannst du nicht mit mir gehen", antwortete ihm Jesus. "Aber du wirst mir später folgen." Joh 13:37 "Laß mich doch jetzt bei dir bleiben", bat ihn Petrus und beteuerte: "Ich wäre sogar bereit, für dich zu sterben!" Joh 13:38 Da antwortete Jesus: "Du willst für mich sterben? Petrus, ich sage dir: Ehe morgen früh der Hahn kräht, wirst du dreimal bestritten haben, mich überhaupt zu kennen!" Joh 14:1 "Seid ohne Sorge, und habt keine Angst!" forderte Jesus seine Jünger auf. "Vertraut Gott, und vertraut mir! Joh 14:2 Denn im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch nicht gesagt: Ich gehe hin, um dort alles für euch vorzubereiten. Joh 14:3 Und wenn alles bereit ist, werde ich wiederkommen und euch zu mir holen. Dann werdet auch ihr dort sein, wo ich bin. Joh 14:4 Den Weg dorthin kennt ihr ja." Joh 14:5 "Nein, Herr", widersprach ihm Thomas, "wir wissen nicht einmal, wohin du gehst! Wie sollen wir dann den Weg dorthin finden?" Joh 14:6 Jesus antwortete: "Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen. Joh 14:7 Kennt ihr mich, dann kennt ihr auch meinen Vater. Von jetzt an kennt ihr ihn; ja, ihr habt ihn schon gesehen!" Joh 14:8 Da bat Philippus: "Herr, zeige uns den Vater, dann sind wir zufrieden!" Joh 14:9 "Ich bin nun schon so lange bei euch", entgegnete Jesus, "und du kennst mich noch immer nicht, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen. Wie also kannst du bitten: 'Zeige uns den Vater!' Joh 14:10 Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Was ich euch sage, habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Es sind die Worte meines Vaters, der in mir lebt. Er handelt durch mich. Joh 14:11 Glaubt mir doch, daß der Vater und ich eins sind. Und wenn ihr schon meinen Worten nicht glaubt, dann glaubt doch meinen Taten. Joh 14:12 Eins ist sicher: Wer an mich glaubt, wird die gleichen Taten vollbringen wie ich, ja sogar noch größere; denn ich gehe zum Vater. Joh 14:13 Worum ihr in meinem Namen bitten werdet, das werde ich euch geben, damit durch die Taten des Sohnes die Herrlichkeit des Vaters sichtbar wird. Joh 14:14 Was ihr also in meinem Namen erbitten werdet, das werde ich tun." Joh 14:15 "Wenn ihr mich liebt, werdet ihr so leben, wie ich es euch gesagt habe. Joh 14:16 Dann werde ich den Vater bitten, daß er an meiner Stelle jemanden zu euch senden soll, der euch helfen wird und euch nie verläßt. Joh 14:17 Dies ist der Geist der Wahrheit. Die Welt kann ihn nicht aufnehmen, denn sie ist blind für ihn und erkennt ihn deshalb nicht. Aber ihr kennt ihn, denn er lebt schon jetzt bei euch, und einmal wird er in euch sein. Joh 14:18 Nein, ich lasse euch nicht als Waisenkinder zurück. Ich komme wieder zu euch. Joh 14:19 Schon bald wird mich niemand mehr in dieser Welt sehen. Ihr aber werdet mich sehen. Und weil ich lebe, werdet auch ihr leben. Joh 14:20 Dann werdet ihr erkennen, daß ich eins bin mit meinem Vater und daß ihr in mir seid und ich in euch bin. Joh 14:21 Wer meine Gebote annimmt und danach lebt, der liebt mich. Und wer mich liebt, den wird mein Vater lieben. Auch ich werde ihn lieben und mich ihm zu erkennen geben." Joh 14:22 Da fragte ihn Judas (nicht Judas Ischarioth): "Herr, weshalb willst du dich nur uns, deinen Jüngern, zu erkennen geben, warum nicht der ganzen Welt?" Joh 14:23 Ihm antwortete Jesus: "Weil ich mich nur dem zu erkennen gebe, der mich liebt und nach meinem Wort lebt. Den wird auch mein Vater lieben, und wir beide werden zu ihm kommen und immer bei ihm bleiben. Joh 14:24 Wer mich aber nicht liebt, der richtet sich auch nicht nach dem, was ich sage. Was ich euch sage, kommt nicht von mir, sondern von meinem Vater, der mich gesandt hat. Joh 14:25 Ich sage euch dies alles, solange ich noch bei euch bin. Joh 14:26 Der Heilige Geist, den euch der Vater an meiner Stelle senden wird, er wird euch an all das erinnern, was ich euch gesagt habe, und ihr werdet es verstehen. Joh 14:27 Auch wenn ich nicht bei euch bleibe, sollt ihr doch Frieden haben. Es ist mein Friede, den ich euch gebe; ein Friede, den sonst keiner geben kann. Seid deshalb ohne Sorge und Furcht! Joh 14:28 Denkt daran, was ich euch gesagt habe: Ich gehe jetzt, aber ich komme ja wieder: Wenn ihr mich wirklich lieben würdet, müßtet ihr euch darüber freuen, daß ich jetzt zum Vater gehe; denn er ist größer als ich. Joh 14:29 Ich sage euch das alles, bevor es geschieht, damit ihr auch dann an mich glaubt, wenn es eintrifft. Joh 14:30 Ich habe nicht mehr viel Zeit, mit euch zu reden, denn der Herrscher dieser Welt, der Satan, ist schon unterwegs. Er hat zwar keine Macht über mich, Joh 14:31 aber die Welt soll erfahren, daß ich den Vater liebe. Und deswegen werde ich erfüllen, was Gott mir aufgetragen hat. Und nun kommt, wir wollen gehen!" Joh 15:1 "Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner, Joh 15:2 der alle unfruchtbaren Triebe abschneidet. Aber die fruchttragenden Reben beschneidet er sorgfältig, damit sie noch mehr Frucht bringen. Joh 15:3 Ihr gehört schon zu diesen guten Reben, weil ihr mein Wort angenommen habt. Joh 15:4 Bleibt fest mit mir verbunden, dann wird mein Leben in euch sein! Denn so wie eine Rebe nur dann Früchte tragen kann, wenn sie am Weinstock ist, so werdet auch ihr nur Frucht bringen, wenn ihr mit mir verbunden bleibt. Joh 15:5 Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wer bei mir bleibt, in dem bleibt mein Leben, und er wird viel Frucht tragen. Wer sich aber von mir trennt, kann nichts ausrichten. Joh 15:6 Wer ohne mich leben will, wird wie ein unfruchtbarer Trieb abgeschnitten und weggeworfen. Die verdorrten Triebe werden gesammelt, ins Feuer geworfen und verbrannt. Joh 15:7 Wenn ihr aber fest mit mir verbunden bleibt und euch nach meinem Wort richtet, dürft ihr von Gott erbitten, was ihr wollt; ihr werdet es erhalten. Joh 15:8 Gott wird dadurch verherrlicht, daß ihr viel Frucht bringt und ihr euch so als meine wirklichen Jünger erweist. Joh 15:9 Wie mich der Vater liebt, so liebe ich euch. Bleibt in meiner Liebe! Joh 15:10 Wenn ihr meinen Geboten gehorcht, bleibt euch meine Liebe erhalten. Auch ich bin den Geboten meines Vaters gehorsam und lebe in seiner Liebe. Joh 15:11 Das alles sage ich euch, damit meine Freude euch ganz erfüllt und eure Freude dadurch vollkommen wird. Joh 15:12 Und so lautet mein Gebot: Ihr sollt einander so lieben, wie ich euch geliebt habe. Joh 15:13 Die größte Liebe beweist jemand, der sein Leben für die Freunde hingibt. Joh 15:14 Und ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch aufgetragen habe. Joh 15:15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn einem Knecht sagt der Herr nicht, was er vorhat. Ihr aber seid meine Freunde; denn ich habe euch alles gesagt, was ich vom Vater gehört habe. Joh 15:16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch zu mir gerufen, damit ihr hingeht und Frucht bringt, die bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, worum ihr ihn in meinem Namen bittet. Joh 15:17 Deshalb sage ich euch noch einmal: Ihr sollt einander lieben!" Joh 15:18 "Wenn die Menschen euch hassen, dann vergeßt nicht, daß man mich schon vor euch gehaßt hat. Joh 15:19 Diese Welt würde euch lieben; aber ihr müßtet zu ihr gehören. Doch ihr gehört nicht mehr dazu. Ich selbst habe euch aus der Welt herausgerufen. Darum haßt sie euch. Joh 15:20 Erinnert euch daran, daß ich gesagt habe: 'Ein Knecht ist nicht mehr als sein Herr!' Deshalb werden sie euch verfolgen, wie sie mich verfolgt haben. Wenn sie auf mein Wort gehört haben, werden sie auch auf euer Wort hören. Joh 15:21 Das alles wird man euch antun, weil ihr zu mir gehört; denn die Welt kennt Gott nicht, der mich gesandt hat. Joh 15:22 Wäre ich nicht in diese Welt gekommen und hätte die Menschen alles über Gott gelehrt, wäre sie nicht schuldig. Aber jetzt gibt es für ihr Verhalten keine Entschuldigung mehr. Joh 15:23 Denn wer mich haßt, der haßt auch meinen Vater. Joh 15:24 Wenn ich nicht vor aller Augen Gottes Wunder vollbracht hätte, die kein anderer tun kann, wären sie ohne Schuld. Aber nun haben sie alles miterlebt, und trotzdem hassen sie mich und auch meinen Vater. Joh 15:25 Doch darin erfüllt sich die Voraussage der Heiligen Schrift: 'Sie hassen mich ohne Grund!' Joh 15:26 Aber ich will euch jemanden senden, der euch zur Seite stehen und trösten wird, den Geist der Wahrheit. Er wird vom Vater kommen und mein Zeuge sein. Joh 15:27 Und auch ihr werdet meine Zeugen sein, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen." Joh 16:1 "Ich sage euch das alles, damit ihr nicht an mir zu zweifeln beginnt und aufgebt. Joh 16:2 Denn man wird euch aus der Gemeinschaft des jüdischen Volkes ausschließen. Ja, es wird so weit kommen, daß man meint, Gott einen Dienst zu erweisen, wenn man euch tötet. Joh 16:3 Zu all dem werden Menschen fähig sein, weil sie meinen Vater und mich nicht erkannt haben." Joh 16:4 "Noch einmal: Ich sage euch das, damit ihr nicht überrascht seid, wenn dies alles eintrifft. Bisher war es nicht nötig, davon zu reden, weil ich ja bei euch war. Joh 16:5 Jetzt aber verlasse ich euch, um zu dem zu gehen, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich, wohin ich gehe. Joh 16:6 Ihr seid nur traurig und voller Sorgen über das, was ich euch gesagt habe. Joh 16:7 Doch glaubt mir: Es ist besser für euch, wenn ich gehe. Sonst käme der nicht, der meine Stelle einnehmen soll, um euch zu helfen und zu trösten. Wenn ich euch verlassen habe, werde ich ihn zu euch senden. Joh 16:8 Und ist er erst gekommen, wird er den Menschen die Augen für ihre Sünde öffnen, aber auch für Gottes Gerechtigkeit und sein Gericht. Joh 16:9 Denn ihre Sünde ist, daß sie nicht an mich glauben. Joh 16:10 Gottes Gerechtigkeit zeigt sich darin, daß er sich zu mir bekennt und ich zum Vater gehe, wenn ihr mich dann auch nicht mehr sehen werdet. Joh 16:11 Und Gottes Gericht werden die Menschen daran erkennen, daß der Herrscher dieser Welt bereits abgeurteilt ist. Joh 16:12 Ich hätte euch noch viel mehr zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht begreifen. Joh 16:13 Wenn aber der Geist der Wahrheit kommt, werdet ihr die Wahrheit vollständig erfassen. Denn er redet nicht in seinem eigenen Auftrag, sondern gibt nur das weiter, was ihm gesagt wurde. Auch was in Zukunft auf euch wartet, wird er euch verkündigen. Joh 16:14 Dadurch wird er mich verherrlichen; denn alles, was er euch zeigt, kommt von mir. Joh 16:15 Was der Vater hat, gehört auch mir. Deshalb kann ich mit Recht sagen: Alles, was er euch zeigt, kommt von mir." Joh 16:16 "Ich werde nur noch kurze Zeit bei euch sein. Bald nach meinem Weggehen aber werdet ihr mich wiedersehen." Joh 16:17 "Was meint er bloß damit?" fragten sich die Jünger. "Was heißt: 'Ich werde nur noch kurze Zeit bei euch sein! Aber bald darauf werdet ihr mich doch wiedersehen'? Und was bedeutet es, wenn er sagt: 'Ich gehe zum Vater'? Joh 16:18 Und was meint er mit 'Nur noch kurze Zeit'? Wir verstehen das nicht." Joh 16:19 Jesus merkte, daß sie ihn fragen wollten, und sagte: "Macht ihr euch darüber Gedanken, daß ich gesagt habe: 'Ich werde nur noch kurze Zeit bei euch sein, aber bald darauf werdet ihr mich wiedersehen'? Joh 16:20 Es wird tatsächlich so kommen, wie ich es euch jetzt sage: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen. Ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll sich in Freude verwandeln. Joh 16:21 Das ist genauso wie bei einer Frau, die ein Kind bekommt. Sobald ihr Kind geboren ist, hat sie Angst und Schmerzen der Geburt vergessen. Sie ist nur noch glücklich darüber, daß ihr Kind zur Welt gekommen ist. Joh 16:22 Auch ihr seid jetzt sehr traurig, aber ich werde euch wiedersehen. Dann werdet ihr froh und glücklich sein, und diese Freude kann euch niemand mehr nehmen. Joh 16:23 Am Tage unseres Wiedersehens werden alle eure Fragen beantwortet sein. Ich versichere euch: Wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bittet, wird er es euch geben. Joh 16:24 Bisher habt ihr in meinem Namen nichts von Gott erbeten. Bittet ihn, und er wird es euch geben. Dann wird eure Freude vollkommen sein." Joh 16:25 "Was ich euch sagen wollte, habe ich euch bis jetzt an Beispielen erklärt. Aber die Zeit kommt bald, in der das nicht mehr nötig sein wird. Dann werde ich euch ohne Bilder und Umschreibungen zeigen, wer der Vater ist. Joh 16:26 Von diesem Tage an werdet ihr in meinem Namen zu ihm beten. Und dann muß ich den Vater nicht mehr bitten, euer Gebet zu erhören. Joh 16:27 Denn der Vater liebt euch, weil ihr mich liebt und daran glaubt, daß ich von Gott gekommen bin. Joh 16:28 Ja, ich kam vom Vater in die Welt, und jetzt verlasse ich sie wieder, um zum Vater zurückzugehen." Joh 16:29 "Endlich redest du klar und deutlich zu uns, ohne diese schwerverständlichen Bilder", sagten seine Jünger. Joh 16:30 "Jetzt haben wir erkannt, daß du um alles weißt, noch ehe wir dich fragen. Darum glauben wir dir, daß du von Gott gekommen bist." Joh 16:31 "Glaubt ihr wirklich?" fragte Jesus. Joh 16:32 "Ihr sollt nämlich wissen: Die Zeit wird kommen - und eigentlich ist sie schon da -, in der man euch auseinandertreibt. Ihr werdet euch in Sicherheit bringen und mich allein lassen. Aber auch dann werde ich nicht allein sein, denn der Vater ist bei mir. Joh 16:33 Dies alles habe ich euch gesagt, damit ihr durch mich Frieden habt. In der Welt werdet ihr von allen Seiten bedrängt, aber vertraut darauf: Ich habe die Welt besiegt." Joh 17:1 Nach diesen Worten sah Jesus zum Himmel auf und betete: "Vater, die Stunde ist da! Laß jetzt die Herrlichkeit deines Sohnes erkennbar werden, damit dein Sohn dich verherrlicht. Joh 17:2 Du hast ihm Macht über die Menschen gegeben, so daß durch ihn alle zum ewigen Leben gelangen, die du ihm anvertraut hast. Joh 17:3 Und das allein ist ewiges Leben: Dich, den einen wahren Gott, zu erkennen und an Jesus Christus zu glauben, den du gesandt hast. Joh 17:4 Ich habe hier auf der Erde den Menschen gezeigt, wie herrlich du bist. Ich habe den Auftrag erfüllt, den du mir gegeben hast. Joh 17:5 Und nun, Vater, zeige an mir die Herrlichkeit, die ich bereits mit dir teilte, bevor die Welt erschaffen wurde. Joh 17:6 Ich habe den Menschen gezeigt, wer du bist, und zwar allen, die du aus der Welt herausgerufen und mir anvertraut hast. Dir gehörten sie schon immer, und deswegen hast du sie mir gegeben. Sie haben deinem Wort geglaubt und leben danach. Joh 17:7 Jetzt wissen sie, daß alles, was ich habe, von dir gekommen ist. Joh 17:8 Denn was du mir gesagt hast, habe ich ihnen weitergegeben. Sie haben dein Wort angenommen und erkannt, daß ich von dir herkomme; sie glauben daran, daß du mich gesandt hast. Joh 17:9 Für sie bitte ich dich jetzt: für die Menschen, die du mir anvertraut hast und die zu dir gehören; nicht für die ganze Welt. Joh 17:10 Denn alles, was ich habe, das gehört dir, und was du hast, das gehört auch mir. Sie werden der Welt zeigen, wer ich bin. Joh 17:11 Ich verlasse jetzt die Welt und komme zu dir. Sie aber bleiben zurück. Heiliger Vater, erhalte sie in der Gemeinschaft mit dir ' damit sie untereinander eins werden, so wie wir eins sind. Joh 17:12 Solange ich bei ihnen war, habe ich sie in der Gemeinschaft mit dir erhalten, alle, die du mir anvertraut hast. Ich habe sie bewahrt, und keiner von ihnen ist verlorengegangen, außer dem einen, wie es schon in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist. Joh 17:13 Jetzt komme ich zu dir zurück. Aber dies alles wollte ich noch sagen, solange ich bei ihnen bin, damit meine Freude auch sie ganz erfüllt. Joh 17:14 Ich habe sie deine Worte gelehrt, und die Welt haßt sie deswegen, weil sie ebenso wie ich nicht mehr zu ihr gehören. Joh 17:15 Dennoch bitte ich dich nicht, sie aus der Welt zu nehmen. Aber schütze sie vor der Macht des Bösen. Joh 17:16 Sie gehören ebensowenig zur Welt wie ich. Joh 17:17 Laß sie dir immer ähnlicher werden und der Wahrheit gehorchen. Dein Wort ist die Wahrheit. Joh 17:18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so sende ich sie in die Welt. Joh 17:19 Für sie gebe ich mein Leben hin, damit ihr Leben dir gehört. Joh 17:20 Ich bitte aber nicht nur für sie, sondern für alle, die durch das Zeugnis meiner Jünger von mir hören werden und an mich glauben. Joh 17:21 Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist. So wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns fest miteinander verbunden sein. Dann werden sie die Welt überzeugen, daß du mich gesandt hast. Joh 17:22 Deshalb habe ich ihnen auch die Herrlichkeit gegeben, die du mir anvertraut hast, damit sie die gleiche enge Gemeinschaft haben wie wir. Joh 17:23 Sie bleiben in mir und ich in dir: So sind wir vollständig eins. Und die Welt wird erkennen, daß du es bist, der mich gesandt hat, und daß du meine Jünger liebst, wie du mich liebst. Joh 17:24 Vater, ich will, daß alle, die du mir gegeben hast, bei mir bleiben. Sie sollen an meiner Herrlichkeit teilhaben. Du hast mir die Herrlichkeit gegeben; denn du hast mich geliebt, längst bevor die Welt geschaffen wurde. Joh 17:25 Gerechter Vater! Wenn die Welt dich auch nicht kennt, ich kenne dich, und diese hier haben erkannt, daß du mich gesandt hast. Joh 17:26 Ich habe ihnen gezeigt, wer du bist. Das werde ich auch weiter tun, damit deine Liebe zu mir auch sie erfüllt, ja damit ich selbst in ihnen lebe." Joh 18:1 Nach diesem Gebet ging Jesus mit seinen Jüngern auf die andere Seite des Kidrontals in einen Garten. Joh 18:2 Judas, der Verräter, kannte diese Stelle, denn Jesus hatte sich oft mit seinen Jüngern dort aufgehalten. Joh 18:3 Mit einem Trupp römischer Soldaten und den Männern, die ihm die Hohenpriester und Pharisäer mitgegeben hatten, kam Judas dorthin. Sie trugen Fackeln und Lampen und waren schwer bewaffnet. Joh 18:4 Jesus wußte, was jetzt geschehen würde. Er ging dem Trupp entgegen und fragte: "Wen sucht ihr?" Joh 18:5 "Jesus von Nazareth", war die Antwort. "Ich bin es!" erklärte da Jesus. Judas, sein Verräter, stand mitten unter den Soldaten. Joh 18:6 Als Jesus klar und offen sagte: "Ich bin es", wichen die Bewaffneten erschrocken zurück und fielen zu Boden. Joh 18:7 Jesus fragte noch einmal: "Wen sucht ihr denn?" "Jesus von Nazareth!" antworteten sie wieder. Joh 18:8 "Ich habe euch doch schon gesagt, daß ich es bin", entgegnete Jesus. "Wenn ihr mich sucht, dann laßt die anderen hier gehen!" Joh 18:9 So erfüllte sich das Wort, das Jesus vorher im Gebet gesprochen hatte: "Ich habe keinen von denen verloren, die du mir anvertraut hast." Joh 18:10 Simon Petrus hatte ein Schwert dabei. Plötzlich zog er es und schlug damit Malchus, einem Diener des Hohenpriesters, das rechte Ohr ab. Joh 18:11 Aber Jesus befahl Petrus: "Stecke dein Schwert weg! Soll ich denn dem Leiden aus dem Weg gehen, das ich nach dem Willen meines Vaters auf mich nehmen muß?" Joh 18:12 Da wurde Jesus von den römischen Soldaten und der jüdischen Polizei verhaftet. Sie fesselten ihn Joh 18:13 und brachten ihn zu Hannas, dem Schwiegervater von Kaiphas, der in diesem Jahr Hoherpriester war, Joh 18:14 derselbe Kaiphas, der den jüdischen Führern geraten hatte: "Es ist für uns alle besser, wenn dieser eine Mann für das ganze Volk stirbt!" Joh 18:15 Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus, als er abgeführt wurde. Weil dieser andere Jünger mit dem Hohenpriester bekannt war, ließ man ihn bis in den Hof des Palastes gehen. Joh 18:16 Petrus blieb draußen vor dem Tor. Da kam der andere Jünger wieder zurück, redete mit der Pförtnerin, und so gelangte auch Petrus in den Palast des Kaiphas. Joh 18:17 Doch schon die Pförtnerin fragte Petrus: "Gehörst du nicht auch zu den Jüngern dieses Mannes?" "Nein, ich nicht!" antwortete er schnell. Joh 18:18 Die Wachmannschaft und die anderen Soldaten hatten ein Feuer angezündet. Sie standen um das Feuer herum und wärmten sich, denn es war kalt. Petrus ging zu ihnen, um sich auch zu wärmen. Joh 18:19 Drinnen im Palast begann das Verhör. Der Hohepriester Hannas fragte Jesus nach seinen Jüngern und nach seiner Lehre. Joh 18:20 Jesus antwortete: "Was ich gelehrt habe, ist überall bekannt. Denn ich habe in aller Öffentlichkeit gepredigt, in den Synagogen und im Tempel, wo es jeder hören kann. Niemals habe ich im geheimen etwas anderes gelehrt. Joh 18:21 Weshalb fragst du mich also? Frage doch alle, die mich gehört haben! Sie wissen, was ich gesagt habe." Joh 18:22 Da schlug ihm einer von den Wächtern, die neben ihm standen, ins Gesicht und rief: "So redest du mit dem Hohenpriester?" Joh 18:23 "Wenn ich etwas Böses gesagt habe, dann beweise es!" antwortete ihm Jesus. "Habe ich aber die Wahrheit gesagt, weshalb schlägst du mich?" Joh 18:24 Da ließ Hannas Jesus in Fesseln zu Kaiphas bringen, dem amtierenden Hohenpriester. Joh 18:25 Petrus stand noch immer am Feuer und wärmte sich. Da wurde er gefragt: "Bist du nicht auch einer von seinen Jüngern?" "Ich? Nein, ich bin es nicht", widersprach er heftig. Joh 18:26 Aber einer der Diener des Hohenpriesters, ein Verwandter des Mannes, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, meinte: "Ich habe dich doch im Garten bei ihm gesehen!" Joh 18:27 Wieder stritt Petrus energisch ab, Jesus zu kennen. Und in diesem Augenblick krähte ein Hahn. Joh 18:28 In den frühen Morgenstunden brachten sie Jesus von Kaiphas zum Amtssitz des römischen Gouverneurs. Die Juden selbst betraten dieses Gebäude nicht, weil sie dadurch nach ihren religiösen Vorschriften unrein geworden wären und nicht am Passahmahl hätten teilnehmen dürfen. Joh 18:29 Deshalb ging Pilatus zu ihnen hinaus und fragte: "Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Mann? Was hat er getan?" Joh 18:30 "Wenn er kein Verbrecher wäre", antworteten sie, "hätten wir ihn nicht zu dir gebracht." Joh 18:31 "Dann nehmt ihn mit, und verurteilt ihn nach euerm Gesetz!" entgegnete Pilatus. "Aber wir dürfen doch niemanden hinrichten", wandten sie ein. Joh 18:32 So sollten sich die Worte Jesu erfüllen, mit denen er vorausgesagt hatte, wie er sterben würde. Joh 18:33 Pilatus kam nun in den Gerichtssaal zurück, ließ Jesus vorführen und fragte ihn: "Bist du der König der Juden?" Joh 18:34 "Fragst du als römischer Gouverneur, oder wollen das die Juden wissen?" entgegnete Jesus. Joh 18:35 "Bin ich etwa ein Jude?" fragte Pilatus. "Die Führer deines eigenen Volkes und die Hohenpriester haben dich hergebracht, damit ich dich verurteilen soll. Was also hast du getan?" Joh 18:36 Jesus antwortete: "Mein Königreich gehört nicht zu dieser Welt, man kann es mit keinem anderen Reich vergleichen. Wäre ich ein weltlicher Herrscher, dann hätten meine Leute für mich gekämpft, damit ich nicht in die Hände der Juden falle. Aber mein Reich ist von anderer Art." Joh 18:37 Da fragte ihn Pilatus: "Dann bist du also doch ein König?" Jesus antwortete: "Ja, du hast recht. Ich bin ein König. Ich bin geboren und in diese Welt gekommen, um ihr die Wahrheit zu bezeugen. Wer bereit ist, auf die Wahrheit zu hören, der hört auf mich." Joh 18:38 "Die Wahrheit? Was ist das überhaupt, die Wahrheit?" fragte Pilatus zurück. Dann ging er zu den Juden hinaus und sagte ihnen: "Nach meiner Meinung ist der Mann unschuldig. Joh 18:39 Ich will euch wie üblich auch in diesem Jahr am Passahfest einen Gefangenen freigeben. Wenn ihr wollt, lasse ich diesen 'König der Juden' frei." Joh 18:40 Aber sie schrien laut: "Nein! Nicht den! Wir wollen Barabbas!" Barabbas aber war ein Verbrecher. Joh 19:1 Da befahl Pilatus, Jesus abzuführen und ihn auszupeitschen. Joh 19:2 Die Soldaten flochten eine Krone aus Dornenzweigen und setzten sie ihm auf den Kopf. Dann hängten sie ihm einen purpurroten Mantel um, Joh 19:3 stellten sich vor ihn hin und spotteten: "Sei gegrüßt, du König der Juden!" Und sie schlugen ihm ins Gesicht. Joh 19:4 Jetzt ging Pilatus wieder zu den Juden hinaus und sagte: "Ich will ihn noch einmal herbringen lassen, damit ihr erkennt, daß er unschuldig ist!" Joh 19:5 Dann kam Jesus heraus. Er trug die Dornenkrone und den roten Mantel. Und Pilatus forderte die Menge auf: "Seht ihn euch an, diesen Menschen!" Joh 19:6 Aber kaum hatten die Hohenpriester und die anderen Juden Jesus erblickt, fingen sie an zu schreien: "Ans Kreuz! Ans Kreuz mit ihm!" "Dann nehmt ihn doch und kreuzigt ihn!" rief daraufhin Pilatus. "Denn ich bin überzeugt: Er ist unschuldig!" Joh 19:7 "Nach unserem Gesetz aber muß er sterben", entgegneten die Juden, "denn er hat behauptet, er sei der Sohn Gottes." Joh 19:8 Als Pilatus das hörte, bekam er es mit der Angst zu tun. Joh 19:9 Er ging wieder in den Palast zurück und fragte Jesus: "Wer bist du eigentlich?" Doch Jesus antwortete nichts. Joh 19:10 "Redest du nicht mehr mit mir?" fragte Pilatus drohend. "Hast du vergessen, daß es in meiner Macht steht, dich freizugeben oder dich ans Kreuz nageln zu lassen?" Joh 19:11 Jetzt antwortete Jesus: "Du wärest machtlos, hätte dir Gott keine Macht über mich gegeben. Deswegen ist auch die Sünde der Leute, die mich ausgeliefert haben, größer als deine Schuld." Joh 19:12 Da versuchte Pilatus noch einmal, Jesus freizulassen. Aber die Juden schrien: "Wenn du den laufen läßt, bist du kein Freund des Kaisers; denn wer sich selbst zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf." Joh 19:13 Als Pilatus das hörte, ließ er Jesus hinausführen. Er setzte sich auf den Richterstuhl, an die Stelle, die man "Steinpflaster" nannte, auf hebräisch: Gabbatha. Joh 19:14 Das war um die Mittagszeit, am Tag vor dem Passah, an dem sich alle auf das Fest vorbereiteten. Pilatus sagte zu den Juden: "Da habt ihr euren König!" Joh 19:15 "Weg mit ihm!" brüllten sie. "Schlagt ihn ans Kreuz!" "Soll ich wirklich euern König kreuzigen lassen?" fragte Pilatus noch einmal. "Wir haben keinen König, nur den Kaiser!" riefen die Hohenpriester. Joh 19:16 Da gab Pilatus nach und befahl, Jesus zu kreuzigen. Die Soldaten packten Jesus und führten ihn aus Jerusalem hinaus. Joh 19:17 Sein Kreuz mußte er selbst tragen; vom Richtplatz bis hin zur "Schädelstätte". Auf hebräisch heißt dieser Ort Golgatha. Joh 19:18 Dort schlugen sie ihn ans Kreuz. Neben ihm wurden zwei andere Männer gekreuzigt. Joh 19:19 Pilatus ließ ein Schild an das Kreuz Jesu nageln, auf dem die Worte standen: "Jesus von Nazareth, der König der Juden!" Joh 19:20 Die Stelle, an der Jesus gekreuzigt worden war, lag nahe bei der Stadt. Und so lasen viele Juden diese Inschrift, die in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache abgefaßt war. Joh 19:21 Da kamen die Hohenpriester zu Pilatus und verlangten von ihm: "Laß das ändern. Es darf nicht heißen: 'Der König der Juden', sondern: 'Er hat behauptet: Ich bin der König der Juden'." Joh 19:22 Pilatus aber weigerte sich: "Es bleibt genau so stehen, wie ich es geschrieben habe!" Joh 19:23 Als die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider unter sich auf, so daß jeder der vier Soldaten etwas davon bekam. Dann beschlossen sie: "Das Untergewand wollen wir nicht aufteilen. Wir werden es verlosen." Es war nämlich aus einem Stück gefertigt, ohne jede Naht. Joh 19:24 So erfüllte sich die Vorhersage der Heiligen Schrift: "Meine Kleider haben sie unter sich geteilt und mein Gewand verlost." Genauso geschah es auch. Joh 19:25 Unter dem Kreuz, an dem Jesus hing, standen seine Mutter und ihre Schwester, außerdem Maria, die Frau von Kleopas, und Maria Magdalena. Joh 19:26 Als Jesus nun seine Mutter sah und neben ihr den Jünger, den er liebhatte, sagte er zu ihr: "Er soll jetzt dein Sohn sein!" Joh 19:27 Und zu dem Jünger sagte er: "Sie ist jetzt deine Mutter." Da nahm der Jünger sie zu sich in sein Haus. Joh 19:28 Jesus wußte, daß nun sein Auftrag erfüllt war. Da erst sagte er (und wieder erfüllte sich damit eine Voraussage der Heiligen Schrift): "Ich habe Durst!" Joh 19:29 In der Nähe stand ein Krug mit Essigwasser. Die Soldaten tauchten einen Schwamm hinein, steckten ihn auf einen Stab und hielten den Schwamm Jesus an den Mund. Joh 19:30 Als Jesus davon getrunken hatte, rief er: "Es ist vollbracht!" Dann ließ er den Kopf sinken und starb. Joh 19:31 Das alles geschah am Tag vor dem Passahfest. Damit die Toten nicht an diesem hohen Feiertag am Kreuz hängen blieben, gingen die Führer der Juden zu Pilatus und baten ihn, er solle den Gekreuzigten die Beine brechen und sie vom Kreuz abnehmen lassen. Joh 19:32 Pilatus schickte Soldaten, die den beiden mit Jesus gekreuzigten Verbrechern die Beine brachen. Joh 19:33 Als sie zu Jesus kamen, stellten sie fest, daß er bereits tot war. Deshalb zerschlugen sie ihm nicht die Beine. Joh 19:34 Aber einer der Soldaten stieß ihm eine Lanze in die Seite. Sofort flossen Blut und Wasser aus der Wunde. Joh 19:35 Das bezeugt einer, der alles selbst mitangesehen hat. Sein Bericht ist zuverlässig und wahr; ihm könnt ihr glauben. Joh 19:36 Auch das ist geschehen, damit dieses Wort der Heiligen Schrift in Erfüllung geht: "Kein Knochen soll ihm zerbrochen werden." Joh 19:37 Ebenso erfüllte sich die andere Voraussage: "Sie werden auf den sehen, den sie durchbohrt haben." Joh 19:38 Nachdem das alles geschehen war, bat Joseph von Arimathia um die Erlaubnis, den toten Jesus vom Kreuz abnehmen zu dürfen. Er glaubte insgeheim an Jesus, doch hatte er das bisher verschwiegen, weil er vor den Juden Angst hatte. Pilatus erlaubte es ihm, und so ging er und nahm den Leichnam vom Kreuz ab. Joh 19:39 Auch Nikodemus, der Jesus einmal in der Nacht aufgesucht hatte, kam und brachte etwa hundert Pfund einer Mischung aus Myrrhe und Aloe. Joh 19:40 Dann nahmen sie den Leichnam Jesu und hüllten ihn mit dieser Mischung aus Myrrhe und Aloe in Leinentücher ein. So war es beim Begräbnis von Juden üblich. Joh 19:41 In der Nähe der Hinrichtungsstätte lag ein Garten. Dort war ein in den Fels gehauenes, bisher noch nicht benutztes Grab. Joh 19:42 In dieses Grab legten sie Jesus, denn sie hatten es eilig, weil bald der Sabbat begann. Joh 20:1 Am ersten Tag nach dem Sabbat, früh am Morgen, als es noch dunkel war, ging Maria Magdalena zum Grab. Als sie sah, daß der Stein nicht mehr vor dem Eingang des Grabes lag, Joh 20:2 lief sie zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte. Aufgeregt berichtete sie ihnen: "Sie haben den Herrn aus dem Grab geholt, und wir wissen nicht, wohin sie ihn gebracht haben." Joh 20:3 Da beeilten sich Petrus und der andere Jünger, um möglichst schnell zum Grab zu kommen. Joh 20:4 Gemeinsam liefen sie los, aber der andere war schneller als Petrus und kam zuerst am Grab an. Joh 20:5 Ohne hineinzugehen, sah er in die Grabkammer und bemerkte die Leinentücher, die dort lagen. Joh 20:6 Dann kam auch Simon Petrus. Er ging in das Grab hinein und sah ebenfalls die Leinentücher Joh 20:7 zusammen mit dem Tuch, das den Kopf Jesu bedeckt hatte. Es lag nicht zwischen den Leinentüchern, sondern zusammengefaltet an der Seite. Joh 20:8 Jetzt ging auch der andere Jünger, der zuerst angekommen war, in die Grabkammer. Er sah sich darin um, und nun glaubte er, daß Jesus vom Tod auferstanden war. Joh 20:9 Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie die Stelle in der Heiligen Schrift noch nicht verstanden, in der es heißt, daß Jesus von den Toten auferstehen wird. Joh 20:10 Die Jünger verließen das Grab und gingen nach Jerusalem zurück. Joh 20:11 Inzwischen war auch Maria zurückgekehrt und blieb voll Trauer vor dem Grab stehen. Weinend schaute sie in die Kammer Joh 20:12 und sah plötzlich zwei weißgekleidete Engel an der Stelle sitzen, an der Jesus gelegen hatte; einen am Kopfende, den anderen am Fußende. Joh 20:13 "Warum weinst du?" fragten die Engel. "Weil sie meinen Herrn weggenommen haben. Und ich weiß nicht, wo sie ihn hingebracht haben", antwortete Maria Magdalena. Joh 20:14 Als Maria sich umdrehte, sah sie Jesus vor sich stehen. Aber sie erkannte ihn nicht. Joh 20:15 "Warum weinst du?" fragte er sie. "Und wen suchst du?" Maria hielt Jesus für den Gärtner und fragte deshalb: "Hast du ihn weggenommen? Dann sage mir doch, wohin du ihn gebracht hast. Ich will ihn holen." Joh 20:16 "Maria!" sagte Jesus nun. Da fuhr sie zusammen und erkannte ihn. "Rabbuni!" rief sie (das ist Hebräisch und heißt: Mein Meister). Joh 20:17 Doch Jesus wehrte ab: "Halte mich nicht länger fest! Denn ich bin noch nicht zu meinem Vater zurückgekehrt. Gehe aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich gehe zurück zu meinem Vater und zu euerm Vater, zu meinem Gott und zu euerm Gott!" Joh 20:18 Maria Magdalena lief nun zu den Jüngern und berichtete ihnen: "Ich habe den Herrn gesehen!" Und sie erzählte alles, was ihr Jesus gesagt hatte. Joh 20:19 An diesem Sonntagabend hatten sich alle Jünger versammelt. Aus Angst vor den Juden ließen sie die Türen fest verschlossen. Plötzlich war Jesus bei ihnen. Er trat in ihre Mitte und grüßte sie: "Friede sei mit euch!" Joh 20:20 Dann zeigte er ihnen die Wunden in seinen Händen und an seiner Seite. Als die Jünger ihren Herrn sahen, freuten sie sich sehr. Joh 20:21 Und Jesus sagte noch einmal: "Friede sei mit euch! Wie mich der Vater in diese Welt gesandt hat, so sende ich euch in die Welt!" Joh 20:22 Dann hauchte er sie an und sprach: "Empfangt den Heiligen Geist! Joh 20:23 Wem ihr die Sünde erlaßt, dem ist sie erlassen. Und wem ihr die Schuld nicht vergebt, der bleibt schuldig." Joh 20:24 Thomas, einer der zwölf Jünger, der auch Zwilling genannt wurde, war nicht dabeigewesen, als dies geschah. Joh 20:25 Deshalb erzählten sie ihm: "Wir haben den Herrn gesehen!" Aber zweifelnd antwortete er: "Das glaube ich erst, wenn ich seine durchbohrten Hände gesehen habe. Mit meinen Fingern will ich sie fühlen, und meine Hand will ich in die Wunde an seiner Seite legen. Eher werde ich es nicht glauben." Joh 20:26 Acht Tage später hatten sich die Jünger wieder versammelt. Diesmal war Thomas bei ihnen. Und obwohl sie die Türen wieder abgeschlossen hatten, stand Jesus auf einmal in ihrer Mitte und grüßte sie: "Friede sei mit euch!" Joh 20:27 Dann wandte er sich an Thomas: "Lege deinen Finger auf meine durchbohrten Hände! Gib mir deine Hand und lege sie in die Wunde an meiner Seite! Zweifle nicht länger, sondern glaube!" Joh 20:28 Thomas antwortete nur: "Mein Herr und mein Gott!" Joh 20:29 Doch Jesus sagte zu ihm: "Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Wie glücklich können erst die sein, die nicht sehen und trotzdem glauben." Joh 20:30 Die Jünger erlebten noch viele andere Wunder Jesu, die nicht in diesem Buch geschildert werden. Joh 20:31 Aber die hier aufgezeichneten Berichte wurden geschrieben, damit ihr glaubt, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist, und ihr durch den Glauben an ihn das ewige Leben habt. Joh 21:1 Später erschien Jesus seinen Jüngern noch einmal am See von Tiberias; und zwar geschah das so: Joh 21:2 Simon Petrus, Thomas, der Zwilling genannt wurde, Nathanael aus Kana in Galiläa, die beiden Söhne des Zebedäus und zwei andere Jünger waren dort zusammen. Joh 21:3 Simon Petrus sagte: "Ich werde jetzt fischen gehen!" "Wir kommen mit", meinten darauf die anderen. Sie stiegen ins Boot und fuhren hinaus auf den See. Aber während der ganzen Nacht fingen sie keinen einzigen Fisch. Joh 21:4 Im Morgengrauen stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger erkannten ihn nicht. Joh 21:5 Jesus rief ihnen zu: "Habt ihr denn nichts gefangen?" "Nein", antworteten sie. Joh 21:6 Da forderte er sie auf: "Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, dann werdet ihr einen guten Fang machen!" Sie folgten diesem Rat und fingen so viele Fische, daß sie das Netz nicht mehr einholen konnten. Joh 21:7 Jetzt sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: "Das ist der Herr!" Kaum hatte Simon Petrus das gehört, zog er sich an (während der Arbeit war er nämlich nackt), sprang ins Wasser und schwamm an das Ufer. Joh 21:8 Die anderen Jünger waren noch etwa hundert Meter vom Ufer entfernt. Sie folgten Petrus mit dem Boot und zogen das gefüllte Netz hinter sich her. Joh 21:9 Als sie aus dem Boot stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer, auf dem Fische brieten. Auch Brot lag bereit. Joh 21:10 "Bringt ein paar von den Fischen her, die ihr gerade gefangen habt!" bat Jesus die Jünger. Joh 21:11 Simon Petrus ging zum Boot und zog das Netz an Land. Es war gefüllt mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen. Und obwohl es so viele waren, zerriß das Netz nicht. Joh 21:12 "Kommt her und eßt!" sagte Jesus. Keiner von den Jüngern wagte zu fragen: "Wer bist du?" Aber sie alle wußten: Es ist der Herr. Joh 21:13 Jesus ging auf sie zu, nahm das Brot und verteilte es an sie, ebenso die Fische. Joh 21:14 Dies war das dritte Mal, daß Jesus nach seiner Auferstehung vom Tode den Jüngern erschienen war. Joh 21:15 Nach diesem Essen fragte Jesus den Simon Petrus: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als die anderen hier?" "Ja, Herr", antwortete ihm Petrus, "du weißt, daß ich dich liebhabe." "Dann hüte meine Lämmer", sagte Jesus. Joh 21:16 Jesus wiederholte seine Frage: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?" "Ja, Herr, du weißt doch, daß ich dich liebe", antwortete Petrus noch einmal. "Dann hüte meine Schafe!" Joh 21:17 Und zum dritten Mal fragte Jesus: "Simon, Sohn des Johannes, hast du mich wirklich lieb?" Jetzt wurde Petrus traurig, weil Jesus ihm nicht zu glauben schien und zum dritten Mal gefragt hatte: "Hast du mich lieb?" Deshalb antwortete er: "Herr, du weißt alles. Du weißt doch auch, wie sehr ich dich liebe!" Darauf sagte Jesus: "Dann hüte meine Schafe! Joh 21:18 Merke dir, was ich dir jetzt sage: Als du jung warst, hast du getan, was du wolltest, und du hattest deine eigenen Ziele. Im Alter aber wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich führen; dorthin, wo du nicht hingehen willst." Joh 21:19 Damit wollte Jesus andeuten, durch welchen Tod Petrus Gott verherrlichen würde. Dann forderte Jesus ihn auf: "Folge mir nach!" Joh 21:20 Petrus wandte sich um und sah hinter sich den Jünger, den Jesus liebte, der beim letzten Abendessen neben Jesus gesessen und ihn gefragt hatte: "Herr, wer von uns wird dich verraten?" Joh 21:21 Da fragte Petrus: "Herr, was wird denn aus ihm?" Joh 21:22 Jesus erwiderte: "Was soll diese Frage? Wenn ich will, daß er so lange lebt, bis ich wiederkomme, was geht es dich an? Folge du mir nach!" Joh 21:23 So entstand unter den ersten Christen das Gerücht: "Dieser Jünger wird nicht sterben." Aber das hatte Jesus überhaupt nicht gesagt, sondern: "Wenn ich will, daß er so lange lebt, bis ich wiederkomme, was geht es dich an?" Joh 21:24 Eben dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und hier aufgeschrieben hat. Und wir wissen, daß alles, was er bezeugt, wahr ist. Joh 21:25 Es gibt noch vieles andere, was Jesus getan hat. Aber wollte man das alles eins nach dem anderen aufschreiben, so wäre wohl auf der ganzen Welt nicht genügend Platz für die vielen Bücher, die dann geschrieben werden müßten. Act 1:1 Lieber Theophilus! In meinem ersten Bericht habe ich von allem geschrieben, was Jesus getan und gelehrt hat; Act 1:2 und zwar von Anfang an bis zu seiner Rückkehr zu Gott. Bevor aber Jesus in den Himmel aufgenommen wurde, hatte ihm der Heilige Geist gezeigt, welche Männer er als seine Apostel berufen sollte. Ihnen gab er genaue Anweisungen für die Zukunft. Act 1:3 Diesen Männern hat er sich auch nach seinem Leiden und Sterben gezeigt und damit bewiesen, daß er tatsächlich auferstanden ist. Vierzig Tage lang sahen sie ihn, und er sprach mit ihnen über das Reich Gottes. Act 1:4 An einem dieser Tage befahl Jesus seinen Jüngern: "Verlaßt Jerusalem nicht! Bleibt so lange hier, bis in Erfüllung gegangen ist, was euch der Vater durch mich versprochen hat. Act 1:5 Johannes taufte mit Wasser; ihr aber werdet bald mit dem Heiligen Geist getauft werden." Act 1:6 Bei dieser Gelegenheit fragten sie ihn: "Herr, wirst du jetzt Israel wieder zu einem freien und mächtigen Reich machen?" Act 1:7 Darauf antwortete Jesus: "Die Zeit dafür hat allein Gott der Vater bestimmt. Das ist nicht eure Sache. Act 1:8 Aber ihr werdet den Heiligen Geist empfangen und durch seine Kraft meine Zeugen sein in Jerusalem und Judäa, in Samarien und auf der ganzen Erde." Act 1:9 Nachdem er das gesagt hatte, nahm Gott ihn zu sich. Eine Wolke verhüllte ihn vor ihren Augen, und sie sahen ihn nicht mehr. Act 1:10 Noch während sie überrascht nach oben blickten, standen auf einmal zwei weißgekleidete Männer bei ihnen. Act 1:11 "Ihr Galiläer", sprachen sie die Jünger an, "was steht ihr hier und seht zum Himmel? Gott hat Jesus aus eurer Mitte zu sich in den Himmel genommen; aber eines Tages wird er genauso zurückkehren." Act 1:12 Da gingen sie vom Ölberg nach Jerusalem zurück, das ungefähr einen Kilometer entf