Das Neue Testament in deutscher Fassung

 

. Verantwortlich für die Übertragung: Herbert Jantzen. Urheberrechte beim Verfasser

 

Die gute Botschaft nach Matthäus

 

1 1 Schriftstück der Herkunft[1] Jesu Christi, des Sohnes Davids[2], des Sohnes Abrahams[3]:

    2 Abraham wurde der Vater[4] Isaaks. Isaak wurde der Vater Jakobs. Jakob wurde der Vater Judas und seiner Brüder. 3 Juda wurde der Vater* des Perez[5] und Zaras[6] von der Thamar. Perez wurde der Vater Esroms[7]. Esrom wurde der Vater Rams. 4 Ram wurde der Vater Aminadabs. Aminadab wurde der Vater Naassons. Naasson wurde der Vater Salmons. 5 Salmon wurde der Vater des Boas[8] von der Rahab. Boas wurde der Vater Obeds von der Ruth. Obed wurde der Vater Jesses[9]. 6 Jesse wurde der Vater Davids, des Königs.

    David, der König, wurde der Vater Salomos von der [Frau] des Uria. 7 Salomo wurde der Vater Rehabeams. Rehabeam wurde der Vater Abias. Abia wurde der Vater Asas. 8 Asa wurde der Vater Josaphats. Josaphat wurde der Vater Jorams. Joram wurde der Vater des Usia. 9 Usia wurde der Vater Jothams. Jotham wurde der Vater des Ahas. Ahas wurde der Vater Hiskias[10]. 10 Hiskia wurde der Vater Manasses. Manasse wurde der Vater Amons. Amon wurde der Vater Josias. 11 Josia wurde der Vater Jojachins[11] und seiner Brüder um die Zeit der Wegführung[12] nach Babylon[13].

    12 Nach der Wegführung nach Babylon wurde Jojachin der Vater Salathiels[14]. Salathiel wurde der Vater Serubbabels[15]. 13 Serubbabel wurde der Vater Abiuds. Abiud wurde der Vater Eljakims. Eljakim wurde der Vater Azors. 14 Azor wurde der Vater Zadoks. Zadok wurde der Vater Achims. Achim wurde der Vater Eliuds. 15 Eliud wurde der Vater Eleazars. Eleazar wurde der Vater Matthans. Matthan wurde der Vater Jakobs. 16 Jakob wurde der Vater Josephs, des Mannes der Maria, von der Jesus geboren wurde, der Christus[16] genannt wird.

    17 Alle Geschlechter von Abraham bis David sind also vierzehn Geschlechter und von David bis zur Wegführung nach Babylon vierzehn Geschlechter und von der Wegführung nach Babylon bis zu dem Christus vierzehn Geschlechter.

 

18 Die Geburt Jesu Christi war so[17]: Nachdem nämlich seine Mutter, Maria, dem Joseph verlobt war[18], fand es sich, ehe sie zusammengekommen waren, dass sie schwanger war – vom Heiligen Geist. 19 Aber Joseph, ihr Mann, war gerecht und wollte sie nicht der Schmach aussetzen[19], nahm sich ‹also› vor, sich heimlich von ihr zu scheiden[20].

    20 Während er dieses bedachte – siehe! – da erschien ihm ein Bote[21] des Herrn im Traum.

    „Joseph,“ sagte er, „du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen, denn das in ihr Gezeugte ist vom Heiligen Geist. 21 Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst* ihm den Namen Jesus[22] geben, denn er wird sein Volk retten von seinen[23] Sünden.“

    22 Alles dieses ist geschehen, damit das erfüllt werde, was von dem Herrn durch den Propheten geredet wurde, als er sagte: 23 „Siehe! Die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben“ – was übersetzt heißt: ‘Gott mit uns’. {Jes 7,14}

    24 Als Joseph vom Schlaf völlig erwacht war, tat er, wie ihm der Bote* des Herrn aufgetragen hatte, und nahm seine Frau zu sich. 25 Und er [er]kannte sie nicht[24], bis sie ihren Sohn gebar, den °Erstgeborenen. Und er gab ihm den Namen Jesus.

 

2 1 Nachdem Jesus zu Bethlehem[25] in Judäa geboren war in den Tagen des Königs Herodes – siehe!: Weise[26] aus dem Osten[27] trafen in Jerusalem ein.

    2 „Wo ist der König der Juden, der geboren wurde?“ sagten sie, „denn wir sahen seinen Stern, als er aufging[28], und sind gekommen, ihm zu huldigen.“

    3 Als der König Herodes [das] hörte, wurde er in Unruhe versetzt und ganz Jerusalem mit ihm. 4 Und er versammelte alle Hohen Priester[29] und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der Gesalbte* geboren werden sollte.

    5 Sie sagten ihm: „Zu Bethlehem in Judäa, denn so ist es geschrieben durch den Propheten:

    6 ‘Und du, Bethlehem, Landschaft Judas, bist keineswegs am geringsten unter den Führenden Judas, denn aus dir wird hervorkommen ein Führer, welcher meinem Volk Israel Hirte sein wird.’“ {Vgl. Mi 5,1.3.}

    7 Dann rief Herodes die Weisen heimlich und erkundete mit Sorgfalt von ihnen die Zeit, da der Stern erschienen war. 8 Und er schickte sie nach Bethlehem.

    Dann sagte er: „Zieht hin und erkundigt euch mit Sorgfalt nach dem Kindlein. Sobald ihr es gefunden habt, gebt mir Bericht, auf dass auch ich komme und ihm huldige.“

    9 Sie hörten den König [an] und zogen hin. Und – siehe! – der Stern, den sie gesehen hatten, als er aufging[30], ging ihnen voran, bis er [an den Ort] gekommen war und oben darüber stehen blieb, wo das Kindlein war. 10 Als sie den Stern sahen, freuten sie sich mit sehr großer Freude.

    11 Und sie gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter. Und sie fielen nieder und huldigten ihm. Und sie taten ihre Schätze auf und brachten ihm Gaben dar: Gold und Weihrauch und Myrrhe.

    12 Und nachdem ihnen im Traum eine Weisung erteilt worden war, sich nicht wieder zu Herodes hinzuwenden, zogen sie auf einem anderen Weg zurück in ihr Landgebiet.

 

13 Als sie davongezogen waren – siehe!: Ein Bote* des Herrn erscheint dem Joseph im Traum und sagt: „Stehe auf! Nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und fliehe nach Ägypten und bleibe dort, bis ich es dir sage, denn Herodes steht im Begriff, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.“

    14 Er stand auf, nahm in der Nacht das Kindlein zu sich und seine Mutter und zog davon nach Ägypten.

    15 Und er war dort bis zum Ende des Herodes, damit das erfüllt werde, was von dem Herrn durch den Propheten geredet wurde, als er sagte: „Aus Ägypten rief ich meinen Sohn.“ {Hos 11,1}

 

16 Dann, als er sah, dass er von den Weisen hintergangen worden war, wurde Herodes sehr wütend. Und er sandte hin und ließ alle Knaben[31] umbringen, die in Bethlehem und in dessen ganzer Umgebung waren, von den Zweijährigen [an] und darunter, entsprechend der Zeit, die er von den Weisen mit Sorgfalt erkundet hatte. 17 Damals wurde das erfüllt, was von Jeremia, dem Propheten, geredet wurde, als er sagte:

    18 „Eine Stimme[32] wurde in Rama gehört, viel Jammern, Weinen und Wehklagen: Rahel beweinte ihre Kinder, und sie wollte sich nicht trösten lassen, weil sie nicht [mehr da] sind.“ {Jer 31,15}

 

19 Als Herodes gestorben war – siehe: Ein Bote* des Herrn erscheint dem Joseph in Ägypten im Traum 20 und sagt: „Stehe auf. Nimm das Kindlein zu dir und seine Mutter und ziehe in das Land Israel, denn sie sind gestorben, die nach der Seele[33] des Kindleins trachteten.“

    21 Und er stand auf, nahm das Kindlein zu sich und seine Mutter und kam in das Land Israel. 22 Als er aber hörte, dass Archelaus anstelle seines Vaters Herodes über Judäa König war, fürchtete er sich, dort hinzugehen. Als ihm im Traum eine Weisung erteilt worden war, entwich er in die [Land]teile von Galiläa. 23 Und er kam und ließ sich nieder in einer Stadt, genannt Nazaret, auf dass das erfüllt werde, was durch die Propheten geredet wurde, dass er ‘Nazarener’[34] werde genannt werden.

 

3 1 In jenen Tagen kommt Johannes, der Täufer, verkündet in der Wüste Judäas 2 und sagt: „Tut Buße*, denn das Königreich der Himmel hat sich genaht!“

    3 Dieser ist es nämlich, über den von Jesaja, dem Propheten, gesprochen wurde, als er sagte: „Stimme eines Rufenden in der Wüste: ‘Bereitet den Weg des Herrn! Macht seine Pfade gerade[35]!’“ {Jes 40,3}

    4 Er, Johannes, hatte seine Kleidung aus Kamelhaar und einen ledernen Gürtel um seine Lende. Seine Nahrung war Heuschrecken und wilder Honig.

    5 Dann gingen ‹nach und nach› zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgegend des Jordans 6 und wurden, ihre Sünden bekennend, von ihm im Jordan getauft.

    7 Als er aber viele der Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kommen sah, sagte er zu ihnen: „Schlangenbrut! Wer unterwies euch, dem bevorstehenden Zorn zu entfliehen? 8 Bringt also Früchte, die der Buße* würdig sind. 9 Und meint nicht, bei euch selbst sagen [zu können]: ‘Wir haben Abraham zum Vater’, denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 10 Auch ist schon die Axt an die Wurzel[36] der Bäume gelegt. Jeder Baum also, der nicht edle Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 11 Ich taufe euch in Wasser, °auf Buße ‹hin›[37]. Aber er, der nach mir kommt, ist stärker als ich, dessen Schuhe [ihm] zu tragen ich nicht wert bin. Er wird euch taufen in dem Heiligen Geist und Feuer, 12 dessen Worfschaufel[38] in seiner Hand ist, und er wird seine Tenne durchsäubern und seinen Weizen in die Scheune sammeln, aber die Spreu wird er verbrennen mit unlöschbarem Feuer.“

 

13 Dann kommt Jesus von Galiläa an den Jordan, hin zu Johannes, um von ihm getauft zu werden.

    14 Aber Johannes wehrte ihm und sagte: „Ich habe nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir?“

    15 Aber Jesus antwortete und sagte zu ihm[39]: „Lass es jetzt [so sein], denn so gebührt es sich für uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“

    Dann lässt er es ihm zu. 16 Und als Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf. Und – siehe! – es wurden ihm die Himmel geöffnet, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube niederfahren und auf ihn kommen. 17 Und – siehe! – eine Stimme aus den Himmeln:

    Sie sagte: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen fand.“

 

4 1 Dann wurde Jesus vom Geist hinaufgeführt in die Wüste, um von dem Teufel versucht zu werden. 2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn zuletzt.

    3 Und es trat der Versucher zu ihm hin und sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, sprich, dass diese Steine Brote werden.“

    4 Er antwortete und sagte: „Es ist geschrieben: ‘Nicht von Brot allein wird ein Mensch leben, sondern von jedem Wort*, das[40] durch Gottes Mund hervorgeht.’“ {5M 8,3}

    5 Dann nimmt ihn der Teufel zu ‹und mit› sich in die heilige Stadt und stellt ihn auf den Flügel der Tempelstätte[41].

    6 Und er sagt zu ihm: „Wenn du Gottes Sohn bist, wirf dich hinab, denn es ist geschrieben: ‘Er wird seinen [himmlischen] Boten* deinethalben Befehl erteilen’ und: ‘Auf Händen werden sie dich tragen[42], damit du deinen Fuß nicht etwa an einen Stein stoßest.’“ {Ps 91,11.12}

    7 Jesus spricht zu ihm: „Wiederum ist geschrieben: ‘Du sollst* den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen[43].’“ {5M 6,16}

    8 Wiederum nimmt der Teufel ihn zu ‹und mit› sich auf einen sehr hohen Berg, und er zeigt ihm alle Königreiche der Welt und ihre Herrlichkeit.

    9 Und er sagt zu ihm: „Dieses alles werde ich dir geben, wenn du niederfällst und mir huldigst.“

    10 Dann sagt Jesus zu ihm: „Geh weg, Satan! – denn es ist geschrieben: ‘Du sollst* dem Herrn, deinem Gott, huldigen und ihm allein ‹den ihm zukommenden› verehrenden Dienst erweisen!’“ {Vgl. 5M 6,13; 10,20.}

    11 Dann lässt der Teufel von ihm ab, und – siehe – [himmlische] Boten* kamen herbei und dienten ihm[44].

 

12 Als Jesus hörte, dass Johannes ausgeliefert worden war, zog er sich zurück nach Galiläa. 13 Und er verließ Nazaret und kam und ließ sich nieder zu Kaperna-um, das am See liegt, in den Gebieten von Sebulon[45] und Naphthali[46], 14 damit erfüllt werde, was durch Jesaja, den Propheten, geredet wurde, als er sagte:

    15 „Land Sebulon und Land Naphthali, °Weg des Sees, [das Gebiet] jenseits des Jordans, Galiläa der Völker, 16 das Volk, das in Finsternis sitzt, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die im Lande und Schatten des Todes sitzen, ihnen ist Licht aufgegangen.“ {Vgl. Jes 8,23; 9,1.}

    17 Von jener Zeit [an] begann Jesus zu verkünden und zu sagen: „Tut Buße*, denn das Königreich der Himmel hat sich genaht.“

 

18 Als Jesus den See[47] von Galiläa entlang ging, sah er zwei Brüder: Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas, als sie ein großes Wurfnetz in den See warfen, denn sie waren Fischer.

    19 Und er sagt zu ihnen: „Kommt her, mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen!“

    20 Sie verließen sogleich die Netze und folgten ihm.

    21 Und als er von dort weiterging, sah er weitere zwei Brüder: Jakobus, den [Sohn] des Zebedäus, und seinen Bruder, Johannes, im Schiff mit ihrem Vater, Zebedäus, wie sie ihre Netze instand setzten. Und er rief sie. 22 Sie verließen sogleich das Schiff und ihren Vater und folgten ihm.

 

23 Und Jesus durchzog ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und verkündete die gute Botschaft[48] vom Königreich und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen im Volk. 24 Und die Kunde von ihm ging aus in das ganze Syrien. Und sie brachten hin zu ihm alle, denen es übel ging, die von mancherlei Krankheiten und Qualen befallen waren, auch Dämonisierte[49] und Mondsüchtige und Gelähmte. Und er heilte sie. 25 Und es folgten ihm zahlreiche* Mengen aus Galiläa und dem Zehnstädtegebiet und ‹aus› Jerusalem und Judäa und [von] jenseits des Jordans.

 

5 1 Als er die Mengen sah, stieg er den Berg hinauf. Und als er sich gesetzt hatte, kamen seine Jünger zu ihm. 2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sagte:

    3 „Selige sind die, die dem Geiste nach arm sind! – weil ihnen das Königreich der Himmel gehört.

    4 Selige sind die, die trauern! Sie werden nämlich getröstet ‹und aufgerichtet›[50] werden.

    5 Selige sind die Sanftmütigen! – weil sie die Erde erben werden.

    6 Selige sind die, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit! Sie werden nämlich gesättigt werden.

    7 Selige sind die Barmherzigen! – weil sie Barmherzigkeit erfahren werden.

    8 Selige sind die, die im Herzen rein ‹sind›[51]! – weil sie Gott sehen werden.

    9 Selige sind die Friedensstifter! Sie werden nämlich Söhne Gottes genannt werden.

    10 Selige sind die, die verfolgt worden sind wegen [der] Gerechtigkeit! – weil ihnen das Königreich der Himmel gehört.

    11 Selige seid ihr, wenn sie euch beschimpfen und verfolgen und jedes böse Wort*[52] gegen euch reden meinetwegen, dabei [aber] lügen. 12 Freut euch und frohlockt, weil euer Lohn in den Himmeln groß ist; denn so verfolgten sie die Propheten, die vor euch [waren].

 

13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz aber fade[53] geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr[54], als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.

    14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen werden. 15 Man zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter ein Getreidegefäß[55], sondern auf den Leuchter; so leuchtet sie allen, die im Hause sind. 16 So leuchte euer Licht vor den Menschen, auf dass sie eure edlen Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.

 

17 Meint nicht, dass ich kam, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen! Ich kam nicht aufzulösen, sondern zu erfüllen; 18 denn – wahrlich! – ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird auf keinen Fall ein Jota oder ein Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist! 19 Wer immer also eines dieser geringsten Gebote auflösen und die Menschen so lehren sollte, wird im Königreich der Himmel ‘ein Geringster’ genannt werden. Wer immer [sie] aber tun und lehren wird, dieser wird im Königreich der Himmel ‘ein Großer’ genannt werden; 20 denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht reichlich mehr ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr auf keinen Fall in das Königreich der Himmel eingehen.

 

21 Ihr hörtet, dass zu den Alten gesagt wurde: ‘Du sollst* nicht morden! Wer irgend aber mordet, wird dem Gericht verfallen sein.’

    22 Aber ich sage euch: Jeder, der seinem Bruder ohne Grund zürnt, wird dem Gericht verfallen sein. Wer irgend aber zu seinem Bruder sagen wird: ‘Raka!’[56], wird dem Hohen Rat*[57] verfallen sein. Aber wer irgend sagen wird: ‘Törichter!’, wird [dem Gericht] verfallen sein, in die Feuerhölle*.

    23 Wenn du also dabei bist, deine Gabe auf den Altar darzubringen und dort eingedenk wirst, dass dein Bruder eine Sache gegen dich hat[58], 24 lass deine Gabe dort vor dem Altar und gehe hin; söhne dich zuerst aus mit deinem Bruder. Und dann komm und opfere deine Gabe.

    25 Sei wohlgesinnt gegen deinen Rechtsgegner, schnell, solange du mit ihm auf dem Wege bist, damit nicht der Rechtsgegner dich dem Richter übergebe und der Richter dich dem verantwortlichen Diener übergebe und du ins Gefängnis geworfen werden wirst. 26 Wahrlich! Ich sage dir: Du wirst auf keinen Fall von dort herauskommen, bis du den letzten Kodrantees[59] erstattet haben wirst.

 

27 Ihr hörtet, dass zu den Alten gesagt wurde: ‘Du sollst* nicht Ehebruch begehen.’

    28 Aber ich sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um ihrer zu gelüsten[60], hat schon in seinem Herzen mit ihr Ehebruch begangen.

    29 Wenn dein rechtes Auge für dich ein Anstoß ‹zum Stolpern und Fallen› wird, nimm es heraus und wirf es von dir, denn es ist für dich nützlich, dass eines deiner Glieder umkomme und nicht dein ganzer Leib in die Hölle* geworfen werde. 30 Und wenn deine rechte Hand für dich ein Anstoß ‹zum Stolpern und Fallen› wird, haue sie ab und wirf sie von dir, denn es ist für dich nützlich, dass eines deiner Glieder umkomme und nicht dein ganzer Leib in die Hölle* geworfen werde.

    31 Es wurde gesagt: ‘Wer immer sich von seiner Frau scheidet, gebe ihr einen Scheidebrief[61].’

    32 Aber ich sage euch: Wer immer sich von seiner Frau scheidet, außer aufgrund von Unzucht[62], macht, dass sie Ehebruch begeht[63], und wer immer die Geschiedene heiratet, begeht Ehebruch.

 

33 Wiederum hörtet ihr, dass zu den Alten gesagt wurde: ‘Du sollst* nicht einen falschen Eid tun! Du sollst* dem Herrn deine Eide erfüllen.’

    34 Aber ich sage euch: [Ihr sollt] überhaupt nicht schwören! – auch nicht beim Himmel, weil er Thron Gottes ist, 35 auch nicht bei der Erde, weil sie Schemel seiner Füße ist, auch nicht bei Jerusalem, weil sie Stadt des großen Königs ist. 36 Schwöre auch nicht bei deinem Kopf! – weil du nicht ein Haar weiß oder schwarz machen kannst. 37 Euer Wort sei: Ja: Ja; Nein: Nein. Aber was über dieses hinausgeht, ist vom Bösen.

 

38 Ihr hörtet, dass gesagt wurde: ‘Auge für Auge’ und: ‘Zahn für Zahn.’ {2M 21,24; 3M 24,20}

    39 Aber ich sage euch: Dem Bösen ist nicht Widerstand zu leisten, sondern wer immer dich auf deine rechte Wange schlagen wird, ihm kehre auch die andere zu. 40 Und dem, der mit dir rechten und dein Leibhemd nehmen will, überlasse auch den Mantel. 41 Und wer immer dich zu einem Dienst nötigen wird für eine Meile, mit ihm gehe zwei. 42 Dem, der dich bittet, gib, und von dem, der von dir borgen will, wende dich nicht ab.

 

43 Ihr hörtet, dass gesagt wurde: ‘Du sollst* deinen Nächsten[64] lieben’ {3M 19,18} ‘und deinen Feind hassen’.

    44 Aber ich sage euch: Liebt eure Feinde! °Segnet[65], die euch fluchen! Tut wohl denen, die euch hassen°, und betet für die, die euch beleidigend behandeln und euch verfolgen, 45 auf dass ihr Söhne eures Vaters werdet, der in den Himmeln ist, weil er seine Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und regnen lässt auf Gerechte und Ungerechte; 46 denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zolleinnehmer[66] dasselbe? 47 Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Außergewöhnliches?[67] Tun so nicht auch die Zolleinnehmer?

 

48 Seid ihr also vollkommen, gleichwie auch euer Vater, der in den Himmeln, vollkommen ist.

 

6 1 Gebt Acht, dass ihr eure Almosen[68] nicht vor den Menschen gebt, um von ihnen angeschaut zu werden. Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. 2 Wann immer du also ein Almosen gibst, posaune nicht vor dir her, gleichwie die Heuchler es in den Synagogen und auf den Straßen tun, auf dass sie von den Menschen verherrlicht werden. Wahrlich! Ich sage euch: Sie haben ‹bereits› ihren ‹ganzen› Lohn. 3 Aber du, wenn du ein Almosen gibst, soll deine Linke nicht merken, was deine Rechte tut, 4 auf dass dein Almosen im Verborgenen sei. Und dein Vater, der im Verborgenen zusieht, er selbst wird dir im Sichtbaren vergelten.

    5 Und wann immer du betest, sollst du nicht gleichwie die Heuchler sein. Sie haben es gern, in den Synagogen und an den Straßenecken zu stehen und zu beten, auf dass sie vor den Menschen sichtbar sind. Wahrlich! Ich sage euch: Sie haben ‹bereits› ihren ‹ganzen› Lohn. 6 Aber du, wann immer du betest, gehe in deine Kammer, schließe die Tür und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Und dein Vater, der im Verborgenen zusieht, wird dir im Sichtbaren vergelten.

    7 Wenn ihr betet, plappert nicht wie die Heidnischen, denn sie meinen, in ihrem vielen Wortemachen werden sie erhört werden. 8 Werdet ihnen also nicht gleich, denn euer Vater weiß, was ihr braucht, ehe ihr ihn bittet.

    9 Betet ihr also auf diese Weise:

    ‘Unser Vater, der in den Himmeln [ist]:

    Geheiligt werde dein Name.

    10 Dein Königreich komme.

    Dein Wille geschehe, wie [er] im Himmel [geschieht], auch auf der Erde.

    11 Unser Brot, das wir für den Tag brauchen[69], gib uns heute.

    12 Und vergib uns unsere Verschuldungen, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben.

    13 Und bringe uns nicht in Versuchung hinein[70], sondern befreie uns von dem Bösen[71], °weil dein das Königreich ist und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit*.°

    Amen.’

    14 Wenn ihr nämlich den Menschen ihre Übertretungen vergebt, wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen ihre Übertretungen nicht vergebt, wird euer Vater eure Übertretungen auch nicht vergeben.

    16 Wann immer ihr fastet, werdet nicht gleichwie die Heuchler mit finsterem Blick, denn sie entstellen ihr Gesicht, auf dass sie vor den Menschen sichtbar sind als Fastende. Wahrlich! Ich sage euch: Sie haben ‹bereits› ihren ‹ganzen› Lohn. 17 Aber du, wenn du fastest, salbe deinen Kopf und wasche dein Gesicht, 18 auf dass du nicht vor den Menschen als Fastender sichtbar bist, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist. Und dein Vater, der im Verborgenen zusieht, wird dir im Sichtbaren vergelten.

 

19 Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Fraß[72] zunichte machen und wo Diebe durchgraben und stehlen. 20 Sammelt euch aber ‹stetig› Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Fraß zunichte macht und wo Diebe nicht durchgraben und stehlen, 21 denn wo euer Schatz ist, dort wird auch euer Herz sein.

    22 Die Lampe des Leibes ist das Auge. Wenn also dein Auge einfach[73] ist, wird dein ganzer Leib erleuchtet sein. 23 Wenn dein Auge aber böse ist, wird dein ganzer Leib dunkel sein. Wenn also das Licht in dir Dunkelheit ist, wie groß [ist] die Dunkelheit!

    24 Niemand kann zwei Herren Leibeigenendienst verrichten, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott Leibeigenendienst verrichten und dem Mammon.

    25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um eure Seele[74], was ihr essen sollt und was ihr trinken sollt, noch um euren Leib, was ihr euch anziehen sollt. Ist nicht die Seele mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? 26 Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, noch ernten sie, noch sammeln sie in Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie ‹fortwährend›. Unterscheidet ihr euch nicht um vieles von ihnen? 27 Wer von euch kann dadurch, dass er sich sorgt, seiner Lebenslänge[75] eine Elle hinzufügen?

    28 Und warum sorgt ihr euch um Kleidung? Achtet auf die Feldlilien ‹und lernt von ihnen›, wie sie wachsen. Sie arbeiten nicht, noch spinnen sie. 29 Ich sage euch: Nicht einmal Salomo in aller seiner Herrlichkeit umkleidete sich[76] wie eine von diesen. 30 Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute da ist und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, [wird er es] nicht viel mehr euch [tun], Kleingläubige?

    31 Sorgt euch also nicht und sagt [nicht]: ‘Was sollen wir essen?’ oder: ‘Was sollen wir trinken?’ oder: ‘Womit sollen wir umkleidet werden?’ 32 (denn nach solchem allem trachten die, die von den Völkern sind), denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dieses alles bedürft. 33 Trachtet aber ‹stets› zuerst nach dem Königreich °Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dieses alles wird euch hinzugefügt werden. 34 Sorgt euch also nicht für das Morgen, denn das Morgen wird sich um das Eigene sorgen. Für den [heutigen] Tag ist sein Übel genug.

 

7 1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet, 2 denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch wiederum gemessen werden.

    3 Was siehst du auf den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, nimmst aber den Balken in deinem Auge nicht wahr? 4 Oder wie wirst[77] du zu deinem Bruder sagen: ‘Lass mich den Splitter aus deinem Auge[78] entfernen’, und – siehe! – der Balken [ist] in deinem Auge? 5 Heuchler! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klare Sicht haben, den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu entfernen.

 

6 Gebt das Heilige nicht den Hunden! Werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie sie nicht mit ihren Füßen zertreten und sich wenden und euch zerreißen.

 

7 Bittet[79], und es wird euch gegeben werden; sucht[80], und ihr werdet finden; klopft an[81], und es wird euch geöffnet werden; 8 denn jeder, der bittet[82], empfängt, und der, der sucht, findet, und dem, der anklopft, wird geöffnet werden.

9 Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn um Brot bitten sollte, ihm einen Stein reichen wird? 10 Und wenn er um einen Fisch bitten sollte, wird er ihm eine Schlange reichen? 11 Wenn ihr also, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln [ist], Gutes geben denen, die ihn bitten?

 

12 Alles also, was immer ihr wollt, dass Menschen es euch tun sollen, auf diese Weise tut auch ihr ihnen, denn dieses ist das Gesetz und die Propheten.

 

13 Geht ein durch das enge Tor, weil das Tor weit ist und der Weg breit, der wegführt ins Verderben, und es sind viele, die durch dasselbe eingehen, 14 weil das Tor eng ist und der Weg eingeengt, der wegführt ins Leben. Und es sind wenige, die es[83] finden.

 

15 Nehmt euch ‹stets› in Acht vor den falschen Propheten, welche in Schafskleidern zu euch kommen, im Inneren aber reißende Wölfe sind. 16 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man von Dornen [die Wein]traube oder von Disteln Feigen? 17 So bringt jeder gute Baum edle Früchte, aber der faule Baum bringt schlechte Früchte. 18 Es kann nicht ein guter Baum schlechte Früchte bringen noch ein fauler Baum edle Früchte. 19 Jeder Baum, der nicht edle Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 20 Demnach: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.

    21 Nicht jeder, der zu mir sagt: ‘Herr, Herr’, wird in das Königreich der Himmel eingehen, sondern der, der den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.

    22 Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: ‘Herr, Herr, weissagten wir nicht durch deinen Namen, und trieben wir nicht durch deinen Namen Dämonen aus, und taten wir nicht durch deinen Namen viel Kräftiges[84]?’

    23 Und dann werde ich ihnen bekennen: ‘Niemals kannte ich euch[85]. Weicht von mir, die ihr das Gesetzlose[86] wirkt!’

 

24 Jeder also, der irgend auf diese meine Worte hört und sie tut, ihn werde ich vergleichen mit einem klugen Mann, welcher sein Haus auf den Felsen baute. 25 Und es kam der Regen nieder, und es kamen die Ströme, und es wehten die Winde, und sie[87] schlugen gegen jenes Haus. Und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet worden.

    26 Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird mit einem törichten Mann verglichen werden, welcher sein Haus auf den Sand baute. 27 Und es kam der Regen nieder, und es kamen die Ströme, und es wehten die Winde, und sie schlugen gegen jenes Haus. Und es fiel. Und sein Fall war groß.“

 

28 Und es geschah, als Jesus diese Worte zu Ende geführt hatte, waren die Mengen in Erstaunen über seine Lehre, 29 denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht* hatte, und nicht wie die Schriftgelehrten.

 

8 1 Als er vom Berg niedergestiegen war, folgten ihm zahlreiche* Mengen.

    2 Und – siehe – ein Aussätziger kam, huldigte ihm[88] und sagte: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen!“

    3 Und Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn an und sagte: „Ich will. Sei gereinigt!“

    Und sogleich wurde sein Aussatz gereinigt.

    4 Und Jesus sagt zu ihm: „Sieh, dass du es niemandem sagst, sondern gehe hin, zeige dich dem Priester und bringe die Gabe dar, die Mose anordnete – ihnen zu einem Zeugnis.“

 

5 Als Jesus nach Kaperna-um gekommen war, in [den Ort], kam ein Hauptmann zu ihm mit einem Bittruf an ihn:

    6 „Herr,“ sagte er, „mein Knecht ist gelähmt und muss im Hause daniederliegen: Er hat furchtbare Qual.“

    7 Und Jesus sagt ihm: „Ich komme und werde ihn heilen.“

    8 Und der Hauptmann antwortete* und sagte: „Herr, ich bin nicht wert, dass du eingehst unter mein Dach, sondern sprich nur ein Wort, und mein Knecht wird geheilt werden, 9 denn auch ich bin ein Mensch unter Autorität[89], der ich Soldaten unter mir selbst habe, und ich sage zu diesem: ‘Geh hin!’, und er geht hin, und zu einem anderen: ‘Komm!’, und er kommt, und zu meinem leibeigenen Knecht: ‘Mach das!’, und er macht es.“

    10 Als Jesus das hörte, verwunderte er sich und sagte zu denen, die ihm folgten: „Wahrlich! Ich sage euch: Selbst in Israel habe ich nicht einen so großen Glauben gefunden.

    11 Ich sage euch: Viele werden kommen vom Osten und Westen her[90] und sich mit Abraham und Isaak und Jakob im Königreich der Himmel [zu Tisch] lagern, 12 aber die Söhne des Königreiches werden hinausgeworfen werden in die Finsternis ganz draußen. Dort wird das Weinen sein und das Zähneknirschen.“

    13 Und Jesus sagte zum Hauptmann: „Gehe hin! Und es geschehe dir, wie du glaubtest.“

    Und in jener Stunde wurde sein Knecht geheilt.

 

14 Als Jesus in das Haus des Petrus kam, sah er dessen Schwiegermutter mit Fieber daniederliegen. 15 Und er rührte ihre Hand an, und das Fieber verließ sie. Und sie stand auf und diente ihnen.

    16 Als es Abend geworden war, brachten sie viele Dämonisierte[91] zu ihm. Und er trieb die Geister aus durch ein Wort, und er heilte alle, denen es übel ging, 17 auf dass erfüllt werde, was durch Jesaja, den Propheten, geredet wurde, als er sagte:

    „Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten.“ {Jes 53,4}

 

18 Als Jesus zahlreiche* Mengen um sich sah, befahl er, zum jenseitigen Ufer abzufahren.

    19 Und ein Schriftgelehrter kam heran und sagte zu ihm: „Lehrer, ich will dir folgen, wohin immer du gehst.“

    20 Jesus sagt ihm: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels ‹Nester als› Wohnplätze, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er das Haupt neige.“

    21 Ein anderer von seinen Jüngern sagte zu ihm: „Herr, erlaube mir, zuvor hinzugehen und meinen Vater zu begraben.“

    22 Jesus sagte zu ihm: „Folge mir und lass die Toten ihre Toten begraben!“

 

23 Und er stieg in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. 24 Und – siehe! – es entstand ein großes Beben im See, sodass das Schiff von den Wellen bedeckt wurde. Aber er schlief.

    25 Und seine Jünger traten hinzu, weckten ihn mit den Worten: „Herr, rette uns! Wir kommen um!“

    26 Und er sagt zu ihnen: „Warum seid ihr furchtsam, Kleingläubige?“

    Dann stand er auf und gebot den Winden und dem See nachdrücklich. Und es entstand eine große Stille.[92]

    27 Aber die Menschen verwunderten sich und sagten: „Was für einer ist dieser, dass auch die Winde und der See ihm gehorchen?“

 

28 Und als er ans jenseitige Ufer kam, in das Landgebiet der Gergesener, begegneten ihm zwei Dämonisierte, die aus den Gräbern hervorkamen; ‹sie waren› sehr gefährlich ‹und schwierig[93]›, sodass niemand imstande war, auf jenem Wege vorüberzugehen.

    29 Und – siehe! – sie schrien und sagten: „Was haben wir mit dir zu tun[94], Jesus, Sohn Gottes? Bist du hierher gekommen, uns vor der Zeit zu quälen?“

    30 Fern von ihnen war eine Herde vieler Schweine, die am Weiden ‹war›.

    31 Die Dämonen redeten ihm bittend zu und sagten: „Wenn du uns austreibst, erlaube uns, in die Herde Schweine zu fahren!“[95]

    32 Und er sagte zu ihnen: „Geht hin!“

    Sie fuhren aus und fuhren in die Herde Schweine. Und – siehe! – die ganze Herde von Schweinen stürmte den Abhang hinab in den See, und sie starben in den Wassern. 33 Die, die [sie] weideten, flohen und meldeten, in die Stadt gelangt, alles, auch das von den Dämonisierten.

    34 Und – siehe! – die ganze Stadt ging hinaus, Jesus zu begegnen. Und als sie ihn sahen, redeten sie ihm bittend zu, dass er sich aus ihrem Gebiet entferne.

 

9 1 Und er stieg in das Schiff, setzte über und kam in seine eigene Stadt. 2 Und – siehe – man trug zu ihm hin einen Gelähmten, der auf einer Liegematte daniederlag.

    Und als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: „Sei guten Mutes, Kind. Deine Sünden sind dir vergeben.“

    3 Und – siehe! – etliche von den Schriftgelehrten sagten bei sich selbst: „Dieser lästert.“

    4 Und als Jesus ihre Erwägungen sah, sagte er: „Warum bedenkt ihr in euren Herzen Böses? 5 – denn was ist leichter: zu sagen: ‘Dir sind die Sünden vergeben’, oder zu sagen: ‘Stehe auf und gehe’?

    6 Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht* hat, auf der Erde Sünden zu vergeben,“ sagt er dann zu dem Gelähmten: „Stehe auf. Nimm deine Liegematte auf und gehe hin in dein Haus.“

    7 Und er stand auf und ging weg in sein Haus.

    8 Als die Mengen es sahen, verwunderten sie sich und verherrlichten Gott, der den Menschen solche Vollmacht* gab.

 

9 Als Jesus von dort weiterging, sah er einen Menschen an der Zollstätte sitzen; er hieß Matthäus.

    Und er sagt zu ihm: „Folge mir!“

    Und er stand auf und folgte ihm.

    10 Und es geschah, als er im Hause [zu Tisch] lag, – siehe! – da kamen viele Zolleinnehmer[96] und Sünder und lagen mit Jesus und seinen Jüngern [zu Tisch].

    11 Als die Pharisäer es sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: „Weshalb isst euer Lehrer mit den Zolleinnehmern und Sündern?“

    12 Jesus hörte es und sagte ihnen: „Nicht die Starken brauchen den Arzt, sondern die, denen es übel geht. 13 Geht hin und lernt, was das ist: ‘Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer.’ {Hos 6,6} – denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße*.“

 

14 Dann kommen die Jünger des Johannes zu ihm und sagen: „Weshalb fasten wir und die Pharisäer viel, aber deine Jünger fasten nicht?“

    15 Und Jesus sagte zu ihnen: „Können die Söhne[97] des Brautgemachs[98] trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann werden sie fasten.

    16 Niemand setzt ein Stück Stoff[99] von ungewalktem[100] Tuch auf ein altes Oberkleid auf, denn das Eingesetzte reißt vom Oberkleid ab, und der Riss wird schlimmer. 17 Auch tut man nicht neuen ‹frischen› Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißen die Schläuche, und der Wein wird verschüttet werden, und die Schläuche werden zerstört werden; sondern man füllt neuen ‹frischen› Wein in neuartige Schläuche, und beide bleiben erhalten.“

 

18 Während er dieses zu ihnen redete, – siehe – da kam ein Vorsteher herein und huldigte ihm[101]; und er sagte: „Meine Tochter ist soeben an [ihr] Lebensende gekommen. Komm jedoch und lege deine Hand auf sie, und sie wird leben!“

    19 Jesus stand auf und folgte ihm. Auch seine Jünger [folgten].

    20 Und – siehe – eine Frau, die zwölf Jahre mit einem Blutfluss behaftet war, trat von hinten herzu und rührte die Quaste seines Oberkleides an, 21 denn sie sagte bei sich selbst[102]: „Wenn ich nur sein Oberkleid anrühre, werde ich heil gemacht werden[103].“

    22 Jesus wandte sich um, und als er sie sah, sagte er: „Sei guten Mutes, Tochter! Dein Glaube hat dich heil gemacht[104].“

    Und von jener Stunde an war der Frau geholfen.

 

23 Und als Jesus in das Haus des Vorstehers kam und die Flötenspieler sah und die Menge, wie sie einen Tumult machte, 24 sagt er zu ihnen: „Macht euch davon, denn das Mädchen ist nicht gestorben, sondern es schläft!“

    Und sie lachten ihn aus.

    25 Als die Menge hinausgetan war, ging er hinein und griff sie bei der Hand. Und das Mädchen wurde erweckt ‹und richtete sich auf›.

    26 Und die Nachricht hiervon ging aus in jenes ganze Land.

 

27 Und als Jesus von dort weiterging, folgten ihm zwei Blinde, die ‹laut› riefen und sagten: „Erbarme dich über uns, Sohn Davids!“

    28 Als er ins Haus gekommen war, kamen die Blinden auf ihn zu.

    Und Jesus sagt zu ihnen: „Glaubt ihr, dass ich dieses tun kann?“

    Sie sagen ihm: „Ja, Herr.“

    29 Dann rührte er ihre Augen an und sagte: „Euch geschehe nach eurem Glauben.“

    30 Und ihre Augen wurden aufgetan.

    Und Jesus verpflichtete sie mit allem Ernst und sagte: „Seht, dass niemand es erfahre!“

    31 Aber sie gingen aus und verbreiteten es in jener ganzen Gegend.

 

32 Und während die ausgingen, – siehe – da brachten sie einen Menschen zu ihm, einen stummen Dämonisierten[105]. 33 Und als der Dämon ausgetrieben war, redete der Stumme.

    Und die Mengen verwunderten sich und sagten: „Noch nie wurde so [etwas] in Israel gesehen!“

    34 Aber die Pharisäer sagten[106]: „Er treibt die Dämonen durch den Obersten der Dämonen aus.“

 

35 Und Jesus durchzog ‹nach und nach› alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und verkündete die gute Botschaft vom Königreich[107]. Und er heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen im Volk. 36 Aber als er die Mengen sah, wurde er von Erbarmen bewegt über sie, weil sie ermattet und verschmachtet waren, wie Schafe, die keinen Hirten haben.

    37 Dann sagt er zu seinen Jüngern: „In der Tat, die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. 38 Fleht also zum Herrn der Ernte, auf dass er Arbeiter in seine Ernte hinausschaffe[108]!“

 

10 1 Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Vollmacht* – über unreine Geister, sie auszutreiben, auch jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen.

    2 Die Namen der zwölf Apostel sind diese: der erste: Simon, genannt Petrus, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, der [Sohn] des Zebedäus, und Johannes, sein Bruder; 3 Philippus und Bartholomäus[109]; Thomas und Matthäus, der Zolleinnehmer; Jakobus, der [Sohn] des Alphäus[110], und Lebbäus, zusätzlich Thaddäus genannt; 4 Simon, der Kananiter[111], und Judas Iskariot[112], der ihn auch auslieferte.

    5 Diese Zwölf sandte Jesus aus, nachdem er ihnen Anweisung gegeben und gesagt hatte: „Geht nicht auf einen Weg derer, die von den Völkern sind, und geht nicht in eine Stadt der Samariter. 6 Geht vielmehr hin zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.

    7 Wenn ihr hingeht, verkündet und sagt: ‘Das Königreich der Himmel hat sich genaht.’

    8 Heilt Kranke. Reinigt Aussätzige. Weckt Tote auf. Treibt Dämonen aus.

    Geschenkweise habt ihr empfangen; geschenkweise gebt. 9 Erwerbt euch nicht Gold noch Silber noch Kupfer[113] in eure Gürtel, 10 keine Tasche für den Weg noch zwei Leibhemden noch Schuhe noch einen Stab; denn der Arbeiter ist seiner Nahrung würdig.

    11 In welche Stadt oder in welches Dorf auch immer ihr hineingehen mögt, erkundigt euch, wer darin würdig ist. Und bleibt dort, bis ihr hinausgeht. 12 Wenn ihr in das Haus eintretet, grüßt es. 13 Und wenn das Haus tatsächlich würdig ist, komme euer Friede auf es. Wenn es aber nicht würdig ist, kehre euer Friede zu euch zurück. 14 Und wer immer euch nicht aufnehmen noch eure Worte hören wird – geht hinaus aus jenem Hause oder jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen. 15 Wahrlich! Ich sage euch: Es wird dem Lande von Sodom und Gomorra erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als jener Stadt!

 

16 Siehe: Ich sende euch wie Schafe inmitten von Wölfen. Werdet also klug wie die Schlangen und arglos[114] wie die Tauben. 17 Nehmt euch in Acht vor den Menschen, denn sie werden euch an [Gerichte des] Hohen Rates[115] ausliefern und in ihren Synagogen euch geißeln. 18 Und auch vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt werden meinetwegen, ihnen und den Völkern[116] zum Zeugnis.

    19 Wenn sie euch ausliefern, sorgt euch nicht, wie oder was ihr reden sollt, denn es wird euch in jener Stunde gegeben werden, was ihr reden werdet[117], 20 denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Geist eures Vaters [ist es], der in euch redet.

    21 Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode ausliefern und der Vater das Kind, und Kinder werden sich erheben gegen die Eltern und sie zu Tode bringen. 22 Und ihr werdet Gehasste sein bei allen meines Namens wegen. Aber der, der bis zum Ende Ausdauer bewahrt haben wird, der wird gerettet[118] werden.

    23 Wenn sie euch verfolgen in dieser Stadt, flieht in die andere, denn – wahrlich! – ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels keinesfalls zu Ende kommen, bis der Sohn des Menschen gekommen ist.

    24 Ein Jünger[119] ist nicht über dem Lehrer und ein leibeigener Knecht nicht über seinem Herrn. 25 Es ist dem Jünger genug, dass er werde wie sein Lehrer und der leibeigene Knecht wie sein Herr. Wenn sie den Hausherrn Be-elzebul nannten, wie viel mehr seine Hausgenossen! 26 Fürchtet sie also nicht, denn es ist nichts verhüllt, das nicht enthüllt werden wird, und nichts verborgen, das nicht in Erfahrung gebracht werden wird. 27 Was ich euch sage in der Dunkelheit, sagt im Licht, und was ihr ins Ohr [gesprochen] hört, verkündet auf den Dächern! 28 Und fürchtet nicht die[120], die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können. Fürchtet vielmehr den, der sowohl Seele wie auch Leib verderben kann in der Hölle*. 29 Werden nicht zwei kleine Sperlinge für ein Ass[121] verkauft? Und nicht einer von ihnen wird auf die Erde fallen ohne euren Vater. 30 Aber bei euch sind auch die Haare des Hauptes alle gezählt. 31 Fürchtet euch also nicht! Ihr seid vorzüglicher als viele kleine Sperlinge.

    32 Jeder also, welcher sich vor den Menschen zu mir bekennen wird, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist. 33 Aber wer irgend mich verleugnen wird vor den Menschen, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist.

    34 Meint nicht, dass ich kam, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich kam nicht, Frieden zu bringen, sondern das Schwert; 35 denn ich kam, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und eine Tochter mit ihrer Mutter und eine Schwiegertochter[122] mit ihrer Schwiegermutter. 36 Und es werden eines Menschen Feinde seine Hausgenossen sein. 37 Wer Vater oder Mutter lieber hat als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer Sohn oder Tochter lieber hat als mich, ist meiner nicht würdig. 38 Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir folgt – hinter mir her –, ist meiner nicht würdig. 39 Wer seine Seele[123] fand[124], wird sie verlieren. Und wer seine Seele meinetwegen verlor[125], wird sie finden.

    40 Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich sandte. 41 Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen[126], wird eines Propheten Lohn empfangen. Und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen[127], wird eines Gerechten Lohn empfangen. 42 Und wer immer einem dieser Geringen[128] nur einen Becher kaltes [Getränk] zu trinken gibt im Namen eines Jüngers[129] – wahrlich! – ich sage euch: Er wird auf keinen Fall seinen Lohn verlieren.“

 

11 1 Und es geschah, als Jesus seine Anordnungen an seine zwölf Jünger beendet hatte, ging er von dort weiter, zu lehren und zu verkünden in ihren Städten.

    2 Als Johannes in der Haft vom Wirken[130] des Gesalbten hörte, schickte er zwei seiner Jünger 3 und sagte zu ihm: „Bist du der Kommende, oder sollten wir auf einen anderen warten?“

    4 Und Jesus antwortete und sagte ihnen: „Geht hin und gebt Johannes Bericht von dem, was ihr hört und seht: 5 Blinde sehen wieder, und Lahme gehen. Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören. Tote werden erweckt, und Armen wird gute Botschaft gesagt. 6 Und ein Seliger ist, wer irgend nicht an mir Anstoß nimmt ‹und stolpert und so zu Fall kommt›!“

    7 Als die hingingen, fing Jesus an, zu den Mengen über Johannes zu sprechen: „Was gingt ihr in die Wüste hinaus [euch] anzusehen? Ein Rohr, vom Wind ins Schwanken versetzt?

    8 Was sonst gingt ihr hinaus zu sehen? Einen Menschen, mit weichen Oberkleidern gekleidet? Siehe: Die, die das Weiche tragen, sind in den Häusern der Könige.

    9 Was sonst gingt ihr hinaus zu sehen? Einen Propheten? Ja, sage ich euch, und reichlich mehr als einen Propheten; 10 denn dieser ist es, über den geschrieben worden ist: ‘Siehe! Ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten wird!’ {Vgl. Mal 3,1.}

    11 Wahrlich! Ich sage euch: Es ist unter von Frauen Geborenen nicht ein Größerer erweckt worden als Johannes, der Täufer. Aber der Kleinere[131] im Königreich der Himmel ist größer als er ist. 12 Von den Tagen Johannes, des Täufers, bis jetzt bricht sich das Königreich der Himmel mit Macht[132] Bahn, und die, die Gewalt[133] anlegen, raffen es an sich; 13 denn alle Propheten und das Gesetz weissagten bis Johannes[134]. 14 Und, wenn ihr es annehmen wollt, er ist Elia, der kommen soll.

    15 Wer Ohren zum Hören hat, höre[135].

    16 Womit werde ich dieses Geschlecht vergleichen? Es ist kleinen Kindern gleich, die auf den Marktplätzen sitzen und ihren Kameraden zurufen 17 und sagen: ‘Wir flöteten euch, und ihr tanztet nicht! Wir sangen euch Klagelieder, und ihr wehklagtet nicht!’[136] 18 – denn es kam Johannes, aß nicht und trank nicht, und sie sagen: ‘Er hat einen Dämon.’ 19 Es kam der Sohn des Menschen: Er isst und trinkt, und sie sagen: ‘Siehe! Ein Mensch, der ein Fresser ist und ein Weinsäufer, ein Freund von Zolleinnehmern und Sündern!’ Und gerechtfertigt wurde die Weisheit[137] von Seiten ihrer °Kinder.“[138]

    20 Dann fing er an, den Städten, in denen die meisten seiner Krafttaten[139] geschehen waren, Vorwürfe zu machen, weil sie nicht Buße getan hatten[140]:

    21 „Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida[141]! – denn, wenn in Tyrus und Sidon die Krafttaten geschehen wären, die bei euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße* getan. 22 Doch ich sage euch: Es wird für Tyrus und Sidon erträglicher sein am Tage des Gerichts als für euch.

    23 Und du, Kaperna-um, die du bis zum Himmel erhöht wurdest: Bis zum Bereich des Todes* wirst du hinabgestoßen werden! – denn, wenn in Sodom die Krafttaten geschehen wären, die bei dir geschehen sind, es wäre geblieben bis zum heutigen Tage. 24 Doch ich sage euch: Es wird für das Land der Sodomer erträglicher sein am Tage des Gerichts als für dich.“

 

25 Zu jener Zeit antwortete* Jesus und sagte: „Ich bekenne dir ‹Lob›, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dieses vor Weisen und Verständigen verbargst und es Unmündigen offenbartest*. 26 Ja, Vater! – weil es so Wohlgefallen fand vor dir.“

    27 „Alles wurde mir übergeben von meinem Vater, und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und wem immer [ihn] der Sohn offenbaren* will.

    28 Kommt her zu mir, alle, die ihr arbeitet[142] und beladen seid, und ich werde euch ausruhen lassen. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt[143] von mir, weil ich sanftmütig bin und von Herzen demütig, und ‘ihr werdet Rast finden für eure Seelen’, {Jer 6,16} 30 denn mein Joch ist milde[144], und meine Last ist leicht.“

 

12 1 Zu jener Zeit zog Jesus am Sabbat durch die Saaten. Es hungerte seine Jünger, und sie fingen an, Ähren zu raufen und zu essen.

    2 Als die Pharisäer es sahen, sagten sie zu ihm: „Siehe! Deine Jünger tun, was nicht gestattet ist, am Sabbat zu tun.“

    3 Er sagte zu ihnen: „Last ihr nicht, was David tat, als ihn hungerte, ihn selbst und die mit ihm waren? 4 – wie er in das Haus Gottes hineinging und die Schaubrote aß, die zu essen ihm nicht gestattet war noch denen, die mit ihm waren, als nur den Priestern allein? 5 Oder last ihr nicht im Gesetz, dass am Sabbat die Priester in der Tempelstätte den Sabbat entweihen und schuldlos sind? 6 Ich sage euch aber: Ein Größerer als die Tempelstätte ist hier.

    7 Wenn ihr aber gekannt hättet, was das heißt: ‘Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer’ {Hos 6,6}, hättet ihr nicht die Schuldlosen verurteilt; 8 denn der Sohn des Menschen ist Herr auch des Sabbats.“

 

9 Als er von dort weitergegangen war, kam er in ihre Synagoge. 10 Und – siehe – es war ein Mensch da, bei dem die Hand verdorrt war.

    Und sie fragten ihn und sagten: „Ist es gestattet, am Sabbat zu heilen[145]?“ damit sie ihn anklagen könnten.

    11 Er sagte zu ihnen: „Welcher Mensch wird unter euch sein, der ein Schaf hat und, wenn dieses an einem Sabbat in eine Grube fällt, es nicht greifen und hochbringen wird? 12 Wie viel mehr ist also ein Mensch als ein Schaf! Daher ist es an einem Sabbat gestattet, Edles zu tun[146].“

    13 Dann sagt er zu dem Menschen: „Strecke deine Hand aus!“

    Und er streckte sie aus, und sie wurde wiederhergestellt, gesund wie die andere.

    14 Aber die Pharisäer gingen hinaus und hielten Rat gegen ihn, auf dass sie ihn umbrächten. 15 Jesus hatte Kenntnis davon, und er zog sich von dort zurück.

 

Und es folgten ihm zahlreiche* Mengen. Und er heilte sie alle. 16 Und er gebot ihnen nachdrücklich, dass sie ihn nicht bekannt machen sollten, 17 auf dass das erfüllt werde, was durch Jesaja, den Propheten, geredet wurde, als er sagte:

    18 „Siehe! Mein Knecht, den ich [mir] vorzog[147], mein Geliebter[148], an dem meine Seele Wohlgefallen fand! Ich werde meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Völkern Gericht[149] ankünden. 19 Er wird nicht streiten noch schreien, noch wird jemand auf den Straßen seine Stimme hören. 20 Ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen, und einen glimmenden Docht wird er nicht löschen, bis er das Gericht[150] ‹mit Kraft› hinausführe zum Sieg. 21 Und in seinem Namen werden die von den Völkern hoffen.“ {Jes 42,1-4}

 

22 Dann wurde ein Dämonisierter zu ihm gebracht, blind und stumm. Und er heilte ihn, sodass der Blinde und Stumme sowohl redete als auch sah.

    23 Und alle Mengen waren erstaunt und sagten: „Ist dieser nicht der Sohn Davids?“

    24 Als die Pharisäer es hörten, sagten sie: „Dieser treibt die Dämonen nicht aus, es sei denn durch Be-elzebul, den Obersten der Dämonen.“

    25 Da Jesus um ihre Erwägungen wusste, sagte er ihnen: „Jedes Königreich, das gegen sich selbst entzweit ist, wird verwüstet. Und jede Stadt, die mit sich selbst entzweit ist, oder ein Haus, [das mit sich selbst entzweit ist], wird nicht bestehen. 26 Und wenn der Satan[151] den Satan austreibt, wurde er gegen sich selbst entzweit. Wie wird also sein Königreich bestehen? 27 Und wenn ich die Dämonen durch Be-elzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne aus? Deswegen werden sie[152] eure Richter sein! 28 Aber wenn ich durch den Geist Gottes die Dämonen austreibe, dann ist das Königreich Gottes zu euch gekommen[153]. 29 Oder wie kann jemand in das Haus des Starken hineingehen und seine Geräte rauben[154], wenn er nicht zuvor den Starken gebunden hat? Dann wird er sein Haus berauben. 30 Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.

    31 Deswegen sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird den Menschen nicht vergeben werden. 32 Und wer auch immer ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, ihm wird vergeben werden; aber wer auch immer gegen den Heiligen Geist redet, ihm wird nicht vergeben werden, weder in dieser Weltzeit* noch in der kommenden.

    33 Macht entweder den Baum edel, dann ist seine Frucht edel, oder macht den Baum faul, dann ist seine Frucht faul, denn an der Frucht kennt man den Baum.

    34 Schlangenbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? – denn aus der Überfülle des Herzens redet der Mund. 35 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz des Herzens das Gute hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz Böses hervor.

    36 Ich sage euch: Jedes müßige ‹gesprochene› Wort*, was auch immer die Menschen reden, darüber werden sie am Tage des Gerichts Rechenschaft geben, 37 denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verurteilt werden.“

 

38 Dann antworteten* einige der Schriftgelehrten und Pharisäer und sagten: „Lehrer, wir wollen ein Zeichen von dir sehen.“

    39 Aber er antwortete und sagte ihnen: „Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht trachtet nach einem Zeichen, und ein Zeichen wird ihm nicht gegeben werden als nur das Zeichen Jonas, des Propheten, 40 denn wie Jona im Bauch des großen Meerungeheuers war drei Tage und drei Nächte, so wird der Sohn des Menschen im Herzen der Erde sein drei Tage und drei Nächte[155].

    41 Männer von Ninive[156] werden im Gericht aufstehen mit diesem Geschlecht und werden es verurteilen, weil sie Buße taten[157] auf die Verkündigung des Jona hin. Und – siehe! – mehr als Jona ist hier.

    42 Die Königin des Südens wird im Gericht auftreten mit diesem Geschlecht und wird es verurteilen, weil sie von den jenseitigen Teilen der Erde kam, die Weisheit Salomos zu hören. Und – siehe! – mehr als Salomo ist hier.

    43 Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, durchwandert er wasserlose Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht.

    44 Dann sagt er: ‘Ich werde zu meinem Haus zurückkehren, von dem ich ausging.’

    Und wenn er kommt, findet er es leer stehend, gefegt und geschmückt vor. 45 Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister zu sich, die böser sind als er selbst, und sie fahren ein und wohnen dort. Und es wird das Letzte jenes Menschen ‹nach und nach› schlimmer als das Erste. So wird es auch bei diesem bösen Geschlecht sein.“

 

46 Während er noch zu den Mengen redete – siehe – die Mutter und seine Brüder standen [bereits] ‹eine Zeitlang› draußen und suchten, mit ihm zu reden.

    47 Einer sagte ihm: „Siehe! Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und suchen, mit dir zu reden.“

    48 Aber er antwortete und sagte zu dem, der zu ihm redete: „Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?“

    49 Und er streckte seine Hand aus über seine Jünger und sagte: „Siehe! Meine Mutter und meine Brüder! 50 – denn wer irgend den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist, der ist mein Bruder und [meine] Schwester und [meine] Mutter.“

 

13 1 An jenem Tage ging Jesus aus dem Haus weg und setzte sich an den See. 2 Und es versammelten sich zahlreiche* Mengen zu ihm hin, sodass er in das Schiff stieg und sich setzte. Und die ganze Menge stand am Ufer. 3 Und er redete vieles zu ihnen in Gleichnissen:

    „Siehe!“ sagte er. „Der Sämann ging aus zu säen. 4 Als er säte, fiel das eine an den Weg hin, und es kamen die Vögel und fraßen es auf. 5 Anderes fiel auf das Felsige, wo es[158] nicht viel Erde hatte. Und es ging sogleich auf, weil es nicht tiefe Erde hatte. 6 Aber als die Sonne hochstieg, wurde es versengt, und weil es nicht Wurzel hatte, verdorrte es. 7 Anderes fiel auf die Dornen. Und die Dornen wuchsen empor und erstickten es völlig. 8 Anderes fiel auf die edle Erde und gab Frucht, etliches hundertfältig, etliches sechzigfältig, etliches dreißigfältig. 9 Wer Ohren zum Hören hat, höre[159]!“

 

10 Und die Jünger traten herzu und sagten zu ihm: „Weshalb redest du zu ihnen in Gleichnissen?“

    11 Er antwortete und sagte ihnen: „Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Königreiches der Himmel zu kennen, aber jenen ist es nicht gegeben; 12 denn wer hat, dem wird gegeben werden und in reichem Maße gewährt werden. Aber wer nicht hat, von dem wird auch genommen werden, was er hat. 13 Deswegen rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehend nicht sehen und hörend nicht hören noch vernehmen ‹und verstehen›. 14 Und an ihnen wird die Weissagung Jesajas erfüllt, die lautet:

    ‘Hörend werdet ihr hören und gar nicht vernehmen ‹und verstehen›, und hinsehend werdet ihr hinsehen und gar nicht sehen, 15 denn das Herz dieses Volkes wurde empfindungslos, und mit den Ohren wurden sie schwerhörig, und ihre Augen verschlossen sie, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen vernehmen ‹und verstehen› und umkehren möchten und ich sie heilte.’ {Vgl. Jes 6,9.10.}

    16 Aber selig sind eure Augen, dass sie sehen, und eure Ohren, dass sie hören, 17 denn – wahrlich! – ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte begehrten zu sehen, was ihr schaut, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

    18 Ihr also, hört das Gleichnis vom Sämann: 19 Sooft jemand das Wort vom Königreich hört und nicht vernimmt ‹und versteht›, kommt der Böse und raubt, was in seinem Herzen gesät worden ist. Das ist der, [bei dem] an den Weg gesät wurde. 20 Der, [bei dem] auf das Felsige gesät wurde, dieser ist der, der das Wort hört und es sogleich mit Freude aufnimmt. 21 Er hat aber nicht Wurzel in sich, sondern für beschränkte Zeit ist er [da]. Wenn wegen des Wortes Bedrängnis oder Verfolgung entsteht, nimmt er sogleich Anstoß ‹und stolpert›. 22 Der, [bei dem] in die Dornen gesät wurde, dieser ist der, der das Wort hört, und die Sorge der Zeit* dieser ‹Welt›[160] und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und es wird unfruchtbar[161]. 23 Der, [bei dem] auf die edle Erde gesät wurde, dieser ist der, der das Wort hört und vernimmt ‹und versteht›, der tatsächlich Frucht trägt, und der eine bringt[162] hundertfältig, der andere sechzigfältig, der andere dreißigfältig.“

 

24 Ein weiteres Gleichnis legte er ihnen vor und sagte: „Das Königreich der Himmel wurde mit einem Menschen verglichen, der edlen Samen auf sein Feld säte. 25 Aber während die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Lolch[163] mitten unter den Weizen und ging weg. 26 Als die Saat spross und Frucht ansetzte, dann wurde auch der Lolch sichtbar.

    27 Und die leibeigenen Knechte des Hausherrn kamen herzu und sagten zu ihm: ‘Herr, hast du nicht edlen Samen auf dein Feld gesät? Woher hat er denn den Lolch?’

    28 Er sagte ihnen: ‘Das tat ein feindlicher Mensch.’

    Die leibeigenen Knechte sagten zu ihm: ‘Willst du also, dass wir hingehen und ihn zusammenlesen?’

    29 Aber er sagte: ‘Nein, damit ihr nicht etwa beim Zusammenlesen des Lolchs zugleich mit ihm den Weizen mit der Wurzel ausreißt. 30 Lasst beides zusammen wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Lest zuerst den Lolch zusammen und bindet ihn in Bündel, damit man ihn verbrenne. Den Weizen sammelt in meine Scheune!’“

 

31 Ein weiteres Gleichnis legte er ihnen vor und sagte: „Das Königreich der Himmel ist einem Senfkorn gleich, das ein Mensch nahm und auf seinem Feld säte, 32 das in der Tat kleiner ist als alle Samen. Sobald es aber wächst, ist es größer als die Gartengewächse und wird ‹nach und nach› ein Baum[164], sodass die Vögel des Himmels kommen und sich in seinen Zweigen niederlassen.“

    33 Ein anderes Gleichnis redete er zu ihnen: „Das Königreich der Himmel ist einem Sauerteig gleich, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl ‹mengte und› verbarg, bis es ganz durchsäuert wurde.“

    34 Das alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Mengen, und ohne Gleichnis redete er nicht zu ihnen, 35 auf dass das erfüllt werde, was durch den Propheten geredet wurde, als er sagte: „Ich werde meinen Mund auftun in Gleichnissen. Ich werde aussprechen, was von Gründung der Welt an verborgen war.“ {Vgl. Ps 78,2.}

    36 Dann entließ Jesus die Mengen und ging in das Haus.

 

Und seine Jünger traten zu ihm und sagten: „Deute uns das Gleichnis vom Lolch des Feldes.“

    37 Er antwortete und sagte ihnen: „Der den edlen Samen sät, ist der Sohn des Menschen. 38 Das Feld ist die Welt. Der edle Same, das sind die Söhne des Königreiches. Der Lolch sind die Söhne des Bösen. 39 Der Feind, der ihn säte, ist der Teufel. Die Ernte ist die Vollendung der Weltzeit*. Die Schnitter sind [himmlische] Boten[165]. 40 Wie also der Lolch zusammengelesen und mit Feuer verbrannt wird, so wird es in der Vollendung dieser Weltzeit*[166] sein. 41 Der Sohn des Menschen wird seine [himmlischen] Boten* aussenden, und sie werden aus seinem Königreich alle Anstöße, ‹Anlässe des Stolperns und Fallens›, und die, die das Gesetzlose[167] tun, zusammenlesen 42 und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird das Weinen sein und das Zähneknirschen. 43 Dann werden die Gerechten hervorleuchten wie die Sonne im Königreich ihres Vaters.

    Wer Ohren zum Hören hat, höre[168]!“

 

44 „Wiederum ist das Königreich der Himmel gleich einem verborgenen Schatz im Feld, den ein Mensch fand und verbarg. Und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenes Feld.

    45 Wiederum ist das Königreich der Himmel gleich einem Menschen, einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte, 46 der, als er eine sehr kostbare Perle fand, hinging, und er hat alles verkauft, was er hatte. Und er kaufte sie.

    47 Wiederum ist das Königreich der Himmel gleich einem Schleppnetz, das ins Meer geworfen wurde und von allerlei Art zusammenbrachte, 48 das sie, als es gefüllt war, ans Ufer heraufzogen. Und sie setzten sich und lasen die Edlen zusammen in Gefäße, aber die Faulen warfen sie hinaus. 49 So wird es in der Vollendung der Weltzeit* sein: Die [himmlischen] Boten* werden ausgehen, und sie werden die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern, 50 und sie werden sie in den Feuerofen werfen: Dort wird das Weinen sein und das Zähneknirschen.“

    51 Jesus sagt zu ihnen: „Habt ihr das alles verstanden?“

    Sie sagen zu ihm: „Ja, Herr!“

    52 Er sagte zu ihnen: „Deswegen ist jeder Schriftgelehrte, der als Jünger für das Königreich der Himmel unterrichtet wurde, gleich einem Menschen, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.“

    53 Und es geschah, als Jesus diese Gleichnisse beendet hatte, begab er sich von dort weg.

 

54 Und er kam in seine Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Synagoge, sodass sie sehr erstaunten und sagten: „Woher [hat] dieser diese Weisheit und die Kräfte? 55 Ist er nicht der Sohn des °Handwerkers? Wird nicht seine Mutter Maria genannt, und [heißen nicht] seine Brüder Jakobus und Joses und Simon und Judas? 56 Und sind nicht seine Schwestern alle bei uns? Woher also ist diesem das alles?“

    57 Und sie nahmen Anstoß an ihm.

    Aber Jesus sagte zu ihnen: „Ein Prophet ist nicht ohne Ehre außer in seiner Vaterstadt und in seinem Hause.“

    58 Und er übte dort nicht viele Krafttaten[169] aus wegen ihres Unglaubens.

 

14 1 Zu jener Zeit hörte Herodes, der Vierfürst, was man von Jesus erzählte.

    2 Und er sagte zu seinen Knechten: „Dieser ist Johannes, der Täufer. Der wurde von den Toten erweckt, und deswegen wirken die Kräfte in ihm.“ 3 – denn Herodes hatte Johannes gegriffen, ihn gebunden und ins Gefängnis gesetzt wegen Herodias[170], der Frau seines Bruders Philippus, 4 denn Johannes hatte ihm gesagt[171]: „Es ist dir nicht gestattet, sie zu haben.“

    5 Und er hatte ihn töten wollen, fürchtete sich aber vor der Menge, weil sie ihn für einen Propheten hielten.

    6 Als der Geburtstag des Herodes veranstaltet wurde, tanzte die Tochter der Herodias in der Mitte [der Gesellschaft]. Und sie gefiel dem Herodes. 7 Deshalb sagte er mit Eid zu, ihr zu geben, um was sie auch bitten würde.

    8 Sie, zuvor von ihrer Mutter angestiftet, sagt: „Gib mir, hier auf einer Platte, den Kopf des Johannes, des Täufers.“

    9 Und der König wurde betrübt. Aber wegen der Eide und wegen derer, die mit [zu Tisch] lagen, befahl er, er sollte ihr gegeben werden. 10 Und er schickte hin und enthauptete Johannes im Gefängnis. 11 Und sein Kopf wurde auf einer Platte gebracht und dem Mädchen gegeben. Und sie brachte [ihn] ihrer Mutter.

    12 Und seine Jünger kamen herbei, hoben den Leib auf und bestatteten ihn. Und sie gingen und gaben Jesus Bericht.

    13 Als Jesus es hörte, zog er sich von dort in einem Schiff zurück, für sich allein, an einen einsamen, ‹öden› Ort.

 

Als die Mengen davon hörten, folgten sie ihm zu Fuß aus den Städten. 14 Und als Jesus ausstieg, sah er eine zahlreiche Menge, und er wurde über sie von Erbarmen bewegt und heilte ihre Kranken.

    15 Als es Abend geworden war, traten seine Jünger zu ihm mit den Worten: „Der Ort ist einsam, ‹öde›, und die Stunde ist schon vorgeschritten. Entlasse die Mengen, damit sie weggehen in die Dörfer und sich Speise kaufen.“

    16 Jesus sagte zu ihnen: „Sie haben nicht nötig wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen.“

    17 Aber sie sagen ihm: „Wir haben nichts hier als nur fünf Brote und zwei Fische.“

    18 Er sagte: „Bringt sie mir her.“

    19 Und er befahl den Mengen, sich auf das Gras zu lagern. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel und lobte. Und er brach die Brote und gab sie den Jüngern. Und die Jünger [gaben sie] den Mengen. 20 Und sie aßen alle und wurden gesättigt. Und sie hoben auf, was an Brocken übrig blieb: zwölf Handkörbe voll.

    21 Die, die aßen, waren etwa fünftausend Männer – ohne Frauen und Kindlein.

 

22 Und sogleich nötigte Jesus seine Jünger, in das Schiff einzusteigen und ihm ans jenseitige Ufer vorauszufahren, bis er die Mengen entlassen hätte. 23 Nachdem er die Mengen entlassen hatte, stieg er den Berg hinauf, für sich allein, um zu beten. Als es Abend geworden war, war er dort allein. 24 Aber das Schiff war schon mitten auf dem See, von den Wellen hart bedrängt, denn der Wind war ihnen entgegen. 25 In der vierten Nachtwache ging Jesus weg, hin zu ihnen, und er ging auf dem See.

    26 Als die Jünger ihn über den See gehen sahen, wurden sie in Aufregung versetzt und sagten: „Es ist ein Gespenst!“ Und sie schrien vor Furcht. 27 Sogleich redete Jesus zu ihnen:

    „Seid guten Mutes!“ sagte er. „Ich bin’s. Fürchtet euch nicht!“

    28 Petrus antwortete* ihm und sagte: „Herr, wenn du es bist, befiehl mir, zu dir zu kommen über die Wasser hin.“

    29 Er sagte: „Komm!“

    Und Petrus stieg aus dem Schiff und ging über die Wasser, um zu Jesus hinzukommen.

    30 Als er aber den starken Wind ansah, fürchtete er sich, und als er anfing zu sinken, schrie er mit den Worten: „Herr, rette mich!“

    31 Sogleich streckte Jesus die Hand aus und fasste ihn.

    Und er sagt zu ihm: „Kleingläubiger, zu was[172] zweifeltest du?“

    32 Und als sie in das Schiff gestiegen waren, legte sich der Wind. 33 Aber die im Schiff kamen und huldigten ihm.

    Und sie sagten: „Wahrlich, du bist Gottes Sohn!“

 

34 Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie in das Land Genezaret[173]. 35 Und die Männer jenes Ortes erkannten ihn und schickten [Läufer] in die ganze dortige Umgegend. Und sie brachten alle, denen es übel ging, hin zu ihm. 36 Und sie redeten ihm bittend zu, dass sie nur die Quaste seines Oberkleides anrühren dürften. Und so viele ihn anrührten, wurden völlig heil gemacht[174].

 

15 1 Dann kommen die Schriftgelehrten und Pharisäer von Jerusalem zu Jesus und sagen: 2 „Weshalb übertreten deine Jünger die Überlieferung der Ältesten? – denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot[175] essen.“

    3 Er antwortete und sagte zu ihnen: „Und weshalb übertretet ihr das Gebot Gottes wegen eurer Überlieferung? 4 – denn Gott gebot und sagte: ‘Ehre ‹stets› deinen Vater und die Mutter!’ und: ‘Wer von Vater oder Mutter schlecht redet, soll gewisslich sterben[176].’ {2M 20,12; 21,17} 5 Aber ihr sagt, wer irgend zum Vater oder zur Mutter sagen sollte: ‘Eine [Opfer]gabe [sei es], was irgend von mir dir zunutze wäre.’ 6 Und er würde seinen Vater oder seine Mutter gar nicht ehren; und eurer Überlieferung wegen setztet ihr das Gebot Gottes außer Gültigkeit.

    7 Heuchler! Trefflich weissagte Jesaja über euch, als er sagte: 8 ‘Dieses Volk naht sich zu mir mit seinem Munde und ehrt mich mit den Lippen, aber sein Herz ist weit entfernt von mir. 9 Vergeblich verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren.’“ {Jes 29,13}

    10 Und er rief die Menge herbei und sagte zu ihnen: „Hört und vernehmt ‹und versteht›! 11 Nicht das, was in den Mund eingeht, verunreinigt den Menschen, sondern das, was aus dem Munde herauskommt, das verunreinigt den Menschen.“

    12 Dann traten seine Jünger hinzu und sagten zu ihm: „Weißt du, dass die Pharisäer Anstoß nahmen, als sie das Wort hörten?“

    13 Er antwortete und sagte: „Jede Pflanze, die mein himmlischer Vater nicht pflanzte, wird mit der Wurzel ausgerissen werden. 14 Lasst sie! Sie sind blinde Leiter von Blinden. Wenn ein Blinder einen Blinden leitet, werden beide in eine Grube fallen.“

    15 Petrus antwortete* und sagte zu ihm: „Deute uns dieses Gleichnis.“

    16 Jesus sagte: „Seid auch ihr noch unverständig? 17 Begreift ihr noch nicht, dass alles, was in den Mund eingeht, in den Bauch gelangt und in den Abort ausgeworfen wird? 18 Aber das, was aus dem Munde ausgeht, kommt aus dem Herzen hervor, und das verunreinigt den Menschen, 19 denn aus dem Herzen kommen hervor böse Überlegungen, Mordtaten, Ehebrüche, Unzuchtstaten[177], Diebstähle, falsche Zeugnisse, Lästerungen. 20 Diese sind es, die den Menschen verunreinigen. Aber mit ungewaschenen Händen zu essen, verunreinigt den Menschen nicht.“

 

21 Und Jesus ging von dort weg und zog sich zurück in die [Land]teile von Tyrus und Sidon.

    22 Und – siehe – eine kanaanitische Frau, die aus jenem Gebiet herkam, rief[178] zu ihm und sagte: „Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter wird übel dämonisiert!“

    23 Aber er antwortete ihr nicht ein Wort.

    Und seine Jünger traten hinzu und ersuchten ihn und sagten: „Entlasse sie, denn sie ruft ‹laut› hinter uns her!“

    24 Er antwortete und sagte: „Ich bin nicht gesandt als nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“

    25 Aber sie kam und huldigte ihm und sagte: „Herr, hilf mir!“

    26 Er antwortete und sagte: „Es ist nicht gut, das Brot den Kindern zu nehmen und den kleinen Hunden hinzuwerfen.“

    27 Sie sagte: „Ja, Herr, denn auch die kleinen Hunde essen von den Krumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“

    28 Dann antwortete Jesus: „O Frau,“ sagte er zu ihr, „dein Glaube ist groß! Dir geschehe, wie du willst.“

    Und ihre Tochter war geheilt von jener Stunde an.

 

29 Und Jesus ging von dort weg und kam an den See von Galiläa. Und er stieg den Berg hinauf und saß dort. 30 Und es kamen zu ihm zahlreiche* Mengen, die Lahme, Blinde, Stumme, Krüppel und viele andere bei sich hatten, und sie legten sie ab zu den Füßen Jesu. Und er heilte sie, 31 sodass die Mengen sich verwunderten, als sie sahen, dass Stumme redeten, Krüppel gesund wurden, Lahme gingen und Blinde sahen. Und sie verherrlichten den Gott Israels.

    32 Jesus rief seine Jünger heran und sagte: „Ich bin von Erbarmen bewegt über die Menge, weil sie schon drei Tage bei mir verharren, und sie haben nicht, was sie essen könnten. Und sie hungrig[179] entlassen will ich nicht: Sie könnten auf dem Wege ermatten.“

    33 Und seine Jünger sagen zu ihm: „Woher nehmen wir in der Einöde so viele Brote, um eine so große Menge zu sättigen?“

    34 Und Jesus sagt zu ihnen: „Wie viele Brote habt ihr?“

    Sie sagen: „Sieben – und wenige kleine Fische.“

    35 Und er befahl den Mengen, sich auf die Erde zu lagern. 36 Und er nahm die sieben Brote und die Fische, dankte, brach und gab sie seinen Jüngern. Die Jünger [gaben] sie der Menge.

    37 Und sie aßen alle und wurden gesättigt. Und sie hoben auf, was an Brocken übrig blieb: sieben Flechtkörbe voll. 38 Die, die aßen, waren viertausend Männer ­– ohne Frauen und Kindlein.

    39 Und er entließ die Mengen, stieg in das Schiff und kam in das Gebiet von Magdala.

 

16 1 Und die Pharisäer und Sadduzäer kamen herbei und baten ihn, er möchte ihnen ein Zeichen aus dem Himmel zeigen – womit sie ihn versuchten.[180]

    2 Aber er antwortete und sagte zu ihnen: „Wenn es Abend geworden ist, sagt ihr: ‘[Es gibt] heiteres Wetter, denn der Himmel ist feuerrot’, 3 und frühmorgens: ‘Heute [gibt es] stürmisches Wetter, denn der Himmel ist feuerrot und düster.’ Heuchler! Das Angesicht des Himmels kennt ihr, um beurteilen zu [können], aber die Zeichen der Zeiten könnt ihr nicht [beurteilen]. 4 Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht trachtet nach einem Zeichen, und ein Zeichen wird ihm nicht gegeben werden als nur das Zeichen Jonas, des Propheten.“

    Und er verließ sie und ging weg.

 

5 Und als seine Jünger zum jenseitigen Ufer fuhren, hatten sie vergessen, Brote mitzunehmen.

    6 Jesus sagte zu ihnen: „Seht euch ‹stets› vor und nehmt euch in Acht vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer.“

    7 Sie überlegten bei sich selbst und sagten: „– weil wir nicht Brote mitnahmen.“

    8 Aber Jesus kannte [ihre Gedanken] und sagte zu ihnen: „Was überlegt ihr bei euch selbst, dass ihr keine Brote mitgenommen habt, Kleingläubige? 9 Begreift ihr noch nicht? Erinnert ihr euch auch nicht an die fünf Brote der Fünftausend und wie viele Handkörbe ihr aufhobt 10 noch an die sieben Brote der Viertausend und wie viele Flechtkörbe ihr aufhobt? 11 Wie begreift ihr nicht, dass ich nicht von Brot zu euch sprach, [als ich sagte], euch in Acht zu nehmen vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer?“

    12 Da verstanden sie, dass er nicht gesagt hatte, sich in Acht zu nehmen vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.

 

13 Als Jesus in die [Land]teile von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er[181] seine Jünger: „Wer sagen die Menschen, dass ich, der Sohn des Menschen, sei?“

    14 Sie sagten: „Einige: Johannes, der Täufer, andere aber: Elia, und andere: Jeremia oder einer der [anderen] Propheten.“

    15 Er sagt zu ihnen: „Aber ihr, wer sagt ihr, dass ich sei?“

    16 Simon Petrus antwortete und sagte: „Du bist der Gesalbte*, der Sohn des lebenden Gottes.“

    17 Und Jesus antwortete und sagte ihm: „Ein Seliger bist du, Simon Barjona[182], weil Fleisch und Blut es dir nicht offenbarten*, sondern mein Vater, der in den Himmeln ist. 18 Und ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem[183] °Felsen werde ich meine Gemeinde bauen. Und die Pforten des Todesbereiches* werden sie nicht überwältigen. 19 Und ich werde dir die Schlüssel des Königreiches der Himmel geben. Und was immer du auf der Erde bindest[184], wird in den Himmeln Gebundenes sein, und was immer du auf der Erde löst[185], wird in den Himmeln Gelöstes sein.“

    20 Dann gab er seinen Jüngern strenge Weisung, dass sie niemandem sagen sollten, dass er Jesus, der Gesalbte, sei.

 

21 Von der Zeit an begann Jesus, seinen Jüngern zu zeigen, dass er nach Jerusalem hingehen und von den Ältesten und Hohen Priestern und Schriftgelehrten vieles leiden und getötet und am dritten Tage auferweckt werden müsse.

    22 Und Petrus nahm ihn zu sich und fing an, mit allem Ernst auf ihn einzureden:

    Er sagte: „[Gott] sei dir barmherzig, Herr! Dieses wird[186] dir keinesfalls widerfahren!“

    23 Aber er wandte sich um und sagte zu Petrus: „Gehe weg hinter mich, Satan[187]! Ein Ärgernis ‹und Anstoß›[188] bist du mir, weil du nicht das sinnst[189], was Gottes ist, sondern das, was der Menschen ist.“

    24 Dann sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Wenn jemand mir nachfolgen will, verleugne er sich selbst und hebe sein Kreuz auf und folge mir ‹beständig›, 25 denn wer irgend seine Seele[190] retten ‹und bewahren› will, wird sie verlieren, aber wer seine Seele meinetwegen verliert, wird sie finden; 26 denn was für einen Nutzen hat[191] ein Mensch, wenn er die ganze Welt gewinnen sollte, aber um seine Seele käme[192]? Oder was wird ein Mensch als ‹Gegenwert in› Tausch für seine Seele[193] geben? 27 – denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen [himmlischen] Boten*, und dann wird er einem jeden nach seinem Tun vergelten.

    28 Wahrlich! Ich sage euch: Es gibt von denen, die hier stehen, einige, welche keinesfalls den Tod schmecken werden, bis sie den Sohn des Menschen gesehen haben, kommend in seiner Königschaft[194].“

 

17 1 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und [den] Jakobus und dessen Bruder Johannes zu sich und führt sie abseits[195] auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde vor ihnen verwandelt. Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne. Seine Oberkleider wurden ‹glänzend› weiß wie das Licht. 3 Und – siehe! – Mose und Elia erschienen ihnen und waren mit ihm im Gespräch.

    4 Petrus antwortete*, und er sagte zu Jesus: „Herr, es ist schön für uns, hier zu sein. Wenn du willst, machen wir hier drei Zelthütten, eine für dich und eine für Mose und eine für Elia.“

    5 Während er noch redete, – siehe – es überschattete sie eine hell erleuchtete Wolke.

    Und – siehe! – eine Stimme [geschah] aus der Wolke und sagte: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen fand. Hört ‹stets› auf ihn!“

    6 Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr.

    7 Und Jesus trat herbei, rührte sie an und sagte: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“

    8 Als sie ihre Augen aufhoben, sahen sie niemanden als nur Jesus allein.

    9 Und als sie vom Berg herabstiegen, gebot ihnen Jesus und sagte: „Sagt niemandem das Gesicht, bis der Sohn des Menschen von den Toten auferstanden ist.“

 

10 Und seine Jünger fragten ihn und sagten: „Was sagen denn die Schriftgelehrten, dass Elia zuerst kommen[196] müsse?“

    11 Jesus antwortete und sagte ihnen: „In der Tat, Elia kommt zuerst und wird alles wiederherstellen.

    12 Aber ich sage euch: Elia kam schon, und sie erkannten ihn nicht, sondern taten an ihm, was immer sie wollten. Auf diese Weise wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden.“

    13 Dann verstanden die Jünger, dass er von Johannes, dem Täufer, zu ihnen sprach.

 

14 Und als sie hin zu der Menge kamen, kam ein Mensch zu ihm, fiel vor ihm auf die Knie 15 und sagte: „Herr, erbarme dich meines Sohnes, weil er mondsüchtig ist und in übler Weise leidet, denn oft fällt er ins Feuer und oft ins Wasser. 16 Und ich brachte ihn zu deinen Jüngern, und sie konnten ihn nicht heilen.“

    17 Jesus antwortete und sagte: „O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Bis wann soll[197] ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? – ­Bringt ihn mir hierher!“

    18 Und Jesus wies ihn[198] mit Strenge zurecht, und der Dämon fuhr von ihm aus. Und von jener Stunde an war der Knabe geheilt.

    19 Da traten die Jünger für sich allein zu Jesus und sagten: „Weshalb konnten wir ihn nicht austreiben?“

    20 Jesus sagte ihnen: „Wegen eures Unglaubens; denn – wahrlich – ich sage euch, wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, werdet ihr zu diesem Berge sagen: ‘Hebe dich weg von hier dorthin!’, und er wird sich hinwegheben. Und nichts wird euch unmöglich sein. – 21 °Aber diese Art fährt nicht aus als nur durch Gebet und Fasten.“

 

22 Als sie sich in Galiläa aufhielten, sagte Jesus zu ihnen: „Der Sohn des Menschen wird in Menschenhände ausgeliefert werden, 23 und sie werden ihn töten, und am dritten Tage wird er auferweckt werden.“

    Und sie wurden sehr betrübt.

 

24 Als sie nach Kaperna-um kamen, traten die Einnehmer der Doppeldrachmen zu Petrus und sagten: „Zahlt euer Lehrer die Doppeldrachmen nicht?“

    25 Er sagt: „Ja.“

    Und als er in das Haus eintrat, kam Jesus ihm zuvor:

    „Was meinst du, Simon?“ sagte er. „Von wem erheben die Könige der Erde Zölle oder Steuer, von ihren Söhnen oder von den anderen?“

    26 Petrus sagt ihm: „Von den anderen.“

    Jesus sagte zu ihm: „Demnach sind die Söhne frei. 27 Damit wir ihnen aber nicht einen Anstoß geben, gehe hin an den See, wirf die Angel aus und nimm den ersten Fisch, der heraufkommt. Und nachdem du sein Maul aufgemacht hast, wirst du einen Stater[199] finden. Den nimm und gib ihnen für mich und dich.“

 

18 1 Zu jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und sagten: „Wer ist denn ein Größerer in dem Königreich der Himmel?“

    2 Und Jesus rief ein Kindlein herbei, stellte es in ihre Mitte 3 und sagte: „Wahrlich! Ich sage euch: Wenn ihr euch nicht umwendet und werdet wie die Kindlein, werdet ihr auf keinen Fall in das Königreich der Himmel eingehen. 4 Wer also sich selbst demütigt wie dieses Kindlein, der ist der Größere[200] im Königreich der Himmel. 5 Und wer immer ein solches Kindlein auf meinen Namen hin aufnimmt, nimmt mich auf. 6 Aber wer immer einem dieser Kleinen, die an mich glauben, einen Fallstrick legt[201], ‹einen Anlass gibt zum Anstoßen und Fallen›, für den wäre es nützlich, dass ein Mühlstein[202] an seinen Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde.

    7 Wehe der Welt wegen der Fallstricke[203]! – denn es ist notwendig, dass die Fallstricke kommen; doch wehe demjenigen Menschen, durch den der Fallstrick kommt!

    8 Wenn deine Hand oder dein Fuß dir[204] Anlass zum Anstoßen ‹und Fallen› gibt, haue sie ab und wirf sie von dir! Es ist besser für dich, als Lahmer oder Verstümmelter in das Leben einzugehen, als mit zwei Händen oder zwei Füßen ins ewige* Feuer geworfen zu werden. 9 Und wenn dein Auge dir Anlass zum Anstoßen ‹und Fallen› gibt, nimm es heraus und wirf es von dir! Es ist besser für dich, einäugig in das Leben einzugehen, als mit zwei Augen in die Feuerhölle*[205] geworfen zu werden.

    10 Seht, dass ihr nicht einen dieser Kleinen verachtet, denn ich sage euch, dass ihre Boten[206] in den Himmeln immerzu das Angesicht meines Vaters, der in den Himmeln ist, ansehen, 11 denn der Sohn des Menschen kam, das Verlorene zu retten.

    12 Was meint ihr? Wenn einem Menschen hundert Schafe ‹zuteil› werden, und eines von ihnen hätte sich verirrt, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte? 13 Und wenn es geschehen sollte, dass er es fände – wahrlich – ich sage euch: Er freut sich mehr über dieses als über die neunundneunzig, die nicht verirrt waren.

    14 So ist es vor eurem Vater in den Himmeln nicht der Wille, dass einer dieser Kleinen umkomme ‹und [so] verloren werde›.

 

 

15 Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, gehe hin und weise ihn zurecht, allein, unter vier Augen[207]. Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder gewonnen. 16 Wenn er aber nicht hört, nimm mit dir noch einen oder zwei, damit aus dem Munde von zwei oder drei Zeugen jede Sache[208] bestehe. 17 Wenn er aber auf sie nicht hört, sage es der Gemeinde. Wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hört, sei er dir wie der Heidnische und der Zolleinnehmer. 18 Wahrlich! Ich sage euch: Was irgend ihr auf der Erde binden[209] werdet, wird im Himmel Gebundenes sein. Und was irgend ihr auf der Erde lösen[210] werdet, wird im Himmel Gelöstes sein.

    19 Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch sich auf der Erde einigen in Bezug auf jede Sache, die immer sie sich erbitten: Sie wird ihnen von meinem Vater, der in den Himmeln ist, ‹zuteil› werden, 20 denn wo zwei oder drei zusammengekommen sind zu meinem Namen, dort bin ich in ihrer Mitte.“

 

21 Dann trat Petrus hin zu ihm und sagte: „Herr, wievielmal wird mein Bruder gegen mich sündigen, und ich soll ihm vergeben? Bis sieben Mal?“

    22 Jesus sagt ihm: „Nicht, sage ich dir, bis sieben Mal, sondern bis siebzigmal sieben [Mal][211].

    23 Deswegen wurde das Königreich der Himmel mit einem Menschen verglichen, einem König, der mit seinen leibeigenen Knechten eine Abrechnung vornehmen wollte. 24 Als er anfing abzurechnen, wurde einer zu ihm gebracht, der zehntausend Talente[212] schuldete. 25 Da er aber nicht hatte, ‹um› zu bezahlen, befahl sein Herr, ihn und seine Frau und die Kinder und alles, was irgend er hatte, zu verkaufen und Zahlung zu leisten.

    26 Daraufhin fiel der Knecht[213] nieder, huldigte ihm und sagte: ‘Herr, erweise mir Geduld, und ich werde dir alles bezahlen!’

    27 Der Herr jenes Knechtes wurde von Erbarmen bewegt, ließ ihn frei, und das Ausstehende[214] erließ[215] er ihm.

    28 Aber jener Knecht ging hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldete.

    Und er griff ihn, würgte [ihn] und sagte: ‘Zahle mir das, was du schuldest!’

    29 Daraufhin fiel sein Mitknecht zu seinen Füßen, rief ihn bittend an und sagte: ‘Erweise mir Geduld, und ich werde dir alles bezahlen!’

    30 Aber er wollte nicht, sondern ging weg und warf ihn ins Gefängnis, bis er das Geschuldete zurückgezahlt habe.

    31 Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt. Und sie gingen, und genau schilderten sie ihrem Herrn alles, was geschehen war.

    32 Dann rief sein Herr ihn herbei, und er sagt zu ihm: ‘Böser Knecht! Jene ganze Schuld erließ ich dir, weil du mich bittend anriefst. 33 Hätte es sich nicht auch für dich geziemt, dass du dich deines Mitknechtes erbarmtest, wie auch ich mich deiner erbarmte?’

    34 Und sein Herr war zornig und übergab ihn den Folterknechten, bis er alles zurückgezahlt habe, was er ihm schuldig gewesen war.

    35 Auf diese Weise wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht, ein jeder seinem Bruder, von Herzen ihre Übertretungen vergebt.“

 

19 1 Und es geschah, als Jesus diese Reden beendet hatte, begab er sich von Galiläa hinweg und kam in die Gebiete Judäas jenseits des Jordans. 2 Und es folgten ihm zahlreiche* Mengen. Und er heilte sie dort.

 

3 Und es kamen die Pharisäer zu ihm, versuchten ihn[216] und sagten zu ihm: „Ist es einem Menschen gestattet, sich aus jedem Grund von der Frau zu scheiden?“

    4 Er antwortete und sagte zu ihnen: „Habt ihr nicht gelesen, dass der, der sie machte, sie von Anfang als einen Männlichen und eine Weibliche machte 5 und sagte: ‘Deswegen wird ein Mann* den Vater und die Mutter verlassen und an seine Frau gefügt werden, und es werden die zwei zu einem Fleisch sein’? {1M 2,24 n. d. gr. Üsg.} 6 So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was also Gott zusammenfügte[217], soll ein Mensch nicht trennen.“

    7 Sie sagen zu ihm: „Warum gebot Mose also, einen Scheidebrief[218] zu geben und sich von ihr zu scheiden?“

    8 Er sagt ihnen: „Im Blick auf eure Herzenshärte erlaubte es euch Mose, euch von euren Frauen zu scheiden. Vom Anfang her war es aber nicht so geschehen. 9 Ich sage euch: Wer irgend sich von seiner Frau scheidet, außer auf Unzucht* hin, und eine andere heiratet, begeht Ehebruch, und der, der die Geschiedene heiratet, begeht Ehebruch.“

    10 Seine Jünger sagen zu ihm: „Wenn die Sache des Mannes mit der Frau so ist, ist es von keinem Vorteil zu heiraten.“

    11 Er sagte ihnen: „Nicht alle fassen dieses Wort, sondern die, denen es gegeben ist: 12 Es gibt nämlich Eunuchen, welche von Mutterschoß so[219] geboren wurden, und es gibt Eunuchen, welche von den Menschen zu Eunuchen gemacht wurden, und es gibt Eunuchen, welche sich wegen des Königreiches der Himmel selbst zu Eunuchen machten[220]. Wer es fassen kann, fasse es.“

 

13 Dann wurden Kindlein hin zu ihm gebracht, damit er ihnen die Hände auflege und bete. Aber die Jünger schalten sie.

    14 Aber Jesus sagte: „Lasst die Kindlein, und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen, denn solcher[221] ist das Königreich der Himmel.“

    15 Und er legte ihnen die Hände auf und zog von dort [weiter].

 

16 Und – siehe – einer kam herbei und sagte zu ihm: „Guter Lehrer, was sollte ich Gutes tun, damit ich ewiges Leben habe?“

    17 Er sagte zu ihm: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer: Gott. Willst du aber ins Leben eingehen, halte die Gebote.“

    18 Er sagt zu ihm: „Was für welche?“

    Jesus sagte: „Das: Du sollst* nicht morden. Du sollst* nicht Ehebruch begehen. Du sollst* nicht stehlen. Du sollst* nicht falsches Zeugnis geben. 19 Ehre ‹stets› deinen Vater und die Mutter. {Vgl. 2M 20,12ff.} Und: Du sollst* deinen Nächsten[222] lieben wie dich selbst.“ {3M 19,18}

    20 Der junge Mann sagt zu ihm: „In Bezug auf dieses alles hütete ich mich von meiner Jugend an. Was mangelt mir noch?“

    21 Jesus sagte zu ihm: „Willst du vollkommen sein, gehe hin, verkaufe deine Habe und gib [den] Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm her und folge mir[223]!“

    22 Als der junge Mann das Wort hörte, ging er betrübt weg, denn er hatte viele Besitztümer.

    23 Da sagte Jesus seinen Jüngern: „Wahrlich! Ich sage euch: Schwerlich wird ein Reicher in das Königreich der Himmel eingehen. 24 Wiederum sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr hindurchgehe, als dass ein Reicher in das Königreich Gottes eingehe.“

    25 Als seine Jünger [das] hörten, erstaunten sie sehr:

    „Wer kann dann gerettet werden?“ sagten sie.

    26 Aber Jesus blickte sie an und sagte ihnen: „Bei Menschen ist das unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich.“

    27 Dann antwortete* Petrus und sagte zu ihm: „Siehe! Wir verließen alles und folgten dir. Was wird uns dann sein?“

    28 Jesus sagte ihnen: „Wahrlich! Ich sage euch: In der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzt, werdet ihr, die ihr mir folgtet, euch auch setzen auf zwölf Throne und die zwölf Stämme Israels richten. 29 Und jeder, der meines Namens wegen Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Höfe ‹und Felder› verließ, wird hundertfach empfangen und wird ewiges Leben erben.

    30 Aber viele Erste werden Letzte sein und Letzte Erste [sein][224];

 

20 1 denn das Königreich[225] der Himmel ist gleich einem Menschen, einem Hausherrn, welcher gleich am frühen Morgen ausging, Arbeiter in seinen Weinberg einzustellen. 2 Und nachdem er sich mit den Arbeitern auf einen Denar[226] für den Tag geeinigt hatte, sandte er sie in seinen Weinberg. 3 Und als er um die dritte Stunde ausging, sah er auf dem Markt andere untätig stehen. 4 Und zu denen sagte er:

    ‘Geht auch ihr hin in den Weinberg, und ich werde euch geben, was recht ist.’ 5 Sie gingen hin.

    Wieder ging er aus, um die sechste und um die neunte Stunde, und tat ebenso. 6 Als er aber um die elfte Stunde ausging, fand er andere untätig stehen.

    Und er sagt zu ihnen: ‘Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig?’

    7 Sie sagen ihm: ‘Weil niemand uns einstellte.’

    Er sagt zu ihnen: ‘Geht auch ihr hin in den Weinberg, und ihr werdet bekommen, was recht ist.’

    8 Als es Abend geworden war, sagt der Herr des Weinberges zu seinem Verwalter: ‘Rufe die Arbeiter und zahle ihnen den Lohn, angefangen von den Letzten bis hin zu den Ersten.’

    9 Und als die um die elfte Stunde [Eingestellten] kamen, empfingen sie je einen Denar. 10 Aber als die Ersten kamen, meinten sie, dass sie mehr empfangen würden. Und auch sie empfingen je einen Denar. 11 Als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn:

    12 ‘Diese Letzten’, sagten sie, ‘machten eine Stunde, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir die Last des Tages und die Hitze ertrugen.’

    13 Er antwortete und sagte zu einem von ihnen: ‘Gefährte, ich tue dir nicht Unrecht. Hattest du dich nicht mit mir geeinigt auf einen Denar? 14 Nimm das Deine und gehe. Ich will aber diesem Letzten geben wie auch dir. 15 Oder ist es mir nicht gestattet, mit dem Meinen zu tun, was ich will? Ist etwa dein Auge böse[227], weil ich gut bin?’

    16 So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte [sein], °denn viele sind gerufen, aber wenige erwählt°.“

 

17 Und als Jesus nach Jerusalem hinaufging, nahm er die zwölf Jünger auf dem Wege abseits zu sich und sagte ihnen: 18 „Siehe! Wir gehen hinauf nach Jerusalem. Und der Sohn des Menschen wird den Hohen Priestern und Schriftgelehrten ausgeliefert werden. Und sie werden ihn zum Tode verurteilen. 19 Und sie werden ihn denen, die von den Völkern sind, ausliefern, [ihn] zu verspotten und zu geißeln und zu kreuzigen. Und am dritten Tage wird er auferstehen.“

 

20 Dann kam die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu ihm, huldigte ihm und erbat etwas von ihm.

    21 Er sagte zu ihr: „Was wünschst du?“

    Sie sagt zu ihm: „Sage, dass diese meine zwei Söhne, einer zu deiner Rechten und einer zur Linken, sitzen mögen in deinem Königreich.“

    22 Aber Jesus antwortete und sagte: „Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Becher trinken, den ich trinken werde[228], und mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde?“

    Sie sagen ihm: „Wir können es.“

    23 Und er sagt zu ihnen: „In der Tat werdet ihr meinen Becher trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden. Aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu geben, steht nicht mir zu, sondern denen, für die es von meinem Vater bereitet ist, [wird es gegeben werden].“

    24 Und als die Zehn es hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder.

    25 Aber Jesus rief sie heran und sagte: „Ihr wisst, dass die Erstrangigen der Völker[229] sie beherrschen und die Großen Autorität über sie ausüben. 26 Unter euch aber wird[230] es nicht so sein, sondern wer irgend unter euch groß zu werden wünscht, sei ‹stets› euer Diener, 27 und wer irgend unter euch der Erste zu sein wünscht, sei ‹stets› euer leibeigener Knecht, 28 gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, bedient zu werden, sondern zu dienen und seine Seele[231] zu geben als Lösegeld für viele.“

 

29 Und als sie von Jericho auszogen, folgte ihm eine zahlreiche Menge.

    30 Und – siehe – zwei Blinde, die am Wege saßen und hörten, dass Jesus vorüberziehe, riefen ‹laut› und sagten: „Erbarme dich unser, Herr, Sohn Davids!“

    31 Aber die Menge fuhr sie an, dass sie schweigen sollten. Aber sie riefen noch mehr:

    „Erbarme dich unser,“ sagten sie, „Herr, Sohn Davids!“

    32 Und Jesus blieb stehen, rief sie und sagte: „Was wünscht ihr, dass ich für euch tun soll?“

    33 Sie sagen zu ihm: „Herr, dass unsere Augen aufgetan werden!“

    34 Jesus, von Erbarmen bewegt, rührte ihre Augen an. Und sogleich sahen ihre Augen wieder. Und sie folgten ihm.

 

21 1 Und als sie sich Jerusalem nahten und nach Bethphage[232] kamen, zum Berg der Olivenbäume hin, da sandte Jesus zwei Jünger 2 und sagte zu ihnen: „Geht hin in das Dorf, das euch gegenüberliegt, und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet [sie][233] los und bringt [sie] mir.

    3 Und wenn jemand etwas zu euch sagen sollte, sollt* ihr sagen: ‘Der Herr °bedarf ihrer.’

    Sogleich wird er sie[234] senden.“

    4 Dieses Ganze ist geschehen, damit das erfüllt werde, was durch den Propheten geredet wurde, als er sagte: 5 „Sagt der Tochter Zion: ‘Siehe! Dein König kommt zu dir, sanftmütig und reitend auf einer Eselin und einem Fohlen, dem Jungen[235] eines Lasttieres.’“ {Sac 9,9}

    6 Die Jünger gingen hin und taten so, wie Jesus ihnen angeordnet hatte, 7 brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Oberkleider auf sie, und er setzte sich auf sie.

    8 Der größte Teil der Menge breitete seine Oberkleider auf dem Weg aus. Andere hieben Zweige von den Bäumen und breiteten sie auf dem Weg aus.

    9 Die Mengen, die vorausgingen, und die, die folgten, riefen ‹laut›: „Hosanna* dem Sohn Davids! Gelobt [sei] der, der kommt im Namen des Herrn! Hosanna* in den höchsten Höhen!“

    10 Und als er in Jerusalem einzog, kam die ganze Stadt in Bewegung und sagte: „Wer ist dieser?“

    11 Die Mengen sagten: „Dieser ist Jesus, der Prophet, von Nazaret in Galiläa.“

 

12 Und Jesus trat in die Tempelstätte Gottes ein. Und er trieb alle hinaus, die in der Tempelstätte verkauften und kauften, und die Tische der Wechsler und die Stühle der Taubenverkäufer stieß er um.

    13 Und er sagt zu ihnen: „Es ist geschrieben: ‘Mein Haus wird genannt werden ein Haus des Gebets’. {Jes 56,7} Ihr machtet es aber zu einer Räuberhöhle.“

    14 Und es kamen Blinde und Lahme in der Tempelstätte zu ihm, und er heilte sie.

    15 Aber als die Hohen Priester und die Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Knaben, die in der Tempelstätte ‹laut› riefen und sagten: „Hosanna* dem Sohn Davids!“ wurden sie unwillig 16 und sagten zu ihm: „Hörst du, was diese sagen?“

    Jesus sagt zu ihnen: „Ja. Last ihr nie: ‘Aus dem Munde von unmündigen ‹Kindern› und von Säuglingen richtetest du dir Lob zu’?“ {Ps 8,3}

    17 Und er verließ sie und ging zur Stadt hinaus nach Bethanien[236], und dort übernachtete er.

 

18 Des Morgens früh, als er in die Stadt zurückkehrte, hungerte ihn. 19 Und als er einen Feigenbaum am Weg sah, ging er auf ihn zu und fand nichts an ihm als nur Blätter.

    Und er sagt zu ihm: „Nimmermehr komme Frucht von dir, in Ewigkeit*!“

    Und auf der Stelle verdorrte der Feigenbaum.

 

20 Und als die Jünger es sahen, verwunderten sie sich und sagten: „Wie ist der Feigenbaum auf der Stelle verdorrt?“[237]

    21 Jesus antwortete* und sagte ihnen: „Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, werdet ihr nicht allein das mit dem Feigenbaum [Geschehene] tun, sondern auch wenn ihr zu diesem Berge sagt: ‘Hebe dich empor und wirf dich ins Meer!’[238], wird es geschehen. 22 Und alles, was irgend ihr im Gebet glaubend bittet, werdet ihr empfangen.“

 

23 Und als er in die Tempelstätte kam, traten, als er lehrte, die Hohen Priester und die Ältesten des Volkes zu ihm und sagten: „In welcher Autorität tust du diese Dinge? Und wer hat dir diese Autorität gegeben?“

    24 Jesus antwortete und sagte ihnen: „Fragen werde auch ich euch ein Wort, und wenn ihr es mir sagt, werde ich euch auch sagen, in welcher Autorität ich diese Dinge tue: 25 Die Taufe des Johannes, woher war [sie], vom Himmel oder von Menschen?“

    Sie überlegten bei sich selbst und sagten: „Wenn wir sagen: ‘Vom Himmel’, wird er zu uns sagen: ‘Weshalb glaubtet ihr ihm also nicht?’ 26 Wenn wir aber sagen: ‘Von Menschen’, haben wir die Menge zu fürchten, denn alle halten Johannes für einen Propheten.“

    27 Und sie antworteten Jesus und sagten: „Wir wissen es nicht.“

    Und er sagte ihnen: „So sage ich euch auch nicht, in welcher Autorität ich diese Dinge tue.

    28 Aber was meint ihr? Ein Mensch hatte zwei Kinder.

    Und er kam zu dem ersten und sagte: ‘Kind, geh heute hin; arbeite in meinem Weinberg.’

    29 Aber er antwortete und sagte: ‘Ich will nicht.’

    Hernach gereute es ihn aber, und er ging hin.

    30 Und er kam zu dem zweiten und sagte ebenso.

    Er antwortete und sagte: ‘Ich [gehe], Herr!’ und ging nicht hin.

    31 Wer von den Zweien tat den Willen des Vaters?“

    Sie sagen zu ihm: „Der erste.“

    Jesus sagt zu ihnen: „Wahrlich! Ich sage euch: Die Zolleinnehmer und die Huren gehen euch voran in das Königreich Gottes, 32 denn Johannes kam zu euch mit[239] dem Weg der Gerechtigkeit, und ihr glaubtet ihm nicht. Aber die Zolleinnehmer und die Huren glaubten ihm. Euch aber, als ihr es saht, gereute es hernach nicht, um ihm zu glauben.“

 

33 „Hört ein anderes Gleichnis:

    Es war ein gewisser Mensch, ein Hausherr, der einen Weinberg pflanzte und einen Zaun darum setzte und darin eine Kelter grub und einen Turm baute. Und er verpachtete ihn an Winzer und reiste außer Landes. 34 Als die bestimmte Zeit der Früchte nahte, sandte er seine leibeigenen Knechte zu den Winzern, um seine Früchte zu empfangen. 35 Und die Winzer nahmen seine Knechte[240]: Einen schlugen sie. Einen anderen töteten sie. Einen anderen steinigten sie. 36 Wieder sandte er andere Knechte, mehr als die ersten. Und sie taten ihnen ebenso.

    37 Hernach sandte er seinen Sohn zu ihnen und sagte: ‘Sie werden vor meinem Sohn Achtung haben!’

    38 Als aber die Winzer den Sohn sahen, sagten sie untereinander: ‘Dieser ist der Erbe. Auf! Töten wir ihn und behalten wir sein Erbe!’

    39 Und sie nahmen ihn, warfen [ihn] zum Weinberg hinaus und töteten [ihn].

    40 Wenn also der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Winzern tun?“

    41 Sie sagen ihm: „Er wird jene Bösen auf üble Weise umbringen, und den Weinberg wird er an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abgeben werden zu ihren Zeiten.“

    42 Jesus sagt zu ihnen: „Last ihr nie in den Schriften: ‘Der Stein, den die Bauenden verwarfen[241], dieser wurde zum Haupt[stein] der Ecke[242]. Vom Herrn her wurde er dieses[243], und es[244] ist wunderbar in unseren Augen’? {Ps 118,22.23}

    43 Deswegen sage ich euch: Das Königreich Gottes wird von euch genommen werden, und es wird einem Volk gegeben werden, das seine Früchte[245] bringen wird. 44 Und der, der auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden. Aber auf wen er fällt, den wird er zermalmen.“

    45 Und als die Hohen Priester und die Pharisäer seine Gleichnisse gehört hatten, merkten sie, dass er von ihnen redete. 46 Und sie suchten, ihn zu greifen, fürchteten ‹aber› die Mengen, denn die hielten ihn für einen Propheten.

 

22 1 Und nach der Antwort sprach Jesus wieder in Gleichnissen zu ihnen und sagte:

    2 „Das Königreich der Himmel wurde mit einem Menschen verglichen, einem König, der seinem Sohn ein Hochzeitsfest machte. 3 Und er sandte seine leibeigenen Knechte, die Geladenen[246] zum Hochzeitsfest zu rufen. Und sie wollten nicht kommen.

    4 Wieder sandte er Knechte[247], andere, und er sagte: ‘Sagt den Geladenen: Seht! Mein Mahl bereitete ich. Meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, und alles ist bereit. Kommt zum Hochzeitsfest!’

    5 Aber sie kümmerten sich nicht darum und gingen weg, der eine aufs eigene Feld, der andere an seinen Handel. 6 Die übrigen griffen seine Knechte, misshandelten sie ‹in übermütiger Weise› und töteten sie.

    7 Als der König es hörte, war er zornig und schickte seine Truppen und brachte jene Mörder um und setzte ihre Stadt in Brand.

    8 Dann sagt er zu seinen Knechten: ‘Das Hochzeitsfest ist bereit, aber die Geladenen waren nicht würdig. 9 Begebt euch also auf die durchziehenden Straßen[248] und ruft[249] zum Hochzeitsfest so viele ihr findet!’

    10 Jene Knechte gingen hinaus auf die Straßen und brachten alle zusammen, so viele sie fanden, sowohl Böse als auch Gute. Und der Hochzeits[saal] wurde voll von solchen, die [zu Tisch] lagen.

    11 Als der König hereinkam, die [zu Tisch] Liegenden zu besehen, sah er dort einen Menschen, der nicht mit einem Hochzeitskleid bekleidet war.

    12 Und er sagt zu ihm: ‘Gefährte, wie kamst du hier herein, da du kein Hochzeitskleid hast?’

    Aber er verstummte.

    13 Dann sagte der König zu den Dienern: ‘Bindet ihm Füße und Hände. Nehmt ihn und werft [ihn] hinaus in die Finsternis draußen.’

    Dort wird das Weinen sein und das Zähneknirschen.

    14 Es sind nämlich viele gerufen[250] aber wenige erwählt.“[251]

    15 Dann gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, auf dass sie ihn in einem Wort[252] fangen[253] könnten.

 

16 Und sie senden ihre Jünger mit den Herodianern zu ihm und sagen: „Lehrer, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und den Weg Gottes in Wahrheit lehrst und dich um niemanden kümmerst, denn du siehst nicht auf das Angesicht von Menschen[254]. 17 Sage uns also, was du meinst: Ist es gestattet, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht?“

    18 Da Jesus aber ihre Bosheit kannte, sagte er: „Was versucht ihr mich, Heuchler? 19 Zeigt mir die Steuermünze.“

    Sie reichten ihm einen Denar.

    20 Und er sagt zu ihnen: „Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift?“

    21 Sie sagen ihm: „Des Kaisers.“

    Dann sagt er zu ihnen: „Gebt also dem Kaiser ab, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“

    22 Und als sie es hörten, verwunderten sie sich. Und sie ließen ihn und gingen weg.

 

23 An jenem Tage kamen Sadduzäer hin zu ihm, die sagen, es gebe keine Auferstehung. Und sie befragten ihn:

    24 „Lehrer,“ sagten sie, „Mose sagte: Wenn jemand stirbt und keine Kinder hat, soll* sein Bruder seine Frau heiraten[255] und seinem Bruder Samen erwecken[256].

    25 Es waren bei uns sieben Brüder. Und der erste, nachdem er geheiratet hatte, starb, und weil er keinen Samen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder; 26 gleicherweise auch der zweite und der dritte, bis hin zu dem siebenten. 27 Zuletzt von allen starb auch die Frau. 28 In der Auferstehung also, von welchem von den Sieben wird sie die Frau sein? – denn alle hatten sie.“

    29 Jesus antwortete und sagte ihnen: „Ihr irrt, weil ihr die Schriften nicht wirklich kennt noch die Kraft Gottes; 30 denn in der Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie Boten* Gottes im Himmel.

    31 Was aber die Auferstehung der Toten betrifft: Last ihr nicht, was von Gott zu euch gesagt wurde: 32Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs’? {2M 3,6.15} Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.“

    33 Und als die Mengen es hörten, erstaunten sie über seine Lehre.

 

34 Die Pharisäer hörten, dass er die Sadduzäer zum Verstummen gebracht hatte, und versammelten sich an einem gemeinsamen Ort[257].

    35 Und einer von ihnen, ein Gesetzesgelehrter, befragte ihn.

    Er wollte ihn versuchen[258] und sagte: 36 „Lehrer, welches Gebot ist groß im Gesetz?“[259]

    37 Jesus sagte ihm: „‘Du sollst* den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken.’ {5M 6,5} 38 Dieses ist das erste und große Gebot.

    39 Ein zweites ist ihm aber gleich: ‘Du sollst* deinen Nächsten[260] lieben wie dich selbst.’ {3M 19,18}

    40 An diesen zwei Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten.“

 

41 Als die Pharisäer versammelt waren, befragte Jesus sie:

    42 „Was denkt ihr über den Gesalbten*?“ sagte er. „Wessen Sohn ist er?“

    Sie sagen ihm: „Davids.“

    43 Er sagt zu ihnen: „Wie also nennt David ihn im Geist einen Herrn, wenn er sagt: 44 ‘Es sagte der Herr[261] zu meinem Herrn[262]: ‘Sitze zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege[263] zum Schemel deiner Füße’? {Ps 110,1}

    45 Wenn David ihn also einen Herrn nennt, wie ist er sein Sohn?“

    46 Und niemand konnte ihm ein Wort antworten. Auch wagte niemand von jenem Tage an, ihn noch ‹weiter› zu befragen.

 

23 1 Dann redete Jesus zu den Mengen und zu seinen Jüngern:

    2 „Auf Moses Stuhl“, sagte er, „setzten sich die Schriftgelehrten und die Pharisäer. 3 Alles also, was sie euch sagen, dass ihr es halten sollt, haltet und tut. Aber tut nicht nach ihren Werken, denn sie sagen es und tun es nicht, 4 denn sie binden[264] schwere und schwer zu tragende Lasten und legen sie auf die Schultern der Menschen. Aber sie wollen sie nicht mit ihrem Finger bewegen.

    5 Alle ihre Werke tun sie aber, um sich vor den Menschen beschauen zu lassen. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten ihrer Oberkleider groß. 6 Sie haben bei den Gastmählern den ersten Platz gern und in den Synagogen die ersten Sitze 7 und die Begrüßungen auf den Märkten und [haben es gern], von den Menschen ‘Rabbi, Rabbi’ genannt zu werden.

    8 Ihr aber, lasst ihr euch nicht ‘Rabbi’ nennen, denn einer ist euer Führer: der Gesalbte. Ihr alle aber seid Brüder. 9 Und nennt nicht [jemanden] auf der Erde euren Vater, denn einer ist euer Vater, der in den Himmeln. 10 Lasst euch auch nicht Führer nennen, denn einer ist euer Führer: der Gesalbte. 11 Der Größere[265] unter euch soll[266] euer Diener sein. 12 Wer sich selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden.

 

13 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! – weil ihr die Häuser der Witwen verzehrt und zum Vorwand[267] lange betet! Deswegen werdet ihr ein schwereres Gericht empfangen.

    14 °Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! – weil ihr das Königreich der Himmel vor den Menschen verschließt, denn ihr geht nicht hinein, und die Hineingehenden[268] lasst ihr nicht hineingehen.

    15 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! – weil ihr das Meer und das Trockene durchzieht, um einen zum Proselyten zu machen, und wenn er es geworden ist, macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, zweimal so viel wie ihr.

    16 Wehe euch, blinde Führer! – die ihr sagt: ‘Wer beim Heiligtum schwört, das ist nichts. Aber wer bei dem Gold des Heiligtums schwört, ist verpflichtet[269].’

    17 Törichte und Blinde! – was ist denn größer, das Gold oder das Heiligtum, das das Gold heiligt?

    18 Und: ‘Wer bei dem Altar schwört, das ist nichts. Aber wer bei der Gabe schwören wird, die auf ihm ist, ist verpflichtet.’

    19 Törichte und Blinde! – was ist denn größer, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt? 20 Wer also bei dem Altar geschworen hat, schwört bei ihm und bei allem, was auf ihm ist. 21 Und wer beim Heiligtum geschworen hat, schwört bei ihm und bei dem, der in ihm wohnt. 22 Und wer bei dem Himmel schwört, schwört bei dem Throne Gottes und bei dem, der darauf sitzt.

    23 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! – weil ihr die Minze und den Anis[270] und den Kümmel verzehntet, und die gewichtigeren Dinge des Gesetzes habt ihr unterlassen: das Gericht und die Barmherzigkeit und die Treue[271]. Diese ‹Dinge› hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen. 24 Blinde Führer! – die ihr die Mücke aussiebt, das Kamel aber verschluckt!

    25 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! – weil ihr das Äußere des Bechers und der Schüssel reinigt. Innen sind sie aber voller Raub und Unmäßigkeit. 26 Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Innere des Bechers und der Schüssel, damit auch ihr Äußeres rein werde.

    27 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! – weil ihr übertünchten Grabstätten gleicht, welche äußerlich schön anzusehen sind, ja, innerlich aber voll von Totengebeinen und aller Unreinigkeit. 28 Auf diese Weise scheint auch ihr den Menschen äußerlich gerecht zu sein, aber innerlich seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit[272].

    29 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! – weil ihr die Grabstätten der Propheten baut und die Grabmäler der Gerechten schmückt 30 und sagt: ‘Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, wären wir nicht mit ihnen Teilhaber an dem Blut der Propheten gewesen.’

    31 Somit gebt ihr euch selbst Zeugnis, dass ihr Söhne derer seid, die die Propheten ermordeten. 32 Und ihr: Macht ihr das Maß eurer Väter voll! 33 Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle* entfliehen?

 

34 Deswegen – siehe!  Ich sende hin zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte, und von ihnen werdet ihr [einige] töten und kreuzigen, und [einige] von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln, und ihr werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt, 35 auf dass über euch komme alles gerechte, auf der Erde vergossene Blut, vom Blut Abels, des Gerechten, bis zum Blut des Zacharias, des Sohnes Barachjas[273], den ihr zwischen dem Heiligtum und dem Altar ermordetet. 36 Wahrlich! Ich sage euch: Dieses alles wird über dieses Geschlecht kommen.

    37 Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die steinigt, die zu ihr hingesandt worden sind! Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln in der Weise, wie eine Henne ihre eigenen Küken unter die Flügel sammelt! Und ihr wolltet nicht!

    38 Siehe! Euer Haus wird euch öde gelassen werden, 39 denn ich sage euch: Hinfort[274] werdet ihr mich auf keinen Fall sehen, bis ihr sagt: ‘Gelobt [sei] der, der kommt im Namen des Herrn!’“

 

24 1 Und Jesus ging hinaus und verließ die Tempelstätte. Und seine Jünger kamen herzu, ihm die Bauwerke der Tempelstätte zu zeigen.

    2 Aber Jesus sagte zu ihnen: „Seht ihr nicht auf dieses alles? Wahrlich! Ich sage euch: Keinesfalls wird hier gelassen werden Stein auf Stein, der nicht abgebrochen werden wird.“

    3 Als er am Berg der Olivenbäume saß, kamen zu ihm die Jünger, [als sie] für sich alleine [waren], und sagten: „Sage uns: Wann wird das sein? Und was ist das Zeichen deiner Ankunft ‹und Gegenwart›[275] und der Vollendung der Weltzeit*?“

    4 Und Jesus antwortete und sagte ihnen: „Seht ‹stets› zu, dass nicht jemand euch irreführe, 5 denn viele werden kommen ‹unter Berufung› auf meinen Namen[276] und sagen: ‘Ich bin der Gesalbte*.’ Und sie werden viele irreführen.

    6 Ihr werdet aber hören von Kriegen und Kriegsgerüchten. Seht euch ‹stets› vor! Seid nicht beunruhigt[277]! – denn es muss alles geschehen; doch ist es noch nicht das Ende, 7 denn es wird sich Volk gegen Volk erheben und Königreich gegen Königreich. Und es werden Hungersnöte und Seuchen und Beben ‹an verschiedenen Orten› sein. 8 Aber dieses alles ist der Anfang der Wehen.

    9 Dann werden sie euch in Bedrängnis ausliefern und werden euch töten. Und ihr werdet von allen Völkern gehasst sein wegen meines Namens. 10 Und dann werden viele Anstoß nehmen, ‹stolpern und zu Fall kommen›, und werden einander ausliefern und einander hassen. 11 Und viele falsche Propheten werden aufstehen[278] und werden viele irreführen. 12 Und wegen der Vermehrung der Gesetzlosigkeit[279] wird die Liebe der Vielen erkalten[280], 13 aber der, der bis zum Ende Ausdauer bewahrt haben wird, der wird gerettet werden. 14 Und diese gute Botschaft vom Königreich wird im ganzen Weltreich verkündet werden allen Völkern zum Zeugnis. Und dann wird das Ende kommen.

 

15 Wenn ihr also den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet wurde, an heiliger Stätte werdet °hingestellt sehen – der Lesende bedenke es! –, 16 dann sollen die, die in Judäa sind, auf die Berge fliehen. 17 Der, der auf dem Dach ist, steige nicht hinab, etwas aus dem Haus zu holen. 18 Und der, der auf dem Feld ist, kehre nicht um, seine Oberkleider zu holen. 19 Wehe aber den Schwangeren und Stillenden in jenen Tagen! 20 Aber betet[281], dass[282] eure Flucht nicht im Winter geschehe noch am Sabbat; 21 denn es wird dann große Bedrängnis sein, eine solche, die seit Anfang der Welt bis jetzt nicht geschehen ist, auch keinesfalls geschehen wird. 22 Und wenn jene Tage nicht kurz gemacht[283] würden, würde kein Fleisch gerettet. Aber der Erwählten wegen werden jene Tage kurz gemacht werden.

    23 Wenn dann jemand zu euch sagt: ‘Siehe! Hier ist der Gesalbte!’ oder: ‘Hier!’ glaubt es nicht, 24 denn es werden falsche Gesalbte[284] und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder darbieten, sodass irregeführt werden, wenn möglich, auch die Erwählten.

    25 Siehe: Ich habe es euch zuvor gesagt.

    26 Wenn sie also zu euch sagen: ‘Siehe! Er ist in der Wüste!’, geht nicht hinaus, ‘Siehe! In den Räumen!’, glaubt es nicht! – 27 denn gleichwie der Blitz vom Osten[285] ausfährt und bis in den Westen[286] scheint, so wird auch die Ankunft[287] des Menschensohnes sein, 28 °denn wo auch immer die Leiche ist, da werden sich die Geier sammeln.

    29 Sogleich nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Lichtschein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken versetzt werden.

    30 Und dann wird sichtbar werden das Zeichen des Menschensohnes am Himmel[288]. Und dann werden wehklagen ‹und sich an die Brust schlagen› alle Stämme der Erde, und sie werden den Sohn des Menschen sehen, kommend auf den Wolken des Himmels mit viel Kraft und Herrlichkeit. 31 Und er wird mit dem großen Schall einer Posaune seine Boten* senden, und sie werden seine Erwählten versammeln von den vier Winden[289], von Himmelsende bis Himmelsende[290].

 

32 Von dem Feigenbaum lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und die Blätter hervortreibt, merkt ihr, dass der Sommer nahe ist. 33 So merkt auch ihr, wenn ihr dieses alles geschehen seht, dass es[291] nahe ist, vor den Türen. 34 Wahrlich! Ich sage euch: Auf keinen Fall wird dieses °Geschlecht vergehen[292], bis dieses alles geschehen sein wird. 35 Der Himmel und die Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen auf keinen Fall[293].

 

36 Aber um jenen Tag und die Stunde weiß niemand – auch nicht die Boten* der Himmel – außer meinem Vater allein.

    37 Gleichwie die Tage Noahs, so wird auch die Ankunft* des Menschensohnes sein, 38 denn gleichwie sie in den Tagen vor der Flut waren – sie aßen und tranken, heirateten und verheirateten, bis zu dem Tage, an dem Noah in die Arche hineinging, 39 und sie nahmen es nicht zur Kenntnis, bis die Flut kam und alle ‹hinweg›nahm[294] – so wird auch die Ankunft* des Menschensohnes sein.

    40 Dann werden zwei auf dem Felde sein: Einer wird mitgenommen, und einer wird gelassen. 41 Zwei werden mit der Mühle am Mahlen sein: Eine wird mitgenommen, und eine wird gelassen. 42 Wacht also ‹stets›, weil ihr nicht wisst, zu welcher Stunde euer Herr kommt!

    43 Jenes aber nehmt zur Kenntnis: Hätte der Hausherr gewusst, in welcher Wache der Dieb komme, hätte er gewacht und nicht zugelassen, dass man sein Haus durchgrabe. 44 Deswegen werdet auch ihr bereit, weil der Sohn des Menschen zu einer Stunde kommt, zu der ihr es nicht meint.

    45 Wer ist dann der treue und kluge leibeigene Knecht, den sein Herr über seine Dienerschaft einsetzte, ihnen zu rechter Zeit die Speise zu geben? 46 Ein Seliger ist jener Knecht[295], den sein Herr, wenn er gekommen ist, so tun finden wird! 47 Wahrlich! Ich sage euch: Er wird ihn über seine ganze Habe einsetzen.

    48 Aber wenn jener schlechte Knecht in seinem Herzen sagen sollte: ‘Mein Herr verzieht zu kommen’ 49 und anfangen sollte, die Mitknechte zu schlagen und mit den Trunkenen zu essen und zu trinken, 50 wird der Herr jenes Knechtes an einem Tage kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, 51 und wird ihn entzweischneiden und wird [ihm] seinen Anteil geben mit den Heuchlern. Dort wird das Weinen sein und das Zähneknirschen.

 

25 1 Dann wird das Königreich der Himmel mit zehn Jungfrauen verglichen werden, die ihre Lampen nahmen und ausgingen, dem Bräutigam zu begegnen. 2 Fünf von ihnen waren klug und die fünf [anderen] töricht. 3 Die, die töricht waren, nahmen ihre Lampen, nahmen aber nicht Öl mit sich. 4 Aber die Klugen nahmen Öl in ihren Gefäßen mit ihren Lampen. 5 Als der Bräutigam aber verzog, nickten alle ein und schliefen.

    6 Mitten in der Nacht kam ein lauter Ruf: ‘Siehe! Der Bräutigam kommt! Geht aus, ihm zu begegnen!’

    7 Dann standen alle jene Jungfrauen auf und brachten ihre Lampen in Ordnung[296].

    8 Aber die Törichten sagten zu den Klugen: ‘Gebt uns von eurem Öl, weil unsere Lampen dabei sind zu verlöschen!’

    9 Die Klugen antworteten und sagten: ‘Es möchte wohl nicht ausreichen für uns und für euch. Geht lieber hin zu den Verkäufern und kauft für euch selbst.’

    10 Aber während sie weggingen zu kaufen, kam der Bräutigam. Und die, die bereit waren, gingen hinein mit ihm zum Hochzeitsfest. Und die Tür wurde geschlossen.

    11 Hernach kommen auch die anderen Jungfrauen und sagen: ‘Herr! Herr! Öffne uns!’

    12 Aber der Antwortende sagte: ‘Wahrlich! Ich sage euch: Ich weiß nicht, wer ihr seid.’

    13 Wacht also ‹stets›, weil ihr nicht den Tag wisst noch die Stunde, in der der Sohn des Menschen kommt;

 

14 denn [es ist] gleichwie [bei] einem Menschen, der außer Landes reiste[297] : Er rief seine leibeigenen Knechte und übergab ihnen seine Habe. 15 Einem gab er fünf Talente[298], einem andern zwei, einem anderen eines, jedem nach dem, was er persönlich vermochte. Und sogleich reiste er außer Landes.

    16 Der, der die fünf Talente bekam, ging hin und handelte mit ihnen und erwarb fünf weitere Talente. 17 Ebenso auch der mit den Zweien, auch er gewann: zwei weitere. 18 Aber der, der das eine [Talent] bekommen hatte, ging weg, grub in der Erde und verbarg das Geld seines Herrn.

    19 Nach langer[299] Zeit kommt der Herr jener Knechte[300] und hält Abrechnung mit ihnen.

    20 Und der, der die fünf Talente bekommen hatte, trat vor, brachte fünf weitere Talente mit und sagte: ‘Herr, fünf Talente übergabst du mir. Sieh! Fünf weitere Talente habe ich zu ihnen dazugewonnen.’

    21 Sein Herr sagte zu ihm: ‘Wohl [getan], guter und treuer Knecht. Du warst über wenigem treu. Ich werde dich über vieles einsetzen. Tritt ein in die Freude deines Herrn.’

    22 Der, der die zwei Talente bekommen hatte, trat vor und sagte: ‘Herr, zwei Talente übergabst du mir. Sieh! Zwei weitere Talente habe ich zu ihnen dazugewonnen.’

    23 Sein Herr sagte zu ihm: ‘Wohl [getan], guter und treuer Knecht. Du warst über Wenigem treu. Ich werde dich über Vieles einsetzen. Tritt ein in die Freude deines Herrn.’

    24 Auch der, der das eine Talent bekommen hatte, trat vor und sagte: ‘Herr, ich kannte dich: Du bist ein harter Mensch, erntest, wo du nicht sätest, und sammelst, wo du nicht ausstreutest. 25 Und da ich mich fürchtete, ging ich weg und verbarg dein Talent in der Erde. Sieh! Du hast [hier] das Deine.’

    26 Sein Herr antwortete und sagte zu ihm: ‘Böser und säumiger Knecht! Du wusstest, dass ich ernte, wo ich nicht säte, und sammle, wo ich nicht ausstreute? 27 Du hättest also mein Geld bei den Wechslern anlegen sollen, und ich hätte bei meinem Kommen das Meine mit Zinsen zurückerhalten.’

    28 ‘Nehmt ihm also das Talent ab und gebt es dem, der die zehn Talente hat, 29 denn jedem, der hat, wird gegeben werden und in reichem Maße gewährt werden, aber von dem, der nicht hat, ihm wird auch das abgenommen werden, was er hat. 30 Und den unnützen Knecht tut hinaus in die Finsternis, die ‹ganz› draußen ist. Dort wird das Weinen sein und das Zähneknirschen.’

 

31 Wenn der Sohn des Menschen in seiner Herrlichkeit kommt und alle heiligen Boten* mit ihm, dann wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen. 32 Und es werden versammelt werden vor ihm alle aus den Völkern. Und er wird sie voneinander sondern, wie der Hirte die Schafe von den Ziegen[301] sondert. 33 Und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Ziegen zu seiner Linken.

    34 Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: ‘Kommt her, ihr von meinem Vater Gesegneten! Erbt das Königreich, das von Gründung der Welt an euch bereitet war, 35 denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war ein Fremder, und ihr ludet mich ein[302], 36 war unbekleidet[303], und ihr umkleidetet mich[304], war krank, und ihr besuchtet mich, war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir.’

    37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: ‘Herr, wann sahen wir dich hungernd und speisten dich, oder dürstend und gaben dir zu trinken? 38 Wann sahen wir dich als Fremden und luden dich ein[305] oder unbekleidet und umkleideten dich? 39 Wann sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir?’

    40 Und der König wird ihnen antworten und sagen: ‘Wahrlich! Ich sage euch: In dem Maße, wie ihr es einem dieser meiner geringsten Brüder tatet, tatet ihr es mir.’

    41 Dann wird er auch zu denen zur Linken [reden und] sagen: ‘Geht hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige* Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Boten*, 42 denn mich hungerte, und ihr gabt mir nicht zu essen, dürstete, und ihr gabt mir nicht zu trinken; 43 ich war ein Fremder, und ihr ludet mich nicht ein[306], unbekleidet, und ihr umkleidetet mich nicht, krank und im Gefängnis, und ihr besuchtet mich nicht.’

    44 Dann werden auch die ihm antworten: ‘Herr,’ werden sie sagen, ‘wann sahen wir dich hungernd oder dürstend oder als Fremden oder unbekleidet oder krank oder im Gefängnis und dienten dir nicht?’

    45 Dann wird er ihnen antworten mit den Worten: ‘Wahrlich! Ich sage euch: So viel ihr einem dieser Geringsten nicht tatet, tatet ihr auch mir nicht.’

    46 Und diese werden weggehen in die ewige* Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.“

 

26 1 Und es geschah, als Jesus alle diese Reden beendet hatte, sagte er zu seinen Jüngern: 2 „Ihr wisst, dass nach zwei Tagen das Passa stattfindet. Und der Sohn des Menschen wird ausgeliefert, um gekreuzigt zu werden.“

    3 Dann versammelten sich die Hohen Priester und die Schriftgelehrten und die Ältesten des Volkes zum Hof[307] des Hohen Priesters, der Kajaphas hieß, 4 und sie beratschlagten miteinander, damit sie Jesus mit List griffen und töteten.

    5 Sie sagten aber: „Nicht am Fest, damit nicht ein Tumult entstehe unter dem Volk.“

 

6 Als Jesus in Bethanien[308] angelangt war, im Hause Simons, des Aussätzigen, 7 trat eine Frau zu ihm heran, die ein Alabasterfläschchen mit sehr kostbarem Salböl hatte, und goss es aus auf sein Haupt, als er [zu Tisch] lag.

    8 Als seine Jünger es sahen, wurden sie unwillig und sagten: „Wozu diese Vergeudung[309]? 9 – denn dieses Salböl hätte teuer verkauft und den Armen gegeben werden können.“

    10 Jesus, in Kenntnis davon, sagte zu ihnen: „Was bereitet ihr der Frau Mühe? – denn sie tat ein edles Werk an mir, 11 denn die Armen habt ihr allezeit bei euch; mich habt ihr aber nicht allezeit; 12 denn als sie dieses Salböl über meinen Leib goss, tat sie es zu meinem Begräbnis. 13 Wahrlich! Ich sage euch: Wo immer diese gute Botschaft verkündet wird in der ganzen Welt, wird auch von dem geredet werden, was diese tat, zu ihrem Gedenken.“

 

14 Dann ging einer von den Zwölfen, genannt Judas Iskariot, hinweg zu den Hohen Priestern 15 und sagte: „Was wollt ihr mir geben? – und ich werde ihn euch ausliefern.“

    Sie setzten ihm dreißig Silberstücke fest. 16 Und von da an suchte er ‹eine günstige› Gelegenheit, ihn auszuliefern.

 

17 Am ersten [Tage] der ungesäuerten [Brote][310] traten die Jünger zu Jesus und sagten zu ihm: „Wo willst du, dass wir dir das Passa zum Essen vorbereiten?“

    18 Er sagte: „Geht in die Stadt, hin zu dem und dem und sagt ihm: ‘Der Lehrer sagt: Meine Zeit ist nahe. Bei dir halte ich das Passa mit meinen Jüngern.’“

    19 Und die Jünger taten, wie Jesus ihnen angeordnet hatte, und bereiteten das Passa vor.

    20 Als es Abend geworden war, legte er sich mit den Zwölfen [zu Tisch].

    21 Und als sie aßen, sagte er: „Wahrlich! Ich sage euch: Einer von euch wird mich ‹verraten und› ausliefern.“

    22 Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, zu ihm zu sagen, jeder von ihnen: „Bin ich es, Herr?“[311]

    23 Er antwortete und sagte: „Der, der mit mir die Hand in die Schüssel eintauchte, der wird mich ‹verraten und› ausliefern. 24 Der Sohn des Menschen geht in der Tat dahin, so wie über ihn geschrieben ist, aber wehe jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen ‹verraten und› ausgeliefert wird! Es wäre für jenen Menschen von Vorteil[312], wenn er nicht geboren worden wäre.“

    25 Judas, der dabei war, ihn ‹zu verraten und› auszuliefern, antwortete* und sagte: „Bin ich es, Rabbi?“

    Er sagt zu ihm: „Du hast es gesagt.“

    26 Während sie aßen, nahm Jesus das Brot, lobte, brach und gab es[313] den Jüngern und sagte: „Nehmt. Esst. Dieses ist[314] mein Leib!“

    27 Und er nahm den Becher und dankte und gab ihnen mit den Worten: „Trinkt alle davon, 28 denn dieses ist mein Blut, das des neuen Bundes[315], das für viele vergossen wird, zur Vergebung der Sünden. 29 Ich sage euch: Ich werde von jetzt an auf keinen Fall mehr von diesem Erzeugnis des Weinstocks trinken bis zu jenem Tage, wenn ich es aufs Neue mit euch trinke im Königreich meines Vaters.“

    30 Und als sie eine Hymne gesungen hatten, gingen sie hinaus Richtung Berg der Olivenbäume.

 

31 Zu der Zeit sagte Jesus zu ihnen: „In dieser Nacht werdet ihr alle an mir Anstoß nehmen, ‹stolpern und zu Fall kommen›, denn es ist geschrieben: ‘Ich werde den Hirten der Herde schlagen, und die Schafe werden zerstreut werden.’ {Sac 13,7}

    32 Aber nachdem ich erweckt sein werde, werde ich euch voran nach Galiläa gehen.“

    33 Petrus antwortete* und sagte ihm: „Wenn auch alle an dir Anstoß nehmen ‹und stolpern und zu Fall kommen› werden, ich werde niemals Anstoß nehmen!“

    34 Jesus sagte zu ihm: „Wahrlich! Ich sage dir: In dieser Nacht, ehe ein Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“

    35 Petrus sagt zu ihm: „Selbst wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich auf keinen Fall verleugnen.“

    Gleicherweise sagten auch alle Jünger.

 

36 Dann kommt Jesus mit ihnen an ein Grundstück, genannt Gethsemane[316], und er sagt zu den Jüngern: „Setzt euch hier, während ich weggehe und dort bete.“

    37 Und er nahm Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit sich und fing an, betrübt zu werden und geängstigt zu sein.

    38 Dann sagt er zu ihnen: „Meine Seele ist sehr, sehr betrübt[317], bis zum Tode. Bleibt hier und wacht ‹anhaltend› mit mir!“

    39 Und er ging ein wenig vor, fiel auf sein Angesicht, betete und sagte: „Mein Vater, wenn es möglich ist, möge dieser Becher an mir[318] vorübergehen. Doch nicht wie ich will, sondern wie du [willst]!“

    40 Und er kommt hin zu den Jüngern und findet sie schlafend.

    Und er sagt zu Petrus: „So? Wart ihr nicht imstande, eine Stunde mit mir zu wachen? 41 Wacht und betet[319], damit[320] ihr nicht in Versuchung hineingeratet. Der Geist ist bereitwillig, ja, aber das Fleisch schwach.“

    42 Wiederum, zum zweiten Mal, ging er weg und betete:

    „Mein Vater,“ sagte er, „wenn dieser Becher nicht von mir weg vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, [so] geschehe dein Wille.“

    43 Und er kommt und findet sie wiederum schlafend, denn ihre Augen waren beschwert. 44 Und er ließ sie, ging wieder weg und betete zum dritten Mal. Er sagte dasselbe Wort.

    45 Dann kommt er hin zu seinen Jüngern und sagt zu ihnen: „Ihr schlaft vollends und ruht euch aus.“[321]

 

„Siehe! Die Stunde ist nahe gekommen, und der Sohn des Menschen wird in die Hände von Sündern ausgeliefert. 46 Steht auf! Lasst uns gehen! Siehe! Der mich ‹verrät und› ausliefert, hat sich genaht.“

    47 Und während er noch redete – siehe – da kam Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine zahlreiche Menge, mit Schwertern und Stöcken, von den Hohen Priestern und Ältesten des Volkes her.

    48 Der, der ihn ‹verriet und› auslieferte, hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: „Der, den ich küsse, der ist es. Den greift!“

    49 Und sogleich ging er hin zu Jesus und sagte: „Freue dich*, Rabbi!“ und küsste ihn herzlich[322].

    50 Aber Jesus sagte zu ihm: „Gefährte, für was bist du da?“

    Dann traten sie heran, legten die Hände an Jesus und griffen ihn.

    51 Und – siehe! – einer von denen, die mit Jesus waren, streckte die Hand aus, zog sein Schwert heraus und schlug den leibeigenen Knecht des Hohen Priesters und hieb ihm das Ohr ab.

    52 Da sagt Jesus zu ihm: „Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort! – denn alle, die das Schwert genommen haben, werden durchs Schwert umkommen. 53 Oder meinst du, ich kann jetzt nicht meinen Vater bittend anrufen, und er wird mir mehr als zwölf Legionen Boten[323] bereitstellen? 54 Wie sollten also die Schriften erfüllt werden, dass es so geschehen muss?“

    55 In jener Stunde sagte Jesus zu den Mengen: „Wie gegen einen Räuber zogt ihr aus, mit Schwertern und Stöcken, mich festzunehmen.[324] Täglich saß ich bei euch[325] in der Tempelstätte und lehrte, und ihr grifft mich nicht. 56 Aber dieses Ganze ist geschehen, damit die Schriften der Propheten erfüllt würden.“

    Dann verließen ihn die Jünger alle und flohen.

57 Die, die Jesus gegriffen hatten, führten ihn ab, hin zu Kajaphas, dem Hohen Priester, wo die Schriftgelehrten und die Ältesten zusammengekommen waren.

    58 Petrus folgte ihm von ferne bis zum Hof des Hohen Priesters. Und er ging hinein und setzte sich zu den verantwortlichen Dienern, um das Ende zu sehen.

    59 Die Hohen Priester und die Ältesten und der ganze Hohe Rat* suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, auf dass sie ihn zu Tode brächten. 60 Und sie fanden keines. Auch nachdem viele falsche Zeugen herzutraten, fanden sie keines.

    Hernach traten zwei falsche Zeugen herbei 61 und sagten: „Dieser sagte: ‘Ich kann das Heiligtum Gottes abbrechen und es während drei Tage wieder bauen.’“

    62 Und der Hohe Priester stand auf und sagte zu ihm: „Antwortest du nichts? Was zeugen diese gegen dich?“

    63 Aber Jesus ‹fuhr fort zu› schweigen.

    Und der Hohe Priester antwortete* und sagte ihm: „Ich beschwöre dich bei dem lebenden Gott, dass du uns sagst, ob du der Gesalbte* bist, der Sohn Gottes!“

    64 Jesus sagt zu ihm: „Du hast es gesagt. Zudem sage ich euch: Hinfort [gilt][326]: Ihr werdet den Sohn des Menschen sehen, sitzend zur Rechten der Kraft und kommend auf den Wolken des Himmels.“[327]

    65 Dann zerriss der Hohe Priester seine Oberkleider und sagte: „Er hat gelästert! Was brauchen wir noch Zeugen? Sieh! Nun habt ihr seine Lästerung gehört. 66 Was meint ihr?“

    Sie antworteten und sagten: „Er ist des Todes schuldig!“

    67 Dann spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn mit Fäusten.

    Andere versetzten ihm Schläge ins Gesicht 68 und sagten: „Weissage uns, Gesalbter! Wer ist’s, der dich schlug?“

 

69 Aber Petrus saß draußen im Hof.

    Und es trat eine gewisse Magd zu ihm hin und sagte: „Auch du warst mit Jesus, dem Galiläer.“

    70 Aber er leugnete vor allen und sagte: „Ich weiß nicht, was du sagst.“

    71 Als er in den Torausgang hinausgegangen war[328], sah ihn eine andere, und sie sagt zu denen, die dort waren: „Auch dieser war mit Jesus, dem Nazarener.“

    72 Und wieder leugnete er, mit einem Eid: „Ich weiß nicht von dem Menschen, ‹kenne ihn nicht›!“

    73 Nach kurzem traten die Umstehenden herbei und sagten zu Petrus: „Wahrlich, auch du bist einer von ihnen, denn auch dein Reden macht dich offenkundig.“

    74 Da fing er an, sich zu verwünschen und zu schwören: „Ich weiß nicht von dem Menschen!“

    Und sogleich krähte ein Hahn.

    75 Und Petrus erinnerte sich an das Wort*[329] Jesu, das er ihm gesagt hatte: „Ehe ein Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“

    Und er ging nach draußen und weinte bitterlich.

 

27 1 Als es Morgen geworden war, hielten alle Hohen Priester und Ältesten des Volkes Rat gegen Jesus, um ihn zu Tode zu bringen. 2 Und sie banden ihn, führten ihn ab und lieferten ihn Pontius Pilatus, dem Statthalter, aus.

 

3 Als dann Judas, der ihn ausgeliefert hatte, sah, dass er verurteilt wurde, reute es ihn, und er brachte die dreißig Silberstücke den Hohen Priestern und den Ältesten zurück 4 und sagte: „Ich sündigte! Ich lieferte schuldloses Blut aus!“

    Aber sie sagten: „Was geht das uns an? Sieh du [zu][330]!“

    5 Und er warf die Silberstücke im Tempelheiligtum hin, zog sich zurück und ging hin und erhängte sich.

    6 Die Hohen Priester nahmen die Silberstücke und sagten: „Es ist nicht gestattet, sie in den Tempelschatz zu werfen, weil es Blutgeld ist.“

    7 Sie hielten Rat und kauften für ‹das Geld› das Feld des Töpfers als Begräbnisstätte für die Fremden. 8 Darum wurde jenes Feld ‘Feld des Blutes’ genannt, bis heute.

    9 Dann wurde das erfüllt, was durch Jeremia, den Propheten, geredet wurde, als er sagte: „Und sie nahmen die dreißig Silberstücke, den Preis des Geschätzten, den man geschätzt hatte seitens der Söhne Israels, 10 und gaben sie für das Feld des Töpfers, wie mir der Herr angeordnet hatte.“ {Sac 11,12.13}[331]

 

11 Jesus stand ‹also› vor dem Statthalter.

    Und der Statthalter befragte ihn mit den Worten: „Bist du der König der Juden?“

    Jesus sagte zu ihm: „Du sagst es.“

    12 Und als er von den Hohen Priestern und den Ältesten angeklagt wurde, antwortete er nichts.

    13 Dann sagt Pilatus zu ihm: „Hörst du nicht, wie vieles sie gegen dich zeugen?“

    14 Und er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort*, sodass sich der Statthalter sehr verwunderte.

 

15 Aber jeweils zum Fest war der Statthalter gewohnt, der Volksmenge einen Gefangenen freizulassen, den sie wollten. 16 Sie hatten zu dieser Zeit einen berüchtigten Gefangenen, genannt Barabbas[332].

    17 Als sie also versammelt waren, sagte Pilatus zu ihnen: „Wen wollt ihr, dass ich euch freilasse, Barabbas oder Jesus, der ‘Gesalbter’ genannt wird?“ 18 – denn er hatte gemerkt, dass sie ihn aus Neid ausgeliefert hatten.

    19 Während er auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und sagte: „‹Habe› du nichts ‹zu schaffen› mit jenem Gerechten! – denn ich litt heute im Traum viel seinetwegen.“

    20 Aber die Hohen Priester und die Ältesten überredeten die Mengen, dass sie sich den Barabbas forderten, Jesus aber umbrächten.

    21 Der Statthalter antwortete* und sagte zu ihnen: „Welchen von den Zweien wollt ihr, dass ich euch freilasse?“

    Sie sagten: „Barabbas!“

    22 Pilatus sagt zu ihnen: „Was soll ich also mit Jesus tun, der ‘Gesalbter’ genannt wird?“

    Sie sagen alle zu ihm: „Er werde gekreuzigt!“

    23 Der Statthalter sagte: „Was tat er denn Übles?“

    Sie schrien aber über die Maßen und sagten: „Er werde gekreuzigt!“

    24 Als Pilatus sah, dass es nichts nützte, sondern dass vielmehr ein Tumult entstand, nahm er Wasser und wusch sich vor der Volksmenge die Hände mit den Worten: „Ich bin schuldlos am Blut dieses Gerechten. Ihr sollt sehen[333]!“

    25 Und das ganze Volk antwortete* und sagte: „Sein Blut [komme] auf uns und auf unsere Kinder!“

    26 Da ließ er ihnen Barabbas frei. Aber Jesus geißelte er und überlieferte er, dass er gekreuzigt werde.

 

27 Dann nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus zu sich in das Prätorium* und versammelten um ihn die ganze Truppe. 28 Und sie zogen ihn aus und legten ihm einen scharlachroten Soldatenmantel um. 29 Sie flochten von Dornen eine Krone, setzten sie auf sein Haupt und [gaben] ihm einen Rohrstock an seine Rechte; und sie beugten die Knie vor ihm, verspotteten ihn[334] und sagten: „Freue dich*, König der Juden!“

    30 Und sie spuckten ihn an, nahmen den Rohrstock und schlugen ihn auf das Haupt[335]. 31 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Soldatenmantel aus und zogen ihm seine eigenen Oberkleider an. Und sie führten ihn ab zum Kreuzigen.

 

32 Als sie hinausgingen, fanden sie einen Mann*, einen Kyrenier namens Simon. Den zwangen sie, dass er ihm das Kreuz hebe ‹und trage›. 33 Und sie kamen an eine Stätte, genannt Golgotha (die wird ‘Schädelstätte’ genannt), 34 und gaben ihm mit Galle vermischten sauren Wein zu trinken. Und als er davon gekostet hatte, wollte er nicht trinken.

    35 °Als sie ihn gekreuzigt hatten, warfen sie das Los und verteilten seine Oberkleider, damit das erfüllt werde, was von dem Propheten geredet wurde: „Sie verteilten meine Oberkleider unter sich, und über mein Gewand warfen sie das Los.“ {Ps 22,19}

    36 Und sie saßen und bewachten ihn dort.

    37 Und sie befestigten oben über seinem Haupt seine geschriebene Anklage: „Dieser ist Jesus, der König der Juden.“

    38 Zusammen mit ihm werden dann zwei Räuber gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.

    39 Die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf 40 und sagten: „Der du das Tempelheiligtum abbrichst und in drei Tagen baust, rette dich selbst. Wenn du Gottes Sohn bist, steige herab vom Kreuz!“

    41 Gleicherweise spotteten auch die Hohen Priester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sagten: 42 „Andere rettete er. Sich selbst kann er nicht retten! Wenn er Israels König ist, steige er nun herab vom Kreuz, und wir werden ihm glauben. 43 Er hat sich auf Gott verlassen. Der befreie ihn nun, wenn er ihn will, denn er sagte: ‘Ich bin Gottes Sohn.’“

    44 Auf dieselbe Weise schimpften gegen ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.

    45 Von der sechsten Stunde an entstand Finsternis über die ganze °Erde bis zur neunten Stunde.

    46 Um die neunte Stunde rief Jesus mit großer, ‹lauter› Stimme und sagte: „Eli, Eli, lama sabachthani?“ (Das heißt: „Mein Gott! Mein Gott! Warum hast du mich verlassen?“)

    47 Als einige von den dort Stehenden es hörten, sagten sie: „Der ruft den Elia.“

    48 Und sogleich lief einer von ihnen und nahm einen Schwamm, füllte ihn mit saurem Wein, steckte ihn auf einen Rohrstab und gab ihm zu trinken.

    49 Die anderen sagten: „Lass ab! Wir wollen sehen, ob Elia kommt, ihn zu retten!“

    50 Jesus rief wieder mit großer, ‹lauter› Stimme und gab den Geist auf.

    51 Und – siehe! – der Vorhang des Tempelheiligtums wurde zerrissen in zwei [Stücke], von oben bis unten. Und die Erde wurde erschüttert, und die Felsen wurden gespalten, 52 und die Gräber wurden aufgetan. Und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden erweckt, 53 und sie gingen nach seiner Auferweckung aus den Gräbern und gingen hinein in die heilige Stadt und erschienen vielen.

    54 Als der Hauptmann und die, die mit ihm Jesus bewachten, das Beben sahen und das, was geschah, fürchteten sie sich sehr und sagten: „Wahrlich, dieser war Gottes Sohn!“

    55 Es waren dort auch, von ferne zuschauend, viele Frauen, welche Jesus von Galiläa her gefolgt waren und ihm gedient hatten. 56 Unter ihnen waren Maria von Magdala und Maria, des Jakobus und Joses Mutter, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

 

57 Als es Abend geworden war, kam ein reicher Mann* von Arimathäa namens Joseph, der auch selbst ein Jünger Jesu war. 58 Dieser ging hin zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, dass der Leib hergegeben werde. 59 Und Joseph nahm den Leib und wickelte ihn in reines Leinentuch 60 und legte ihn in sein ganz neues Grab, das er im Felsen ausgehauen hatte. Und er wälzte einen großen Stein hin zu der Tür des Grabes und ging weg. 61 Es waren dort Maria von Magdala und die andere Maria, und sie saßen der Grabstätte gegenüber.

 

62 Am nächsten Tag, welcher nach dem Rüsttag[336] ist, versammelten sich die Hohen Priester und die Pharisäer zu Pilatus 63 und sagten: „Herr, wir wurden erinnert, dass jener Irreführer, als er noch lebte, sagte: ‘Nach drei Tagen werde ich wieder erweckt.’ 64 Gib also Befehl, dass die Grabstätte gesichert werde bis[337] zum dritten Tage, damit nicht etwa seine Jünger nachts kommen, ihn stehlen und dem Volk sagen: ‘Er wurde von den Toten erweckt.’ Und es wird die letzte Irreführung schlimmer sein als die erste.“

    65 Pilatus sagte zu ihnen: „Ihr habt eine Wache. Geht hin. Sichert es, so gut ihr wisst.“

    66 Sie gingen hin, versiegelten den Stein und sicherten die Grabstätte mit der Wache.

 

28 1 Nach dem Sabbat, als es zum ersten [Tage] der Woche aufleuchtete, geht[338] Maria von Magdala – und die andere Maria –, die Grabstätte zu beschauen. 2 Und – siehe! – es entstand ein großes Beben, denn ein Bote* des Herrn fuhr vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein von der Tür weg und setzte sich darauf.[339] 3 Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand ‹glänzend› weiß, wie Schnee. 4 Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und wurden gleichsam wie Tote.

    5 Der Bote antwortete* und sagte den Frauen: „Fürchtet ihr euch nicht! – denn ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. 6 Er ist nicht hier, denn er wurde erweckt, so wie er sagte. Kommt her! Seht die Stätte, wo der Herr lag. 7 Und geht schnell hin und sagt seinen Jüngern: Er wurde von den Toten erweckt. Siehe! Er geht euch voran nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen. Siehe! Ich habe es euch gesagt.“

    8 Sie gingen schnell hinaus, vom Grab weg, mit Furcht und großer Freude und liefen, seinen Jüngern Bericht zu geben.

    9 Aber als sie hingingen, um seinen Jüngern Bericht zu geben – siehe! – da kam Jesus ihnen entgegen:

    „Freut euch!“* sagte er.

    Sie traten heran und fassten seine Füße und huldigten ihm.

    10 Dann sagt Jesus zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Geht und gebt meinen Brüdern Bericht, damit sie nach Galiläa gehen. Dort werden sie mich sehen.“

 

11 Während sie hingingen – siehe! – von der Wache kamen etliche in die Stadt und gaben den Hohen Priestern Bericht von allem, was geschehen war. 12 Und die versammelten sich mit den Ältesten.

    Und nachdem sie Rat gehalten hatten, gaben sie den Soldaten hinreichend Silberstücke 13 mit den Worten: „Sagt: ‘Seine Jünger kamen bei Nacht und stahlen ihn, während wir schliefen.’

    14 Und falls dieses dem Statthalter zu Ohren kommt, werden wir ihn überreden und machen, dass ihr sorgenfrei seid.“

    15 Sie nahmen die Silberstücke und taten, wie sie gelehrt worden waren. Und dieses Wort wurde bei den Juden verbreitet bis zum heutigen [Tage].

 

16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa zu dem Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. 17 Und als sie ihn sahen, huldigten sie ihm. Sie waren aber im Zwiespalt.

    18 Und Jesus kam herzu, redete zu ihnen und sagte: „Mir wurde alle Vollmacht* gegeben im Himmel und auf Erden. 19 Geht also hin und macht zu Jüngern alle in den Völkern und tauft sie[340] auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehrt sie zu halten ‹und zu bewahren› alles, was immer ich euch gebot. Und – siehe! – ich bin bei euch alle Tage, bis zur Vollendung der Weltzeit*.“

 

Amen.

 

 


Die gute Botschaft nach Markus

 

1 1 Anfang der guten Botschaft von Jesus Christus*, °dem Sohne Gottes°, 2 wie geschrieben ist in den Propheten:

    „Siehe! Ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten wird.“ {Vgl. Mal 3,1.}

    3 „Stimme eines Rufenden in der Wüste[341]: ‘Bereitet den Weg des Herrn! Macht seine Pfade gerade.’“ {Vgl. Jes 40,3.}

    4 Johannes trat auf[342] in der Wüste: Er taufte und verkündete eine Taufe der Buße* zur[343] °Vergebung der Sünden. 5 Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land; auch die von Jerusalem [gingen]. Und, ihre Sünden bekennend, wurden sie alle von ihm im Jordanfluss getauft. 6 Johannes war mit [einem Gewand aus] Kamelhaar bekleidet und mit einem ledernen Gürtel um seine Lenden. Und er aß Heuschrecken und wilden Honig.

    7 Und er verkündete: „Nach mir kommt der, der stärker ist als ich, dessen Schuhriemen gebückt zu lösen ich nicht wert bin. 8 Ich taufte euch in Wasser, aber er wird euch im Heiligen Geist taufen.“

 

9 Und es geschah in jenen Tagen, dass Jesus von Nazaret in Galiläa kam, und er wurde von Johannes in den Jordan getauft. 10 Und sogleich, als er aus dem Wasser aufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den Geist auf ihn niederfahren gleichwie eine Taube.

    11 Und es geschah eine Stimme aus den Himmeln: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen fand.“

 

12 Und sogleich treibt ihn der Geist in die Wüste hinaus. 13 Und er war dort in der Wüste vierzig Tage, wurde von dem Satan versucht und war unter den wilden Tieren. Und die [himmlischen] Boten dienten ihm.

 

14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, kam Jesus nach Galiläa, verkündete die gute Botschaft vom Königreich Gottes 15 und sagte: „Die Zeit ist erfüllt, und das Königreich Gottes hat sich genaht. Tut Buße[344] und glaubt[345] an die gute Botschaft[346]!“

    16 Und als er den See von Galiläa entlang ging, sah er Simon und seinen Bruder Andreas, wie sie °auf dem See[347] ein Wurfnetz auswarfen, denn sie waren Fischer.

    17 Und Jesus sagte zu ihnen: „Kommt her, mir nach, und ich werde machen, dass ihr Menschenfischer werdet.“

    18 Und sogleich verließen sie ihre Netze und folgten ihm.

    19 Und als er von dort ein wenig weiterging, sah er Jakobus, den [Sohn] des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes °und diese im Schiff, wie sie die Netze instand setzten. 20 Und sogleich rief er sie. Und sie ließen ihren Vater Zebedäus im Schiff mit den Lohnarbeitern und gingen weg, ihm nach.

 

21 Und sie gehen nach Kaperna-um, in [den Ort]. Und sogleich am Sabbat ging[348] er in die Synagoge und lehrte. 22 Und sie erstaunten über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht* hatte, und nicht wie die Schriftgelehrten.

    23 Und es war in ihrer Synagoge ein Mann* in[349] einem unreinen Geist. Und er schrie auf:

    24 „Heh!“ sagte er, „Was haben wir mit dir [zu tun][350], Jesus, Nazarener? Kamst du, uns zu verderben? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.“

    25 Und Jesus schalt ihn: „Verstumme“[351], sagte er, „und fahre aus von ihm!“

    26 Und der unreine Geist zerrte ihn und schrie mit großer, ‹lauter› Stimme und fuhr aus von ihm.

    27 Und sie erschraken alle, sodass sie untereinander disputierten:

    „Was ist das?“[352] sagten sie. „Was ist das für eine neue Lehre – weil er mit Vollmacht* sogar den unreinen Geistern befiehlt und sie ihm gehorchen?“

    28 Und die Kunde[353] von ihm ging sogleich aus in die ganze Umgegend von Galiläa.

 

29 Und als sie aus der Synagoge hinausgegangen waren, kamen sie gleich – mit Jakobus und Johannes – in das Haus des Simon und Andreas. 30 Aber die Schwiegermutter Simons lag fieberkrank danieder. Und sogleich sagen sie ihm von ihr. 31 Und er trat hinzu, fasste sie bei der Hand und richtete sie auf. Und das Fieber verließ sie sogleich. Und sie diente ihnen[354].

    32 Als es Abend geworden und die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm hin alle, denen es übel ging, auch die Dämonisierten[355]. 33 Und die ganze Stadt war zur Tür hin versammelt. 34 Und er heilte viele, denen es durch mancherlei Krankheiten übel ging, und trieb viele Dämonen aus und ließ die Dämonen nicht reden, weil sie wussten, wer er war.

 

35 Und frühmorgens[356], als es noch sehr nächtlich war, stand er auf, ging hinaus und weg an einen einsamen, ‹öden› Ort. Und dort war er am Beten. 36 Und Simon und die, die mit ihm [waren], folgten ihm.

    37 Und nachdem sie ihn gefunden haben, sagen sie zu ihm: „Alle suchen dich!“

    38 Und er sagt zu ihnen: „Lasst uns in die benachbarten Landortschaften[357] gehen, damit ich auch dort verkünde, denn dazu bin ich ausgegangen.“

    39 Und ‹für eine Zeitlang› verkündete er durch ganz Galiläa in ihren Synagogen und trieb Dämonen aus.

 

40 Und es kommt zu ihm ein Aussätziger mit einem Bittruf an ihn und fällt vor ihm auf die Knie und sagt zu ihm: „Wenn du willst, kannst du mich reinigen!“

    41 Jesus, von Erbarmen bewegt, streckte die Hand aus und rührte ihn an.

    Und er sagt zu ihm: „Ich will! Werde gereinigt!“

    42 Und sogleich, als er es gesagt hatte, wich der Aussatz von ihm, und er wurde gereinigt.

    43 Und er verpflichtete ihn mit allem Ernst und wies ihn sogleich hinaus, 44 und er sagt zu ihm: „Sieh, dass du niemandem etwas sagst, sondern gehe hin, zeige dich dem Priester und bringe für deine Reinigung dar, was Mose anordnete – ihnen zu einem Zeugnis.“

    45 Aber er ging hinaus und fing an, die Sache[358] viel zu verkünden und mündlich zu verbreiten, sodass er nicht mehr öffentlich in eine Stadt hineingehen konnte, sondern er war draußen an einsamen, ‹öden› Orten, und sie kamen von überall her zu ihm hin.

 

2 1 Nach einigen Tagen ging er wieder nach Kaperna-um, in [den Ort].

    Und man hörte: „Er ist in das Haus [gegangen].“

    2 Und sogleich versammelten sich viele, sodass kein Platz mehr war, auch nicht zur Tür hin. Und er redete zu ihnen das Wort.

    3 Und sie kommen und bringen einen Gelähmten hin zu ihm, von Vieren getragen. 4 Und da sie wegen der Menge nicht näher zu ihm herankommen konnten, deckten sie dort, wo er war, das Dach ab. Und nachdem sie [davon etwas] herausgebrochen haben, lassen sie die Lagermatte, auf der der Gelähmte lag, herunter.

    5 Als Jesus ihren Glauben sieht, sagt er zu dem Gelähmten: „Kind, deine Sünden sind dir vergeben.“

    6 Aber es saßen dort etliche von den Schriftgelehrten.

    Die überlegten in ihren Herzen: 7 „Was für Lästerungen redet dieser so? Wer kann Sünden vergeben als nur einer, Gott?“

    8 Und sogleich erkannte Jesus kraft seines Geistes, dass sie so bei sich überlegten, und sagte zu ihnen: „Was überlegt ihr dieses in euren Herzen? 9 Was ist leichter? – zu dem Gelähmten zu sagen: ‘Die Sünden sind dir vergeben’, oder zu sagen: ‘Stehe auf, nimm deine Lagermatte auf und gehe’?

    10 Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht* hat, auf der Erde Sünden zu vergeben“, sagt er zu dem Gelähmten: 11 „Ich sage dir: Stehe auf und nimm deine Lagermatte auf und gehe hin in dein Haus!“

    12 Und er stand sogleich auf, nahm die Lagermatte auf und ging in Gegenwart von allen hinaus, sodass alle erstaunt waren, Gott verherrlichten und sagten: „Noch nie haben wir so etwas gesehen!“

 

13 Und er ging wieder hinaus an den See. Und die ganze Menge kam ‹nach und nach› hin zu ihm. Und er lehrte sie[359].

    14 Und als er vorüberging, sah er Levi, den [Sohn] des Alphäus, an der Zollstätte sitzen, und er sagt zu ihm: „Folge mir!“

    Und er stand auf und folgte ihm.

    15 Und es geschah, während er in dessen Haus [zu Tisch] lag, dass auch viele Zolleinnehmer[360] und Sünder sich mit Jesus und seinen Jüngern [zu Tisch] legten, denn es waren viele, und sie folgten ihm.

    16 Als die Schriftgelehrten und die Pharisäer ihn sahen, dass er mit den Zolleinnehmern und Sündern aß, sagten sie zu seinen Jüngern: „Warum isst und trinkt er mit den Zolleinnehmern und Sündern?“

    17 Als Jesus es hörte, sagt er ihnen: „Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die, denen es übel geht. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße*.“

 

18 Und die Jünger des Johannes und die der Pharisäer pflegten zu fasten.

    Und man kommt und sagt zu ihm: „Weshalb fasten die Jünger des Johannes und die der Pharisäer, deine Jünger fasten aber nicht?“

    19 Und Jesus sagte zu ihnen: „Können die ‘Söhne[361] des Brautgemachs’[362] fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten. 20 Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann, in jenen Tagen, werden sie fasten.“

    21 „Und niemand setzt ein Stück Stoff[363] aus ungewalktem[364] Tuch auf ein altes Kleid. Sonst reißt das Eingesetzte [etwas] von ihm weg, das Neue vom Alten, und der Riss wird schlimmer. 22 Und niemand tut neuen ‹frischen› Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der neue ‹frische› Wein die Schläuche, und der Wein wird verschüttet werden, und die Schläuche werden zerstört werden. Sondern neuen ‹frischen› Wein muss man in neue Schläuche tun.“

 

23 Und es geschah, dass er am Sabbat [einen Pfad] entlang durch die Saaten ging. Auch seine Jünger begannen, den Weg zu gehen, und rauften dabei die Ähren.

    24 Und die Pharisäer sagten zu ihm: „Sieh! Was tun sie am Sabbat, was nicht gestattet ist!“

    25 Und er sagte zu ihnen: „Last ihr nie, was David tat, als er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn selbst und die bei ihm? 26 – wie er in das Haus Gottes hineinging zur Zeit Abjathars, des Hohen Priesters, und die Schaubrote[365] aß, die niemandem gestattet sind zu essen als nur den Priestern, und auch denen gab, die bei ihm waren?“

    27 Und er sagte ihnen: „Der Sabbat entstand wegen des Menschen, nicht der Mensch wegen des Sabbats. 28 So[366] ist der Sohn des Menschen Herr auch des Sabbats.“

 

3 1 Und er ging wieder in die Synagoge. Und es war dort ein Mensch, bei dem die Hand verdorrt war. 2 Und sie beobachteten ihn, ob er ihn am Sabbat heilen werde, damit sie ihn anklagen könnten.

    3 Und er sagt zu dem Menschen, bei dem die Hand verdorrt war: „Stehe auf [und komm] in die Mitte!“

    4 Und er sagt zu ihnen: „Ist es gestattet, am Sabbat Gutes zu tun oder Übles zu tun, eine Seele[367] zu retten oder zu töten?“

    Aber sie schwiegen. 5 Und er blickte auf sie umher mit Zorn ‹und mit Mitleid›, tief betrübt über die Verhärtung ihres Herzens.

    Und er sagt zu dem Menschen: „Strecke deine Hand aus!“

    Und er streckte sie aus, und seine Hand wurde wiederhergestellt, gesund wie die andere.

    6 Und die Pharisäer gingen hinaus und hielten sogleich mit den Herodianern Rat gegen ihn, auf dass sie ihn umbrächten.

 

7 Und Jesus zog sich mit seinen Jüngern zurück zum See hin. Und sie folgten ihm von Galiläa und von Judäa, eine große Anzahl, 8 und von Jerusalem und von Idumäa und von jenseits des Jordans. Auch die um Tyrus und Sidon, eine große Anzahl, kamen hin zu ihm, als sie hörten, was er alles tat.

    9 Und er sagte seinen Jüngern, dass ein Boot für ihn bereitgehalten werden möge – wegen der Menge, damit sie ihn nicht drängten, 10 denn er heilte viele, sodass sie über ihn herfielen, damit ihn anrührten, so viele wie Plagen hatten.

    11 Und wenn die unreinen Geister ihn schauten, fielen sie vor ihm nieder und schrien und sagten: „Du bist der Sohn Gottes!“

    12 Und vielfach redete er ihnen mit allem Ernst zu, ihn nicht offenbar zu machen.

 

13 Und er steigt den Berg hinan und ruft zu sich die, die er selbst wollte[368]. Und sie lösten sich ‹von› [den anderen und] gingen hin zu ihm. 14 Und er bestellte[369] zwölf, damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende, zu verkünden 15 und Vollmacht* zu haben, die Krankheiten zu heilen und die Dämonen auszutreiben: 16 Und er legte dem Simon den Namen Petrus bei, 17 und Jakobus, den [Sohn] des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, [bestellte er ebenfalls] – und er legte ihnen die Namen „Boanerges“ bei (das ist: ‘Söhne des Donners’) –, 18 und Andreas und Philippus und Bartholomäus[370] und Matthäus und Thomas und Jakobus, den [Sohn] des Alphäus[371], und Thaddäus und Simon, den Kananiter[372], 19 und Judas Iskariot[373], der ihn auch auslieferte.

 

20 Und sie kommen in ein Haus. Und wieder kommt eine Menge zusammen, sodass sie nicht einmal Brot essen können.

    21 Und als seine Leute[374] es hörten, gingen sie aus, ihn zu greifen[375], denn sie sagten[376]: „Er ist außer sich.“

 

22 Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: „Er hat den Be-elzebul“ und: „Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.“

    23 Und er rief sie zu sich, und in Gleichnissen sagte er ihnen: „Wie kann ein Satan[377] einen Satan austreiben? 24 Und wenn ein Königreich gegen sich selbst entzweit ist, kann jenes Königreich nicht bestehen. 25 Und wenn ein Haus gegen sich selbst entzweit ist, kann jenes Haus nicht bestehen. 26 Und wenn der Satan gegen sich selbst aufgestanden und entzweit ist, kann er nicht bestehen, sondern er hat ein Ende. 27 Keiner kann in das Haus des Starken hineingehen und seine Sachen rauben, wenn er nicht zuvor den Starken gebunden hat. Dann erst wird er sein Haus berauben[378].

    28 Wahrlich! Ich sage euch: Alle Sünden werden den Söhnen der Menschen vergeben werden, auch Lästerungen, welche immer sie lästern werden. 29 Aber wer irgend gegen den Heiligen Geist lästert, hat keine Vergebung in Ewigkeit*[379], sondern ist ewigen Gerichtes schuldig.“ 30 – weil sie gesagt hatten: „Er hat einen unreinen Geist.“

 

31 Daraufhin kommen seine Brüder und seine Mutter, und sie standen draußen, sandten zu ihm und riefen ihn[380]. 32 Und es saß eine Menge rings um ihn.

    Sie sagten zu ihm: „Siehe! Deine Mutter und deine Brüder draußen suchen dich.“

    33 Er antwortete ihnen und sagte: „Wer ist ‘meine Mutter’ oder: ‘meine Brüder’?“

    34 Und er blickt umher auf die, die im Kreise um ihn sitzen, und sagt: „Sieh! Meine Mutter und meine Brüder! 35 – denn wer irgend den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und [meine] Mutter.“

 

4 1 Und wiederum fing er an zu lehren am See. Und es versammelte sich eine zahlreiche Menge zu ihm hin, sodass er in das Schiff stieg und auf dem See saß. Und die ganze Menge war auf dem Lande, zum See hin ‹gewandt›. 2 Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen.

    Und in seinem Lehren sagte er zu ihnen: 3 „Hört zu! Siehe! Der Sämann ging aus zu säen. 4 Und es geschah: Als er säte, fiel das eine an den Weg hin, und es kamen die Vögel des Himmels und fraßen es auf. 5 Anderes fiel auf das Felsige, wo es[381] nicht viel Erde hatte. Und es ging sogleich auf, weil es nicht tiefe Erde hatte. 6 Aber als die Sonne hochstieg, wurde es versengt, und weil es nicht Wurzel hatte, verdorrte es. 7 Und anderes fiel in die Dornen. Und die Dornen wuchsen empor und erstickten es, und es gab nicht Frucht. 8 Und anderes fiel in die edle Erde und gab Frucht: Es ging auf und wuchs und trug, eines dreißigfältig, eines sechzigfältig, eines hundertfältig.“

    9 Und er sagte ‹nachdrücklich› zu ihnen: „Wer Ohren zum Hören hat, höre[382]!“

 

10 Als ‹es sich zutrug, dass› er für sich alleine war, befragten ihn die, die um ihn waren, zusammen mit den Zwölfen, um das Gleichnis.

    11 Und er sagte ihnen: „Euch ist es gegeben, das Geheimnis des Königreiches Gottes zu kennen. Aber jenen, die draußen sind, geschieht alles in Gleichnissen[383], 12 damit sie ‘sehend sehen und nicht wahrnehmen und hörend hören und nicht vernehmen ‹und verstehen›, damit sie nicht etwa umkehren’ und ihnen die Sünden vergeben würden.“ {Vgl. Jes 6,9.10.}

    13 Und er sagt zu ihnen: „Wisst ihr nicht, [was] dieses Gleichnis [ist]? Und wie wollt ihr die Gleichnisse alle kennen[384]?

    14 Der Sämann sät das Wort. 15 Diese sind die am Wegrand, wohin das Wort gesät wird. Und wenn sie es hören, kommt der Satan sogleich und nimmt das Wort weg, das in ihren Herzen gesät worden ist. 16 Und gleicherweise sind diese, [bei denen] auf das Felsige gesät wird, die, wenn sie das Wort hören, es sogleich mit Freude aufnehmen 17 und nicht Wurzel in sich haben, sondern [nur] für beschränkte Zeit [da] sind. Danach, wenn wegen des Wortes Bedrängnis oder Verfolgung entsteht, nehmen sie sogleich Anstoß ‹und stolpern›. 18 Und diese sind die, [bei denen] in die Dornen gesät wird: Diese sind die, die das Wort hören, 19 und die Sorgen der Zeit* dieser ‹Welt›[385] und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach den sonstigen Dingen kommen hinein und ersticken das Wort, und es wird fruchtlos. 20 Und diese sind die, [bei denen] auf die edle Erde gesät worden ist: solche, die das Wort hören und es aufnehmen und Frucht tragen, einer dreißigfältig und einer sechzigfältig und einer hundertfältig.“

 

21 Und er sagte zu ihnen: „Kommt etwa die Lampe, damit sie unter ein Getreidegefäß[386] oder unter das Bett gestellt werde? – nicht, damit sie auf den Leuchter gestellt werde? 22 – denn es ist nicht etwas verborgen, was irgend nicht offenbar gemacht wird, noch wurde etwas geheim gehalten als nur, damit es an den Tag käme[387]. 23 Wenn jemand Ohren zum Hören hat, höre er[388]!“

    24 Und er sagte zu ihnen: „Seht ‹stets darauf›, was ihr hört! Mit welchem Maß ihr messt, wird euch gemessen werden, und es wird euch hinzugefügt werden, euch, den Hörenden; 25 denn wer hat, dem wird gegeben werden; und wer nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er hat.“

 

26 Und er sagte: „Das Königreich Gottes ist so, wie wenn ein Mensch den Samen auf die Erde wirft 27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same sprießt und schießt auf, er weiß selbst nicht, wie, 28 denn von selbst trägt die Erde Frucht: zuerst Grashalm, danach Ähre, danach vollen Weizen in der Ähre. 29 Wenn die Frucht sich darbietet, sendet er sogleich die Sichel, weil die Ernte da ist.“

 

30 Und er sagte: „Womit sollen wir das Königreich Gottes vergleichen? Oder in welchem Gleichnis sollen wir es gleichnishaft darstellen? 31 [Es ist] wie mit einem Senfkorn, das, wenn es auf die Erde gesät wird, kleiner ist als alle Samen, die im Lande sind. 32 Und wenn es gesät ist, geht es auf und wird größer als alle Gartengewächse, und es treibt große Zweige[389], sodass sich die Vögel des Himmels in seinem Schatten niederlassen können.“

 

33 In vielen solchen Gleichnissen redete er zu ihnen das Wort, so, wie sie es zu hören vermochten. 34 Ohne Gleichnis redete er nicht zu ihnen. [Wenn sie] aber für sich allein [waren], löste er seinen Jüngern alles[390] auf.

 

35 Und als es an jenem Tage Abend geworden war, sagt er zu ihnen: „Lasst uns zum jenseitigen Ufer hinüberfahren.“

    36 Und nachdem sie die Menge entlassen haben, nehmen sie ihn im Schiff mit sich, wie er war. Es waren auch andere Boote bei ihm[391].

    37 Und es entsteht ein großer Sturmwind. Die Wellen schlugen ‹fortwährend› in das Schiff, sodass es schon dabei war, gefüllt zu werden. 38 Und er war auf dem Heck, schlief auf dem Kopfkissen.

    Und sie wecken ihn ganz auf und sagen zu ihm: „Lehrer, kümmert es dich nicht, dass wir umkommen?“

    39 Und als er ganz geweckt war, gebot er dem Wind nachdrücklich und sagte zu dem See: „Schweig! Verstumme!“[392]

    Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille[393].

    40 Und er sagte zu ihnen: „Was seid ihr so furchtsam? Wieso habt ihr nicht Glauben[394]?“

    41 Sie fürchteten sich mit großer Furcht und sagten zueinander: „Wer ist dieser dann, dass auch der Wind und der See ihm gehorchen?“

 

5 1 Und sie kamen an das jenseitige Ufer des Sees in das Landgebiet der Gadarener. 2 Und als er aus dem Schiff stieg, begegnete ihm sogleich von den Gräbern her ein Mensch in[395] einem unreinen Geist, 3 der seine Behausung in den Gräbern hatte. Und selbst mit Ketten konnte ihn keiner binden. 4 Er war nämlich oft mit Fußfesseln und mit Ketten gebunden worden, und die Ketten waren von ihm auseinandergerissen worden und die Fußfesseln zerbrochen. Und niemand vermochte ihn zu bändigen. 5 Und unausgesetzt, Nacht und Tag, war er auf den Bergen und in den Gräbern, schrie und zerschlug sich mit Steinen. 6 Als er Jesus von ferne sah, lief er und huldigte ihm[396].

    7 Und er rief mit großer, ‹lauter› Stimme und sagte: „Was haben ich und du gemeinsam[397], Jesus, Sohn Gottes, des Höchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht!“ 8 – denn er hatte zu ihm gesagt[398]: „Fahre aus, unreiner Geist, aus dem Menschen!“

    9 Und er fragte ihn: „Wie ist dein Name?“

    Er antwortete und sagte: „Legion ist mein Name, weil wir viele sind.“

    10 Und sehr[399] redete er ihm bittend zu, dass er sie nicht aus der Gegend fortsende.

    11 Es war dort an den Bergen eine große Herde von Schweinen, die weideten.

    12 Und die Dämonen alle redeten ihm bittend zu und sagten: „Schicke uns in die Schweine, damit wir in sie hineinfahren!“

    13 Und Jesus erlaubte es ihnen sogleich. Und die unreinen Geister fuhren aus und fuhren in die Schweine hinein. Und die Herde stürmte den Abhang hinab in den See; es waren etwa zweitausend. Und sie ertranken[400] im See.

    14 Die Hüter der Schweine flohen und gaben in der Stadt und auf den Feldern[401] Bericht. Und sie[402] gingen aus, um zu sehen, was geschehen war. 15 Und sie kommen hin zu Jesus und schauen ‹und sehen› den Dämonisierten dasitzen und umkleidet und gesunden Sinnes, den, der die Legion gehabt hatte. Und sie fürchteten sich. 16 Und es erzählten ihnen die, die es gesehen hatten, wie dem Dämonisierten geschehen war, und ‹das› von den Schweinen. 17 Und sie fingen an ihn aufzurufen, aus ihren Grenzen wegzugehen.

    18 Und als er in das Schiff eingestiegen war, redete ihm der, der dämonisiert gewesen war, bittend zu, dass er bei ihm sein dürfte.

    19 Aber Jesus ließ es ihm nicht zu, sondern er sagt zu ihm: „Gehe in dein Haus zu den Deinen und gib ihnen Bericht ‹davon›, wie viel der Herr an dir tat und [wie er] sich deiner erbarmte.“

    20 Und er ging hin und fing an, im Zehnstädtegebiet zu verkünden, wie viel Jesus an ihm getan hatte. Und alle verwunderten sich.

 

21 Und als Jesus mit dem Schiff wieder ans jenseitige Ufer hinübergefahren war, versammelte sich eine zahlreiche Menge zu ihm, und er war am See.

    22 Und – siehe! – es kommt einer der Synagogenvorsteher namens Jairus. Und als er ihn sieht, fällt er ihm zu Füßen. 23 Und vielfach redete er ihm bittend zu:

    „Mein Töchterchen liegt in den letzten [Zügen]“, sagte er. „Dass du doch kommen und ihr die Hände auflegen möchtest, auf dass sie heil gemacht[403] werde! Und sie wird leben.“

    24 Und er ging mit ihm weg.

 

Und eine zahlreiche Menge folgte ihm, und sie umdrängten ihn. 25 Und eine gewisse Frau, die zwölf Jahre mit einem Blutfluss [behaftet] war 26 und vieles erlitten hatte von vielen Ärzten und all ihr [Gut] ausgegeben und keinen Nutzen davon gehabt hatte, sondern vielmehr in schlimmeren [Zustand] gekommen war, 27 als sie von Jesus hörte, kam sie in der Menge von hinten her und rührte sein Oberkleid an, 28 denn sie sagte[404]: „Wenn ich auch nur seine Oberkleider anrühre, werde ich heil gemacht werden[405].“

    29 Und sogleich vertrocknete die Quelle ihres Blutes. Und sie merkte am Leibe, dass sie von der Plage[406] geheilt war.

    30 Und sogleich erkannte Jesus in sich selbst die Kraft, die von ihm ausgegangen war, und er wandte sich um in der Menge und sagte: „Wer rührte meine Oberkleider an?“

    31 Und seine Jünger sagten zu ihm: „Du siehst, wie die Menge dich umdrängt, und du sagst: ‘Wer rührte mich an?’“

    32 Und er blickte umher, um diejenige zu sehen, die dieses getan hatte. 33 Die Frau bekam Furcht und zitterte, da sie wusste, was an ihr geschehen war, und sie kam und fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.

    34 Aber er sagte zu ihr: „Tochter, dein Glaube hat dich heil gemacht[407]. Gehe hin in [den] Frieden, und sei gesund von deiner Plage[408].“

 

35 Während er noch redete, kommen sie von dem Synagogenvorsteher[409] und sagen: „Deine Tochter ist gestorben. Was bemühst du den Lehrer noch?“

    36 Aber Jesus hörte das Wort, das geredet wurde, und er sagt sogleich zu dem Synagogenvorsteher: „Fürchte dich nicht! Vertraue nur.“

    37 Und er ließ niemanden ihn begleiten als nur Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. 38 Und er kommt in das Haus des Synagogenvorstehers. Und er schaut ‹und sieht› einen Tumult: laut Weinende und Klagende!

    39 Und er geht hinein und sagt zu ihnen: „Was macht ihr einen Tumult, und [was] weint ihr? Das Kindlein ist nicht gestorben, sondern es schläft.“

    40 Und sie lachten ihn aus.

    Als er aber alle hinausgetrieben hat, nimmt er den Vater des Kindleins und die Mutter und die, die bei ihm waren, zu sich und geht hinein, wo das Kindlein lag.

    41 Und er fasst die Hand des Kindleins, und er sagt zu ihr: „Talitha kumi!“ Das ist, übersetzt: „Mädchen, ich sage dir: Stehe auf!“

    42 Und sogleich stand das Mädchen auf und ging. Es war nämlich zwölf Jahre alt. Und sie waren hoch erstaunt[410]. 43 Und er gab ihnen ausdrücklich strenge Weisung, dass niemand dieses erfahren solle. Und er sagte, man solle ihr zu essen geben.

 

6 1 Und er ging von dort hinaus und kam in seine Vaterstadt. Und es folgen ihm seine Jünger. 2 Und als der Sabbat gekommen war, fing er an, in der Synagoge zu lehren.

    Und viele, die zuhörten, staunten überaus und sagten: „Woher hat dieser das? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Dass auch solche Krafttaten[411] durch seine Hände geschehen! 3 Ist dieser nicht der °Handwerker, der Sohn Marias und ein Bruder des Jakobus und des Joses und des Judas und des Simon? Und sind nicht seine Schwestern hier bei uns?“

    Und sie nahmen Anstoß an ihm.

    4 Aber Jesus sagte zu ihnen: „Ein Prophet ist nicht ohne Ehre[412] außer in seiner Vaterstadt und unter den Verwandten und in seinem Hause.“

    5 Und er konnte dort nicht eine Krafttat tun, außer dass er wenigen Schwachen die Hände auflegte und sie heilte. 6 Und er verwunderte sich wegen ihres Unglaubens.

 

Und er zog lehrend durch die Dörfer ringsum. 7 Und er ruft die Zwölf herbei. Und er fing an sie auszusenden, zwei und zwei, und gab ihnen Vollmacht* über die unreinen Geister. 8 Und er wies sie an, dass sie für den Weg nichts mitnehmen sollten als nur einen Stab, nicht Tasche, nicht Brot, nicht Kupfer[413] im Gürtel, 9 sondern Sandalen untergebunden.

    „Und zieht nicht zwei Leibhemden an!“

    10 Und er sagte zu ihnen: „Wo irgend ihr in ein Haus hineingeht, da bleibt, bis ihr von dort[414] weggeht. 11 Und welche [Leute] irgend euch nicht aufnehmen noch auf euch hören, von dort geht hinaus und schüttelt den Staub ab, der unter euren Füßen ist, ihnen zum Zeugnis. Wahrlich! Ich sage euch: Es wird am Tage des Gerichts für Sodom und Gomorra erträglicher sein als für jene Stadt!“

    12 Und sie gingen aus und verkündeten, dass sie Buße tun* sollten. 13 Und sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Schwache mit Öl und heilten sie.

 

14 Und der König Herodes hörte [von ihm], denn sein Name war öffentlich bekannt geworden.

    Und er sagte: „Johannes, der Täufer, wurde von den Toten erweckt, und deswegen wirken die Kräfte in ihm.“

    15 Andere sagten: „Er ist Elia.“

    Andere sagten: „Er ist ein Prophet oder wie einer der Propheten.“

    16 Als Herodes es hörte, sagte er: „Dieser ist Johannes, den ich enthauptete. Er wurde von den Toten erweckt.“ 17 – denn er, Herodes, hatte hingesandt und Johannes gegriffen und ihn gebunden im Gefängnis, wegen [der] Herodias[415], der Frau seines Bruders Philippus, weil er sie geheiratet hatte; 18 denn Johannes hatte dem Herodes gesagt[416]: „Es ist dir nicht gestattet, die Frau deines Bruders zu haben.“

    19 Aber die Herodias hatte es auf ihn abgesehen und wollte ihn töten, und sie konnte nicht, 20 denn Herodes fürchtete den Johannes, da er wusste, dass er ein gerechter und heiliger Mann war. Und er schützte ihn. Und wenn er ihn gehört hatte, tat er vieles. Und er hörte ihn gern.

    21 Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag seinen Großen und den Befehlshabern[417] und den Ersten von Galiläa ein Mahl gab. 22 Und es kam ihre, der Herodias, Tochter herein und tanzte und gefiel dem Herodes und denen, die mit [zu Tisch] lagen. Da sagte der König zu dem Mädchen:

    „Bitte mich, um was du willst, und ich werde es dir geben!“ 23 Und er schwor ihr: „Um was du mich auch bittest, ich werde es dir geben, bis zur Hälfte meines Königreiches!“

    24 Und sie ging hinaus und sagte zu ihrer Mutter: „Um was soll ich bitten?“

    Die sagte: „Um den Kopf des Johannes, des Täufers.“

    25 Und sie ging sogleich mit Eile zum König hin und bat: „Ich will,“ sagte sie, „dass du mir sofort auf einer Platte den Kopf des Johannes, des Täufers, gibst.“

    26 Und [obwohl] der König sehr betrübt wurde, wollte er sie nicht zurückweisen wegen der Eide und wegen derer, die mit [zu Tisch] lagen. 27 Und sogleich sandte der König einen von der Leibwache und befahl, dass sein Haupt hereingebracht werde. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis. 28 Und er brachte seinen Kopf auf einer Platte und gab ihn dem Mädchen, und das Mädchen gab ihn seiner Mutter.

    29 Und seine Jünger hörten es, und sie kamen und hoben seine Leiche auf und legten sie ins Grab.

 

30 Und die Apostel versammeln sich zu Jesus. Und sie gaben ihm Bericht über alles, sowohl was sie getan als auch was sie gelehrt hatten.

    31 Und er sagte zu ihnen: „Kommt[418] ihr allein[419] an einen einsamen, ‹öden› Ort und ruht ein wenig“ – denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht einmal ‹rechte› Gelegenheit zum Essen. 32 Und sie fuhren mit dem Schiff weg zu einem einsamen, ‹öden› Ort, [wo sie] für sich allein [wären].

 

33 Und es sahen sie die Mengen ziehen. Und viele erkannten ihn. Und sie liefen zu Fuß dorthin aus allen Städten zusammen und kamen ihnen zuvor. Und zusammen kamen sie zu ihm hin. 34 Und als Jesus ausstieg, sah er eine zahlreiche Menge. Und er war von Erbarmen bewegt über sie, weil sie wie Schafe waren, die keinen Hirten haben. Und er fing an, sie vieles zu lehren.

    35 Und als die Stunde schon spät geworden war, kommen seine Jünger zu ihm und sagen: „Dieser Ort ist einsam, ‹öde› und die Stunde schon spät. 36 Entlasse sie, damit sie zu den umliegenden Höfen und Dörfern gehen und sich Brote kaufen, denn sie haben nichts zu essen.“

    37 Aber er antwortete* und sagte ihnen: „Gebt ihr ihnen zu essen!“

    Und sie sagen zu ihm: „Sollen wir hingehen und für zweihundert Denare Brote kaufen und ihnen zu essen geben?“

    38 Er sagt zu ihnen: „Wie viele Brote habt ihr? Geht hin und seht nach.“

    Und als sie es in Erfahrung gebracht haben, sagen sie: „Fünf – und zwei Fische.“

    39 Und er befahl ihnen, dass sie sich alle auf dem grünen Gras lagerten, Gesellschaft an Gesellschaft. 40 Und sie lagerten sich, [wie] Beet [an] Beet, zu je hundert und je fünfzig. 41 Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel, lobte und brach die Brote und gab ‹nach und nach› seinen Jüngern, damit sie [sie] ihnen vorlegten. Und die zwei Fische teilte er unter alle. 42 Und sie aßen alle und wurden gesättigt. 43 Und sie hoben auf an Brocken zwölf Handkörbe voll und von den Fischen.

    44 Derer, die die Brote gegessen hatten, waren etwa fünftausend Männer[420].

 

45 Und sogleich nötigte er seine Jünger, in das Schiff einzusteigen und an das jenseitige Ufer nach Bethsaida[421] vorauszufahren, bis er selbst die Menge entlassen hätte. 46 Und nachdem er von ihnen[422] Abschied genommen hatte, ging er hinweg auf den Berg[423], um zu beten.

    47 Und als es Abend geworden war, war das Schiff in der Mitte des Sees und er allein an Land. 48 Und er sah sie, wie ihnen beim Rudern stark zugesetzt wurde, denn der Wind war ihnen entgegen. Und um die vierte Nachtwache kommt er zu ihnen hin, auf dem See gehend. Und er war willens, an ihnen vorüberzugehen. 49 Als sie ihn aber auf dem See gehen sahen, meinten sie, er sei ein Gespenst, und schrien auf, 50 denn sie sahen ihn alle und wurden in Aufregung versetzt. Und er redet sogleich mit ihnen.

    Und er sagt zu ihnen: „Seid guten Mutes! Ich bin’s. Fürchtet euch nicht!“

    51 Er stieg zu ihnen ins Schiff – und der Wind legte sich. Und sie waren sehr in Erstaunen, über die Maßen, und verwunderten sich, 52 denn sie waren nicht verständig geworden über den Broten, denn ihr Herz war verhärtet.

 

53 Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie in das Land Genezaret und legten an. 54 Und als sie aus dem Schiff stiegen, erkannten sie ihn sogleich 55 und liefen in jener ganzen Umgegend umher und fingen an, die, denen es übel ging, auf den Lagermatten herumzutragen, dorthin, wo sie [jeweils] hörten, dass er sei. 56 Und wo irgend er in Dörfer oder Städte oder Gehöfte ging, legten sie die Kranken auf den Marktplätzen hin und redeten ihm bittend zu, dass sie wenigstens die Quaste seines Oberkleides anrühren dürften. Und alle, so viele irgend ihn anrührten, wurden heil gemacht[424].

 

7 1 Und es versammeln sich zu ihm hin die Pharisäer und etliche von den Schriftgelehrten, die von Jerusalem gekommen waren. 2 Und als sie einige von seinen Jüngern mit unreinen – das ist: mit ungewaschenen – Händen Brot essen gesehen hatten, tadelten sie es 3 (denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie sich nicht °‹wie vorgeschrieben› die Hände gewaschen haben, und so halten sie die Überlieferung der Ältesten fest; 4 und wenn sie vom Markt [kommen], essen sie nicht, wenn sie sich nicht gewaschen[425] haben; und vieles andere gibt es, was sie festzuhalten übernommen haben: Waschungen[426] von Bechern und Krügen und Kupfergefäßen und Liegen).

    5 Sodann befragen ihn die Pharisäer und die Schriftgelehrten: „Weshalb wandeln deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Ältesten, sondern essen das Brot mit ungewaschenen Händen?“

    6 Er antwortete und sagte ihnen: „Trefflich weissagte Jesaja über euch Heuchler, wie geschrieben ist: ‘Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von mir. 7 Vergeblich verehren sie mich, indem sie als Lehren Menschengebote lehren’ {Vgl. Jes 29,13.}, 8 denn ihr lasst das Gebot Gottes fahren und haltet die Überlieferung der Menschen fest: Tauchungen von Krügen und Bechern. Und viele andere [Dinge], ähnlich wie diese, tut ihr.“

    9 Und er sagte zu ihnen: „Trefflich hebt ihr das Gebot Gottes auf, damit ihr eure Überlieferung haltet[427], 10 denn Mose sagte: ‘Ehre ‹stets› deinen Vater und die Mutter!’ {2M 20,12 n. d. gr. Üsg.} und: ‘Wer von Vater oder Mutter schlecht redet, soll gewisslich sterben[428]!’ {Vgl. 2M 21,17.} 11 Aber ihr sagt: Wenn ein Mensch zum Vater oder zur Mutter sagt: ‘Korban’ (das heißt: Gabe) ‘ist, was irgend von mir dir zunutze wäre’ – 12 und ihr lasst ihn nichts mehr für seinen Vater oder seine Mutter tun. 13 Dadurch setzt ihr das Wort Gottes mit eurer Überlieferung, die ihr überliefert habt, außer Gültigkeit. Und viele [Dinge], ähnlich wie diese, tut ihr.“

 

14 Und er rief die ganze Menge herbei und sagte zu ihnen: „Hört alle auf mich und vernehmt ‹und versteht›! 15 Es gibt nichts, was von außerhalb des Menschen in ihn eingeht, das ihn verunreinigen kann, sondern was von ihm herauskommt, das ist es, was den Menschen verunreinigt.

    16 °Wenn jemand Ohren zum Hören hat, höre er[429]!“

    17 Und als er von der Menge weg in ein Haus gegangen war, befragten ihn seine Jünger über das Gleichnis.

    18 Und er sagt zu ihnen: „Seid auch ihr so unverständig? Begreift ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen eingeht, ihn nicht verunreinigen kann, 19 dass es nicht in sein Herz hineingeht, sondern in den Bauch, und es geht hinaus in den Abort? – wodurch alle Speisen gereinigt werden.“

    20 Er sagte: „Das, was aus dem Menschen ausgeht, das verunreinigt den Menschen, 21 denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen hervor die schlechten Gedanken, Ehebrüche, Unzuchtstaten*, Mordtaten, 22 Diebstähle, Habsucht[430], Bosheiten, List, Ausschweifung, böses Auge[431], Lästerung, Überheblichkeit, Torheit. 23 Alles dieses Böse kommt von innen hervor und verunreinigt den Menschen.“

 

24 Und von dort machte er sich auf und ging weg in das Grenzgebiet von Tyrus und Sidon.

    Und er ging in das[432] Haus hinein und wollte, dass es niemand erfahre. Und er konnte nicht verborgen bleiben, 25 denn eine Frau hatte von ihm gehört, deren Töchterchen einen unreinen Geist hatte. Und sie kam und fiel ihm zu Füßen. 26 Die Frau war eine Griechin[433], aus Syrophönizien gebürtig. Und sie ersuchte ihn, er möchte den Dämon von ihrer Tochter austreiben.

    27 Aber Jesus sagte zu ihr: „Lass zuerst die Kinder gesättigt werden, denn es ist nicht edel, das Brot den Kindern zu nehmen und den kleinen Hunden hinzuwerfen.“

    28 Aber sie antwortete und sagt ihm: „Ja, Herr, denn auch die kleinen Hunde unter dem Tisch essen von den Krumen der Kindlein.“

    29 Und er sagte zu ihr: „Wegen dieses Wortes gehe hin. Der Dämon ist von deiner Tochter ausgefahren.“

    30 Und sie ging weg in ihr Haus und fand den Dämon ausgefahren und die Tochter auf das Bett geworfen.

 

31 Und er ging aus dem Grenzgebiet von Tyrus und Sidon weg und kam, mitten durch das Grenzgebiet der zehn Städte[434], wieder hin an den See von Galiläa. 32 Und sie bringen einen Tauben zu ihm, der mit Mühe redete, und sie reden ihm bittend zu, dass er ihm die Hand auflege. 33 Und er nahm ihn von der Menge ‹weg› für sich allein und legte seine Finger in seine Ohren. Und er spuckte und berührte seine Zunge.

    34 Und er blickt zum Himmel, seufzt und sagt zu ihm: „Ephphatha!“ Das heißt: „Werde aufgetan!“

    35 Und seine Gehörorgane wurden sogleich aufgetan, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig. 36 Und er gab ihnen strenge Weisung, dass sie es niemandem sagen sollten. Aber soviel er selbst ihnen strenge Weisung gab, desto übermäßiger verkündeten sie es. 37 Und über die Maßen erstaunten sie[435]:

    „Trefflich hat er alles gemacht!“ sagten sie. „Er macht, dass sowohl die Tauben hören als auch die Stummen reden.“

 

8 1 In jenen Tagen, als eine sehr zahlreiche Menge da war und sie nichts zu essen hatten, ruft Jesus seine Jünger zu sich und sagt ihnen: 2 „Ich bin von Erbarmen bewegt über die Menge, weil sie schon drei Tage bei mir verharren, und sie haben nicht, was sie essen könnten. 3 Und wenn ich sie hungrig nach ihrem Hause entlasse, werden sie auf dem Wege ermatten, denn etliche von ihnen sind von ferne gekommen.“

    4 Und seine Jünger antworteten ihm: „Woher wird jemand diese hier in der Einöde mit Broten sättigen können?“

    5 Und er fragte sie: „Wie viele Brote habt ihr?“

    Sie sagten: „Sieben.“

    6 Und er wies die Menge an, sich auf der Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach und gab ‹nach und nach› seinen Jüngern, damit sie [sie] vorlegten. Und sie legten [sie] der Menge vor. 7 Und sie hatten wenige Fischlein. Und er lobte und ließ auch sie vorlegen. 8 Sie aßen und wurden gesättigt. Und man hob auf, was an Brocken übrig blieb, sieben Flechtkörbe. 9 Die, die gegessen hatten, waren etwa viertausend. Und er entließ sie.

    10 Und sogleich stieg er mit seinen Jüngern in das Schiff und kam in die [Land]teile von Dalmanutha.

 

11 Und die Pharisäer gingen aus und fingen an, mit ihm zu disputieren, forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel und versuchten ihn so[436].

    12 Und er seufzt in seinem Geist auf und sagt: „Was trachtet dieses Geschlecht nach einem Zeichen? Wahrlich! Ich sage euch: Wenn diesem Geschlecht ein Zeichen gegeben werden wird …!“[437]

    13 Und er ließ sie, stieg wieder in das Schiff und fuhr weg ans jenseitige Ufer.

 

14 Und sie hatten vergessen, Brote mitzunehmen, und außer einem Brot hatten sie nichts bei sich im Schiff. 15 Und er gab ihnen ‹nachdrücklich› strenge Weisung:

    „Gebt Acht!“ sagte er. „Seht euch vor vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes.“

    16 Und sie überlegten ‹und besprachen› [das] miteinander und sagten: „– weil wir nicht Brote haben.“

    17 Jesus merkte es, und er sagt zu ihnen: „Was überlegt ‹und besprecht› ihr, dass ihr keine Brote habt? Begreift ihr noch nicht? Versteht ihr nicht? Habt ihr euer Herz noch verhärtet? 18 Ihr habt Augen und seht nicht? Und ihr habt Ohren und hört nicht? Und ihr habt vergessen? 19 Als ich die fünf Brote den Fünftausend brach, wie viele Handkörbe voll Brocken hobt ihr auf?“

    Sie sagen zu ihm: „Zwölf.“

    20 „Als ich die sieben den Viertausend [brach], wie viele Flechtkörbe voll Brocken hobt ihr auf?“

    Sie sagten: „Sieben.“

    21 Und er sagte zu ihnen: „Wie versteht ihr nicht?“

 

22 Und er kommt nach Bethsaida. Und sie bringen ihm einen Blinden und reden ihm bittend zu, dass er ihn anrühre. 23 Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus außerhalb des Dorfes. Und er spuckte in seine Augen, legte ihm die Hände auf und fragte ihn, ob er etwas sehe.

    24 Und er konnte wieder sehen und sagte: „Ich kann die Menschen sehen, denn ich sehe solche, die wie Bäume umhergehen.“

    25 Sodann legte er wiederum die Hände auf seine Augen und machte, dass er wieder sehen konnte. Und er wurde wiederhergestellt und sah alle [um sich] deutlich.

    26 Und er sandte ihn zu seinem Hause und sagte: „Weder ins Dorf sollst du gehen, noch sollst du es jemandem im Dorf sagen!“

 

27 Und Jesus ging hinaus – und seine Jünger – in die Dörfer von Cäsarea Philippi.

    Und auf dem Wege fragte er seine Jünger und sagte zu ihnen: „Was sagen die Menschen, wer ich sei?“

    28 Sie antworteten: „Johannes, der Täufer, und andere: Elia, andere: einer der Propheten.“

    29 Und er sagt zu ihnen: „Aber ihr, was sagt ihr, wer ich sei?“

    Petrus antwortet und sagt zu ihm: „Du bist der Gesalbte*.“

    30 Und er redete mit allem Ernst zu ihnen, dass sie [das] niemandem über ihn sagen sollten.

 

31 Und er fing an, sie zu lehren, dass der Sohn des Menschen vieles leiden und verworfen werden müsse von den Ältesten und Hohen Priestern und Schriftgelehrten und dass er getötet werden und nach drei Tagen auferstehen müsse. 32 Er sagte das Wort frei heraus[438].

    Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, mit allem Ernst zu ihm zu reden.

    33 Aber er wandte sich um und sah seine Jünger an, redete mit Ernst zu Petrus und sagte: „Gehe weg, hinter mich, Satan[439], weil du nicht auf das sinnst[440], das Gottes ist, sondern auf das, was der Menschen ist!“

 

34 Und er rief die Menge mitsamt seinen Jüngern herzu und sagte zu ihnen: „Wer irgend mir nachgehen will, verleugne sich selbst und hebe sein Kreuz auf und folge mir ‹beständig›, 35 denn wer irgend seine Seele[441] retten ‹und bewahren› will, wird sie verlieren, aber wer seine Seele meinet- und der guten Botschaft wegen verliert, wird sie retten ‹und bewahren›; 36 denn was für einen Nutzen wird ein Mensch haben, wenn er die ganze Welt gewinnen sollte und um seine Seele käme[442]? 37 Oder was wird ein Mensch geben als Eintausch für seine Seele[443]? 38 – denn wer irgend sich meiner und meiner Worte schämt in diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Boten*.“

 

9 1 Und er sagte zu ihnen: „Wahrlich! Ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, welche keinesfalls den Tod schmecken werden, bis sie das Königreich Gottes gesehen haben, gekommen in Kraft[444].“

 

2 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus Petrus und Jakobus und Johannes zu sich und führt sie für sich allein auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt. 3 Und seine Oberkleider wurden hell glänzend, sehr weiß, wie Schnee, derart, wie ein Walker[445] auf der Erde nicht weiß machen kann. 4 Und es erschien ihnen Elia, zusammen mit Mose, und sie waren im Gespräch mit Jesus.

    5 Und Petrus antwortet*, und er sagt zu Jesus: „Rabbi, es ist schön für uns, hier zu sein“, und: „Wir wollen drei Zelthütten machen, eine für dich und eine für Mose und eine für Elia.“ 6 Er wusste nämlich nicht, was er reden sollte, denn sie waren voll Furcht[446].

    7 Und es kam eine Wolke auf[447], die sie überschattete.

    Und es kam eine Stimme aus der Wolke, die sagte: „Dieser ist mein geliebter Sohn. Hört ‹stets› auf ihn!“

    8 Und plötzlich, als sie umherblickten, sahen sie niemanden mehr, sondern nur Jesus allein bei ihnen.

    9 Und als sie vom Berge herabstiegen, gab er ihnen strenge Weisung, dass sie niemandem erzählen sollten, was sie gesehen hatten – erst [dann], wenn der Sohn des Menschen von den Toten auferstanden sei. 10 Und sie hielten das Wort fest und disputierten miteinander, was das heiße: „von den Toten auferstehen“.

 

11 Und sie fragten ihn und sagten: „Die Schriftgelehrten sagen, dass Elia zuerst kommen müsse.“

    12 Er antwortete* und sagte ihnen: „In der Tat, Elia kommt zuerst und stellt alle Dinge wieder her. Und wie ist geschrieben in Bezug auf den Sohn des Menschen? Dass er vieles leiden und für nichts geachtet werden soll. 13 Jedoch sage ich euch, dass auch Elia gekommen ist, und sie taten ihm, was immer sie wollten, so wie über ihn geschrieben ist.“

 

14 Und als er zu den Jüngern kam, sah er eine zahlreiche Menge um sie her und Schriftgelehrte, wie sie mit ihnen disputierten. 15 Und die ganze Menge sah ihn sogleich und wurde in außerordentliches Staunen versetzt. Und sie liefen herbei und begrüßten ihn.

    16 Und er fragte die Schriftgelehrten: „Worüber disputiert ihr mit ihnen?“

    17 Einer aus der Menge antwortete:

    „Lehrer,“ sagte er, „ich brachte meinen Sohn zu dir. Er hat einen stummen Geist. 18 Und wo immer er ihn erfasst, zerrt er ihn [zu Boden]. Und er schäumt und knirscht mit seinen Zähnen. Und er wird dürr[448]. Und ich sagte deinen Jüngern, dass sie ihn austreiben sollten, und sie vermochten es nicht.“

    19 Er gibt ihm zur Antwort*: „O ungläubiges Geschlecht! Bis wann soll[449] ich bei euch[450] sein? Bis wann soll[451] ich euch ertragen? – Bringt ihn zu mir.“

    20 Und sie brachten ihn hin zu ihm. Und als der Geist ihn sah, zerrte er ihn[452] sogleich. Und er fiel zur Erde, und schäumend wälzte er sich.

    21 Und er befragte dessen Vater: „Wie lange Zeit ist es, dass ihm dieses geschehen ist?“

    Er sagte: „Von Kindheit an. 22 Und auch warf er ihn oft ins Feuer, auch ins Wasser, um ihn umzubringen. Jedoch wenn du etwas kannst, habe Erbarmen mit uns und hilf uns!“

    23 Jesus sagte zu ihm: „Das ‘Wenn du kannst’! Zu glauben[453] [gilt es]! Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt[454].“

    24 Und sogleich rief der Vater des Kindes ‹laut› mit Tränen und sagte: „Ich glaube[455], Herr! Hilf meinem Unglauben!“[456]

    25 Als Jesus sah, dass eine Menge zusammenlief, schalt er den unreinen Geist und sagte zu ihm: „Du stummer und tauber Geist, ich befehle dir: Fahre aus von ihm! Und fahre nicht mehr in ihn hinein!“

    26 Und er schrie und zerrte ihn viel[457] und fuhr aus. Und er wurde wie ein Toter, sodass viele sagten: „Er ist gestorben.“

    27 Aber Jesus griff ihn bei der Hand und richtete ihn auf. Und er stand auf.

    28 Und als er in ein Haus gegangen war, befragten ihn seine Jünger für sich allein: „Dass wir ihn nicht austreiben konnten?“

    29 Und er sagte ihnen: „Diese Art kann durch nichts ausfahren als nur durch Gebet °und Fasten°.“

 

30 Und sie gingen von dort weg und zogen ‹auf Nebenwegen› durch Galiläa. Und er wollte nicht, dass es jemand erfahre, 31 denn er lehrte seine Jünger.

    Und er sagte ihnen: „Der Sohn des Menschen wird in Menschenhände ausgeliefert, und sie werden ihn töten. Und nachdem er getötet worden ist, wird er am dritten Tage auferstehen.“

    32 Aber das Wort*, ‹das er sprach›, war ihnen fremd[458], und sie fürchteten sich[459], ihn zu fragen.

 

33 Und er kam nach Kaperna-um, [in den Ort] hinein.

    Und als er im Hause angelangt war, fragte er sie: „Was bespracht ihr unterwegs miteinander?“[460]

    34 Aber sie schwiegen, denn sie hatten auf dem Wege untereinander diskutiert, wer der Größere sei.

    35 Und er setzte sich und rief die Zwölf, und er sagt ihnen: „Wenn jemand Erster sein will, soll er Letzter von allen und ein Diener aller sein.“

    36 Und er nahm ein kleines Kind und stellte es in ihre Mitte, nahm es in die Arme und sagte zu ihnen: 37 „Wer immer eines von solchen[461] Kindlein aufnimmt auf meinen Namen hin[462], nimmt mich auf. Und wer irgend mich aufnimmt, nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich sandte.“

 

38 Johannes antwortete* ihm: „Lehrer,“ sagte er, „wir sahen jemanden, der uns nicht folgt, kraft deines Namens Dämonen austreiben, und wir wehrten ihm, weil er nicht uns folgt.“

    39 Aber Jesus sagte: „Wehrt ihm nicht, denn es gibt nicht einen, der aufgrund meines Namens[463] eine Krafttat tun und bald schlecht von mir reden können wird, 40 denn wer nicht gegen °euch ist, ist für euch; 41 denn wer immer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt kraft meines Namens, weil ihr des Christus* seid – wahrlich – ich sage euch: Er wird seinen Lohn keineswegs verlieren.

    42 Und wer immer einem der Kleinen, die an mich glauben, einen Fallstrick legt[464], ‹einen Anlass zum Anstoßen und Fallen gibt›, für den wäre es von Vorteil[465], wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde.

    43 Und wenn deine Hand dir Anlass zum Fallen gibt, haue sie ab. Es ist besser für dich[466], als Krüppel in das Leben einzugehen, als mit den zwei Händen weg in die Hölle* zu gehen, in das unlöschbare Feuer, 44 °wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. 45 Und wenn dein Fuß dir Anlass zum Anstoßen ‹und Fallen› gibt, haue ihn ab. Es ist besser für dich, als Lahmer[467] in das Leben einzugehen, als mit den zwei Füßen in die Hölle* geworfen zu werden, in das unlöschbare Feuer, 46 °wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. 47 Und wenn dein Auge dir Anlass zum Anstoßen ‹und Fallen› gibt, wirf es weg. Es ist besser für dich, einäugig in das Königreich Gottes einzugehen, als mit zwei Augen in die Feuerhölle* geworfen zu werden, 48 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.

    49 Jeder wird nämlich mit Feuer gesalzen werden, °und jedes Opfer wird mit Salz gesalzen werden. 50 Das Salz ist trefflich. Wenn das Salz aber salzlos geworden ist, womit werdet ihr es würzen?[468] Habt ‹stets› Salz in euch selbst und haltet ‹immerzu› Frieden untereinander!“

 

10 1 Und er macht sich von dort auf und geht durch [das Land] jenseits des Jordans in die Gebiete °Judäas. Und wieder kommen Mengen zusammen zu ihm hin[469]. Und er lehrte sie wieder, wie er gewohnt war.

    2 Und es kamen die Pharisäer zu [ihm] und fragten ihn: „Ist es einem Mann gestattet, sich von der Frau zu scheiden?“ – womit sie ihn versuchten[470].

    3 Er antwortete und sagte zu ihnen: „Was gebot euch Mose?“

    4 Sie sagten: „Mose erlaubte, einen Scheidebrief[471] zu schreiben und sich zu scheiden.“

    5 Und Jesus antwortete* und sagte ihnen: „Im Blick auf eure Herzenshärte schrieb er euch dieses Gebot. 6 Aber vom Anfang der Schöpfung her machte Gott sie als einen Männlichen und eine Weibliche.

    7 ‘Deswegen wird ein Mann* seinen Vater und die Mutter verlassen und wird an seine Frau gefügt werden. 8 Und es werden die zwei zu einem Fleische sein.’ {1M 2,24 n. d. gr. Üsg.}

    So sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. 9 Was also Gott zusammenfügte[472], soll ein Mensch nicht trennen.“

    10 Und im Hause befragten seine Jünger ihn nochmals hierüber.

    11 Und er sagt ihnen: „Wer irgend sich von seiner Frau scheidet und eine andere heiratet, begeht an ihr Ehebruch. 12 Und wenn eine Frau sich von ihrem Mann scheidet und mit einem anderen verheiratet wird, begeht sie Ehebruch.“

 

13 Und sie brachten ‹nach und nach› Kindlein zu ihm hin, damit er sie anrühre. Aber die Jünger schalten die, die sie hinbrachten.

    14 Als Jesus es sah, war er unwillig und sagte zu ihnen: „Lasst die Kindlein zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solcher[473] ist das Königreich Gottes. 15 Wahrlich! Ich sage euch: Wer irgend das Königreich Gottes nicht annimmt wie ein kleines Kind, wird keinesfalls in dasselbe eingehen.“

    16 Und er nahm sie in die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.

 

17 Und als er hinausging auf den Weg, lief einer herzu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: „Guter Lehrer, was soll ich tun, damit ich ewiges Leben erbe?“

    18 Jesus sagte zu ihm: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer: Gott. 19 Die Gebote weißt du: Du sollst nicht Ehebruch begehen. Du sollst nicht morden. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsches Zeugnis geben. Du sollst nicht berauben. Ehre ‹stets› deinen Vater und die Mutter.“ {Vgl. 2M 20,12ff.}

    20 Er antwortete und sagte ihm: „Lehrer, in Bezug auf dieses alles hütete ich mich von meiner Jugend an.“

    21 Jesus blickte ihn an und liebte ihn. Und er sagte zu ihm:

    „Eines mangelt dir: Gehe hin; verkaufe, was du nur hast, und gib den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm her; nimm das Kreuz auf [dich] und folge mir[474]!“

    22 Aber er war tief traurig auf dieses Wort hin und ging betrübt weg, denn er hatte viele Besitztümer.

    23 Und Jesus blickt umher und sagt zu seinen Jüngern: „Wie schwer werden die, die Gelder haben, in das Königreich Gottes eingehen!“

    24 Aber die Jünger waren sehr erstaunt über seine Worte.

    Jesus antwortet* wieder und sagt ihnen: „Kinder, wie schwer ist es für die, die sich auf die Gelder verlassen, in das Königreich Gottes einzugehen! 25 Leichter ist es für ein Kamel, durch das Öhr der Nadel zu gehen, als dass ein Reicher in das Königreich Gottes eingehe.“

    26 Sie erstaunten über die Maßen und sagten zueinander: „Und wer kann [dann] gerettet werden?“

    27 Aber Jesus blickt sie an und sagt: „Bei Menschen ist es unmöglich, jedoch nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.“

 

28 Und Petrus fing an, zu ihm zu sagen: „Siehe! Wir verließen alles und folgten dir.“

    29 Jesus antwortete* und sagte: „Wahrlich! Ich sage euch: Es gibt nicht einen, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Höfe ‹oder Felder› meinetwegen und der guten Botschaft wegen verließ, 30 der nicht Hundertfaches empfinge jetzt, in dieser Zeit, Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Höfe ‹und Felder› – unter Verfolgungen – und in der kommenden Weltzeit* ewiges Leben. 31 Aber viele Erste werden Letzte sein, und die Letzten [werden] Erste [sein].“

 

32 Sie waren auf dem Wege, am Hinaufgehen nach Jerusalem. Und Jesus ging vor ihnen her. Und sie waren sehr erstaunt und folgten in Furcht.

    Und wieder nahm er die Zwölf zu sich und fing an, ihnen zu sagen, was ihm widerfahren sollte: 33 „Siehe! Wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohen Priestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert werden. Und sie werden ihn zum Tode verurteilen und werden ihn denen, die von den Völkern sind, ausliefern. 34 Und sie werden ihn verspotten und ihn geißeln und ihn anspucken und ihn töten. Und am dritten Tage wird er auferstehen.“

 

35 Und es treten zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sagen: „Lehrer, wir wünschen, dass du für uns tust, was irgend wir bitten.“

    36 Er sagte zu ihnen: „Was wünscht ihr, dass ich für euch tue?“

    37 Sie sagten zu ihm: „Gib uns, dass wir in deiner Herrlichkeit einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen mögen.“

    38 Jesus sagte zu ihnen: „Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Becher trinken, den ich trinke, und mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde?“

    39 Sie sagten ihm: „Wir können es.“

    Jesus sagte ihnen: „In der Tat werdet ihr den Becher trinken, den ich trinke, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden. 40 Aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu geben, steht nicht mir zu, sondern denen, für die es bereitet ist, [wird es gegeben werden].“

    41 Und als die Zehn es hörten, fingen sie an, über Jakobus und Johannes unwillig zu werden.

    42 Aber Jesus rief sie heran, und er sagt ihnen: „Ihr wisst, dass die, die als Erstrangige der Völker gelten, sie beherrschen und die Großen Autorität über sie ausüben. 43 Unter euch wird[475] es aber nicht so sein, sondern wer irgend unter euch groß zu werden wünscht, wird[476] Diener[477] von euch sein, 44 und wer irgend von euch Erster zu werden wünscht, wird leibeigener Knecht von allen sein, 45 denn auch der Sohn des Menschen kam nicht, bedient zu werden, sondern zu dienen und seine Seele[478] zu geben als Lösegeld für viele.“

 

46 Und sie kommen nach Jericho. Und als er mitsamt seinen Jüngern und einer großen Menge aus Jericho hinauszog, saß Bartimäus[479], der Blinde, der Sohn des Timäus, bettelnd am Wege.

    47 Und als er hörte, dass es Jesus, der Nazarener[480], war, fing er an, ‹laut› zu rufen und zu sagen: „Sohn Davids! Jesus! Erbarme dich meiner!“

    48 Und viele schalten ihn, dass er schweigen solle.

    Aber er rief viel mehr: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“

    49 Und Jesus blieb stehen und sagte, man solle ihn rufen. Und sie rufen den Blinden:

    „Sei guten Mutes!“ sagen sie zu ihm. „Steh auf! Er ruft dich.“

    50 Er warf sein Oberkleid von sich, stand auf und kam hin zu Jesus.

    51 Und Jesus antwortet* und sagt zu ihm: „Was wünschst du, dass ich für dich tun soll?“

    Der Blinde sagte zu ihm: „Rabbuni[481], dass ich wieder sehe!“

    52 Jesus sagte zu ihm: „Gehe hin! Dein Glaube hat dich heil gemacht[482].“

    Und sogleich sah er wieder. Und er folgte Jesus auf dem Wege.

 

11 1 Und wie sie sich Jerusalem nahen, [nahekommen] an Bethphage[483] und Bethanien[484], gegen den Berg der Olivenbäume hin, sendet er zwei seiner Jünger aus 2 und sagt zu ihnen: „Geht hin in das Dorf, das euch gegenüberliegt. Und sogleich, wenn ihr in dasselbe hineingeht, werdet ihr ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch kein Mensch gesessen hat. Bindet es los und führt es [her].

    3 Und wenn jemand zu euch sagen sollte: ‘Warum tut ihr dieses?’ sagt: ‘Der Herr °bedarf seiner.’ Und er wird es sogleich hierher senden.“

    4 Sie gingen weg und fanden das Fohlen an die Tür angebunden, draußen auf der Durchzugsstraße. Und sie binden es los.

    5 Und einige von denen, die dort standen, sagten zu ihnen: „Was tut ihr [da], dass ihr das Fohlen losbindet?“

    6 Sie sagten es ihnen so, wie Jesus geboten hatte. Und sie gaben es ihnen ab. 7 Und sie führten das Fohlen hin zu Jesus.

    Und sie legten ihm ihre Oberkleider auf, und er setzte sich auf es. 8 Viele breiteten ihre Oberkleider auf den Weg. Andere hieben Zweige von den Bäumen und breiteten sie auf den Weg. 9 Und die Vorangehenden und die Nachfolgenden riefen ‹laut›:

    „Hosanna!“* sagten sie. „Gelobt [sei] der, der kommt im Namen des Herrn! 10 Gelobt [sei] das Königreich unseres Vaters David, das im Namen des Herrn kommt! Hosanna* in den höchsten ‹Höhen›!“

    11 Und Jesus zog ein in Jerusalem und in die Tempelstätte. Und als er über alles umhergeblickt hatte, ging er, da es schon späte Stunde war, mit den Zwölfen nach Bethanien hinaus.

 

12 Und als sie am folgenden Tage von Bethanien hinausgegangen waren, hungerte ihn. 13 Und er sah von ferne einen Feigenbaum, der Blätter hatte, und ging hin, ob er demzufolge[485] etwas an ihm finden werde. Und als er zu ihm kam, fand er nichts als nur Blätter, denn es war nicht die Zeit der Feigen.

    14 Und Jesus antwortete* und sagte zu ihm[486]: „Nimmermehr soll jemand von dir Frucht essen, in Ewigkeit*!“ Und seine Jünger hörten es.

 

15 Und sie kommen nach Jerusalem. Und Jesus trat in die Tempelstätte ein und fing an, die hinauszutreiben, die in der Tempelstätte verkauften und kauften. Und die Tische der Wechsler und die Stühle der Taubenverkäufer stieß er um. 16 Und er ließ nicht zu, dass jemand ein Gerät ‹oder Gefäß› durch die Tempelstätte trug.

    17 Und er lehrte und sagte zu ihnen: „Ist nicht geschrieben: ‘Mein Haus wird genannt werden ein Haus des Gebets für alle Völker’? {Jes 56,7} Ihr machtet es aber zu einer Räuberhöhle!“

    18 Und die Schriftgelehrten und die Hohen Priester hörten es und suchten, wie sie ihn umbringen könnten, denn sie fürchteten ihn, weil die ganze Menge über seine Lehre in Staunen versetzt war.

    19 Und wenn es Abend wurde, pflegte er zur Stadt hinauszugehen.

 

20 Und frühmorgens, als sie vorbeigingen, sahen sie den Feigenbaum, verdorrt, von den Wurzeln an.

    21 Petrus erinnert sich und sagt zu ihm: „Rabbi, sieh! Der Feigenbaum, den du verfluchtest, ist verdorrt!“

    22 Jesus antwortet* und sagt ihnen: „Habt ‹stets› Glauben °an Gott! 23 – denn: Wahrlich! Ich sage euch: Wer irgend zu diesem Berge sagt: ‘Hebe dich empor und wirf dich ins Meer!’[487] und in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass das, was er sagt, geschieht, dem wird werden, was immer er sagt. 24 Deswegen sage ich euch: Alles, was irgend ihr im Gebet bittet,[488] glaubt[489] ‹immerzu›, dass ihr °empfangt, und es wird euch werden. 25 Und wenn ihr steht und betet, vergebt[490], wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe. 26 °Wenn ihr aber nicht vergebt, wird euer Vater, der in den Himmeln ist, eure Übertretungen auch nicht vergeben.“

 

27 Und sie kommen wieder nach Jerusalem.

    Und während er in der Tempelstätte geht, kommen die Hohen Priester und die Schriftgelehrten und die Ältesten hin zu ihm 28 und sagen zu ihm: „In welcher Autorität tust du diese Dinge, und wer gab dir diese Autorität, dass du diese Dinge tust?“

    29 Jesus antwortete und sagte ihnen: „Ich werde euch auch um eine Sache befragen, und [ihr] antwortet mir; und ich werde euch sagen, in welcher Autorität ich diese Dinge tue: 30 Die Taufe des Johannes, war [sie] vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir.“

    31 Und sie überlegten, ‹besprachen [sich]› miteinander und sagten: „Wenn wir sagen: ‘Vom Himmel’, wird er sagen: ‘Weshalb glaubtet ihr ihm also nicht?’ 32 Jedoch wenn wir sagen: ‘Von Menschen’, –“. Sie fürchteten das Volk, denn alle hielten Johannes dafür, dass er wirklich ein Prophet war.

    33 Und sie antworten und sagen zu Jesus: „Wir wissen es nicht.“

    Jesus antwortet* und sagt ihnen: „So sage ich euch auch nicht, in welcher Autorität ich diese Dinge tue.“

 

12 1 Und er fing an, in Gleichnissen zu ihnen zu sagen: „Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und setzte einen Zaun herum, und er grub einen Keltertrog und baute einen Turm. Und er verpachtete ihn an Winzer und reiste außer Landes.

    2 Und zur bestimmten Zeit sandte er zu den Winzern einen leibeigenen Knecht, damit er von den Winzern empfange von der Frucht des Weinbergs. 3 Aber sie nahmen ihn, schlugen ihn und sandten ihn leer fort. 4 Und wieder sandte er einen anderen leibeigenen Knecht zu ihnen. Und den bewarfen sie mit Steinen und verwundeten ihn dabei am Kopf. Und sie sandten ihn verunehrt[491] fort. 5 Und wieder sandte er einen anderen, und den töteten sie, und viele andere: Die einen schlugen sie. Die anderen töteten sie.

    6 Noch einen hatte er also, seinen geliebten Sohn: Als letzten sandte er auch ihn hin zu ihnen.

    Und er sagte: ‘Sie werden vor meinem Sohn Achtung haben!’

    7 Aber jene Winzer sagten zueinander: ‘Dieser ist der Erbe. Auf! Töten wir ihn, und das Erbe wird unser sein.’

    8 Und sie nahmen ihn, töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus.

    9 Was wird also der Herr des Weinberges tun?“

    „Er wird kommen und die Winzer umbringen und wird den Weinberg anderen geben.“

    10 „Last ihr nicht diese Schrift?: ‘Der Stein, den die Bauenden verwarfen[492], dieser wurde zum Haupt[stein] der Ecke[493]. 11 Vom Herrn her wurde er dieses[494], und es[495] ist wunderbar in unseren Augen.’“ {Ps 118,22.23}

    12 Und sie suchten, ihn zu greifen, und sie fürchteten die Menge, denn sie merkten, dass er das Gleichnis auf sie hin gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.

 

13 Und sie senden einige der Pharisäer und der Herodianer[496] zu ihm hin, damit sie ihn bei einem Wort[497] fangen könnten.

    14 Sie kommen und sagen zu ihm: „Lehrer, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und dich um niemanden kümmerst, denn du siehst nicht auf das Angesicht von Menschen, sondern du lehrst in Wahrheit den Weg Gottes.

    Ist es gestattet, dem Kaiser Steuer zu geben oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht geben?“

    15 Da er aber um ihre Heuchelei wusste, sagte er zu ihnen: „Was versucht ihr mich? Bringt mir einen Denar[498], damit ich [ihn] sehe.“

    16 Sie brachten [einen].

    Und er sagt zu ihnen: „Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift?“

    Sie sagten ihm: „Des Kaisers.“

    17 Und Jesus antwortete* und sagte ihnen: „Gebt dem Kaiser ab, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“

    Und sie verwunderten sich über ihn.

 

18 Und es kommen Sadduzäer zu ihm hin; die sagen, es gebe keine Auferstehung. Und sie befragten ihn:

    19 „Lehrer,“ sagten sie, „Mose schrieb uns: Wenn jemandes Bruder stirbt und eine Frau zurücklässt und keine Kinder hinterlässt, dass sein Bruder seine Frau nehmen und seinem Bruder Samen erwecken[499] solle.

    20 Es waren sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau, und als er starb, hinterließ er keinen Samen. 21 Und der zweite nahm sie und starb, und auch er hinterließ keinen Samen und der dritte ebenso. 22 Und es nahmen sie die sieben und hinterließen keinen Samen. Als Letzte von allen starb auch die Frau. 23 In der Auferstehung also, wenn sie auferstehen sollen, von welchem von ihnen wird sie die Frau sein? – denn die sieben hatten sie zur Frau.“

    24 Und Jesus antwortete und sagte ihnen: „Irrt ihr nicht deswegen, weil ihr die Schriften nicht wirklich kennt noch die Kraft Gottes? 25 – denn wenn sie von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie [die] Boten*, die in den Himmeln [sind].

    26 Was aber die Toten betrifft, dass sie erweckt werden: Last ihr nicht im Buch Moses, bei dem Dornstrauch, wie Gott zu ihm sagte: ‘Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs’? {2M 3,6.15} 27 Er ist nicht der Gott von Toten, sondern Gott von Lebenden. Ihr irrt also sehr[500].“

 

28 Und es trat einer der Schriftgelehrten hinzu, der gehört hatte, wie sie miteinander disputierten, und der wusste, dass er ihnen trefflich geantwortet hatte, und befragte ihn: „Welches Gebot ist das erste von allen?“

    29 Jesus antwortete ihm: „Das erste von allen Geboten [ist]: ‘Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, ist ein Herr, 30 und du sollst* den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Denken und aus deiner ganzen Stärke.’ {Vgl. 5M 6,4.5.} Dieses ist das erste Gebot.

    31 Und ein zweites ist ihm gleich: ‘Du sollst* deinen Nächsten[501] lieben wie dich selbst.’ {3M 19,18}

    Größer als diese ist kein anderes Gebot.“

    32 Und der Schriftgelehrte sagte zu ihm: „Trefflich, Lehrer! Nach der Wahrheit hast du gesprochen, dass Gott einer ist, und es ist kein anderer außer ihm. 33 Und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Stärke und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist mehr als alle Brandopfer und Opfer.“

    34 Als Jesus sah, dass er verständig geantwortet hatte, sagte er zu ihm: „Du bist nicht fern vom Königreich Gottes.“

    Und es wagte niemand, ihn noch ‹weiter› zu befragen.

 

35 Und Jesus antwortete* und sagte, als er in der Tempelstätte lehrte: „Wie sagen die Schriftgelehrten, dass der Gesalbte* Davids Sohn ist? 36 – denn David selbst sagte in dem Heiligen Geist: ‘Es sagte der Herr[502] zu meinem Herrn[503]: Sitze zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege[504] zum Schemel deiner Füße.’ {Ps 110,1}

    37 David selbst nennt ihn also einen ‘Herrn’. Und woher ist er sein Sohn?“

    Und die zahlreiche Menge hörte ihn gern.

 

38 Und in seinem Lehren sagte er zu ihnen: „Seht euch ‹stets› vor vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern gehen wollen und Begrüßungen auf den Marktplätzen 39 und erste Sitze in den Synagogen und erste Plätze bei den Gastmählern ‹begehren›, 40 die die Häuser der Witwen verzehren und zum Vorwand[505] lange beten. Sie werden ein schwereres Gericht empfangen.“

 

41 Und Jesus setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und schaute zu, wie die Menge Geld in den Schatzkasten einlegte. Und viele Reiche legten viel ein. 42 Und eine kam, eine arme Witwe, und legte zwei Lepta[506] ein. (Das ist ein Kodrantees[507].)

    43 Und er rief seine Jünger herbei, und er sagt zu ihnen: „Wahrlich! Ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten einlegten, 44 denn alle legten von ihrem Überfluss ein, aber diese legte von ihrem Mangel alles ein, so viel sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt[508].“

 

13 1 Und als er aus der Tempelstätte hinausgeht, sagt einer seiner Jünger zu ihm: „Lehrer, sieh! Was für Steine und was für Bauwerke!“

    2 Und Jesus antwortete* und sagte zu ihm: „Siehst du diese großen Bauwerke an? Keinesfalls wird gelassen werden Stein auf Stein, der nicht abgebrochen wird.“

    3 Und als er am Berg der Olivenbäume saß, der Tempelstätte gegenüber, fragten ihn, [als sie] für sich alleine [waren], Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas: 4 „Sage uns: Wann wird das sein? Und was ist das Zeichen, wann das alles im Begriff ist, vollendet zu werden?“

    5 Jesus antwortete ihnen und begann zu reden: „Seht ‹stets› zu, dass nicht jemand euch irreführe, 6 denn viele werden kommen ‹unter Berufung› auf meinen Namen[509] und sagen: ‘Ich bin’s!’ Und sie werden viele irreführen.

    7 Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hört, seid nicht beunruhigt[510], denn es muss geschehen. Jedoch [ist es] noch nicht das Ende, 8 denn es wird sich Volk gegen Volk erheben und Königreich gegen Königreich. Und es werden Beben sein an ‹verschiedenen› Orten, und Hungersnöte werden sein und Störungen[511]. Diese Dinge sind die Anfänge der Wehen.

    9 Aber ihr, seht euch ‹stets vor›, denn sie werden euch an Hohe Räte* ausliefern und an Synagogen, und ihr werdet geschlagen werden, und ihr werdet vor Statthalter und Könige gestellt werden meinetwegen, ihnen zu einem Zeugnis. 10 Und allen Völkern muss zuerst die gute Botschaft verkündet werden. 11 Wenn sie euch aber hinführen, um euch auszuliefern, seid nicht im Voraus in Sorge, was ihr reden sollt. Widmet dem nicht eure Aufmerksamkeit, sondern was immer euch in jener Stunde gegeben wird, das redet, denn nicht ihr seid die Redenden, sondern der Heilige Geist.

    12 Es wird der Bruder den Bruder zum Tode ausliefern und der Vater das Kind. Und Kinder werden gegen Eltern aufstehen und sie zu Tode bringen. 13 Und ihr werdet gehasst sein bei allen wegen meines Namens. Aber der, der bis zum Ende Ausdauer bewahrt haben wird, der wird gerettet werden.

 

14 Aber wenn ihr den Gräuel der Verwüstung, von dem von Daniel, dem Propheten, geredet wurde, werdet °hingestellt sehen, wo er nicht [stehen] sollte – der Lesende bedenke es –, dann sollen die in Judäa in die Berge fliehen. 15 Der, der auf dem Dach [ist], steige nicht hinab in das Haus, gehe auch nicht hinein, etwas aus seinem Hause zu holen. 16 Und der, der ins Feld [gegangen] ist, kehre nicht um, sein Oberkleid zu holen. 17 Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! 18 Betet[512], dass[513] eure Flucht nicht im Winter geschehe, 19 denn jene Tage werden eine Bedrängnis sein, eine solche, die seit Anfang der Schöpfung, die Gott schuf, bis jetzt nicht geschehen ist und keinesfalls geschehen wird. 20 Und wenn der Herr die Tage nicht kurz machen[514] würde, würde kein Fleisch gerettet. Jedoch der Erwählten wegen, die er erwählte, machte er die Tage kurz.

    21 Und wenn dann jemand zu euch sagt: ‘Siehe! Hier ist der Gesalbte*!’ oder: ‘Siehe! Dort!’, glaubt es nicht, 22 denn es werden falsche Gesalbte[515] und falsche Propheten auftreten und werden Zeichen und Wunder darbieten, um irrezuführen, wenn möglich, auch die Erwählten. 23 Ihr aber, seht euch ‹stets vor›! Siehe! Ich habe euch alles zuvor gesagt.

    24 Jedoch in jenen Tagen, nach jener Bedrängnis, wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Lichtschein nicht geben, 25 und die Sterne des Himmels werden herabfallen, und die Kräfte in den Himmeln werden ins Wanken versetzt werden.

    26 Und dann werden sie[516] den Sohn des Menschen sehen, kommend in Wolken mit viel Kraft und Herrlichkeit. 27 Und dann wird er seine Boten* senden, und er wird seine Erwählten versammeln von den vier Winden[517], vom Ende[518] der Erde bis zum Ende des Himmels.

 

28 Von dem Feigenbaum lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden ist und die Blätter hervortreibt, merkt ihr, dass der Sommer nahe ist. 29 So merkt[519] auch ihr, sobald ihr dieses geschehen seht, dass es[520] nahe vor den Türen ist. 30 Wahrlich! Ich sage euch: Auf keinen Fall wird dieses °Geschlecht vergehen[521], bis dieses alles geschehen sein wird. 31 Der Himmel und die Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen auf keinen Fall[522].

 

32 Aber um jenen Tag und die Stunde weiß niemand – auch nicht die Boten*, die im Himmel sind, auch nicht der Sohn – außer dem Vater. 33 Seht euch ‹stets vor›! Wacht ‹stets› und betet ‹immerfort›, denn ihr wisst nicht, wann der Zeitpunkt ist.

    34 [Es ist] wie ein Mensch, der außer Landes reiste, sein Haus verließ und seinen leibeigenen Knechten die Vollmacht* gab und einem jeden seine Tätigkeit [zuwies] und dem Türhüter gebot, dass er wache. 35 Wacht also ‹stets›, denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob abends oder um Mitternacht oder um den Hahnenschrei[523] oder frühmorgens[524], 36 damit er nicht ‹etwa›, sollte er plötzlich kommen, euch schlafend finde. 37 Was ich aber euch sage, sage ich allen: Wacht ‹immerfort›!“

 

14 1 Es war nach zwei Tagen das Passa und [das Fest] der ungesäuerten [Brote][525]. Und die Hohen Priester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List greifen und töten könnten.

    2 Aber sie sagten: „Nicht am Fest, damit nicht etwa ein Tumult des Volkes sein wird.“

 

3 Und als er in Bethanien war, im Hause Simons, des Aussätzigen, kam, während er [zu Tisch] lag, eine Frau, die ein Alabasterfläschchen mit Salböl von echter, sehr kostbarer Narde hatte. Und sie zerbrach das Alabasterfläschchen und goss es über sein Haupt.

    4 Es waren aber einige bei sich selbst unwillig und sagten: „Wozu ist diese Vergeudung[526] des Salböls geschehen? 5 – denn dieses hätte für mehr als dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben werden können.“

    Und sie fuhren sie an.

    6 Aber Jesus sagte: „Lasst sie! Was bereitet ihr ihr Mühe? Sie tat ein edles Werk an mir. 7 Die Armen habt ihr nämlich allezeit bei euch, und wann immer ihr wollt, könnt ihr ihnen wohltun. Mich habt ihr aber nicht allezeit. 8 Was sie hatte, setzte sie ein, ‹und sie handelte›: Sie salbte im Voraus meinen Leib zum Begräbnis. 9 Wahrlich! Ich sage euch: Wo immer diese gute Botschaft in die ganze Welt [getragen und] verkündet werden wird, wird auch von dem geredet werden, was diese tat, zu ihrem Gedenken.“

 

10 Und Judas, der Iskariot, einer von den Zwölfen, ging hin zu den Hohen Priestern, um ihn an sie ‹zu verraten und› auszuliefern. 11 Die freuten sich, als sie es hörten, und versprachen, ihm Geld zu geben. Und er suchte, wie er ihn zu gelegener Zeit ausliefern könnte.

 

12 Und am ersten Tage der ungesäuerten [Brote], als man das Passa schlachtete, sagen seine Jünger zu ihm: „Wohin willst du, dass wir gehen und Vorbereitung treffen, damit du das Passa essen kannst?“

    13 Und er sendet zwei seiner Jünger und sagt zu ihnen: „Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der einen Tonkrug Wasser trägt. Folgt ihm!

    14 Und wo irgend er hineingehen mag, [dort] sprecht zu dem Hausherrn: ‘Der Lehrer sagt: Wo ist das Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passa essen kann?’

    15 Und er selbst wird euch einen großen, mit Polstern belegten bereitstehenden Obersaal[527] zeigen. Dort bereitet für uns zu.“

    16 Und seine Jünger gingen hinaus und kamen in die Stadt und fanden es so, wie er ihnen gesagt hatte. Und sie bereiteten das Passa vor.

 

17 Und als es Abend geworden war, kommt er mit den Zwölfen.

    18 Und als sie [zu Tisch] lagen und aßen, sagte Jesus: „Wahrlich! Ich sage euch: Einer von euch wird mich ‹verraten und› ausliefern, [einer], der mit mir isst.“

    19 Sie fingen an, betrübt zu werden und einer nach dem anderen zu ihm zu sagen: „Ich?!“ und ein anderer: „Ich?!“

    20 Er antwortete und sagte ihnen: „Einer von den Zwölfen, der mit mir in die Schüssel eintaucht. 21 Der Sohn des Menschen geht dahin, ja, so wie über ihn geschrieben ist, aber wehe jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen ‹verraten und› ausgeliefert wird! Es wäre für jenen Menschen besser[528], wenn er nicht geboren worden wäre.“

 

22 Und während sie aßen, nahm Jesus Brot, lobte, brach und gab ihnen und sagte: „Nehmt! Esst! Dieses ist mein[529] Leib.“

    23 Und er nahm den Becher, dankte und gab ihnen. Und sie tranken alle davon.

    24 Und er sagte zu ihnen: „Dieses ist[530] mein Blut, das des neuen Bundes[531], das für viele vergossen wird. 25 Wahrlich! Ich sage euch, dass ich auf keinen Fall mehr trinken werde von dem Erzeugnis des Weinstocks, bis zu jenem Tage, wenn ich es aufs Neue trinke im Königreich Gottes.“

    26 Und als sie eine Hymne gesungen hatten, gingen sie hinaus Richtung Berg der Olivenbäume.

 

27 Und Jesus sagt ihnen: „In dieser Nacht werdet ihr alle an mir Anstoß nehmen, ‹stolpern und zu Fall kommen›, denn es ist geschrieben: ‘Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden zerstreut werden.’ {Vgl. Sac 13,7.}

    28 Nachdem ich jedoch erweckt sein werde, werde ich euch voran nach Galiläa gehen.“

    29 Aber Petrus sagte zu ihm: „Wenn auch alle Anstoß nehmen werden, so doch nicht ich!“

    30 Und Jesus sagt ihm: „Wahrlich! Ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe ein Hahn °zweimal kräht[532], wirst du mich dreimal verleugnen.“

    31 Aber er sagte in sehr überschwänglicher Weise [noch] mehr: „Wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich auf keinen Fall verleugnen.“

    Ebenso sprachen auch alle.

 

32 Und sie kommen an ein Grundstück, dessen Name Gethsemane[533] [ist], und er sagt zu seinen Jüngern: „Setzt euch hier, bis ich gebetet habe!“

    33 Und er nimmt Petrus und Jakobus und Johannes zu sich. Und er fing an, sehr bestürzt und geängstigt zu sein.

    34 Und er sagt zu ihnen: „Meine Seele ist sehr, sehr betrübt[534], bis zum Tode[535]. Bleibt hier und wacht[536]!“

    35 Und er ging ein wenig vor und fiel auf die Erde. Und er betete, dass[537], wenn es möglich sei, die Stunde an ihm vorübergehe.

    36 Und er sagte: „Abba! Vater![538] Es ist dir alles möglich. Führe diesen Becher an mir vorüber. Doch nicht, was ich will, sondern was du [willst].“

    37 Und er kommt und findet sie schlafend.

    Und er sagt zu Petrus: „Simon, du schläfst? Warst du nicht imstande, eine Stunde zu wachen? 38 Wacht und betet[539], damit[540] ihr nicht in Versuchung hineingeratet! Der Geist ist bereitwillig, ja, aber das Fleisch ist schwach.“

    39 Und wieder ging er weg und betete und sagte dasselbe Wort.

    40 Und als er zurückkehrte, fand er sie wiederum schlafend, denn ihre Augen waren beschwert. Und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.

    41 Und er kommt zum dritten Mal.

    Und er sagt zu ihnen: „Ihr schlaft vollends und ruht euch aus.“[541]

 

„°Das Erwartete ist da! Die Stunde ist gekommen. Siehe! Der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder ausgeliefert. 42 Steht auf! Lasst uns gehen! Siehe! Der, der mich ‹verrät und› ausliefert, hat sich genaht.“

    43 Und sogleich, während er noch redet, kommt Judas, der einer von den Zwölfen ist, und mit ihm eine zahlreiche Menge mit Schwertern und Stöcken, von den Hohen Priestern und den Schriftgelehrten und den Ältesten her.

    44 Der, der ihn ‹verriet und› auslieferte, hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: „Der, den ich küssen werde, er ist es. Greift ihn und führt ihn sicher ab!“

    45 Und er kommt, geht sogleich hin zu ihm und sagt: „Rabbi! Rabbi!“, und er küsste ihn herzlich[542].

    46 Sie legten ihre Hände an ihn und griffen ihn.

    47 Aber einer, jemand von den Dabeistehenden, zog das Schwert und schlug den leibeigenen Knecht des Hohen Priesters und hieb ihm das Ohr ab.

    48 Und Jesus antwortete ihnen und sagte: „Wie gegen einen Räuber zogt ihr aus, mit Schwertern und Stöcken, mich festzunehmen.[543] 49 Täglich war ich bei euch[544] in der Tempelstätte und lehrte, und ihr grifft mich nicht. Jedoch, damit die Schriften erfüllt werden –.“

    50 Und sie verließen ihn alle und flohen.

    51 Und einer, ein gewisser junger Mann, der ein Leinentuch um den bloßen[545] [Leib] geworfen hatte, folgte ihm. Und es greifen ihn die jungen Männer. 52 Aber er ließ das Leinentuch zurück und floh unbekleidet[546] von ihnen.

 

53 Und sie führten Jesus ab, hin zum Hohen Priester. Und es kommen bei ihm alle Hohen Priester und Ältesten und Schriftgelehrten zusammen.

    54 Und Petrus folgte ihm von ferne bis hinein in den Hof des Hohen Priesters. Und er saß mit den verantwortlichen Dienern zusammen und wärmte sich, zum Licht[547] hin ‹gewandt›.

 

55 Die Hohen Priester und der ganze Hohe Rat* suchten Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu Tode zu bringen. Und sie fanden keines, 56 denn viele legten falsches Zeugnis gegen ihn ab, und die Zeugnisse waren nicht gleich.

    57 Und einige standen auf, legten falsches Zeugnis gegen ihn ab und sagten: 58Wir hörten ihn sagen: ‘Ich werde dieses Tempelheiligtum, das mit Händen gemacht ist, abbrechen, und innerhalb von drei Tagen werde ich ein anderes, das nicht mit Händen gemacht ist, bauen.’“

    59 Und auch so war ihr Zeugnis nicht gleich. 60 Und der Hohe Priester stand auf, ‹trat› in die Mitte und fragte Jesus:

    „Hast du keine Antwort“,[548] sagte er, „[auf] das, was diese gegen dich zeugen?“

    61 Aber er schwieg und antwortete nichts.

    Der Hohe Priester fragte ihn wieder und sagt zu ihm: „Bist du der Gesalbte*, der Sohn des Gelobten?“

    62 Jesus sagte: „Ich bin es. Und ihr werdet den Sohn des Menschen sehen, sitzend zur Rechten der Kraft und kommend mit den Wolken des Himmels.“[549]

    63 Da zerriss der Hohe Priester seine Kleider, und er sagt: „Was haben wir noch Zeugen nötig? 64 Ihr hörtet die Lästerung. Was meint ihr?“

    Sie verurteilten ihn alle: Er sei des Todes schuldig.

    65 Und etliche fingen an, ihn anzuspucken und sein Angesicht zu verhüllen und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: „Weissage!“[550]

    Und die verantwortlichen Diener[551] versetzten ihm Schläge.

 

66 Und während Petrus unten im Hof ist, kommt eine von den Mägden des Hohen Priesters 67 und sieht Petrus sich wärmen.

    Und sie blickt ihn an und sagt: „Auch du warst mit dem Nazarener Jesus.“

    68 Er leugnete und sagte: „Ich weiß nicht, noch ist mir bekannt, was du sagst.“

    Und er ging hinaus, nach draußen, in den Vorhof. Und ein Hahn °krähte.

    69 Und als die Magd ihn wieder sah, fing sie an, den Dabeistehenden zu sagen: „Der ist [einer] von ihnen.“

    70 Aber er leugnete wieder.

    Und nach kurzem sagten wiederum die Dabeistehenden zu Petrus: „Wahrlich! Du bist einer von ihnen, denn du bist auch ein Galiläer, und dein Reden[552] ist gleich.“

    71 Aber er fing an, sich zu verfluchen und zu schwören: „Ich weiß nicht [von] diesem Menschen, von dem ihr redet!“

    72 Und ein Hahn krähte °zum zweiten Mal. Und Petrus erinnerte sich an das Wort* Jesu, das[553] er ihm gesagt hatte: „Ehe ein Hahn °zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“, und bedachte es: Und er weinte.

 

15 1 Und sogleich, am frühen Morgen, nachdem die Hohen Priester mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rat* eine Ratssitzung gehalten und Jesus gebunden hatten, führten sie ihn ab und lieferten ihn an Pilatus aus.

    2 Und Pilatus fragte ihn: „Bist du der König der Juden?“

    Er antwortete und sagte zu ihm: „Du sagst es.“

    3 Und die Hohen Priester klagten ihn vieler Dinge an. 4 Pilatus fragte ihn wiederum:

    „Antwortest du nichts?“ sagte er. „Sieh, wie vieles sie gegen dich zeugen!“

    5 Aber Jesus antwortete gar nichts mehr, sodass sich Pilatus verwunderte.

 

6 Jeweils zum Fest pflegte er, ihnen einen Gefangenen freizulassen, wen immer sie sich erbaten. 7 Es war [einer], Barabbas[554], mit den Mitaufrührern gefangen genommen worden, welche in dem Aufruhr einen Mord begangen hatten. 8 Und die Menge schrie hinauf und fing an, sich zu erbitten, [dass er tue], so wie er ihnen [bisher] immer zu tun pflegte.

    9 Pilatus antwortete* und sagte zu ihnen: „Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse?“ 10 – denn er merkte ‹allmählich›, dass die Hohen Priester ihn aus Neid ausgeliefert hatten.

    11 Aber die Hohen Priester wiegelten die Menge auf, dass er ihnen vielmehr den Barabbas freilassen sollte.

    12 Pilatus antwortete wieder und sagte zu ihnen: „Was wollt ihr also, dass ich mit dem tue, den ihr ‘König der Juden’ nennt?“

    13 Aber sie schrien wiederum: „Kreuzige ihn!“

    14 Pilatus sagte zu ihnen: „Was tat er denn Übles?“

    Aber sie schrien noch viel mehr: „Kreuzige ihn!“

    15 Pilatus beschloss, die Menge zufriedenzustellen, und ließ ihnen Barabbas frei. Und Jesus, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, überlieferte er, dass er gekreuzigt werde.

 

16 Die Soldaten führten ihn ab in das Innere des Palastes (das ist das Prätorium*), und sie rufen die ganze Truppe zusammen. 17 Und sie ziehen ihm Purpur an und flechten eine Dornenkrone und setzen sie ihm auf.

    18 Und sie fingen an, ihn zu begrüßen: „Freue dich*, König der Juden!“

    19 Und sie schlugen ihm mit einem Rohrstock auf das Haupt und spuckten ihn an, beugten die Knie und huldigten ihm. 20 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm das Purpur aus und zogen ihm die eigenen Oberkleider an.

 

Und sie führen ihn hinaus, damit sie ihn kreuzigen. 21 Und sie zwingen einen Vorübergehenden, einen gewissen Simon, einen Kyrenier, der [gerade] von einer ländlichen Gegend[555] kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm sein Kreuz trage. 22 Und sie bringen ihn an die Stätte Golgotha (was übersetzt ‘Ort des Schädels’ heißt). 23 Und sie gaben ihm mit Myrrhe gewürzten Wein zu trinken, aber er nahm ihn nicht. 24 Und als sie ihn gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Oberkleider, indem sie das Los über sie warfen, [um zu bestimmen,] wer [etwas] bekommen sollte [und] was. 25 Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.

    26 Und die Aufschrift seiner Anklage war angeschrieben: „Der König der Juden.“

    27 Und zusammen mit ihm kreuzigen sie zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken, 28 °und es wurde die Schrift erfüllt, die sagt: „Und er wurde unter die Gesetzlosen[556] gerechnet.“ {Jes 53,12}

    29 Und die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf und sagten: „Ha! Der du das Tempelheiligtum abbrichst und in drei Tagen aufbaust, 30 rette dich selbst und steige herab vom Kreuz!“

    31 Gleicherweise spotteten auch die Hohen Priester mit den Schriftgelehrten untereinander und sagten: „Andere rettete er. Sich selbst kann er nicht retten! 32 Der Gesalbte*, der König Israels, steige nun herab vom Kreuz, damit wir sehen und glauben!“

    Auch die, die mit ihm gekreuzigt waren, beschimpften ihn.

    33 Als die sechste Stunde gekommen war, entstand Finsternis über die ganze °Erde bis zur neunten Stunde.

    34 Und zur neunten Stunde rief Jesus mit großer, ‹lauter› Stimme: „Eloi! Eloi! Lamma sabachthani?“ (was übersetzt[557] heißt: „Mein Gott! Mein Gott! Warum[558] hast du mich verlassen?“)

    35 Und einige von den Dabeistehenden, die es hörten, sagten: „Siehe! Er ruft Elia!“

    36 Und einer lief, füllte einen Schwamm mit saurem Wein, steckte ihn auf einen Rohrstab und gab ihm zu trinken und sagte: „Lasst [das]! Wir wollen sehen, ob Elia kommt, ihn herabzunehmen!“

    37 Aber Jesus entließ einen großen, ‹lauten› Ruf und hauchte aus[559].

    38 Und der Vorhang des Tempelheiligtums wurde zerrissen in zwei [Stücke], von oben her bis unten.

    39 Als der Centurio[560], der ihm gegenüber dabeistand, sah, dass er so rief und aushauchte, sagte er: „Wahrlich! Dieser Mensch war Gottes Sohn!“

    40 Es waren [da] auch Frauen, die von ferne zuschauten. Unter ihnen waren auch Maria von Magdala und Maria, des Jakobus, des Kleinen[561], und Joses Mutter, und Salome, 41 die ihm auch, als er in Galiläa war, gefolgt waren und ihm gedient hatten, und viele andere, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.

 

42 Und als es schon Abend geworden war – es war nämlich Rüsttag[562] (das ist der Vorsabbat) –, 43 kam Joseph, der von Arimathäa, ein vornehmer Ratsherr, der auch selbst auf das Königreich Gottes wartete. Und er wagte es und ging zu Pilatus hinein und erbat sich den Leib Jesu. 44 Pilatus verwunderte sich, dass er bereits tot sei. Und er rief den Centurio herbei und fragte ihn, ob er schon lange gestorben sei. 45 Und als er es von dem Centurio erfahren hatte, schenkte er Joseph den Leib. 46 Und [der] kaufte Leinentuch, nahm ihn herab, wickelte ihn in das Leinentuch und legte ihn nieder in einem Grab, das aus [dem] Felsen gehauen war. Und er wälzte einen Stein hin an die Tür des Grabes. 47 Maria von Magdala und Maria, die [Mutter] des Joses, schauten zu, wohin er gelegt wurde.

 

16 1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die [Mutter] des Jakobus, und Salome Gewürze[563], damit sie hingingen und ihn salbten. 2 Und sie kommen sehr früh am ersten [Tage] der Woche zum Grab. Die Sonne war °aufgegangen.

    3 Und sie sagten zueinander: „Wer wird uns den Stein von der Tür des Grabes wegwälzen?“

    4 Und als sie aufblicken, schauen sie ‹und sehen›, dass der Stein weggewälzt ist. Er war nämlich sehr groß. 5 Und sie gingen in das Grab hinein und sahen zur Rechten einen jungen Mann sitzen, umkleidet mit einem weißen langen Gewand, und sie waren bestürzt.

    6 Aber er sagt zu ihnen: „Seid nicht bestürzt. Ihr sucht Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er wurde erweckt. Er ist nicht hier. Sieh! – die Stätte, wo sie ihn hinlegten! 7 Geht jedoch hin. Sagt seinen Jüngern – auch Petrus –, dass er euch nach Galiläa vorausgeht. Dort werdet ihr ihn sehen, so wie er es euch sagte.“

    8 Und sie gingen schnell hinaus und flohen von dem Grab. Zittern und Entsetzen hatte sie [ergriffen]. Und sie sagten niemandem[564] etwas, denn sie fürchteten sich.

 

9 °Nachdem er frühmorgens am ersten [Tage] der Woche auferstanden war, erschien er zuerst der Maria von Magdala, von der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. 10 Jene ging hin und gab denen Bericht, die mit ihm ‹gewesen und› gekommen[565] waren und am Trauern und Weinen waren. 11 Und als jene hörten, dass er lebe und von ihr gesehen worden sei, glaubten sie nicht.

    12 Nach diesem offenbarte er sich in anderer Gestalt Zweien von ihnen unterwegs, als sie ins Ländliche gingen. 13 Und jene gingen [von dort] weg und gaben Bericht den anderen. Auch jenen glaubten sie nicht.

    14 Hernach offenbarte er sich ihnen, den Elfen, als sie [zu Tisch] lagen, und er machte ihnen Vorwürfe [wegen] ihres Unglaubens und ihrer Herzenshärte, dass sie denen, die ihn als den Auferweckten gesehen hatten, nicht geglaubt hatten.

    15 Und er sagte zu ihnen: „Geht hin in die ganze Welt und verkündet die gute Botschaft der ganzen Schöpfung[566]! 16 Wer glaubte[567] und getauft wurde,[568] wird gerettet werden. Wer aber nicht glaubte,[569] wird verurteilt werden.

    17 Diese Zeichen werden denen, die glaubten, mitfolgen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, in neuen Sprachen reden, 18 Schlangen aufheben. Und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen gar keinen Schaden antun. Kranken werden sie die Hände auflegen, und es wird trefflich mit ihnen werden.“

    19 Der Herr nun, nachdem er zu ihnen geredet hatte, wurde in den Himmel aufgenommen, ja[570], und er setzte sich zur Rechten Gottes. 20 Aber jene gingen aus und verkündeten überall, während der Herr mitwirkte und das Wort festmachte durch die darauf folgenden[571] Zeichen.

 

Amen.

 

 

 


Die gute Botschaft nach Lukas

 

1 1 Nachdem nun viele es unternahmen, eine Erzählung der Reihe nach wiederzugeben über die Ereignisse ‹und Angelegenheiten›, die unter uns zur Erfüllung gekommen sind, 2 so wie es uns die überlieferten, die von Anfang an Augenzeugen und °verantwortliche Diener° des Wortes wurden, 3 schien es auch mir angebracht, nachdem ich allem von Grund auf ‹und von Anfang an› mit Sorgfalt nachgegangen war, es für dich, vornehmster Theophilus, in geordneter Reihenfolge zu schreiben, 4 damit du die Zuverlässigkeit der Worte[572] erkennst, über die du unterwiesen wurdest.

 

5 Es geschah in den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa: Es ‹war› ein gewisser Priester namens Zacharias, aus der Tagesabteilung[573] des Abia, und seine Frau war von den Töchtern Aarons, und ihr Name war Elisabet. 6 Beide waren gerecht vor Gott. Sie wandelten ohne Tadel in allen Geboten und Rechtssatzungen des Herrn. 7 Und sie hatten kein Kind, deshalb weil Elisabet unfruchtbar war, und beide waren an ihren Tagen ‹weit› vorgeschritten[574].

    8 Es geschah, als er in der Ordnung seiner Tagesabteilung vor Gott den priesterlichen Dienst versah, 9 dass ihn nach der Sitte des Priesteramtes das Los traf, in das Tempelheiligtum des Herrn zu gehen, um zu räuchern. 10 Und zur Stunde des Räucherns betete das gesamte Volk draußen ‹anhaltend›. 11 Da erschien ihm ein Bote* des Herrn, der zur Rechten des Rauchopferaltars stand. 12 Und als Zacharias [ihn] sah, wurde er erregt, und Furcht überfiel ihn.

    13 Aber der [himmlische] Bote* sagte zu ihm: „Fürchte dich nicht, Zacharias, weil dein Flehen erhört wurde. Und Elisabet, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären. Und du sollst* ihm den Namen Johannes geben. 14 Und er wird dir Freude und Jubel sein, und viele werden sich über seine Geburt freuen, 15 denn er wird groß sein vor dem Herrn. Und Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken. Und noch im Schoße seiner Mutter wird er mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. 16 Und viele von den Söhnen Israels wird er zur Umkehr zu dem Herrn, ihrem Gott, bringen. 17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elia, um die Herzen von Vätern zu den Kindern zu kehren und im Unglauben Ungehorsame [zur Umkehr zu bringen, dass sie] in der klugen Gesinnung von Gerechten [sind], um dem Herrn ein hergestelltes Volk zu bereiten.“

    18 Und Zacharias sagte zu dem [himmlischen] Boten*: „Wie soll ich das [er]kennen? – denn ich bin ein alter Mann, und meine Frau ist an ihren Tagen ‹weit› vorgeschritten.“

    19 Und der Bote* antwortete und sagte ihm: „Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich wurde gesandt, zu dir zu reden und dir dieses als gute Botschaft zu sagen. 20 Und – siehe! – du wirst schweigend sein[575] und nicht reden können bis zu dem Tage, da dieses geschehen sein wird, dafür dass du nicht glaubtest meinen Worten, welche werden erfüllt werden zu ihrer Zeit.“

    21 Und das Volk wartete auf Zacharias. Und sie wunderten sich, da er im Tempelheiligtum verzog. 22 Als er aber herauskam, konnte er nicht zu ihnen reden. Und sie erkannten, dass er im Tempelheiligtum ein Gesicht gesehen hatte. Und er gab ihnen ‹wiederholt› Handzeichen und blieb stumm.

 

23 Und es geschah, als die Tage seines Dienstes[576] erfüllt waren, ging er weg zu seinem Hause. 24 Nach diesen Tagen empfing Elisabet, seine Frau.

    Und sie zog sich selbst fünf Monate zurück[577] mit den Worten: 25 „So hat mir der Herr getan in den Tagen, in denen er darauf sah, wegzunehmen meine Schmach bei den Menschen.“

 

26 Im sechsten Monat wurde der [himmlische] Bote* Gabriel von Gott in eine Stadt Galiläas namens Nazaret gesandt, 27 zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Joseph angelobt war, aus dem °Hause Davids. Und der Name der Jungfrau war Maria.

    28 Und der Bote* trat ein, [trat] zu ihr hin und sagte: „Freue dich*, Begnadete![578] Der Herr [ist] mit dir, du Gesegnete unter den Frauen.“

    29 Als sie ihn sah, wurde sie sehr beunruhigt über sein Wort und überlegte, was für eine Art von Gruß das wohl sei.

    30 Und der Bote* sagte zu ihr: „Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast bei Gott Gnade gefunden, 31 und – siehe! – du wirst im Mutterleibe empfangen und einen Sohn gebären und ihm den Namen Jesus geben. 32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Und Gott, der Herr, wird ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben. 33 Und er wird ‹als König› herrschen über das Haus Jakobs [bis] in Ewigkeit*, und seines Königreiches wird kein Ende sein.“

    34 Maria sagte zu dem Boten: „Wie wird das sein, da ich einen Mann nicht kenne?“

    35 Und der Bote antwortete und sagte ihr: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Sohn Gottes genannt werden. 36 Und – siehe! – Elisabet, deine Verwandte, auch sie hat einen Sohn empfangen in ihrem Alter. Und dieser ist der sechste Monat für sie, die unfruchtbar genannt wird, 37 weil bei Gott keine Sache[579] unmöglich sein wird.“

    38 Maria sagte: „Siehe, [ich bin] die leibeigene Magd des Herrn! Es möge mir geschehen nach deinem Wort*.“

    Und der Bote ging von ihr weg.

 

39 Maria machte sich in diesen Tagen auf und zog mit Eile in das Bergland, in eine Stadt Judas. 40 Und sie ging hinein in das Haus des Zacharias und grüßte die Elisabet. 41 Und es geschah, als Elisabet den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kleinkind in ihrem [Mutter]schoß, und Elisabet wurde mit dem Heiligen Geist erfüllt.

    42 Und sie rief mit großer, ‹lauter› Stimme und sagte: „Gesegnet [bist] du unter den Frauen, und gesegnet [ist] die Frucht deines [Mutter]schoßes! 43 Und woher [geschieht] mir dieses, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44 – denn – siehe! – wie die Stimme deines Grußes in meine Ohren kam, hüpfte das Kleinkind vor[580] Jubelfreude in meinem [Mutter]schoß. 45 Und eine Selige [ist] sie, die geglaubt hat, denn sie werden eine Erfüllung haben – die Dinge, die von dem Herrn her zu ihr geredet worden sind!“

    46 Und Maria sagte: „Meine Seele macht den Herrn groß, 47 und mein Geist jubelte Gott, meinem Retter, zu, 48 weil er hinblickte auf die Niedrigkeit seiner leibeigenen Magd, denn – siehe! – von nun an[581] werden mich alle Geschlechter eine Selige nennen, 49 weil der Mächtige an mir große Dinge tat. Und heilig ist sein Name. 50 Und seine Barmherzigkeit [gilt] von Geschlecht zu Geschlecht[582] denen, die ihn fürchten.

    51 Er übte Macht mit seinem Arm. Er zerstreute die, die im Denken ihres Herzens hochmütig waren. 52 Er holte Mächtige von [ihren] Thronen herab, und er erhöhte Niedrige. 53 Hungrige füllte er mit guten Dingen, und Reiche sandte er leer weg. 54 Er nahm sich Israels, seines Knechtes, an, um der Barmherzigkeit zu gedenken 55 – so wie er zu unseren Vätern sprach, zu Abraham und seinem Samen, – in Ewigkeit.“

    56 Maria blieb etwa drei Monate bei ihr. Und sie kehrte zurück in ihr Haus.

 

57 Für Elisabet erfüllte sich die Zeit, dass sie gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. 58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr seine Barmherzigkeit an ihr groß gemacht hatte, und sie freuten sich mit ihr. 59 Und es geschah: Am achten Tage kamen sie, das Kindlein zu beschneiden. Und sie nannten es nach dem Namen seines Vaters Zacharias. 60 Und seine Mutter antwortete:

    „Nein, sondern er soll Johannes genannt werden“, sagte sie.

    61 Und sie sagten zu ihr: „Es gibt nicht einen in deiner Verwandtschaft, der mit diesem Namen genannt wird.“

    62 Und sie gaben seinem Vater Handzeichen: wie er wolle, dass er genannt werde.

    63 Und er erbat sich ein Täfelchen und schrieb die Worte: „Johannes ist sein Name.“

    Und alle verwunderten sich.

    64 Auf der Stelle wurde sein Mund aufgetan – und seine Zunge, und er redete und lobte Gott. 65 Und es kam Furcht über alle, die um sie her wohnten, und im ganzen Bergland von Judäa wurden alle diese Dinge[583] besprochen. 66 Und alle, die es hörten, legten es zurecht in ihren Herzen[584]:

    „Was wird dann [wohl] dieses Kindlein sein?“ sagten sie.

    Und die Hand des Herrn war mit ihm.

 

67 Und Zacharias, sein Vater, wurde mit dem Heiligen Geist erfüllt und weissagte:

    68 „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels,“ sagte er, „weil er sein Volk heimsuchte und [ihm] eine Erlösung bereitete. 69 Und er richtete uns ein Rettungshorn[585] auf im Hause Davids, seines Knechtes, 70 ‹dem gemäß›, wie er redete durch den Mund seiner heiligen Propheten, die seit [Anbeginn] der Weltzeit [waren]: 71 Rettung von unseren Feinden und von der Hand aller, die uns hassen, 72 um Barmherzigkeit zu erweisen an unseren Vätern und seines heiligen Bundes zu gedenken, 73 des Eides, den er dem Abraham, unserem Vater, schwor, uns zu geben, 74 dass wir, aus der Hand unserer Feinde befreit, ohne Furcht ihm ‹den aufgetragenen› verehrenden Dienst erweisen ‹sollten› 75 in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle Tage unseres Lebens.

    76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden, denn du wirst vor dem Angesicht des Herrn hergehen, seine Wege zu bereiten, 77 um seinem Volk Kenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden, 78 wegen der inneren Regungen der Barmherzigkeit unseres Gottes, mit denen uns heimsuchte der Aufgang aus der höchsten Höhe, 79 um denen zu scheinen, die in Finsternis und Todesschatten sitzen, und unsere Füße zu lenken auf den Weg des Friedens.“

 

80 Das Kindlein wuchs und wurde mächtig im Geist. Und er war in den einsamen, ‹öden› Gegenden bis zum Tage seines öffentlichen Auftretens vor Israel.

 

2 1 Es geschah in jenen Tagen, [dass] eine Verordnung vom Kaiser Augustus ausging: Das ganze Weltreich sollte eingeschrieben werden. 2 Diese Einschreibung[586], eine erste, geschah, als Kyrenius °eine führende Stellung in Syrien innehatte. 3 Und es gingen alle hin, um eingeschrieben zu werden, jeder in die eigene Stadt.

    4 Auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazaret, ging hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, welche Bethlehem[587] heißt, weil er aus dem Hause und dem Geschlecht[588] Davids war, 5 um sich einzuschreiben zusammen mit Maria, der ihm °angetrauten Frau, die hoch schwanger war.

    6 Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren Sohn, den erstgeborenen, und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in die Futterkrippe, weil im Gasthaus für sie nicht Platz war.

    8 In jener Gegend waren Hirten, die auf dem Felde wohnten und nachts bei ihrer Herde Wache hielten. 9 Und – siehe! – ein Bote* des Herrn ‹trat hin und› stand bei ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie. Und sie fürchteten sich sehr[589].

    10 Und der [himmlische] Bote sagte zu ihnen: „Fürchtet euch nicht, denn – siehe! – ich sage euch eine gute Botschaft von großer Freude[590], welche dem ganzen Volk sein wird, 11 weil euch heute ein Retter geboren wurde in der Stadt Davids! Er ist der Gesalbte*, der Herr! 12 Und dieses ist euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kleinkind finden, in Windeln gewickelt, das in der Futterkrippe liegt.“

    13 Und plötzlich war da zusammen mit dem Boten* eine große Anzahl des himmlischen Heeres, die Gott pries und sagte: 14 „Ehre[591] [sei] Gott in den höchsten ‹Höhen›! – und auf der Erde Friede, in[592] Menschen [sein] °Wohlgefallen!“

    15 Und es geschah, als die Boten von ihnen in den Himmel fuhren, da sagten die Männer – die Hirten – zueinander: „Lasst uns doch hindurchziehen bis nach Bethlehem und dieses Wort* sehen, ‹diese Sache›, die geschehen ist, die der Herr uns bekannt werden ließ.“

    16 Und sie beeilten sich, kamen und fanden beide, Maria und Joseph, und das Kleinkind, das in der Futterkrippe lag. 17 Als sie [das] gesehen hatten, gaben sie ‹überallhin› Kunde über das Wort*, das ihnen über dieses Kindlein gesagt worden war. 18 Und alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was von den Hirten zu ihnen geredet worden war. 19 Aber Maria behielt alle diese Worte* [und] bewegte sie in ihrem Herzen.

    20 Und die Hirten kehrten wieder um, verherrlichten und priesen Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, dementsprechend wie zu ihnen geredet worden war.

 

21 Und als acht Tage erfüllt wurden[593], um das Kindlein zu beschneiden, wurde ihm der Name ‘Jesus’ gegeben, der von dem Boten* genannt worden war, ehe er im [Mutter]schoß empfangen worden war.

 

22 Und als sich nach dem Gesetz Moses die Tage ihrer Reinigung erfüllten, brachten sie ihn nach Jerusalem hinauf, ‹um› ihn dem Herrn darzustellen[594] 23 (so, wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist: „Alles Männliche, das den Mutterleib durchbricht, soll dem Herrn heilig genannt werden“ {2M 13,2.12}) 24 und ein Opfer zu geben nach dem, was im Gesetz des Herrn gesagt ist: „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben“. {3M 12,8}

    25 Und – siehe – es war in Jerusalem ein Mensch namens Symeon. Und dieser Mensch war gerecht und von gewissenhafter Haltung, der auf den Trost Israels wartete. Und der Heilige Geist war auf ihm. 26 Und es war ihm von dem Heiligen Geist die Weisung erteilt worden, dass er den Tod nicht sehen werde, ehe er den Gesalbten* des Herrn gesehen habe. 27 Und er kam durch den Geist[595] in die Tempelstätte. Und als die Eltern das Kindlein Jesus hereinbrachten, um mit ihm nach der Gewohnheit des Gesetzes zu tun, 28 empfing auch er ihn in seine Arme und lobte Gott und sagte:

    29 „Nun entlässest du, unumschränkter Herrscher, deinen leibeigenen Knecht nach deinem Wort* in Frieden, 30 weil meine Augen dein Heil sahen, 31 das du bereitetest vor dem Angesicht aller Völker, 32 ein Licht zur Offenbarung* derer, die von den Völkern sind, und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel.“

    33 Joseph und seine Mutter verwunderten sich über das, was über ihn geredet wurde.

    34 Symeon segnete sie, und er ‹richtete sich› an Maria, seine Mutter, und sagte: „Siehe! Dieser ist zu einem Fallen und einem Aufstehen vieler in Israel gesetzt worden und zu einem Zeichen, dem widersprochen werden wird 35 (aber auch durch deine Seele wird ein Schwert durchgehen), auf dass die Überlegungen aus vielen Herzen enthüllt werden.“

    36 Und es war eine Prophetin Anna, eine Tochter Phanuels, aus dem Stamme Asser. Diese war an Tagen weit vorgeschritten[596], nachdem sie von ihrer Jungfrauschaft an sieben Jahre mit einem[597] Mann gelebt hatte. 37 Und sie war eine Witwe von etwa vierundachtzig[598] Jahren[599], die nicht von der Tempelstätte wich und mit Fasten und Flehen den aufgetragenen ‹und verehrenden› Dienst erwies Nacht und Tag. 38 Und zu eben dieser Stunde trat sie herzu und bekannte dem Herrn ‹den ihm gebührenden Dank und Preis› und sprach über ihn zu allen, die in Jerusalem auf Erlösung warteten.

    39 Und als sie alles nach dem Gesetz des Herrn vollendet hatten[600], kehrten sie nach Galiläa zurück in ihre Stadt Nazaret.

 

40 Das Kindlein wuchs und wurde mächtig im Geist, erfüllt mit Weisheit. Und Gottes Gnade war auf ihm.

 

41 Und alljährlich zum Passafest zogen seine Eltern nach Jerusalem. 42 Und als er zwölf Jahre alt geworden war – sie waren nach Jerusalem hinaufgegangen nach der Sitte des Festes 43 und hatten die Tage vollendet –, blieb der Knabe Jesus, während sie umkehrten, in Jerusalem zurück. Und Joseph und seine Mutter merkten es nicht. 44 In der Meinung, er sei bei der Reisegesellschaft, kamen sie eine Tagesreise weit. Und sie suchten ihn bei den Verwandten und Bekannten. 45 Und als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem um und suchten ihn. 46 Es geschah, dass sie ihn nach drei Tagen[601] in der Tempelstätte fanden: Er saß mitten unter den Lehrern und hörte ihnen zu und befragte sie. 47 Alle, die ihn hörten, staunten über sein Verständnis und seine Antworten. 48 Und als sie ihn sahen, waren sie überrascht.

    Und seine Mutter sagte zu ihm: „Kind, warum handeltest du so an uns? Siehe! Dein Vater und ich suchten dich mit Schmerzen.“

    49 Und er sagte zu ihnen: „°Was [ist es], dass ihr mich suchtet? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, das meines Vaters ist?“

    50 Und sie, sie verstanden das Wort* nicht, das er zu ihnen redete. 51 Und er ging hinab mit ihnen und kam nach Nazaret. Und er war ihnen untergeordnet. Seine Mutter bewahrte alle diese Worte* in ihrem Herzen.

 

52 Und Jesus nahm ‹stets› zu an Weisheit und jugendlicher Reife und an Gnade bei Gott und Menschen.

 

3 1 Im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter[602] von Judäa war und Herodes[603] Vierfürst[604] von Galiläa und sein Bruder Philippus Vierfürst des ituräischen und trachonitischen Landgebietes und Lysanias Vierfürst von Abilene, 2 unter den Hohen Priestern Annas und Kajaphas, geschah das Wort* Gottes zu Johannes[605], dem Sohn des Zacharias, in der Wüste. 3 Und er kam in die ganze Umgegend des Jordans und verkündete eine Taufe der Buße* zur[606] °Vergebung der Sünden, 4 wie geschrieben ist im Buche der Worte Jesajas, des Propheten, der sagt:

    „Stimme eines Rufenden in der Wüste: ‘Bereitet den Weg des Herrn! Macht seine Pfade gerade[607]! 5 Jedes Tal wird ausgefüllt und jeder Berg und Hügel erniedrigt ‹und eingeebnet› werden, und das Krumme wird gerade und die holprigen [Wege] zu ebenen Wegen werden, 6 und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.’“ {Jes 40,3-5}

    7 Er sagte also zu den Mengen, die hinausgingen, von ihm getauft zu werden: „Schlangenbrut! Wer deutete euch an, dem bevorstehenden Zorn zu entfliehen? 8 Bringt also Früchte, die der Buße würdig sind, und fangt nicht an, bei euch selbst zu sagen: ‘Wir haben Abraham zum Vater’, denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Auch ist schon die Axt an die Wurzel[608] der Bäume gelegt. Jeder Baum also, der nicht edle Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“

    10 Und die Mengen fragten ihn und sagten: „Was sollen* wir also tun?“

    11 Er antwortet und sagt ihnen: „Wer zwei Leibhemden hat, soll dem Anteil geben, der keines hat, und wer Nahrungsmittel hat, tue gleicherweise.“

    12 Es kamen auch Zolleinnehmer[609], getauft zu werden, und sie ‹richteten sich› an ihn:

    „Lehrer,“ sagten sie, „was sollen* wir tun?“

    13 Er sagte zu ihnen: „Zieht nicht mehr ein, als euch angeordnet worden ist.“

    14 Es fragten ihn auch Soldaten und sagten: „Und wir, was sollen* wir tun?“

    Und er sagte zu ihnen: „Erpresst niemanden[610]. Klagt niemanden fälschlich an und begnügt euch mit eurem Sold.“

    15 Aber als das Volk in Erwartung war und alle in ihren Herzen sich über Johannes Gedanken machten, ob er nicht der Gesalbte* sein könnte, 16 antwortete Johannes und sagte allen: „Ich taufe euch mit Wasser, ja, aber es kommt der, der stärker ist als ich, dessen Schuhriemen zu lösen ich nicht wert bin. Er wird euch taufen in dem Heiligen Geist und Feuer. 17 Dessen Worfschaufel[611] ist in seiner Hand, und er wird seine Tenne durchsäubern und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, aber die Spreu wird er verbrennen mit unlöschbarem Feuer.“

    18 Ja, auch mit vielen anderen [Worten] rief er also das Volk auf [und] sagte ihm gute Botschaft.

 

19 Aber Herodes, der Vierfürst, der von ihm zurechtgewiesen wurde wegen der Herodias, der Frau seines Bruders Philippus, und wegen alles Bösen, das Herodes getan hatte, 20 fügte zu allem auch dieses hinzu, dass er Johannes im Gefängnis einschloss.

 

21 Es geschah, als das ganze Volk getauft wurde und Jesus getauft wurde und betete, wurde der Himmel geöffnet, 22 und der Heilige Geist stieg in leiblicher Gestalt nieder auf ihn, gleichwie eine Taube, und eine Stimme geschah aus dem Himmel, die sagte: „Du bist mein geliebter Sohn. An dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“

 

23 Und er, Jesus, war, als er anfing, etwa dreißig[612] Jahre alt; er war, wie man meinte, ein Sohn des Joseph, des Eli, 24 des Matthat, des Levi, des Melchi, des Janna, des Joseph, 25 des Mattathias, des Amos, des Na-um, des Esli, des Naggai, 26 des Ma-ath, des Mattathias, des Seme-i, des Joseph, des Juda, 27 des Joannas, des Resa, des Serubbabel[613], des Salathi-el[614], des Neri, 28 des Melchi, des Addi, des Kosam, des Elmoam, des Eer, 29 des Joses, des Elieser, des Jore-im, des Matthat, des Levi, 30 des Symeon, des Juda, des Joseph, des Jonan, des Eljakim, 31 des Meleas, des Ma-inan, des Mattatha, des Nathan, des David, 32 des Jesse[615], des Obed, des Boas[616], des Salmon, des Naasson, 33 des Aminadab, des Aram, des Esrom, des Perez[617], des Juda, 34 des Jakob, des Isa-ak, des Abra-am[618], des Thara[619], des Nachor, 35 des Saruch, des Raga-u, des Phalek[620], des Eber, des Sala, 36 des Kainan, des Arphachsad, des Sem, des Noah, des Lamech, 37 des Mathusala, des Enoch[621], des Jared, des Malele-el, des Kainan, 38 des Enos, des Seth, des Adam, Gottes.

 

4 1 Jesus, voll des Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde durch den Geist in die Wüste geführt 2 ‹für› vierzig Tage, und er wurde vom Teufel versucht. Und er aß nichts in jenen Tagen, und als sie zu Ende kamen, hungerte ihn zuletzt.

    3 Und der Teufel sagte zu ihm: „Wenn du Gottes Sohn bist, sage diesem Stein, dass er Brot werde.“

    4 Und Jesus antwortete ihm und sagte: „Es ist geschrieben: ‘Nicht von Brot allein wird der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das von Gott ‹gesprochen ist›.’“ {5M 8,3}

    5 Und der Teufel führte ihn hinauf auf einen hohen Berg und zeigte ihm in einem Augenblick alle Königreiche des Weltreiches.

    6 Und der Teufel sagte zu ihm: „Dir werde ich alle diese Vollmacht* und ihre Herrlichkeit geben, weil sie mir übergeben ist, und wem irgend ich will, gebe ich sie. 7 Wenn du also vor mir huldigst[622], wird alles dein sein.“

    8 Und Jesus antwortete ihm und sagte: „Gehe weg, hinter mich, Satan! – denn es ist geschrieben: ‘Du sollst* dem Herrn, deinem Gott, huldigen[623] und ihm allein ‹den ihm zukommenden› verehrenden Dienst erweisen.’“ {Vgl. 5M 6,13; 10,20.}

    9 Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf den Flügel der Tempelstätte und sagte zu ihm: „Wenn du der Sohn Gottes bist, wirf dich von hier hinab, 10 denn es ist geschrieben: ‘Er wird seinen [himmlischen] Boten* deinethalben Befehl erteilen, dich zu bewahren’, 11 und: ‘Auf Händen werden sie dich tragen[624], damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stoßest.’“ {Ps 91,11.12}

    12 Und Jesus antwortete* und sagte zu ihm: „Es ist gesagt: ‘Du sollst* den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen[625].’“ {5M 6,16}

    13 Und als der Teufel mit aller Versuchung zu Ende war, stand er von ihm ab bis zu einer gelegenen Zeit. 14 Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes zurück nach Galiläa.

 

Und die Nachricht von ihm ging aus durch die ganze Umgegend hin. 15 Und er lehrte in ihren Synagogen, verherrlicht von allen. 16 Und er kam nach Nazaret, wo er aufgezogen worden war.

    Und nach seiner Gewohnheit ging er am Sabbattag[626] in die Synagoge, und er stand auf, um zu lesen. 17 Und es wurde ihm das Buch[627] des Propheten Jesaja gereicht. Nachdem er das Buch aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben war:

    18 „Der Geist des Herrn ist auf mir, deswegen, weil er mich salbte, den Armen gute Botschaft zu sagen. Er hat mich gesandt, zu heilen die, deren Herz zerbrochen ist, Gefangenen Erlassung zu verkünden und Blinden, dass sie wieder sehen dürfen, Zerbrochene als Freigelassene zu entsenden[628] 19 [und] zu verkünden ein angenehmes Jahr des Herrn.“ {Jes 61,1.2}

    20 Und nachdem er das Buch zusammengerollt und dem verantwortlichen Diener zurückgegeben hatte, setzte er sich. Und aller Augen in der Synagoge waren unverwandt auf ihn gerichtet.

    21 Er fing an, zu ihnen zu sagen: „Heute ist diese Schrift in euren Ohren erfüllt worden.“

    22 Und alle gaben ihm Zeugnis und verwunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Munde ausgingen, und sie sagten: „Ist dieser nicht der Sohn Josephs?“

    23 Er sagte zu ihnen: „Ihr werdet zweifelsohne dieses Gleichnis zu mir sagen: ‘Arzt, heile dich selbst! Alles, von dem wir hörten, dass es in Kaperna-um geschah, tue auch hier in deiner Vaterstadt!’“

    24 Aber er sagte: „Wahrlich! Ich sage euch: Kein Prophet ist angenehm[629] in seiner Vaterstadt. 25 In Wahrheit aber sage ich euch: Es gab in Israel viele Witwen in den Tagen des Elia, als der Himmel verschlossen wurde für drei Jahre und sechs Monate, als eine große Hungersnot über das ganze Land kam. 26 Und zu keiner von ihnen wurde Elia geschickt, sondern nur nach Sarepta [im Gebiet] von Sidon, hin zu einer Frau, einer Witwe. 27 Und viele Aussätzige waren zur Zeit des Propheten Elisa in Israel, und keiner von ihnen wurde gereinigt, sondern nur Naeman[630], der Syrer.“

    28 Und alle in der Synagoge wurden mit Grimm erfüllt, als sie dieses hörten. 29 Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn bis zum Hochrand[631] des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn hinabzustürzen. 30 Aber er ging durch ihre Mitte hindurch und zog weiter.

 

31 Und er kam hinab nach Kaperna-um, einer Stadt von Galiläa, und lehrte sie am Sabbat. 32 Und sie waren in Erstaunen über seine Lehre, weil sein Wort mit Vollmacht* war.

    33 Und in der Synagoge war ein Mensch, der einen unreinen Geist hatte, einen Dämon[632], und er schrie auf mit großer, ‹lauter› Stimme:

    34 „Heh!“ sagte er, „Was haben wir mit dir zu tun[633], Jesus, Nazarener? Kamst du, uns zu verderben? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.“

    35 Und Jesus schalt ihn und sagte: „Verstumme[634] und fahre aus von ihm!“

    Und der Dämon schleuderte ihn in die Mitte, und er fuhr von ihm aus, ohne ihm Schaden angetan zu haben. 36 Und es kam Schrecken über alle.

    Und sie redeten zusammen und sagten untereinander: „Was ist das für ein Wort, dass er mit Vollmacht* und Kraft den unreinen Geistern befiehlt und sie ausfahren?“

    37 Und die Kunde von ihm ging aus in jeden Ort der Umgegend.

 

38 Von der Synagoge machte er sich auf und kam in das Haus Simons. Die Schwiegermutter Simons war von starkem Fieber befallen, und sie ersuchten ihn ihretwegen. 39 Und er stellte sich hin [und beugte sich] über sie, gebot dem Fieber ‹nachdrücklich›, und es verließ sie. Auf der Stelle stand sie auf und diente ihnen[635].

    40 Als die Sonne unterging, brachten alle, die an mancherlei Krankheiten Leidende hatten, sie zu ihm hin. Jedem Einzelnen von ihnen legte er die Hände auf, und er heilte sie.

    41 Auch fuhren Dämonen von vielen aus; die schrien und sagten: „Du bist der Gesalbte*, der Sohn Gottes!“

    Und er schalt sie und ließ sie nicht reden, weil sie wussten, dass er der Gesalbte war.

 

42 Als es Tag geworden war, ging er aus und zog hin an einen einsamen, ‹öden› Ort. Und die Mengen suchten ihn[636], und sie kamen bis zu ihm. Und sie hielten ihn auf, dass er nicht von ihnen weg fortzöge.

    43 Aber er sagte zu ihnen: „Auch den anderen Städten muss ich die gute Botschaft vom Königreich Gottes sagen, weil ich dazu gesandt worden bin.“

    44 Und er verkündete ‹eine Zeitlang› in °Galiläas Synagogen.

 

5 1 Es geschah, als die Menge zu ihm drängte, das Wort Gottes zu hören, da stand er an dem See Genezaret. 2 Und er sah zwei Schiffe am See liegen. Die Fischer waren aus ihnen ausgestiegen und wuschen ihre Netze ab. 3 Nachdem er in eines der Schiffe eingestiegen war, das Simon gehörte, ersuchte er ihn, ein wenig vom Land weg hinauszufahren. Und er setzte sich und lehrte die Mengen vom Schiff aus.

    4 Als er zu reden aufgehört hatte, ‹richtete er sich› an Simon und sagte: „Fahre hinaus auf die Tiefe und lasst eure Netze zum Fang hinab!“

    5 Und Simon antwortete* und sagte ihm: „Meister, die ganze Nacht hindurch haben wir gearbeitet und nichts bekommen. Aber auf dein Wort* hin werde ich das Netz hinablassen.“

    6 Und als sie das getan hatten, umschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz riss. 7 Und sie winkten den Teilhabern[637] im anderen Schiff, zu kommen und mit anzufassen. Sie kamen, und sie füllten beide Schiffe, sodass sie[638] ‹anfingen› zu sinken[639].

    8 Als Simon Petrus [das] gesehen hatte, fiel er zu den Knien Jesu nieder und sagte: „Geh hinaus[640], weg von mir, weil ich ein sündiger Mann bin, Herr.“ 9 – denn Schrecken hatte ihn umfasst und alle, die mit ihm waren, über dem Fischfang, den sie zusammenbekommen hatten, 10 gleicherweise auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die Simons Gefährten waren.

    Und Jesus sagte, zu Simon ‹gewandt›: „Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du einer sein, der Menschen fängt.“

    11 Und nachdem sie die Schiffe ans Land gebracht hatten, verließen sie alles[641] und folgten ihm.

 

12 Es geschah, als er in einer der Städte war, – siehe – [da war] ein Mann voll Aussatz. Und als er Jesus sah, fiel er auf das Angesicht und bat ihn flehentlich:

    „Herr,“ sagte er, „wenn du willst, kannst du mich reinigen!“

    13 Und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sagte: „Ich will. Sei gereinigt!“ Und sogleich wich der Aussatz von ihm.

    14 Und er gab ihm Anweisung, es niemandem zu sagen: „– sondern gehe hin, zeige dich dem Priester und bringe in Verbindung mit deiner Reinigung dar, so wie Mose es befahl, ihnen zu einem Zeugnis.“

 

15 Das Wort über ihn breitete sich mehr aus, und es kamen zahlreiche* Mengen zusammen, zu hören und von ihm geheilt zu werden von ihren Schwachheiten. 16 Aber er selbst pflegte die Zurückgezogenheit in den einsamen, ‹öden› Gegenden und war im Gebet.

 

17 Und es geschah an einem der Tage, da war er am Lehren. Und es saßen da Pharisäer und Gesetzeslehrer, die aus jedem Dorf von Galiläa und Judäa und aus Jerusalem gekommen waren. Und Kraft des Herrn war [da], dass er sie heilte. 18 Und – siehe – Männer, die einen auf einer Liegematte [liegenden] Menschen tragen! Der war gelähmt. Und sie suchten, ihn hineinzutragen und vor ihn zu legen. 19 Und da sie wegen der Menge nicht fanden, auf welchem [Wege] sie ihn hineinbringen sollten, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn mit dem Tragbett durch die Ziegel hinab in die Mitte vor Jesus.

    20 Und als er ihren Glauben sah, sagte er ihm: „Mensch, deine Sünden sind dir vergeben.“

    21 Und die Schriftgelehrten und die Pharisäer fingen an zu überlegen:

    „Wer ist dieser, der Lästerungen redet?“ sagten sie. „Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein?“

    22 Aber Jesus erkannte ihre Überlegungen, antwortete und sagte, zu ihnen ‹gewandt›: „Was überlegt ihr in euren Herzen? 23 Was ist leichter, zu sagen: ‘Dir sind deine Sünden vergeben’, oder zu sagen: ‘Stehe auf und gehe!’? 24 Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht* hat, auf der Erde Sünden zu vergeben“, sagte er zu dem Gelähmten: „Dir sage ich: Stehe auf! Nimm dein Tragbett auf und ziehe hin in dein Haus.“

    25 Und auf der Stelle stand er vor ihnen auf, hob auf, worauf er gelegen hatte, und ging weg in sein Haus, Gott verherrlichend. 26 Und Entsetzen ergriff alle, und sie verherrlichten Gott.

    Und sie wurden mit Furcht erfüllt und sagten: „Wir sahen heute Außerordentliches!“

    27 Nach diesem ging er hinaus.

 

Und er sah sich einen Zolleinnehmer an namens Levi, der an der Zollstätte saß.

    Und er sagte zu ihm: „Folge mir!“

    28 Und er ließ alles zurück, stand auf und folgte ihm.

    29 Und Levi machte ihm ein großes Mahl in seinem Hause. Und es war eine zahlreiche Menge von Zolleinnehmern und anderen, die mit ihnen [zu Tisch] lagen. 30 Und es murrten ihre[642] Schriftgelehrten und die Pharisäer gegen seine Jünger:

    „Weshalb esst und trinkt ihr mit Zolleinnehmern und Sündern?“ sagten sie.

    31 Und Jesus ‹richtete sich› an sie, antwortete und sagte: „Nicht die Gesunden brauchen einen Arzt, sondern die, denen es übel geht. 32 Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße*.“

 

33 Sie ‹wandten sich› an ihn und sagten: „Weshalb fasten die Jünger des Johannes oft und verrichten flehentliche Bitten, gleicherweise auch die der Pharisäer, aber die deinigen essen und trinken?“

    34 Er sagte zu ihnen: „Könnt ihr die Söhne[643] des Brautgemachs[644] zum Fasten anhalten, während der Bräutigam bei ihnen ist? 35 Es werden aber auch Tage kommen, in denen der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird; dann, in jenen Tagen, werden sie fasten.“

 

36 Auch sagte er ein Gleichnis zu ihnen: „Niemand setzt ein Stück Stoff[645] von einem neuen Kleid auf ein altes Kleid. Anderenfalls zerreißt er auch das neue, und das Stoffstück vom neuen stimmt nicht überein mit dem alten.

    37 Und niemand tut neuen, ‹frischen› Wein in alte Schläuche. Sonst wird der neue, ‹frische› Wein die Schläuche zerreißen[646], und er selbst wird verschüttet werden, und die Schläuche werden zerstört werden. 38 Sondern neuen, ‹frischen› Wein muss man in neuartige Schläuche tun. So werden beide erhalten.

    39 Und niemand, der alten getrunken hat, will sogleich neuen, ‹frischen›, denn er sagt: ‘Der alte ist bekömmlicher’.“

 

6 1 Es geschah am °zweiten ‘ersten Sabbat’: Er zog durch die Saaten, und seine Jünger rupften die Ähren, rieben [sie] mit den Händen und aßen.

    2 Aber einige von den Pharisäern sagten zu ihnen: „Was tut ihr, was nicht gestattet ist, am Sabbat zu tun?“

    3 Und Jesus antwortete und sagte zu ihnen: „Last ihr auch das nicht, was David tat, als ihn hungerte, ihn und die, die bei ihm waren? 4 – wie er in das Haus Gottes hineinging und die Schaubrote[647] nahm und aß und auch denen gab, die bei ihm waren? – [die Schaubrote], ­­­die doch nicht gestattet sind zu essen als nur den Priestern allein?“

    5 Und er sagte ihnen: „Der Sohn des Menschen ist Herr auch des Sabbats.“

 

6 Auch an einem anderen Sabbat geschah es, dass er in die Synagoge hineinging und lehrte. Und dort war ein Mensch, dessen rechte Hand verdorrt war. 7 Aber die Schriftgelehrten und die Pharisäer beobachteten ihn, ob er am Sabbat heilen werde, damit sie eine Anklage gegen ihn fänden. 8 Aber er wusste um ihre Überlegungen.

    Und er sagte zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: „Stehe [auf und stelle dich] in die Mitte!“

    Und er stand auf und stellte sich [dort hin].

    9 Da sagte Jesus zu ihnen: „Ich werde euch etwas fragen: Ist es gestattet, am Sabbat Gutes zu tun oder Übles zu tun, eine Seele[648] zu retten oder umkommen zu lassen?“

    10 Und nachdem er sie sich alle ringsum angesehen hatte, sagte er zu dem Menschen: „Strecke deine Hand aus!“

    Er machte es so. Und seine Hand wurde wiederhergestellt, gesund wie die andere. 11 Aber sie wurden mit Unverstand erfüllt und besprachen miteinander, was sie Jesus wohl tun könnten.

 

12 Es geschah in diesen Tagen: Er ging hinaus ins Berg[land], um zu beten, und brachte die Nacht zu im Gebet mit Gott[649]. 13 Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu [sich]. Und er wählte von ihnen zwölf, die er auch Apostel[650] nannte: 14 Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder, Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus[651], 15 Matthäus und Thomas, Jakobus, den [Sohn] des Alphäus[652], und Simon, genannt Eiferer[653], 16 Judas, den [Sohn][654] des Jakobus, und Judas Iskariot[655], der auch zum Verräter wurde.

 

17 Und als er mit ihnen niedergestiegen war, stellte er sich auf einen ebenen Platz; auch eine Menge seiner Jünger und eine große Anzahl des Volkes [war da] von ganz Judäa und Jerusalem und von der Küste von Tyrus und Sidon, die kamen, ihn zu hören und geheilt zu werden von ihren Krankheiten, 18 auch die von unreinen Geistern Geplagten. Und sie wurden geheilt. 19 Und die ganze Menge suchte ihn anzurühren, weil eine Kraft von ihm ausging und alle heilte.

    20 Und er hob seine Augen auf über seine Jünger hin und sagte:

    „Selige [seid ihr] Armen: Das Königreich Gottes gehört euch. 21 Selige [seid ihr], die ihr nun hungert: Ihr werdet gesättigt werden. Selige [seid ihr], die ihr jetzt weint: Ihr werdet lachen. 22 Selige seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch absondern und beschimpfen und euren Namen als böse verwerfen des Menschensohnes wegen. 23 Freut euch über jenen Tag und hüpft, denn – siehe! – euer Lohn ist groß im Himmel; denn genauso handelten ihre Väter an den Propheten.

    24 Doch wehe euch, den Reichen: Ihr habt ‹bereits› euren ‹ganzen› Trost! 25 Wehe euch, die ihr satt[656] seid: Ihr werdet hungern! Wehe euch, die ihr nun lacht: Ihr werdet trauern und weinen! 26 Wehe euch, wenn alle Menschen von euch wohl reden, denn genauso handelten ihre Väter gegenüber den falschen Propheten.

    27 Euch jedoch, die ihr hört, sage ich: Liebt[657] eure Feinde. Tut wohl[658] denen, die euch hassen. 28 Segnet[659], die euch fluchen, und betet[660] für die, die euch beleidigend behandeln. 29 Dem, der dich auf die Wange schlägt, biete auch die andere dar; und dem, der dir das Oberkleid nimmt, verwehre auch das Leibhemd nicht. 30 Gib aber[661] jedem, der dich bittet; und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. 31 Und so, wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollten, gleicherweise tut auch ihr ihnen. 32 Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, was für Gunst fällt euch zu? – denn auch die Sünder lieben diejenigen, die sie lieben. 33 Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für Gunst fällt euch zu? – denn auch die Sünder tun dasselbe. 34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr es zurückzuerhalten hofft, was für Gunst fällt euch zu? – denn auch die Sünder leihen Sündern, um das gleiche zurückzuerhalten.

    35 Vielmehr liebt[662] eure Feinde und tut Gutes[663] und leiht[664], ohne etwas zu erhoffen. Und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein – weil er freundlich ist gegen die Undankbaren und Bösen. 36 Werdet also[665] erbarmend, so wie auch euer Vater erbarmend ist.

    37 Und richtet nicht, und ihr werdet keinesfalls gerichtet werden. Verurteilt nicht, und ihr werdet keinesfalls verurteilt werden. Lasst frei[666], und ihr werdet freigelassen werden. 38 Gebt[667], und es wird euch gegeben werden: Ein gutes, festgedrücktes, geschütteltes, überlaufendes Maß wird man euch in euren Schoß geben; denn mit eben dem Maß, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden.“

 

39 Er sagte ihnen ein Gleichnis: „Kann ein Blinder einen Blinden leiten? Werden nicht beide in eine Grube fallen?

    40 Ein Jünger ist nicht über seinem Lehrer. Jeder fertig Zugerüstete wird sein wie sein Lehrer.

    41 Was siehst du auf den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, aber den Balken, der im eigenen Auge ist, nimmst du nicht wahr? 42 Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ‘Bruder, lass! Ich will den Splitter, der in deinem Auge ist, herausnehmen’, während du selbst den Balken in deinem Auge nicht siehst? Heuchler, nimm zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter herauszunehmen, der in deines Bruders Auge ist 43 – denn ein guter Baum bringt nicht faule Frucht, noch bringt ein fauler Baum gute Frucht, 44 denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht gekannt; denn von Dornengewächsen liest man nicht Feigen zusammen, noch liest man von einem Dornstrauch Trauben. 45 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz seines Herzens das Böse hervor, denn aus der Überfülle des Herzens redet sein Mund.

    46 Was nennt ihr mich: ‘Herr! Herr!’ und tut nicht, was ich sage?

    47 Jeder, der zu mir kommt und auf meine Worte hört und sie tut – ich werde euch zeigen, wem er gleich ist: 48 Er ist einem Menschen gleich, der ein Haus baute: Er grub und vertiefte und legte den Grundstein auf den Felsen. Und als Hochwasser[668] kam, schlug der Strom an jenes Haus, und er vermochte es nicht ins Wanken zu bringen, denn es war auf den Felsen gegründet worden.

    49 Aber der, der [meine Worte] hörte und nicht tat, ist einem Menschen gleich, der ein Haus auf den Erdboden baute – ohne Grundstein –, an das der Strom schlug. Und sogleich fiel es, und der Einsturz jenes Hauses wurde groß.“

 

7 1 Nachdem er alle seine Worte* ausgerichtet [und] in die Ohren des Volkes ‹gesprochen› hatte, ging er nach Kaperna-um, in den [Ort].

 

2 Aber dem leibeigenen Knecht eines gewissen Hauptmanns[669], einem, den er in Ehren hielt, ging es übel: Er lag im Sterben. 3 Der [Hauptmann] hatte von Jesus gehört und sandte Älteste der Juden zu ihm hin und ersuchte ihn, dass er käme und ‹das Leben› seines Knechtes[670] rette.

    4 Sie kamen hin zu Jesus, redeten ihm inständig[671] zu und sagten: „Er ist es würdig, dass man ihm dieses erzeige, 5 denn er liebt unser Volk, und er baute uns die Synagoge!“

    6 Jesus ging mit ihnen hin. Aber als er bereits nicht weit vom Hause entfernt war, schickte der Hauptmann Freunde hin zu ihm und sagte zu ihm: „Herr, bemühe dich nicht ‹länger›, denn ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach eintrittst, 7 weswegen ich mich auch nicht entsprechend würdig achtete, zu dir zu kommen, sondern sage ein Wort, und mein Knecht wird geheilt werden, 8 denn auch ich bin ein Mensch, unter Autorität verordnet, und habe Soldaten unter mir, und ich sage zu diesem: ‘Geh hin’, und er geht hin, und zu einem anderen: ‘Komm’, und er kommt, und zu meinem Knecht: ‘Mache dieses’, und er macht es.“

    9 Als Jesus dieses hörte, verwunderte er sich über ihn.

    Und er wandte sich an die ihm nachfolgende Menge und sagte: „Ich sage euch, selbst in Israel fand ich nicht einen so großen Glauben.“

    10 Und als die, die geschickt waren, wieder in das Haus zurückkehrten, fanden sie den kranken Knecht gesund vor.

 

11 Und es geschah am nächsten Tag, dass er nach einer Stadt, die Nain hieß, zog. Und es gingen mit ihm seine vielen Jünger und eine zahlreiche Menge. 12 Als er sich dem Tor der Stadt nahte, – siehe – da wurde ein Verstorbener herausgetragen, ein einziggeborener Sohn seiner Mutter, und diese war eine Witwe. Und eine große Menge aus der Stadt war bei ihr. 13 Und als der Herr sie sah, wurde er von Erbarmen bewegt über sie.

    Und er sagte zu ihr: „Weine nicht!“

    14 Und er trat hinzu und berührte die Bahre. Die Träger blieben stehen.

    Und er sagte: „Junger Mann, ich sage dir: Stehe auf!“

    15 Und der Tote setzte sich auf und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. 16 Es erfasste aber alle Furcht. Und sie verherrlichten Gott:

    „Ein großer Prophet ist unter uns erweckt worden, und Gott suchte sein Volk heim“, sagten sie.

    17 Und dieses Wort über ihn ging aus in ganz Judäa und in der ganzen Umgegend.

 

18 Dem Johannes gaben seine Jünger Bericht über dieses alles.

    Und Johannes rief zwei von seinen Jüngern zu [sich] 19 und schickte sie hin zu Jesus und sagte: „Bist du der Kommende, oder warten wir auf einen anderen?“

    20 Als die Männer zu ihm gekommen waren, sagten sie: „Johannes, der Täufer, hat uns zu dir hin gesandt und sagt: ‘Bist du der Kommende, oder warten wir auf einen anderen?’“

    21 In derselben Stunde heilte er viele von Krankheiten und Plagen und bösen Geistern, und vielen Blinden schenkte er das Augenlicht.

    22 Und Jesus antwortete und sagte ihnen: „Geht hin und gebt Johannes Bericht von dem, was ihr saht und hörtet: dass Blinde wieder sehen, Lahme gehen, Aussätzige gereinigt werden, Taube hören, Tote erweckt werden, Armen gute Botschaft gesagt wird. 23 Und ein Seliger [ist], der nicht an mir Anstoß nimmt ‹und stolpert und so zu Fall kommt›!“

    24 Als die Boten des Johannes weggegangen waren, fing er an, ‹sich› an die Mengen ‹wendend›, über Johannes zu sprechen: „Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen [euch] anzusehen? – Ein Rohr, vom Wind ins Schwanken versetzt? 25 Was sonst seid ihr hinausgegangen zu sehen? – Einen Menschen, mit weichen Oberkleidern bekleidet? Siehe! Die, die ihr Dasein in herrlicher Kleidung und Üppigkeit haben, sind an den königlichen [Orten]. 26 Was sonst seid ihr hinausgegangen zu sehen? – Einen Propheten? Ja, sage ich euch, und reichlich mehr als einen Propheten!

    27 Dieser ist es, über den geschrieben ist: ‘Siehe! Ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten wird.’ {Mal 3,1} 28 – denn ich sage euch: Es gibt keinen unter den von Frauen Geborenen, der ein größerer Prophet ist als Johannes, der Täufer. Aber der Kleinere[672] im Königreich Gottes ist größer als er ist. 29 Und das ganze Volk, als es [ihn] hörte, und die Zolleinnehmer rechtfertigten Gott, indem sie mit der Taufe des Johannes getauft wurden. 30 Aber die Pharisäer und die Gesetzesgelehrten lehnten den Ratschluss Gottes für sich selbst ab, indem sie nicht von ihm getauft wurden.“

    31 „Mit wem werde ich also die Menschen dieses Geschlechtes vergleichen?“ sagte der Herr. „Und wem sind sie gleich? 32 Sie sind Kindlein gleich, die auf dem Marktplatz sitzen, und die einen rufen den anderen zu und sagen: ‘Wir flöteten euch, und ihr tanztet nicht! Wir sangen euch Klagelieder, und ihr weintet nicht!’ 33 – denn Johannes, der Täufer, ist gekommen, aß nicht Brot und trank nicht Wein, und ihr sagt: ‘Er hat einen Dämon.’ 34 Der Sohn des Menschen ist gekommen, isst und trinkt, und ihr sagt: ‘Siehe! Ein Mensch, der ein Fresser ist und ein Weintrinker, ein Freund von Zolleinnehmern und Sündern.’ 35 Und gerechtfertigt wurde die Weisheit[673] von allen ihren Kindern.“[674]

 

36 Es ersuchte ihn einer von den Pharisäern, dass er mit ihm esse. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und legte sich [zu Tisch]. 37 Und – siehe – eine Frau in der Stadt, welche eine Sünderin war, brachte, da sie erfahren hatte, dass er im Hause des Pharisäers [zu Tisch] liege, ein Alabasterfläschchen mit Salböl herbei, 38 stellte sich weinend hinten bei seinen Füßen hin und fing an, mit den Tränen seine Füße zu benetzen; und mit ihrem Haupthaar wischte sie sie ab, und sie küsste seine Füße ab und salbte sie mit dem Salböl.

    39 Als es der Pharisäer, der ihn geladen hatte, sah, sagte er bei sich selbst: „Wenn dieser ein Prophet wäre, würde er gemerkt haben, wer und was die Frau sei, welche ihn anrührt: dass sie eine Sünderin ist.“

    40 Jesus ‹richtete sich an ihn› und antwortete: „Simon,“ sagte er, „ich habe dir etwas zu sagen.“

    Er sagt: „Lehrer, sprich.“

    41 „Ein gewisser Geldverleiher hatte zwei Schuldner. Der eine schuldete fünfhundert Denare[675], der andere fünfzig. 42 Da sie aber nicht [das Nötige] hatten, um zu bezahlen, schenkte er es beiden. Sage mir: Wer von ihnen wird ihn also mehr lieben?“

    43 Simon antwortete und sagte: „Ich nehme an, derjenige, dem er die größere [Summe] schenkte.“

    Er sagte zu ihm: „Du urteiltest recht.“

    44 Und er wandte sich zu der Frau hin und sprach zu Simon: „Siehst du diese Frau? Ich kam in dein Haus. Wasser auf meine Füße gabst du mir nicht, aber sie benetzte mit den Tränen meine Füße und wischte sie mit ihrem Haupthaar ab. 45 Einen Kuss gabst du mir nicht. Aber sie ließ, seitdem ich hereinkam, nicht ab, meine Füße zu küssen. 46 Mit Öl salbtest du mein Haupt nicht. Aber sie salbte meine Füße mit Salböl. 47 Aus diesem Grunde sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, weil sie viel liebte. Aber der, dem wenig vergeben wird, liebt wenig.“

    48 Und ihr sagte er: „Deine Sünden sind vergeben.“

    49 Und die, die mit [zu Tisch] lagen, fingen an, bei sich selbst zu sagen: „Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt?“

    50 Aber an die Frau ‹sich richtend› sagte er: „Dein Glaube hat dich gerettet. Gehe hin in [den] Frieden.“

 

8 1 Und es geschah in der Folgezeit, da reiste er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf, wobei er verkündete und die gute Botschaft vom Königreich Gottes sagte. Und die Zwölf waren zusammen mit ihm, 2 auch einige Frauen, die geheilt waren von bösen Geistern und Schwachheiten: Maria, genannt ‘die von Magdala’, von der sieben Dämonen ausgefahren waren, 3 und Johanna, die Frau des Chuza, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, welche ihm von ihrer Habe zu dienen pflegten.

 

4 Als eine zahlreiche Menge zusammen war und [Leute] aus verschiedenen Städten zu ihm hin zogen, sagte er durch ein Gleichnis:

    5 „Der Sämann ging aus, seinen Samen zu säen. Und als er säte, fiel das eine an den Weg hin[676] und wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es auf. 6 Und anderes fiel auf den Felsen, und nachdem es gewachsen war, verdorrte es, weil es nicht Feuchtigkeit hatte. 7 Und anderes fiel inmitten der Dornen, und die Dornen wuchsen mit und erstickten es völlig. 8 Und anderes fiel auf die gute Erde, und, nachdem es gewachsen war, brachte es hundertfältige Frucht.“

    Als er dieses sagte, rief er: „Wer Ohren zum Hören hat, höre[677]!“

 

9 Aber seine Jünger befragten ihn und sagten: „Was mag wohl dieses Gleichnis bedeuten?“

    10 Er sagte: „Euch ist gegeben, die Geheimnisse des Königreiches Gottes zu kennen, aber den anderen [ist es] in Gleichnissen [gesagt], damit sie ‘sehend nicht sehen und hörend nicht vernehmen ‹und verstehen›.’ {Vgl. Jes 6,9.10.}

    11 Dieses ist das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. 12 Die an den Weg hin sind die, die hören. Sodann kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen weg, damit sie nicht glauben und gerettet werden. 13 Die auf dem Felsen[678] sind die, die das Wort, sobald sie es hören, mit Freude aufnehmen. Und diese haben nicht Wurzel, die für eine Zeit glauben und sich in der Zeit der Prüfung[679] abwenden. 14 Das, was in die Dornen fiel, sind diese, die gehört haben und, da sie in Sorgen und Reichtum und Vergnügungen des ‹irdischen› Lebens wandeln, erstickt werden und es nicht zur Reife bringen. 15 Aber das in der edlen Erde, diese sind die, welche in einem edlen und guten Herzen das Wort, wenn sie es gehört haben, festhalten und in Ausdauer Frucht tragen.“

 

16 „Niemand zündet eine Lampe an und bedeckt sie mit einem Gefäß oder stellt sie unter ein Bett, sondern er stellt sie auf einen Leuchter, damit die Hereinkommenden das Licht sehen, 17 denn es gibt nicht Verborgenes, das nicht offenbar werden wird, und nicht Geheimes, das nicht bekannt werden wird und an den Tag komme[680].

    18 Seht also ‹stets› zu, wie ihr hört, denn wer hat, dem wird gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird auch abgenommen werden, was er zu haben meint.“

 

19 Es kamen zu ihm seine Mutter und seine Brüder herbei. Und wegen der Menge konnten sie nicht mit ihm zusammentreffen. 20 Und es wurde ihm Bericht gegeben:

    „Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen,“ hieß es, „und sie wollen dich sehen.“

    21 Aber er antwortete* und sagte zu ihnen: „Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die das Wort Gottes hören[681] und es tun[682].“

 

22 Und es geschah an einem der Tage, da stieg er in ein Schiff, er und seine Jünger, und er sagte zu ihnen: „Lasst uns hinüberfahren an das jenseitige Ufer des Sees.“

    Und sie fuhren ab. 23 Während sie fuhren, schlief er ein. Und es ging ein Sturmwind nieder auf den See, und ihr [Schiff] war dabei, sich zu füllen, und sie waren in Gefahr. 24 Sie traten hinzu und weckten ihn auf:

    „Meister, Meister,“ sagten sie, „wir kommen um!“

    Er stand auf, gebot dem Wind und dem Gewoge des Wassers nachdrücklich, und sie legten sich. Und es wurde eine Stille.

    25 Er ‹wandte sich› zu ihnen und sagte: „Wo ist euer Glaube[683]?“

    Sie fürchteten sich und verwunderten sich und sagten zueinander: „Wer ist dann dieser, dass er auch den Winden befiehlt und dem Wasser und sie ihm gehorchen?“

 

26 Und sie fuhren hinab[684] in das Landgebiet der Gadarener, welches Galiläa gegenüberliegt. 27 Als er an das Land ausstieg, kam ihm ein Mann aus der Stadt entgegen, der geraume Zeit Dämonen hatte. Und Oberkleid zog er keines an. Und er verblieb nicht in einem Haus, sondern in den Gräbern.

    28 Er sah Jesus und schrie auf, fiel vor ihm nieder und sagte mit großer, ‹lauter› Stimme: „Was haben ich und du gemeinsam, Jesus, Sohn Gottes, des Höchsten? Ich bitte dich flehentlich, quäle mich nicht!“ 29 – denn er hatte dem unreinen Geist die Anweisung gegeben[685], von dem Menschen auszufahren; denn oftmals hatte er ihn mit sich fortgerissen, und er war mit Ketten und Fußfesseln gebunden und bewacht worden, und er hatte ‹immer wieder› die Fesseln zerrissen und war ‹wiederholt› von dem Dämon in die Wüsteneien getrieben worden.

    30 Jesus fragte ihn und sagte: „Wie ist dein Name?“

    Er sagte: „Legion“ – weil viele Dämonen in ihn hineingefahren waren. 31 Und er redete ihm bittend zu, dass er ihnen nicht befehle, in den °Abgrund zu fahren.

    32 Es war dort eine Herde von vielen Schweinen, die an dem Berg weideten. Und sie redeten ihm bittend zu, dass er ihnen erlaube, in jene zu fahren. Und er erlaubte es ihnen. 33 Die Dämonen fuhren von dem Menschen aus und fuhren in die Schweine. Und die Herde stürmte den Abhang hinab in den See und ertrank. 34 Als die, die [sie] geweidet hatten, sahen, was geschehen [war], flohen sie. Sie gingen weg und gaben Bericht in der Stadt und auf dem Lande.

    35 Sie[686] gingen hinaus, das Geschehene zu sehen, und kamen zu Jesus hin und fanden den Menschen, von dem die Dämonen ausgefahren waren, bekleidet und gesunden Sinnes, sitzend zu den Füßen Jesu. Und sie fürchteten sich. 36 Auch gaben ihnen die, die es gesehen hatten, Bericht [davon], wie dem Dämonisierten geholfen[687] worden war. 37 Und es ersuchte ihn die ganze Menge der Umgegend der Gadarener, von ihnen wegzugehen, weil sie von großer Furcht bedrängt wurden. Aber er stieg in das Schiff und kehrte zurück.

    38 Aber der Mann, von dem die Dämonen ausgefahren waren, hatte ihn inständig gebeten, bei ihm zu sein. Aber Jesus hatte ihn entlassen und gesagt:

    39 „Kehre in dein Haus zurück und erzähle, wie viel Gott an dir getan hat.“

    Und er ging weg und verkündete durch die ganze Stadt hin, wie viel Jesus an ihm getan hatte.

 

40 Es geschah, als Jesus zurückkehrte, nahm ihn die Menge in Empfang, denn alle warteten auf ihn. 41 Und – siehe – es kam ein Mann, dessen Name Jairus [war], und der war ein Vorsteher der Synagoge. Und er fiel Jesus zu Füßen und redete ihm bittend zu, in sein Haus zu kommen, 42 weil er eine Tochter von etwa[688] zwölf Jahren hatte, eine Einziggeborene, und sie lag im Sterben. Während er hinging, drohte ihn die Menge [förmlich] zu ersticken.

 

43 Und eine Frau, die seit zwölf Jahren mit einem Blutfluss behaftet war, welche ihren ganzen Lebensunterhalt für Ärzte aufgebraucht hatte und von niemandem geheilt zu werden vermochte, 44 kam von hinten herzu und rührte die Quaste seines Oberkleides an. Und auf der Stelle stand ihr Blutfluss still.

    45 Und Jesus sagte: „Wer ist es, der mich anrührte?“

    Als es alle leugneten, sagten Petrus und die mit ihm: „Meister, die Mengen drängen und beengen dich, und du sagst: ‘Wer ist es, der mich anrührte?’“

    46 Jesus sagte: „Es rührte mich jemand an, denn ich merkte, dass Kraft von mir ausging.“

    47 Als die Frau aber sah, dass sie nicht verborgen blieb, kam sie zitternd, fiel vor ihm nieder und gab ihm Bericht vor dem ganzen Volk, aus welchem Grunde sie ihn angerührt hatte und wie sie auf der Stelle geheilt worden sei.

    48 Er sagte zu ihr: „Sei guten Mutes, Tochter. Dein Glaube hat dich heil gemacht[689]. Gehe hin in [den] Frieden!“

 

49 Während er noch redet, kommt einer vom [Hause] des Synagogenvorstehers und sagt zu ihm: „Deine Tochter ist gestorben. Bemühe den Lehrer nicht.“

    50 Als Jesus es hörte, antwortete er ihm und sagte: „Fürchte dich nicht. Vertraue nur, und ihr wird geholfen werden[690].“

    51 Als er in das Haus kam, ließ er niemanden hineingehen außer Petrus, Jakobus und Johannes und den Vater des Mädchens und die Mutter. 52 Es weinten und wehklagten[691] alle um sie.

    Aber er sagte: „Weint nicht! Sie starb nicht, sondern sie schläft.“

    53 Und sie lachten ihn aus, da sie wussten, dass sie gestorben war.

    54 Aber er trieb alle hinaus, ergriff ihre Hand und rief: „Mädchen, stehe auf!“

    55 Und ihr Geist kehrte zurück, und sie stand auf der Stelle auf. Und er ordnete an, dass man ihr zu essen gebe. 56 Und ihre Eltern gerieten in Staunen. Aber er wies sie an, niemandem zu sagen, was geschehen war.

 

9 1 Er rief seine zwölf Jünger zusammen und gab ihnen Kraft und Vollmacht* über alle Dämonen und um Krankheiten zu heilen.

    2 Und er sandte sie, das Königreich Gottes zu verkünden und die von Schwachheit Befallenen zu heilen, 3 und er sagte: „Nehmt nichts [mit] auf den Weg, weder Stäbe noch Tasche noch Brot noch Geld. Auch [soll] jeder nicht zwei Leibhemden haben.

    4 Und in welches Haus irgend ihr hineingeht, dort bleibt und von dort zieht aus[692]. 5 Und wie viele euch etwa nicht aufnehmen werden – geht weg aus jener Stadt und schüttelt den Staub ab von euren Füßen zum Zeugnis gegen sie[693].“

    6 Sie gingen aus, durchzogen Dorf um Dorf, sagten überall die gute Botschaft und heilten.

 

7 Es hörte Herodes, der Vierfürst, alles das, was von ihm geschah, und er war in Verlegenheit, weil von einigen gesagt wurde, Johannes sei von den Toten erweckt worden, 8 von einigen, Elia sei erschienen, ‹von› anderen, einer von den alten Propheten sei aufgestanden.

    9 Und Herodes sagte: „Johannes ließ ich enthaupten. Aber wer ist dieser, von dem ich solches höre?“

    Und er suchte, ihn zu sehen.

 

10 Und als die Apostel zurückkehrten, erzählten sie ihm alles, was sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich und zog sich zurück, für sich allein, an einen einsamen, ‹öden› Ort einer Stadt, die Bethsaida[694] heißt. 11 Als es aber die Mengen merkten, folgten sie ihm. Und er nahm sie in Empfang und redete zu ihnen über das Königreich Gottes, und die, die einer Heilung ‹und Pflege›[695] bedurften, heilte er. 12 Aber der Tag fing an, sich zu neigen.

    Da kamen die Zwölf herbei und sagten zu ihm: „Entlasse die Menge, damit sie weggehen zu den Dörfern und Höfen ringsum, sich ausspannen und Verköstigung finden, weil wir hier an einem einsamen, ‹öden› Ort sind.“

    13 Aber er sagte zu ihnen: „Gebt ihr ihnen zu essen.“

    Sie sagten: „Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische, es sei denn, dass wir hingehen und für dieses ganze Volk Speise kaufen.“ 14 – denn es waren etwa fünftausend Männer[696].

    Er sagte zu seinen Jüngern: „Lasst sie sich lagern in Lagergruppen zu je fünfzig.“

    15 Und sie taten es so und ließen alle sich lagern. 16 Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf zum Himmel, lobte [über] ihnen[697] und brach [sie]. Und er gab den Jüngern, damit sie der Menge vorlegten. 17 Und sie aßen und wurden alle gesättigt. Und es wurde aufgehoben, was ihnen übrig blieb an Brocken: zwölf Handkörbe [voll].

 

18 Und es geschah, als er für sich alleine betete, waren die Jünger mit ihm zusammen.

    Und er fragte sie: „Wer, sagen die Mengen, dass ich sei?“

    19 Sie antworteten und sagten: „‘Johannes, der Täufer’, andere: ‘Elia’, andere, dass irgendeiner der alten Propheten aufgestanden sei.“

    20 Er sagte zu ihnen: „Und ihr, wer sagt ihr, dass ich sei?“

    Da antwortete Petrus und sagte: „Der Gesalbte* Gottes.“

    21 Aber er redete ihnen mit Ernst zu und gab ihnen Anweisung, das niemandem zu sagen, 22 und er sagte: „Der Sohn des Menschen muss vieles leiden und von den Ältesten und Hohen Priestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden und am dritten Tage erweckt werden.“

 

23 Er ‹richtete sich› an sie alle und sagte: „Will jemand mir nachkommen, verleugne er sich selbst und hebe täglich sein Kreuz auf und folge mir, 24 denn wer irgend seine Seele[698] retten ‹und bewahren› will, wird sie verlieren. Aber wer seine Seele meinetwegen verliert, der wird sie retten ‹und bewahren›; 25 denn was für einen Nutzen hat[699] ein Mensch, wenn er die ganze Welt gewonnen, sich selbst aber verloren[700] oder sich Schaden zugefügt hat[701]? 26 – denn wer irgend sich meiner und meiner Worte schämt, dessen wird der Sohn des Menschen sich schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Boten*.

    27 Ich sage euch aber in Wahrheit: Es sind einige von denen, die hier stehen, die den Tod keinesfalls schmecken werden, bis sie das Königreich Gottes gesehen haben.“

 

28 Es geschah etwa[702] acht[703] Tage nach diesen Worten, da nahm er Petrus und Johannes und Jakobus zu sich und stieg ins Berg[land], um zu beten. 29 Und während er betete, wurde das Aussehen seines Angesichts ein anderes, und sein Gewand wurde weiß, strahlend. 30 Und – siehe! – zwei Männer redeten[704] zusammen mit ihm, welche Mose und Elia waren, 31 die in Herrlichkeit erschienen und von seinem Ausgang sprachen, den er im Begriff war, in Jerusalem zu erfüllen. 32 Aber Petrus und die, die zusammen mit ihm waren, waren vom Schlaf beschwert. Als sie aber völlig aufgewacht waren, sahen sie seine Herrlichkeit und die zwei Männer, die bei ihm standen.

    33 Und es geschah, als sie[705] von ihm schieden, sagte Petrus, zu Jesus ‹gewandt›: „Meister, es ist schön für uns, hier zu sein“, und: „Wir wollen drei Zelthütten[706] machen, eine für dich und eine für Mose und eine für Elia.“ – nicht wissend, was er sagte. 34 Während er dieses sagte, kam eine Wolke auf[707] und überschattete sie. Sie fürchteten sich, als jene in die Wolke hineingingen.

    35 Und es geschah eine Stimme aus der Wolke, die sagte: „Dieser ist mein geliebter Sohn. Hört ‹stets› auf ihn!“

    36 Und während die Stimme geschah, wurde Jesus alleine gefunden.

    Und sie selbst schwiegen und gaben in jenen Tagen niemandem Bericht von dem, was sie gesehen hatten.

 

37 Es geschah am folgenden Tage: Als sie vom Berge herabkamen, kam ihm eine zahlreiche Menge entgegen. 38 Und – siehe! – ein Mann schrie auf von der Menge her:

    „Lehrer,“ sagte er, „ich flehe dich an! Blicke hin auf meinen Sohn! – weil er mein Einziggeborener ist. 39 Und – siehe! – ein Geist ergreift ihn, und plötzlich schreit er, und er zerrt ihn unter Schäumen, und kaum lässt er von ihm ab; dabei reibt er ihn auf. 40 Und ich flehte deine Jünger an, dass sie ihn austrieben, und sie konnten es nicht.“

    41 Jesus antwortete* und sagte: „O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, bis wann soll ich bei euch[708] sein und euch ertragen? Führe deinen Sohn her.“

    42 Noch während er herbeikam, riss ihn der Dämon nieder und zerrte ihn zusammen. Aber Jesus schalt den unreinen Geist und heilte den Knaben und gab ihn seinem Vater zurück. 43 Alle waren sehr in Erstaunen über die Majestät Gottes.

 

Als sich alle verwunderten über alles das, was Jesus tat, ‹richtete er sich› an seine Jünger und sagte: 44 „Legt ihr diese Worte in eure Ohren[709], denn der Sohn des Menschen ist im Begriff, ausgeliefert zu werden in die Hände von Menschen.“

    45 Aber sie fassten dieses Wort* nicht, und es war vor ihnen verhüllt, dass sie es nicht begriffen. Und sie fürchteten sich, ihn über dieses Wort* zu befragen.

 

46 Es kam unter ihnen eine Überlegung auf darüber, wer von ihnen wohl der Größere sei.

    47 Aber Jesus sah die Überlegung ihres Herzens, nahm ein kleines Kind zu sich und stellte es neben sich selbst 48 und sagte ihnen: „Wer irgend dieses Kindlein auf meinen Namen hin aufnimmt, nimmt mich auf, und wer irgend mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich sandte, denn der, welcher der Kleinere[710] ist unter euch allen, der wird groß sein.“

    49 Johannes antwortete* und sagte: „Meister, wir sahen jemanden, der mit deinem Namen[711] die Dämonen austrieb, und wehrten ihm, weil er nicht mit uns [dir] folgt.“

    50 Und Jesus sagte zu ihm: „Wehrt nicht! – denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns.“

 

51 Es geschah, als die Tage seiner Aufnahme sich der Erfüllung näherten, da machte er sein Angesicht fest, nach Jerusalem zu ziehen. 52 Und er sandte Boten vor seinem Angesicht her. Und sie zogen hin und kamen in ein Dorf der Samariter, um ihm [eine Unterkunft] zu bereiten. 53 Und sie nahmen ihn nicht auf, weil sein Angesicht [darauf gerichtet] war, nach Jerusalem zu ziehen.

    54 Als seine Jünger Jakobus und Johannes es sahen, sagten sie: „Herr, willst du, dass wir sagen, es soll Feuer vom Himmel herabkommen und sie verzehren, wie auch Elia tat?“

    55 Aber er wandte sich um, schalt sie °und sagte: „Wisst ihr nicht, welches Geistes ihr seid? – 56 denn der Sohn des Menschen kam nicht, Seelen von Menschen zu verderben, sondern zu retten.“°

    Und sie zogen hin in ein anderes Dorf.

 

57 Es geschah, während sie auf dem Wege dahinzogen:

    Einer sagte zu ihm: „Ich werde dir folgen, wohin du auch gehen solltest, Herr.“

    58 Und Jesus sagte ihm: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Wohnplätze, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt neige.“

    59 Er ‹wandte sich› aber an einen anderen und sagte: „Folge mir!“

    Aber er sagte: „Herr, erlaube mir, zuerst hinzugehen, meinen Vater zu begraben.“

    60 Jesus sagte zu ihm: „Lass die Toten, [um] ihre ‹eigenen› Toten zu begraben. Gehe du aber hin und tue das Königreich Gottes ‹weithin› kund!“

    61 Es sagte auch ein anderer: „Ich werde dir folgen, Herr. Erlaube mir aber zuerst, Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Hause sind.“

    62 Aber Jesus sagte zu ihm: „Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und nach hinten blickt, ist nützlich für das Königreich Gottes.“

 

10 1 Nach diesem ernannte der Herr auch andere, siebzig, und sandte sie zu je Zweien vor seinem Angesicht her in jede Stadt und an jeden Ort, wohin er im Begriff war zu kommen.

    2 Er sagte also ‹in einer Rede› zu ihnen: „In der Tat, die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Fleht also zum Herrn der Ernte, auf dass er Arbeiter in seine Ernte hinaustue.

    3 Geht hin! Siehe! Ich sende euch wie Lämmer inmitten von Wölfen. 4 Tragt nicht Beutel[712] noch Tasche, auch nicht Schuhe. Und grüßt niemanden auf dem Wege.

    5 Zu dem Haus, in welches ihr eingehen solltet, sagt zuerst: ‘Friede diesem Hause!’

    6 Und wenn dort tatsächlich ein Sohn des Friedens ist, wird euer Friede auf ihm ruhen, wenn aber nicht, wird er wieder auf euch zurückkehren. 7 In eben dem Hause bleibt und esst und trinkt, was von ihnen [kommt], denn der Arbeiter ist seines Lohnes würdig. Zieht nicht um von Haus zu Haus. 8 Und in der Stadt, in welche irgend ihr eingehen solltet und [in der] sie euch aufnehmen, esst, was euch vorgesetzt wird, 9 und heilt die Kranken in derselben.

    Und sagt ihnen: ‘Das Königreich Gottes hat sich zu euch hin genaht.’

    10 Aber zu der Stadt, in welche irgend ihr eingehen solltet und [in der] sie euch nicht aufnehmen, sagt, nachdem ihr auf ihre Straßen hinausgegangen seid: 11 ‘Auch den Staub, der sich uns aus eurer Stadt anhängte, wischen wir gegen euch ab. Doch dieses nehmt zur Kenntnis, dass das Königreich Gottes sich zu euch hin genaht hat.’ 12 Ich sage euch: Es wird für Sodom an jenem Tage erträglicher sein als für jene Stadt!

    13 Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida[713]! – denn wenn in Tyrus und Sidon die Krafttaten geschehen wären, die bei euch geschehen sind, längst hätten sie, in Sack und Asche sitzend[714], Buße* getan. 14 Doch es wird für Tyrus und Sidon im Gericht erträglicher sein als für euch. 15 Und du, Kaperna-um, die du bis zum Himmel erhöht wurdest, bis zum Bereich* des Todes wirst du hinabgestoßen werden!

    16 Wer euch hört[715], hört mich. Und wer euch verwirft, verwirft mich. Aber wer mich verwirft, verwirft den, der mich sandte.“

 

17 Die Siebzig kehrten mit Freude zurück:

    „Herr,“ sagten sie, „auch die Dämonen unterordnen sich uns[716] in deinem Namen.“

    18 Aber er sagte ihnen: „Ich schaute ‹und sah› den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen. 19 Siehe! Ich gebe euch die Vollmacht*, auf Schlangen und Skorpione zu treten und über alle Kraft des Feindes, und keinesfalls wird euch irgendetwas Schaden zufügen. 20 Doch nicht darüber freut euch, dass die Geister euch untergeordnet werden. Freut euch vielmehr darüber, dass eure Namen in den Himmeln geschrieben wurden.“

    21 In eben der Stunde frohlockte Jesus im Geist und sagte: „Ich bekenne dir ‹Lob›, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dieses vor Weisen und Verständigen verbargst und es Unmündigen offenbartest*. Ja, Vater! – weil es so vor dir ein Wohlgefallen fand.“

    22 Und zu seinen Jüngern gewandt sagte er: „Alles wurde mir übergeben von meinem Vater. Und niemand hat Kenntnis, wer der Sohn ist, als nur der Vater, und wer der Vater ist, als nur der Sohn und wem immer [ihn] der Sohn offenbaren* will.“

    23 Und er wandte sich den Jüngern gesondert zu und sagte: „Selig die Augen, die schauen, was ihr schaut! 24 – denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wünschten zu sehen, was ihr schaut, und sahen es nicht, und zu hören, was ihr hört, und hörten es nicht.“

 

25 Und – siehe – ein Gesetzesgelehrter stand auf: Er versuchte ihn und sagte: „Lehrer, was [soll] ich getan haben[717], um ewiges Leben zu erben[718]?“

    26 Er sagte zu ihm: „Was ist im Gesetz geschrieben? Wie liest du?“

    27 Er antwortete und sagte: „Du sollst* den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deiner ganzen Stärke und aus deinem ganzen Denken – und deinen Nächsten[719] wie dich selbst.“ {5M 6,5; 3M 19,18}

    28 Er sagte zu ihm: „Du hast recht geantwortet. Tue das ‹stets›, und du wirst leben.“

    29 Er wollte sich aber selbst rechtfertigen und sagte zu Jesus: „Und wer ist mein Nächster?“

    30 Jesus nahm [die Frage] auf und sagte: „Ein gewisser Mann* war unterwegs von Jerusalem hinab nach Jericho. Und er fiel unter Räuber. Die zogen ihn aus, versetzten ihm Schläge, ließen ihn in dem halb toten ‹Zustand›, in dem er sich eben befand, und gingen weg.

    31 Es traf sich aber, dass ein gewisser Priester auf jenem Wege hinabschritt. Und als er ihn gesehen hatte, ging er an der entgegengesetzten Seite vorüber. 32 Gleicherweise gelangte auch ein Levit an den Ort, und er kam und sah und ging an der entgegengesetzten Seite vorüber.

    33 Aber ein gewisser Samariter, der auf der Reise war, stieß auf ihn und sah ihn und wurde von Erbarmen bewegt. 34 Und er ging hinzu, verband seine Wunden und goss Öl und Wein darauf. Er setzte ihn auf das eigene Lasttier und führte ihn in eine Herberge. Und er sorgte für ihn.

    35 Und als er am anderen Tage auszog, zog er zwei Denare[720] heraus, gab sie dem Gastwirt und sagte zu ihm: ‘Sorge für ihn. Und was du etwa darüber hinaus aufwenden wirst, ich werde es dir bei meiner Rückkehr erstatten.’

    36 Wer von diesen Dreien scheint dir also Nächster dessen geworden zu sein, der unter die Räuber gefallen war?“

    37 Er sagte: „Der, der die Barmherzigkeit an ihm tat.“

    Daraufhin sagte Jesus zu ihm: „Gehe hin und tue du ‹stets› gleicherweise.“

 

38 Es geschah, als sie dahinzogen, dass er in ein Dorf hineinging. Eine Frau namens Martha nahm ihn auf in ihr Haus. 39 Und diese hatte eine Schwester, genannt Maria, die sich auch zu den Füßen Jesu setzte und seinem Wort zuhörte. 40 Aber Martha ließ sich über vielem Dienen abziehen.

    Sie trat hin und sagte: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich mit dem Dienen alleine ließ? Sage ihr also, dass sie zusammen mit mir zufasse.“

    41 Aber Jesus antwortete* und sagte ihr: „Martha, Martha: Du bist in Sorge und beunruhigst dich über vieles. 42 Aber eines ist nötig. Maria wählte das gute Teil – welches nicht von ihr genommen werden wird.“

 

11 1 Und es geschah, als er an einem gewissen Ort betete:

    Als er aufhörte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: „Herr, lehre uns zu beten, so, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.“

    2 Er sagte zu ihnen: „Wenn ihr betet, sagt:

    ‘Unser Vater, der in den Himmeln ist:

    Geheiligt werde dein Name.

    Dein Königreich komme.

    °Dein Wille geschehe, wie [er] im Himmel [geschieht], auch auf der Erde.

    3 Unser Brot, das wir für den Tag brauchen[721], gib uns täglich.

    4 Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir selbst vergeben jedem, der uns[722] schuldig ist.

    Und bringe uns nicht in Versuchung hinein[723], °sondern befreie uns von dem Bösen[724].’“

 

5 Und er sagte zu ihnen: „Wer von euch wird einen Freund haben und um Mitternacht zu ihm hingehen?

    Und er würde zu ihm sagen: ‘Freund, leihe mir drei Brote, 6 da ein Freund von mir von einer Reise zu mir kam; und ich habe nichts ihm vorzusetzen.’

    7 Und jener wird von innen antworten und sagen: ‘Mache mir nicht Mühe! Die Tür ist längst schon verschlossen, und meine Kindlein sind zu Bett bei mir: Ich kann nicht aufstehen, dir zu geben.’

    8 Ich sage euch: Wenn er auch nicht deswegen aufstehen und ihm geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er doch, weil jener sich nicht scheute [aufdringlich zu sein], aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf.

    9 Und ich sage euch: Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an[725], und es wird euch geöffnet werden; 10 denn jeder, der bittet[726], empfängt, und der, der sucht, findet, und dem, der anklopft, wird geöffnet werden.

    11 Welchen von euch, der ein Vater ist, wird der Sohn um Brot bitten, und er wird ihm einen Stein reichen? – [oder] wenn auch [um] einen Fisch, wird er ihm statt des Fisches eine Schlange reichen? 12 Oder auch, wenn er um ein Ei bitten sollte, wird er ihm einen Skorpion reichen? 13 Wenn also ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater, der vom Himmel [ist], den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten?“

 

14 Und er trieb einen Dämon aus, der stumm war. Nachdem der Dämon ausgefahren war, geschah es, dass der Stumme redete. Und die Mengen verwunderten sich.

    15 Aber etliche von ihnen sagten: „Durch Be-elzebul, den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.“

    16 Aber andere versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.

    17 Da er aber um ihre Gedanken wusste, sagte er ihnen: „Jedes Königreich, das ‹einmal› mit sich selbst entzweit ist, wird ‹nach und nach› verwüstet, und Haus gegen Haus fällt[727]. 18 Wenn auch der Satan mit sich selbst entzweit ist, wie wird sein Königreich bestehen? – weil ihr sagt, ich treibe durch Be-elzebul die Dämonen aus. 19 Wenn ich aber durch Be-elzebul die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne aus? Deswegen werden sie[728] eure Richter sein. 20 Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, dann ist das Königreich Gottes zu euch gekommen.

    21 Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, ist seine Habe in Frieden. 22 Sobald aber der, der stärker ist als er, über ihn kommt und ihn besiegt, nimmt er seine ganze Rüstung weg, auf die er sich verlassen hatte, und verteilt seine Beutestücke.

    23 Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich. Und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut.

    24 Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, durchwandert er wasserlose Stätten und sucht Ruhe.

    Und wenn er sie nicht findet, spricht er: ‘Ich werde zurückkehren in mein Haus, von wo ich ausging.’

    25 Und wenn er kommt, findet er es gefegt und geschmückt vor. 26 Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister zu sich, die böser sind als er, und sie fahren ein und wohnen dort. Und es wird das Letzte jenes Menschen ‹nach und nach› schlimmer als das Erste.“

    27 Es geschah, während er dieses sagte, erhob eine Frau aus der Menge die Stimme und sagte zu ihm: „Selig der [Mutter]schoß, der dich trug, und die Brüste, die du sogst!“

    28 Aber er sagte: „In der Tat; ja.[729] Selige sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen!“

 

29 Als die Mengen sich ansammelten, fing er an zu sagen: „Dieses ist ein böses Geschlecht. Nach einem Zeichen trachtet es, und ein Zeichen wird ihm nicht gegeben werden als nur das Zeichen Jonas, des Propheten, 30 denn so, wie Jona ein Zeichen wurde den Niniviten, so wird es auch der Sohn des Menschen diesem Geschlecht sein. 31 Eine Königin des Südens wird im Gericht auftreten mit den Männern dieses Geschlechts und wird sie verurteilen, weil sie von den jenseitigen Teilen der Erde kam, zu hören die Weisheit Salomos. Und – siehe! – mehr als Salomo ist hier. 32 Männer von Ninive werden im Gericht aufstehen mit diesem Geschlecht und werden es verurteilen, weil sie Buße taten[730] auf die Verkündigung Jonas hin. Und – siehe! – mehr als Jona ist hier.

    33 Niemand, der eine Lampe angezündet hat, stellt sie ins Verborgene oder unter ein Getreidegefäß[731], sondern auf das Lampengestell, damit die Hereinkommenden den Schein sehen. 34 Die Lampe des Leibes ist das Auge. Wenn also dein Auge einfach[732] ist, ist auch dein ganzer Leib erleuchtet. Wenn es aber böse ist, ist auch dein Leib dunkel. 35 Gib also Acht[733], dass nicht das Licht in dir Dunkelheit ist. 36 Wenn also dein ganzer Leib erleuchtet ist und gar keinen dunklen Teil hat, wird er ganz erleuchtet sein, wie wenn die Lampe mit ihrem blitzenden [Schein] dich beleuchtet.“

 

37 Als er redete, ersuchte ihn ein gewisser Pharisäer, dass er bei ihm ein ‹leichtes› Mahl einnehme. Und er ging hinein und legte sich [zu Tisch]. 38 Als es der Pharisäer sah, verwunderte er sich, dass er sich nicht vor dem Mahl zuerst wusch.

    39 Aber der Herr sagte zu ihm: „Nun ihr Pharisäer: Das Äußere des Bechers und des Tellers reinigt ihr. Euer Inneres ist aber voll Raub und Bosheit. 40 Törichte! Machte nicht der, der das Äußere machte, auch das Innere? 41 Doch gebt das, was darin ist, als Almosen[734], und – siehe! – alles ist euch rein.

    42 Jedoch wehe euch Pharisäern! – weil ihr die Minze und das Gewürzkraut und alles Gartengewächs verzehntet, und das Gericht[735] und die Liebe Gottes übergeht ihr. Diese Dinge sollte man tun und jene nicht lassen.

    43 Wehe euch Pharisäern! – weil ihr den ersten Sitz in den Synagogen liebt und die Begrüßungen auf den Märkten.

    44 Wehe euch Schriftgelehrten und Pharisäern, Heuchler! – weil ihr wie die unkenntlichen Gräber seid, und die Menschen, die darauf gehen, wissen es nicht.“

    45 Einer von den Gesetzesgelehrten antwortet* ihm und sagt: „Lehrer, indem du dieses sagst, verhöhnst du auch uns.“

    46 Aber er sagte: „Wehe auch euch Gesetzesgelehrten! – weil ihr die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten belastet, und ihr selbst rührt die Lasten nicht mit einem eurer Finger an. 47 Wehe euch! – weil ihr die Grabmäler der Propheten baut, und eure Väter töteten sie. 48 Folglich legt ihr Zeugnis ab und stimmt so den Werken eurer Väter bei, weil einerseits jene sie töteten, andererseits ihr ihre Grabmäler baut.

    49 Deswegen sagte auch die Weisheit Gottes: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und [einige] von ihnen werden sie töten und verfolgen, 50 damit von diesem Geschlecht eingefordert werde das Blut aller Propheten, das vergossen wurde von Gründung der Welt an, 51 vom Blut Abels bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Hause umkam. Ja, ich sage euch: Es wird eingefordert werden von diesem Geschlecht.

    52 Wehe euch Gesetzesgelehrten! – weil ihr den Schlüssel der Kenntnis[736] wegnahmt. Selbst gingt ihr nicht hinein, und die, die hineingingen, hindertet ihr.“

    53 Als er dieses zu ihnen sagte, fingen die Schriftgelehrten und die Pharisäer an, hart [auf ihn] einzudringen[737] und über mehreres ihn auszufragen[738], 54 und sie lauerten ihm auf und suchten, etwas aus seinem Munde zu erhaschen, damit sie ihn anklagen könnten.

 

12 1 Als sich unterdessen die Menge der Zehntausenden[739] versammelt hatte, sodass sie einander traten, fing er an zu sprechen, ‹richtete sich dabei› zuerst an seine Jünger: „Nehmt euch ‹stets› in Acht vor dem Sauerteig der Pharisäer, welcher ist die Heuchelei. 2 Es ist aber nichts verhüllt, das nicht enthüllt werden wird, und nichts verborgen, das nicht zur Kenntnis gebracht werden wird. 3 Deshalb: So vieles ihr in der Dunkelheit spracht, wird im Licht gehört werden, und das, was ihr in den Kammern ins Ohr sagtet, wird auf den Dächern verkündet werden.

    4 Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nicht [die Möglichkeit] haben, darüber hinaus mehr zu tun. 5 Ich werde euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Vollmacht* hat, in die Hölle* zu werfen. Ja, ich sage euch, diesen fürchtet!

    6 Werden nicht fünf Sperlinge für zwei Ass[740] verkauft? – Und nicht einer von ihnen ist vor Gott vergessen. 7 Jedoch auch die Haare eures Hauptes sind alle gezählt. Fürchtet euch also nicht. Ihr seid vorzüglicher als viele Sperlinge.

    8 Ich sage aber euch: Jeder, der irgend sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Sohn des Menschen bekennen vor den Boten* Gottes. 9 Aber wer mich vor den Menschen verleugnet hat[741], wird vor den Boten* Gottes verleugnet werden.

    10 Und jeder, der ein Wort sagen wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden. Aber dem, der gegen den Heiligen Geist lästerte[742], wird nicht vergeben werden.

    11 Wenn sie euch aber vor die Synagogen und die Erstrangigen und [obrigkeitlichen] Autoritäten führen, sorgt euch nicht, wie ihr [etwas] oder was ihr als Verteidigung vorbringen oder was ihr sagen sollt, 12 denn der Heilige Geist wird euch in eben der Stunde lehren, was gesagt werden soll.“

 

13 Einer aus der Menge sagte zu ihm: „Lehrer, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teile.“

    14 Er sagte zu ihm: „Mensch, wer setzte mich zum Rechtsprechenden oder zum [Erb]teiler über euch ein?“

    15 Zu ihnen ‹gewandt› sagte er: „Seht und hütet euch ‹stets› vor der Habsucht, weil das Leben eines [Menschen] nicht darin besteht, dass er Überfluss an Besitztum hat.“

    16 Er erzählte ihnen ein Gleichnis und sagte: „Das Land eines gewissen reichen Menschen hatte gut getragen. 17 Und er überlegte in seinem Herzen:

    ‘Was soll ich tun,’ sagte er, ‘weil ich nicht habe, wohin ich meine Früchte sammeln soll?’

    18 Und er sagte: ‘Das werde ich tun: Ich werde meine Scheunen abbrechen und größere bauen und werde dorthin alle meine Erträge und meine Güter sammeln. 19 Und ich werde zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter daliegen auf viele Jahre. Gönne dir Rast. Iss. Trink. Sei fröhlich!’

    20 Aber Gott sagte zu ihm: ‘Törichter! In dieser Nacht wird deine Seele[743] von dir gefordert. Aber was du bereitetest, wessen wird es sein?’

    21 So ist der, der für sich selbst Schätze sammelt und nicht reich ist zu Gott [hin].“

    22 Er sagte – ‹und richtete sich dabei› an seine Jünger: „Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um eure Seele[744], was ihr essen sollt, noch um den Leib, was ihr anziehen sollt. 23 Die Seele ist mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung.

    24 Achtet auf die Raben, dass sie weder säen noch ernten, [sie], die weder [Vorrats]kammer noch Scheune besitzen, und Gott ernährt sie ‹stets›. Um wie viel unterscheidet ihr euch von den Vögeln!

    25 Wer von euch kann dadurch, dass er sich sorgt, seiner Lebenslänge eine Elle hinzufügen?[745] 26 Wenn ihr also nicht das Geringste könnt, was sorgt ihr euch um das Übrige?

    27 Achtet auf die Lilien, wie sie wachsen. Sie arbeiten nicht, noch spinnen sie. Ich sage euch: Nicht einmal Salomo in aller seiner Herrlichkeit umkleidete sich wie eine von diesen. 28 Wenn aber Gott auf dem Felde das Gras, das heute da ist und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr euch, Kleingläubige! 29 Auch ihr, sucht nicht, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und lasst euch nicht verunsichern, 30 denn nach solchem allem trachten die aus den Völkern der Welt. Euer Vater weiß aber, dass ihr dessen bedürft. 31 Doch sucht ‹stets› das Königreich Gottes, und dieses alles wird euch hinzugefügt werden.

    32 Fürchte dich nicht, du kleine[746] Herde, weil es eures Vaters Wohlgefallen war, euch das Königreich zu geben. 33 Verkauft eure Habe und gebt Almosen[747]! Macht euch Beutel, die nicht veralten, einen nicht ausgehenden Schatz in den Himmeln, wo kein Dieb sich naht, keine Motte ihr Zerstörungswerk treibt, 34 denn wo euer Schatz ist, dort wird auch euer Herz sein.“

 

35 „Es seien eure Lenden ‹stets› umgürtet und die Lampen ‹immerfort› brennend 36 und seid ihr gleich Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er einst von der Hochzeit aufbrechen wird, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun. 37 Selige sind jene leibeigenen Knechte, die der Herr bei seinem Kommen wachend finden wird! Wahrlich! Ich sage euch: Er wird sich gürten und sie sich [zu Tisch] lagern lassen und wird hinzutreten und sie bedienen. 38 Und wenn er in der zweiten Wache kommt und in der dritten Wache kommt und [sie] so findet, Selige sind jene Knechte[748]!

    39 Das nehmt aber zur Kenntnis: Wenn der Hausherr gewusst hätte, zu welcher Stunde der Dieb komme, hätte er gewacht und nicht zugelassen, dass man sein Haus durchgrabe[749]. 40 Werdet also auch ihr bereit, weil der Sohn des Menschen zu einer Stunde kommt, zu der ihr es nicht meint.“

    41 Petrus sagte zu ihm: „Herr, sagst du dieses Gleichnis im Blick auf uns oder auch im Blick auf alle?“

    42 Der Herr sagte: „Wer ist dann also der treue und kluge Verwalter, den der Herr über seine Dienerschaft einsetzen wird, den Kostanteil zu geben zu rechter Zeit? 43 Ein Seliger ist jener Knecht, den sein Herr, wenn er gekommen ist, so tun finden wird! 44 Wahrlich! Ich sage euch: Er wird ihn über seine ganze Habe einsetzen.

    45 Aber wenn jener Knecht in seinem Herzen sagen sollte: ‘Mein Herr verzieht zu kommen’, und anfangen sollte, die Knechte und Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, 46 wird der Herr jenes Knechtes an einem Tage kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn entzweischneiden und [ihm] sein Teil setzen mit den Ungläubigen ‹und Untreuen›. 47 Jener Knecht, der den Willen seines Herrn kannte und sich nicht bereitete noch nach seinem Willen ausgerichtet handelte, wird [mit] vielen [Streichen] geschlagen werden. 48 Wer ihn aber nicht kannte, aber tat, was der Streiche würdig war, wird [mit] wenigen [Streichen] geschlagen werden.

    Jedem, dem viel gegeben wurde, von ihm wird viel gefordert werden, und wem man viel anvertraute, reichlicher wird man von ihm verlangen.“

 

49 „Ich kam, Feuer auf die Erde zu werfen. Und wie wünsche ich, es wäre schon angezündet worden! 50 Aber ich habe eine Taufe, mit der ich getauft werden muss, und wie werde ich bedrängt, bis sie vollzogen ist!

    51 Meint ihr, dass ich herkam, Frieden zu geben auf der Erde? Nein, sage ich euch, sondern Entzweiung! 52 – denn es werden von nun an fünf in einem Hause entzweit sein: drei gegen zwei und zwei gegen drei. 53 Vater wird mit Sohn entzweit sein und Sohn mit Vater, Mutter mit Tochter und Tochter mit Mutter, Schwiegermutter mit ihrer Schwiegertochter[750] und Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.“

 

54 Er sagte aber auch zu den [Menschen]mengen: „Wenn ihr die Wolke vom [Sonnen]untergang her aufsteigen seht, sagt ihr sogleich: ‘Es kommt ein Regenguss.’ Und es geschieht so. 55 Und wenn ein Südwind weht, sagt ihr: ‘Es wird brennend warm sein.’ Und es geschieht. 56 Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels wisst ihr zu prüfen. Wieso prüft ihr aber nicht diese Zeit?

    57 Warum urteilt ihr auch nicht von euch selbst aus, was recht ist? 58 – denn wenn du mit deinem Rechtsgegner zum Obersten[751] gehst, tu auf dem Wege Fleiß, von ihm loszukommen, damit er dich nicht etwa hinschleppe zum Richter und der Richter dich dem Gerichtsbeamten[752] übergebe und der Gerichtsbeamte dich ins Gefängnis werfe. 59 Ich sage dir: Du wirst auf keinen Fall von dort herauskommen, bis du auch das letzte Lepton[753] erstattet haben wirst.“

 

13 1 Zur selben Zeit waren etliche zugegen, die ihm Bericht gaben von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte.

    2 Und Jesus antwortete* und sagte zu ihnen: „Meint ihr, dass diese Galiläer, weil sie solches erlitten haben, vor allen Galiläern[754] zu Sündern geworden waren? 3 Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße* tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.

    4 Oder jene achtzehn, auf die der Turm in Siloam fiel und sie tötete, meint ihr, dass diese vor allen Menschen[755], die in Jerusalem wohnen, Schuldige geworden waren? 5 Nein, sage ich euch; sondern wenn ihr nicht Buße* tut, werdet ihr alle gleicherweise umkommen.“

    6 Er sagte dieses Gleichnis: „Es hatte jemand einen Feigenbaum, der in seinem Weinberg gepflanzt war, und er kam und suchte an ihm Frucht und fand keine.

    7 Er ‹richtete sich› an den Weingärtner und sagte: ‘Siehe! Drei Jahre komme ich und suche an diesem Feigenbaum Frucht, und ich finde keine. Haue ihn ab ‹und nimm ihn heraus›. Wozu entkräftet er auch den Boden?’

    8 Er antwortet* und sagt zu ihm: ‘Herr, lass ihn auch dieses Jahr, bis dass ich um ihn herum gegraben und ihn gedüngt habe, 9 und wenn er tatsächlich Frucht bringt, [gut], wenn aber doch nicht, haue ihn in Zukunft ab ‹und nimm ihn› heraus.’“

 

10 In einer der Synagogen war er am Lehren am Sabbat. 11 Und – siehe! – es war [da] eine Frau, die einen Geist der Schwachheit hatte – achtzehn Jahre! Und sie war zusammengekrümmt, ‹gebückt›, und konnte sich nicht vollständig aufrichten.

    12 Als Jesus sie sah, rief er ihr zu und sagte ihr: „Frau, du bist gelöst von deiner Schwachheit!“ 13 Und er legte ihr die Hände auf. Und auf der Stelle wurde sie gerade gemacht. Und sie verherrlichte Gott.

    14 Aber der Synagogenvorsteher, unwillig, dass Jesus am Sabbat heilte, antwortete* und sagte der Menge: „Sechs Tage gibt es, an denen man zu arbeiten hat. Kommt also an diesen und lasst euch heilen und nicht am Tage des Sabbats.“

    15 Da antwortete ihm der Herr und sagte: „Heuchler![756] Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder den Esel von der Krippe los und führt ihn weg und tränkt ihn? 16 Aber diese, die eine Tochter Abrahams ist, die der Satan band – siehe! – achtzehn Jahre [lang], sollte[757] nicht gelöst werden von dieser Fessel am Tage des Sabbats?“

    17 Und auf diese seine Worte hin wurden alle seine Widersacher beschämt, und die ganze Menge freute sich über alles Herrliche, das durch ihn geschah.

 

18 Er sagte: „Wem ist das Königreich Gottes gleich, und womit soll ich es vergleichen? 19 Es ist einem Senfkorn gleich, das ein Mensch nahm und in seinen Garten warf. Und es wuchs und wurde zu einem großen Baum[758]. Und die Vögel des Himmels ließen sich nieder in seinen Zweigen.“

    20 Und wiederum sagte er: „Womit soll ich das Königreich Gottes vergleichen? 21 Es ist gleich einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl verbarg, bis es ganz durchsäuert wurde.“

 

22 Und er durchzog nacheinander Städte und Dörfer, lehrte und legte den Weg zurück nach Jerusalem.

 

23 Einer sagte zu ihm: „Herr, ob es wenige sind, die gerettet werden?“

    Er sagte, zu ihnen ‹gewandt›: 24 „Ringt, durch das enge Tor einzugehen, weil viele – ich sage es euch – suchen werden einzugehen und dazu nicht imstande sein werden.

    25 Von da an, da der Hausherr aufgestanden sein wird und die Tür verschlossen haben wird und ihr anfangen werdet, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: ‘Herr, Herr, tu uns auf!’, und er antworten und zu euch sagen wird: ‘Ich weiß nicht von euch, woher ihr seid’, 26 dann werdet ihr anfangen zu sagen: ‘Wir aßen und tranken vor dir, und auf unseren Straßen lehrtest du.’

    27 Und er wird sagen: ‘Ich sage euch: Ich weiß nicht von euch, woher ihr seid. Entfernt euch von mir, alle ihr Täter der Ungerechtigkeit!’

    28 Dort wird das Weinen sein und das Zähneknirschen, wenn[759] ihr Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Königreich Gottes seht, euch aber hinausgeworfen. 29 Und sie werden kommen vom Aufgang und vom Untergang und von Mitternacht und vom Mittage[760] und sich [zu Tisch] lagern im Königreich Gottes. 30 Und – siehe! – es gibt Letzte, die Erste sein werden, und es gibt Erste, die Letzte sein werden.“

 

31 Am selben Tage kamen einige Pharisäer heran:

    Sie sagten zu ihm: „Geh hinaus und zieh fort von hier, weil Herodes dich töten will.“

    32 Und er sagte zu ihnen: „Geht hin und sagt diesem Fuchs: Siehe! Ich treibe Dämonen aus und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten [Tage] werde ich ans Ziel gebracht. 33 Doch heute und morgen und am [Tage] darauf muss ich voranziehen, weil es nicht angeht, dass ein Prophet außerhalb Jerusalems umkomme.“

    34 „Jerusalem, Jerusalem, die die Propheten tötet und die steinigt, die hin zu ihr gesandt sind! Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln in der Weise, wie eine Henne ihre eigene Brut unter die Flügel [sammelt], und ihr wolltet nicht! 35 Siehe! Euer Haus wird euch öde gelassen werden! Wahrlich! Ich sage euch: Auf keinen Fall werdet ihr mich sehen, bis [die Zeit] kommt, da ihr sagt: ‘Gelobt [sei] der, der kommt im Namen des Herrn!’“ {Ps 118,26}

 

14 1 Und es geschah, als er am Sabbat in das Haus eines der Obersten der Pharisäer kam, um Brot zu essen, da waren sie dabei, ihn zu beobachten. 2 Und – siehe – ein wassersüchtiger Mensch war vor ihm.

    3 Und Jesus antwortete* und sagte, zu den Gesetzesgelehrten und Pharisäern ‹gewandt›: „Ist es gestattet, am Sabbat zu heilen?“

    4 Aber sie schwiegen. Und er nahm ihn, heilte ihn und entließ ihn.

    5 Und er antwortete ihnen und sagte: „Wer unter euch, dem ein Esel oder Ochse in den Brunnen fällt, wird ihn nicht sogleich herausziehen am Tage des Sabbats?“

    6 Und sie waren nicht imstande, ihm darauf zu antworten.

 

7 Zu den Geladenen[761] ‹gewandt› sagte er, als er beobachtete, wie sie die ersten Plätze auswählten, ein Gleichnis[762]:

    8 „Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit geladen[763] wirst,“ sagte er zu ihnen, „lege dich nicht am ersten Platz [zu Tisch], damit nicht etwa ein Geehrterer als du von ihm geladen sei 9 und der, der dich und ihn lud, kommen und zu dir sagen werde: ‘Gib diesem [den] Platz!’ Und dann wirst du anfangen, mit Schande den letzten Platz einzunehmen. 10 Sondern wenn du geladen bist, gehe hin und lege dich an den letzten Platz, damit dann, wenn der, der dich lud, kommt, er zu dir sage: ‘Freund, rücke weiter herauf.’ Dann wirst du Ehre[764] haben vor denen, die mit dir [zu Tisch] liegen. 11 Jeder nämlich, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

    12 Auch zu dem, der ihn geladen hatte, sprach er:

    „Wenn du ein Mahl veranstaltest, ein leichtes oder ein größeres,[765] lade nicht deine Freunde noch deine Brüder noch deine Verwandten noch reiche Nachbarn, damit nicht etwa auch sie dich wieder laden und dir Vergeltung ‹zuteil› werde, 13 sondern wenn du ein Mahl mit Gästen veranstaltest, lade ein[766] Arme, Krüppel, Lahme, Blinde. 14 Und ein Seliger wirst du sein, weil sie nicht haben, dir zu vergelten, denn es wird dir vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten.“

    15 Als einer von denen, die mit [zu Tisch] lagen, dieses hörte, sagte er zu ihm: „Ein Seliger [ist], der Brot essen wird im Königreich Gottes!“

    16 Er sagte zu ihm: „Ein gewisser Mensch machte ein großes Mahl und lud[767] viele.

    17 Und er sandte seinen leibeigenen Knecht zur Stunde des Mahls, zu den Geladenen[768] zu sagen: ‘Kommt, weil alles schon bereit ist.’

    18 Und ohne Ausnahme fingen sie alle an, sich zu entschuldigen und abzusagen.

    Der erste sagte ihm: ‘Ich kaufte ein Feld, und es ist notwendig, dass ich ausgehe und es sehe. Ich bitte dich, halte mich für entschuldigt.’

    19 Und ein anderer sagte: ‘Ich kaufte fünf Joch[769] Ochsen und gehe hin, sie zu erproben. Ich ersuche dich, halte mich für entschuldigt.’

    20 Und ein anderer sagte: ‘Ich heiratete eine Frau, und deswegen kann ich nicht kommen.’

    21 Und jener Knecht[770] kam herbei und meldete dieses seinem Herrn.

    Dann war der Gebieter des Hauses zornig und sagte zu seinem Knecht: ‘Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Krüppel und Lahmen und Blinden hier herein.’

    22 Und der Knecht sagte: ‘Herr, es ist geschehen, wie du befahlst, und es ist noch Platz.’

    23 Und der Herr sagte zu dem Knecht: ‘Gehe hinaus auf die Landstraßen und [an die] Zäune und nötige sie hereinzukommen, damit sich mein Haus fülle, 24 denn ich sage euch: Nicht einer von jenen Männern, die geladen[771] waren, wird mein Mahl kosten!’“

 

25 Es zogen zahlreiche* Mengen mit ihm. Und er wandte sich um und sagte zu ihnen: 26 „Wenn jemand zu mir kommt und nicht hasst seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern und dazu auch seine eigene Seele[772], kann er nicht mein Jünger sein; 27 und welcher nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein; 28 denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet den Aufwand, ob er das [Nötige] zur Ausführung habe? 29 – damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und nicht imstande ist es fertigzustellen, alle die Zuschauenden anfangen, ihn zu verspotten, 30 und sagen: ‘Dieser Mensch fing an zu bauen und war nicht imstande es fertigzustellen.’

    31 Oder welcher König, der hinzieht, um mit einem anderen König zum Krieg zusammenzutreffen, setzt sich nicht zuvor hin und berät, ob er imstande ist, mit Zehntausend dem entgegenzutreten, der mit Zwanzigtausend gegen ihn kommt? 32 Wenn aber nicht, so sendet er, solange der noch fern ist, eine Gesandtschaft und ersucht um die Friedens‹bedingungen›.

    33 So also kann keiner von euch, der nicht allem entsagt[773], was er hat, mein Jünger sein.

    34 Das Salz ist trefflich. Wenn das Salz aber fade geworden ist, womit wird es gewürzt werden?[774] 35 Es ist weder für das Land noch für den Dünger nützlich. Man wirft es hinaus.

    Wer Ohren zum Hören hat, höre[775]!“

 

15 1 Es nahten sich zu ihm ‹nach und nach› alle Zolleinnehmer und Sünder, ihn zu hören. 2 Und es war ein Murren unter den Pharisäern und den Schriftgelehrten:

    „Dieser nimmt Sünder an“, sagten sie, „und isst mit ihnen.“

    3 Er sagte zu ihnen[776] dieses Gleichnis: 4 „Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat und ein einziges von ihnen verloren hat, lässt nicht die neunundneunzig Schafe in der Wüste zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es finde? 5 Und nachdem er es gefunden hat, legt er es auf die eigenen Schultern und freut sich.

    6 Und wenn er nach Hause gekommen ist, ruft er die Freunde und die Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ‘Freut euch mit mir, denn ich fand mein verlorenes Schaf!’

    7 Ich sage euch: Auf diese Weise wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, [mehr] als über neunundneunzig Gerechte, die einer Buße* nicht bedürfen.

    8 Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat, zündet nicht, wenn sie eine Drachme[777] verloren hat, eine Lampe an und fegt das Haus und sucht mit Sorgfalt, bis sie sie findet?

    9 Und nachdem sie sie gefunden hat, ruft sie sich die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: ‘Freut euch mit mir, denn ich fand die Drachme, die ich verloren hatte!’

    10 Auf diese Weise, sage ich euch, entsteht Freude vor den Boten[778] Gottes über einen Sünder, der Buße tut*.“

 

11 Und er sagte: „Ein gewisser Mensch hatte zwei Söhne.

    12 Und der jüngere von ihnen sagte zum Vater: ‘Vater, gib mir den [mir] zufallenden Teil des Vermögens.’

    Und er teilte ihnen das Gut.

    13 Und nach nicht vielen Tagen nahm der jüngere Sohn alles zusammen und reiste weg in ein fernes Land. Und dort lebte er liederlich und vergeudete sein Vermögen. 14 Aber nachdem er alles aufgebraucht hatte, entstand eine große Hungersnot in jenem Lande, und er fing an, Mangel zu leiden. 15 Und er ging hin und hängte sich an einen der Bürger jenes Landes. Der schickte ihn auf seine Felder, Schweine zu weiden. 16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen von den Schoten[779], die die Schweine fraßen. Und niemand gab ihm.

    17 Als er aber zu sich selbst kam, sagte er: ‘Wie viele Lohnarbeiter meines Vaters haben Überfluss an Brot, aber ich komme um vor Hunger!

    18 Ich werde aufstehen und hin zu meinem Vater ziehen und zu ihm sagen: Vater, ich sündigte gegen den Himmel und vor dir, 19 und ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn genannt zu werden. Mache mich wie einen deiner Lohnarbeiter.’

    20 Und er stand auf und ging hin zu seinem Vater.

    Aber als er noch ferne war, sah ihn sein Vater und wurde von Erbarmen bewegt; und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn herzlich.

    21 Aber der Sohn sagte zu ihm: ‘Vater, ich sündigte gegen den Himmel und vor dir. Und ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn genannt zu werden.’

    22 Aber der Vater ‹richtete sich› an seine leibeigenen Knechte und sagte: ‘Bringt das erste[780] lange Gewand heraus und zieht es ihm an und tut einen Ring an seine Hand und Schuhe an die Füße; 23 und bringt das gemästete Kalb, schlachtet es und lasst uns essen und fröhlich sein; 24 denn dieser mein Sohn war tot und wurde wieder lebend, und er war verloren gegangen und wurde gefunden!’

    Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

    25 Aber sein älterer Sohn war auf dem Felde. Und als er kam und sich dem Hause nahte, hörte er Musikklang[781] und Reigen. 26 Und er rief einen von seinen Knechten[782] herbei und erkundigte sich, was das sei.

    27 Er sagte ihm: ‘Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater schlachtete das gemästete Kalb, weil er ihn bei [guter] Gesundheit wiedererhielt.’

    28 Er wurde aber zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater kam also heraus und redete ihm zu.

    29 Aber er antwortete und sagte dem Vater: ‘Siehe! So viele Jahre diene ich dir ‹wie ein leibeigener Knecht›, und noch nie übertrat ich ein Gebot von dir. Und noch nie gabst du mir einen Ziegenbock, damit ich mit meinen Freunden hätte fröhlich sein können. 30 Als aber dieser dein Sohn kam, der deine Güter mit Huren verzehrte, schlachtetest du ihm das gemästete Kalb.’

    31 Aber er sagte zu ihm: ‘Kind, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, ist dein. 32 Fröhlich sein und sich freuen musste man, weil dieser, dein Bruder, tot war und wieder lebend wurde. Er war verloren gegangen und wurde gefunden.’“

 

16 1 Er ‹richtete sich› auch an seine Jünger und sagte: „Es war ein reicher Mann, der einen Verwalter hatte. Und dieser wurde bei ihm beschuldigt, dass er ‹stetig› seine Habe vergeude.

    2 Und er rief ihn und sagte zu ihm: ‘Was ist dieses, das ich über dich höre? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung, denn du wirst nicht mehr Verwalter sein können.’

    3 Der Verwalter sagte bei sich selbst: ‘Was werde ich tun? – weil mein Herr die Verwaltung von mir nimmt. Zu graben bin ich nicht imstande. Zu betteln schäme ich mich. –

    4 Es ist mir in den Sinn gekommen[783], was ich tun werde, damit dann, wenn ich der Verwaltung enthoben bin, sie mich in ihre Häuser aufnehmen.’

    5 Und er rief jeden einzelnen von den Schuldnern seines Herrn herbei.

    Und er sagte zum ersten: ‘Wie viel schuldest du meinem Herrn?’

    6 Er sagte: ‘Hundert Bat[784] Öl.’

    Und er sagte zu ihm: ‘Nimm deine [Schuld]schrift, setze dich und schreibe schnell: fünfzig.’

    7 Danach sagte er zu einem anderen: ‘Und du, wie viel schuldest du?’

    Er sagte: ‘Hundert Kor[785] Weizen.’

    Und er sagt zu ihm: ‘Nimm deine [Schuld]schrift und schreibe: achtzig.’

    8 Und es lobte der Herr den ungerechten Verwalter, dass er klug gehandelt hatte, – weil die Söhne dieser Weltzeit klüger sind als die Söhne des Lichts gegen das eigene[786] Geschlecht.

    9 Und ich sage euch: Macht euch selbst Freunde mit dem ungerechten Mammon[787], damit ‹dann›, wenn es mit euch zu Ende gegangen ist, sie euch aufnehmen in die ewigen* Wohnungen. 10 Wer im Geringsten treu ist, ist auch im Vielen treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch im Vielen ungerecht. 11 Wenn ihr also in dem ungerechten Mammon[788] nicht treu wurdet, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen? 12 Und wenn ihr in dem Fremden nicht treu wurdet, wer wird euch das Eure geben?

    13 Kein Haussklave kann zwei Herren Leibeigenendienst verrichten, denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird sich zu dem einen halten und den anderen gering achten. Ihr könnt nicht Gott Leibeigenendienst verrichten und dem Mammon.“

 

14 Dieses alles hörten auch die Pharisäer, die geldliebend waren, und sie rümpften ‹verachtend die Nase› über ihn.

    15 Und er sagte zu ihnen: „Ihr seid es, die sich selbst rechtfertigen vor den Menschen. Gott kennt aber eure Herzen; was nämlich bei Menschen hoch ist, ist ein Gräuel vor Gott.

    16 Das Gesetz und die Propheten [reichen] bis auf Johannes. Ab dann wird das Königreich Gottes als gute Botschaft gesagt, und jeder drängt sich in es hinein.

    17 Leichter ist es, dass der Himmel und die Erde vergehen, als dass vom Gesetz ein Strichlein falle.

    18 Jeder, der sich von seiner Frau scheidet und eine andere heiratet, begeht Ehebruch. Und jeder, der eine von dem Manne Geschiedene heiratet, begeht Ehebruch.“

 

19 „Es war ein reicher Mann, und er kleidete sich in Purpur und Byssus[789] und [lebte] täglich in Prunk und fröhlichem Feiern.

    20 Aber es war ein Armer namens Lazarus, den man vor seinem Toreingang hingetan hatte; der war behaftet mit Geschwüren 21 und begehrte, sich von den Krumen zu sättigen, die vom Tisch des Reichen fielen. Es kamen auch ‹immer wieder› die Hunde und leckten seine Geschwüre ab.

    22 Es geschah nun, dass der Arme starb. Und er wurde von den [himmlischen] Boten* hinweggetragen an die Brust[790] Abrahams.

    Es starb aber auch der Reiche. Und er wurde begraben.

    23 Und im Bereich* des Todes, als er seine Augen aufhebt, sieht er, während er in Qualen ist, Abraham von ferne und Lazarus an seiner Brust.

    24 Und er rief und sagte: ‘Vater Abraham, erbarme dich meiner und schicke Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers in Wasser tauche und meine Zunge kühle, weil ich Pein leide in dieser Flamme!’

    25 Aber Abraham sagte: ‘Kind, gedenke, dass du dein Gutes ‹in Fülle› empfingst in deinem Leben und Lazarus gleicherweise das Üble. Aber nun wird er getröstet[791]. Aber du leidest Pein. 26 Und zu diesem allem ist zwischen uns und euch eine große Kluft festgelegt, auf dass die, die von hier zu euch hinübergehen wollen, es nicht können; noch [können] die von dort zu uns herüberkommen.’

    27 Aber er sagte: ‘Ich ersuche dich also, Vater, dass du ihn in das Haus meines Vaters schickst, 28 denn ich habe fünf Brüder, auf dass er ihnen mit Ernst Zeugnis gebe, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen!’

    29 Abraham sagt zu ihm: ‘Sie haben Mose und die Propheten. Auf die sollen sie hören.’

    30 Aber er sagte: ‘Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen hingeht, werden sie Buße tun*.’

    31 Aber er sagte ihm: ‘Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn einer von den Toten aufsteht.’“

 

17 1 Zu seinen Jüngern ‹gerichtet› sagte er: „Es ist ausgeschlossen, dass Fallstricke[792] nicht kommen. Wehe aber dem, durch den sie kommen. 2 Zuträglicher ist es ihm, wenn ein Eselsmühlstein[793] um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen wird, als dass er einem dieser Kleinen einen Fallstrick lege[794].

    3 Habt ‹stets› Acht auf euch selbst! Wenn aber dein Bruder gegen dich sündigt, rede ihm mit Ernst zu, und wenn er Buße tut[795], vergib ihm. 4 Und wenn er sieben Mal am Tage gegen dich sündigt und sieben Mal am Tage zu dir umkehrt und sagt: ‘Ich tue Buße’, sollst* du ihm vergeben.“

 

5 Und die Apostel sagten zum Herrn: „Füge uns mehr Glauben hinzu.“

    6 Aber der Herr sagte: „Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaum sagen: ‘Werde entwurzelt und gepflanzt im Meer!’ Und er würde euch gehorchen[796].“

 

7 „Wer von euch, der einen leibeigenen Knecht hat, der pflügt oder Hirtendienst tut, wird, wenn der vom Felde hereinkommt, sogleich zu ihm sagen: ‘Komm her und lege dich [zu Tisch]?’[797] 8 – sondern wird er nicht zu ihm sagen: ‘Bereite, was ich zum Mahl haben soll, und gürte dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe, und nach diesem sollst du essen und trinken’?

    9 Hat er etwa Dank* für jenen[798] Knecht[799], weil er das ihm Angeordnete tat? Ich meine, nicht.

    10 So auch ihr, wenn ihr alles das, was euch angeordnet war, getan habt, sagt: ‘Wir sind unnütze Knechte: Wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.’“

 

11 Und es geschah, während er nach Jerusalem zog, dass er zwischen Samarien und Galiläa hindurchging. 12 Und als er in ein gewisses Dorf[800] einzog, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die von ferne standen. 13 Und sie erhoben die Stimme:

    „Jesus, Meister,“ sagten sie, „erbarme dich unser!“

    14 Und als er es[801] sah, sagte er zu ihnen: „Geht hin und zeigt euch den Priestern.“

    Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie gereinigt. 15 Aber einer von ihnen, als er sah, dass er geheilt worden war, kehrte zurück und verherrlichte Gott mit großer, ‹lauter› Stimme. 16 Und er fiel aufs Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm. Und der war ein Samariter. 17 Aber Jesus antwortete:

    „Wurden nicht die Zehn gereinigt?“ sagte er. „Die Neun, wo [sind sie]? 18 Wurde keiner gefunden, der zurückkehrte, um Gott Ehre[802] zu geben, als nur dieser, der aus einem anderen Volk [ist]?“

    19 Und er sagte zu ihm: „Stehe auf und gehe hin! Dein Glaube hat dich heil gemacht[803].“

 

20 Und als er von den Pharisäern befragt wurde: „Wann kommt das Königreich Gottes?“ antwortete er ihnen und sagte: „Das Königreich Gottes kommt nicht unter genauer Beobachtung[804], 21 noch wird man sagen: ‘Siehe, hier!’ oder: ‘Siehe, dort!’ – denn – siehe! – das Königreich Gottes ist inmitten von euch[805].“

    22 Aber zu den Jüngern ‹gerichtet› sagte er: „Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen der Tage des Menschensohnes zu sehen, und ihr werdet [ihn] nicht sehen.

    23 Und sie werden zu euch sagen: ‘Siehe, hier!’ oder: ‘Siehe, dort!’

    Geht nicht hin; lauft auch nicht nach; 24 denn gleichwie der Blitz, der blitzend leuchtet von dem einen [Ende] unter dem Himmel bis zum anderen [Ende] unter dem Himmel, so wird auch der Sohn des Menschen sein an seinem Tage. 25 Zuerst muss er aber vieles leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht.

    26 Und so, wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein: 27 Sie aßen; sie tranken; sie heirateten; sie wurden verheiratet – bis zu dem Tage, an dem Noah in die Arche ging. Und es kam die Flut und brachte alle um.

    28 Gleicherweise auch [wird es sein], wie es geschah in den Tagen Lots: Sie aßen. Sie tranken. Sie kauften. Sie verkauften. Sie pflanzten. Sie bauten. 29 Aber an dem Tage, an dem Lot aus Sodom wegging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte alle um.

    30 Genauso wird es sein an dem Tage, an dem der Sohn des Menschen geoffenbart* wird. 31 An jenem Tage° – wer auf dem Dach sein wird und seine Sachen im Hause hat, steige nicht hinab, sie zu holen. Und der auf dem Felde kehre gleicherweise nicht zurück[806]. 32 Denkt an Lots Frau! 33 Wer irgend seine Seele[807] zu retten ‹und zu bewahren› sucht, wird sie verlieren. Und wer irgend sie verliert, wird ihr das Leben verleihen[808].

    34 Ich sage euch: In dieser Nacht werden zwei auf einem Bett sein. Der eine wird mitgenommen werden, und der andere wird gelassen werden. 35 Zwei werden an derselben [Stelle] am Mahlen sein. Die eine wird mitgenommen werden, und die andere wird gelassen werden.“

    36 Und[809] sie antworten und sagen zu ihm: „Wo, Herr?“

    Er sagte zu ihnen: „Wo der °Leib ist, da werden sich die °Geier sammeln.“

 

18 1 Er sagte ihnen auch ein Gleichnis dahingehend, dass man allezeit beten und nicht ermatten solle:

    Er sagte: 2 „In einer Stadt war ein Richter, der Gott nicht fürchtete und sich vor keinem Menschen scheute.

    3 In jener Stadt war eine Witwe, und sie kam ‹wiederholt› hin zu ihm und sagte: ‘Schaffe mir Recht gegenüber meinem Rechtsgegner.’

    4 Und eine Zeitlang wollte er nicht.

    Mit ‹der Zeit›[810] sagte er aber bei sich selbst: ‘Wenn ich auch Gott nicht fürchte und mich vor einem Menschen nicht scheue, 5 – weil mir diese Witwe Mühe bereitet, werde ich ihr doch Recht verschaffen, damit sie nicht unablässig komme und mich fertig mache[811].’“

    6 Der Herr sagte: „Hört, was der ungerechte Richter sagt! 7 Wird Gott aber ‹wirklich› nicht das Recht seiner Erwählten ausführen, die Tag und Nacht zu ihm rufen, auch wenn er dabei mit ihnen[812] lange zuwartet[813]? 8 Ich sage euch: Er wird ihr Recht mit Schnelligkeit ausführen. Doch wird dann bei seinem Kommen der Sohn des Menschen auf der Erde den Glauben finden?“

 

9 Er ‹richtete sich› aber auch an einige, die das Vertrauen auf sich selbst gesetzt hatten, dass sie gerecht seien, und die übrigen verachteten, und sagte dieses Gleichnis:

    10 „Zwei Menschen gingen hinauf in die Tempelstätte zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Zolleinnehmer.

    11 Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich selbst dieses: ‘Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zolleinnehmer. 12 Ich faste zweimal in der Woche. Ich verzehnte alles, soviel ich bekomme.’

    13 Und der Zolleinnehmer stand von ferne und wollte nicht einmal die Augen zum Himmel aufheben, sondern schlug an seine Brust und sagte: ‘Gott, werde mir, dem Sünder, versühnt[814]!’

    14 Ich sage euch: Es ging dieser gerechtfertigt in sein Haus hinab, im Gegensatz zu jenem; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, aber wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

 

15 Sie brachten auch die Kleinkinder[815] zu ihm herzu, damit er sie anrühre. Aber als die Jünger es sahen, schalten sie sie.

    16 Aber Jesus rief sie[816] herbei und sagte[817]: „Lasst die Kindlein zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solcher[818] ist das Königreich Gottes. 17 Wahrlich! Ich sage euch: Wer irgend das Königreich Gottes nicht annimmt wie ein kleines Kind, wird keinesfalls in dasselbe eingehen.“

 

18 Und es befragte ihn ein gewisser Oberster:

    „Guter Lehrer,“ sagte er, „was [soll] ich getan haben[819], um ewiges Leben zu erben?“[820]

    19 Jesus sagte zu ihm: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer, Gott. 20 Die Gebote weißt du: Du sollst nicht Ehebruch begehen. Du sollst nicht morden. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsches Zeugnis geben. Ehre ‹stets› deinen Vater und deine Mutter.“ {2M 20,12ff}

    21 Er sagte: „In Bezug auf dieses alles hütete ich mich von meiner Jugend an.“

    22 Als Jesus das hörte, sagte er zu ihm: „Eines fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du nur hast, und verteile es [den] Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm her. Folge mir.“

    23 Als er das hörte, wurde er sehr, sehr betrübt, denn er war sehr reich.

    24 Als Jesus sah, dass er sehr, sehr betrübt geworden war, sagte er: „Wie schwer werden die, die Gelder haben, in das Königreich Gottes eingehen! 25 – denn es ist leichter, dass ein Kamel durch das Öhr einer Nadel eingehe, als dass ein Reicher in das Königreich Gottes eingehe.“

    26 Es sagten aber die, die es hörten: „Und wer vermag es [dann], gerettet zu werden?“

    27 Er sagte: „Was bei Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott.“

    28 Und Petrus sagte: „Siehe! Wir verließen alles und folgten dir.“

    29 Er sagte zu ihnen: „Wahrlich! Ich sage euch: Es gibt nicht einen, der verließ Haus oder Eltern oder Brüder oder Frau oder Kinder des Königreiches Gottes wegen, 30 der nicht auf jeden Fall Vielfältiges wiederempfinge in dieser Zeit und in der kommenden Weltzeit ewiges Leben.“

 

31 Er nahm die Zwölf zu sich, ‹richtete sich an sie› und sagte: „Siehe! Wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles ausgeführt werden, was durch die Propheten vom Sohn des Menschen geschrieben ist, 32 denn er wird denen von den Völkern ausgeliefert werden und wird verspottet und ‹in übermütiger Weise› misshandelt und angespuckt werden. 33 Und sie werden ihn geißeln und töten. Und am dritten Tage wird er auferstehen.“

    34 Und sie verstanden nichts von diesem, und es war dieses Wort* vor ihnen verborgen, und sie [er]kannten das Gesagte nicht.

 

35 Es geschah, während er sich Jericho nahte: Ein Blinder saß bettelnd am Wege. 36 Als er eine Menge durchziehen hörte, erkundigte er sich, was das sei. 37 Sie gaben ihm Bericht, dass Jesus, der Nazarener, vorübergehe.

    38 Und er rief: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“

    39 Und die Vorangehenden schalten ihn, dass er schweigen solle.

    Aber er schrie viel mehr: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“

    40 Jesus blieb stehen und befahl, dass man ihn zu ihm führe.

    Als er sich genaht hatte, fragte er ihn und sagte: 41 „Was wünschst du, dass ich für dich tue?“

    Er sagte: „Herr, dass ich wieder sehe.“

    42 Und Jesus sagte zu ihm: „Sei wieder sehend! Dein Glaube hat dich heil gemacht[821].“

    43 Und auf der Stelle sah er wieder, und er folgte ihm und verherrlichte Gott. Und das ganze Volk, als es das sah, gab Gott Lob.

 

19 1 Und er ging hinein und zog durch Jericho hindurch. 2 Und – siehe! – [da war] ein Mann, mit Namen Zachäus[822] genannt, und der war ein Oberzolleinnehmer. Und dieser war reich. 3 Und er suchte Jesus zu sehen, wer er sei. Und er konnte nicht vor der Menge, weil er von Gestalt klein war. 4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, damit er ihn sehe, weil jener dort durchziehen sollte.

    5 Und als er an den Ort kam, blickte Jesus auf, sah ihn und sagte zu ihm hin: „Zachäus, eile und steige herab, denn heute muss ich in deinem Hause bleiben!“

    6 Und er stieg eilends herab und nahm ihn auf mit Freude. 7 Und als sie es sahen, murrten sie alle ‹untereinander›:

    „Er ging hinein,“ sagten sie, „um bei einem sündigen Mann zu Gast zu sein[823].“

    8 Aber Zachäus stand und sagte, zum Herrn ‹gewandt›: „Siehe! Die Hälfte meiner Habe, Herr, gebe ich den Armen. Und wenn ich von jemandem etwas erpresste[824], gebe ich es vierfach wieder[825].“

    9 Jesus sagte, zu ihm ‹gewandt›: „Heute widerfuhr diesem Hause Rettung, weil ja auch er ein Sohn Abrahams ist, 10 denn der Sohn des Menschen kam, das Verlorene zu suchen und zu retten.“

 

11 Während sie das noch im Ohr hatten[826], fügte er ein Gleichnis hinzu, weil er nahe bei Jerusalem war und sie meinten, dass unverzüglich das Königreich Gottes im Begriff sei zu erscheinen.

    12 Er sagte also: „Ein Mensch von edler Herkunft zog in ein fernes Land, um für sich ein Königreich in Empfang zu nehmen und zurückzukehren.

    13 Er rief zehn seiner leibeigenen Knechte und gab ihnen zehn Minen[827] und sagte zu ihnen: ‘Handelt[828], bis ich komme.’

    14 Aber seine Bürger hassten ihn und schickten eine Gesandtschaft hinter ihm her und sagten: ‘Wir wollen nicht, dass dieser über uns König sei.’

    15 Und es geschah, als er, nachdem er das Königreich in Empfang genommen hatte, zurückkam, sagte er, man solle diese Knechte[829], denen er das Geld gegeben hatte, zu ihm rufen, damit er erfahre, was jeder erhandelt habe.

    16 Der erste kam herbei und sagte: ‘Herr, deine Mine gewann zehn Minen hinzu.’

    17 Und er sagte zu ihm: ‘Wohl [getan], du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu geworden warst, habe Vollmacht*[830] über zehn Städte.’

    18 Und der zweite kam und sagte: ‘Herr, deine Mine machte fünf Minen.’

    19 Auch zu diesem sagte er [in ähnlicher Weise]: ‘Und du, werde du über fünf Städte [gesetzt].’

    20 Und ein anderer kam und sagte: ‘Herr, sieh – deine Mine, die ich in einem Schweißtuch aufbewahrt hielt; 21 denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mensch bist: Du nimmst, was du nicht hinlegtest, und du erntest, was du nicht sätest.’

    22 Er sagt zu ihm: ‘Aus deinem Munde werde ich dich richten, böser Knecht! Du wusstest: Ich bin ein strenger Mensch, der ich nehme, was ich nicht hinlegte, und ernte, was ich nicht säte. 23 Weshalb gabst du dann nicht mein Geld auf die Bank[831], und ich hätte es bei meinem Kommen mit Zinsen eingefordert?’

    24 Und zu den Dabeistehenden sagte er: ‘Nehmt ihm die Mine ab und gebt sie dem, der die zehn Minen hat’ 25 (und sie sagten zu ihm: ‘Herr, er hat zehn Minen!’), 26 ‘denn ich sage euch: Jedem, der hat, wird gegeben werden, aber von dem, der nicht hat, von ihm wird auch das abgenommen werden, das er hat.

    27 Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie König sei, führt her und macht sie nieder vor mir.’“

 

28 Und nachdem er das gesagt hatte, ging er voraus und zog hinauf nach Jerusalem. 29 Und es geschah, als er sich Bethphage[832] und Bethanien[833] nahte, gegen den Berg hin, genannt der [Berg] ‘der Olivenbäume’, sandte er zwei seiner Jünger 30 und sagte:

    „Geht hin in das Dorf gegenüber, und wenn ihr hinkommt, werdet ihr darin ein Fohlen angebunden finden, auf das noch nie ein Mensch sich setzte. Bindet es los und führt es ‹her›.

    31 Und wenn jemand euch fragt: ‘Weshalb bindet ihr es los?’, werdet[834] ihr zu ihm so sagen: ‘Der Herr bedarf seiner.’“

    32 Die Abgesandten gingen weg und fanden es so, wie er ihnen gesagt hatte.

    33 Als sie das Fohlen los machten, sagten dessen Herren zu ihnen: „Warum bindet ihr das Fohlen los?“

    34 Sie sagten: „Der Herr bedarf seiner.“

    35 Und sie führten es zu Jesus. Und sie warfen ihre Oberkleider auf das Fohlen und setzten Jesus darauf. 36 Während er hinzog, breiteten sie ihre Oberkleider auf dem Wege aus. 37 °Als er [Jerusalem] näherkam, schon gegen den Abhang des Berges der Olivenbäume, fing die ganze Anzahl der Jünger mit Freude und großer, ‹lauter› Stimme an, Gott zu preisen über alle Krafttaten, die sie gesehen hatten:

    38 „Gelobt [sei] der König, der kommt im Namen des Herrn!“ sagten sie. „Friede im Himmel und Herrlichkeit in den höchsten ‹Höhen›!“

    39 Und etliche der Pharisäer aus der Menge richteten sich› an ihn und sagten: „Lehrer, strafe deine Jünger!“

    40 Und er antwortete* und sagte ihnen: „Ich sage euch, wenn diese schweigen, werden die Steine schreien.“

    41 Und als er näherkam und die Stadt sah, weinte er über sie.

    42 Und er sagte: „Wenn doch auch du, und eben an diesem deinem Tage, zur Kenntnis genommen hättest, was zu deinem Frieden [diente]! Nun aber wurde es vor deinen Augen verborgen. 43 Es werden nämlich Tage über dich kommen, da werden deine Feinde einen Wall[835] um dich herumziehen und dich umzingeln und dich von allen Seiten bedrängen 44 und dich zu Boden strecken[836], [dich] und deine Kinder in dir, und sie werden in dir nicht Stein auf Stein lassen, dafür dass du die Zeit deiner Heimsuchung nicht zur Kenntnis nahmst.“

 

45 Und er ging in die Tempelstätte und fing an, die hinauszutreiben, die darin verkauften und kauften, 46 und sagte zu ihnen: „Es ist geschrieben: ‘Mein Haus ist ein Haus des Gebets.’ {Jes 56,7} Aber ihr machtet es zu einer Räuberhöhle!“

 

47 Und er lehrte täglich in der Tempelstätte. Aber die Hohen Priester und die Schriftgelehrten und die Ersten des Volkes suchten ihn umzubringen. 48 Und sie fanden nicht, was sie tun sollten, denn das ganze Volk hing ihm an und hörte [auf ihn][837].

 

20 1 Und es geschah an einem jener Tage, als er das Volk in der Tempelstätte lehrte und gute Botschaft sagte, da traten die Hohen Priester und die Schriftgelehrten zusammen mit den Ältesten herzu 2 und ‹wandten sich› an ihn; sie sagten: „Sage uns, in welcher Autorität tust du diese Dinge? Oder wer ist es, der dir diese Autorität gab?“

    3 Er antwortete und sagte zu ihnen: „Auch ich werde euch ein Wort fragen, und [ihr] sagt es mir: 4 Die Taufe des Johannes, war sie vom Himmel oder von Menschen?“

    5 Sie überlegten, ‹besprachen› miteinander und sagten: „Wenn wir sagen: ‘Vom Himmel’, wird er sagen: ‘Weshalb also glaubtet ihr ihm nicht?’ 6 Wenn wir aber sagen: ‘Von Menschen’, wird uns das ganze Volk steinigen, denn es ist überzeugt, dass Johannes ein Prophet war.“

    7 Und sie antworteten, sie wüssten nicht, woher.

    8 Und Jesus sagte zu ihnen: „Auch ich sage euch nicht, in welcher Autorität ich diese Dinge tue.“

 

9 Aber zum Volk ‹gewandt› fing er an, dieses Gleichnis zu sagen: „Ein gewisser Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Winzer und verreiste für geraume Zeit außer Landes. 10 Und zur bestimmten Zeit sandte er einen leibeigenen Knecht zu den Winzern, damit sie ihm von der Frucht des Weinberges gäben. Aber die Winzer schlugen ihn und sandten ihn leer fort. 11 Und er fuhr fort und schickte einen anderen leibeigenen Knecht. Aber auch den schlugen sie und verunehrten ihn[838] und sandten ihn leer fort. 12 Und er fuhr fort und schickte einen dritten. Aber auch diesen verwundeten sie und warfen ihn hinaus.

    13 Aber der Herr des Weinberges sagte: ‘Was soll ich tun? Ich werde meinen geliebten Sohn schicken. Vielleicht werden sie vor diesem Achtung haben, wenn sie ihn sehen.’

    14 Aber als die Winzer ihn sahen, überlegten sie miteinander und sagten: ‘Dieser ist der Erbe! Auf! Töten wir ihn, damit das Erbe unser werde.’

    15 Und sie warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und töteten [ihn].

    Was wird also der Herr des Weinberges ihnen tun? 16 Er wird kommen und diese Winzer umbringen und wird den Weinberg anderen geben.“

    Als sie es hörten, sagten sie: „Das sei fern!“[839]

    17 Er blickte sie aber an und sagte: „Was ist also dieses, das geschrieben ist: Der Stein, ‘den die Bauenden verwarfen[840], dieser wurde zum Haupt[stein] der Ecke[841]‘? {Ps 118,22.23}

    18 Jeder, der auf jenen Stein fällt, wird zerschmettert werden. Aber auf wen er fällt, den wird er zermalmen.“

    19 Und die Hohen Priester und die Schriftgelehrten suchten zu eben der Stunde, Hand an ihn zu legen – und sie fürchteten das Volk –, denn sie hatten gemerkt, dass er dieses Gleichnis auf sie hin gesagt hatte.

 

20 Und sie beobachteten [ihn] und sandten Auflauernde aus, die heuchelten, dass sie selbst gerecht seien, damit sie ihn bei einem Wort ergriffen, um ihn der Obrigkeit und der Vollmacht* des Statthalters auszuliefern.

    21 Und sie befragten ihn und sagten: „Lehrer, wir wissen, dass du recht redest und lehrst und das Angesicht nicht annimmst[842], sondern in Wahrheit den Weg Gottes lehrst. 22 Ist es uns gestattet, dass wir dem Kaiser Steuer geben, oder nicht?“

    23 Da er aber ihre Verschlagenheit bemerkte, sagte er zu ihnen: „Was versucht ihr mich? 24 Zeigt mir einen Denar[843].“

    „Wessen Bild und Aufschrift hat er?“

    Sie antworteten und sagten: „Des Kaisers.“

    25 Er sagte zu ihnen: „Demnach gebt dem Kaiser ab, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“

    26 Und sie waren nicht imstande, ihn bei einem Wort*, ‹das er› vor dem Volk ‹sprach›, zu ergreifen, und sie schwiegen, verwundert über seine Antwort.

 

27 Es kamen etliche Sadduzäer herzu. Die leugnen, dass es eine Auferstehung gebe. Sie befragten ihn:

    28 „Lehrer,“ sagten sie, „Mose schrieb uns, wenn jemandes Bruder, der eine Frau hätte, sterben sollte (und ‹zwar› dieser kinderlos sterben sollte), dass sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Samen erwecken[844] solle.

    29 Es waren also sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau und starb kinderlos. 30 Und der zweite nahm die Frau, und dieser starb kinderlos. 31 Und der dritte nahm sie. Ebenso [war es] auch ‹bei› den sieben [allen]: Sie hinterließen nicht Kinder und starben. 32 Hernach, ‹nach› allen, starb auch die Frau. 33 In der Auferstehung also, wessen Frau unter ihnen wird sie? – denn die sieben hatten sie zur Frau.“

    34 Jesus antwortete und sagte ihnen: „Die Söhne dieser Weltzeit heiraten und werden verheiratet; 35 aber die, die gewürdigt wurden, jene Weltzeit und die Auferstehung von den Toten zu erlangen, heiraten nicht, noch werden sie verheiratet, 36 denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind engelgleich, und sie sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind.

    37 Aber dass die Toten erweckt werden, zeigte auch Mose an beim Dornstrauch, wie er den Herrn den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs benennt. 38 Er ist aber nicht Gott von Toten, sondern von Lebenden, denn alle leben ihm.“

    39 Etliche von den Schriftgelehrten antworteten* und sagten: „Lehrer, [das] sagtest du trefflich.“

    40 Und sie wagten nicht mehr, ihn [mit] irgendetwas zu befragen.

 

41 Aber er ‹richtete sich› an sie und sagte: „Wie sagen sie: ‘Der Gesalbte* ist Davids Sohn’ 42 – und David selbst sagt im Buch der Psalmen:

    ‘Es sagte der Herr[845] zu meinem Herrn[846]: Sitze zu meiner Rechten, 43 bis ich deine Feinde lege[847] zum Schemel deiner Füße.’ {Ps 110,1} 44 David nennt ihn also ‘Herr’. Und wie ist er sein Sohn?“

 

45 Während das ganze Volk zuhörte, sagte er zu seinen Jüngern: 46 „Nehmt euch ‹stets› in Acht vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen wollen und Begrüßungen auf den Marktplätzen gerne haben und erste Sitze in den Synagogen und erste Plätze bei den Gastmählern, 47 die die Häuser der Witwen verzehren und zum Vorwand[848] lange beten. Diese werden ein schwereres Gericht[849] empfangen.“

 

21 1 Als er aufblickte, sah er die Reichen ihre Gaben in den Schatzkasten einlegen. 2 Er sah aber auch eine bedürftige Witwe zwei Lepta[850] dort einlegen.

    3 Und er sagte: „Ich sage euch in Wahrheit: Diese arme Witwe legte mehr ein als alle; 4 denn alle diese legten von ihrem Überfluss[851] zu den Gottesgaben ein, aber diese legte aus ihrer Armut ein – den ganzen Lebensunterhalt, den sie hatte[852].“

 

5 Und als etliche von der Tempelstätte sagten, dass sie mit edlen Steinen und Weihgeschenken geschmückt sei, sagte er: 6 „Diese Dinge, die ihr ‹seht und› beschaut – es werden Tage kommen, an denen nicht gelassen werden wird Stein auf Stein, der nicht abgebrochen werden wird.“

    7 Da befragten sie ihn und sagten: „Lehrer, wann wird das[853] also sein? Und was ist das Zeichen, wann dieses im Begriff ist zu geschehen?“

    8 Er sagte: „Seht ‹stets› zu, dass ihr nicht irregeführt werdet, denn viele werden kommen ‹unter Berufung› auf meinen Namen[854] und sagen: ‘Ich bin es.’ und: ‘Der Zeitpunkt ist nahe gekommen.’

    Geht ihnen also nicht nach! 9 Wenn ihr aber von Kriegen und von Unordnungen ‹und Unruhen› hören werdet, lasst euch nicht erschrecken, denn es muss dieses zuerst geschehen. Jedoch ist das Ende nicht sogleich.“

    10 Dann sagte er ihnen: „Es wird aufstehen Volk gegen Volk und Königreich gegen Königreich. 11 Auch große Beben an ‹verschiedenen› Orten und Hungersnöte und Seuchen werden sein. Auch Schreckensereignisse und große Zeichen vom Himmel wird es geben.[855]

    12 Aber vor diesem allem werden sie ihre Hände an euch legen und [euch] verfolgen: Sie werden euch an Synagogen und Gefängnisse ausliefern und vor Könige und Statthalter führen wegen meines Namens. 13 Es wird euch aber zu einem Zeugnis ausschlagen. 14 Setzt ‹es euch› also in eure Herzen hinein[856], nicht im Voraus in Sorge zu sein, [wie ihr] euch verteidigen [sollt][857], 15 denn ich werde euch geben Mund und Weisheit, der alle eure Gegner[858] nicht werden widersprechen noch widerstehen können. 16 Ihr werdet aber sogar von Eltern und Brüdern und Verwandten und Freunden ausgeliefert werden. Und sie werden [etliche] von euch zu Tode bringen. 17 Und ihr werdet gehasst sein bei allen wegen meines Namens. 18 Und gar kein Haar von eurem Haupt soll umkommen! 19 Durch eure Ausdauer gewinnt eure Seelen[859].

 

20 Wenn ihr aber Jerusalem von Heerestruppen umringt seht, dann habt Kenntnis, dass ihre Verwüstung nahe gekommen ist. 21 Dann sollen die in Judäa in Richtung der Berge fliehen und die in ihrer[860] Mitte daraus entweichen, und die auf dem Lande sollen nicht in sie[861] hineingehen, 22 weil das Tage der Vergeltung sind, damit erfüllt werde alles, was geschrieben ist.

    23 Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen, denn es wird große Not sein im Lande und Zorn in diesem Volk. 24 Und sie werden fallen durch die Schärfe[862] des Schwertes und gefangen geführt werden zu den Völkern allen. Und Jerusalem wird getreten werden von denen, die von den Völkern sind, bis die Zeiten der Völker erfüllt sein werden.

 

25 Und es werden Zeichen an Sonne und Mond und an Sternen sein, und auf der Erde ‹wird› Angst der Völker ‹sein› in Ratlosigkeit bei Brausen des Meeres und [wildem] Gewoge[863], 26 wobei den Menschen die Seele[864] ausgeht[865] vor Furcht und ‹gespannter› Erwartung dessen, das über das Weltreich kommt; denn die Kräfte der Himmel werden ins Schwanken versetzt[866] werden.

    27 Und dann werden sie den Sohn des Menschen sehen, in einer Wolke kommend mit viel Kraft und Herrlichkeit.

    28 Wenn dieses anfängt zu geschehen, richtet euch auf und hebt eure Häupter empor, weil sich eure Erlösung naht.“

 

29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: „Seht den Feigenbaum und alle Bäume. 30 Wenn sie schon ausgeschlagen haben, merkt ihr von selbst, wenn ihr zuseht, dass der Sommer schon nahe ist. 31 So merkt auch ihr, wenn ihr dieses geschehen seht, dass das Königreich Gottes nahe ist. 32 Wahrlich! Ich sage euch: Auf keinen Fall wird dieses °Geschlecht vergehen[867], bis alles geschehen sein wird. 33 Der Himmel und die Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen auf keinen Fall[868].

    34 Habt aber ‹stets› Acht auf euch selbst, damit eure Herzen nicht beschwert werden durch Rausch[869] und Trunkenheit und Sorgen des ‹irdischen› Lebens und jener Tag plötzlich über euch komme[870], 35 denn wie eine Schlinge wird er kommen über alle, die auf dem Angesicht[871] der ganzen Erde ansässig sind. 36 Wacht also zu jeder Zeit! – flehend, damit ihr würdig geachtet werdet, diesem allem, das zu geschehen im Begriff ist, zu entfliehen und euch vor den Sohn des Menschen zu stellen ‹und vor ihm zu stehen›.“

 

37 Tagsüber war er in der Tempelstätte, lehrend, und nachts ging er hinaus und übernachtete an dem Berg, genannt [Berg] ‘der Olivenbäume’. 38 Und das ganze Volk machte sich frühmorgens auf zu ihm hin, um ihn in der Tempelstätte zu hören.

 

22 1 Es nahte das Fest der ungesäuerten [Brote][872], das Passa genannt wird. 2 Und die Hohen Priester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn umbringen könnten, denn sie fürchteten das Volk. 3 Aber der Satan fuhr hinein in Judas, der zusätzlich Iskariot genannt wurde, der von der Zahl der Zwölf war. 4 Und er ging weg und besprach mit den Hohen Priestern und den ‹Tempel›hauptleuten[873], wie er ihn an sie ‹verraten und› ausliefern würde. 5 Und sie freuten sich und kamen überein, ihm Geld zu geben. 6 Und er war einverstanden und suchte eine gelegene Zeit, ihn an sie ‹zu verraten und› auszuliefern abseits der Menge.

 

7 Es kam derjenige Tag der ungesäuerten [Brote], an dem das Passa geschlachtet werden musste.

    8 Und er sandte Petrus und Johannes und sagte: „Geht hin. Bereitet uns das Passa vor, damit wir essen mögen.“

    9 Sie sagten zu ihm: „Wo willst du, dass wir es vorbereiten?“

    10 Er sagte zu ihnen: „Siehe! Wenn ihr in die Stadt hineingeht, wird euch ein Mann* begegnen, der einen Tonkrug mit Wasser trägt. Folgt ihm in das Haus, wo er hineingeht.

    11 Und ihr sollt* dem Hausherrn des Hauses sagen: ‘Der Lehrer sagt dir: Wo ist das Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passa essen mag?’

    12 Und jener wird euch einen großen, mit Polstern belegten Obersaal[874] zeigen. Dort bereitet es vor.“

    13 Sie gingen weg und fanden es so, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passa vor.

 

14 Und als die Stunde kam, legte er sich [zu Tisch] – und die zwölf Apostel [legten sich] zusammen mit ihm [zu Tisch].

    15 Und er ‹wandte sich› an sie und sagte: „Mit ‹großer› Sehnsucht begehrte ich[875], dieses Passa mit euch zu essen, bevor ich leide, 16 denn ich sage euch: Ich werde davon auf keinen Fall mehr essen, bis dass es erfüllt sein wird im Königreich Gottes.“

    17 Und er nahm einen Becher in Empfang, dankte und sagte: „Nehmt diesen und teilt ihn unter euch 18 – denn ich sage euch: Ich werde auf keinen Fall von dem Erzeugnis des Weinstocks trinken, bis dass das Königreich Gottes gekommen ist.“

    19 Und er nahm Brot, dankte, brach und gab ihnen und sagte: „Dieses ist mein[876] Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedenken[877]!“ 20 Ebenso [nahm er] auch den Becher nach dem Mahl und sagte: „Dieser Becher ist der neue Bund[878] in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

    21 Doch – siehe! – die Hand dessen, der mich ‹verrät und› ausliefert, ist mit mir auf dem Tisch. 22 Und in der Tat, der Sohn des Menschen geht hin, gemäß dem, das bestimmt ist. Doch wehe jenem Menschen, durch den er ‹verraten und› ausgeliefert wird!“

    23 Und sie fingen an, bei sich selbst zu disputieren, wer von ihnen es dann wohl sein möge, der im Begriff sei dieses auszuführen.

 

24 Es entstand unter ihnen auch ein Wettstreit im Hinblick darauf, wer von ihnen für größer gelte[879].

    25 Aber er sagte ihnen: „Die Könige der Völker sind Herren über sie, und die, die über sie Autorität ausüben, werden Wohltäter genannt. 26 [Seid] ihr aber nicht so, sondern der Größere unter euch werde wie der Jüngere und der Führende wie der Dienende; 27 denn wer ist größer: der [zu Tisch] Liegende oder der Dienende? Nicht der [zu Tisch] Liegende? Ich bin aber in eurer Mitte wie der Dienende.

    28 Ihr seid es aber, die durch [alles] mit mir geblieben sind in meinen Versuchungen[880]. 29 Und ich vermache euch, so wie mir mein Vater vermachte, ein Königreich, 30 damit ihr esst und trinkt an meinem Tisch in meinem Königreich und sitzt auf Thronen und richtet[881] die zwölf Stämme Israels.“

 

31 Und der Herr sagte: „Simon, Simon, siehe! Der Satan bat sich euch aus, um [euch] zu schütteln wie den Weizen. 32 Ich aber flehte für dich, damit dein Glaube nicht zu Ende gehe[882]. Und du, nachdem du einst umgekehrt bist, festige deine Brüder.“

    33 Aber er sagte zu ihm: „Herr, mit dir bin ich bereit, auch ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.“

    34 Er sagte: „Ich sage dir, Petrus: [Der] Hahn wird heute keinesfalls krähen[883], ehe du dreimal verleugnen wirst, mich zu kennen.“

 

35 Und er sagte zu ihnen: „Als ich euch sandte ohne Beutel und Tasche und Schuhe, littet ihr an etwas Mangel?“

    Sie sagten: „An nichts.“

    36 Er sagte also zu ihnen: „Jedoch nun: Wer einen Beutel hat, nehme ihn, gleicherweise auch eine Tasche, und wer nicht hat, verkaufe sein Oberkleid und kaufe ein Schwert, 37 denn ich sage euch, dass noch dieses, das geschrieben ist, an mir ausgeführt werden muss: ‘Und er wurde unter die Gesetzlosen[884] gerechnet’ {Jes 53,12}; – denn auch das, was mich betrifft, hat ein ‹Ziel und› Ende.“

    38 Sie sagten: „Herr, siehe! Hier sind zwei Schwerter.“

    Aber er sagte ihnen: „Es ist genug.“

 

39 Und er ging hinaus, und nach der Gewohnheit zog er hin zum Berg der Olivenbäume. Es folgten ihm auch seine Jünger.

    40 Als er an den Ort gekommen war, sagte er zu ihnen: „Betet ‹anhaltend›, um nicht in Versuchung hineinzugeraten.“

    41 Und er riss sich von ihnen los, etwa einen Steinwurf [weit], und beugte die Knie und betete:

    42 „Vater!“ sagte er. „Wenn es dein Wille ist, diesen Becher an mir vorüberzuführen –. Doch nicht mein Wille[885], sondern der deine geschehe!“

    43 °Da erschien ihm ein Bote* vom Himmel, der ihn stärkte. 44 Und als er in Angst ‹und Ringen› geriet, betete er inbrünstiger. Es wurde sein Schweiß wie große Blutstropfen, die auf die Erde niederfielen.°

    45 Und er stand auf von dem Gebet, kam hin zu den Jüngern und fand sie schlafend vor Betrübnis.

    46 Und er sagte zu ihnen: „Was schlaft ihr? Steht auf und betet[886], damit[887] ihr nicht in Versuchung hineingeratet!“

 

47 Während er noch redete, – siehe! – eine Menge; und der, der Judas hieß, einer von den Zwölfen, ging ihnen voran. Und er nahte sich Jesus, ihn zu küssen.

    48 Jesus sagte zu ihm: „Judas, lieferst du den Sohn des Menschen aus[888] mit einem Kuss?“

    49 Als die, welche um ihn [waren], sahen, was werden würde, sagten sie zu ihm: „Herr, ob wir mit dem Schwert zuschlagen sollen*?“

    50 Und einer, jemand von ihnen, schlug den leibeigenen Knecht des Hohen Priesters und hieb ihm das rechte Ohr ab.

    51 Aber Jesus antwortete* und sagte: „Lasst sie so weit [machen]!“[889]

    Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.

    52 Jesus sagte zu denen, die gegen ihn hergekommen waren, den Hohen Priestern und Hauptleuten[890] der Tempelstätte und Ältesten: „Wie gegen einen Räuber seid ihr ausgegangen, mit Schwertern und Stöcken.[891] 53 Als ich täglich bei euch in der Tempelstätte war, strecktet ihr nicht die Hände aus gegen mich. Aber dieses ist eure Stunde und die Vollmacht* der Finsternis.“

    54 Sie nahmen ihn fest und führten ihn ab. Und sie führten ihn hinein in das Haus des Hohen Priesters.

 

Aber Petrus folgte von ferne. 55 Nachdem sie in der Mitte des Hofes ein Feuer angezündet und sich zusammengesetzt hatten, setzte sich Petrus mitten unter sie.

    56 Aber eine gewisse Magd sah ihn im Licht[892] sitzen und sah ihn unverwandt an und sagte: „Auch dieser war bei ihm.“

    57 Aber er verleugnete ihn:

    „Frau,“ sagte er, „ich weiß nicht um ihn, ‹kenne ihn nicht›!“[893]

    58 Und nach kurzem sah ihn ‹jemand› anderer und sagte: „Auch du bist [einer] von ihnen.“

    Aber Petrus sagte: „Mensch, ich bin’s nicht!“

    59 Und nach Verlauf von etwa einer Stunde[894] behauptete ‹jemand› anderer fest und steif:

    „In Wahrheit,“ sagte er, „auch dieser war bei ihm, denn er ist auch ein Galiläer.“

    60 Aber Petrus sagte: „Mensch, ich weiß nicht, was du sagst!“

    Und auf der Stelle[895], während er noch redete, krähte der Hahn.

    61 Und der Herr wandte sich um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das Wort des Herrn, wie er ihm gesagt hatte: „Ehe [der] Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“

    62 Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

 

63 Und die Männer, die Jesus in Haft hielten, verspotteten und schlugen ihn. 64 Und sie verhüllten ihn und schlugen ihn ins Angesicht und befragten ihn:

    „Weissage,“ sagten sie, „wer ist’s, der dich schlug?“

    65 Und vieles andere sagten sie lästernd gegen ihn.

 

66 Und wie es Tag wurde, wurde die Ältestenschaft des Volkes versammelt, sowohl Hohe Priester als auch Schriftgelehrte, und sie führten ihn hinauf in ihren Hohen Rat*.

    67 Sie sagten: „Wenn du der Gesalbte[896] bist, sage es uns.“

    Er sagte zu ihnen: „Wenn ich es euch sage, werdet ihr mir keinesfalls glauben. 68 Wenn ich aber auch frage, antwortet ihr mir keinesfalls noch gebt ihr [mich] frei. 69 Von nun[897] an wird der Sohn des Menschen sitzen[898] zur Rechten der Kraft Gottes.“

    70 Sie sagten alle: „Du bist also der Sohn Gottes?“

    Er sagte zu ihnen: „Ihr sagt es, dass ich es bin.“

    71 Sie sagten: „Was brauchen wir noch Zeugnis? – denn wir selbst haben es aus seinem Munde gehört!“

 

23 1 Und die ganze Anzahl von ihnen stand auf und führte ihn zu Pilatus.

    2 Und sie fingen an, ihn zu verklagen, und sagten: „Diesen fanden wir als einen, der das Volk abkehrt und wehrt, dem Kaiser Steuer zu geben, wobei er sagt, er selbst sei der Gesalbte*, ein König.“

    3 Pilatus befragte ihn und sagte: „Bist du der König der Juden?“

    Er antwortete ihm und sagte: „Du sagst es.“

    4 Pilatus ‹richtete sich› an die Hohen Priester und die Mengen und sagte: „Ich finde keine Ursache ‹für eine Verurteilung› an diesem Menschen.“

    5 Aber sie wurden stärker und sagten: „Er wiegelt das Volk auf und lehrt durch ganz Judäa hin, angefangen von Galiläa bis hierher.“

    6 Als Pilatus „Galiläa“ hörte, fragte er [sie], ob der Mensch ein Galiläer sei. 7 Und als er vernahm, dass er aus dem Regierungsbereich des Herodes sei, schickte er ihn hin zu Herodes, der auch selbst während dieser Tage in Jerusalem war.

 

8 Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah, denn er wünschte schon seit geraumer [Zeit], ihn zu sehen, weil er vieles über ihn gehört hatte, und er hoffte, irgendein Zeichen durch ihn geschehen zu sehen. 9 Er befragte ihn mit vielen Worten, aber er antwortete ihm nichts.

    10 Da standen die Hohen Priester und die Schriftgelehrten auf. Mit anhaltender Nachdrücklichkeit klagten sie ihn an. 11 Nachdem Herodes mit seinen Kriegsleuten ihn geringschätzig behandelt und verspottet hatte, warf er ihm ein prächtiges Gewand um und schickte ihn dem Pilatus zurück. 12 An demselben Tage wurden Pilatus und Herodes Freunde miteinander; denn vorher waren sie in Feindschaft gegeneinander.

 

13 Pilatus rief die Hohen Priester und die Obersten und das Volk zusammen 14 und sagte, zu ihnen ‹gewandt›: „Ihr brachtet mir diesen Menschen als einen, der das Volk abwendig mache; und – siehe! – ich selbst verhörte ihn vor euch und fand an diesem Menschen keine Ursache ‹für eine Verurteilung›, deretwegen ihr ihn anklagt; 15 aber auch Herodes nicht, denn ich schickte euch zu ihm hin, und – siehe! – nichts des Todes Würdiges ist von ihm verübt. 16 Also werde ich ihn züchtigen und freigeben.“ 17 °Jeweils am Fest war er genötigt, ihnen einen freizugeben.

    18 Aber sie schrien als gesamte Masse auf und sagten: „Schaff diesen weg und gib uns Barabbas frei!“ 19 – welcher wegen eines in der Stadt geschehenen Aufruhrs und wegen Mordes ins Gefängnis geworfen war.

    20 Also rief Pilatus [ihnen] wiederum zu, in dem Wunsch Jesus freizugeben. 21 Aber sie riefen ihm zu:

    „Kreuzige! Kreuzige ihn!“ sagten sie.

    22 Ein drittes Mal sprach er zu ihnen: „Was tat dieser denn Übles? Ich fand keine des Todes würdige Ursache an ihm. Nachdem ich ihn also gezüchtigt habe, werde ich ihn freigeben.“

    23 Aber sie setzten ihm zu mit lauten Stimmen und forderten, dass er gekreuzigt werde. Und ihre und der Hohen Priester Stimmen drangen durch[899].

    24 Da entschied Pilatus, dass ihre Forderung geschehe. 25 Und er gab ihnen den wegen Aufruhrs und Mordes ins Gefängnis Geworfenen frei, den sie ‹sich› forderten. Aber Jesus übergab er ihrem Willen.

 

26 Und wie sie ihn abführten, ergriffen sie einen gewissen Simon von Kyrene, der [gerade] von einer ländlichen Gegend[900] kam, und legten ihm das Kreuz auf, es Jesus nachzutragen. 27 Es folgte ihm eine große Menge des Volkes und [eine große Anzahl] von Frauen, die sich auch ‹immer wieder› [an die Brust] schlugen und um ihn klagten.

    28 Aber Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: „Töchter Jerusalems, weint nicht über mich. Doch weint ‹und weint›[901] über euch selbst und über eure Kinder, 29 weil – siehe! – Tage kommen, an denen man sagen wird: ‘Selige [sind] die Unfruchtbaren und [die Mutter]schöße, die nicht gebaren, und [die] Brüste, die nicht stillten!’

    30 Dann werden sie anfangen, zu den Bergen zu sagen: ‘Fallt über uns!’ und zu den Hügeln: ‘Deckt uns!’, 31 denn wenn man dieses am grünen[902] Holz tut, was wird am dürren werden?“

    32 Zusammen mit ihm wurden auch andere zwei, Übeltäter, abgeführt, um umgebracht zu werden. 33 Und als sie weggegangen waren, ‹hin› zu der Stätte, die ‘Schädel’ genannt wird, kreuzigten sie dort ihn und die Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken.

    34 °Aber Jesus sagte[903]: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“°

    Aber sie warfen ein Los und verteilten [unter] sich seine Oberkleider.

    35 Und das Volk stand und schaute zu.

    Zusammen mit ihnen spotteten auch die Obersten und sagten: „Andere rettete er. Er rette sich selbst, wenn dieser der Gesalbte* ist, der Erwählte Gottes!“

    36 Auch die Soldaten verspotteten ihn, kamen herbei und brachten ihm sauren Wein 37 und sagten: „Wenn du der König der Juden bist, rette dich selbst!“

    38 Es stand auch eine Aufschrift über ihm geschrieben in griechischer, römischer[904] und hebräischer Schrift: „Dieser ist der König der Juden.“

    39 Einer der gehenkten Übeltäter lästerte ihn[905]: „Wenn du der Gesalbte bist, rette dich selbst und uns!“

    40 Aber der andere antwortete und strafte ihn mit den Worten: „Nicht einmal du fürchtest Gott, weil du ‹ja› in demselben Gericht[906] bist? 41 wir allerdings gerechterweise[907], ja, denn wir empfangen das zurück, was würdig ist dessen, was wir verübten. Aber dieser verübte nichts Unziemliches[908].“

    42 Und er sagte zu Jesus: „Gedenke meiner, Herr, wenn[909] du kommst in deinem Königreich!“

    43 Und Jesus sagte ihm: „Wahrlich! Ich sage dir: °Heute wirst du bei mir im Paradiese sein.“

    44 Und es war etwa[910] die sechste Stunde. Und es entstand Finsternis über die ganze °Erde bis zur neunten Stunde, 45 und die Sonne wurde verfinstert. Und der Vorhang des Tempelheiligtums wurde in der Mitte zerrissen.

    46 Und nachdem Jesus mit großer, ‹lauter› Stimme gerufen hatte, sagte er: „Vater, in deine Hände werde ich meinen Geist übergeben.“

    Und als er dieses gesagt hatte, hauchte er aus[911].

 

47 Aber als der Hauptmann sah, was geschehen war, verherrlichte er Gott und sagte: „Wirklich, dieser Mensch war gerecht.“

    48 Und alle zu diesem Schaustück zusammengekommenen Mengen schlugen sich selbst an die Brust, als sie zuschauten ‹und sahen›, was geschehen war. Und sie kehrten[912] zurück.

    49 Es standen aber alle seine Bekannten fernab, auch die Frauen, die zusammen von Galiläa her ihm gefolgt waren, und sahen das.

 

50 Und – siehe! – ein Mann namens Joseph, der ein Ratsherr war, ein guter und gerechter Mann 51 (dieser hatte ihrem Entschluss und Tun nicht beigestimmt), von Arimathäa, einer Stadt der Juden, und der auch selbst auf das Königreich Gottes wartete, 52 dieser ging hin zu Pilatus und erbat sich den Leib Jesu. 53 Und er nahm ihn ab und wickelte ihn ein in Leinentuch und legte ihn in ein steingehauenes Grab, wo noch nie jemand gelegen war. 54 Und es war Rüsttag[913], und der Sabbat wollte anbrechen.

    55 Auch Frauen, welche mit ihm aus Galiläa gekommen waren, waren gefolgt und beschauten das Grab und wie sein Leib gelegt wurde.

    56 Als sie zurückgekehrt waren, bereiteten sie Gewürze[914] zu und Salben. Und am Sabbat waren sie still nach dem Gebot.

 

24 1 Aber an dem ersten Tage der Woche, sehr früh am Morgen, kamen sie zum Grab und brachten die Gewürze, die sie zubereitet hatten, [sie] und etliche zusammen mit ihnen. 2 Sie fanden aber den Stein weggewälzt vom Grab. 3 Und als sie hineingingen, fanden sie den Leib des Herrn Jesus nicht. 4 Und es geschah, während sie hierüber in Verlegenheit waren, – siehe! – da traten zwei Männer zu ihnen in strahlenden[915] Gewändern.

    5 Als sie aber in Furcht gerieten und das Angesicht zur Erde neigten, sagten sie zu ihnen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 6 °Er ist nicht hier, sondern er wurde erweckt.° Gedenkt, wie er zu euch redete, als er noch in Galiläa war, 7 als er sagte, dass der Sohn des Menschen ausgeliefert werden müsse in die Hände von sündigen Menschen und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.“

    8 Und sie dachten an seine Worte*.

    9 Und sie, zurückgekehrt vom Grab, gaben von diesem allem den Elfen Bericht und den übrigen allen. 10 Es waren Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus [Mutter], und die übrigen mit ihnen, die dieses zu den Aposteln sagten. 11 Und ihre Worte* erschienen vor ihnen wie ein Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.

    12 Aber Petrus stand auf und lief zum Grab. Und er beugt sich vor und sieht die Leinenbinden alleine[916] liegen. Und sich verwundernd über das, was geschehen war, ging er weg und hin zu dem Seinigen[917].[918]

 

13 Und – siehe – zwei von ihnen waren am selben Tage unterwegs in ein Dorf, das sechzig Stadien[919] von Jerusalem entfernt lag, mit Namen Emma-us. 14 Und sie unterhielten sich miteinander über dieses alles, das sich zugetragen hatte. 15 Und es geschah, während sie sich unterhielten und sich aussprachen[920], da nahte er, Jesus, sich und ging mit ihnen. 16 Aber ihre Augen wurden festgehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.

    17 Er ‹richtete sich› an sie und sagte: „Was sind das für Worte, die ihr im Gehen einander zuwerft[921], und [was] blickt ihr so kummervoll drein?“

    18 Der eine, dessen Name Kleopas [war], antwortete:

    „Du allein hältst dich ‹als Gast› in Jerusalem auf“, sagte er zu ihm, „und nahmst nicht die Dinge zur Kenntnis, die in diesen Tagen darin geschahen?“

    19 Und er sagte zu ihnen: „Welche?“

    Sie sagten ihm: „Die um Jesus, den Nazarener, der ein Prophet wurde, ein Mann mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk, 20 und wie ihn sowohl unsere Hohen Priester als auch [unsere] Obersten zum Todesurteil auslieferten[922] und ihn kreuzigten. 21 Aber wir waren in der Hoffnung: Der ist es, der im Begriff ist, Israel zu erlösen. Jedoch zu allem diesem verbringt man indessen heute den dritten Tag, seit dieses geschah.

    22 Zudem noch versetzten uns einige Frauen von uns in Staunen, die früh am Morgen zum Grab kamen 23 und, als sie seinen Leib nicht fanden, kamen und sagten, sie hätten auch ein Gesicht von [himmlischen] Boten gesehen, die sagten, er lebe. 24 Und einige von denen bei uns gingen weg zum Grab und fanden es so, wie auch die Frauen sagten. Ihn selbst aber sahen sie nicht.“

    25 Und er sagte ihnen: „O Unverständige und im Herzen Träge, zu glauben auf [Grund von] allem, was die Propheten redeten! 26 Musste nicht der Gesalbte* dieses leiden und eingehen zu seiner Herrlichkeit?“

    27 Und er fing an von Mose und von allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften[923] dar das, was ihn selbst betraf.

    28 Und sie nahten sich dem Dorf, wohin sie unterwegs waren. Und er tat, als wolle er weiterziehen. 29 Und sie drangen auf ihn ein:

    „Bleibe bei uns,“ sagten sie, „weil es gegen Abend ist, und der Tag hat sich geneigt.“

    Und er ging hinein, um zusammen mit ihnen zu bleiben. 30 Und es geschah, als er sich mit ihnen [zu Tisch] gelegt hatte: Er nahm das Brot, lobte, brach und reichte ihnen. 31 Da wurden ihnen die Augen aufgetan, und sie erkannten ihn. Und er wurde unsichtbar vor ihnen[924].

    32 Und sie sagten zueinander: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und als er uns die Schriften auftat?“

    33 Und sie standen zur selben Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück.

 

Und sie fanden die Elf und die bei ihnen versammelt, 34 die sagten: „Der Herr wurde wirklich erweckt! Und er erschien dem Simon!“

    35 Und sie erzählten das, was auf dem Wege [geschehen war] und wie er von ihnen [er]kannt worden war beim Brechen des Brotes.

    36 Während sie dieses redeten, stand Jesus selbst in ihrer Mitte.

    Und er sagt zu ihnen: „Friede [sei mit] euch!“

    37 Erschreckt und in Furcht geraten, meinten sie, einen Geist zu schauen.

    38 Und er sagte zu ihnen: „Was seid ihr in ‹Unruhe und› Aufregung versetzt? Und weshalb steigen ‹zweifelnde› Überlegungen in euren Herzen auf? 39 Seht meine Hände und meine Füße, dass ich es bin. Betastet mich und seht, weil ein Geist nicht Fleisch und Gebein hat, so wie ihr seht[925], dass ich habe.“

    40 Und als er dieses gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Füße. 41 Als sie aber vor Freude ‹immer› noch nicht glaubten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen: „Habt ihr etwas Essbares hier?“

    42 Sie reichten ihm ein Stück gebratenen Fisch und [ein Stück] von einer Honigwabe. 43 Und er nahm und aß vor ihnen.

    44 Er sagte zu ihnen: „Diese sind die Worte, die ich zu euch redete, als ich noch mit euch zusammen war: ‘Alles muss erfüllt werden, was über mich geschrieben ist im Gesetz Moses und den Propheten und den Psalmen.’“

    45 Dann tat er ihnen den Denksinn auf, zu verstehen die Schriften.

 

46 Und er sagte zu ihnen: „So ist geschrieben, und so musste der Gesalbte leiden und auferstehen von den Toten am dritten Tage 47 und [muss] verkündet werden ‹unter Berufung› auf seinen Namen Buße[926] und Vergebung der Sünden für alle in den Völkern, beginnend von Jerusalem[927] an. 48 Ihr seid Zeugen dieser Dinge.

    49 Und – siehe! – ich sende auf euch die Verheißung meines Vaters. Verbleibt[928] ihr aber in der Stadt Jerusalem, bis ihr bekleidet wurdet mit Kraft aus der Höhe.“

    50 Er führte sie nach draußen bis °Richtung Bethanien. Und er erhob seine Hände und segnete sie. 51 Und es geschah: Während er sie segnete, schied er von ihnen und wurde in den Himmel emporgetragen. 52 Und sie huldigten ihm und kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück.

    53 Und sie hielten sich zu allen [Zeiten] in der Tempelstätte auf, priesen und lobten Gott.

 

Amen.

 

 

 


 


Die gute Botschaft nach Johannes

 

1 1 Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott[929], und das Wort war Gott[930]. 2 Das war am Anfang bei Gott[931]. 3 Alles entstand durch ihn[932], und ohne ihn entstand auch nicht eines, das entstanden ist. 4 In ihm war [das] Leben. Und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Dunkelheit, und die Dunkelheit °überwand es nicht[933].

    6 Es trat ein Mensch auf[934], von Gott gesandt. Der hieß Johannes. 7 Dieser kam zum Zeugnis, um von dem Licht Zeugnis zu geben, damit alle durch ihn glaubten. 8 Er selbst war nicht das Licht, sondern er sollte von dem Licht Zeugnis geben.

    9 °Es[935] war das wahre Licht, das – in die Welt kommend – jedem Menschen leuchtet.° 10 Er war in der Welt, und die Welt entstand durch ihn, und die Welt kannte ihn[936] nicht. 11 Er kam in das Eigene, und die Eigenen nahmen ihn nicht auf. 12 So viele ihn aber annahmen, denen gab er Vollmacht*[937], Gottes Kinder zu werden[938], denen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus Geblüt[939] noch aus Willen des Fleisches noch aus Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren wurden.

    14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte[940] unter uns, und wir schauten ‹und sahen› seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als eines Einziggeborenen vom Vater her, voll Gnade und Wahrheit.

 

15 Johannes legt Zeugnis von ihm ab.

    Und er hat ‹laut› gerufen und gesagt: Dieser war es, von dem ich sagte: „Der, der nach mir kommt, ist mir voraus geworden“, weil er eher war als ich.

    16 Und aus seiner Fülle empfingen wir alle, und [zwar] Gnade um Gnade; 17 denn[941] das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit geschahen durch Jesus Christus. 18 Niemand hat Gott je gesehen. Der einziggeborene °Sohn, der zur Brust des Vaters [gewandt] ist[942], der gab Aufschluss.

 

19 Und dieses ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten sandten, damit sie ihn fragen sollten: „Wer bist du?“

    20 Er bekannte, und er leugnete nicht.

    Und er bekannte: „Nicht ich[943] bin der Gesalbte*.“

    21 Sie fragten ihn: „Was also? Bist du Elia?“

    Und er sagt: „Ich bin’s nicht.“

    „Bist du der Prophet?“

    Er antwortete: „Nein.“

    22 Da sagten sie zu ihm: „Wer bist du? – damit wir Antwort geben ‹können› denen, die uns schickten. Was sagst du von dir selbst?“

    23 Er sagte: „Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste: ‘Ebnet den Weg des Herrn’, gleichwie Jesaja, der Prophet, sagte.“ {Jes 40,3}

    24 Und die Gesandten waren von den Pharisäern. 25 Und sie fragten ihn:

    „Was taufst du also,“ sagten sie zu ihm, „wenn du nicht der Gesalbte bist und nicht Elia und nicht der Prophet?“

    26 Johannes antwortete ihnen: „Ich taufe in[944] Wasser,“ sagte er, „aber mitten unter euch steht der, den ihr nicht wirklich kennt. 27 Er ist der, der nach mir kommt, der mir voraus geworden ist, dessen ich nicht würdig bin, ihm seinen Schuhriemen zu lösen.“

    28 Dieses geschah zu °Bethabara[945], jenseits des Jordans, wo Johannes war und taufte[946].

 

29 Am folgenden Tage sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und sagt: „Sieh! Das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt[947]! 30 Der ist es, von dem ich sagte: ‘Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus geworden ist’, weil er eher war als ich. 31 Und ich kannte ihn ‹vordem›[948] nicht wirklich. Jedoch damit er Israel offenbar gemacht würde, deswegen kam ich und taufte in[949] dem Wasser.“

    32 Und Johannes legte Zeugnis ab und sagte: „Ich schaute den Geist wie eine Taube vom Himmel niederkommen und auf ihm bleiben. 33 Und ich kannte ihn ‹vordem›[950] nicht wirklich. Der jedoch, der mich schickte, in[951] Wasser zu taufen, derjenige sagte zu mir: ‘Auf wen du sehen wirst den Geist niederkommen und auf ihm bleiben, der ist es, der im Heiligen Geist[952] tauft.’

    34 Und ich habe gesehen und Zeugnis gegeben, dass dieser der Sohn Gottes ist.“

 

35 Am folgenden Tage stand Johannes wieder [da] – und zwei seiner Jünger.

    36 Und er blickte zu Jesus, der da wandelte; und er sagt: „Sieh! Das Lamm Gottes!“

    37 Und die zwei Jünger hörten ihn reden, und sie folgten Jesus.

    38 Jesus wandte sich um und sah sie an, die ihm folgten, und er sagt zu ihnen: „Was sucht ihr?“

    Sie sagten zu ihm: „Rabbi,“ (was übersetzt ‘Lehrer’ heißt) „wo weilst du?“[953]

    39 Er sagt zu ihnen: „Kommt und seht!“

    Sie gingen und sahen, wo er blieb[954]. Und sie blieben[955] bei ihm an jenem Tage. Es war um die zehnte Stunde.

 

40 Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den Zweien, die es von Johannes gehört hatten und ihm gefolgt waren. 41 Es findet dieser, als °Erster, den eigenen Bruder, Simon.

    Und er sagt zu ihm: „Wir haben den Messias gefunden!“ Das heißt, übersetzt, ‘der Gesalbte*’.

    42 Und er führte ihn hin zu Jesus.

    Jesus blickte ihn an und sagte: „Du bist Simon, der Sohn Jonas. Du wirst Kephas heißen.“ Das wird übersetzt mit ‘Felsstück’[956].

 

43 Am folgenden Tage wollte Jesus hinausgehen nach Galiläa.

    Und er findet Philippus und sagt zu ihm: „Folge mir!“

    44 Philippus war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus.

    45 Philippus findet Nathanael und sagt ihm: „Den, von dem Mose in dem Gesetz schrieb und [von dem] die Propheten [schrieben], [den] haben wir gefunden, Jesus, den Sohn des Joseph, von Nazaret.“

    46 Und Nathanael sagte zu ihm: „Aus Nazaret kann etwas Gutes sein?“
    Philippus sagt zu ihm: „Komm und sieh!“

    47 Jesus sah Nathanael auf sich zukommen, und er sagt von ihm: „Sieh! Wahrlich ein Israelit, in dem keine Falschheit ist.“

    48 Nathanael sagt zu ihm: „Woher kennst du mich?“

    Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Ehe Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich.“

    49 Nathanael antwortete, und er sagt zu ihm: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes! Du bist der König Israels!“

    50 Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Weil ich dir sagte: ‘Ich sah dich unter dem Feigenbaum’, glaubst du? Größeres als dieses wirst du sehen.“

    51 Und er sagt zu ihm: „Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Hinfort [gilt][957]: Ihr werdet den Himmel geöffnet sehen – und die Engel Gottes aufsteigend und niedersteigend auf den Sohn des Menschen.“

 

2 1 Und am dritten Tage fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dort. 2 Auch Jesus war mit seinen Jüngern zur Hochzeit geladen worden.

    3 Und als der Wein ausgegangen war, ‹richtet› Jesu Mutter ‹sich› an ihn ‹und› sagt: „Sie haben keinen Wein.“

    4 Jesus sagt zu ihr: „Was steht mir zu und was dir[958], Frau[959]? Noch ist meine Stunde nicht gekommen.“

    5 Seine Mutter sagt zu den Dienern: „Was immer er euch sagen mag, tut!“

    6 Dort waren gemäß der Reinigung[ssitte] der Juden sechs steinerne Wasserkrüge aufgestellt, wovon jeder zwei oder drei Maß[960] fasste.

    7 Jesus sagt zu ihnen: „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser.“

    Und sie füllten sie bis oben an.

    8 Und er sagt zu ihnen: „Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister.“

    Und sie brachten es. 9 Als der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war – und er wusste nicht, woher der war, aber die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es –, ruft der Speisemeister den Bräutigam.

    10 Und er sagt zu ihm: „Jeder Mensch setzt zuerst den edlen Wein vor, und wenn man reichlich getrunken hat, dann den geringeren. Du hast den edlen Wein bis jetzt aufgehoben.“

    11 Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

 

12 Nach diesem ging er hinab nach Kaperna-um, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger. Und dort blieben sie nicht viele Tage.

 

13 Und das Passa der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. 14 Und er fand in der Tempelstätte die Rinder- und Schaf- und Taubenverkäufer und die Geldwechsler sitzen. 15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus der Tempelstätte hinaus, auch die Schafe und die Rinder. Und die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um.

    16 Und zu den Taubenverkäufern sagte er: „Schafft diese Dinge weg von hier! Macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhaus!“

    17 Da erinnerten sich seine Jünger: „Es ist geschrieben: ‘Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt.’“ {Ps 69,10}

    18 Daraufhin erwiderten die Juden und sagten zu ihm: „Welches Zeichen zeigst du uns, dass du diese Dinge tust?“

    19 Jesus antwortete und sagte zu ihnen: „Zerstört dieses Tempelheiligtum, und in drei Tagen werde ich es aufrichten.“

    20 Daraufhin sagten die Juden: „°Sechsundvierzig Jahre wurde dieses Tempelheiligtum gebaut°, und du wirst es in drei Tagen aufrichten?“

    21 Aber er sprach von dem Tempelheiligtum seines Leibes. 22 Als er nun von den Toten erweckt war, erinnerten sich seine Jünger, dass er ihnen dieses gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte.

 

23 Als er am Passa in Jerusalem auf dem Fest war, glaubten viele an seinen Namen, da sie seine Zeichen schauten, die er tat. 24 Aber er, Jesus, vertraute sich ihnen nicht an, da er alle kannte 25 und weil er es nicht nötig hatte, dass jemand über den Menschen Zeugnis gebe, denn ihm war bekannt, was im Menschen war.

 

3 1 Es war aber ein Mensch von den Pharisäern – Nikodemus sein Name –, ein Oberster der Juden. 2 Dieser kam bei Nacht zu Jesus.

    „Rabbi,“ sagte er zu ihm, „wir wissen, du bist als Lehrer von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.“

    3 Jesus antwortete[961] und sagte zu ihm: „Wahrlich! Wahrlich! Ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren wird, kann er das Königreich Gottes nicht sehen.“

    4 Nikodemus sagt zu ihm: „Wie kann ein Mensch, der im Greisenalter steht, geboren werden? Kann er ein zweites Mal in den Schoß seiner Mutter eingehen und geboren werden?“

    5 Jesus antwortete: „Wahrlich! Wahrlich! Ich sage dir: Es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Königreich Gottes eingehen. 6 Das aus dem Fleisch Geborene ist Fleisch, und das aus dem Geist Geborene ist Geist. 7 Verwundere dich nicht, weil ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. 8 Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, weißt jedoch nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.“

    9 Nikodemus antwortete und sagte zu ihm: „Wie kann dieses geschehen?“

    10 Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Du bist der Lehrer Israels und kennst diese Dinge nicht? 11 Wahrlich! Wahrlich! Ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und wir geben Zeugnis von dem, das wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an. 12 Wenn ich euch Irdisches sagte und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch Himmlisches sage? 13 Und niemand ist in den Himmel aufgestiegen außer dem, der aus dem Himmel niederstieg, dem Sohn des Menschen, °der im Himmel ist°.

    14 Und so, wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, 15 damit jeder, der an ihn glaubt, nicht ins Verderben gehe, sondern ewiges Leben habe; 16 denn so liebte Gott die Welt, dass er seinen einziggeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht ins Verderben gehe, sondern ewiges Leben habe; 17 denn Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde.

    18 Der, der an ihn glaubt, wird nicht gerichtet. Aber der, der nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des einziggeborenen Sohnes Gottes. 19 Dieses ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist und die Menschen die Finsternis mehr liebten als das Licht, denn ihre Werke waren böse; 20 denn jeder, der Schlechtes tut[962], hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht untersucht werden[963]. 21 Aber der, der die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt worden sind.“

 

22 Nach diesem kamen Jesus und seine Jünger in das judäische Land, und dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte. 23 Aber auch Johannes taufte – zu Änon, nahe bei Salim, weil dort viel Wasser war. Und sie kamen dorthin und wurden getauft; 24 denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen. 25 Da entstand von Seiten der Jünger des Johannes ein [Gespräch] mit [einigen] Juden [um eine] Frage über die Reinigung.

    26 Und sie kamen hin zu Johannes und sagten zu ihm: „Rabbi, der, der jenseits des Jordans mit dir war, dem du Zeugnis gabst, – sieh! – dieser tauft, und alle kommen hin zu ihm.“

    27 Johannes antwortete* und sagte: Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben. 28 Ihr selbst seid meine Zeugen, dass ich sagte: ‘Ich bin nicht der Gesalbte*’, sondern: ‘Ich bin vor jenem her gesandt.’ 29 Der, der die Braut hat, ist der Bräutigam. Aber der Freund des Bräutigams, der dasteht[964] und ihn hört, freut sich sehr[965] wegen der Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude also ist erfüllt. 30 Er muss zunehmen, aber ich muss abnehmen.

    31 Der, der von oben kommt, ist über allem. Der, der von der Erde ‹her› ist[966], ist[967] von der Erde, und von der Erde her spricht er. Der, der aus dem Himmel kommt, ist über allem, 32 und was er gesehen hat und hörte, von diesem gibt er Zeugnis. Und sein Zeugnis nimmt niemand an. 33 Wer sein Zeugnis annahm, besiegelte[968], dass Gott wahrhaftig ist; 34 denn der, den Gott sandte, redet die Worte* Gottes, denn nicht nach Maß[969] gibt Gott[970] den Geist. 35 Der Vater liebt den Sohn, und alles hat er in seine Hand gegeben. 36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben. Aber wer dem Sohn nicht gehorcht[971], wird [das] Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

 

4 1 Als nun der Herr erfuhr, dass die Pharisäer gehört hatten, dass Jesus mehr Jünger mache und taufe als Johannes 2 (obwohl Jesus nicht selbst taufte, sondern seine Jünger), 3 verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa.

    4 Er musste aber durch Samarien reisen.

    5 Er kommt also in eine Stadt Samariens, genannt Sychar, nahe bei dem Grundstück, das Jakob seinem Sohn Joseph gab. 6 Dort war ein Quellbrunnen Jakobs. Jesus also, ermüdet von der Reise, saß so an dem Quellbrunnen. Es war ungefähr die sechste Stunde.

    7 Eine Frau aus Samarien kommt, Wasser zu schöpfen.

    Jesus sagt zu ihr: „Gib mir zu trinken“ 8 – denn seine Jünger waren weggegangen in die Stadt, um Nahrungsmittel zu kaufen.

    9 Daraufhin sagt die samaritische Frau zu ihm: „Wie erbittest du, der du ein Jude bist, von mir [etwas] zu trinken, die ich eine samaritische Frau bin?“ (denn Juden °pflegen nicht gemeinsamen Gebrauch° mit Samaritern).

    10 Jesus antwortete und sagte ihr: „Wenn du um die Gabe Gottes wüsstest und wer es ist, der zu dir sagt: ‘Gib mir zu trinken’, hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“

    11 Die Frau sagt zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß; auch ist der Brunnen tief. Woher hast du also das lebendige Wasser? 12 Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab, und er selbst trank von ihm und seine Söhne und °was auch von ihm für die Ernährung abhängig war°?“

    13 Jesus antwortete und sagte ihr: „Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten, 14 aber wer irgend von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird gar nicht dürsten in Ewigkeit*, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle von Wasser werden, das ins ewige Leben sprudelt.“

    15 Die Frau sagt zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürste und ich nicht hierher kommen muss, um zu schöpfen.“

    16 Jesus sagt zu ihr: „Gehe hin. Rufe deinen Mann und komm hierher.“

    17 Die Frau antwortete und sagte: „Ich habe keinen Mann.“

    Jesus sagt zu ihr: „Zu Recht sagtest du: ‘Ich habe keinen Mann’, 18 denn fünf Männer hattest du, und der, den du nun hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.“

    19 Die Frau sagt zu ihm: „Herr, ich sehe: Du bist ein Prophet!

    20 Unsere Väter beteten auf diesem Berge an, und ihr sagt: ‘In Jerusalem ist der Ort, wo man anbeten soll.’“

    21 Jesus sagt zu ihr: „Frau, glaube mir: Die Stunde kommt, da ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr betet an, was ihr nicht wirklich kennt. Wir beten an, was wir wirklich kennen, weil das Heil von den Juden ist.

    23 Es kommt jedoch eine Stunde – und sie ist nun [da], da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch sucht der Vater solche, die ihn [so] anbeten. 24 Gott ist Geist, und die, die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.“

    25 Die Frau sagt zu ihm: „Ich weiß, dass der Messias kommt, der ‘Gesalbter’ genannt wird. Dann, wenn der gekommen ist, wird er uns von allem Botschaft bringen.“

    26 Jesus sagt zu ihr: „Ich bin es – der, der zu dir spricht.“

    27 Und unterdessen kamen seine Jünger und verwunderten sich, dass er mit einer Frau redete. Keiner allerdings sagte: „Was suchst du?“ oder: „Was redest du mit ihr?“

    28 Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen und ging weg in die Stadt und sagt zu den Menschen: 29 „Kommt her! Seht einen Menschen, der mir alles sagte, was ich ‹je› tat! Ist dieser nicht der Gesalbte*?!“

    30 Daraufhin gingen sie aus der Stadt hinaus und kamen hin zu ihm.

 

31 In der Zwischenzeit ersuchten ihn die Jünger und sagten: „Rabbi, iss!“

    32 Aber er sagte zu ihnen: „Ich habe eine Speise zu essen, um die ihr nicht wisst.“

    33 Darauf sagten die Jünger zueinander: „Hat ihm denn jemand zu essen gebracht?“

    34 Jesus sagt zu ihnen: „Meine Speise ist [die], dass ich tue den Willen dessen, der mich schickte, und sein Werk ‹bis zum Ende› ausführe.

    35 Sagt ihr nicht: ‘Es sind noch vier Monate; dann kommt die Ernte’? Siehe! Ich sage euch: Hebt eure Augen auf und schaut [euch] die Felder an: Sie sind schon weiß zur Ernte! 36 Und der, der erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit der Säende und auch der Erntende sich miteinander freuen; 37 denn hierin ist der Spruch wahr: ‘Ein anderer ist der Säende und ein anderer der Erntende.’ 38 Ich sandte euch zu ernten, was ihr nicht erarbeitet hattet. Andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit hineingekommen.“

 

39 Aus jener Stadt glaubten viele von den Samaritern an ihn wegen des Wortes der Frau, die Zeugnis gab: „Er sagte mir alles, was ich ‹je› tat.“ 40 Als also die Samariter zu ihm hingekommen waren, ersuchten sie ihn, bei ihnen zu bleiben. Und er blieb dort zwei Tage. 41 Und viel mehr glaubten seines Wortes wegen.

    42 Und zu der Frau sagten sie: „Nicht mehr deiner Rede wegen glauben wir, denn wir haben selbst gehört und wissen, dass dieser wahrlich der Retter der Welt ist, der Gesalbte*.“

 

43 Nach den zwei Tagen zog er von dort aus und ging weg nach Galiläa, 44 denn[972] Jesus selbst gab Zeugnis: „Ein Prophet hat nicht Ehre in der eigenen Vaterstadt.“

    45 Als er also nach Galiläa kam, nahmen ihn die Galiläer auf, da sie alles gesehen hatten, was er in Jerusalem auf dem Fest getan hatte, denn auch sie waren auf das Fest gekommen. 46 Jesus kam also wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte.

 

Und es war ein Königlicher[973] in Kaperna-um, dessen Sohn krank war. 47 Dieser, als er hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen war, ging hin zu ihm und ersuchte ihn, dass er herabkäme und seinen Sohn heile, denn der war im Begriff zu sterben.

    48 Daraufhin sagte Jesus zu ihm: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, werdet ihr nicht glauben.“

    49 Der königliche [Beamte] sagt zu ihm: „Herr, komm herab, ehe mein Kind[974] stirbt!“

    50 Jesus sagt zu ihm: „Gehe hin. Dein Sohn lebt.“

    Und der Mann* glaubte dem Wort, das Jesus ihm sagte, und er ging hin.

    51 Schon während er hinabging, kamen ihm seine leibeigenen Knechte entgegen mit der Meldung: „Dein Knabe lebt!“

    52 Also erkundigte er sich bei ihnen nach der Stunde, in der es mit ihm besser geworden war.

    Und sie sagten ihm: „Gestern in der siebenten Stunde verließ ihn das Fieber.“

    53 Da [er]kannte der Vater, dass es in jener Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: „Dein Sohn lebt.“ Und er glaubte, er und sein ganzes Haus.

    54 Dieses wiederum, ein zweites Zeichen, tat Jesus, als er aus Judäa nach Galiläa gekommen war.

 

5 1 Nach diesem war ein Fest der Juden, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem.

    2 Es gibt in Jerusalem bei dem Schaftor einen Teich, der auf Hebräisch mit dem Beinamen Bethesda[975] genannt wird, der fünf Säulenhallen hat. 3 In diesen lag eine große Menge Kranker[976], Blinder, Lahmer, Verdorrter, °die auf die Bewegung des Wassers warteten, 4 denn von Zeit zu Zeit stieg ein [himmlischer] Bote* in den Teich hernieder und brachte das Wasser zum Aufwallen. Wer also nach dem Aufwallen des Wassers als Erster hineinstieg, wurde gesund, von welcher Krankheit auch immer er einmal befallen worden war.°

    5 Es war dort ein gewisser Mensch, der achtunddreißig Jahre in der Erkrankung[977] ‹zugebracht› hatte.

    6 Als Jesus diesen daliegen sah (und er hatte erfahren, dass er schon viel Zeit [hinter sich] hatte), sagt er zu ihm: „Willst du gesund werden?“

    7 Der Kranke antwortete ihm: „Herr, ich habe keinen Menschen, dass er mich, wenn das Wasser zum Aufwallen gebracht worden ist, in den Teich versetze! Und während ich komme, steigt ein anderer vor mir hinab!“

    8 Jesus sagt zu ihm: „Stehe auf. Nimm deine Lagermatte auf und gehe.“

    9 Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm seine Lagermatte auf und ging. Es war aber Sabbat an jenem Tage.

    10 Es sagten also die Juden zu dem Geheilten: „Es ist Sabbat! Es ist dir nicht gestattet, die Lagermatte aufzunehmen ‹und zu tragen›.“

    11 Er antwortete ihnen: „Der mich gesund machte, derjenige sagte zu mir: ‘Nimm deine Lagermatte auf und gehe.’“

    12 Sie ersuchten ihn also ‹um Auskunft›: „Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: ‘Nimm deine Lagermatte auf und gehe’?“

    13 Der Geheilte wusste aber nicht, wer es war, denn Jesus hatte sich entfernt, da eine Volksmenge an der Stätte war.

 

14 Nach diesem findet Jesus ihn in der Tempelstätte.

    Und er sagte zu ihm: „Sieh! Du bist gesund geworden. Sündige nicht mehr, damit dir nicht etwas Schlimmeres geschehe.“

    15 Der Mann ging weg und berichtete den Juden, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte. 16 Und deswegen verfolgten die Juden Jesus, und sie suchten, ihn zu töten, weil er dieses am Sabbat getan hatte.

    17 Aber Jesus °antwortete ihnen: „Mein Vater ist am Wirken bis jetzt, und ich bin am Wirken.“

    18 Deswegen suchten die Juden also noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat aufhob, sondern auch Gott [seinen] eigenen Vater nannte und ‹so› sich selbst Gott gleich machte.

 

19 Daraufhin antwortete Jesus und sagte zu ihnen: „Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, als nur, was er den Vater tun sieht, denn was immer der tut, diese Dinge tut gleicherweise auch der Sohn; 20 denn der Vater hat den Sohn lieb[978], und er zeigt ihm alles, was er selbst tut. Und er wird ihm noch größere Werke als diese zeigen, damit ihr euch wundert; 21 denn gleichwie der Vater die Toten erweckt und lebend macht, so macht auch der Sohn lebend, welche er will; 22 denn der Vater richtet niemanden, sondern hat alles Gericht dem Sohn gegeben, 23 damit alle den Sohn ehren, so wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt[979], ehrt nicht den Vater, der ihn schickte.

    24 Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Der, der mein Wort hört und dem glaubt, der mich schickte, hat ewiges Leben. Und er kommt nicht in[980] Gericht, sondern ist hinübergegangen aus dem Tode in das Leben.

    25 Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Die Stunde kommt – und sie ist nun da –, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die, die sie gehört haben, werden leben, 26 denn gleichwie der Vater Leben in sich selbst hat, so gab er auch dem Sohn, Leben in sich selbst zu haben. 27 Und er gab ihm Vollmacht*, auch Gericht auszuüben, weil er Sohn des Menschen ist.

    28 Verwundert euch nicht über dieses! – weil eine Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden. 29 Und sie werden herauskommen, die, die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, aber die, die das Schlechte verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.

    30 Ich kann nichts von mir selbst aus tun. So wie ich höre, richte ich, und mein Gericht ist gerecht, weil ich nicht meinen Willen suche, sondern den Willen des Vaters, der mich schickte. 31 Wenn ich über mich selbst Zeugnis gebe, ist mein Zeugnis nicht wahr. 32 Ein anderer ist es, der über mich Zeugnis gibt, und ich weiß, dass das Zeugnis wahr ist, das er über mich gibt.

    33 Ihr habt zu Johannes hingesandt, und er hat für die Wahrheit Zeugnis gegeben. 34 Von einem Menschen nehme ich nicht Zeugnis an. Dieses sage ich jedoch, damit ihr gerettet werdet. 35 Jener war die brennende und scheinende Lampe. Ihr wart willig, für eine Stunde in ihrem[981] Licht hoch erfreut zu sein. 36 Ich habe aber ein größeres Zeugnis als das des Johannes, denn die Werke, die der Vater mir gab, damit ich sie zu Ende führe[982], die Werke selbst, die ich tue, geben Zeugnis von mir, dass der Vater mich gesandt hat.

    37 Und der Vater, der mich schickte, er selbst hat von mir Zeugnis gegeben. Weder habt ihr jemals seine Stimme gehört, noch habt ihr seine Gestalt gesehen, 38 und sein Wort habt ihr nicht bleibend in euch: Dem nämlich, den derjenige sandte, diesem glaubt ihr nicht. 39 Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und jene[983] sind es, die von mir Zeugnis geben. 40 Und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben hättet.

    41 Von Menschen nehme ich nicht Ehre[984] an, 42 sondern ich habe euch kennengelernt, dass ihr Gottes Liebe[985] nicht in euch selbst habt. 43 Ich bin in dem Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer im eigenen Namen kommt, jenen werdet ihr annehmen.

    44 Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre[986] voneinander nehmt und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, nicht sucht? 45 Meint nicht, dass ich euch anklagen werde beim Vater. Es ist einer [da], der euch anklagt, Mose, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt, 46 denn wenn ihr Mose geglaubt hättet, hättet ihr mir geglaubt, denn jener schrieb von mir. 47 Wenn ihr aber jenes Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten* glauben?“

 

6 1 Danach ging Jesus weg ans jenseitige Ufer des galiläischen Sees, [nämlich des Sees] von Tiberias. 2 Und es folgte ihm eine große Menge, weil sie seine Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus ging auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. 4 Es war nahe das Passa, das Fest der Juden.

    5 Als Jesus also die Augen aufhob und zu Gesicht bekam, dass eine große Menge zu ihm kommt, richtet er sich an Philippus und sagt: „Woher werden wir Brote kaufen, damit diese essen können?“

    6 Dieses sagte er, ihn zu prüfen, denn er selbst wusste, was er im Begriff war zu tun.

    7 Philippus antwortete ihm: „Brote für zweihundert Denare[987] reichen nicht aus für sie, damit ein jeder von ihnen auch nur ein wenig bekomme.“

    8 Einer von seinen Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagt zu ihm: 9 „Es ist ein kleiner Knabe hier, der fünf Gerstenbrote und ‹als› Zukost zwei ‹Fische› hat. Was ist dieses jedoch für so viele?“

    10 Jesus sagte: „Macht, dass die Menschen Platz nehmen.“

    Es gab viel Gras an dem Ort. Sie nahmen also Platz, die Männer an Zahl etwa fünftausend. 11 Jesus nahm die Brote, und als er gedankt hatte, teilte er sie den Jüngern aus; die Jünger [teilten] sie denen aus, die Platz genommen hatten, gleicherweise auch von der Zukost, so viel sie wollten.

    12 Als sie satt waren, sagt er zu seinen Jüngern: „Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verderbe.“

    13 Also sammelten sie, und sie füllten zwölf große Tragkörbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen, die gegessen hatten, übrig blieben.

    14 Als also die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sagten sie: „Dieser ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommt.“

    15 Jesus merkte, dass sie im Begriff waren, zu kommen und ihn wegzureißen, damit sie ihn zum König machten, und zog sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

 

16 Als es Abend geworden war, waren seine Jünger an den See gegangen 17 und in das Schiff gestiegen. Und sie fuhren auf die andere Seite des Sees in Richtung Kaperna-um. Und es war schon dunkel geworden, und Jesus war nicht zu ihnen gekommen. 18 Da wurde der See aufgewühlt, weil ein starker Wind wehte.

    19 Nachdem sie nun etwa fünfundzwanzig bis dreißig Stadien[988] gerudert haben, schauen sie Jesus auf dem See gehen und nahe an das Schiff gelangen. Und sie fürchteten sich.

    20 Aber er sagt zu ihnen: „Ich bin’s! Fürchtet euch nicht!“

    21 Da wollten sie ihn in das Schiff nehmen. Und sogleich gelangte das Schiff an das Land, wohin sie unterwegs gewesen waren.

 

22 Am folgenden Tage, als die Menge, die jenseits des Sees stand, gesehen hatte, dass dort außer jenem einen Boot, in das seine Jünger gestiegen waren, kein anderes war, und dass Jesus nicht gemeinsam mit seinen Jüngern in das Boot gestiegen war, sondern seine Jünger alleine weggefahren waren 23 (es kamen aber andere Boote aus Tiberias nahe an den Ort, wo sie das Brot gegessen hatten, nachdem der Herr gedankt hatte), 24 – da also die Menge gesehen hatte, dass Jesus nicht da war noch seine Jünger, stiegen auch sie in die Schiffe und kamen nach Kaperna-um und suchten Jesus.

    25 Und als sie ihn jenseits des Sees gefunden hatten, sagten sie zu ihm: „Rabbi, wann bist du hierher gelangt?“

    26 Jesus antwortete ihnen und sagte: „Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Ihr sucht mich, nicht weil ihr Zeichen saht, sondern weil ihr von den Broten aßt und satt wurdet. 27 Wirkt nicht für[989] die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die ins ewige Leben bleibt, die der Sohn des Menschen euch geben wird, denn diesen besiegelte[990] der Vater, Gott.“

    28 Darauf sagten sie zu ihm: „Was sollen wir tun, damit wir die Werke Gottes[991] wirken?“

    29 Jesus antwortete und sagte zu ihnen: „Dieses ist das Werk Gottes[992], dass ihr an den glaubt, den jener sandte.“

    30 Darauf sagten sie zu ihm: „Was tust du also für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? 31 Unsere Väter aßen das Manna in der Wüste, wie geschrieben ist: ‘Brot aus dem Himmel gab er ihnen zu essen.’“

    32 Darauf sagte Jesus zu ihnen: „Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das Brot aus dem Himmel, das wahrhafte, 33 denn das Brot Gottes ist der, der aus dem Himmel niederkommt und der Welt Leben gibt.“

    34 Darauf sagten sie zu ihm: „Herr, gib uns allezeit dieses Brot!“

    35 Jesus sagte ihnen: „Ich bin das Brot des Lebens: Den, der zu mir kommt[993], den wird gewiss nicht hungern, und den, der an mich glaubt[994], den wird gewiss niemals dürsten. 36 Ich habe es euch jedoch gesagt, dass ihr mich auch gesehen habt und nicht glaubt.

    37 Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen, und den, der zu mir kommt, den werde ich auf keinen Fall hinaustun, 38 weil ich aus dem Himmel niedergekommen bin, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich schickte. 39 Dieses ist aber der Wille des Vaters, der mich schickte, dass ich nichts verderben lasse von dem, was er mir gegeben hat, sondern es zur Auferstehung bringe[995] am letzten Tage. 40 Dieses ist der Wille dessen, der mich schickte, dass jeder, der den Sohn schaut[996] und an ihn glaubt[997], ewiges Leben habe. Und ich werde ihn zur Auferstehung bringen am letzten Tage.“

    41 Da murrten die Juden über ihn, weil er gesagt hatte: ‘Ich bin das Brot, das aus dem Himmel niederkam’, 42 und sagten: „Ist dieser nicht Jesus, Josephs Sohn, dessen Vater und Mutter wir ‹sehr wohl› kennen? Wie sagt er denn: ‘Ich bin aus dem Himmel niedergekommen’?“

    43 Darauf antwortete Jesus und sagte zu ihnen: „Murrt nicht untereinander! 44 Niemand kann zu mir hinkommen, es sei denn, dass der Vater, der mich schickte, ihn ziehe, und ich werde ihn zur Auferstehung bringen am letzten Tage.

    45 Es ist geschrieben in den Propheten: ‘Sie werden alle von Gott gelehrt sein.’ {Vgl. Jes 54,13.}

    Jeder also, der vom Vater hörte und lernte, kommt zu mir. 46 Nicht dass jemand den Vater gesehen hätte. Nur der, der von Gott ist, der hat den Vater gesehen. 47 Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Der, der an mich glaubt, hat ewiges Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens.

    49 Eure Väter aßen das Manna in der Wüste und starben. 50 Dieses ist das Brot, das aus dem Himmel niederkommt, damit man von ihm esse und nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel niederkam. Wenn jemand von diesem Brot gegessen hat, wird er leben in Ewigkeit*. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“

    52 Es hatten also die Juden Streit untereinander: „Wie kann dieser uns das Fleisch zu essen geben?“ sagten sie.

    53 Darauf sagte Jesus zu ihnen: „Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esst und sein Blut trinkt, habt ihr nicht Leben in euch selbst. 54 Der, der mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ‹immerzu› ewiges Leben, und ich werde ihn zur Auferstehung bringen am letzten Tage, 55 denn mein Fleisch ist wahrlich Speise, und mein Blut ist wahrlich Trank. 56 Der, der mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, verbleibt[998] in mir, und ich in ihm.

    57 So wie der lebende Vater mich sandte und ich des Vaters wegen lebe, [so] auch der, der mich isst: Auch derjenige wird leben um meinetwillen. 58 Dieses ist das Brot, das aus dem Himmel niederkam. Nicht wie eure Väter das Manna aßen und starben: Der, der dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit*.“

    59 Dieses sagte er, als er in Kaperna-um in der Synagoge lehrte.

 

60 Viele also von seinen Jüngern sagten, als sie es gehört hatten: „Dieses Wort ist hart. Wer kann es hören?“

    61 Da Jesus in sich selbst wusste, dass seine Jünger hierüber murrten, sagte er zu ihnen: „Nehmt ihr an diesem Anstoß? 62 Und wenn ihr den Sohn des Menschen aufsteigen schaut [dahin], wo er zuvor war – ? 63 Der Geist ist es, der lebend macht. Das Fleisch nützt nichts. Die Worte*, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben. 64 Es sind jedoch einige unter euch, die nicht glauben.“ – denn Jesus wusste von Anfang an, welche die waren, die nicht glaubten, und wer der war, der ihn ‹verraten und› ausliefern würde.

    65 Und er sagte: „Deswegen habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von meinem Vater her gegeben.“

    66 Wegen dieses [Wortes] gingen viele seiner Jünger weg, zurück, und wandelten nicht mehr mit ihm.

    67 Darauf sagte Jesus zu den Zwölfen: „Wollt auch ihr weggehen?“

    68 Darauf antwortete ihm Simon Petrus: „Herr, zu wem werden wir weggehen? Du hast Worte* ewigen Lebens. 69 Und wir haben geglaubt und [er]kannt, dass du der Gesalbte* bist, der Sohn des lebenden Gottes.“

    70 Jesus antwortete ihnen: „Erwählte ich nicht euch, die Zwölf? Und einer von euch ist ein Teufel[999].“

    71 Er sprach aber von Judas, dem [Sohn] des Simon, dem Iskariot, denn dieser sollte[1000] ihn ausliefern[1001]; er war einer von den Zwölfen.

 

7 1 Und nach diesem wandelte Jesus ‹eine Zeitlang› in Galiläa, denn er wollte nicht in Judäa wandeln, weil die Juden ihn zu töten suchten.

    2 Es war aber das Fest der Juden nahe, die Laubhütten[1002].

    3 Da sagten seine Brüder zu ihm: „Ziehe von hier fort und gehe nach Judäa, damit auch deine Jünger deine Werke schauen, die du tust, 4 denn niemand tut etwas[1003] im Verborgenen und sucht ‹zugleich›, selber in der Öffentlichkeit zu sein. Wenn du diese Dinge tust, offenbare dich selbst der Welt.“ 5 – denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.

    6 Darauf sagt Jesus zu ihnen: „Meine Zeit ist noch nicht da[1004], aber eure Zeit ist allezeit vorhanden. 7 Die Welt kann euch nicht hassen. Mich hasst sie aber, weil ich von ihr Zeugnis gebe, dass ihre Werke böse sind. 8 Geht ihr hinauf zu diesem Fest. Ich gehe °noch nicht hinauf zu diesem Fest, weil meine Zeit noch nicht erfüllt ist.“

    9 Nachdem er ihnen dieses gesagt hatte, blieb er in Galiläa.

 

10 Aber als seine Brüder hinaufgegangen waren, dann ging auch er hinauf zu dem Fest, nicht öffentlich, sondern gleichsam im Verborgenen.

    11 Die Juden suchten ihn also auf dem Fest und sagten: „Wo ist jener?“

    12 Und viel heimliches Gerede war über ihn unter den Mengen.

    Die einen sagten: „Er ist gut.“

    Andere sagten: „Nein, sondern er leitet die Menge in die Irre.“

    13 Allerdings redete niemand offen von ihm – aus Furcht vor den Juden.

 

14 Als das Fest bereits in der Mitte war[1005], ging Jesus hinauf zur Tempelstätte und lehrte[1006].

    15 Und die Juden verwunderten sich und sagten: „Wie kennt dieser ‹so gewisslich› [die] Schriften, obwohl er nicht gelehrt ist?“

    16 Jesus antwortete ihnen und sagte: „Meine Lehre ist nicht meine, sondern dessen, der mich schickte. 17 Wenn jemand seinen Willen tun will, wird er bezüglich der Lehre [er]kennen[1007], ob sie aus Gott ist oder ob ich von mir selbst her rede. 18 Der, der von sich selbst her redet, sucht die eigene Ehre[1008], aber der, der die Ehre dessen sucht, der ihn schickte, der ist wahrhaftig, und Ungerechtigkeit ist nicht in ihm.

    19 Hat nicht Mose euch das Gesetz gegeben? Und keiner von euch hält das Gesetz ein. Was sucht ihr, mich zu töten?“

    20 Die Menge antwortete und sagte: „Du hast einen Dämon. Wer sucht, dich zu töten?“

    21 Jesus antwortete und sagte zu ihnen: „Ein Werk tat ich, und ihr verwundert euch alle. 22 Deswegen hat euch Mose die Beschneidung gegeben – nicht, dass sie von Mose sei, sondern von den Vätern –, und am Sabbat beschneidet ihr einen Menschen. 23 Wenn ein Mensch an einem Sabbat die Beschneidung empfängt, damit nicht das Gesetz Moses aufgehoben werde, zürnt ihr mir, weil ich an einem Sabbat einen ganzen Menschen gesund machte? 24 Richtet nicht nach Augenschein, sondern richtet das gerechte Urteil.“

    25 Hierauf sagten einige von den Jerusalemern: „Ist das nicht der, den sie zu töten suchen? 26 Und – sieh! – er redet öffentlich, und sie sagen ihm nichts. Sind vielleicht die Obersten wirklich zur Kenntnis gekommen, dass dieser in Wahrheit der Gesalbte* ist? 27 Über diesen wissen wir jedoch, woher er ist. Aber der Gesalbte, wann immer er kommt, – niemand hat Kenntnis, woher er ist.“

    28 Jesus rief also ‹laut›, als er in der Tempelstätte lehrte, und sagte: „Ihr wisst über mich ‹Bescheid› und wisst auch, woher ich bin[1009]. Und von mir selbst aus bin ich nicht gekommen, sondern wahrhaftig ist er, der mich schickte, der, über den ihr nicht ‹Bescheid› wisst. 29 Aber ich kenne ihn wirklich[1010], weil ich von ihm bin, und er sandte mich.“

    30 Darauf suchten sie, ihn festzunehmen. Und niemand legte die Hand an ihn, weil seine Stunde noch nicht gekommen war.

 

31 Aber viele von der Menge glaubten an ihn und sagten: „Wird wohl der Gesalbte*, wenn er kommt, mehr Zeichen als diese tun, die dieser tat?“

    32 Die Pharisäer hörten dieses heimliche Gerede der Menge über ihn.[1011] Und die Pharisäer und die Hohen Priester sandten Gerichtsdiener, dass sie ihn festnehmen möchten.

    33 Da sagte Jesus zu ihnen: „Noch eine kleine Zeit bin ich bei euch, und ich gehe weg, hin zu dem, der mich schickte. 34 Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.“

    35 Darauf sagten die Juden zueinander: „Wohin will dieser gehen, dass wir ihn nicht finden werden? Will er etwa in die Zerstreuung[1012] der Griechen[1013] gehen und die Griechen lehren? 36 Was ist das für ein Wort, das er sagte: ‘Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und wo ich bin, könnt ihr nicht hinkommen.’?“

 

37 °Am letzten Tage, dem großen [Tage] des Festes, stand Jesus und rief ‹laut›:

    „Wenn jemanden dürstet,“ sagte er, „komme er her zu mir, und er trinke, 38 der, der an mich glaubt; – gemäß dem, was die Schrift sagte: Ströme werden aus seinem Inneren[1014] fließen, [Ströme] lebendigen Wassers.“°

    39 Dieses sagte er über den Geist, den die an ihn Glaubenden bekommen sollten, denn der Heilige Geist war noch nicht [da], weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.

    40 Viele nun aus der Menge sagten, als sie das Wort hörten: „Dieser ist wahrlich der Prophet.“

    41 Andere sagten: „Dieser ist der Gesalbte.“

    Andere sagten aber: „Kommt denn der Gesalbte etwa aus Galiläa? 42 Sagte die Schrift nicht: Aus dem Samen Davids und aus Bethlehem, dem Dorf, wo David war, kommt der Gesalbte?“

    43 Es entstand also seinetwegen eine Spaltung in der Menge. 44 Einige von ihnen wollten ihn festnehmen. Keiner legte jedoch Hand an ihn.

 

45 Da kamen die Gerichtsdiener zu den Hohen Priestern und Pharisäern, und jene sagten zu ihnen: „Weswegen habt ihr ihn nicht hergeführt?“

    46 Die Gerichtsdiener antworteten: „Nie redete ein Mensch so wie dieser Mensch.“

    47 Darauf antworteten ihnen die Pharisäer: „Seid ihr etwa auch irregeleitet worden? 48 Hat wohl jemand von den Obersten an ihn geglaubt oder von den Pharisäern? 49 Diese Menge jedoch, die das Gesetz nicht kennt – verflucht ist sie!“

    50 Nikodemus – der bei Nacht zu ihm gekommen war, einer von ihnen – sagt zu ihnen: 51 „Richtet etwa unser Gesetz den Menschen, wenn man nicht zuvor ihn angehört und in Erfahrung gebracht hat, was er tut?“

    52 Sie antworteten und sagten zu ihm: „Bist du etwa auch aus Galiläa? Forsche und sieh, dass aus Galiläa kein Prophet erstanden ist.“

    53 °Und jeder ging weg in sein Haus.

 

8 1 Aber Jesus ging an den Berg der Olivenbäume. 2 Am frühen Morgen kam er wieder zur Tempelstätte, und alles Volk kam zu ihm. Und er setzte sich und lehrte sie.

 

3 Da führen die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau zu ihm, die beim Ehebruch ertappt worden war, stellen sie in die Mitte 4 und sagen zu ihm: „Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat ertappt worden, als sie Ehebruch beging. 5 Im Gesetz gebot uns Mose, dass solche gesteinigt werden sollten. Du nun, was sagst du?“

    6 Dieses sagten sie, ihn zu versuchen[1015], damit sie etwas hätten, ihn anzuklagen. Aber Jesus bückte sich herab und schrieb mit dem Finger in die Erde.

    7 Als sie aber dabei blieben, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: „Der von euch, der ohne Sünde ist, werfe als Erster den Stein auf sie.“ 8 Und er bückte sich wieder herab und schrieb in die Erde.

    9 Aber als sie [Jesu Wort] gehört hatten und vom Gewissen überführt waren, gingen sie hinaus, einer nach dem anderen, angefangen von den Älteren bis hin zu den Letzten. Und Jesus war allein zurückgelassen – und die Frau, die in der Mitte[1016] stand.

    10 Als Jesus sich aufrichtete und niemanden zu Gesicht bekam, außer der Frau, sagte er zu ihr: „Frau, wo sind jene, deine Ankläger? Verurteilte dich niemand?“

    11 Sie sagte: „Niemand, Herr.“

    Jesus sagte zu ihr: „Auch ich verurteile dich nicht. Gehe hin und sündige nicht weiter!“°

 

12 Darauf redete Jesus wieder zu ihnen und sagte: „Ich bin das Licht der Welt. Der, der mir folgt, wird nicht in der Dunkelheit wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

    13 Da sagten die Pharisäer zu ihm: „Du gibst Zeugnis über dich selbst. Dein Zeugnis ist nicht wahr.“

    14 Jesus antwortete* und sagte zu ihnen: „Auch wenn ich über mich selbst Zeugnis gebe, ist mein Zeugnis wahr, weil ich weiß, woher ich kam und wohin ich gehe. Aber ihr wisst nicht wirklich, woher ich komme und wohin ich gehe. 15 Ihr urteilt nach dem Fleisch. Ich urteile über niemanden. 16 Wenn aber auch ich urteile, ist mein Urteil wahr, weil ich nicht alleine bin, sondern ich und der Vater, der mich schickte. 17 Es ist aber auch in eurem Gesetz geschrieben, dass das Zeugnis zweier Menschen wahr ist. 18 Ich bin es, der [ich] über mich selbst Zeugnis gebe, und der Vater, der mich schickte, gibt Zeugnis über mich.“

    19 Darauf sagten sie zu ihm: „Wo ist dein Vater?“

    Jesus antwortete: „Weder mich noch meinen Vater kennt ihr wirklich. Wenn ihr mich wirklich gekannt hättet, würdet ihr auch meinen Vater wirklich gekannt haben.“

    20 Diese Worte* sprach Jesus im Schatzhaus, als er in der Tempelstätte lehrte. Und niemand nahm ihn fest, weil seine Stunde noch nicht gekommen war.

 

21 Da sagte Jesus wieder zu ihnen: „Ich gehe weg. Und ihr werdet mich suchen, und in eurer Sünde werdet ihr sterben. Wohin ich gehe, könnt ihr nicht kommen.“

    22 Darauf sagten die Juden: „Wird er sich etwa selbst töten, weil er sagt: ‘Wohin ich gehe, könnt ihr nicht kommen’?“

    23 Und er sagte zu ihnen: „Ihr seid von[1017] dem, das unten ist[1018]. Ich bin von dem, das oben ist[1019]. Ihr seid von dieser Welt. Ich bin nicht von dieser Welt. 24 Also sagte ich zu euch: ‘Ihr werdet in euren Sünden sterben’, denn wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin[1020], werdet ihr in euren Sünden sterben.“

    25 Darauf sagten sie zu ihm: „Wer bist du?“

    Und Jesus sagte zu ihnen: „Zum Ersten das, was ich euch auch sage. 26 Vieles habe ich über euch zu sagen und zu urteilen; der jedoch, der mich schickte, ist wahrhaftig, und ich, was ich von ihm hörte, dieses sage ich zur Welt.“

    27 Sie [er]kannten nicht, dass er zu ihnen vom Vater sprach.

    28 Es sagte also Jesus zu ihnen: „Wenn ihr den Sohn des Menschen erhöht haben werdet, dann werdet ihr merken, dass ich es bin[1021] und dass ich aus mir selbst nichts tue, sondern so, wie mein Vater mich lehrte, das rede ich. 29 Und der, der mich schickte, ist mit mir. Der Vater hat mich nicht alleine gelassen, weil ich allezeit das tue, was ihm gefällt.“

    30 Als er das redete, glaubten viele an ihn.

 

31 Jesus sagte also zu den Juden, die ihm geglaubt hatten: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrlich meine Jünger; 32 und ihr werdet die Wahrheit [er]kennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“

    33 Sie antworteten ihm: „Wir sind Same Abrahams, und niemandem sind wir je versklavt gewesen. Wie sagst du: ‘Ihr sollt frei werden’?“

    34 Jesus antwortete ihnen: „Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut[1022], ist ein Sklave der Sünde. 35 Der Sklave bleibt aber nicht für immer im Hause. Der Sohn bleibt für immer. 36 Wenn also der Sohn euch frei macht, werdet ihr wirklich frei sein.

    37 Ich weiß, dass ihr Abrahams Same seid. Ihr sucht jedoch, mich zu töten, weil mein Wort in euch nicht vorankommt ‹und so Raum gewinnt›. 38 Ich rede, was ich bei meinem Vater gesehen habe, und also tut auch ihr, was ihr bei eurem Vater gesehen habt.“

    39 Sie antworteten* und sagten zu ihm: „Unser Vater ist Abraham.“

    Jesus sagt zu ihnen: „Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, würdet ihr Abrahams Werke tun. 40 Aber nun sucht ihr, mich zu töten, einen Menschen, der ich die Wahrheit zu euch geredet habe, die ich bei Gott hörte. Dieses tat Abraham nicht! 41 Ihr tut eures Vaters Werke.“

    Darauf sagten sie zu ihm: „Wir sind nicht aus Unzucht heraus geboren worden. Einen Vater haben wir: Gott!“

    42 Daraufhin sagte Jesus zu ihnen: „Wäre Gott euer Vater, hättet ihr mich geliebt, denn von Gott ging ich aus und bin ich gekommen ‹und bin ich da›, denn nicht von mir selbst bin ich gekommen, sondern jener sandte mich.

    43 Warum kennt[1023] ihr nicht, was ich sage? – weil ihr mein Wort nicht hören könnt. 44 Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und das Begehren eures Vaters wollt ihr tun. Der war von Anfang ein Menschenmörder, und er ist nicht gestanden in der Wahrheit, weil Wahrheit nicht in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, redet er aus seinem Eigenen, weil er ein Lügner ist und der Vater derselben.

    45 Aber ich – weil ich die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht. 46 Wer von euch weist mir Sünde nach? Wenn ich aber Wahrheit rede, warum glaubt ihr mir nicht? 47 Wer aus[1024] Gott ist, hört die Worte* Gottes. Deswegen hört ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.“

    48 Da antworteten die Juden und sagten zu ihm: „Sagen wir nicht zu Recht, dass du ein Samariter bist und einen Dämon hast?“

    49 Jesus antwortete: „Ich habe keinen Dämon, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr entehrt mich. 50 Aber ich suche nicht meine Ehre[1025]. Es ist der [da], der [sie] sucht und der urteilt. 51 Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Wenn jemand mein Wort hält[1026], wird er den Tod nicht schauen in Ewigkeit*.“

    52 Da sagten die Juden zu ihm: „Jetzt [er]kennen wir, dass du einen Dämon hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sagst: ‘Wenn jemand mein Wort hält[1027], wird er den Tod nicht schmecken in Ewigkeit*.’ 53 Bist du etwa größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Auch die Propheten starben. Was machst du aus dir selbst?“

    54 Jesus antwortete: „Wenn ich mich selbst verherrliche, ist meine Herrlichkeit nichts. Mein Vater ist es, der mich verherrlicht, der, von dem ihr sagt, dass er euer Gott ist. 55 Und ihr habt ihn nicht gekannt. Aber ich kenne ihn wirklich. Und wenn ich sagen sollte: ‘Ich kenne ihn nicht wirklich’, würde ich – euch ähnlich – ein Lügner sein. Ich kenne ihn jedoch wirklich, und sein Wort halte[1028] ich. 56 Abraham, euer Vater, war hoch erfreut, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah [ihn] und freute sich.“

    57 Daraufhin sagten die Juden zu ihm: „Noch keine fünfzig Jahre bist du und hast Abraham gesehen?“

    58 Jesus sagte zu ihnen: „Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich.“

    59 Daraufhin hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen. Aber Jesus verbarg sich. Und er ging aus der Tempelstätte und ging durch ihre Mitte hindurch. Und auf diese Weise entwich er.

 

9 1 Und als er vorbeiging, sah er einen Menschen, blind von Geburt.

    2 Und seine Jünger stellten ihm eine Frage:

    „Rabbi,“ sagten sie, „wer sündigte, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?“

    3 Jesus antwortete: „Weder dieser sündigte noch seine Eltern, sondern °damit die Werke Gottes an ihm geoffenbart würden. 4 Ich muss wirken die Werke dessen, der mich schickte, solange es Tag ist. Es kommt [die] Nacht, wann niemand wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich [das] Licht der Welt.“

    6 Als er dieses gesagt hatte, spuckte er auf den Boden und machte einen Lehmbrei aus dem Speichel und strich den Lehmbrei auf die Augen des Blinden.

    7 Und er sagte zu ihm: „Gehe hin. Wasche dich im Teich Siloam“[1029] – was übersetzt heißt: ‘Gesandter’.

    Da ging er weg und wusch sich und kam sehend.

 

8 Die Nachbarn also und die, die ihn früher beobachtet ‹und gesehen› hatten, dass er blind war, sagten: „Ist dieser nicht der, der dasaß und bettelte?“

    9 Einige sagten: „Er ist es“, aber andere: „Er ist ihm ähnlich.“

    Jener sagte: „Ich bin es.“

    10 Darauf sagten sie zu ihm: „Wie wurden deine Augen geöffnet?“

    11 Jener antwortete und sagte: „Ein Mensch namens Jesus machte einen Lehmbrei und bestrich meine Augen und sagte zu mir: ‘Gehe hin zum Teich Siloam und wasche dich.’ Und als ich hinging und mich wusch, wurde ich sehend[1030].“

    12 Da sagten sie zu ihm: „Wo ist der?“

    Er sagt: „Ich weiß es nicht.“

    13 Sie führen ihn zu den Pharisäern – den einst Blinden. 14 Es war aber Sabbat, als Jesus den Lehmbrei gemacht und seine Augen geöffnet hatte. 15 Wiederum fragten ihn nun auch die Pharisäer, wie er sehend[1031] geworden sei.

    Er sagte zu ihnen: „Einen Lehmbrei legte er auf meine Augen, und ich wusch mich, und ich sehe.“

    16 Da sagten einige von den Pharisäern: „Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält.“

    Andere sagten: „Wie kann ein sündiger Mensch derartige Zeichen tun?“

    Und es war eine Spaltung unter ihnen.

    17 Sie sprechen wieder zu dem Blinden: „Was sagst du von ihm, weil er deine Augen öffnete?“

    Er sagte: „Er ist ein Prophet.“

    18 Die Juden nun glaubten nicht von ihm, dass er blind gewesen und sehend[1032] geworden war, bis sie die Eltern dessen riefen, der sehend geworden war, 19 und sie fragten sie:

    „Ist dieser euer Sohn,“ sagten sie, „von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde? Wie also sieht er jetzt?“

    20 Seine Eltern antworteten ihnen und sagten: „Wir wissen, dass dieser unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. 21 Aber wie er nun sieht, wissen wir nicht, oder wer seine Augen öffnete, wir wissen es nicht. Er ist selbst alt genug[1033]. Fragt ihn! Er wird selbst über sich reden.“

    22 Dieses sagten seine Eltern, weil sie die Juden fürchteten, denn die Juden waren schon übereingekommen, dass, wenn jemand ihn als den Gesalbten* bekennen würde, er aus der Synagoge[ngemeinde] getan werden sollte.

    23 Deswegen sagten seine Eltern: „Er ist alt genug. Fragt ihn!“

    24 Sie riefen also zum zweiten Mal den Menschen, der blind gewesen war, und sagten zu ihm: „Gib Gott die Ehre[1034]. Wir wissen: Dieser Mensch ist ein Sünder.“

    25 Darauf antwortete jener und sagte: „Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Eines weiß ich: Blind war ich. Jetzt sehe ich.“

    26 Aber sie sagten wieder zu ihm: „Was machte er mit dir? Wie öffnete er deine Augen?“

    27 Er antwortete ihnen: „Ich sagte es euch bereits, und ihr hörtet nicht. Was wollt ihr es wieder hören? Wollt ihr ‹vielleicht› auch seine Jünger werden?“

    28 Daraufhin beschimpften sie ihn und sagten: „Du bist ein Jünger von jenem! Aber wir sind Moses Jünger. 29 Wir wissen, dass Gott zu Mose gesprochen hat. Aber von diesem wissen wir nicht, woher er ist.“

    30 Der Mensch antwortete und sagte zu ihnen: „Hier ist allerdings verwunderlich, dass ihr nicht wisst, woher er ist, und er öffnete meine Augen!

    31 Aber wir wissen, dass Gott Sünder nicht hört, sondern wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, diesen hört er. 32 Von jeher[1035] wurde nicht gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen öffnete. 33 Wenn dieser nicht von Gott wäre, hätte er nichts tun können.“

    34 Sie antworteten* und sagten zu ihm: „Ganz in Sünden wurdest du geboren, und du lehrst uns?“

    Und sie warfen ihn hinaus.

 

35 Jesus hörte, dass sie ihn hinausgeworfen hatten.

    Und nachdem er ihn gefunden hatte, sagte er zu ihm: „Glaubst du an den Sohn °Gottes?“

    36 Jener antwortete und sagte: „Wer ist er, Herr, damit ich an ihn glaube?“

    37 Jesus sagte zu ihm: „Du hast ihn [schon] gesehen, und der, der mit dir redet, derjenige ist es.“

    38 Er sprach: „Ich glaube, Herr!“ und huldigte ihm.

 

39 Und Jesus sagte: „Zum Gericht kam ich in diese Welt, damit die Nichtsehenden sehen sollten und die Sehenden blind würden.“

    40 Und einige von den Pharisäern, die bei ihm waren, hörten dieses und sagten zu ihm: „Sind wir auch blind?“

    41 Jesus sagte zu ihnen: „Wenn ihr blind wärt, hättet ihr nicht Sünde. Aber nun sagt ihr: ‘Wir sehen.’ Eure Sünde bleibt also.

 

10 1 Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Der, der nicht durch die Tür in die Hürde der Schafe eintritt, sondern anderswoher hinaufsteigt, derjenige ist ein Dieb und ein Räuber. 2 Aber der, der durch die Tür eintritt, ist der Hirte der Schafe. 3 Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme. Und die eigenen Schafe ruft er mit Namen, und er führt sie hinaus. 4 Und wenn er die eigenen Schafe hinausgetan hat, geht er ihnen voran. Und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme wirklich kennen.

    5 Aber einem Fremden würden sie gar nicht folgen, sondern sie werden von ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden gar nicht kennen.“
    6 Diese Bildrede sagte ihnen Jesus, aber jene kannten[1036] nicht, was es war, das er zu ihnen sagte.

 

7 Da sprach Jesus wieder zu ihnen: „Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe. 8 Alle, welche auch immer vor mir kamen, sind Diebe und Räuber. Die Schafe hörten jedoch nicht auf sie. 9 Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich eingeht, wird er gerettet werden und ein- und ausgehen und Weide finden. 10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen und zu schlachten und zu verderben. Ich kam, damit sie Leben haben und es im Überfluss haben sollten.

    11 Ich bin der gute[1037] Hirte. Der gute Hirte gibt seine Seele[1038] hin für die Schafe. 12 Aber der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht. Und der Wolf raubt sie und zerstreut die Schafe. 13 Aber der Mietling flieht, weil er ein Mietling ist, und ihm liegt nichts an den Schafen.[1039]

    14 Ich bin der gute Hirte. Und ich kenne die Meinen und werde von den Meinen gekannt, 15 so wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und meine Seele[1040] gebe ich hin für die Schafe.

    16 Und andere Schafe habe ich, die nicht aus dieser Hürde sind. Auch die muss ich führen. Und sie werden auf meine Stimme hören. Und es wird sein eine Herde, ein Hirte. 17 Deswegen liebt mich der Vater, weil ich meine Seele[1041] hingebe, damit ich sie wieder nehme. 18 Niemand nimmt sie von mir, sondern ich gebe sie hin von mir selbst aus. Ich habe Vollmacht*[1042] sie hinzugeben und habe Vollmacht*, sie wieder zu nehmen. Dieses Gebot bekam ich von meinem Vater.“

    19 Daraufhin entstand wieder eine Spaltung unter den Juden wegen dieser Worte. 20 Viele von ihnen sagten: „Er hat einen Dämon und ist von Sinnen. Was hört ihr auf ihn?“ 21 Andere sagten: „Diese Worte* sind nicht die eines Dämonisierten. Kann ein Dämon Augen von Blinden öffnen?“

 

22 Es fand das Fest der Tempelweihe[1043] in Jerusalem statt, und es war Winter.

    23 Und Jesus ging in der Tempelstätte, in der Säulenhalle Salomos, 24 als die Juden ihn umringten und zu ihm sagten: „Bis wann hältst du unsere Seele hin? Wenn du der Gesalbte* bist, sage es uns frei heraus!“

    25 Jesus antwortete ihnen: „Ich sagte es euch, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich in dem Namen meines Vaters tue, diese geben Zeugnis von mir. 26 Ihr glaubt jedoch nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen, so wie ich euch sagte. 27 Meine Schafe hören auf meine Stimme. Und ich kenne sie. Und sie folgen mir. 28 Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen in Ewigkeit* nicht ins Verderben. Und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. 29 Mein Vater, der [sie] mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann [sie] aus der Hand meines Vaters rauben. 30 Ich und der Vater, eins sind wir.“

    31 Daraufhin hoben die Juden wieder Steine auf, dass sie ihn steinigten.

    32 Jesus antwortete ihnen: „Viele edle Werke zeigte ich euch von meinem Vater her. Wegen welchen Werkes davon steinigt ihr mich?“

    33 Die Juden antworteten ihm: „Wegen eines edlen Werkes steinigen wir dich nicht,“ sagten sie, „sondern wegen Lästerung, und [zwar] weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst.“

    34 Jesus antwortete ihnen: „Ist nicht geschrieben in eurem Gesetz: ‘Ich ‹selber› sagte: Ihr seid Götter’? {Ps 82,6}

    35 Wenn er jene Götter nannte, an welche das Wort Gottes geschah – und die Schrift kann nicht aufgehoben werden –, 36 sagt ihr von dem, den der Vater heiligte und in die Welt sandte: ‘Du lästerst!’, weil ich sagte: ‘Ich bin Gottes Sohn’? 37 Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, glaubt mir nicht. 38 Wenn ich sie aber tue, glaubt den Werken – wenn ihr schon mir nicht glaubt –, damit ihr [er]kennt und glaubt, dass der Vater in mir ist und ich in ihm [bin].“

    39 Da suchten sie wieder, ihn festzunehmen, und er entging ihrer Hand.

 

40 Und er ging wieder weg jenseits des Jordans an den Ort, wo Johannes zuerst war und taufte. Und er blieb dort.

    41 Und viele kamen zu ihm und sagten: „Johannes tat kein Zeichen. Aber alles, was immer Johannes über diesen sagte, war wahr.“

    42 Und viele glaubten dort an ihn.

 

11 1 Es war jemand krank, Lazarus von Bethanien, aus dem Dorf der Maria und Martha, ihrer Schwester. 2 Maria war es, die den Herrn mit Myrrhensalbe salbte und seine Füße mit ihrem Haar abwischte. Deren Bruder Lazarus war krank.

    3 Die Schwestern sandten also zu ihm hin und ließen ihm sagen: „Herr, sieh, der, den du lieb hast[1044], ist krank.“

    4 Als Jesus es hörte, sagte er: „Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern für die Herrlichkeit[1045] Gottes, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde.“

    5 Aber Jesus liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus. 6 Wie er also hörte, dass er krank sei, verblieb er dann noch zwei Tage an dem Ort, an dem er war.

    7 Danach, nach diesem[1046], sagt er zu den Jüngern: „Lasst uns wieder nach Judäa gehen.“

    8 Die Jünger sagen zu ihm: „Rabbi, eben suchten die Juden, dich zu steinigen, und du begibst dich wieder dorthin?“

    9 Jesus antwortete: „Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand bei Tage wandelt, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht. 10 Wenn jemand aber bei Nacht wandelt, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist.“ 11 Solches sagte er.

    Und danach sagt er zu ihnen: „Lazarus, unser Freund, ist eingeschlafen. Aber ich gehe hin, damit ich ihn aus dem Schlaf wecke.“

    12 Darauf sagten seine Jünger: „Herr, wenn er eingeschlafen ist, wird er heil werden[1047].“

    13 Jesus hatte aber über seinen Tod gesprochen; sie meinten aber, dass er über das Ruhen des Schlafes spreche.

    14 Also sagte Jesus ihnen dann frei heraus: „Lazarus ist gestorben. 15 Und ich bin euretwegen froh, dass ich nicht dort war, damit ihr glaubt. Lasst uns jedoch zu ihm gehen.“

    16 Daraufhin sagte Thomas, genannt Zwilling, zu den Mitjüngern: „Lasst uns auch gehen, damit wir mit ihm sterben.“

 

17 Als Jesus also kam, fand er ihn schon vier Tage im Grabe liegen. 18 Bethanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien weit[1048]. 19 Und viele von den Juden waren zu denen um Martha und Maria hingekommen, damit sie sie über ihren Bruder trösteten. 20 Martha, als sie hörte, dass Jesus komme, ging ihm also entgegen. Aber Maria saß im Hause.

    21 Nun sagte Martha zu Jesus: „Herr, wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben. 22 Jedoch auch nun weiß ich, dass Gott dir geben wird, um was immer du Gott bitten magst.“

    23 Jesus sagt zu ihr: „Dein Bruder wird auferstehen.“

    24 Martha sagt zu ihm: „Ich weiß, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tage.“

    25 Jesus sagte zu ihr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Der, der an mich glaubt[1049], wird leben, auch wenn er sterben sollte. 26 Und jeder, der lebt und an mich glaubt[1050], wird in Ewigkeit* nicht sterben. Glaubst du das?“

    27 Sie sagt zu ihm: „Ja, Herr. Ich habe geglaubt ‹und glaube›: Du bist der Gesalbte*, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt[1051].“

    28 Und als sie dieses gesagt hatte, ging sie weg und rief heimlich ihre Schwester, Maria, mit den Worten: „Der Lehrer ist da und ruft dich.“

    29 Als jene es hörte, steht sie schnell auf und kommt zu ihm. 30 Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen, sondern er war an dem Ort, wo Martha ihm begegnet war. 31 Die Juden also, die bei ihr im Hause waren und sie trösteten, als sie Maria sahen, dass sie schnell aufstand und hinausging, folgten ihr und sagten: „Sie geht zum Grabe, damit sie dort weine.“

    32 Als Maria nun dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie zu seinen Füßen und sagte zu ihm: „Herr, wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben.“

    33 Als Jesus sie weinen sah und die Juden, die mit ihr gekommen waren, weinen, erregte er sich im Geist. Und er erschütterte sich selbst[1052].

    34 Und er sagte: „Wo habt ihr ihn hingelegt?“

    Sie sagen zu ihm: „Herr, komm und sieh!“

    35 Jesus kamen die Tränen[1053].

    36 Da sagten die Juden: „Sieh! Wie lieb er ihn hatte!“

    37 Aber einige von ihnen sagten: „Konnte dieser, der die Augen des Blinden auftat, nicht auch machen, dass dieser nicht sterbe?“

    38 Jesus, der wieder in sich selbst erregt ist, kommt also zum Grabe. Es war eine Höhle[1054], und ein Stein lag daran[1055].

    39 Jesus sagt: „Nehmt den Stein weg!“

    Es sagt zu ihm die Schwester des Verstorbenen, Martha: „Herr, er riecht schon, denn es sind vier Tage.“

    40 Jesus sagt zu ihr: „Sagte ich dir nicht: ‘Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen’?“

    41 Da nahmen sie den Stein weg [von dort], wo der Verstorbene hingelegt war.

    Jesus hob die Augen empor und sagte: „Vater, ich danke dir, dass du mich hörtest. 42 Ich wusste aber, dass du mich allezeit hörst. Jedoch wegen des Volkes, das umhersteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich sandtest.“

    43 Und als er dieses gesagt hatte, rief er mit großer, ‹lauter› Stimme: „Lazarus, komm heraus!“

    44 Und der Verstorbene kam heraus – an den Füßen und den Händen mit Tüchern umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch umbunden.

    Jesus sagt zu ihnen: „Löst ihn und lasst ihn gehen!“

    45 Viele also von den Juden, die zu Maria hingekommen waren und zusahen, was Jesus tat, glaubten an ihn.

 

46 Aber einige von ihnen gingen weg zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte.

    47 Daraufhin versammelten [sich] die Hohen Priester und die Pharisäer [zu] einer Ratssitzung und sagten: „Was tun wir? – weil dieser Mensch viele Zeichen tut! 48 Wenn wir ihn so fortfahren lassen, werden alle an ihn glauben! Und die Römer werden kommen und werden uns sowohl die Stätte[1056] als auch das Volk wegnehmen.“

    49 Aber einer von ihnen, Kajaphas, der in jenem Jahr Hoher Priester war, sagte zu ihnen: „Ihr wisst nichts! 50 Und ihr überlegt auch nicht, dass es uns förderlich ist, dass ein Mensch zugunsten des Volkes sterbe und nicht das ganze Volk umkomme.“

    51 Dieses sagte er aber nicht aus sich selbst, sondern da er jenes Jahr Hoher Priester war, weissagte er, dass Jesus für das Volk sterben sollte 52 – und nicht für das Volk allein, sondern damit er auch die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammle.

    53 Von jenem Tage an ratschlagten sie also miteinander, ihn zu töten.

    54 Jesus wandelte daraufhin nicht mehr öffentlich unter den Juden, sondern ging von dort weg in das Landgebiet nahe bei der Wüste, in eine Stadt namens Ephraim. Und dort hielt er sich mit seinen Jüngern auf.

 

55 Es war nahe das Passa der Juden, und viele zogen vor dem Passa aus dem Landgebiet hinauf nach Jerusalem, damit sie sich reinigten[1057] ‹und weihten›. 56 Sie suchten also Jesus.

    Und als sie in der Tempelstätte standen, sagten sie untereinander: „Was meint ihr? Wird er gar nicht zu dem Fest kommen?“

    57 Es hatten [nämlich] die Hohen Priester und die Pharisäer Gebot gegeben, dass, wenn jemand Kenntnis habe, wo er sei, man es anzeigen solle, auf dass sie ihn festnähmen.

 

12 1 Sechs Tage vor dem Passa kam Jesus nun nach Bethanien, wo Lazarus war, der Verstorbene, den er von den Toten erweckt hatte. 2 Sie machten ihm also dort ein Mahl, und Martha diente. Lazarus war einer von denen, die zusammen mit ihm [zu Tisch] lagen.

    3 Da nahm Maria ein Pfund[1058] Myrrhensalbe von echter[1059], sehr teurer Narde und salbte die Füße Jesu und wischte seine Füße mit ihrem Haar ab. Und das Haus wurde von dem Geruch der Myrrhensalbe gefüllt.

    4 Es sagt also einer von seinen Jüngern, Judas, [der Sohn] Simons, der Iskariot, der ihn ausliefern sollte[1060]: 5 „Weshalb wurde diese Myrrhensalbe nicht für dreihundert Denare[1061] verkauft und [der Erlös] den Armen gegeben?“

    6 Dieses sagte er aber nicht, weil ihm an den Armen lag, sondern weil er ein Dieb war und den Geldbehälter hatte und das Hineingeworfene trug.

    7 Jesus sagte daraufhin: „Lass sie! Für den Tag meines Begräbnisses hat sie sie aufbewahrt; 8 – denn die Armen habt ihr allezeit bei euch. Mich habt ihr aber nicht allezeit.“

 

9 Eine große Menge von den Juden erfuhr also, dass er dort sei. Und sie kamen, nicht wegen Jesus allein, sondern damit sie auch Lazarus sähen, den er von den Toten erweckt hatte. 10 Da beschlossen die Hohen Priester, dass sie auch Lazarus töteten, 11 weil viele von den Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

 

12 Am folgenden Tage, als eine große Menge, die zu dem Fest kam, hörte, dass Jesus nach Jerusalem komme, 13 nahmen sie die Palmzweige[1062] und gingen hinaus, ihm zu begegnen, und riefen ‹laut›: „Hosanna![1063] Gelobt[1064] [sei] der, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!“

    14 Jesus hatte einen jungen Esel gefunden[1065] und setzte sich auf ihn, so wie geschrieben ist: 15 „Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe! Dein König kommt, sitzend auf dem Fohlen einer Eselin.“ {Vgl. Sac 9,9.}

    16 Diese [Zusammenhänge] [er]kannten seine Jünger zunächst nicht. Als Jesus jedoch verherrlicht worden war, dann dachten sie daran, dass diese Dinge von ihm geschrieben waren und man ihm dieses getan hatte.

    17 Die Menge, die bei ihm gewesen war, als er Lazarus aus dem Grabe gerufen und ihn von den Toten erweckt hatte, hatte also Zeugnis gegeben. 18 Deswegen war ihm auch die Menge[1066] entgegengegangen, weil sie gehört hatte, dass er dieses Zeichen getan hatte.

    19 Da sagten die Pharisäer zueinander: „Ihr seht, dass ihr gar nichts ausrichtet. Sieh! Die Welt ist weggelaufen, hinter ihm her[1067]!“

 

20 Unter denen, die hinaufkamen, um am Fest anzubeten, waren einige Griechen. 21 Diese gingen also hin zu Philippus von Bethsaida in Galiläa.

    Und sie ersuchten ihn und sagten: „Herr, wir wollen Jesus sehen.“

    22 Philippus kommt und sagt es Andreas. Und Andreas und Philippus wiederum sagen es Jesus.

    23 Jesus antwortete ihnen und sagte: „Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde. 24 Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bleibt es alleine. Aber wenn es stirbt, trägt es viel Frucht. 25 Wer seine Seele[1068] lieb hat[1069], wird sie verlieren, und wer seine Seele in dieser Welt hasst, wird sie zum ewigen Leben bewahren. 26 Wenn jemand mir dient, folge er mir. Und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Und wenn jemand mir dient, wird der Vater ihn ehren.

    27 Jetzt ist meine Seele erschüttert, und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde? Deswegen jedoch bin ich in diese Stunde gekommen. 28 Vater, verherrliche deinen Namen!“

    Da kam eine Stimme aus dem Himmel: „Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“

    29 Da sagte die Menge, die dastand und zuhörte, ein Donner sei geschehen.

    Andere sagten: „Ein Engel hat mit ihm geredet.“

    30 Jesus antwortete* und sagte: „Nicht meinetwegen ist diese Stimme geschehen, sondern euretwegen. 31 Nun ist Gericht dieser Welt.[1070] Nun wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden. 32 Und ich, wenn ich von der Erde erhöht worden bin, werde alle herziehen zu mir selbst.“

    33 Mit diesen Worten deutete er ‹zeichenhaft› an, durch welchen Tod er sterben sollte.

    34 Die Menge antwortete ihm: „Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Gesalbte* in Ewigkeit* bleibe, und wie sagst du: ‘Der Sohn des Menschen muss erhöht werden?’ Wer ist dieser, der Sohn des Menschen?“

    35 Da sagte Jesus zu ihnen: „Noch eine kleine Zeit ist das Licht bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit nicht Dunkelheit euch erfasse[1071]. Und der, der in der Dunkelheit wandelt, weiß nicht, wohin er geht. 36 Solange ihr das Licht habt, glaubt[1072] an das Licht, damit ihr Söhne des Lichtes werdet.“

 

Diese Dinge redete Jesus, und er ging weg und verbarg sich vor ihnen. 37 So viele Zeichen er nämlich vor ihnen getan hatte –: sie glaubten nicht an ihn, 38 damit das Wort des Propheten Jesaja erfüllt werde, das er sagte:

    „Herr, wer hat unserer Verkündigung[1073] geglaubt, und der Arm des Herrn, wem ist er geoffenbart worden?“ {Jes 53,1}

    39 Deswegen konnten sie nicht glauben, weil wiederum Jesaja sagte: 40 „Er hat ihre Augen blind gemacht, und ihr Herz hat er verhärtet, damit sie nicht mit den Augen sähen und mit dem Herzen verständen und sie umkehrten und ich sie heilte.“ {Vgl. Jes 6.9.10.}

    41 Solches sagte Jesaja, als er seine Herrlichkeit sah, und über ihn redete er.

    42 Gleichwohl glaubten tatsächlich auch von den Obersten viele an ihn. Wegen der Pharisäer jedoch bekannten sie es nicht, damit sie nicht aus der Synagoge getan würden, 43 denn sie liebten die Ehre[1074] der Menschen mehr als die Ehre Gottes.

 

44 Jesus rief ‹laut› und sagte: „Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich schickte. 45 Und wer mich schaut, schaut den, der mich schickte. 46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt[1075], nicht in der Dunkelheit bleibe. 47 Und wenn jemand meine Worte* hört und nicht glaubt, richte ich ihn nicht, denn ich kam nicht, damit ich die Welt richte, sondern damit ich die Welt rette.

    48 Wer mich verwirft[1076] und meine Worte* nicht annimmt, hat seinen Richter[1077]: Das Wort, das ich redete, das wird ihn richten am letzten Tage; 49 denn ich redete nicht von mir selbst aus, sondern der Vater, der mich schickte, er selbst gab mir Gebot, was ich sagen soll und was ich reden werde. 50 Und ich weiß, dass sein Gebot ewiges Leben ist. Was ich also rede, rede ich so, wie mir der Vater gesagt hat.“

 

13 1 °Vor dem Passafest, wissend, dass seine Stunde gekommen war, dass er wegginge aus dieser Welt, hin zu dem Vater, liebte Jesus die Eigenen, die in der Welt waren – die er geliebt hatte – bis ans Ende.

    2 Und als das Mahl gekommen war, als der Teufel schon dem Judas, [dem Sohne] Simons, dem Iskariot[1078], ins Herz gegeben[1079] hatte, dass er ihn ausliefere[1080], 3 steht Jesus, im Wissen, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben hatte und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe, 4 vom Mahl auf und legt die Oberkleider ab. Und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich. 5 Danach gießt er Wasser in das Waschgefäß. Und er fing an, die Füße der Jünger zu waschen und mit dem leinenen Tuch, mit dem er umgürtet war, abzutrocknen. 6 Er kommt also zu Simon Petrus.

    Und der sagt zu ihm: „Herr, du wäschst meine Füße?“

    7 Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Was ich tue, weißt du jetzt nicht. Du wirst es aber nach diesem[1081] erfahren.“

    8 Petrus sagt zu ihm: „In keinem Fall wirst du meine Füße waschen, in Ewigkeit* [nicht]!“

    Jesus antwortete ihm: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du nicht Teil mit mir.“

    9 Simon Petrus sagt zu ihm: „Herr, nicht meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!“

    10 Jesus sagt zu ihm: „Wer gebadet ist, hat es nicht nötig, sich zu waschen als nur die Füße, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, jedoch nicht alle“; 11 – denn er wusste um den, der dabei war ihn auszuliefern. Deswegen sagte er: „Ihr seid nicht alle rein.“

    12 Als er also ihre Füße gewaschen und seine Oberkleider genommen hatte, sagte er, als er sich wieder [zu Tisch] gelegt hatte, zu ihnen: „[Er]kennt ihr, was ich euch getan habe? 13 Ihr nennt mich ‘den Lehrer’ und ‘den Herrn’, und ihr sagt recht, denn ich bin es. 14 Wenn ich also, der Herr und der Lehrer, eure Füße gewaschen habe, seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen; 15 denn ich gab euch ein Beispiel, damit, so wie ich euch tat, auch ihr tut. 16 Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Ein leibeigener Knecht ist nicht größer als sein Herr noch ein Gesandter größer als der, der ihn schickte. 17 Wenn ihr das wisst, seid ihr Selige, wenn ihr es tut.

    18 Nicht von euch allen sage ich es. Ich weiß, welche ich erwählte. Damit jedoch die Schrift erfüllt werde: ‘Der, der mit mir das Brot isst, hat seine Ferse gegen mich aufgehoben.’ {Vgl. Ps 41,10.}

    19 Von nun an[1082] sage ich es euch, ehe es geschieht, damit, wenn es geschieht, ihr glaubt, dass